2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das „erhabne Drama der Revolution“ - Kunstdiskurse in Büchners 3
Dantons Tod
2.1. Büchners Interesse an der Französischen Revolution 3
2.2. Die Revolution als Theaterstück 4
2.2.1. Büchners Dramenvorstellungen 4
2.2.2. Die Revolutionäre als Schauspieler 8
2.2.3. Kunstkritik in Dantons Tod 12
3. Schlussfolgerungen 14
Bibliographie 16
3
1. Einleitung
In Georg Büchners Dantons Tod (1835) finden sich eine ganze Reihe von verschiedenartigen Diskursen, die zur Gesamtkomposition des Werkes beitragen. Daher scheint dieser Text besonders geeignet, um eine Diskursanalyse durchzuführen. Ziel dieser Seminararbeit ist es, einen dieser Diskurse im Detail zu analysieren: den Diskurs über Kunst. Dies wird mittels Textbeispielen aus dem Originaltext sowie anhand von Sekundärliteratur geschehen, die teils von Büchner selbst (Briefe), teils von anderen Autoren stammt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Büchners eigenem Kunstverständnis sowie dem Kunstverständnis seiner Zeit und der Frage, inwieweit sich dies in Dantons Tod manifestiert. Dabei wird zunächst kurz auf Büchners Interesse an der Französischen Revolution eingegangen, um seine Darstellungsweise des Themas besser verständlich zu machen. Im weiteren Verlauf soll dann auf Büchners Dramenvorstellungen eingegangen werden und sollen die im Stück vorkommenden Akteure als Schauspieler analysiert werden, um dann schließlich zum Thema Kunstkritik in Dantons Tod überzuleiten. Dabei liegt dieser Arbeit ein weiter Kunstbegriff zu Grunde, der sich nicht nur auf die Malerei beschränkt, sondern auch Bereiche wie Literatur, Theater und Ästhetik einschließt.
2. Das „erhabne Drama der Revolution“ - Kunstdiskurse in Büchners Dantons Tod
2.1. Büchners Interesse an der Französischen Revolution
Georg Büchner (1813-1837) zeigte von jeher reges Interesse an der Französischen Revolution. Bereits als Schüler zeigte er sich als begeisterter Anhänger der Ideen der Revolution, die er als „einen Kampf, ´der die Menschheit in ihrer Entwickelung um mehr denn ein Jahrhundert in gewaltigem Schwunge vorwärtsbrachte`“ 1 empfand. Dennoch war Büchner kein verblendeter Illusionär, der die Revolution nur im positiven Licht sah. Für ihn konnte dieses Ereignis als Lehrstück dienen, an dem positive Ideale,
1 Gerald Funk, Erläuterungen und Dokumente Georg Büchner Dantons Tod, Stuttgart 2002, S.8
4
aber auch die tragischen Folgen eines fehlgeleiteten Idealismus anschaulich gemacht werden konnten.
Nach Ansicht einiger Experten nutzte Büchner (Zeit seines Lebens selbst Revolutionär) Dantons Tod aber nicht nur um die positiven und negativen Aspekte der Revolution zu beleuchten, sondern auch um „Büchners eigene Problematik als Revolutionär, d.h. das Problem der Verantwortung für die revolutionäre Gewalttat, durchzuspielen.“ 2 Um dieses Problem eingehender zu beleuchten, bedurfte es mehr als nur einer einfachen Erzählung der Geschichte, wie sie sich ereignet hatte, sondern viel mehr der Darstellung der potentiellen Beweggründe der Protagonisten der Revolution in einer weitaus persönlicheren Weise. Möglicherweise schien Büchner daher die Gattung des Dramas mit seiner hauptsächlich dialogischen Struktur besonders geeignet, um diesen Konflikt auszubreiten.
2.2. Die Revolution als Theaterstück
2.2.1. Büchners Dramenvorstellungen
Wenn Büchner in Dantons Tod Robespierre vom „erhabne[n] Drama der Revolution“ 3 sprechen lässt, so meint Büchner den Begriff Drama nicht im klassizistischen Sinne. Er wendet sich gegen die althergebrachte Definition des Aristoteles, der für die Tragödie (als einer Art des Dramas) verlangte:
„Die Tragödie ist Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung von bestimmter
Größe, in anziehend geformter Sprache, wobei diese formenden Mittel in den einzelnen
Abschnitten je einzeln angewandt werden - Nachahmung von Handelnden und nicht durch
Bericht, die Jammern/Rührung (eleos) und Schaudern/Schrecken (phobos) hervorruft […] und
hierdurch eine Reinigung (katharsis) von derartigen Erregungszuständen bewirkt.“ 4 Dieser Definition für die Tragödie bzw. das Drama handelt Büchner in jedem Punkt zuwider. Zunächst ist die Handlung von Dantons Tod nicht in sich geschlossen, es findet sich keine Einheit der Handlung, keine Einheit der Zeit und keine Einheit des
2 Gonthier-Louis Fink, „Das Bild der Revolution in Büchners Dantons Tod“, in: Burghard Dedner/ Günter Oesterle (Hrsg.), Zweites Internationales Georg Büchner Symposium 1987. Referate, Frankfurt a.M. 1990 (Büchner-Studien.6.), S.175-203, hier S. 199
3 Georg Büchner, Dantons Tod, Stuttgart 2002, S.15
4 http://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles)
5
Ortes. Büchner steigt unmittelbar in die Handlung ein, es gibt keine Einleitung, die dem Zuschauer erläutert, wie es zu den nun folgenden Handlungen kommt. Ebenso wie über die Vorgeschichte lässt Büchner die Zuschauer über die nachfolgende Geschichte im Unklaren. Mit dem Tod Dantons scheint die Revolution für Büchner beendet zu sein. Die nachfolgenden Morde an Robespierre und seinen Gleichgesinnten werden im Drama nur durch Aussagen angedeutet, nicht aber im Stück gezeigt. Die weiteren Verstöße gegen die aristotelische Einheitslehre lassen sich durch die Wahl des Topos begründen. Die Komplexität der Ereignisse jener Zeit macht es dem Autor unmöglich, die gesamte Handlung mit all ihren Facetten an einem Tag und an einem Ort spielen zu lassen.
Auch auf die von Aristoteles geforderte „anziehend geformte[r] Sprache“ 5 verzichtet Büchner bewusst. Gerade die Ungeschliffenheit des von ihm gewählten Sprachstils ist ihm wichtig, da sich daraus einer seiner wichtigsten Ansprüche an das Drama bzw. den Dramatiker ergibt, nämlich die Authentizität. So schreibt Büchner in einem Brief an seine Eltern: „Seine [Der dramatische Dichter] höchste Aufgabe ist, der Geschichte, wie sie sich wirklich begeben, so nahe als möglich zu kommen. Sein Buch darf weder sittlicher noch unsittlicher sein, als die Geschichte selbst; […].“ 6 Dieser Authentizitätsanspruch zeigt sich in Dantons Tod auf vielfältige Weise, unter anderem in der derben Sprache des einfachen Volkes (z.B. „Du Hurenbett, in jeder Runzel deines Leibes nistet Unzucht“ 7 ), die sich von der rhetorischen Eloquenz der Deputierten deutlich unterscheidet.
Zuletzt verweigert sich Büchner auch größtenteils der Nachahmung der Handlung im eigentlichen Sinne des Wortes, da Handlung als aktiver Prozess in Dantons Tod kaum vorkommt. Stattdessen lebt dieses Drama von seinem szenischen Aufbau. Dadurch ergibt sich eine andere Wirkung als bei klassischen Dramen wie etwa Shakespeares Hamlet, „deren Handlung streng auf ein Ende hin konzipiert ist.“ 8 Büchner strebt mit
5 s. Anmerkung 4
6 Georg Büchner, Brief Büchners an die Eltern (Straßburg, 28. Juli 1835), in: Gerald Funk, Erläuterungen und Dokumente Georg Büchner Dantons Tod, Stuttgart 2002, S.177
7 Georg Büchner, Dantons Tod, S.9
8 Rosmarie Zeller, „Dantons Tod und die Poetik des Geschichtsdramas“, in: Burghard Dedner/ Günter Oesterle (Hrsg.), Zweites Internationales Georg Büchner Symposium 1987. Referate, Frankfurt a.M. 1990 (Büchner-Studien.6.), S.146-174, hier S. 165/166
Arbeit zitieren:
B.A. Dennis Alexander Goebels, 2006, Das "erhabne Drama der Revolution", München, GRIN Verlag GmbH
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