2
I Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Begriffsklärung 5
2.1 Der Versuch Männlichkeit zu definieren 5
2.1.1 Hegemonie 6
2.1.2 Unterordnung 6
2.1.3 Komplizenschaft 6
2.1.4 Marginalisierung 7
2.2 Gender- die soziale Konstruktion von Geschlecht 7
2.3 Stereotype Geschlechtszuschreibung 8
2.4 Gender Mainstreaming. 9
2.5 Gender Mainstreaming- ein Frauen Thema? 10
3 Wie Helfen zum Beruf wurde- geschichtlicher Hintergrund der
Sozialen Arbeit 12
3.1 Die Entstehung der Sozialen Arbeit als Beruf 12
3.2 Die Geschlechtergeschichte der Sozialen Arbeit als Beruf 13
4 Vorstellung des wissenschaftlichen Praxisprojektes 16
4.1 Überlegungen zum Thema Männer und Männlichkeit in der Sozialen
Arbeit 16
4.2 Prozess in der wissenschaftlichen Arbeit 16
5 Männer und Männlichkeit in der Sozialen Arbeit-
Ergebnisse des wissenschaftlichen Praxisprojektes 17
5.1 Motivationen für die Berufswahl 18
5.2 Beweggründe für die Wahl des Arbeitsfeldes der Bewährungshilfe 21
5.3 Wie Sozialarbeiter sich selber sehen 23
3
6 Handlungskonsequenzen im Rahmen des Gender Mainstreaming für die Soziale Arbeit …………………………………………..………....…29 6.1 Geschlechterhierarchien in der Sozialen Arbeit……………………...…...29 6.2 Männliche Arbeitsfelder für männliche Sozialarbeiter……………….…..30 6.3 Bedeutung einer reflexiven Geschlechtsidentität………………………....33 6.4 Bedeutung von Sozialisation für eine Veränderung gesellschaftlicher Rollenzuschreibungen………………………………………………….…34 6.5 Bedeutung von Gender Mainstreaming für das Studium der Sozialen Arbeit…………………………………………………………….…….….35
7 Fazit…………………………………………………………………....…37
8 Exzerpt…………………………………………………………….….….38
9 Excerpt (english)………………………………………………….……..39
II Literaturverzeichnis……………………………………………….……41
4
1 Einleitung
Soziale Berufe werden von Frauen beherrscht. Dies konnte ich sowohl in meinem Beruf als Heilerziehungspflegerin wie auch in meinem derzeitigen Studium feststellen. Männer sind in unserem Studiengang weitaus geringer vertreten als Frauen (dazu s. 5.1). Soziale Arbeit scheint für Männer also kein reizvolles Arbeitsfeld zu sein und mich interessiert, warum diejenigen die sich doch für diesen Bereich entscheiden, Interesse an diesem Beruf entwickelt haben. Um dieser Frage nachzugehen, habe ich das wissenschaftliche Praxisprojekt für eine Forschungseinheit genutzt mit dem Titel „Männer und Männlichkeit in der Sozialen Arbeit“. Aufgrund der hohen Männerquote wählte ich als Einrichtung die Bewährungshilfe Osnabrück. Hier wurde mir durch die Mithilfe aller männlichen Bewährungshelfer 1 im Landgerichtbezirks Osnabrück die Möglichkeit gegeben, eine Umfrage zu diesem Thema zu machen. Das wissenschaftliche Praxisprojekt habe ich als Vorbereitung auf die folgende Bachelorarbeit durchgeführt.
Die folgende Arbeit werde ich beginnen mit den Begriffsklärungen, angefangen mit dem Versuch, Männlichkeit genauer zu beschreiben. Dazu nutze ich den soziologischen Ansatz von R. W. Connell. Des Weiteren werde ich den Gender-Aspekt mit in die Arbeit einbeziehen, da ich denke, dass Gender und gerade Gender Mainstreaming noch eine zu geringe Rolle für die Männer (der Sozialen Arbeit) spielt. Gerade Sozialarbeiter könnten vom Gender Mainstreaming profitieren lernen.
Genauso wie auf die Geschlechtsstereotypisierungen unserer Gesellschaft sollte ein Blick auf die Anfänge des Berufes und die Geschlechtergeschichte der Sozialen Arbeit geworfen werden. Dies könnte deutlich machen, warum der Soziale Beruf überwiegend von Frauen ausgeübt wird. Darüber hinaus werde ich noch einmal kurz den Prozess meines wissenschaftlichen Projektes beschreiben, um einen Überblick über meine vorherige Arbeit zu geben.
1 Zur Vereinfachung und weil es sich ausschließlich um männliche Befragte handelt, wähle ich im Verlauf der gesamten
Arbeit die männliche Form. Dies soll keine Abwertung der weiblichen Person darstellen.
5
Daraus ergeben sich die Ergebnisse, die ich durch die Befragung der Bewährungshelfer erzielt habe. Dabei habe ich mich auf die wichtigsten Bereiche beschränkt, um die Ergebnisse auf die Hypothesen bezogen darzustellen und zu interpretieren. D. h. ich werde nicht jedes Ergebnis der ausgewerteten Fragebögen darlegen. Abschließend werden Konsequenzen dargelegt, welche sich aus der Gender und der Geschlechterrollen Thematik ergeben. D.h. es werden Überlegungen getroffen, was nötig wäre, um einen Wandel in der Gesellschaft voranzutreiben bezüglich Geschlechterstereotypien und Anerkennung der Sozialen Arbeit. Dies würde evt. den Beruf des Sozialarbeiters für die Männer interessanter machen.
2 Begriffsklärung
2.1 Der Versuch Männlichkeit zu definieren
Männlichkeit klar zu definieren erweist sich für mich als schwer. In der Literatur sind unterschiedliche theoretische Herangehensweisen bzw. Konzepte von Männlichkeit zu finden, aber keine konkrete Definition. Generell ist in der Literatur zu lesen, dass Männlichkeit durch die Gesellschaft und den jeweiligen Mann in Interaktion konstruiert wird. Dazu gehören bestimmte Rollenzuschreibungen (Geschlechterstereotypen), die besagen welche
Eigenschaften als männlich gelten. Dazu gehören in unserer Gesellschaft z. B. Eigenschaften wie Stärke, Dominanz, Rationalität, Strukturiertheit, Logisches Denken u. v. m.
Connell hat vier Hauptformen von Männlichkeiten aufgeführt. Hierbei handelt es sich nicht um pauschalisierte Kategorien. Es sind natürlich nicht alle Männer einer „Form“ gleich in ihrer Männlichkeit oder in ihrem Wesen. Diese Gruppen dienen lediglich dazu, spezifische Formen von Männlichkeit analysieren zu können. Connell betont immer wieder: „…, dass Begriffe wie „hegemoniale Männlichkeit“ oder „marginalisierte Männlichkeit“ keine festen Charaktertypen bezeichnen, sondern Handlungsmuster, die in bestimmten Situationen innerhalb eines
6
veränderlichen Beziehungsgefüges entstehen.“ 2 Diese vier Hauptformen stelle ich in Folge kurz dar.
2.1.1 Hegemonie
„Hegemoniale Männlichkeit ist kein starr, über Zeit und Raum unveränderlicher Charakter. Es ist vielmehr jene Form von Männlichkeit, die in einer gegebenen Struktur des Geschlechtsverhältnisses die bestimmende Position einnimmt, eine Position allerdings, die jederzeit in Frage gestellt werden kann.“ 3 Vertreter hegemonialer Männlichkeit können Vorbilder sein, wie z. B. Schauspieler oder Filmfiguren; diese müssen nicht unbedingt die mächtigsten Männer sein. Diese Männlichkeit definiert sich überwiegend über Abwertung und Unterwerfung von Frauen und anderen Männlichkeiten (untergeordnete Männlichkeit wie Homosexuelle). Verändern sich die Bedingungen für die Verteidigung des Patriarchats, kann eine neue Hegemonie konstruiert werden. 4
2.1.2 Unterordnung
In der Gesellschaft gibt es im Rahmen der kulturellen Dominanz, auf die sich die Hegemonie bezieht, „ spezifische Geschlechterbeziehungen von Dominanz und Unterordnung zwischen Gruppen von Männern.“ 5
In der heutigen westlichen Gesellschaft bezieht sich die Unterordnung in großem Maße auf homosexuelle Männer gegenüber der Dominanz von heterosexuellen Männern. 6
Hegemoniale Männlichkeit setzt Schwul- sein mit Weiblichkeit gleich. Die homosexuelle Männlichkeit gerät durch Unterdrückung an das unterste Ende der männlichen Geschlechtshierarchie. Auch heterosexuelle Männer können in den Kreis der untergeordneten Männer geraten. 7
2.1.3 Komplizenschaft
„Als komplizenhaft verstehen wir in diesem Sinne Männlichkeiten, die zwar die patriarchale Dividende bekommen, sich aber nicht den Spannungen und Risiken
2 Connell, Robert W. Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. Opladen 1999. S. 102
3 Connell, Robert W. 1999. S. 97
4 Vgl.: Connell, Robert W. 1999. S. 98
5 Connell, Robert W. 1999. S. 99
6 Vgl.: Connell, Robert W. 1999. S. 99
7 Connell, Robert W. 1999. S. 100
7
an der vordersten Frontlinie des Patriarchats aussetzen.“ 8 Hierbei handelt es sich also um Männer, die mit der hegemonialen Männlichkeit in Verbindung stehen, die dieses Muster aber nicht vollständig umsetzen oder praktizieren. Sie leben in der Komplizenschaft mit der hegemonialen Männlichkeit. 9 Diese Männer sehen Frauen auch als untergeordnete Menschen, können aber in bestimmten Situationen auch Kompromisse mit ihnen eingehen, was der hegemonial männliche nicht machen würde.
2.1.4 Marginalisierung
„Hegemonie, Unterordnung und Komplizenschaft sind also interne Relationen der Geschlechterordnung. Die Interaktion des sozialen Geschlechts mit anderen Strukturen wie Klasse oder Rasse schafft weitere Beziehungsmuster zwischen verschiedenen Formen von Männlichkeit.“ 10 So können also auch Rassenaspekte ein Bestandteil der Dynamik zwischen den einzelnen Männlichkeiten werden. 11 Connell benutzt den Begriff der Marginalisierung, „um die Beziehungen zwischen Männlichkeiten dominanter und untergeordneter Klassen oder ethnischer Gruppen zu beschreiben.“ 12
„Marginaliesierung entsteht immer relativ zur Ermächtigung hegemonialer Männlichkeit der dominanten Gruppe.“ 13
2.2 Gender- die soziale Konstruktion von Geschlecht
In der deutschsprachigen Geschlechterdebatte fällt heute vermehrt der Begriff „Gender“ statt Geschlecht. In der englischen Sprache wird zwischen dem biologischen Geschlecht- „Sex“- und dem sozial hergestellten Geschlecht„Gender“- unterschieden. Diese Differenzierung fehlt in unserer deutschen Sprache. Aus diesem Grund wird der Begriff „Gender“ in der deutschen Sprache „leihweise“ genutzt, um das soziale Geschlecht besser beschreiben zu können. 14
8 Vgl.: Connell, Robert W. 1999. S.100
9 Vgl.: Connell, Robert W. 1999. S 100
10 Connell, Robert W. 1999. S. 101
11 Vgl.: Connell, Robert W. 1999. S. 101
12 Connell, Robert W. 1999. S. 102
13 Connell, Robert W. 1999. S. 102
14 Vgl.: Rose, Lotte. Gender und soziale Arbeit. Schneider Verlag Hohengehren. 2007. S. 5
8
„Gender ist ein sozioökonomisches und kulturelles Konstrukt, welches Frauen und Männern in bestimmten Zusammenhängen unterschiedliche und ungleiche Rollen, Verantwortlichkeiten, Grenzen, Erwartungen, Möglichkeiten und Bedürfnisse zuschreibt. Gender ist insofern anders als das Geschlecht, welches sich auf die biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen bezieht.“ 15 Im Prinzip könnte man davon ausgehen, dass Geschlechterdifferenzen durch „ die genetischen Programme der Geschlechtskörper erzeugt sind“ 16 , da das „Geschlecht“ eigentlich etwas biologisches ist. Da es hier aber um soziale Zusammenhänge geht, ist die Geschlechterdifferenz ein von Menschen „selbsterzeugtes“ Produkt. 17
Meuser meint ebenso: „Geschlecht wird nicht als biologisches Faktum, sondern als soziale Konstruktion begriffen.“ 18
In vielen Gesellschaften, auch in unserer, ist die soziale Bedeutung von Geschlecht kulturell konstruiert worden. Es müssen also „Vorstellungen über Geschlecht und das Geschlechterverhältnis“ 19 in der jeweiligen Gesellschaft entwickelt worden sein, um Gender greifbar machen zu können. „Von „Gender“ zu sprechen, soll diesen Sachverhalt sprachlich vermitteln. Er besagt: Der soziale Geschlechtsunterschied „Gender“ geht nicht im körperlichen Unterschied „Sex“ auf. Gender wird und ist stattdessen „gemacht“. In der Genderforschung hat sich deshalb die Formel des „Doing Gender“ etabliert.“ 20 Das sozial hergestellte Geschlecht ist also nicht festgeschrieben. Es ist veränderbar und an Veränderungen von gesellschaftlichen Normen geknüpft. Dies geschieht in allen sozialen Interaktionen; alle Interaktionspartner sind an diesem Prozess beteiligt. 21
2.3 Stereotype Geschlechtszuschreibungen
Verschiedene gesellschaftliche Geschlechterrollen ergeben sich aus der Sozialisation. Durch die Gesellschaft werden verschiedenste Erwartungen an
15 http://www.eubuero.de/arbeitsbereiche/fraueneuforschung/gendermainstreaming/gm_allg
16 Rose, Lotte. Gender und soziale Arbeit. Schneider Verlag Hohengehren. 2007. S. 6
17 Vgl. Rose, Lotte. 2007. S. 6
18 Meuser, Michael. Gender Mainstreaming. Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn. 2004. S. 326
19 Rose, Lotte. 2007. S. 6
20 Rose, Lotte. 2007. S. 6
21 Vgl.: Meuser, Michael. 2004. S. 326
9
jedes Geschlecht gestellt. So lernen Kinder früh, sich an das anzupassen, was von ihnen als Mädchen oder Jungen erwartet wird. Geschlechterrollen entwickeln sich oft aus stereotypen Vorstellungen über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 22 „Stereotypisierungen sind sozial gefestigte, undifferenzierte und verallgemeinernde Wahrnehmungsmuster. […] Geschlechterstereotype
suggerieren grundlegende Unterschiede ("typisch weiblich" und "typisch männlich") zwischen den Geschlechtern, indem sie pauschal Männern und Frauen Eigenschaften und Verhaltensweisen zuweisen, die als natürlich gelten und komplementär zueinander stehen. Was "typisch weiblich" ist, erscheint hierbei untypisch für Männer und umgekehrt. Bei genauerem Hinsehen ist in der Komplementarität meist eine Benachteiligung für ein Geschlecht enthalten -historisch und im Regelfall: Für Frauen, in manchen Bereichen auch für Männer. Die Stereotype für die Geschlechter sind nicht nur komplementär. Sie vermitteln oft auch eine implizite hierarchische Wertung ("starkes Geschlecht - schwaches Geschlecht").“ 23 Beispiele für weibliche charakterliche Stereotypisierung sind unter anderem: emotional, mütterlich, intuitiv, schwach, gefühlvoll, sanft, abhängig, verletzlich etc. Männer werden z. B. stereotypisiert als vernünftig, stark, dominant, aggressiv, logisch, ehrgeizig, unabhängig, mutig, bestimmt, beschlagen u. a. 24
2.4 Gender Mainstreaming
Gender Mainstreaming ist: „ein ganzheitlicher Ansatz zur Verwirklichung der Gleichstellung von Frau und Mann (Chancengleichheit) als Querschnittspolitik, indem die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen beider Geschlechter in allen Bereichen von Politik und Verwaltung als leitendes Prinzip mit zu berücksichtigen sind. Die Verpflichtung zu Gender Mainstreaming ist europarechtlich verankert.“ 25
22 Vgl.: Fröschl, Elfriede & Gruber, Christine. Sozialarbeit auf dem Weg zur Geschlechterdemokratie? S. 1
http://www.sozialarbeit.at/gender.doc
23 http://www.bmfsfj.de/gm/Wissensnetz/instrumente-und-arbeitshilfen,did=16604.html
24 Vgl.: http://www.bmfsfj.de/gm/Wissensnetz/instrumente-und-arbeitshilfen,did=16604.html
25 http://www.olev.de/g/gender-mainstr.htm
Arbeit zitieren:
Alina Heitjan, 2008, Männer in einem Frauenberuf! Sozialarbeiter und ihr Selbstbild - Exemplarisch dargestellt aus der Sicht von Bewährungshelfern., München, GRIN Verlag GmbH
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