1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten
3. Arten von Gewalt
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personale/individuelle Gewalt (psychische, physische)
4. Wie Gewalt entsteht - die wichtigsten psychologischen Theorien
4. Gewalt in der Schule
5. Intervention und Prävention von schulischer Gewalt
1. Einleitung
Aggressives Verhalten zwischen Individuen, Gruppen stellt nicht nur historisch, sondern auch aktuell eines der drängensten Probleme des sozialen Zusammenlebens dar. Fremdenfeindlichkeit, Gewalt gegen Frauen und Kinder innerhalb der Familie, Mobbing am Arbeitsplatz oder Bullying in der Schule verdeutlichen beispielhaft, in welcher Vielzahl von Lebensbereichen Menschen durch Aggression und Gewalt gravierend belastet werden. Vor allem für die Opfer erwachsen aus aggressiven Handlungen vielfach negative Folgen. Die Entwicklung geeigneter Strategien zum Abbau bzw. zur Vermeidung von Gewalt stellt daher eine vordringliche Aufgabe der Gesellschaft und speziell der Schule dar (Krähe, Greve, 2002, S. 2). Die Schule macht einen wichtigen Teil der sekundären Sozialisation aus. Die Persönlichkeit wird durch Interaktionen mit Mitschülern und Lehrern entscheidend geprägt. Norme und Werte und Werturteilungen, die in einer Gesellschaft gelten, werden erlernt (Wikipedia: Sozialisation). Auch die Suche nach Formen der Konfliktbewältigung gehört zu den Aufgabenstellungen der Schule. Dies gilt aber nur, wenn auch die Lehrpersonen entsprechende Kompetenzen zur Intervention und Prävention von Gewalt in der Schule besitzen(Krähe, Greve, 2002, S. 2).
Diese Arbeit soll einen Einblick in das Problem Gewalt in der Schule geben. Anfänglich werden die Begrifflichkeiten Aggression und Gewalt kurz definiert. Dann werden die unterschiedlichen Arten von Gewalt erläutert, um dann auch die Entstehungstheorien von Gewalt einzugehen. Nachdem die Gewalt zunächst nur grundlegend dargestellt wird, erfolgt nun der direkte Bezug zur Schule. Am Beispiel des Bullying wird die Gewaltproblematik dargestellt. Zum Schluss werden unterschiedliche Interventions- und Präventionsmaßnahmen gegen Gewalt vorgestellt, die in der Schule angewandt werden können.
2. Begrifflichkeiten: Aggression und Gewalt
Nicht jede Aggression muss Gewalt und nicht jede Gewalt muss Aggression sein. „Aggression ist eine wertvolle Befähigung des Menschen, die uns hilft uns unsere Umwelt aktiv anzueignen (Aronson et al., 2007, S. 440). Bedauerlicherweise haben wir es oft nicht gelernt konstruktiv mit unserem Aggressionspotential umzugehen und setzen stattdessen Gewalt ein (Aronson et al., 2007, S. 440).
Gewalt ist nicht mit Aggression gleichzusetzen, sondern vielmehr eine spezifische Unterform dieser. Auch hier gibt es keine eindeutige Definition des Begriffes, so dass es schwierig ist, ihn exakt zu bestimmen. „Gewalt kann man als eingesetzte physische und psychische
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Aggression mit dem Ziel dem Gegner oder der Gegnerin Schaden zuzufügen, bezeichnen (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 11f.).“
Manifestiert sich Aggressivität derart, dass Menschen zielgerichtet physisch oder psychisch geschädigt werden, wird von Gewalt gesprochen.
3. Formen der Gewalt
Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Gewalt. Zum einen die individuelle Gewalt und zum anderen die institutionelle Gewalt.
Die INDIVIDUELLE GEWALT geht von einzelnen Akteuren aus und richtet sich gegen einzelne oder mehrere Personen oder Sachen (Sachbeschädigung, Vandalismus). Individuelle Gewalt wird oft im privaten Bereich vollzogen, etwa in Familie, Verwandtschaft oder Freundeskreis. Häufige Ausprägungen sind Schläge, Prügel und Vergewaltigung von (Ehe)Männern gegen Frauen. Weiterhin gehören auch Kindesmisshandlung,vernachlässigung und die körperliche und psychische Verletzung älterer, kranker, schutzloser und hilfsbedürftiger Menschen.
Individuelle Formen von Gewalt können aber auch im öffentlichen Raum auftreten. Die Schule ist ein solcher Raum, in denen alle Formen von körperlicher, psychischer, geschlechtsfeindlicher und rassistischer Gewalt auftreten können (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 17).
Ausprägungen von individueller Gewalt sind die:
Physische Gewalt: ist die Schädigung oder Verletzung eines oder mehrerer Menschen durch körperliche Kraft oder Zwangsmittel (Waffen).
Psychische Gewalt: ist die Schädigung oder Verletzung eines oder mehrerer Menschen durch Abwendung, Ablehnung, Entzug von Vertrauen, Erpressung. Sie kann sich auch auf Worte stützen, dann nennt man dies, verbale Gewalt. Psychische Gewalt ist weniger Sichtbar als physische Gewalt oder manifestiert sich erheblich später.
Sexuelle Gewalt: meist eine Kombination aus physischer und psychischer Gewalt . Sie zielt auf Schädigung und Verletzung eines oder mehrerer Menschen durch erzwungene intime Körperkontakte oder andere sexuelle Handlungen ab. Für die Täter oder Täterin ermöglicht dies eine Befriedigung eigener sexueller oder Machtbedürfnisse, das das Opfer aber erniedrigt und entwürdigt.
Geschlechtsfeindliche Gewalt: Kombination aus physischer, psychischer, sexueller und verbaler Gewalt gegen Frauen oder Männer, die in diskriminierender und erniedrigender
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Absicht vorgenommen wird. Damit soll die körperliche und seelische Integrität des Opfers und dessen sexuelle Selbstbestimmung geschädigt oder verletzt werden. Rassistische Gewalt: Ähnlich der geschlechtsfeindlichen Gewalt. Nur hier bezogen auf
bestimmte Zugehörigkeit der Religion, Herkunftsgruppe oder Ethnie (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 18f.).
Bei INSTITUTIONELLER GEWALT wird durch einen Vertreter des Staates oder einer Organisation wie der Schule physische und psychische Zwangseingriffe durchgeführt oder angedroht, um ein kollektives Abhängigkeits- oder Unterwerfungsverhältnis der Bürger bzw. Schüler herzustellen und zu sichern. Die Inhaber der hier arisch übergeordneten Gewalt haben die Macht, physische und psychische Sanktionen aktivieren zu können und ein bestimmtes Verhalten der Untergebenen zu erzwingen. In formalen Institutionen wie zum Beispiel der Schule begegnet uns diese Ausprägung der institutionellen Gewalt, indem die Lehrkräfte (übergeordnete Position) durch entsprechende Sanktionen bestimmte Verhaltensweisen der Schüler (Untergebenen) erzwingen können. Generell wird diese Form der Ausübung von Gewalt als gerecht empfunden, weil es die Voraussetzung für ein geregeltes Miteinander in der Schule realisiert. Illegitim wird die institutionelle Gewalt wenn sie nicht der Förderung der Bürger bzw. Schüler dient, sondern die Machtanwendung als Ziel hat. Eine Mischform der individuellen und institutionellen Gewalt ist die kollektiv ausgeübte politische Gewalt, wie zum Beispiel Proteste. In der Schule wäre es möglich, dass die Schüler gegen die vorherrschenden Kriterien der Beurteilung ihrer Leistungen protestieren und eine Veränderung von Bewertungspraktiken erzwingen versuchen (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 20ff.)
4. Wie Gewalt entsteht - die wichtigsten psychologischen Theorien
Es gibt eine breite Fülle von Theorien zur Gewaltentstehung. Die psychologisch akzentuierten Theorien setzen bei der genetischen Disposition jedes Menschen an, konzentrieren sich auf die Persönlichkeit liegende Faktoren, auf die Wechselwirkung zwischen Persönlichkeit und Umwelt und auf die Entwicklungsimpulse einer Persönlichkeit im gesamten Lebenslauf. Die aus der soziologischen Tradition stammenden Theorien thematisieren stärker die Umwelteinflüsse durch Familie, Schule und soziale Strukturen. - Trieb- und Instinkttheorie: Jeder Mensch hat ein angeborenes Potenzial von Aggressivität, das sich auch in der Regel als sichtbare Aggressionsausübung niederschlägt. Die Psychoanalyse leitet davon ein Konzept des Todestriebs ab (vgl.
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Sigmund Freud). Die instinktive Aggressivität kann durch jede Form der Zurücksetzung und Provokation ausgelöst werden. Aggressivität von Schülern ist demnach unvermeidlich und im täglichen Unterrichtsbetrieb selbstverständlich. Eine Aggressionshandlung muss nicht unbedingt eine böse Absicht der Verletzung des Mitschülers sein, sondern kann in dem genannten Sinne, einfach ausgelöst werden. Hierzu gehören Raufereien und Balgereien, so wie ein Kräftemessen, um herauszufinden, wer der Stärkere in einer Jungengruppe ist. Problematisch ist nach dieser Theorie nicht die Existenz von Aggressivität, sondern der Umgang damit. In der Schule existieren kaum noch Situationen in denen sie spielerisch aggressive Verhaltensformen ausleben können. Daraus folgt, dass kein sicheres Empfinden unter den Schülern existiert, was spielerisch ist und welche Grenzen gelten. Die Trieb- und Instinkttheorie erweist sich für die Einschätzung von Ausgangssituationen, Abläufen und für die Ausrichtung von Gegenstrategien bei möglichen gewalttätigen Aktionen in der Schule als Möglichkeit (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 34ff.). - Emotionstheorien gehen von der zentralen Annahme aus, Aggressionen und Gewalt
ließen sich auf eine bestimmte subjektive Befindlichkeit zurückführen, die durch einen Erregungs- und Gefühlszustand gekennzeichnet ist. Bekannteste Theorie ist die Frustrations-Aggressionstheorie von Dollard, et al. Frustration ist definiert als Ausbleiben eines gewünschten Ziels aufgrund von Ereignissen, Erlebnissen. Je größer die subjektive Motivation, desto frustrierter ist der Mensch bei Nichterfüllung. Eine Steigerung der Aggressionshandlungen erfolgt. Schüler fühlen sich aufgrund von schlechter Behandlung und „Nichtbeachtetwerden“ von Lehrern und Mitschülern schlecht und sind frustriert. Auch Demütigung und Scham gehören dazu. Der Stolz und die Selbstachtung des Opfers werden beeinträchtigt, was zu einem aggressiven Energieschub führt. Die Emotionstheorien liefern einen wichtigen Erklärungsbeitrag zu Ausprägungen und Erscheinungsformen von Gewalt im schulischen Raum. Die Aufmerksamkeit wird auf den auslösenden Faktor gelegt. Die Lehrer werden dazu gebracht, nach den eigentlichen Ausgangsfaktoren (Frustration) der Aggression zu suchen (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 37-40).
- In der Lerntheorie werden Aggression und Gewalt als angeeignete und fest verankerte
Reaktionen auf erregende Ereignisse verstanden. Aggressivität wird zum einen zu einem hohen Ausmaß auf angeborene biologische oder genetische Faktoren zurückgeführt. Zum anderen durch Sozialisationserfahrungen (frühe
Entwicklungsphasen in der Familie, in der sozialen Interaktion) eingeübt und erlernt.
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Das Erlernen erfolgt durch Beobachtung des Verhaltens anderer Kinder, der Mutter, des Vater oder Geschwister. An ihnen liest das Kind ab, wie mit erregenden Ereignissen umgegangen und reagiert wird. Nachahmen eines sozialen Modells, das sich sehr früh und tief einprägt. Gleiches gilt wenn das Kind eventuelle Aggressionen seines Umfelds (Mutter, Vater, Geschwister) am eigenen Leibe erfährt. Das Kind prägt sich die Verhaltensweisen ein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden dieses aggressive Verhalten gezeigt, bei Erfolg, auch wiederholt. In der Schule passieren ständig Interaktionen, Nachahmungseffekte sind dadurch vorprogrammiert. Zum Beispiel merkt ein Schüler wie ein anderer Störenfried mehr Aufmerksamkeit von der Lehrerin erlangt, wenn er laut ist und den Unterricht stört. Es kann dann zur Nachahmung kommen, wenn der leisere Schüler sich diesbezüglich benachteiligt fühlt. Wenn er bei zeigen des störenden Unterrichtsverhaltens von der Lehrerin beachtet wird (Ausschimpfen), dann wird das aggressive Verhalten positiv verstärkt. Nicht zu vergessen, auch die Lehrerin zeigt hier ein mögliches Modellverhalten (lautes Schreien bei Unterrichtsstörungen), welches wieder von den Schülern übernommen werden könnte. Diese Theorie zeigt gut welche hohe Bedeutung angemessene Sanktionen in der Schule haben sollten. Negative Bekräftigungen unerwünschten Verhaltens können ungewollt die Folge sein (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 40ff.). Individuelle Unterschiede in der Aggressionsbereitschaft
Zudem weist die Persönlichkeitsforschung daraufhin, dass es zwei Kategorien aggressiven Verhaltens gibt. Es gibt Menschen, die verschiedene Arten von Aggressionen zeigen, je nach Persönlichkeitsprofil:
1. Impulsive Aggression entsteht als Reaktion auf Situationen, die emotionsgeleitet sind. Bsp: Mord im Affekt
2. Instrumentelle Aggression ist zielgerichtet (die Aggression dient als Mittel zur Zielerreichung) und wissensbasiert. Menschen üben aggressive Handlungen mit vorausgegangenen Überlegungen aus, um bestimmte Ziele zu erreichen. Bsp: vorsätzlicher Mord
Menschen handeln mit einer hohen Tendenz zur ein oder anderen Art von Gewalt (Gerrig, Zimbardo, 2008, S. 689).
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Geschlecht:
Es wird davon ausgegangen, dass Jungen aggressiver sind, als Mädchen. Gestützt wird diese These durch die Kriminalstatistik 8:1 für die Männer. Meist gilt dies aber nur für körperliche Aggression, verbale Aggression ist auch bei den Frauen mindestens so verbreitet, wie bei den Männern (Jonas et al., 2007, S. 280). Situative Einflussfaktoren auf aggressives Verhalten
5. Gewalt in der Schule
Gewalt unter Schulkindern ist zweifellos ein sehr altes Phänomen (Olweus, 2004, S. 15). Die Gewalt im Kontext Schule äußert sich in den Bereichen der physischen, psychischen, sexuellen, geschlechterfeindliche und fremdenfeindliche Gewalt. Daneben gibt es noch die Formen der institutionellen Gewalt, die sich vor allem in physischen und psychischen Aggressionshandlungen von Lehrkräften ausdrücken. Diese Gewaltform kann auch von der Schülerschaft auskommen, in Form von kollektiven Disziplinstörungen im Unterricht (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 63).
Physische Gewalt ist die vorherrschende Gewaltform in Schulen. Die wichtigsten Ausprägungen sind die Körperverletzungen, Erpressungen und Sachbeschädigungen. Regelmäßige Formen treten auf als Treten und Schubsen, Rauferein und Schlägereien, bis hin zu Würgegriffen und Faustschlägen. Die häufigsten körperlichen Übergriffe passieren auf dem Pausenhof und auf dem Schulweg, aber auch innerhalb des Schulgebäudes und auf den Schülertoiletten. Eine neue Ausprägung physischer Gewalt ist das „Happy Slapping“ (glückliches Zuschlagen). Darunter wird das Filmen von brutalen Prügeleien, Quälereien und sexuellen Übergriffen mit der Kamera des Handys verstanden. Die Videos werden aus dem Internet herunter geladen oder manchmal auch selbst gefilmt. Die Täter machen sich einen Spaß aus diesen Aufnahmen, schicken sie herum, setzen sie ins Internet. Die Opfer fühlen sich gedemütigt und zutiefst verletzt. Vermutlich begleitet von Langzeitwirkungen und Traumatisierungen.
Gewaltprofile haben sich in den letzten Jahren in Richtung Extremausprägungen verändert. Amokläufe, man erinnert sich an 1999 Littleton (USA), 2006 Emsdetten oder 2002 als in Erfurt ein ehemaliger Schüler eines Gymnasiums insgesamt 16 Menschen mit einer Pumpgun erschoss. Auffallend sind dabei die Täterprofile. Alle waren männlich, besuchten einen durchaus anspruchvollen Bildungsweg und fielen durch Leistungsversagen auf. Die Täter waren isoliert und verbrachten ihre meiste Zeit mit gewalthaltigen Computerspielen. Sie hatten Zugang zu Tatwaffen, konnten damit umgehen. Bereiteten die Taten minutiös vor. Der Amok ist eine Mischung aus Mord und Selbstmord. Gründe dafür sind Leistungsversagen, Ausgrenzung, Zurücksetzung in der Schule und familiäre Konflikte (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 69f.).
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Psychische Gewalt an Schulen
Psychische Gewalt besteht in demütigenden, herabsetzenden, erniedrigenden und isolierenden Gesten und Handlungen und in verbalen Beschimpfungen, Beleidigungen, Bedrohungen und Einschüchterungen. Sie wird weniger von Schülern benutzt als die physische Gewalt. Trotzdem ist es weit verbreitet. Über 50 % der Schüler und 60 % der Lehrer benutzen Beschimpfungen und erniedrigende Ausdrücke. Auch Schimpfwörter mit sexuellen Anspielungen werden stark eingesetzt. Im Gegensatz zur physischen Gewalt wird die psychische Gewalt von beiden Geschlechtern genauso oft benutzt. Mit steigendem Alter treten psychische Gewalthandlungen häufiger auf. In der 10. Klasse sind es schon bis zu 70% der Jungen und 60% der Mädchen, die psychische und verbale Gewalt gegen Lehrer und Mitschüler anwenden (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 74f.).
Bullying stellt eine Form von Gewalt dar, die körperliche und verbale Gewalt, aber auch Hänseleien oder Viktimisierung durch systematische Ausgrenzung einzelner Schülerinnen bzw. Schüler umfasst. Weiterhin muss ein Ungleichgewicht in der Stärke zwischen Täter (Bully) oder einer Tätergruppe (Bullies) und einem wehrlosen Opfer (victim) vorherrschen. Dieses vorhandene bzw. subjektiv wahrgenommene Kräfteungleichgewicht kann zum Beispiel auf physischer Kraft, verbalen bzw. sozialen Kompetenzen oder dem zugeschriebenen Status in der Peer-Group basieren (Scheithauer et al., 2007, S. 2). Es gibt drei Äußerungsformen von Bullying (Scheithauer et al., 2007, S. 3) 1. physisches Bullying: körperliche Übergriffe jeglicher Art, Treten, Schlagen 2. verbales Bullying: Verspotten, Beleidigen, Beschimpfen
3. rationales/beziehungsbezogenes Bullying: intendierte Schädigung der Reputation einer Person etwa durch Ausgrenzung, Verleumdung
Die neuen Medien spielen beim Bullying in Form von Cyberbullying eine immer bedeutendere Rolle. Angesprochen wurde dieses Thema schon beim Punkt physischer Gewalt. Im Bereich des Bullying werden meist beleidigende und unterdrückende Videos von victims gedreht, ins Netz gestellt oder in der Klasse per Handy herumgeschickt. Auch werden Lehrerfotos entstellt und tauchen dann bei Schüler-VZ im Internet auf (Scheithauer et al., 2007, S. 1).
Bullying gilt als gruppendynamisches Phänomen. Es findet zumeist im Rahmen einer relativ stabilen Gruppe statt, wie der Schulklasse, also unter Menschen die sich untereinander gut kennen. In der Klasse stehen den Opfern nur bedingt Möglichkeiten zur Verfügung sich der
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Viktimisierung zu entziehen. Warum Bullying in einer sozialen Gruppe aufrechterhalten werden kann liegt an den bestehenden sozialen Rollen der beteiligten. Soziale Rollen sind sozial definierte Erwartungen an das Verhalten von Personen in sozialen Situationen. Daraus ergeben sich so genannte „Participant Roles“ (Rollenzugehörigkeit), die durch die Verhaltensdispositionen und die Erwartungen der anderen bestimmt werde. Die einzelnen Rollenmuster sind z.B. Rolle des Bullies, Rolle des Opfers, die Assistenten, die Verstärker, die Verteidiger und die Außenstehenden. Es herrscht eine Stabilität der Rollenzugehörigkeit. Das bedeutet, wer in der Schule (Primärrolle) schon eine Opferrolle einnahm wird es im späteren Leben mit hoher Wahrscheinlichkeit auch wieder sein (Sekundärrolle) (Scheithauer et al., 2007, S. 6f.).
6. Prävention und Intervention von schulischer Gewalt
Es gibt mittlerweile in Schulen eine Fülle von Konzepten, Methoden und Projekten mit gewaltpäventiver bzw. -intervenierender Zielsetzung. Die Anwendung bzw. das Auswählen eines geeigneten Programms ist von der jeweiligen Lehrperson und der jeweiligen Situation abhängig. Fragen wie: „Handelt es sich um Probleme mit der gesamten Klasse?“, oder „Beziehen sie sich auf einzelne SchülerInnen des Klassenverbandes?“ müssen dabei auf die individuelle Situation und die Schüler abgestimmt werden (Hurrelmann, Bründel, 2007, S. 178). Im Folgenden werden kurz Interventionsmöglichkeiten aufgezählt, die in der Schule auf verschiedenen Ebenen Verwendung finden können (nach Olweus, 2004, S. 69ff.). Maßnahmen auf der Schulebene
„Die Hauptziele des Interventionsprogrammes sind, soweit wie möglich bestehende Gewalttäter-/Gewaltopfer-Probleme innerhalb und außerhalb der Schulumgebung zu vermindern und die Entwicklung neuer Probleme zu verhindern - idealerweise vollständig zu beseitigen“ (Olweus, 2004, S. 70).
Des Weiteren soll ein Gewaltpräventionsprogramm, das sog. „Schule gegen Gewalt“ vorgestellt werden. An einer Berliner Gesamtschule, die in einem sozialen Brennpunkt liegt, wurden in dem genannten Schulprogramm verschiedene reduzierende Maßnahmen erprobt (nach Preuss-Lausitz, 1998, S. 48f.).
- Streitschlichter (Ausbildung erfolgt ab dem 8. Schuljahr für fünf Tage in einer Bildungseinrichtung, jährlich ca. 20 Schüler, übernehmen Patenschaften für jüngere Klassen)
- Konflikthelfer (greifen bei Streit auf dem Schulhof ein, sind mit Ausweis gekennzeichnet, ausgebildet ab dem 7. Schuljahr)
- BVG-Schülerbegleiter (ausgebildet ab dem 7. Schuljahr von Verhaltenstrainern der Polizei und von der BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) drei Tage lang, erkennbar durch Mütze und Weste)
- Clearingstelle (Ein Raum für Schüler die als Störenfriede aus dem Unterricht verwiesen werden. Ein Clearing-Lehrer bespricht den Vorfall und versucht zu vermitteln.)
- Coolnes-Training (Jugendliche, die in Konflikten auffalenn, werden inmitten anderer Schüler von erwachsenen Trainern und jugendlichen Ko-Trainer mit harter Methode nach Ursachen und Folgen des Verhaltens befragt. Sie Schüler sollen ruhiger und reflexiver werden.)
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Alle genannten Maßnahmen sind in ein individuelles Schulkonzept eingebettet wurden, das die Bedeutung der Schülervertretung und ein enges Verhältnis zu den Eltern betont, die Pflege des Schulhauses und des Geländes hervorhebt und insgesamt ein tolerantes, gewaltfreies Schulklima schaffen möchte. Evaluation der Maßnahme:
Die genannten Handlungsfelder sind mögliche Maßnahmen um Gewalt präventiv in einer Schule zu vermeiden. Zur Auswertung der Wirksamkeit der Maßnahmen wurden in allen 24 Klassen der Jahrgänge 7-10 Fragebögen ausgeteilt, die auf die Vorschläge zur Verringerung sprachlicher und physischer Gewalt zielten. Die allgemeine Schulzufriedenheit fiel gegenüber vergleichbarer bundesdeutscher Daten (29%) deutlich günstiger aus (50%). Auch haben 80% der Schüler keine Gewalterfahrungen an der Schule machen können. Weiterhin wurde festgestellt, dass Schüler mit Migrationshintergrund nicht häufiger Täter waren als Deutsche. Das Schulkonzept wurden von 80% - 90% der Schüler der Hauptschule als sehr positiv bewertet. Die tollen Auswertungen bedeuten aber nicht, dass der Lebensraum Schule nur als gewaltfrei erlebt wird. Zwar ist die Schulzufriedenheit hoch, das Vertrauen zu den Lehrern ebenfalls, jedoch wird der sprachliche Umgang der Schüler untereinander und von manchen Lehrkräften kritisiert. Die Maßnahmen (Konflikthelfer, Streitschlichter) sind also hilfreich. Trotzdem müssen über die schulische Alltagssprache, -beleidigungen offen gesprochen werden und klasseninterne Regeln getroffen werden. Das gilt für alle Schulen.
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Literatur:
Aronson, Wilson, Akert (2004). Sozialpsychologie. München: Pearson.
Hurrelmann, K.; Bründel, H. (2007). Gewalt an Schulen. Pädagogische Antworten auf eine
soziale Krise. Weinheim, Basel: Beltz.
Jonas, Stroebe, Hewstone (2007). Sozialpsychologie. Heidelberg: Springer.
Olweus, D. (2004). Gewalt in der Schule: was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun
können. Bern: Huber.
Preuss-Lausitz, U. (2006). Gewalterfahrung und Gewaltprävention. Eine Evaluation aus der
Sicht der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe In: Die Deutsche Schule, 98, H.1.
Krahe, B.; Greve, W. (2002). Aggression und Gewalt: Aktueller Erkenntnistand und
Perspektiven künftiger Forschung. In: Zeitschrift für Sozialpsychologie. Vol. 33, No. 3, 123-
142.
Scheithauer, H.; Hayer, T.; Dele Bull, H. (2007). Gewalt an Schulen am Beispiel von
Bullying. Aktuelle Aspekte eines populären Themas In: Zeitschrift für Sozialpsychologie,
Vol. 38, No. 3, 141-152.
Zimbardo, P.-G.; Gerrig, R.-J. (2008). Psychologie. München: Pearson.
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Franziska Maresch, 2008, Gewalt in der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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