Exegese Q4,1-13 Die Versuchungen Jesu
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Synoptischer Vergleich 2
3 Deskriptive Analyse des Q-Textes 6
3.1 Einordnung in den Gesamtzusammenhang von Q 6
3.2 Sprachliche und inhaltliche Analyse 9
4 Theologisch-exegetische Bewertung 15
4.1 Schlussfolgerungen zum historischen Jesus 15
4.2 Schlussfolgerungen zur soziologischen Situation
des Trägerkreises 17
4.3 Schlussfolgerungen zur theologischen
Aussageabsicht 18
4.4 Schlussfolgerungen für ein gegenwärtiges
Verständnis des Textes 19
5 Quellenverzeichnis 21
1
Exegese Q4,1-13 Die Versuchungen Jesu
1 Einleitung
Jesus geht in die Wüste. Er isst viele Tage nichts. Ob er bewusst fastet, lässt die Logienquelle (Q) offen. Fest steht, dass er Hunger hat und in Versuchung gerät. Drei Versuchungen muss sich Jesus stellen:
Die Erzählungen zu den Versuchungen Jesu stellen ein entscheidendes narratives wie theologisches Bindeglied zwischen Jesu Initiation in der Taufe und dem Beginn seines Wirkens dar. Jesu Gottessohnschaft ist zwar bereits in der Taufe durch die ´ruah JHWH` bestätigt worden, muss sich aber noch bewähren. Der Glaube an die Gottessohnschaft Jesu ist unabdingbare Voraussetzung, um die Bedeutung und Tragweite all dessen, was folgt, ermessen, verstehen und annehmen zu können. Dafür stellt der Gottessohn seine Loyalität dem Herrn, seinem Gott gegenüber unter Beweis. Damit schränkt er trotz göttlicher Legitimation seine eigenen Befugnisse und Machtbereiche ein. Auch er untersteht dem gottgegebenen Gesetz, an das er sich gebunden fühlt und im Rahmen dieser Dreifacherzählung erneut bindet. Da Jesu erstes öffentliches Auftreten in der Erzählung erst noch folgt, steht er für alles, was noch kommt unter dem Anspruch, den diese Versuchungserzählungen für sein Selbstverständnis und Wirken erheben: seine Gottessohnschaft und seine Gottestreue sowie sein Selbstverständnis, an das, was geschrieben steht gebunden zu sein (wie auch Gott sich an seine zusagen bindet), sind nicht - wie es der Versucher in der Figur des Teufels tut - in Frage zu stellen. Für jetzt und alle Zeit.
2 Synoptischer Vergleich
Exegese Q4,1-13 Die Versuchungen Jesu
Vergleicht man Q4,1-13 mit dem jeweils entsprechenden Mt- und Lk-Text fällt zunächst auf, dass die drei Fassungen sich auf den ersten Blick nur marginal unterscheiden, wohingegen ein Vergleich mit der Mk-Perikope, welche sich mit Jesu Zeit in der Wüste befasst (Mk1,12f), deutlich macht, dass es sich bei Mt, Lk und auch bei Q wohl um Sammlungen mehrerer Versuchungserzählungen handelt, die hier auf minimale Weise („da“: Mt4,5; „darauf“: Mt4,8) narrativ miteinander verbunden werden. Dies ist auch aus der von den beiden anderen abweichenden Anordnung der Einzelszenen der lk Fassung zu schließen. Interessant ist gerade
4
Exegese Q4,1-13 Die Versuchungen Jesu
diese Abweichung innerhalb der Reihenfolge der einzelnen Versuchungen, da in den meisten Fällen davon ausgegangen wird, dass Lk weniger Eingriffe in die Reihenfolge des von ihm vorgefundenen Q-Materials vorgenommen hat. 1 Neugebauer hingegen vermutet die auf Jesus zurückzuführende Reihenfolge bei Mt und in Q und erklärt die lk Entscheidung mit historischen innergemeindlichen Vorgängen, die es nötig machten, Irrlehren und Unsicherheiten bezüglich zentraler Glaubenssätze zu begegnen. 2 Gegen Neugebauer spricht der Befund, den ein Vergleich der lk Versuchungsreihenfolge mit den Bitten des Vaterunsers ergibt. Die drei „wir“-Bitten (Mt6,11ff; Lk/Q11,3f) um das tägliche Brot, Schuldenvergebung und Versuchungsverschonung stehen thematisch und semantisch in Zusammenhang und treten im Herrengebet wie in der lk Fassung der Versuchungen in identischer Reihenfolge auf. 3 Da die Abfolge jener Bitten jedoch auch in Mt wie in Q vorliegt, kann ebenso für die lk Reihenfolge als die ursprünglichere plädiert werden. 4
Auf drei weitere Unterschiede soll nachstehend näher eingegangen werden. (1) Zum einen macht nur Lk klar, dass es sich bei dem Geist, der Jesus in die Wüste treibt um den Heiligen Geist handelt, wohingegen, sowohl Mt als auch der Q-Text die Möglichkeit offen lassen, ob es sich dabei auch um einen bösen Geist handeln könnte. Dem widerspricht Mertens. Für ihn kann der Geist, durch den Jesus „in die Wüste geführt“ wird, kein „böser Geist“ sein. Im Gegenteil äußert sich hier das Gottgewollte in einer Versuchung des Gottessohns, wenn der Geist, der Jesus eben noch in der Taufe öffentlich annimmt und legitimiert, ihn nun in die Wüste (beg-) leitet, „damit er vom Teufel versucht“ wird (Mt4,1). 5
(2) Weiterhin findet sich bei Lk der Hinweis eines außerhalb des Geschehens stehenden Erzählers, der bereits einen Ausblick auf zukünftige Ereignisse im Leben Jesu gewährt. Dass der Teufel Jesus „eine Zeitlang“ (Lk4,13) verlässt, macht implizit deutlich, dass es wieder eine Zeit geben wird, in der Jesus erneut dem Teufel gegenübertreten muss. Auf einen derartigen Ausblick verzichten sowohl Q als auch Mt.
(3) Mt scheint es wichtig zu sein, am Ende zu klären, dass Jesus nicht weiter hungern muss, sondern von Engeln versorgt wird, was neben der profanen Versorgung auch Jesu Anspruch, Gottes Sohn zu sein, sichert. Gott versorgt seinen Berufenen, wie er es schon damals mit Elia getan hat (1Kön17,4ff - durch Raben; 19,5ff - durch den Engel JHWHs). So stellt Mt seinen Gottessohn mit dem Hinweis auf Jesu weitere Versorgung zunächst einmal in eine für jüdische Ohren
1 Vgl. G. Theißen/ A. Merz, Der historische Jesus. Ein Lehrbuch. Göttingen 2001, S. 44.
2 Vgl. F. Neugebauer, Jesu Versuchung. Wegentscheidung am Anfang. Tübingen 1986,S. 89ff.
3 Da diese thematisch-semantische Einordnungen auch den Q-Text betreffen, sollen sie im deskriptiven Teil dieser
Arbeit (Kap. 3) ausführlich erläutert werden.
4 M. Hengel/ A. M. Schemer, Der messianische Anspruch Jesu und die Anfänge der Christologie. Vier Studien.
Tübingen 2003, S. 229.
5 Vgl. H. A. Mertens, Handbuch der Bibelkunde. Düsseldorf 1997,S. 306.
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Arbeit zitieren:
BA Janina Pfaffner, 2008, Exegese zu Q4,1-13 - Die Versuchungen Jesu, München, GRIN Verlag GmbH
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