1 Einleitung
Obwohl in unserer audiovisuellen Mediengesellschaft schon lange von einer Bilderflut gesprochen wird, sind Bilder nach wie vor die dominierenden Informationsträger von Sachverhalten und Emotionen. Visuelle Eindrücke sind ansprechender als Texte, vermitteln ihre Inhalte scheinbar auf einen Blick, suggerieren dabei Authentizität, die von Texten allein nicht zu leisten ist. Nicht erst seit dem digitalen Zeitalter stellen sie dabei immer höhere Anforderungen an die Kompetenz des Betrachters, durch gelernte Selektion, Wirklichkeitseindruck von Illusion zu filtern.
Dabei können Bildaussagen über den Vermittlungsweg eine Veränderung erfahren, die vom Betrachter nicht als solche erkennbar ist. Wird eine solche Veränderung des Bildinhaltes bewusst vorgenommen, um dem Betrachter einen anderen Wirklichkeitseindruck vorzutäuschen und ihn damit in seiner Rezeptionshaltung zu beeinflussen, spricht man bereits von Manipulation.
Welche Formen der Manipulation von Fotografien innerhalb der Printmedien möglich sein können, soll dabei, soweit in diesem Rahmen möglich, zunächst ausschnittweise über die Funktion von Bildern und ihre Verbindung zum Text untersucht werden. Bildformen anderer Medien werden dabei nicht berücksichtigt.
Inwieweit Bildmanipulation als politisches Instrument einsetzbar ist oder sogar konstruktiv wirken kann, soll anhand von historischen Beispielen und einer speziellen Möglichkeit der Bildmanipulation in Form von Fotomontage betrachtet werden. Allerdings kann in diesem Rahmen keine umfangreichere Darstellung geleistet werden.
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2 Bildfunktion
Der Fotografie wird aufgrund ihrer apparativen Herstellung eine hohe, wenn nicht sogar objektive Glaubwürdigkeit beigemessen. Dieser scheinbar objektive Charakter begründet sich seit den Anfängen der Fotografie, als der „pencil of nature“, eine sich von selbst mittels Licht in das Aufnahmematerial eingravierende Natur, die subjektive Malerei in ihrer dokumentarischen Funktion ersetzte. Ebenso werden Ereignisse, die fotografisch festgehalten wurden, als authentisch wahrgenommen, da der eigene visuelle Eindruck unmittelbar mit vermeintlicher Objektivität gleich gesetzt wird.
Dabei erhält die Fotografie innerhalb der Printmedien einen hohen Stellenwert, erfüllt nicht nur eine dokumentarische und Ereignis bezeugende Funktion.
Dem Leser optische Anreize bietend, ergänzt oder illustriert das Bild zum einen Texte zu deren besseren Veranschaulichung, um das Interesse des Lesers über das Foto hin zum Text und der schriftlichen Information zu leiten. 1 In dieser Hinsicht ist das Bild sowohl in erläuternder als auch interpretierender Absicht unmittelbar mit dem Text zu einem inhaltlichen Zusammenhang verknüpft. Jedoch sind auch Bilder, die aus grafischen Gesichtspunkten ohne direkte inhaltliche Verbindung zwischen den Texten mit dekorativer Absicht platziert werden, nie völlig autonom, da sie, immer von einem erläuternden Bildtext begleitet, nicht allein für sich selbst sprechen können und mit diesem ebenso in einem inhaltlichen Verhältnis stehen.
Aufgrund ihrer emotionalisierenden Wirkung unterstützen und steigern Fotos die beabsichtigte inhaltliche Aussage und können damit den Leser bei der Aufnahme visueller Informationen in seiner Rezeptionshaltung beeinflussen. 2
1 Waller , Klaus: Fotografie und Zeitung. Die alltägliche Manipulation. Düsseldorf : Zollhaus 1982, S.18.
2 Waller , Klaus: Fotografie und Zeitung. Die alltägliche Manipulation. Düsseldorf : Zollhaus 1982, S.19.
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3 Möglichkeiten der Manipulation
Die Möglichkeiten der Einflussnahme auf Bilder und ihre Aussage sind vielfältiger Art. Dabei kann zwischen einer rein fotografischen und einer journalistischen Beeinflussung des Bildes unterschieden werden. Aus fotografischer Sicht ist eine bewusste Gestaltung während des gesamten Entstehungsprozesses möglich. Zum einen spielen dabei technische Entscheidungen, wie Wahl von Objektiven, Bildausschnitt und Lichtführung eine Rolle. Zum anderen wird bereits durch die Wahl des Aufnahmestandpunktes und der Perspektive der Blickwinkel bestimmt, durch gestellte Aufnahmen, die bis zur Interaktion des Fotografen mit dem Geschehen reichen, sogar eine die Bildaussage beeinflussende Situation geschaffen.
Da sich der Entwicklungs- und Vergrößerungsprozess im digitalen Zeitalter von der Dunkelkammer an den Computerarbeitsplatz verlagert hat, schließen sich an die Aufnahme erweiterte Bearbeitungsmöglichkeiten durch entsprechende Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop an. Dabei stehen Funktionen zur Verfügung, die von der Optimierung über Helligkeit, Kontrast, Schärfe oder Ausschnittvergrößerung bis zur Veränderung des ursprünglichen Bildinhaltes durch das Entfernen oder Hinzufügen einzelner Bildelemente reichen. Wobei das Löschen von Informationen meist mit einer Ästhetisierung des Bildes einhergeht, wie z.B. bei der Korrektur von Hautunebenheiten, so stellt das Einfügen von zusätzlichen Elementen eine intensivere Veränderung des Wirklichkeitsausschnittes dar. So ist es bei Gruppenaufnahmen mehrerer Personen nicht immer möglich, dass zu einem Aufnahmezeitpunkt alle Personen optimal dargestellt sind, jedoch ist es möglich die besten Bildteile der unterschiedlichen Aufnahmen zu einem optimalen Foto zusammenzufügen. Auch werden bei Sportaufnahmen „verpasste“ Bälle nachträglich einmontiert, um das Bild dynamischer und spannender wirken zu lassen 3 , oder es werden prominenten werdenden Müttern bereits vor der Geburt die Babys in den Arm gelegt. 4 Dabei sind die begleitenden Texte jedoch von erheblicher Bedeutung, da sie die vermeintliche Bildaussage unterstützen oder korrigieren können. 5 Wobei hier die Einflussnahme aus journalistischer Sicht bereits durch die Auswahl eines Fotos zu einem bestimmten Text beginnt. Oftmals werden auch voneinander unabhängige Bilder und Texte in einen neuen Kontext gestellt, was, wie Gisèle Freund beschreibt, zu einer völlig
3 Waller , Klaus: Fotografie und Zeitung. Die alltägliche Manipulation. Düsseldorf : Zollhaus 1982, S.33.
4 Schreitmüller, Andreas. Alle Bilder lügen. Foto- Film- Fernsehen- Fälschung. UVK Konstanz 2005, S.20.
5 Waller, Klaus: Fotografie und Zeitung. Die alltägliche Manipulation. Düsseldorf : Zollhaus, S.84 ff.
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Arbeit zitieren:
Mireille Murkowski, 2006, Möglichkeiten der Bildmanipulation, München, GRIN Verlag GmbH
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