INHALT
1. Einleitung 3
2. Die Motive der beiden Staaten für die Unterzeichnung des
Berliner Vertrages 4
2.1 Die deutschen Motive 4
2.2 Die sowjetischen Motive 8
3. Fazit 11
4. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Am 24. April 1926 unterzeichneten der Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Gustav Stresemann und der sowjetische Botschafter Nikolai Krestinski, den Berliner Vertrag.
Der Rapallo Vertrag schuf die Grundlage für eine neue Etappe in der Entwicklung deutsch-sowjetischer Beziehungen 1 . Auf dem Rapallo Vertrag basierend wurde die Unterzeichnung des Berliner Vertrages, sowohl von der deutschen Regierung, als auch von der sowjetischen Regierung, als ein Höhepunkt der Rapallo-Politik verbucht 2 . In der Forschung wird häufig die deutsche Außenpolitik unter dem Aspekt der West- und Ostorientierung betrachtet und der Berliner Vertrag als das notwendige Gegenstück zu den Locarno Verträgen angesehen 3 . Diese Arbeit soll sich nun mit den Gründen beschäftigen, die zur Unterzeichnung des Berliner Vertrages geführt haben. Aus welchen Motiven heraus strebten Deutschland und die Sowjetunion diesen Freundschaftsvertrag an? War es nur der Wunsch, alles zu tun, was zur Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens beitragen kann, wie die einleitenden Worte des Vertragstextes behaupten? Die Literaturlage zu diesem Thema ist gut. Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen und Quellen, die den Berliner Vertrag zum Inhalt haben. Grundlegend zu diesem Thema sind die Akten zur deutschen auswärtigen Politik 4 . In zahlreichen Dokumenten wird darin der Verlauf der Verhandlungen bis schließlich zur Unterzeichnung des Berliner Vertrages sehr gut dokumentiert.
1 Doernberg, Stefan (Hrsg.): Deutsch-sowjetischer Beziehungen 1922-1925. Vom Rapallo Vertrag bis zu den Verträgen vom 12 Oktober 1925. Berlin 1978.
2 Hildermeier, Manfred: Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates. München 1998. S. 361.
3 Köhler, Henning: Geschichte der Weimarer Republik. Beiträge zur Zeitgeschichte Bd. 4. Berlin 1982. S. 33.
4 Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945. Serie B: 1925-1933 Band. II., 1 und
2: Dezember 1925 bis Juni 1926. Deutschlands Beziehungen zur Sowjetunion und zu den baltischen Staaten. Göttingen 1967.
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2. Die Motive der beiden Staaten für die Unterzeichnung des Berliner Vertrages
2.1 Die deutschen Motive
Mit der Regelung der deutschen Reparationsleistungen auf der Londoner Konferenz im Sommer 1924 (Dawes-Plan) und dem Abschluß des Locarno Vertrages 1925 war Deutschland der Weg zum Eintritt in den Völkerbund eröffnet worden. Der Eintritt in den Völkerbund schloß ein gutes Verhältnis deutscherseits zu der Sowjetunion nicht aus. Dennoch gab es sowohl eine rechte als auch eine linke Opposition, die den Völkerbund als Machtinstrument der Siegermächte ablehnten und sich gegen den Eintritt aussprachen. Diese argumentierten, daß Deutschland durch den Eintritt in den Völkerbund das gute Verhältnis zu der Sowjetunion gefährden würde 5 .
Tatsächlich sprach sich die Sowjetunion gegen den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund aus und äußerte wiederholt ihr Mißfallen über diese Entwicklung 6 . Daraufhin versuchte die deutsche Regierung die Sowjetunion zu beruhigen und gab bekannt, daß sie nicht gewillt sei, dem Völkerbund die bisherige gute deutsch-sowjetische Beziehung zu opfern. Auch werde sich die deutsche Regierung nicht in anti-russische Bündnisse mit hinein ziehen lassen. Die Sowjetunion wurde sogar über den Stand der Verhandlungen laufend unterrichtet 7 .
Die sowjetische Regierung ließ sich durch Versicherungen deutscherseits nicht beschwichtigen. Sie sah in dem Anschluß Deutschlands an den Völkerbund das Ende der Rapallo-Politik. Sie betrachtete den Locarno
5 Linke, Horst G. (Hrsg.): Quellen zu den deutsch-sowjetischen Beziehungen 1917-1945. Quellen zu den Beziehungen Deutschlands zu seinen Nachbarn im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 8. Darmstadt 1998. S. 129.
6 Michaelis, Herbert (Hrsg.) und Schräpler, Ernst (Hrsg.): Die Weimarer Republik. Die Wende der Nachkriegspolitik 1924-1928. Ursachen und Folgen vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart. Eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte. Bd. 6. Berlin. S. 622.
7 ebenda.
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Kadir Özdemir, 2001, Aus welchen Gründen unterzeichneten Deutschland und die Sowjetunion den Berliner Vertrag?, München, GRIN Verlag GmbH
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