1 Theoretische Grundlagen der REVT 3
2 Irrationale und rationale Überzeugungen in der REVT. 5
2.1 Der Begriff der irrationalen Überzeugungen 5
2.2 Definition des Begriffs rationale Überzeugungen 5
2.3 Entstehung und Aufrechterhaltung irrationaler Bewertungen 6
3 Dysfunktionale Überzeugungen und psychische Störungen 7
4 Disputation als Methode zur Veränderung dysfunktionaler und irrationaler
Überzeugungen. 9
5 Resümee. 11
6 Literatur 14
2
1 Theoretische Grundlagen der REVT
Durch ihre biologische Ausstattung und soziales Lernen entwickeln sich Menschen zu zielorientierten Lebewesen. Grundlegende menschliche Ziele sind: Zu überleben, frei von Schmerzen und zufrieden zu sein. Diese fundamentalen Ziele beinhalten Unterziele oder primäre Ziele, wie 1. mit sich selbst glücklich zu sein, 2. gesellig mit anderen zusammenzuleben, 3. enge Beziehungen zu ausgewählten Personen zu haben, 4. Zugang zu Bildung und Information zu haben, 5. wirtschaftlich und beruflich erfolgreich zu sein und 6. über Freizeit verfügen zu können. Diese Hauptmotive des Menschen schaffen den Kontext, um Ereignisse wahrzunehmen und sie zu bewerten. D.h. Menschen entwickeln angeborenermaßen oder durch Sozialisation bedingt, die Tendenz, die Welt als gutartig wahrzunehmen, die Mitmenschen mit Sinn erfüllt zu sehen und sich als kompetent, gut und liebenswert einzuschätzen. 1
Die übergeordneten Ziele der rational-emotiven Verhaltenstherapie ist die Sicherung des Überlebens und die Förderung des Glücks. Sie entsprechen den genannten fundamentalen Motiven von Menschen. In der REVT sind auch ethische Gesichtspunkte von Belang. Die Ziele Überleben und Glück können für das Individuum nur erreicht werden, wenn das individuelle Handeln nicht die Interessen anderer verletzt oder behindert. Denn für das Überleben und das Glück des Individuums ist auch ein gutes Zusammenleben mit anderen Personen notwendig. 2 Zusammenfassend kann hier der kategorische Imperativ von Kant als ethische Grundlage der REVT genannt werden: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“ 3 Die REVT geht davon aus, daß Kognitionen eine wichtige Ursache für emotionale Störungen sind. Insbesondere andauernde und unerwünschte emotionale Zustände betrachtet Ellis als einstellungsbedingte Reaktionen. Durch die Veränderung von dysfunktionalen Einstellungen können somit psychische Störungen reduziert oder beseitigt werden. 4 Bei dieser Hypothese stellt sich die grundsätzliche Frage, was Emotionen sind und wie sie entstehen. Emotionen sind komplexe Muster von Veränderungen. Sie umfassen physiologische Erregung, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen und treten als Reaktion auf persönlich bedeutsam bewertete Situationen auf. Die Frage nach Ursache und Wirkung
1 vgl. Ellis, Albert: Die revidierte ABC-Theorie der Rational-Emotiven Therapie, http://www.uni-koeln.de/phil-
fak/paedsem/psych/medien/paedpsy/stress/Unter-htmls/ellistext.htm
2 vgl. Walen, S.R., Di Giuseppe, R., Wessler R.L.: RET-Training, Einführung in die Praxis der rational-emotiven Therapie,
München 1982, S. 24-25
3 zit. Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Stuttgart 1961, 1984, S. 68
4 vgl. Ellis, Albert: Grundlagen und Methoden der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie, München 1997, S. 76-83
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dieser Komponenten konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Es gibt verschiedene wichtige Emotionstheorien zu diesem Thema: Die James-Lang-Theorie besagt, daß das beobachtbare emotionale Verhalten, wie beispielsweise Lachen oder Weinen, den anderen emotionalen Prozessen vorgeordnet ist. Lazarus hingegen geht davon aus, daß zuerst eine kognitive Bewertung der Situation vorgenommen wird, die darüber entscheidet, ob und gegebenenfalls welche Emotion wir fühlen. In der Zwei-Faktoren-Analyse von Schachter und Singer wird angenommen, daß Emotion entsteht, wenn wir eine physiologische Erregung verspüren, und sie je nach sozialer Situation von uns interpretiert wird. Nach der Auffassung von Zajonc gehen affektive Präferenzen und Gefühle der kognitiven Bewertung und sogar dem Erkennen des Hinweisreizes voraus. 5
Das ABC-Modell von Ellis begründet sich am ehesten auf den Ansatz von Lazarus. Mit A (=activating event) ist das auslösende Ereignis eines Problems, mit B (=believes) Gedanken und Bewertungen und mit C (=consequences) Gefühle und Verhalten gemeint. Die normale Reihenfolge von A, B und C ist der von Lazarus ähnlich. Mit dem Zusatz, daß Ellis die Beziehung zwischen A, B und C als interaktional betrachtet, d.h. die Komponenten beeinflussen sich gegenseitig. 6 Ellis bezieht sich bei seinem Ansatz auf die Philosophie von Epiket: „Es sind nicht die Dinge an sich, die uns beunruhigen, sondern unsere Sichtweise über die Dinge.“ 7 D.h. nicht das auslösende Ereignis verursacht emotionale Schwierigkeiten, sondern die kognitive Bewertung der Situation.
Da die REVT irrationale Einstellungen als Hauptursachen für psychische Probleme betrachtet, stellt sich die Frage, wie Einstellungen überhaupt auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden können. Die REVT geht hier nach der Epistemologie, bzw. nach der Erkenntnistheorie vor. Eine Methode, um mit Sicherheit sagen zu können, ob eine Einschätzung von einer komplexen Situation wahr oder falsch ist, existiert nicht. Aufgrund dessen wird in der REVT genau wie in der wissenschaftlichen Forschung mit Wahrscheinlichkeiten argumentiert. Die Richtigkeit einer Bewertung wird empirisch überprüft. Der Klient ist also aufgefordert, wie ein Wissenschaftler zu denken. Eine der wichtigsten Fragen in der Therapie ist somit: „Wo ist der Beweis, daß das was sie denken, wahr ist?“ 8
5 vgl. Zimbardo, P.G.: Psychologie, Berlin, Heidelberg, New York, Barcelona, Budapest, Hongkong, London, Mailand, Paris,
Tokyo 1995, S. 457-458
6 vgl. Reinkenhoff, H.G.: Kognitive Verhaltenstherapie, http://home.t-online.de/home/HGReinkenhoff/kvt.htm
7 zit. Epiket in Ellis, Albert: Die Rational-Emotive Verhaltenstherapie, http://www.scopeonline.de/ret.htm
8 vgl. Walen, S.R., Di Giuseppe, R., Wessler R.L.: RET-Training, Einführung in die Praxis der rational-emotiven Therapie,
München 1982, S. 22-23
4
2 Irrationale und rationale Überzeugungen in der REVT
2.1 Der Begriff der irrationalen Überzeugungen
Der Begriff irrational bedeutet wörtlich vernunftwidrig, oder daß etwas mit dem Verstand nicht faßbar und es dem logischen Denken nicht zugänglich ist. 9
Ellis verwendet die Begriffe rational und irrational nicht als unveränderliche Kategorien, sondern betrachtet die Gedanken als irrational, die ineffektiv sind, weil sie den eigenen Zielen und Werten des Menschen zuwiderlaufen. Unrealistische oder unlogische Einstellungen sind nicht aus sich selbst heraus irrational. Viele Personen kommen trotz dieser Kognitionen gut durchs Leben. Entscheidend ist für Ellis, daß irrationale Gedanken signifikant häufiger dysfunktional sind als rationale Einstellungen und somit auch häufiger emotionale Störungen verursachen. 10
Die Begriffe dysfunktional und irrational werden in der REVT synonym verwendet. Meiner Ansicht nach ist der Begriff dysfunktional treffender, da irrationale Kognitionen nicht zwingend zu psychischen Problemen führen, und für die Therapie nur die Gedanken relevant sind, die Störungen verursachen.
Irrationale Überzeugungen besitzen zwei Haupteigenschaften. Sie beinhalten absolute, dogmatische, starre und oft versteckte Forderungen, die sich gewöhnlich in Wörtern wie „Muß“ und „Soll“ ausdrücken, z.B. „Ich muß immer erfolgreich sein.“ Die zweite wichtige Eigenschaft von irrationalen Überzeugungen ist, daß sie zu unrealistischen und stark verallgemeinernden Schlußfolgerungen und Ursachenzuschreibungen führen: „Es ist furchtbar, wenn ich versage.“, „Ich bin ein wertloser Mensch, wenn ich keinen Erfolg habe.“, „Da ich jetzt versagt habe, werde ich auch in Zukunft immer versagen.“ 11
2.2 Definition des Begriffs rationale Überzeugungen
Das Wort rational ist das Gegenteil von irrational und bedeutet somit vernünftig bzw. der Vernunft entsprechend. 12 Rationale Überzeugungen in der REVT lassen sich wie folgt charakterisieren: Eine rationale Einstellung stimmt mit der Realität in Art und Ausmaß weitgehend überein. Sie kann durch Beweise gestützt werden und sie ist in sich logisch. Eine rationale Überzeugung kann nicht absolut sein. Statt dessen hat sie einen konditionalen und
9 vgl. Drosdowski, Prof. Dr. G., Müller, Dr. W., Scholze-Stubenrecht, Dr. W. und Wermke, Dr. M. (Hg.): Duden
Fremdwörterbuch, Mannheim 1990, S. 365
10 vgl. Ellis, Albert: Grundlagen und Methoden der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie, München 1997, S. 247-248
11 vgl. Ellis, Albert: Grundlagen und Methoden der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie, München 1997, S. 103-104
12 vgl. Drosdowski, Prof. Dr. G., Müller, Dr. W., Scholze-Stubenrecht, Dr. W. und Wermke, Dr. M. (Hg.): Duden
Fremdwörterbuch, Mannheim 1990, S. 662
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Christine Hölzmann, 2002, Die Bedeutung irrationaler Überzeugungen in der rational-emotiven Therapie, München, GRIN Verlag GmbH
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