1. Angaben zur Lerngruppe 1.1 Lerngruppenzusammensetzung
Bei der 04H11 handelt es sich um eine 1-jährige Höhere Berufsfachschulklasse für Wirtschaft (HöHa). Das Ziel dieses Bildungsganges ist die berufliche Orientierung. Typisch für diese Klassen ist die homogene Altersstruktur. Alle Schüler und Schülerinnen sind im Alter von 20 bis 22 Jahren. Die Klassengemeinschaft setzt sich aus 12 Schülerinnen und 5 Schülern zusammen und vereint folgende Nationalitäten: Deutschland (13 SchülerInnen), Griechenland (1 Schülerin), Russland (2 SchülerInnen) und die Ukraine (1 Schülerin). Ein weiteres Merkmal dieser Lerngruppe sind die hohen Fehlzeiten der Schüler, welche durch die Teilnahme an zahlreichen Einstellungstests im Rahmen des Berufsfindungsprozesses zustande kommen. Einem Großteil der Lerngruppe ist es bereits gelungen, einen festen Ausbildungsplatz, teilweise mit parallelem Studium zu erhalten.
1.2 Besonderheiten der Lerngruppe
Bedingt durch die Eingangsvoraussetzungen des Bildungsganges besitzen alle Schüler 1 die allgemeine Hochschulreife. Dementsprechend ist das Leistungsniveau in der Klasse als sehr hoch einzustufen. Dennoch gibt es in der Klasse neben zahlreichen Leistungsträgern auch drei schwächere Schüler. Bei der Auswahl der Lernmaterialien muss dieser Leistungsstandard berücksichtigt werden, da ansonsten die Schüler unterfordert wären. Im Vergleich zu Parallelklasse ist in dieser Klasse eine Zusammenarbeit auf sehr hohem fachlichen Niveau möglich. Das Unterrichtsgeschehen ist durch eine konstant hohe Schüleraktivität gekennzeichnet. Auch das Lernklima ist sehr positiv, da sich die Schüler untereinander gut verstehen und gerne miteinander arbeiten. Eine feste Gruppenkonstellation oder Ausgrenzungen einzelner Schüler sind nicht zu beobachten. Zwei Schülerinnen haben Hemmnisse sich mündlich am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen, da sie bedingt durch ihre Herkunft (Russland, Ukraine) leichte Sprachschwierigkeiten haben.
Die Lerngruppe ist mir im Rahmen der Hospitation seit Mitte Oktober 2004 mit zwei Stunden in der Woche in dem Fach Volkswirtschaftslehre bekannt. Seit Anfang
1 Zur Vereinfachung des Leseflusses sind mit der Bezeichnung Schüler im laufenden Text Schülerinnen und Schüler gleichermaßen gemeint.
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Januar bin ich in der Klasse für die Unterrichtsreihe „Erarbeitung und Vergleich von Preisbildungsprozessen auf Märkten der Realität unterschieden nach der Anzahl und Verhaltensweisen der Marktteilnehmer sowie dem
Vollkommenheitsgrad der Märkte“ mit zwei Stunden in der Woche verantwortlich.
1.3 Ausprägungen der Kompetenzbereiche in der Lerngruppe Zur Fachkompetenz
Die Schüler sind in der Lage, mit Hilfe des Modells des vollkommenen Marktes, die Funktionsweise des Markt-Preis-Mechanismus nachzuvollziehen und auf konkrete Fallsituationen anzuwenden. Darüber hinaus kann die Lerngruppe vollkommene und unvollkommene Märkte voneinander abgrenzen und letztere als die Märkte der Realität identifizieren. Im Zusammenhang mit der Preisbildung einzelner Marktformen zeigen fast alle Schüler ein volkswirtschaftliches Gesamtverständnis, so dass auch die Auswirkungen der einzelnen Marktform auf die soziale Wohlfahrt kritisch reflektiert werden können. In Erarbeitungsphasen, in denen exemplarische Praxisbeispiele zur Übung und Anwendung herangezogen werden, zeigen sich die meisten Schüler als sehr kompetent.
Zur Sprachkompetenz
Insgesamt bereitet der Sprachgebrauch den Schülern weder in der mündlichen noch in der schriftlichen Anwendung keinerlei Schwierigkeiten. Selbst Fachbegriffe werden im richtigen Kontext verwendet. Lediglich zwei Schülerinnen haben mündlich Hemmnisse vor der Klasse längere Vorträge zu halten. Im schriftlichen Bereich sind bei diesen beiden Schülerinnen kaum Sprachdefizite festzustellen.
Lern- und Methodenkompetenz
Die Lerngruppe zeichnet sich durch eine sehr hohe Leistungsbereitschaft aus, die sich insbesondere in der Forderung nach komplexeren und anspruchsvolleren Unterrichtsmaterialien widerspiegelt. Bei der Erarbeitung thematisch neuer Inhalte hat sich die Gruppenarbeit bewährt, da in der Klasse die Bereitschaft zum kooperativen Lernen besteht.
Das Präsentieren von Ergebnissen an der Tafel, auf einer Folie oder auf Karten ist den Schülern bekannt, allerdings ist die vorstrukturierte Metaplan-Wand bis zum
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heutigen Zeitpunkt noch nicht zum Einsatz gekommen 2 . Diese Methode muss demnach im Anschluss an die Unterrichtseinheit hinsichtlich alternativer Einsatzmöglichkeiten reflektiert werden.
Sozialkompetenz
Die Schüler arbeiten gerne in Gruppen zusammen. Eine bevorzugte Gruppenzusammensetzung ist nicht offensichtlich zu bobachten. Während der Gruppenarbeitungsphase sind die Schüler sehr diszipliniert und arbeiten aktiv an einem Gruppenergebnis. Während dieser Ergebnisfindungsphase sind fachliche Beiträge und Diskussionen von allen Mitgliedern wahrzunehmen, so dass eine ausgeglichene Einsatzbereitschaft besteht. Das Lernklima in der Klasse während des Unterrichts ist als sehr angenehm zu bezeichnen. Disziplinarische Probleme oder Störungen des Unterrichts treten in der Klasse nicht auf, was insbesondere aus der Toleranz der Lerngruppe resultiert. Diese sozialen Rahmenbedingungen ermöglichen eine im hohen Maße freundliche und ungezwungene Interaktion aller Beteiligten.
2. Didaktisch-methodische Schwerpunkte 2.1 Vorgaben der Richtlinien / Legitimation des Themas Die heutige Unterrichtsstunde wird durch die didaktische Jahresplanung des Berufskollegs für die einjährige Höhere Handelsschule für Abiturienten legitimiert. Diese sieht die Behandlung der Unterrichtsreihe „Markt und Preisbildung“ im Fach Volkswirtschaftslehre vor.
2.2 Einordnung der Unterrichtsstunde in den unterrichtlichen Kontext In der nachfolgenden Übersicht wird die heutige Unterrichtstunde im Zusammenhang mit der Unterrichtsreihe dargestellt.
2 Diesem Umstand wird in Kapitel 2.5 durch ein entsprechendes Vorgehen Rechnung getragen.
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In der heutigen Stunde lernen die Schüler sowohl die verschiedenen Verhaltensweisen von Oligopolisten als auch die Metaplan-Methode kennen. In der unmittelbar vorhergehenden Stunde wurden die Arten der Oligopole behandelt. Es wurde darauf hingewiesen, dass es im Oligopol zwischen den Oligopolisten gegenseitige Abhängigkeiten gibt. Da die Spielregeln der „Pinwandtechnik“ relativ leicht und rasch erlernbar sind und die Lerngruppe zudem über eine entsprechende Handlungskompetenz verfügt 3 , wurde auf eine vorherige Anleitung verzichtet.
2.3 Hauptintention
Der didaktische Schwerpunkt der heutigen Stunde besteht darin, den Schülern eine praxisorientierte Darstellung der Verhaltensweisen von Oligopolisten zu ermöglichen. Da das Oligopol die vorherrschende Marktform unserer Wirtschaft ist, finden sich in der Realität zahlreiche Beispiele, welche die Verhaltensweisen der Oligopolisten widerspiegeln. In diesem Zusammenhang wurde bei der Auswahl der Praxisbeispiele besonderen Wert darauf gelegt, dass diese einen gegenwarts- und zukunftsbezogenen Charakter aufweisen. So soll der ruinöse Preiskampf, als eine mögliche oligopolistische Verhaltensweise am Beispiel der Discounter Aldi und Lidl verdeutlicht werden. Die Discounter gehören mit einem Marktanteil von fast 40 Prozent im Lebensmittelhandel zu den erfolgreichsten Geschäftsmodellen des deutschen Einzelhandels. Aber nicht nur als Verbraucher kommen die Schüler mit den beiden Discountern in Berührung, sondern auch bei der Suche nach geeigneten Ausbildungsplätzen sind die beiden Handelskonzerne interessante Ansprechpartner.
3 Vgl. Kapitel 1.3
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In einer Öffentlichkeitskampagne lautet der Schlachtruf von Lidl: „Wir sind die Nummer eins in Deutschland bei der Schaffung von Arbeitsplätzen.“ 4 Die Erarbeitung der Preisführerschaft erfolgt am Beispiel des Benzinmarktes. Da alle Schüler bereits Autofahrer sind, kann ein Realitätsbezug hergestellt werden. Zudem fordern Verbraucher immer wieder die Einschaltung des Bundeskartellamts zur Prüfung einer möglichen Preisabstimmung der Mineralölkonzerne. Das friedliche Verhalten von Oligopolisten soll der Lerngruppe am Beispiel von DHL, Fedex und UPS zugänglich gemacht werden. Diese drei Logistikdienstleister und ihre Serviceleistungen sind durch ihre zahlreichen Werbespots den Schülern bekannt. Ein weiterer Schwerpunkt der Unterrichtsstunde ist der Einsatz der Metaplan-Wand, durch den die Lerngruppe ihre Methodenkompetenz erweitern.
2.4 Didaktische Transformation
In der gängigen Fachliteratur werden in der Regel folgende Verhaltensweisen von Oligopolisten unterschieden:
• Preiskampf (ruinöse Konkurrenz)
• friedliches Verhalten
• Preisführerschaft und
• Preisabsprachen (abgestimmtes Verhalten).
Da die Unterrichtsstunde einen Tag nach Rosenmontag stattfindet und die Gefahr groß ist, dass einige Schüler dem Unterricht fernbleiben bzw. nicht in ihrer sonstigen Form am Unterrichtsgeschehen teilnehmen können, werden in dieser Stunde nur drei Verhaltensweisen behandelt. Die Preisabsprache soll im Rahmen der Hausaufgabe von den Schülern mit Hilfe des Beispiels zum „Vitaminkartell“ erarbeitet werden. Des Weiteren wird die Preis-Absatz-Kurve des Oligopolisten in dieser Stunde nicht thematisiert, sondern im späteren Verlauf der Unterrichtsreihe aufgegriffen. In diese Stunde sollen die Schüler einen Überblick über die wichtigsten oligopolistischen Strategien bekommen. Aus diesem Grund wird die Metaplan-Wand zur Präsentation und Skizzierung der Ergebnisse eingesetzt.
4 Vgl. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 12. Dezember 2004.
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Diana Ivanjic, 2005, Unterrichtsstunde: Die Marktform des Oligopols, Munich, GRIN Publishing GmbH
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