Inhalt
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1. Einleitung 3
1.1 Aufbau der Arbeit 6
2. Formale Aspekt 7
2.1 Der Autor 7
2.2 Das Werk 9
2.3 Zeitliche Einordnung des Werkes 12
3. Was ist ein Bild? 14
3.1 Das visuelle Bild 14
3.2 Das sprachliche Bild 17
4. Malende Sprache im „Welschen Gast“ 18
4.1 Sprachlicher Bilder im „Welschen Gast“ 19
4.2 Vorbilder - Prominente Figuren im 31
„Welschen Gast“
4.3 Die Bedeutung malender Sprache 37
5. Die Zeichnungen im „Welschen Gast“ 38
5.1 Bild und Text - Ergänzende Medien 40
5.2 Das Bild als autonome Erzählinstanz 46
5.3 Die wörtliche Illustrierung 48
5.4 Die Bedeutung der Illustrationen im 49
„Welschen Gast“
6. Malende Sprache und sprechenden Bilder als 51
didaktisches Mittel?
7. Literaturverzeichnis 62
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1. Einleitung
In der heutigen Zeit müssen Bilder mehr denn je als allein stehendes, autonomes Kommunikationsmittel verstanden werden, „denn in der globalen Informationsgesellschaft wird in immer stärkerem Maße auf Bilder, statt auf erklärenden Text zurückgegriffen.“ 1 Betrachtet man die moderne europäische Medienlandschaft, so lassen sich diverse journalistische Erzeugnisse aus dem Bereich der Printmedien aufführen, in denen der Text als ursprüngliches Medium der Informationsvermittlung in den Hintergrund tritt. Seine im Ursprung der Zeitung meist Seiten füllende Position wird, zumindest im Bereich der so genannten Boulevard-Medien, nun durch farbige Bilder eingenommen. Die Schrift hingegen füllt nur noch kleine Textfelder und transportiert lediglich ein Minimum an Information, das notwendig ist, um den abgebildeten Sachverhalt verständlich zu machen.
Die Intention ist dabei klar: Das Bild ist Blickfang, bindet den Konsumenten und bringt ihn schließlich zum erklärenden Text. „Bilder gehören ohne Zweifel zu unserem Leben, sie begleiten uns in unserem komplexen Alltag, sie sind immer da, auch wenn wir sie zunächst nicht bewusst wahrnehmen.“ 2
Doch seit wann haben Bilder diese Bedeutung im Rahmen der Informationsvermittlung? Hat das Bild erst Ende des 20.
1 Martin Scholz / Ute Helmbold: „Bilder lesen lernen - Wie werden
Bilder rezipiert?“ In: Klaus Sachs-Hombach / Klaus Rehkämper (Hrsg.):
„Bildwissenschaft“, DUV-Verlag 2005, Seite 9
2 Martin Scholz / Ute Helmbold: „Bilder lesen lernen - Wie werden
Bilder rezipiert?“ In: Klaus Sachs-Hombach / Klaus Rehkämper (Hrsg.):
„Bildwissenschaft“, DUV-Verlag 2005, Seite 7
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Jahrhunderts seine zentrale Rolle auf dem
Informationsmarkt eingenommen, als der Wirtschaftssektor „Information“ an Bedeutung zulegte, sich die Menschheit mit einen Anstieg von Möglichkeiten durch die Entwicklung von Datennetzen auseinandersetzen musste und 1994 die Europäische Union das „information society project office“ gründete, um die EU-weiten Aktivitäten zu koordinieren? Oder hatte das Bild schon viel früher große Bedeutung im Rahmen der Informationsvermittlung? Bereits im Mittelalter wurden Handschriften mit Bildern versehen - soviel steht fest. Doch welche Bedeutung hatten diese Bilder? Waren die Malereien am Rande der Texte lediglich schmückende Illustrationen des Geschriebenen und ausschließlich in Verbindung mit dem nebenstehenden Text zu verstehen? Oder wurde den kunstvollen Zeichnungen eine viel tiefere Bedeutung zugemessen? Galt das Bild vielleicht bereits im Mittelalter als Medium, das Informationen auch ohne sprachliche Erläuterung an den Rezipienten bringen konnte? „Sind die Miniaturen auf eine Doppelrezeption angelegt, die schon von der Poetik der Handschriften her auf eine unterschiedliche Perzeption durch literati und illiterati abzielt?“ 3 Kurz gefragt: Wurden Bilder den Texten für all die
hinzugefügt, die den Inhalt des Geschriebenen nicht verstehen konnten oder wollten? Im Rahmen der Arbeit soll dies anhand von Thomasin von Zerclaeres „Der welsche Gast“ untersucht werden. Dieses
3 Horst Wenzel / Christina Lechtermann (Hrsg.): „Beweglichkeit der
Bilder - Text und Imagination in den illustrierten Handschriften des
„Welschen Gastes“ von Thomasin von Zerclaere“, Böhlau Verlag Köln
Weimar Wien, 2002, Seite 1
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Werk wurde ausgewählt, da es über eine besonders hohe Zahl an Bildelementen verfügt. Dabei soll allerdings nicht nur ein Augenmerk auf Zeichnungen - also das visuelle Bildgelegt werden. Vielmehr soll auch das Entstehen von Bildern mittels Sprache, sei es im Rahmen von Beispielen, Gleichnissen oder Ähnlichem untersucht werden, um schließlich zu zeigen, welche Intention der Autor hatte, als er dem Rezipienten Bilder anbot.
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1.1 Aufbau der Arbeit
Zu Beginn dieser Arbeit soll ein kurzer Überblick über die formalen Aspekte von Thomasins „Der Welsche Gast“ gegeben werden. Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte des „Welschen Gastes“, die das Werk betreffenden Fakten und seinen Autor Thomasin von Zerclaere zu beleuchten. Ziel der Untersuchung dieser Fakten ist es, Aufschlüsse über die Intention des Textes zu erhalten, die schließlich zur Klärung der Frage nach den Aufgaben von Sprache und Bild und dem Zusammenhang dieser beiden
Informationsvermittlungswege beitragen sollen. Im zweiten Abschnitt dieser Arbeit soll eine Definition des Begriffs „Bild“ gegeben werden, um das Spektrum der Untersuchungen zu präzisieren. Dies ist zwingend notwendig, da der Begriff „Bild“ einen zentralen Punkt in dieser Arbeit einnimmt und eine ungenaue Eingrenzung zu Missverständnissen beim Ergebnis der Untersuchung führen kann.
Im Hauptteil dieser Arbeit soll schließlich der Inhalt des Textes in Kombination mit den für die frühen Handschriften angefertigten Zeichnungen im Vordergrund stehen, um so auf der Basis der vorangegangen Untersuchungen die Bedeutung von Bildern in Thomasins Werk zu klären.
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2. Formale Aspekte
2.1 Der Autor
Es gibt nur wenige Quellen, die Informationen über den Autor des „Welschen Gastes“ liefern. Einen großen Teil dieser Informationen liefert uns Thomasin von Zerclaere selbst in seinem Werk „Der Welsche Gast“. Einzelne Textstellen geben Auskunft über Herkunft und Alter des Autors. So nennt er beispielsweise „seinen Namen und sein Geburtsland Friaul und bezeichnet sich als durch und durch Italiener.“ 4
Nach derzeitigem Forschungsstand geht man davon aus, dass der Autor Thomasin um das Jahr 1186 geboren wurde. Zu dieser Annahme führt eine Rechnung, die die bekannte Faktoren „Entstehungsjahr des Textes“, „Alter des Autors“ und „Produktionszeitraum“ mit einbezieht: Der Autor gibt an, dass er den Text 28 Jahre nach der Einnahme Jerusalems durch Saladin 5 angefertigt habe. In Kombination mit der Tatsache, dass die Entstehung rund zehn Monate gedauert hat und der Angabe des Autors, dass er zum Zeitpunkt der Entstehung des Textes noch nicht drizec jar (v.2445) alt gewesen sei (die allgemeine Forschermeinung geht davon aus, dass diese Altersangabe als „fast dreißig“ zu deuten ist), lässt den Schluss zu, dass es sich um ein Geburtsjahr um 1186 handelt.
4 Thomasin von Zerclaere: „Der Welsche Gast - Text (Auswahl),
Übersetzung, Stellenkommentar“, herausgegeben von Eva Willms, de
Gruyter Texte, 2005, Seite 1
5 Saladin eroberte am 2. Oktober 1187 Jerusalem und setzte damit dem
christlichen Königreich Jerusalem nach 88 Jahren ein Ende.
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Über den Todeszeitpunkt Thomasins kann man hingegen keine Angabe machen. Zwar wird der Tod Thomasins im Nekrologium Aquileiense erwähnt, aber eine genaue Jahreszahl ist hier nicht zu finden. Lediglich der Todestag, ein 11. Mai, ist hier vermerkt. „Das Werk weist seinen Verfasser als einen Mann aus, der über umfängliche Kenntnisse der biblischen wie auch der weltlichen Geschichte, des theologisch-philosophischen Gedankengutes und wohl auch des literarischen Marktes seiner Zeit verfügt, was auf eine gediegene Ausbildung an einer hohen Schule und auf Kontakte mit literarisch interessierten Kreisen, am ehesten also einem weltlichen oder geistlichen Adelssitz, schließen lässt.“ 6 Ebenfalls sind Kenntnisse über die politischen Gegebenheiten seiner Zeit zu vermuten. Dies geht aus der Lektüre des Werkes hervor. Auch das lässt den Schluss zu, dass Thomasin sich am Hofe aufgehalten haben muss. Unterstützt wird diese These durch Thomasins Aussage, dass er sich nach Beendigung der Schreibarbeiten wieder der Beobachtungen von Turnier und Tanz widmete und den Umgang mit schönen Frauen pflegte.
Es gibt jedoch keine gesicherten Erkenntnisse darüber, an welchem Ort der Autor seine Bildung erworben hat. Es lassen sich lediglich Vermutungen darüber anstellen, an welcher Schule Thomasin seine Ausbildung erfuhr und am welchem Hof er lebte. Betrachtet man die vom Autor selbst gegebenen, wie die erschlossenen biografischen Fakten, so ist anzunehmen, dass Thomasin zumindest eine enge Beziehungen zum Hof der Patriarchen von Alquileja Wolfger pflegte und am Fürstenhof als Kleriker tätig war.
6 Thomasin von Zerclaere: „Der Welsche Gast - Text (Auswahl),
Übersetzung, Stellenkommentar“, herausgegeben von Eva Willms, de
Gruyter Texte, 2005, Seite 2
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Eva Willms weist jedoch auf ein Problem hin: „Auffallend und durchaus irritierend ist nämlich, dass das Werk keinerlei Widmung oder Huldigung enthält, wie man sie bei einem Kleriker am Hof des Patriarchen erwarten würde und sicher erwarten dürfte, wenn dieser gar der Auftraggeber oder Gönner gewesen wäre“ 7 . Schließlich war dies durchaus üblich. Man muss also davon ausgehen, dass Thomasin zumindest ausreichend vermögend war, um die Kosten für ein solches Werk selbstständig zu tragen.
2.2 Das Werk
Beim 14.752 Versen umfassenden „Welschen Gast“ handelt es sich um das erste Lehrgedicht des Mittelalters in deutscher Sprache. Es ist eine höfische Tugendlehre in zehn Büchern. Als Besonderheit gilt die Tatsache, dass Thomasin die Verhaltenslehre in einer für den Italiener fremden Sprache verfasste. Analysen des verwendeten Wortschatzes lassen darauf schließen, dass bayerischösterreichisches Mittelhochdeutsch verwendet wurde. Doch warum schrieb Thomasin in einer ihm fremden Sprache? Die Antwort auf diese Frage gibt der Autor selbst:
7 Thomasin von Zerclaere: „Der Welsche Gast - Text (Auswahl),
Übersetzung, Stellenkommentar“, herausgegeben von Eva Willms, de
Gruyter Texte, 2005, Seite 3
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dar nach ich immer ringen sol.“ 8 Im weiteren Verlauf bittet Thomasin darum, dass man ihm eventuelle sprachliche Makel nicht vorwerfen möge, da er die Sprache nicht perfekt beherrsche. Er sei ein Italiener, der „sich gern mit allem sinem sinne und sinem muot“ 9 bemühe, so gut die deutsche Sprache zu verwenden, wie er es nur kann. Thomasin „will verstanden werden. Also bleibt er schlicht in seinen Darlegungen (…), keine verwickelten Gedankengänge, keine rhetorischen Kunststücke, keine Fremdwörter. Das Gewand der Tugendlehre soll ,einvar’ sein.“ 10
Derzeit sind 23 Abschriften des „Welschen Gastes“ bekannt. Acht dieser Textzeugen sind nur als Fragment, die 15 übrigen hingegen in großen Zügen vollständig auf Papier oder Pergament vorhanden. Es gibt Vermutungen darüber, dass es noch sechs weitere Handschriften gegeben hat. Sollten diese tatsächlich existent gewesen sein, so lassen sich von diesen heute dennoch keine Zeugnisse mehr finden. Diese Handschriften scheinen im Laufe der Jahre abhanden gekommen zu sein.
Die älteste Handschrift, bekannt als die Heidelberger Handschrift A oder Cpg 389, stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die jüngste Abschrift stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Bedingt durch die Tatsache, dass die Handschriften unabhängig voneinander entstanden sind, weisen alle Textzeugen Besonderheiten auf. Bei den späten Handschriften lassen sich sogar
8 Thomasin von Zerclaere: „Der Welsche Gast“, Vers 50 ff
9 Thomasin von Zerclaere: „Der Welsche Gast“, Vers 100 f
10 Thomasin von Zerclaere: „Der Welsche Gast - Text (Auswahl),
Übersetzung, Stellenkommentar“, herausgegeben von Eva Willms, de
Gruyter Texte, 2005, Seite 6
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Zeugnisse finden, die darauf hindeuten, dass zwei oder mehr Handschriften als Vorlage zur Verfügung standen. „Eine solche Handschrift ist die Dresdener Handschrift D aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die zwar überwiegend mit der Fassung A übereinstimmt, aber gegen Ende auch Varianten der Handschriften der zweiten großen Redaktion teilt.“ 11 Bislang ist es jedoch nicht gelungen, den Originaltext wieder herzustellen. Eine Gemeinsamkeit aller Handschriften (mit Ausnahme der jungen Handschrift M) ist die Tatsache, dass das Bildprogramm in weitestgehend inhaltlicher
Übereinstimmung, wenn auch Einzelfällen versehen mit Ergänzungen und/oder Auslassungen, übernommen wurde. Die Handschrift A enthält 116 kolorierte Federzeichnungen von drei Illustratoren, die Handschrift E hingegen nur 69 durch Zierborten umrahmte Miniaturen. Die Handschrift G weist 119 in Farbe gehaltene Federzeichnungen und die Stuttgarter Handschrift S 92 (laut Kries 93) grobkolorierte Bilder inklusive Beischriften auf. „Alle Handschriften der illustrierten Überlieferung außer A weisen eine Einrichtung im Zwei-Spalten-Schema auf. Die Bilder sind in die Textspalten integriert, wobei die Bildmotive über die Spaltenbreite hinausgehen können.“ 12 Es gibt keine Bilder, die beide Spalten einnehmen. Für größere Zeichnungen wurde eine andere Lösung gefunden: Manche Zeichnungen - egal ob in vertikaler oder horizontaler Form angelegt - wurden auf den Rand gesetzt, „in den ältesten
11 Thomasin von Zerclaere: „Der Welsche Gast“ - Seite 15f
12 Karin Lerchner: „Narration im Bild. Szenische Elemente im
Bildprogramm des ,Welschen Gastes’“ In: Horst Wenzel / Christina
Lechtermann (Hrsg.): „Beweglichkeit der Bilder - Text und Imagination
in den illustrierten Handschriften des „Welschen Gastes“ von Thomasin
von Zerclaere“, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien, 2002, Seite 69
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Handschriften A und G ohne Rücksicht auf die ästhetische Qualität der Buchseite.“ 13 Leider gibt es in der zeitgenössischen Literatur des Mittelalters keine Aufklärung darüber, ob Thomasins Werk tatsächlich seine Adressaten erreichte. Die Tatsache, dass es derzeit 23 bekannte Abschriften vom „Welschen Gast“ gibt, deuten jedoch darauf hin, dass das Werk eine große Bedeutung hatte. Den gleichen Schluss lässt der Fund einer im 13. Jahrhundert entstandenen Übersetzung der Disticha Cantonis - einer spätantiken Sammlung von Lebensregelnzu, die 51 Verse aus dem „Welschen Gast“ enthält.
2.3 Zeitliche Einordnung des Werkes
Die Biografie des Autors und die formalen Aspekte seines Werkes sind in den vorangegangenen Textabschnitten bereits erläutert worden. Für die fundierte Einordnung der äußerlichen Fakten und der aus der Textinterpretation gewonnen Erkenntnisse soll nun eine Betrachtung der historischen Begebenheiten erfolgen. Ein besonderes Augenmerk möchte ich, begründet durch die Tatsache, dass Thomasin seinen Text als Lehrgedicht verfasste, auf die möglichen Rezeptionsformen zum Entstehungszeitpunkt des Textes legen, da auf diese Weise Erkenntnisse über die Intention des Autors im Bezug auf die Verwendung von Bildern gewonnen werden können. Es gilt als sicher, dass Thomasin seinen Text um 1215 verfasste. Damit fällt der Entstehungszeitpunkt in eine Zeit, in der sich das Bevölkerungswachstum deutlich verstärkte.
13 Karin Lerchner, Seite 69
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Besonders in den Städten stieg die Einwohnerzahl in der Zeit zwischen 1150 und 1200 um bis zu 100 Prozent an. Damit waren die Städte zwar die Orte mit der größten Bevölkerungsdichte, aber die Macht- und auch Kulturzentren waren weiterhin die Höfe. Im späten 11. und frühen 12. Jahrhundert entwickelte sich die höfische Dichtkunst. Neben Kühnheit und Frömmigkeit wurde auch die literarische und historische Bildung zu einem zentralen Wert des höfischen Raums.
Doch während an den Höfen die literarische Bildung und mit ihr die Zahl der des Lesens mächtigen Personen zunahm, waren abseits der Höfe im ländlichen und städtischen Raum weiterhin vornehmlich illiterati zu finden. „Der welsche Gast“ entsteht also in einer Zeit, in der er von einer kleinen, aber stetig wachsenden Gruppe am Hofe, sowie von Vertretern der Kirche gelesen werden konnte. Für die restliche Bevölkerung, sofern der Text an diese gerichtet ist, kann er nur als Vorlese- oder Vorzeigewerk gedacht gewesen sein, da die Zahl derer, die Thomasins Text in diesem Kulturraum hätten lesen können, nur gering gewesen ist. Diese Erkenntnis wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch einmal thematisiert werden und wird daher an dieser Stelle noch nicht weiter mit dem Text und dem Thema dieser Arbeit in Bezug gebracht.
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Arbeit zitieren:
Magister Artium Philipp Thiel, 2008, Thomasin von Zerclaere: „Der Welsche Gast“ - Malende Sprache und sprechende Bilder , München, GRIN Verlag GmbH
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