Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Die Kindergruppen 5
2.1. Das Konzept der „Bärengruppen“ 5
2.2. Beschreibung der beiden „Bärengruppen“ 6
3. Theorie der Kinderzeichnung 7
3.1. Zur Malentwicklung 7
3.2. Die Geschwisterbeziehung in der Literatur zu Kinderzeichnungen 9
4. Die Malaktion 10
4.1. Vorbereitung der Malaktion 10
4.2. Durchführung 10
4.3. Beobachtungen im Gruppengeschehen 11
4.4. Einzelbetrachtung 12
4.4.1. Moritz 12
4.4.2. Florian 18
4.4.3. Natalie 23
4.4.4. Kevin 28
4.4.5. Max 33
5. Schlußbetrachtung 38
5.1. Ausblick für die Gruppen: Was bedarf der Bearbeitung? 38
5.2. Die Rolle des Kommunikationsmittels Kinderzeichnung für die soziale Arbeit 39
Literaturverzeichnis 42
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1. Einleitung
Ich habe das Thema „Meine Geschwister und ich- Die Darstellung von Geschwisterbeziehungen in der Kinderzeichnung“ zum Gegenstand dieser Hausarbeit gemacht, weil ich es für notwendig erachte, daß ich mich im Hinblick auf meine Tätigkeit als Sozialarbeiterin zum einen mit der Geschwisterbeziehung und zum anderen mit dem Medium Kinderzeichnung als Kommunikationsmittel auseinandersetze. Ziel war es ursprünglich, daß ich mir im Rahmen dieser Arbeit sowohl einen theoretischen als auch einen praktischen, im Sinne von erfahrungsbezogenen, Hintergrund zu Geschwisterbeziehungen erarbeite. Als Informationsquellen wollte ich sowohl die Literatur als auch „Erfahrungsberichte“ in Form von Kinderzeichnungen verwenden. Das Vorhaben, die Bilder als Instrument zu nutzen, um Informationen über die Geschwisterbeziehungen der Kinder zu erhalten, hat im Laufe der Durchführung etwas an Bedeutung verloren. Als ich mit den Kindern malte und schließlich ihre Bilder vor mir hatte, ist mir deutlich geworden, daß ich versucht habe, die Realität künstlich in Abschnitte einzuteilen: Die Kinderzeichnungen haben nicht nur die Geschwisterbeziehung zum Thema, sondern zeigen mir einen Ausschnitt aus dem Leben und Empfinden jedes einzelnen Kindes. Es geht um viel mehr als die Beziehung zu den Geschwistern und diesem „Mehr“ möchte ich nun auch meine Aufmerksamkeit zuwenden, denn nur so nehme ich die Botschaften der Kinder in ihren Bildern wirklich ernst und werde ihnen gerecht. Ich halte es für gerechtfertigt, daß ich meine ursprüngliche Gewichtung zugunsten einer der Realität angepaßten Betrachtungsweise verändere, um den größtmöglichen Nutzen sowohl für mich selbst als auch für die mit den Kindern arbeitenden Pädagoginnen aus meiner Arbeit ziehen zu können. Wichtig ist mir zudem besonders, daß ich das Malen mit Kindern daraufhin überprüfe, ob ich persönlich es als Kommunikationsmedium nutzen kann.
Die Analyse des Malprozesses und die Auswertung der Zeichnungen stehen im Vordergrund meiner Arbeit. Davon ausgehend werde ich mich mit den Aspekten der Geschwisterbeziehungen näher beschäftigen, die in den Bildern ihren Ausdruck finden. Daneben werde ich allen anderen Hinweisen zur Persönlichkeit und zur individuellen Situation der Kinder nachgehen, sie allerdings nicht ausführlich anhand der Literatur verfolgen, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Ich hoffe, meine Ergebnisse werden nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Gruppenleiterinnen im Umgang mit den Kindern von Nutzen sein. Ich beziehe sie in jedem Fall in die Auswertung mit ein und werde ihnen meine Ergebnisse an die Hand geben.
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Zum besseren Verständnis werde ich damit beginnen, das Konzept der „Bärengruppen“ kurz vorzustellen, damit der Rahmen der Malaktion deutlich wird ( 2.1.). Im Anschluß beschreibe ich die Gruppen im Einzelnen ( 2.2.) und gehe dabei auf ihre gegenwärtige Situation ein. Darauf folgen eine Darstellung der in der Literatur beschriebenen Malentwicklung der Kinder ( 3.1.), sowie eine Zusammenfassung der Informationen über Geschwisterbeziehungen, die in der Literatur zu Kinderzeichnungen zu findenden sind ( 3.2.). Im Folgenden beschreibe ich Vorbereitung und Durchführung der Malaktion im Allgemeinen ( 4.1.) und widme mich dann ausführlich der Einzelbetrachtung der Bilder und ihrer Entstehung, sowie ihrer Interpretation ( 4.2.).
In der Schlußbetrachtung fasse ich zusammen, welche Schlüsse ich aus der Interpretation der Bilder für die weitere Arbeit mit den Kindern ziehe und versuche deutlich zu machen, welche Aspekte der Bearbeitung bedürfen ( 5.1.). Abschließend versuche ich, die Bedeutung der Kinderzeichnung als Kommunikationsmittel für die soziale Arbeit zu verdeutlichen und beziehe dabei meine persönliche Erfahrung in dieser Hausarbeit mit ein ( 5.2.).
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2. Die Kindergruppen
2.1. Das Konzept der „Bärengruppen“
Das Konzept der „Bärengruppen“ befindet sich zur Zeit in der Überarbeitung. Aus diesem Grund versuche ich, es zum besseren Verständnis der Gruppensituation kurz aus meiner Sicht darzustellen anstatt die überholte Schrift dem Anhang beizufügen. Die „Bärengruppen“ sind sozialtherapeutische Kinder- und Jugendgruppen und bieten soziale Gruppenarbeit gemäß § 29 SGB VIII an. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis ungefähr 14 Jahren, die Schwierigkeiten im sozialen Umgang innerhalb der Familie, der Schule und/ oder in ihren Beziehungen zu Gleichaltrigen haben und die in ihrer persönlichen Entwicklung durch die verschiedensten Faktoren benachteiligt sind.
Die Kinder werden für die Teilnahme an den „Bärengruppen“ meist durch Eltern, Lehrer oder die Bezirkssozialarbeiter vorgeschlagen. Die Gründe, die zur Aufnahme in einer „Bärengruppe“ führen, sind sehr vielschichtig und unterschiedlich. Exemplarisch zu nennen sind: Aggressivität, Ängste, Kontaktschwierigkeiten, fehlende Selbständigkeit, psychosomatische Probleme, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Konfliktsituationen verschiedenster Art, Verlusterlebnisse, (...). Die Gruppen sollen den Kindern den räumlichen, sozialen und emotionalen Raum geben, in dem ihre spezifischen Probleme aufgefangen werden können, in dem sie Vertrauen entwickeln und Sicherheit gewinnen und in dessen Rahmen sie Sozial-
verhalten üben können. Je nach der persönlichen Situation der Kinder ist die spezielle Zielsetzung für jedes Kind individuell und wird im Hilfeplan mit den Bezugspersonen und dem Kind selbst festgelegt und regelmäßig überprüft.
Die Kinder und Jugendlichen treffen sich ein- oder zweimal pro Woche für jeweils 90 Minuten. In dieser Zeit gehen sie gemeinsam unterschiedlichen Aktivitäten nach, die sie entweder selbst ausgewählt haben oder die von den Gruppenleiterinnen vorgeschlagen wurden. Dabei kann es sich um gemeinsames Kochen, Spielen, Basteln, Schwimmen, Malen, (...) oder auch um thematische Arbeit im weitesten Sinne handeln. Die Gruppen bestehen aus höchstens sechs Kindern und werden immer von zwei Kräften gemeinsam betreut. Dies gewährleistet, dass den individuellen Bedürfnissen der Kinder nachgegangen werden kann. Die Gruppen werden gewöhnlich nach dem Alter der Kinder und ihren persönlichen Bedürfnissen entsprechend eingeteilt. Die „Bärengruppe“ ermöglicht es den Kindern, in einem geschützten Rahmen Sozialverhalten zu üben und in der Beziehung zu anderen
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Kindern und der vertrauensvollen Beziehung zu den Gruppenleiterinnen Selbstvertrauen, Stabilität und eigene Fähigkeiten zu entwickeln. Psychische Spannungen können in diesem Zusammenhang aufgefangen werden. Die Kinder erfahren konstante und verläßliche Begleitung und eine Sicherheit, die vielen von ihnen sonst fremd ist. Sie nutzen das „Forum“ der Gruppe, um ihre Alltagserfahrungen mitzuteilen und erfahren durch die Gruppe und die Leiterinnen Unterstützung, sowie Wertschätzung ihrer Person. Die Gruppenleiterinnen stehen in engem Kontakt mit den Bezugspersonen der Kinder und, wenn dies von diesen gewünscht wird, mit der Schule, den Mitarbeitern des Jugendamtes und anderen Fachkräften. Als Qualitätsmerkmale der „Bärengruppen“ sind meiner Meinung nach die Ausstattung mit Fachkräften ( zur Zeit eine Diplompädagogin, vier Diplomsozialarbeiterinnen, ein Diplomsozialarbeiter, eine Anerkennungspraktikantin und ein Student der Sozialarbeit), die regelmäßige fachliche Beratung durch eine Diplompsychologin, regelmäßige Teambesprechungen und Supervision und die Fortbildung der Mitarbeiterinnen zu nennen.
2.2. Beschreibung der beiden „Bärengruppen“
a) Die erste von mir besuchte Gruppe ( im Folgenden nenne ich sie „Montagsgruppe“) besteht zur Zeit aus drei Kindern: Moritz ( 10,9 Jahre), Florian ( 11,6 Jahre) und Natalie ( 9,5 Jahre). Die Gruppe hat sich vor kurzem von zwei weiteren Kindern verabschieden müssen. Ein Junge wurde wegen seiner Aggressivität in die Einzelbetreuung genommen, ein Mädchen kam aufgrund großer Probleme in der Pflegefamilie in ein Kleinstheim. Die Situation der Gruppe war dementsprechend in der letzten Zeit von Konflikten und Unruhe geprägt, was besonders Florian nur schwer aushalten konnte. Moritz dagegen hat sich in die Konflikte eingeschaltet und war diesbezüglich sehr emotional engagiert. Natalie zeigte sich eher passiv, nahm manchmal die Rolle der „Sorgenden“ an. Die persönliche Situation der Einzelnen stelle ich im Zusammenhang mit der Einzelbetrachtung der Bilder dar.
b) Die zweite Gruppe ( im Folgenden „Freitagsgruppe“ genannt) besteht normalerweise aus fünf Kindern: Christina ( 9,2 Jahre), Sabine ( 10,1 Jahre), Martin ( 10,8 Jahre), Max ( 8,4 Jahre) und Kevin ( 9,6 Jahre). Leider waren Christina, Sabine und Martin zum Zeitpunkt meines Besuchs für uns überraschend auf einem Klassenausflug und somit nicht anwesend. Ich habe mich trotzdem dazu entschlossen, die Malaktion durchzuführen, weil die Kinder sonst enttäuscht gewesen wären und zudem durch die geringe Zahl an Kindern eine intensivere Beschäftigung mit den beiden Jungen möglich war. Da beide das
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Malen sehr intensiv als Kommunikationsmittel nutzten, tut dies meiner Arbeit meiner Meinung nach auch keinen Abbruch. Die Situation in der Gruppe ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt als ruhig und recht ausgeglichen zu beschreiben.
3. Theorie der Kinderzeichnung
3.1. Zur Malentwicklung
Die Zeichner der vorliegenden Bilder sind zwischen 8,4 und 11,6 Jahre alt. Im Folgenden werde ich versuchen, die für diese Altersgruppe in der Literatur beschriebenen Charakteristika der Malentwicklung kurz darzustellen. 1
Die Bilder der Kinder im Alter von ca. 5- 8,5 Jahren zeichnen sich dadurch aus, daß „die grundlegenden ( graphischen) Merkmale der Personen und Gegenstände erarbeitet sind und die Entwicklung von Motiven und Bildorganisation zu einem ( vorläufigen) Abschluß
gekommen ist“. Dies wird mit dem Begriff „Werkreife“ bezeichnet. Sie leitet die Individualisierung des Bildkonzepts ( im Bild läßt sich das Ergebnis individueller Erarbeitung von Formvarianten und Bildkonzepten erkennen) ein. Das Bild gewinnt in dieser Phase an Ausdruck, da das Kind vermehrt die Möglichkeiten der Darstellungsmittel, einen Gegenstand prägnanter zu zeichnen und dabei Wertungen vorzunehmen, erkennt. Das Motiv und die Organisationsstruktur des Bildes werden verändert, um emotionale Befindlichkeiten auszudrücken. Das zeichnende Kind nimmt sich vermehrt in der Rolle eines Kommunikationspartners wahr und bemüht sich, dem Betrachter seine Mitteilungen verständlich werden zu lassen. Merkmale des Bildschemas sind Richtungsdifferenzierungen ( die Bildelemente werden zueinander in Beziehung gesetzt wie es Darstellungsintention, Mitteilungsgehalt und Gesamtstruktur des Bildes erfordern), Röntgenbild und Transparenz, Bedeutungsgröße und Bedeutungsperspektive ( was dem Kind wichtig ist, wird groß gezeichnet), Verwendung von exemplarischen Details zur Charakterisierung von Personen und Gegenständen ( auch für allegorisch verfestigte Inhalte wie Liebe= Herz etc.) und Prägnanztendenz ( z.B. „Umklappbilder“ zur Vermeidung von Überschneidungen). Kinder im Alter von ca. 9- 12 Jahren befinden sich sozusagen in der „zweiten Schemaphase“. Diese ist gekennzeichnet durch Zunahme der gegenstandsanalogen Details ( es werden zunehmend Details von Gegenständen und Personen gezeichnet, Größenverhältnisse beachtet, etc.), Umstrukturierung des Bildschemas ( selektive und ökologische Bildkonzeption), Veränderung in der Motivstruktur ( hin zu Elementen aus Märchen, Fernsehsendungen,
1 Ich beziehe mich dabei auf Richter: Die Kinderzeichnung- Entwicklung. Interpretation. Ästhetik, S. 45- 77
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Comics, Romanen und auch aktuellen Ereignissen und Zukunftsvisionen) und Momente von Karikatur und Ironisierung. Nach dieser Ausgestaltung der Schemaphase kommt es zu deren Auflösung in Form der Integration in „künstlerische Gestaltungskonzepte“ aus der „Erwachsenenkunst“, an die sich das Kind, bzw. der Jugendliche anzunähern versucht.
Um den Stand der Malentwicklung eines Kindes in Bezug auf andere Kinder seiner Altersgruppe feststellen zu können, haben verschiedene Autoren mittels ausgedehnter Untersuchungen versucht, Kriterienkataloge für die Einordnung zu schaffen. In meiner Arbeit orientiere ich mich an Elizabeth M. Koppitz‘ Forschungsergebnissen und werde deren System der „Entwicklungsmerkmale“ an dieser Stelle kurz darstellen. Die „Entwicklungsmerkmale“ zeichnen sich dadurch aus, daß sie nur in verhältnismäßig wenigen Zeichnungen von Kindern der unteren Altersstufen vorkommen und mit zunehmendem Alter immer häufiger auftreten, bis sie ein regulärer Bestandteil vieler oder der meisten Zeichnungen einer gegebenen Altersstufe werden. 2 Im Rahmen einer repräsentativen Untersuchung der Zeichnungen 5- 12 jähriger Kinder hat Koppitz die Häufigkeit des Vorhandenseins der vorher festgelegten Entwicklungsmerkmale in den unterschiedlichen Altersgruppen festgestellt. Sie unterscheidet vier Häufigkeitskategorien: Alle Einzelfaktoren, die in 85- 100 % der Zeichnungen einer Altersstufe vorkommen, gehören zu den „Erwarteten Merkmalen“. Diese stellen „das grundlegende Minimum dar, das man in Menschen- Zeichnungen des jeweiligen Alters erwarten kann.“ Merkmale, die in 51- 85 % der Bilder auftreten, zählen zu den „Üblichen Merkmalen“, solche, die in 16- 50 % zu finden sind gelten als „ Nicht- Ungewöhnliche“. Beiden Kategorien kommt keine größere Bedeutung zu. Die vierte Kategorie beinhaltet die Entwicklungsmerkmale, die in 15 % oder weniger der Zeichnungen erscheinen. Sie werden als „Außergewöhnliche Merkmale“ bezeichnet. 3 Unter Berücksichtigung der „Erwarteten Merkmale“ und der „Außergewöhnlichen Merkmale“ kann eine Einschätzung des Entwicklungsstandes des Kindes erfolgen. Die entsprechenden Daten lassen sich aus der im Anhang befindlichen Kopie der normativen Daten für die Entwicklungsmerkmale für Jungen und Mädchen -soweit sie für diese Arbeit relevant sind- und der ebenfalls dort abgedruckten Tabelle ablesen. 4 Es ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß die von Koppitz erhobenen Daten aus dem Jahr 1968 (!) stammen und dementsprechend mit Vorsicht auf die Kinder der Gegenwart zu übertragen sind. Es ist davon auszugehen, daß sich die Altersgrenzen bezogen auf die Merkmale verschoben haben. Da ich vermute, daß aufgrund der zunehmenden
2 Koppitz: Die Menschendarstellung in der Kinderzeichnung und ihre psychologische Auswertung, S.25
3 A.a.O., S. 28
4 Vgl. a.a.O., S. 29, 32, 36 und 386
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Einflüsse der Medien eher eine Veränderung dahingehend eingetreten ist, daß bestimmte Merkmale in den Zeichnungen noch früher auftreten, denke ich, daß die Koppitzschen Werte trotzdem Hinweischarakter haben können. Eine Überprüfung ihrer Gültigkeit wäre dringend notwendig.
3.2. Die Geschwisterbeziehung in der Literatur zu Kinderzeichnungen
Die Geschwisterbeziehung wird in der mir bekannten Literatur zu Kinderzeichnungen kaum als solche thematisiert und untersucht. Lediglich als Fallbeispiele werden von verschiedenen Autoren Bilder besprochen, die Geschwisterrivalität 5 , den Konflikt unter Geschwistern 6 , die Trauer um den Tod eines Geschwisterkindes 7 , die Geburt eines neuen Geschwisters 8 oder das Gefühl, für das Geschwisterkind verantwortlich zu sein 9 zum Ausdruck bringen. Otto Gmelin widmet sich etwas genauer der Geschwisterrivalität, wie sie in der „Familie in Tieren“ deutlich wird. 10 Wertvolle Anregungen zum Malen mit trauernden Geschwistern geben Baßler und Schins. 11 Nur bei wenigen der Bilder wurde die Instruktion gegeben, ein Geschwisterbild zu zeichnen; es handelt sich vielmehr um Spontanzeichnungen, die die Kinder beim freien Malen oder auch beim Malen mit einem Therapeuten anfertigten. In einigen Fällen liegt auch die Aufforderung, ein Familienbild zu malen, zugrunde. Der Einfluß der Geschwisterkinder auf die Malentwicklung des Kindes wird lediglich bei Schuster explizit genannt, bei anderen Autoren ist allgemein die Rede von der Orientierung an Gleichaltrigen oder älteren Kindern in der direkten Umgebung. 12 Die Beeinflussung durch Geschwister kann nach Schuster sowohl aktiver ( durch korrigierendes Eingreifen der
älteren in den Zeichenvorgang jüngerer Geschwister) als auch passiver ( durch Beobachten der älteren Geschwister) Art sein. 13 An anderer Stelle führt er folgenden Vergleich an: „ (...) die jüngeren Kinder übernehmen den Formenschatz der älteren Kinder, wie in der Kunstgeschichte die Maler den Formenschatz der vorhergehenden Generationen übernehmen und eventuell erweitern.“ 14 Zudem übernehmen Kinder Formen von Eltern, Mitschülern,
5 Vgl. Furth: Heilen durch Malen- Die geheimnisvolle Welt der Bilder, S. 112
6 Vgl. Fleck- Bangert: Kinder setzen Zeichen, S.107 ff.
7 Vgl. Urner: Häuser erzählen Geschichten, S. 35 und 38, sowie S. 62 und 64
8 Vgl. Fleck- Bangert: Kinder setzen Zeichen, S. 111 ff.
9 Vgl. a.a.O., S. 50
10 Gmelin: Mama ist ein Elefant, S. 137- 138
11 Baßler/ Schins: „Warum gerade mein Bruder?“, S. 69 ff.
12 Vgl. u.a. Reiß: Kinderzeichnungen- Wege zum Kind durch seine Zeichnung, S. 46
13 Schuster: Kinderzeichnungen- Wie sie entstehen. Was sie bedeuten, S. 15
14 Schuster: Die Psychologie der Kinderzeichnung, S. 10
15 Vgl. Schuster: Kinderzeichnungen- Wie sie entstehen. Was sie bedeuten, S. 18
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Dagny Wrede, 1999, Meine Geschwister und ich, München, GRIN Verlag GmbH
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