INHALTSVERZEICHNIS
1. HEUTE BEFREMDLICH KLINGENDE EROTIK IM BIBLISCHEN HOHELIED 3
2. „ACH DASS ICH EUCH NICHT MEIDEN MÜSTE“ 5
2.1. WIE FINDET EIN „SCHLÜPFRIGES“ GEDICHT PLATZ IM BAROCK? 6
2.2. EINE GALANTE ODE AN DIE BRÜSTE. 8
2.3. LIEBESKLAGE ODER MEHR? 9
2.4. CHARAKTERISTISCH FÜR GALANTE LYRIK: SYNTHESE ZWISCHEN
BEGEHREN UND ERFÜLLEN 10
3. „SIE SINGT VON DER SÜSSIGKEIT SEINER LIEBE“ 12
3.1. „LIEBE“, „SCHATZ“ UND „KÜSSE“ IN EINEM RELIGIÖSEN GEDICHT? 13
3.2. GROSSES ZIEL: „EINGES EIN“ MIT GOTT 14
4. GEMEINSAME MOTIVE - UNTERSCHIEDLICHE SEELISCHE HALTUNG. 15
Literaturverzeichnis. 16
2
1. HEUTE BEFREMDLICH KLINGENDE EROTIK IM BIBLISCHEN HOHELIED
„Wie bist du schön und so lieblich, o Liebe in Wonnen! Deine Gestalt ist der
Palme gleich, deine Brüste sind wie Trauben. Ich dachte: Ich will auf die Palme klettern, will pflücken die Dattelrispe, und deine Brüste sollen mir sein wie Trauben des Weinstocks, der Duft deines Atems wie Apfelduft! Und dein Mund soll mir sein wie der edelste Wein, der glattweg fließt zu meinen Liebkosungen, meine Lippen und Zähne benetzend. ‚Ich gehöre meinem Geliebten an und nach mir hat er Verlangen.“ 1
Dass diese Textstelle aus einem der schönsten Liebeslieder der Weltliteratur, dem biblischen Hohelied des Salomon stammt, das wissen auf Anhieb sicherlich nur sehr wenige; selbst wenn bei der Frage nach der Herkunft Auswahlmöglichkeiten zur Beantwortung gegeben wärenein hoher Prozentsatz würde vermutlich nicht richtig liegen. Das liegt aber nicht nur daran, dass das Interesse an der Heiligen Schrift immer mehr ein oberflächliches ist, Worte wie „Brüste“, „Liebkosungen“ oder auch „Verlangen“ erscheinen heute in einem religiösen Kontext schlichtweg befremdlich. Das Hohelied aus dem Alten Testament strahlt eine Erotik aus, die sich aus heutiger Sicht für Texte aus dem Umfeld Kirche und Religion verbieten würde. Außerhalb der Kirche hingegen sind die Themen „Sexualität“ und „Erotik“ allgegenwärtig. Es ist schwer vorstellbar, dass dieses Lied mit eindeutigem erotischen Charakter bereits vor etwa 3000 Jahren verfasst wurde und außerdem noch einen Platz in der biblischen Schriftensammlung des Alten Testaments gefunden hat (wobei dieses Alte Testament an Schilderungen sexueller Tatbestände, angefangen von Ehebruch über Vergewaltigung und Inzest bis hin zu Orgien gar nicht so arm ist). Heute herrscht doch die Meinung vor, Sexualität sei frühestens seit den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts enttabuisiert worden. Dabei gab es schon viel früher Zeiten, in denen Sexuelles sagbar war, ehe dann moralisierende Tendenzen erneut zu einer Tabuisierung führten. Vor über 300 Jahren, zur Barockzeit, war eine solche Phase der Duldung zumindest verbaler Freizügigkeit. Besonders auffällig ist die Tatsache, dass Sexualität und Erotik in der so genannten „galanten Zeit“ sowohl in der religiösen als auch der profanen Dichtung eine Rolle spielten. Mit seiner Liedersammlung „Heilige Seelen-Lust oder geistliche Hirtenlieder der in ihren Jesum verliebten Psyche“ ist Johannes Scheffler, auch Angelus Silesius genannt, der berühmteste Vertreter auf Seiten der geistlichen erotischen Barock-Dichtung. Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau hingegen widmete sich vornehmlich der weltlichen Erotik. Weltliche Erotik, geistliche Erotik - kann man Erotik überhaupt in verschiedene Ebenen auftrennen? Und - wenn ja - wo liegen die Unterschiede?
1 Die ganze heilige Schrift, Hohelied, 7,7-11, S. 814.
3
Die oben aufgeworfene Frage gilt es anhand zweier Gedichte zu klären. Zum einen ist dies Hoffmannswaldaus weltlich-erotisches „Ach dass ich euch nicht meiden müste“ aus der Neukirchschen Sammlung mit dem Titel „Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bisher ungedruckte Gedichte“, zum anderen das geistlich-erotische „Sie singt von der Süßigkeit seiner Liebe“ aus der „Heiligen Seelenlust“ von Angelus Silesius.
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Arbeit zitieren:
Katharina Petzi, 2004, Religiöse und weltliche Erotik im Barock, München, GRIN Verlag GmbH
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