Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
1. Einleitung 1
2. Glück 2
2.1 Der Begriff Glück 2
2.2 Glücksmessung 5
2.3 Glücksfaktoren 9
3. Ziele in der Politik 13
3.1 Anforderungen 13
3.2 Kriterien 15
4. Glück als Ziel in der Wirtschafts Finanz- und Sozialpolitik 17
4.2 Positive Analyse 17
4.3 Normative Analyse 23
5. Zusammenfassung und Ausblick 29
Literaturverzeichnis 32
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Problemkreise des Glücksbegriffs.................................................................. 2
Abbildung 2: Glückskonzepte in der Philosophie und Psychologie .................................... 3
Abbildung 3: Methoden zur Glücksmessung ....................................................................... 6
Abbildung 4: Anforderungen an politische Ziele ............................................................... 14
Abbildung 5: Ebenen politischer Ziele............................................................................... 18
Abbildung 6: Finalziele der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik................................. 19
Abbildung 7: Zusammenhang zwischen Glück und wirtschafts-, finanz- und
sozialpolitischen Zielen................................................................................ 22
Abbildung 8: Verzerrungen bei der Glücksmessung.......................................................... 24
Abbildung 9: Glück als fixes oder variables Ziel ............................................................... 27
III
1. Einleitung
Die Glücksforschung ist derzeit eines der am stärksten wachsenden Gebiete der theoretischen und vor allem empirischen Wirtschaftsforschung. 1 Sie hat die Aufgabe, Faktoren zu identifizieren, die das menschliche Glück beeinflussen. 2 Dabei werden die Richtung und die Stärke des Zusammenhangs festgestellt. Seit 1969 wurden zu diesem Thema 1083 Artikel in renommierten wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht, davon allein ca. ein Drittel seit 2006. 3 Im Jahre 2000 wurde gar eine eigene wissenschaftliche Zeitschrift aufgelegt, die sich mit der Glücksforschung beschäftigt. 4 Die Verbindung zwischen Glück und Politik wurde erstmalig 1789 durch Jeremy BENTHAM hergestellt. BENTHAM forderte das größte Glück der größten Zahl als Ziel der Politik. 5 Diese Forderung fand unter dem Begriff Utilitarismus Eingang in die ökonomische Wohlfahrtstheorie. 6 Die Ökonomie entwickelte sich im Anschluss zu einer Lehre des Glücks. Mit Aufkommen des Behaviorismus und dessen Einflüssen auf die neoklassische Wirtschaftstheorie wurde Glück indes als für die Wirtschaftswissenschaften wertlos betrachtet. 7 Erst seit dem 1974 erschienenen Aufsatz von Richard EASTERLIN, in dem er den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Glück untersuchte, besitzt Glück wieder Bedeutung für die Wirtschaftswissenschaften. 8
Ziel dieser Arbeit ist es, die Verbindung zwischen der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik und dem heutigen Stand der Glücksforschung herzustellen, um zu prüfen, ob Glück das Ziel dieser Politikfelder ist und sein sollte.
Dazu wird im zweiten Kapitel eine Begriffserklärung von Glück gegeben sowie die Methoden der Glücksmessung dargestellt und diskutiert. Zusätzlich werden die für den vorliegenden Kontext relevanten, glücksbeeinflussenden Faktoren beschrieben. Kapitel 3 stellt die allgemeinen Anforderungen an ein politisches Ziel vor und definiert Kriterien, anhand derer der tatsächliche Erfüllungsgrad der allgemeinen Zielanforderungen zu prüfen ist. Im vierten Kapitel gilt es eine Verknüpfung der beiden Begrifflichkeiten Glück und Ziel herzustellen und damit die Ergebnisse der beiden vorangehenden Kapitel zusammenzuführen. Es wird hierzu eine positive und eine normative Analyse durchgeführt. Dabei wird bei der positiven Analyse mittels zweier Hypothesen getestet, ob Glück explizites oder implizites Ziel der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik ist. Bei der normativen Analyse wird in einer dritten Hypothese
1 Vgl. Frey und Stutzer (2005), S. 208; Veenhoven (2004), S. 3; Kahneman und Krueger (2006), S. 3 2 Vgl. Frey und Stutzer (2005), S. 208 3 Dies ergab eine Abfrage der Datenbank ECONLIT, die am 2. April 2008 durchgeführt wurde. Hierbei wurden nur englisch - sprachige Artikel berücksichtigt, die die Begriffe „happiness“, „well-being“ oder „life satisfaction“ im Titel führen.
4 Das Journal of Happiness Studies wird vom niederländischen Ableger des Springer Verlages aufgelegt. Vgl. o.V. (2007) 5 Vgl. Bentham (1907), S. 1 f.
6 Vgl. Stiglitz (2000), S. 77 7 Vgl. Layard (2005b), S. 133 ff.; Diener, Kahneman und Schwarz (1999), S. ix 8 Vgl. Di Tella und MacCulloch (2006), S. 25; Wilkinson (2007), S. 2; Graham (2008), S. 2; Frey und Stutzer (2002b), S. 404; Johns und Ormerod (2007), S. 28; Bruni und Porta (2007), S. xv
1
getestet, ob Glück politisches Ziel sein sollte. Das fünfte Kapitel dient als Zusammenfassung der Kernergebnisse und gibt einen kurzen Ausblick hinsichtlich weiterführender Problemstellungen.
2. Glück
2.1 Der Begriff Glück
Es existieren vier wesentliche Problemkreise, die den Umgang mit dem Begriff Glück erschweren. Wie in Abbildung 1 dargestellt, lassen sich diese in zwei semantische Ebenen unterteilen.
Abbildung 1: Problemkreise des Glücksbegriffs
Quelle: Eigene Darstellung
Erstens hat Glück, in der deutschen Sprache, auf einer übergeordneten Ebene diametrale semantische Bedeutungen. Zum einen kann der glückliche Zufall gemeint sein – im Sinne von Glück haben (englisch: luck). Zum anderen kann ein angenehmer Befindlichkeitszustand umschrieben werden – im Sinne von glücklich sein (englisch: happiness). 9 In dieser Arbeit geht es nachfolgend ausschließlich um Letzteres. Darüber hinaus lässt sich auch nach dieser vorgenommenen begrifflichen Eingrenzung auf einer untergeordneten semantischen Ebene in gängigen Lexika keine einheitliche oder vorherrschende Definition finden. Dies spiegelt sich in einer uneinheitlichen Verwendung des Begriffs im alltäglichen Sprachgebrauch wider (4. Problemkreis). 10 Dieses Phänomen ist das Ergebnis zweier Faktoren: Zum einen hat der Begriff Glück in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen (2. Problemkreis) 11 als auch in heterogenen Kulturkreisen (3. Problemkreis) 12 13 unterschiedliche Bedeutung.
9 Vgl. o.V. (1989), S. 606, Artikel Glück
10 Vgl. Veenhoven (1984), S. 13 ff.
11 Vgl. Argyle, Schwarz und Strack (1991), S. 1
12 Vgl. Bond (2003), S. 41.
13 Dieser Aspekt wird in Kapitel 4.2 im Zuge der Diskussion um die Vergleichbarkeit ausführlich gewürdigt. Er ist hier aus Gründen der Vollständigkeit erwähnt.
2
Die Begriffserklärung von Glück ist etymologisch in der Philosophie und der Psychologie verwurzelt (2. Problemkreis). 14 Die im Schrifttum verbreitetsten Glückskonzeptionen dieser Wissenschaften werden in Abbildung 2 vorgestellt. 15
Abbildung 2: Glückskonzepte in der Philosophie und Psychologie
Quelle: Eigene Darstellung
Hierbei ist auf einer philosophischen Ebene zwischen dem hedonistischen und dem eudämonistischen Glückskonzept zu unterscheiden. 16 17 Das hedonistische Konzept geht auf Jeremy BENTHAM (1789) zurück. 18 Es ist ein subjektives Konzept. Jedem Individuum wird eine Bewertung nach individuellen Kriterien zugestanden. 19 Glück ist hiernach das Ergebnis aus Leid und Freude. 20 Das eudämonistische Konzept ist ein objektives Konzept und geht auf ARISTOTELES (ca. 350 v. Chr.) zurück. 21 Hiernach bildet sich Glück zwangsweise durch gewisse Handlungen oder Aktionen heraus. Dies gilt für alle Individuen in gleicher Weise. 22 Glück kann nach diesem Konzept nicht durch materielle Dinge erreicht werden, sondern nur
14 Vgl. Argyle, Schwarz und Strack (1991), S. 1; Bruni und Porta (2007), S. xvii ff. 15 Vgl. Bruni und Porta (2007), S. xiii 16 Vgl. Bruni und Porta (2005), S. 6; Bruni und Porta (2007), S. xiii 17 Das auf R.M. RYAN und E.L. DECI zurückgehende Konzept der Selbstbestimmung und das auf Carol RYFF zurückgehende Konzept des psychologischen Wohlbefindens werden aus Komplexitätsgründen nicht weiter ausgeführt.
18 Vg. Bruni und Porta (2005), S. 8; Bruni und Porta (2007), S. xiii 19 Vgl. Bruni und Porta (2005), S. 7 f.; Veenhoven (2007), S. 2 20 Vgl. Bentham(1907), S. 1 21 Vgl. Bruni und Porta (2005), S. 8; Frey und Stutzer (2002a), S. 24;
22 Vgl. Nussbaum (2005), S. 175; Alexandrova (2005), S. 302; Bruni und Porta (2007), S. xiii
3
durch das Ausrichten nach ehrbaren Tugenden, wozu beispielsweise Liebe und Freundschaft zählen. 23 Das Konzept des subjektiven Wohlbefindens geht auf Edward DIENER (1984) zurück 24 und ist die verbreitetste Konzeption zur Bestimmung des Befindlichkeitszustandes in der Psychologie. 25 Subjektiv bedeutet, dass die Individuen selbst bewerten, wodurch ihr Wohlbefinden beeinflusst wird. 26 Das Konzept unterscheidet zwischen Affektivität und Kognition, wobei das subjektive Wohlbefinden die Summe aus diesen beiden Komponenten ist. Affektivität beinhaltet Emotionalität, wie Spaß oder Traurigkeit und die kognitive Komponente beinhaltet einen rationalen Bewertungsprozess, bei dem sich das Individuum gegenüber den eigenen Erwartungen, anderen Personen und unter Beachtung des zeitlichen Kontextes selbstreflektierend in Relation setzt. 27 Glück wird in dieser Konzeption nur als Teilbestandteil des subjektiven Wohlbefindens gesehen und bezeichnet den Zustand des sich glücklich fühlens. Das subjektive Wohlbefinden insgesamt ist umfassender und bezeichnet den Zustand des glücklich seins. 28 Damit beinhaltet das subjektive Wohlbefinden sowohl Elemente des Hedonismus als auch des Eudämonismus. 29
Drittens hat der Begriff Glück in individualistischen und kollektivistischen Ländern eine divergierende Bedeutung. Während die Bevölkerung in westlichen Kulturen davon ausgeht, dass Glück durch aktives Handeln herbeigeführt werden kann, werten Menschen in kollektivistischen Nationen Glück als etwas Gottgegebenes und damit Schicksalhaftes. Das Streben nach Glück wird in diesen Ländern als unsittlich angesehen. 30 Für diese Arbeit werden ausschließlich Ergebnisse westlicher Industrieländer betrachtet.
Aus der wissenschaftlichen und kulturellen Mehrdeutigkeit resultierend werden im Alltag eine Reihe von Glücksbegriffen als vermeintliche Synonyme verwendet (4. Problemkreis). So existieren in der englischen Sprache unter anderem die Begriffe happiness, well-being und satisfaction. 31 32 Viele Wirtschaftswissenschaftler verwenden einen pragmatischen Ansatz zur Lösung dieser Problemkreise. „Happiness, by economists, is not generally defined […] [.] Some economists […] use [Subjective Well-Being] […] simply as a synonym of happiness, relying on
23 Vgl. Nussbaum (2005), S. 171; Frey und Stutzer (2002a), S. 24 f.; Bruni und Porta (2007), S. xiv 24 Vgl. Bruni und Porta (2007), S. xviii 25 Vgl. Frey und Stutzer (2002a), S. 24 26 Vgl. Bruni und Porta (2007), S. xviii 27 Vgl. Diener, Lucas, Suh (1996), S. 616 28 Vgl. Bruni und Porta (2007), S. xviii 29 Vgl. Bruni und Porta (2007), S. xviii ff.
30 Vgl. Bond (2003), S. 41 f.
31 VEENHOVEN zählt insgesamt 18 verschiedene Begriffe auf, die im englischen synonym verwendet werden. Vgl. Veenhoven (1984), S. 36 f.
32 Im Folgenden werden in dieser Arbeit für diese englischen Begriffe in obiger Reihenfolge die deutschen Worte Glück, Wohlbefinden und Zufriedenheit verwendet. Generell werden wesentliche Begriffe der englischen Fachliteratur möglichst weitgehend in die deutsche Sprache übersetzt. Sollten die englischen Begriffe als Komposition verwendet werden, mögen im deutschen unansehnliche Wortschöpfungen entstehen – dennoch wird dieser Regel aus Eindeutigkeitsgründen gefolgt.
4
psychologists for the definition.” 33 34 Als Begründung hierfür wird angeführt, dass experimentelle Ergebnisse trotz unterschiedlicher Glücksbegriffe stark positiv korreliert sind. 35 Diesem Ansatz wird in der vorliegenden Arbeit gefolgt.
Zusammengefasst geht es nachfolgend um das psychologische Konzept des subjektiven Wohlbefindens in westlichen Industrieländern, wobei hierfür der Begriff Glück synonym verwendet wird.
2.2 Glücksmessung
Glück ist messbar. 36 Aufgabe dieses Kapitels ist es, die verschiedenen Methoden der Glücksmessung aufzuzeigen und diese im Hinblick auf ihre Konzeptionierung zu bewerten. Eine Messung umfasst immer die drei Komponenten Probanden 37 , Forscher sowie die angewandte Messmethode. 38 Das Ziel aller dargestellten Methoden ist die Messung des subjektiven Wohlbefindens. 39 Grundsätzlich werden vier Ansätze zur Messung des individuellen Glücks unterschieden: Befragung, Beobachtung, Hirnstrommessung und sonstige Ansätze. Jede Messmethode bzw. deren Ergebnis kann anhand dreier Komponenten klassifiziert werden. Auf der Ebene des Bewusstseins werden Messungen unterschieden, bei denen sich der Proband der Messung bewusst ist, als auch Messungen, denen sich der Proband nicht bewusst ist. Die erste Variante wird im Folgenden als direkt bezeichnet, die zweite als indirekt. Auf zeitlicher Ebene werden Methoden unterschieden, bei denen das subjektive Wohlbefinden zeitverzögert oder zeitgleich mit der Antwort / der Handlung des Probanden ermittelt wird. Letztere Variante kann sich dabei auch über einen Zeitraum erstrecken. 40 Darüber hinaus besitzt das Messergebnis subjektiven oder objektiven Wertcharakter. Subjektiv meint hierbei, dass der Proband selbst über die Höhe seines Glücks befindet, während objektiv eine Bestimmung auf der Basis externer Regeln meint. 41 Quasiobjektiv bezeichnet die Bestimmung in einem für Dritte intersubjektiv nachvollziehbaren Verfahren. Den derzeitgen Stand der bedeutsamen Messverfahren fasst Abbildung 3 zusammen.
33 Bruni und Porta (2007), S. xvii
34 Vgl. Easterlin (2001), S. 465; Frey und Stutzer (2000a), S. 918; Frey und Stutzer (2002a), S. 25; Veenhoven (1999), S. 7
35 Vgl. Frey und Stutzer (2005), S. 25; Frey und Stutzer (2000a), S. 918; Frey und Stutzer (2002a), S.25 36 Vgl. Veenhoven (1984), S. 40 ff., Kahneman und Krueger (2006), S. 5 ff.; Veenhoven (2004), S. 6 37 Um eine einfache Syntax zu ermöglichen werden sowohl Probanden als auch Forscher nachfolgend immer als männlich angesehen.
38 Vgl. Artikel reliability, Scott und Marshall (2005) 39 Vgl. Frey und Stutzer (2002a), S. 4 f.; Layard (2005c), S. 187; Blanchflower und Oswald (2007), S. 1; Vgl. Diener,Kahneman und Schwarz (1999), S. IX
40 Vgl. Frey und Stutzer (2002a), S. 4 ff.; Wilkinson (2007), S. 5 41 Vgl. Frey und Stutzer (2002a), S. 4 ff.
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Hendrik von der Brelie, 2008, „Glück“ als Ziel der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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