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1.Einleitung
Das Thema Erfolgsvoraussetzungen von Währungsunionen ist nicht nur unter theoretischen Aspekten interessant, sondern hat in den letzten Jahren auch eine hohe Praxisrelevanz erfahren. In den 90er Jahren kam es sowohl zur deutschdeutschen als auch zur europäischen Währungsunion. Der Begriff Währungsunion bedeutet, dass es zu einer unwiderruflichen Fixierung der Wechselkurse ohne Bandbreite kommt und eine Übertragung der geld- und währungspolitischen Kompetenz auf eine gemeinsame Zentralbank erfolgt. Der Begriff impliziert hingegen nicht, dass zwangsläufig eine einheitliche Währung geschaffen wird. 1 Da sich die Vorteile einer Währungsunion jedoch nur bei einer einheitlichen Währung voll entfalten können, sei im weiteren stets von einer einheitlichen Währung ausgegangen.
In dieser Arbeit soll zunächst diskutiert werden, welche Vor- und Nachteile mit einer Währungsunion verbunden sind. Des weiteren wird mit Hilfe der Theorie optimaler Währungsräume untersucht, unter welchen Voraussetzungen die Kosten einer Währungsunion relativ gering sein werden. Ob die Kriterien bei den genannten Währungsunionen gegeben waren und wie die Währungsunionen unter diesem Aspekt zu bewerten sind, wird im vierten Kapitel untersucht. Zum Schluss werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst.
2. Kosten und Nutzen einer Währungsunion
2.1. Kosten einer Währungsunion
Die Kosten einer Währungsunion entstehen vornehmlich im Fall von Schocks. 2 Hierbei ist zwischen symmetrischen und asymmetrischen sowie mikroökonomischen und makroökonomischen Schocks zu differenzieren. Asymmetrische Schocks haben im Gegensatz zu symmetrischen Schocks unterschiedliche Auswirkungen in den Ländern der Währungsunion. Mikroökonomische Schocks werden insbesondere durch exogene Nachfrageänderungen ausgelöst, während makroökonomische Schocks ihre Ursache in unterschiedlichen Konjunkturzyklen und Inflationsraten innerhalb einer Währungsunion finden. Zur Behebung der von Schocks verursachten Ungleichgewichte und deren negativen Auswirkungen
1 Vgl. Moritz, K.H./ Stadtmann, G., (1999), S.190.
2 Vgl. Moritz, K.H./ Stadtmann, G., (1999), S.214.
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auf Beschäftigung sowie Preisniveaustabilität für die betroffenen Länder, sind Anpassungsmechanismen innerhalb einer Währungsunion erforderlich. 3 Der mit einer Währungsunion einhergehende Verlust des Wechselkurses als Anpassungsinstrument verhindert einen Ausgleich über eine Abwertung bzw. Aufwertung der Währung. Als erster analysierte Mundell 4 die Auswirkungen einer Nachfrageverschiebung zwischen zwei Ländern 5 innerhalb einer Währungsunion, wobei in der Ausgangssituation in beiden Ländern Vollbeschäftigung herrscht. Die verstärkte Nachfrage führt in dem einen Land zu einem Anstieg des Preisniveaus, während in dem anderen Land Produktion und Beschäftigung sinken. Im Falle flexibler Wechselkurse könnte die Wettbewerbsfähigkeit des negativ betroffenen Landes durch eine Abwertung der Währung und einer entsprechenden Aufwertung in dem anderen Land wiederhergestellt werden. In einer Währungsunion fehlt dieser Parameter. 6
Durch die Übertragung der Geldpolitik auf eine gemeinsame Zentralbank entfällt ebenfalls die Möglichkeit der Absorption negativer Auswirkungen auf Preisniveau und Beschäftigung mittels geldpolitischer Maßnahmen. Der Verzicht auf eine autonome Geldpolitik bedeutet eine einheitliche Zielsetzung der Geldpolitik. Im Fall von zwei Ländern würde in dem einen Land versucht werden, die Beschäftigung durch expansive Geldpolitik zu steigern, während das andere Land eine restriktive Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung betreiben würde. Einheitliche Geldpolitik hingegen verlangt Koordination, um weder den Inflationsanstieg noch den Beschäftigungsrückgang zu verstärken. 7 Einheitliche Geldpolitik bedeutet ebenfalls einen Verzicht auf einen möglichen „trade-off“, den die Phillipskurve 8 bietet. Auch wenn sich erwiesen hat, dass langfristig kein Austauschverhältnis zwischen Inflation und Beschäftigung besteht, könnten einzelne Länder der Währungsunion diesen Effekt bis dato zu- 3 Vgl.Willms, M., (1999), S. 48
4 Vgl. Mundell, R.A., (1961), S.214-216.
5 Mundell geht in seinem Originalaufsatz von Währungsregionen aus, konkret die West-
küste und Ostküste Nordamerikas, die nicht mit den politischen Grenzen übereinstimmen.
6 Vgl. Willms, M. (1995), S. 202.
7 Vgl. Auria, L. (1997), S.23.
8 Die Phillipskurve geht auf eine empirische Untersuchung von A.W. Phillips zurück,
welcher über einen längeren Zeitraum einen Zusammenhang zwischen Nominal-lohnsteigerungen und Arbeitslosigkeit feststellen konnte. Eine gute Zusammenfassung
über die Phillipskurve und der daran geübten Kritik findet sich in: Felderer., B./
Homburg, S. (1993). S.257-285.
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mindest kurzfristig genutzt haben, um z.B. die Folgen von Schocks für die Beschäftigung zu mildern. 9
Des weiteren bedingt eine Währungsunion sowohl eine Einschränkung der fiskalpolitischen Autonomie als auch möglicherweise einen Verzicht auf die Seignorage als Einnahmequelle des Staates. Die Seignorage ist der Ertrag, den die Zentralbank durch Geldschöpfung erzielt und als Zentralbankgewinn teilweise an den Staat weiterleitet. Diese Einnahmen lassen sich durch inflationäre Ausdehnung der monetären Basis erhöhen. Die gemeinsame Zentralbank erzielt ebenfalls Seignoragegewinne, welche allerdings nur nach einer vereinbarten Quote an die einzelnen Staaten abgeführt werden und zur Finanzierung von Staatsausgaben genutzt werden kann. Der einzelne Staat verliert mit der Währungsunion die Möglichkeit, die Höhe seiner Einnahmen autonom festzulegen. Die Währungsunion kann negative externe Effekte erzeugen, wenn einzelne Länder das damit einhergehende durchschnittlich gesunkene Zinsniveau zum Anlass nehmen, eine höhere Staatsverschuldung anzustreben. Der Kapitalmarkt sanktioniert in diesem Fall das einzelne Land relativ zu schwach, indes hat die gesamte Währungsunion die Last in Form höherer Zinsen zu zahlen. Eine Währungsunion wird folglich nur dauerhaft Bestand haben, wenn die fiskalpolitische Autonomie der einzelnen Länder beschränkt wird und gemeinsame Zielen in den Vordergrund rücken. 10
2.2. Nutzen einer Währungsunion
Eine Währungsunion senkt die wechselkursbedingten Transaktionskosten. Im Rahmen des Güter- und Kapitalverkehrs entstehen direkte und indirekte Transaktionskosten. Direkte Transaktionskosten entstehen durch die Existenz von Geld-Brief-Spannen. Indirekte Transaktionskosten werden gesenkt durch die Vereinfachung betrieblicher Rechnungssysteme, die Beschleunigung grenzüberschreitender Überweisungen und die Abschaffung von Währungsreserven, welche von Banken, Hotels und international operierenden Unternehmen gehalten werden. 11 Des weiteren entfällt mit einer Währungsunion das Wechselkursrisiko. Vor der Währungsunion war dies nur durch den mit Kosten verbundenen Abschluss von
9 Vgl. Feldsieper.M., (1980), S.555.
10 Vgl. Wolfrum, O., (1994), S.113.
11 Vgl. Moritz, K.H./ Stadtmann, G. (1999), S.212.
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Kurssicherungsgeschäften auszuschließen. Kurssicherungsgeschäfte sind jedoch in der Regel nur kurz- bis mittelfristig abschließbar. Mithin ist die Währungsunion insbesondere für Geschäfte mit langfristigen Kontrakten von Vorteil. 12 Mit der Eliminierung des Wechselkursrisikos wird ebenfalls eine längerfristige Fehlbewertung, verursacht durch Spekulation, verhindert. Nach der Kauf-kraftparitätentheorie bildet sich langfristig aufgrund von Güterarbitrageprozessen ein weltweit einheitliches Preisniveau. 13 Der Güterhandel ist indes nur eine Determinante des Wechselkurses, womit es für eine bestimmte Zeit zu Wettbe-werbsvorteilen bei Unterbewertung der heimischen Währung und Wettbewerbsnachteilen bei Überbewertung der heimischen Währung kommen kann. Derartige Über- und Unterbewertungen können jedoch zu Fehlallokationen innerhalb der Struktur der Wirtschaft führen und die Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen.
Ebenso führt die Währungsunion zu einer Erhöhung der Markttransparenz. Der Wegfall der Wechselkurse bedingt, dass Konsumenten Preise direkt mitein-ander vergleichen können. Infolgedessen wird es zu mehr Wettbewerb zwischen den Anbietern kommen und folglich sind für die Konsumenten positive Effekte auf Preis sowie Qualität der Produkte zu erwarten. 14 Durch Senkung von Transaktionskosten, Erhöhung der Transparenz und Wegfall des Wechselkursrisikos kommt es weiterhin zu einer Stimulierung von Handel und Investitionen. Handel und Investitionen, die bei größeren Veränderungen der nominalen Wechselkurse, denen keine entsprechenden Veränderungen der Güterpreise gegenüberstehen, unprofitabel werden, werden durch die Einheitswährung begünstigt. Damit einhergehen die verbesserte Ausnutzung komparativer Kostenvorteile zwischen den einzelnen Ländern einer Währungsunion. 15 Der bei den Kosten diskutierte Verzicht einer autonomen Geldpolitik könnte ebenso ein Vorteil einer Währungsunion sein. Länder, welche in der Vergangenheit eine inflationäre Geldpolitik betrieben haben, können ihre Glaubwürdigkeit nur unter Inkaufnahme hoher Disinflationskosten wiedererlangen. Eine Währungsunion bietet hingegen die Möglichkeit Glaubwürdigkeit zu importieren
12 Vgl. Wolfrum, O. (1994) S.99.
13 Vgl. Göcke, M./ Köhler, T., (2002), S.169.
14 Vgl. Nickel, C., (2002), S.119.
15 Vgl. Willms, M.(1995), S.210.
Arbeit zitieren:
Alexander Wichmann, 2002, Erfolgsvoraussetzungen für Währungsunionen, München, GRIN Verlag GmbH
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