INHALTSVERZEICHNIS
I. Einführung 3
II. Wladimir Kaminer: Biografie 4
III. Themen seiner Werke 6
Das Genre
Die Form
Die Themen
IV. Erklärungen für seinen Erfolg 8
V. Vergleich mit anderen Autoren 9
Literarischer Stil
Ausl ändische Autoren in der Wendeliteratur
Ein Buch beleuchtet: Selam Berlin
Ein Buch beleuchtet: Ein Brasilianer in Berlin
VI. Fazit 14
VII. Literaturverzeichnis 15
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I. EINFÜHRUNG
Die vorliegende Arbeit wurde für das Seminar Literarische Verarbeitung der Wiedervereinigung verfasst. Sie handelt von Wendeliteratur im Allgemeinen und dem Leben und Werk von Wladimir Kaminer im Besonderen. Somit liegt der Schwerpunkt auf den ausländischen Autoren der Wendeliteratur. Es soll ein Einblick in die heutige Wendeliteratur gegeben werden, und zwar in einen ihrer Sonderbereiche; die vorliegende Arbeit versucht, sowohl die besondere Perspektive Kaminers auf die Wende und die Deutschen als auch den Erfolg seiner Bücher zu beschreiben und zu erklären. Da im Seminar Literarische Verarbeitung der Wiedervereinigung mehrere Aspekte des Themenkomplexes der Wendeliteratur angesprochen wurden, eröffnete sich die Möglichkeit, das Werk Kaminers neben das von Autoren zu stellen, die sich mit vergleichbaren Themen auseinandersetzten. Die vorliegende Arbeit hat den Ansatz, auf der Grundlage eines groben Überblicks über die sogenannte Wendeliteratur die besonderen Eigenschaften der Bücher Kaminers zu darzustellen.
Zuerst ist es aber notwendig, eine Definition des Begriffes Wendeliteratur zu geben. Obwohl über den Begriff Wende schon lange kritisch diskutiert wird, habe ich mich im Rahmen dieser Arbeit dafür entschieden, diesen Begriff trotzdem zu verwenden. Da Egon Krenz das Wort als Erster benutzte, bekam der Begriff einen negativen Beigeschmack, als sei die Revolution, die zum Mauerfall führte, nicht vom Volk ausgegangen, sondern von oben, von der Politik eingeleitet worden. Der Begriff Wende hat in der Umgangssprache aber einen festen Platz, wird am Häufigsten benutzt und ist für alle gleich wiedererkennbar. Obwohl aus historischer Perspektive der Begriff deutlich negativ konnotiert ist, werden in der Umgangssprache keinerlei negative Assoziationen mit dem Begriff verbunden und er bezieht sich nur auf das Geschehen der Maueröffnung am 9. November 1989 und damit das Ende der DDR. Auch der Begriff Wendeliteratur, womit die Literatur über dieses Ereignis der Wende gemeint ist, ist gängig und eindeutig.
Diese Arbeit hat keineswegs vor, einen Überblick über die rezente Wendeliteratur zu geben, denn das würde den beschränkten Rahmen dieser Arbeit sprengen.
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II. WLADIMIR KAMINER: BIOGRAFIE
Damit man verstehen kann, wie die besondere Lage des Autors Kaminers entstanden ist, wird in diesem Kapitel zuerst seine Biografie besprochen. Das wird in einem späteren Kapitel, in dem der Autor neben andere ausländische Autoren gesetzt wird, einen Vergleich vereinfachen und verständlicher machen.
Wladimir Kaminer war einer der vielen Russen, die im Zuge der Perestrojka aus dem verfallenen Russland nach Deutschland zogen. Die erste Regierung Krenz nach den DDR-Zeiten verpflichtete sich 1990, als Zeichen der Demokratisierung jüdische Einwohner der Sowjetunion aufzunehmen. Eine Art Gegenleistung, da die DDR nicht wie die BRD Zahlungen an Israel geleistet hatte. Der junge Kaminer war auf der Suche nach Neuem und Abenteuer. Außerdem wanderten viele junge Leute, darunter Kaminers Freunde, in den Westen aus. 1990 reiste der studierte Dramaturg und Theatertechniker, damals 23 Jahre alt, mit einem Freund mit dem Zug nach Berlin. Gerade an dem Tag des 11. Juli 1990, an dem Deutschland die Europameisterschaft gegen Italien gewonnen hatte, betrat er zum ersten Mal in seinem Leben Ost-Berlin.
Er lebte zuerst eine kurze Zeit in einem Ausländerheim des Roten Kreuzes in Schildow. Dort versuchte er ein wenig Geld zu verdienen, aber schon bald stellte sich heraus, dass er es ohne Sprachkenntnisse nicht weit bringen würde. Im damals schon künstlerisch sehr regen Berlin Nachwende-Berlin war es für den Dramaturgen aber einfach, im Theater eine Beschäftigung zu finden. Dort lernte er seine ersten deutschen Worte. Aber erst nachdem er seine sprachlichen Kenntnisse ausgebaut hatte und nach dem gelungenen Versuch, Kolumne zu schreiben, verdiente er genug, um nach Prenzlauer Berg umziehen zu können. Angefangen mit dem Erzählen hat Kaminer schon kurz nachdem er sich in Berlin niedergelassen hatte. Im Moskauer Café, wo wöchentlich eine Lesebühne stattfand und noch immer stattfindet, mischte er sich zwischen das Publikum und folgte dem Drang, auch selbst mitmachen zu wollen. In stockendem Deutsch erzählte er dem Publikum seine Geschichten, die gut aufgenommen wurden. So gut, dass er eines Tages von einem Verlag angesprochen wurde. Da wurde der Schriftsteller geboren. Sein erstes Buch, Russendisko, wurde im Jahr 2000 herausgegeben. Die LeserInnen waren begeistert und verschlangen das Buch, somit
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wurde schon nach einem halben Jahr die siebte Auflage erreicht. Inzwischen liegt schon die fünfzehnte Auflage in den Buchläden. Da es Kaminer sehr wichtig war, seinen Kollegen von der Lesebühne zu helfen, stellte er nach Russendisko ein Buch mit deren Geschichten zusammen, Frische Goldjungs.
Seine Bücher sind mittlerweile zahlreich. Zwölf hat er schon geschrieben, von seinem Verlag sind zwei weitere angekündigt, die innerhalb eines Jahres erscheinen werden. Insgesamt haben seine Bücher schon eine Auflage von einer Million Exemplaren überschritten. Außerdem werden alle Bücher Kaminers auch von ihm selbst vorgetragen, als Hörbuch herausgegeben; der Autor, nebenbei auch DJ, produziert auch Musik-CDs und betrieb eine Zeit lang ein eigenes Tanzcafé namens Rodina in Berlin-Mitte, das er aber wegen Zeitmangel nach knapp fünf Monaten aufgeben musste.
Kaminer wohnt noch immer in Prenzlauer Berg, dem Viertel, von dem er weiterhin schwärmt, mittlerweile mit seiner russischen Frau, zwei Kindern und einer Katze; seine Frau, inzwischen ebenfalls Autorin, hatte er 1995 in Berlin kennengelernt. Die Schönhauser Allee, nach der er sogar ein Buch benannt hat, ist seine neue Heimat geworden. Die Begegnungen, die er zahlreich in seinen Büchern schildert, finden meistens in dieser Gegend statt, wo viele seelisch Gebrochene herumlaufen sollen, viele seiner russischen Freunde wohnen und sein vietnamesischer Nachbar mit frischer Dauerwelle die äußerste Integrationsstufe zeigt. Einen Antrag auf Einbürgerung hat der Russe Kaminer noch immer nicht gestellt. Wenn man seinen Büchern Glauben schenkt, die, so Kaminer, nur die Wahrheit enthalten, sind daran die deutsche Bürokratie und die Komplexität der deutschen Behörden Schuld. Im folgenden Kapitel wird der Inhalt seiner Werke behandelt. Dabei werden sowohl das Genre als auch die Form und die von Kaminer benutzen Themen besprochen.
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Arbeit zitieren:
2008, Wladimir Kaminer - Ausländer in der Wendeliteratur, München, GRIN Verlag GmbH
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