Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Gegenüberstellung der Mitgliederstrukturen der IRA und der RAF. 5
2.1 Mitgliederstrukturen. 5
2.1.1 IRA 5
2.1.2 RAF 8
2.2 Ausstiegsmöglichkeiten bedingt durch die Struktur 10
3. Einstieg Ausstieg? 12
3.1. Untersuchung der These von Karen de Ahna, dass der Ausstieg bereits durch den
Einstieg bedingt sei, an Hand von zwei Aussteigerbeispielen-. 12
3.1.1 Joe Doherty 12
3.1.2 Margrit Schiller 16
4. Resümee 22
Literaturverzeichnis. 23
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1. Einleitung
Thema folgender Hausarbeit wird der Ein- und Ausstieg in terroristische Vereinigungen sein. Am Beispiel der Irish Republican Army (IRA) und der Roten Armee Fraktion (RAF) werden Kriterien und Gründe für diesen Vorgang erläutert. Einleitend erfolgt eine Analyse und Betrachtung der Strukturen der IRA und der RAF. Die Strukturen werden dann in einer vergleichenden Analyse auf ihre Möglichkeiten für einen Ausstieg betrachtet. Gründe und Probleme im Zuge des Ausstieges lassen sich repräsentativ an zwei Personenbeispielen erklären. Der ehemalige IRA Aktivist Joe Doherty und die ehemals in der RAF tätige Margrit Schiller stehen im Mittelpunkt der Arbeit. An ihrem Beispiel soll die These von Karen de Ahna, die Schwerpunkt ihrer Untersuchung „Wege zum Ausstieg. Fördernde und hemmende Bedingungen“ 1 ist, überprüft werden. Diese sagt aus, dass der Ausstieg aus einer terroristischen Organisation bereits auf den Einstieg zurückzuführen ist. Ein -und Ausstieg von Joe Doherty und Margrit Schiller werden in diesem Kontext zu betrachten sein. Reflektierend wird abschließend ein Resümee bzw. Fazit gezogen. Wichtige Aspekte der Thematik werden in zusammenfassender Form und ihrer Bedeutung für den heutigen Umgang mit Terrorismus dargestellt. Probleme wie die steigende Kriminalität nach den Waffenstillständen in Nordirland sind diesbezüglich zu nennen. Auch die Vorgehensweise gegen die RAF und ihre bestehende Aktualität wird behandelt.
Die Quelllenlage bzw. das Quellenmaterial zu Aussteigern aus der IRA ist bis jetzt nur wenig vorhanden. Das verwendete WDR 5 Interview mit Joe Doherty kann die Problematik des Ausstiegs nur ansatzweise darstellen. Die genauen Beweggründe für seinen Ausstieg sind dem Interview nicht zu entnehmen. Zudem ist nur eine einseitige Sichtweise vorhanden, da nur aus der Perspektive von Doherty berichtet wird. Quellenmaterial mit einer objektiven Betrachtung der Thematik ist kaum vorhanden. Dies trifft auch auf die RAF zu. Es sind zwar viele Lebensberichte der RAF Terroristen vorhanden, jedoch beschreiben diese nur aus der Sicht der RAF und sind nicht objektiv. Journalistische Beiträge zur RAF, wie beispielsweise von Butz Peters, weisen oft vorgefertigte Meinungen, entweder für oder gegen die RAF auf und sind zusätzlich in sehr polemischer Form verfasst. Vieles Quellenmaterial wie z.B. die
1 de Ahna, Karen, Wege zum Ausstieg. Fördernde und hemmende Bedingungen, in: Analysen zum Terrorismus, hrsg. vom Bundesministerium des Innern, Band 3: Wanda von Baeyer-Katte/Dieter Claessens/Hubert Feger/ Friedhelm Neidhardt, Gruppenprozesse, Opladen 1982, S. 478-552.
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Prozessakten der RAF Mitglieder sind bis heute noch nicht zugänglich und wird vom Staat unter Verschluss gehalten. Resultierend aus der angesprochenen Quellenlage müssen alle Informationen und Literatur kritisch betrachtet werden.
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2. Gegenüberstellung der Mitgliederstrukturen der IRA und der RAF
2.1 Mitgliederstrukturen
2.1.1 IRA
Die IRA unterteilt sich in einen militärischen und einen politischen Flügel. Der politische Flügel repräsentiert durch die Sinn Fein Partei, bietet der IRA die Möglichkeit einer legalen Repräsentation in der Öffentlichkeit. Als einer der wichtigsten Vorsitzenden der Sinn Fein Partei kann Gerry Adams angeführt werden. Er hat die IRA weitgehend geprägt und strukturell verändert. Bei seinem Eintritt in die IRA 1968/69 gehört er schon zum Führungskreis der „Provisional IRA“ (PIRA). Somit ist er anfänglich im militärischen Flügel der IRA tätig. Erst 1983 setzt man ihn als Präsident von Sinn Fein ein, nachdem er zuvor von der PIRA in die Sinn Fein Partei wechselt. 1983-92 und seit 1997 ist er Abgeordneter des britischen Unterhauses für West-Belfast. Die Neustrukturierung der IRA geht vor allen Dingen auf Gerry Adams zurück.
Zu Beginn seiner Tätigkeit in der IRA verfügt die „Offical IRA“ über einer Mitglieder- stärke von 750 Mitgliedern. 2 Von dieser Anzahl gehören 330 zu dem aktiven Kern. Die Provisionlas haben ca. 1500 Mitglieder, von denen 500-600 in aktive Kampfhandlungen verwickelt sind. Das Machtzentrum der IRA wird durch das siebenköpfige „Army Council“ mit Sitz in Dublin verkörpert. Der besitzt unter anderem die Befehlsgewalt über die aktiven Einheiten des militärischen Flügels, sowie die Möglichkeit sein Einverständnis zu den Entscheidungen des „Ard Comhairle“, welcher den Vorsitz des politischen Flügels darstellt, zu geben. An der Spitze des „Army Councils“ steht der „Chief- of- Stuff “ und sein Stellvertreter der „Adjutant General“ 3 . Er erklärt eine Kampagne für beendet, hat somit das Kommando über die jeweiligen Einsätze inne. Weitere Mitglieder sind der Quartiermeister, zuständig für Waffeninstandhaltung und das Versteck dieser, ein Einsatzleiter und Verantwortliche für Finanzen, Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Der Stab der Belfast Brigade spielt in
2 Hermle, Reinhard , Der Konflikt in Nordirland: Ursachen, Ausbruch und Entwicklung unter besonderer Berücksichtigung des Zeitraums 1963-1972; Eine Fallstudie zum Problem innergesellschaftlicher politischer Gewalt, München 1979, S.237.
3 Neumann, Peter, IRA: Langer Weg zum Frieden, Europäische Verlagsanstalt/ Sabine Groenewold Verlage, Hamburg 2002, S. 72.
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Bezug auf die Machtverteilung innerhalb der IRA eine ebenso wichtige Rolle. Sie besteht aus drei Bataillonen mit jeweils 12 Kompanien von 60 Mann.
Jedoch übernehmen die eigentlichen operationalen Aufgaben die „Active Service Units“, die aus kleinen Zellen von fünf bis acht Mann bestehen. Wichtig sind in Zusammenhang mit dem militärischen Flügel auch die Army Executive und die General Army Convention. Die Army Executive besteht aus 12 Mitgliedern, die von der „General Army Convention“ gewählt werden und besitzt die Macht der Wahl der sieben Mitglieder des „Army Councils“. Die General Army Convention tritt in unregelmäßigen Abständen zusammen und rekrutiert sich aus Delegierten, die aus jeder Einheit entsendet werden.
Auch die aktiven Einheiten der IRA weisen eine hierarchische Struktur auf. Die oberste Befehlsgewalt besitzen die Brigaden. Sie geben die Befehle an die Bataillone weiter, welche wiederum die Zellen in ihre Aufgaben einweisen. Außerhalb Nordirland agieren in England, das England Department und in West-Europa das Overseas Department. 4 Unter der Führung von Gerry Adams werden gerade in den Jahren 1976 und 77 einige wichtige strukturelle Veränderungen vorgenommen. 1976 lässt das „Army Council“ unter seinem Einwirken ein Northern Command einrichten. Ab diesem Zeitpunkt hat das Hauptquartier in Dublin keine Macht mehr über militärische Operationen im Norden, sondern muss sich auf künftig auf internationale Operationen beschränken 5 . Ein wichtiges Dokument, welches 1977 der irischen Polizei in die Hände fällt, verdeutlicht auch eine Veränderung der Taktik und der Strategie der IRA. Wichtig hierbei ist die Einführung eines Zellen-Systems. Das alte „Order of Battle“ System, bestehend aus Brigaden, Bataillonen und Kompanien kann durch ein flexibleres und effektiveres System ersetzt werden. Um der Infiltration und Unterwanderung vorzubeugen, verwendet man von diesem Zeitpunkt an dieses System. Bei diesem operieren maximal vier Mitglieder und ein Kommandant innerhalb einer Zelle zusammen. Es wird unabhängig von den anderen Zellen gehandelt, wobei die Namen der Mitglieder der anderen Zellen nicht bekannt sind. Somit ist eine Unterwanderung durch die Polizei zum Teil erschwert. 6 Finanzielle Mittel bezieht die IRA aus legalen Geschäften wie kleineren Taxiunternehmen
4 Ebd., S. 239.
5 Kandel, Johannes, Der Nordirland - Konflikt: Von seinen Wurzeln bis zur Gegenwart, in: Politik- und Gesellschaftsgeschichte, Band 69, hrsg. von Dieter Dowe und Michael Schneider, Bonn 2005, S.222.
6 Kandel, Johannes, Der Nordirland - Konflikt, Bonn 2005, S. 223.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Kentsch, 2006, Vergleichende Analyse der Austiegsmöglichkeiten aus terroristischen Gruppierungen am Beispiel der RAF und der IRA, München, GRIN Verlag GmbH
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