Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hintergund. 4
2.1 Zur Person des Autors 4
2.2 Inhaltsangabe. 4
3. Die Akustik des Dritten Reichs in Flughunde 5
3.1 Einleitung - Die Verbindung von Akustik und Gewalt 5
3.2 Technik als Basis der akustischen Allmacht 6
3.3 Der Krieg als akustische Ausnahmesituation. 8
3.4 Karnaus Akustikexperimente und die Unveränderbarkeit der Stimme. 9
4. Zusammenfassung. 11
5. Literaturverzeichnis. 12
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1. Einleitung
„[D]as Jaulen der Sirene, das Explodieren der Bomben, die rauschenden und prasselnden und pfeifenden Feuersbrünste, die dumpf trampelnden Kolonnen auf den Straßen und die singenden Soldaten, die Chöre der HJ und der BDM-Mädels, und über allem die heiser gebrüllten Reden der braunen Führungsschicht in Stadien und Festsälen. Im Radio und in der Wochenschau.“ 1
So beschreibt Claudia Schmölders in ihrem Essay Die Stimme des Bösen eindrucksvoll die akustische Welt des Dritten Reichs. Marcel Beyer taucht in seinem Roman Flughunde in diese Welt ab. Durch den Protagonisten Hermann Karnau erfährt der Leser die Jahre des Zweiten Weltkriegs zuvorderst über ihre Klänge und Laute. Karnau, Akustiker im Dienst der Nazis, ist nicht nur selbst fanatischer Klangforscher, der es sich zum Ziel gesetzt hat eine Karte aller menschlichen Laute zu entwerfen, sondern reagiert auch äußerst sensibel auf die hörbaren Eindrücke seiner Umwelt. Aus seiner Perspektive entwirft Beyer ein akustisches Panorama der Kriegsjahre 1939 bis 1945.
In der folgenden Analyse will ich dieses Panorama näher beleuchten. In einem ersten Schritt geht es um die Grundlage der akustischen Herrschaft der Nationalsozialisten, Karnaus Handwerkszeug: die Technik - von gigantischen Beschallungsanlagen für Stadien bis zum Magnettonband, um den feindlichen Funkverkehr an der Front abzufangen. Es soll verdeutlicht werden, dass es den Nazis möglich war, eine omnipräsente „Schall- und Klangwelt“ 2 aufzubauen, der niemand entkommen konnte. Im anschließenden Kapitel folge ich Karnau an die Front und gehe näher auf die dort herrschenden auditiven Zustände ein. Die Geräuschkulisse, die sich aus menschlichen Lauten und den künstlichen Geräuschen der Kriegsmaschinen zusammensetzte, bildete eine akustische Ausnahmesituation, wie sie nur an der Front vorzufinden war. Abschließend stehen Karnaus Experimente an den Stimmorganen von Gefangenen und die Auswirkungen, die das Dritte Reich auf die Stimmen der Menschen hatte. Es soll deutlich werden, wie sehr diese Zeit die Sprechweise der Menschen bestimmt hat. So sehr, dass ihre Stimmen Karnaus Überzeugung nach als Zeugnis des Geschehenen herhalten können im Sinne einer unauslöschlichen Erinnerung an das Dritte Reich.
1 Schmölders: Die Stimme des Bösen. S. 681.
2 Ebd. S. 681.
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2. Hintergund
2.1 Zur Person des Autors
Marcel Beyer wurde am 23. November 1965 in Tailfingen geboren. Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Allgemeinen Literaturwissenschaft in Siegen erschien 1991 sein erster Roman Das Menschenfleisch. Es folgten 1995 Flughunde (mit einem Kapitel des Romans hatte Beyer schon 1991 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teilgenommen) und im Jahr 2000 Spione. Seit 1989 erschienen mehrere Sammlungen seiner dichterischen Arbeiten. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller und Dichter, für die er zahlreiche Preise erhielt, arbeitet Beyer als Musikkritiker bei der Musikzeitschrift Spex und geht weiterhin seiner literaturwissenschaftlichen Tätigkeit nach, veröffentlichte z.B. einen Materialband zu William S. Burroughs. 3
2.2 Inhaltsangabe
In Flughunde wird die Geschichte des Akustikers Hermann Karnau erzählt. Dieser arbeitet im Dienst der Nazis und ist u.a. für die Beschallung bei Großkundgebungen zuständig. Privat arbeitet er an einer Karte, die das gesamte Spektrum an menschlichen Lautäußerungen enthalten soll. Parallel zu Karnau berichtet die älteste Tochter des Propagandaministers Helga Goebbels von ihrem Alltag, der sie schließlich auch in Karnaus Haus führt. Dieser soll im Auftrag ihres Vaters eine Weile auf Helga und ihre Geschwister Acht geben. Schließlich wird Karnau auf eigenen Wunsch nach Straßburg versetzt, wo er am Entwelschungsdienst teilnimmt und diese Gelegenheit nutzt, um seine Karte um die Stimmen anderer Regionen zu erweitern. Da er versehentlich ein Magnettonband löscht, fällt er bei seinem Vorgesetzten in Ungnade, wird zunächst an die Front versetzt und schließlich entlassen. Tage später erreicht ihn sein Einberufungsbescheid. Dem Kriegsdienst kann er jedoch entgehen, indem er sich an Goebbels persönlich wendet. Dieser verschafft ihm die Möglichkeit eine Rede vor Sprachforschern in Dresden zu halten. Hier trifft Karnaus Theorie, die Menschen in den besetzten Gebieten auch stimmlich - notfalls mithilfe von operativen Eingriffengleichzuschalten, bei dem Begleitarzt des Reichsführers SS Stumpfecker auf offene Ohren. Fortan führen beide Eingriffe an den Stimmbändern von Gefangenen durch, jedoch ohne Erfolg. Die Patienten werden letztendlich alle umgebracht. Immer wieder wird Karnaus Handlungsstrang von Helgas Erlebnissen durchbrochen. Beide treffen sich kurz vor Ende des
3 Rode: Auskünfte von und über Marcel Beyer. S. 197 f.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Schürmann, 2008, Die akustische Welt des Dritten Reichs in Marcel Beyers "Flughunde", München, GRIN Verlag GmbH
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