Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Migration. 6
2.1 Begriffserklärung „Migration“ 6
2.2 Geschichte der Migration aus der Türkei 7
2.3 Begriffserklärung „Jugendliche Personen mit Migrationshintergrund“ 11
3. Lebenssituation von Jungen und Mädchen mit türkischem Migrationshintergrund 12
3.1. Konfrontation mit alltäglichem Rassismus 12
3.2 Das familiäre Zusammenleben. 16
3.2.1 Elterliche Erziehungsgrundsätze. 16
3.2.2 Geschlechtsspezifische Erziehung 25
3.2.3 Religiöse Erziehung 29
3.3 Die Schulsituation von Mädchen und Jungen mit türkischem Migrationshintergrund 30
3.4 Familiäre Unterstützung während der Ausbildung 40
3.4.2 Hilfe bei der beruflichen Orientierung. 41
4. Wünsche und Orientierung von Mädchen und Jungen mit türkischem
Migrationshintergrund. 42
4.1 Wünsche im Hinblick auf die Wohnsituation und Freizeitgestaltung. 42
4.2 Integrationswünsche 46
4.3 Formen religiöser Orientierung. 49
Literaturverzeichnis 59
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1. Einleitung
Das Thema, wie die deutsche Gesellschaft mit Migrantinnen und Migranten umgehen solle und wie sich ihre Integration zu gestalten habe, wird in der Öffentlichkeit nachwievor rege diskutiert. An jenen Diskursen ist frappant, dass man die Zugewanderten oftmals als gesellschaftliches Problem betrachtet. - So werden sie beispielsweise zu (potentiellen) Kriminellen oder Trägern fundamentalistischen Gedankenguts erklärt. Welche Geschichten und Schicksale sich hinter dieser anonymisierten Masse der Migranten verbergen, wie sie ihre Lebenssituation beurteilen und welche Wünsche sie haben, wird hingegen seitens der Presse und Politik eher selten thematisiert.
Dabei hat die Migrationsforschung in den vergangenen Jahren wertvolle Beiträge zur Lebenssituation von Zugewanderten in Deutschland geliefert. In diesem Zusammenhang sind auch Studien entstanden, die explizit die Lebensrealität von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund fokussieren. Beispielhaft genannt sei hier die 2005 erschienene Untersuchung von Ursula Boos-Nünning und Yasemin Karakaoglu Viele Welten leben, die sich mit der Lebenssituation zugewanderter Mädchen und jungen Frauen befasst. Insbesondere den Perspektiven junger Erwachsener mit Migrationshintergrund hat sich Barbara Schramkowski unter dem Titel Integration unter Vorbehalt gewidmet. Ihre Studie wurde 2007 publiziert. 2002 wurden gleich zwei Untersuchungen veröffentlicht, die sich mit der Bedeutung des Islams für jugendliche Migrantinnen und Migranten beschäftigen. Gritt Klinkermann setzt sich dabei aus geschlechtsspezifischer Perspektive mit den Modernen Formen islamischer Lebensführung bei sunnitisch geprägten Türkinnen auseinander. Wie junge Muslime ihre (religiöse) Lebensführung in der Diaspora gestalten, erörtert Hans-Ludwig Frese in seiner Studie Den Islam ausleben.
Das Erkenntnisinteresse der vorliegenden Arbeit gilt im Besonderen der größten in Deutschland lebenden Migranten-Gruppe: den Türkinnen und
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Türken. Der Auseinandersetzung mit ihrer Lebensrealität, aber auch mit ihren Wünschen und (religiösen) Wertvorstellungen, wird ein Kapitel zum Begriff der Migration vorangestellt. In diesem Kontext skizziere ich zugleich die Geschichte der Migration von Türkinnen und Türken nach Deutschland, die in den 1960er Jahren begann.
Im dritten Kapitel der Arbeit wird dargestellt, in welcher Form und in welchem Umfang die jungen Migrantinnen und Migranten mit dem alltäglichen Rassismus konfrontiert werden, wie sie von ihren Eltern erzogen werden und welche Rolle dabei die Religion spielt und wie sie ihre Wohnsituation beurteilen. Ein weiterer Abschnitt setzt sich zudem dezidiert mit der Ausbildungssituation von jungen türkischen Migrantinnen und Migranten in Deutschland auseinander. Um ihren Bildungsgrad und beruflichen Werdegang herauszuarbeiten, stelle ich Vergleiche zur Bildungssituation anderer Migranten-Gruppen und der deutscher Jugendlicher an.
Das vierte Kapitel widmet sich dann den Wünschen, die junge Migrantinnen und Migranten im Hinblick auf ihre Freizeitgestaltung und Wohnsituation haben. In diesem Zusammenhang wird ebenfalls dargelegt, wie sich Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund eine gelungene Integration vorstellen. Einen weiteren Fokus lege ich an dieser Stelle auf den Stellenwert, den die Religion im alltäglichen Leben der jugendlichen Türkinnen und Türken einnimmt. Es wird beleuchtet, wie sie sich dem Islam intellektuell annähern, inswiefern sie sich an religiösen Wertvorstellungen orientieren und in welcher Form sie diese in ihren Alltag integrieren.
Die Lebensrealität, Wünsche und Wertvorstellungen junger Migrantinnen und Migranten werden dabei aus geschlechtsspezifischer Perspektive betrachtet. Dank der umfangreichen wissenschaftlichen Beiträge ließ sich der geschlechtsspezifische Blick auf die zuvor skizzierte Arbeitsthematik bis auf einen Punkt einhalten. - Während der Recherche bin ich auf keine Studien
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gestoßen, die sich so explizit mit den Wünschen von türkischen Jungen und jungen Männern befassen wie dies beispielsweise in der Untersuchung von Ursula Boos-Nünning und Yasemin Karakaoglu im Hinblick auf die Wünsche junger Migrantinnen der Fall ist.
Im Fazit wird die in der Arbeit beschriebene Lebensrealität junger Türkinnen und Türken in Deutschland mit ihren Wunschvorstellungen konfrontiert. Ich gehe der Frage nach, inwiefern und an welchen Stellen Wunsch und Realität bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders weit auseinanderklaffen bzw. an welchen Punkten sich eine Annäherung von Erträumtem und Gegebenem abzeichnet.
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2. Migration
2.1 Begriffserklärung „Migration“
Der Terminus „Migration“ ist auf das lateinische Wort „migrare bzw. migratio“ zurückzuführen und bedeutet Wanderung, wandern oder wegziehen (vgl. Han 2005, S. 7 ; Haubner 2005, S. 5). Dieser Begriff hat aber durch das oft gebrauchte englische Wort „Migration“, sowohl in der Begriffssprache der Sozialwissenschaften als auch in der deutschen Alltagssprache seinen Platz längst eingenommen (vgl. Han 2005, S. 7; Haubner 2005, S. 5). Im Bereich der Sozialwissenschaften ist unter der Definition der Migration generell Bewegungen von Personengruppen und Personen aufzufassen, die einen dauerhaften Wohnortwechsel in Anspruch nehmen (vgl. ebd.). Auf Empfehlung der Vereinten Nationen wurde von Migration bei einem Wohnortwechsel, der länger als 5 Jahre andauerte, gesprochen; seit 1960 wird ein Wohnortwechsel von mindestens 5 Jahren als Migration definiert (vgl.ebd.)
Und seit dem Jahr 1998 werden die Menschen als Migranten bezeichnet, die mindest für den Zeitraum von einem Jahr den ständigen Wohnsitz von ihrem Herkunftsland in ein anderes Land verlegen (vgl. Han 2005, S. 7).
Die Gründe für die Migrationsbewegungen sind entweder von gesellschaftlich- struktureller oder persönlicher Natur. Dabei wirken mehrere Ursachen ökologischer, politischer, wirtschaftlicher, kultureller, ethnischer und sozialer Art zusammen und sie lösen am Ende die oben erwähnten Migrationsbewegungen aus (vgl. Han 2005, S. 8 ; Haubner 2005, S. 5) Die Geschichte und Effekte der Arbeitsmigration sind vom Anlass und der Rechtslage her unterschiedlicher als die der Flucht- und Zwangsmigration
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(vgl. Haubner 2005, S. 5).
Den Anstoß zu einer „grenzüberschreitender Arbeitsmigration“ gibt der Bedarf an Arbeitskräften eines wirtschaftlich wachsenden Landes, wenn dieser durch die einheimische Bevölkerung nicht kompensiert werden kann (vgl. ebd.).
Sowie dies bei der Arbeitsmigration aus der Türkei auch der Fall war und in der globalen Migrationsgeschichte eine beachtliche Rolle gespielt hat. Daher werde ich im Folgenden kurz auf die Arbeitsmigration aus der Türkei eingehen.
2.2 Geschichte der Migration aus der Türkei
Auf der ganzen Welt setzte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Arbeitsmigration ein. Viele westliche Länder, unter ihnen auch Deutschland, die in den 1950/60er Jahren industriell fortgeschritten waren, konnten ihren Arbeitskräftemängel durch die eigene einheimische Bevölkerung nicht abdecken, weil ihr Wirtschaftswachstum zu groß war. Deshalb waren sie auf die Arbeiter aus dem Ausland angewiesen. (vgl. Haubner 2005, S. 5 ; Jamin 1999, S. 146).
Aufgrund dieses Faktums schloss die Bundesrepublik Deutschland mit einer Reihe von Staaten Anwerbeverträge ab, die die staatlich organisierte Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften beabsichtigte. Deshalb wurden der Reihe nach zuerst mit Italien (1955), Spanien und Griechenland(1960), der Türkei(1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und mit dem damaligen Jugoslawien (1968) entsprechende Vereinbarungen getroffen (vgl. Jamin 1991, S. 146). Die Anwerbung der ausländischen Arbeiter wurde von der „Bundesanstalt für Arbeit“ in Zusammenarbeit mit ihren in den Anwerbeländern ansässigen Außenstellen organisiert und
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durchgeführt (vgl. Haubner 2005, S. 7).
Obwohl es bereits Mitte der 1950er Jahre in Nord-, Mittel- und Westeuropa zur ersten Welle der türkischen Massenarbeitsmigration kam, kann von einer Arbeitsmigration aus der Türkei in großem Ausmaß erst nach 1961 die Rede sein (vgl. Karakaolu 2007 S. 1054 ; Boos- Nünning/ Karakaolu 2005, S. 57). Genau in diesem Jahr wurde zwischen der BRD und der Türkei ein beidseitiger (bilateraler) Anwerbevertrag unterzeichnet, der eine auf zwei Jahre beschränkte Beschäftigung der türkischen Gastarbeiter zum Ziel hatte. Die im gleichen Jahr in Kraft tretende Verfassung der neuen türkischen Republik erlaubte gleichzeitig den türkischen Bürgern ohne Genehmigung der staatlichen Ämtern ins Ausland aufzubrechen (vgl. Boos- Nünning/ Karakaolu 2005, S. 57).
Diese Entwicklung kam den verarmten Teilen der türkischen Bevölkerung gerade recht, da sie Auswege herbeisehnten, die sie aus ihrer miserablen finanziellen Situation und ihrer strukturellen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung retten könnten (vgl. Haubner 2005, S. 7). Sie wollten dadurch in kürzerer Zeit viel Geld verdienen und heimkehren, um dann zur Erweiterung und Verbesserung ihrer ökonomischen Existenzgrundlagen einen Beitrag zu leisten (vgl. ebd.). Sowohl die türkische Republik als auch die Bundesrepublik Deutschland wollten von diesem Sachverhalt profitieren. Der türkische Staat beabsichtigte einerseits mit diesem befristeten Arbeitskräftetransport vor allem die Entlastung seines einheimischen Arbeitsmarktes. Andererseits wollte er auch dringend benötigte Devisen ins Land holen lassen.
Außerdem sollten die nach Deutschland entsendeten Arbeitskräfte durch
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ihren Aufenthalt erworbenen Qualifikationen bei der Modernisierung der einheimischen Wirtschaft einsetzen (vgl. Jamin 1991, S.147; Karakaoglu 2007, S. 1055). Deutschland hatte wiederum den Vorteil daran, dass es seinen Arbeitskräftemangel für seine Industrie dadurch wettmachen konnte. Die türkische Arbeitsmigration in die BRD wurde von beiden Seiten zunächst als eine zeitlich begrenzte Maßnahme angesehen. Die Grundidee dieser Maßnahme war, diese Menschen für eine befristete Zeit beschäftigen zu lassen und nach Ablauf ihrer Arbeitsverträge sie wieder nach Hause zu schicken (vgl. Boos- Nünning/ Karakaolu 2005, S. 57; Haubner 2005, S. 8). Im Laufe der Zeit machte zeichnete sich aber ab, dass sich der Aufenthalt der türkischen Arbeiter 1 in Deutschland verlängern würde. Beide Seiten hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn weder der deutschen Industrie noch den türkischen Arbeitnehmern kam das sogenannte Rotationsprinzip zu Gute.
Für die deutschen Arbeitgeber waren die türkischen Arbeitnehmer als eingearbeitete Arbeitskräfte mittlerweile unverzichtbar geworden. Und türkische Gastarbeiter 2 waren deshalb für einen längeren Verbleib in Deutschland, weil sie ihre Sparziele in vorgesehener Zeitspanne nicht verwirklichen konnten (vgl. Boos- Nünning/ Karakaolu 2005, S. 57;
1 Aus Gründen der Lesbarkeit wird die männliche Form benutzt, gemeint sind damit immer beide Geschlechter
2 „Der überwiegende Teil der in den europäischen Einwanderungsländern lebenden Türken
ist aus ökonomischen Motiven im Zuge der selektiven, als zeitlich befristet geplanten und
staatlich gelenkten Arbeitskräfteanwerbung in west-, Mittel- und Nordeuropa seit Ende der
1950er Jahre zugewandert oder stammt von diesen Arbeitsmigranten ab. Der Begriff des
„Gastarbeiters“ ist auf diesen Kontext zurückzuführen.“ Zitiert nach: Karakaoglu 2007, S.
1054.
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Haubner 2005, S. 8). So kamen die ersten Gastarbeiter in die BRD. Ein weiterer Teil der Türken kam dann in Folge der Familienzusammenführung nach Deutschland, insbesondere durch die vielzitierte Heiratsmigration (vgl. Karakaolu 2007, S. 1055)
Danach kam es im Jahre 1970 zu einem Anwerbestopp (vgl. Karakaolu 2007, S. 1055), bei dem dann die als „Ölkrise“ bekannte wirtschaftliche Krise eine erhebliche Rolle spielte (vgl. Haubner 2005, S. 11) Die Abwehrhaltung der Bevölkerung insbesondere gegenüber Türken und die damit verbundene Besorgnis der Bundesregierung über importierte soziale Probleme durch Konflikte zwischen der einheimischen und der zugewanderten Bevölkerung waren weitere Aspekte des Anwerbestopps.
Später kamen Türken nach Deutschland, die illegal arbeiten wollten, da die Aufenthaltsfrist ihres Touristenvisums abgelaufen war. Ihnen folgten politische Flüchtlinge aus der Türkei, die hauptsächlich nach den Militärputschen von 1972 und 1980 die Zuwanderung in die BRD antraten, um dort politisches Asyl zu erwerben. Der größte Teil von ihnen machten Kurden und christlichen Assyrer aus, die aus den östlichen Regionen der Türkei stammen (vgl. Karakaolu 2007, S. 1054).
Seither vollzieht sich ein sozialer Wandel im Leben der türkischen Migranten und sie stehen immer im Fokus von gesellschaftlichen Konfrontationen über Migration und Integration. Es geht kaum ein Tag vorbei, ohne dass die Deutschlandtürken Gegenstand von gesellschaftlichen
Auseinandersetzungen im Kontext der Migration und Integration sind (vgl. ebd.). In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig in den folgenden Kapiteln einen Blick auf die Lebenssituation und Orientierung der Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund im Hinblick auf Bildung, Ausbildung, Wohnsituation und Religion zu werfen.
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2.3 Begriffserklärung „Jugendliche Personen mit
Migrationshintergrund“
Laut der Begriffsbestimmung des Statischen Bundesamtes ist ein Individuum mit den folgenden Eigenschaften als „Person mit Migrationshintergrund“ zu bezeichnen:
1. die Person nicht auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland geboren wurde und 1950 oder später zugewandert ist und/ oder
2. die Person keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder eingebürgert wurde
3. Darüber hinaus haben Deutsche einen Migrationshintergrund, wenn ein Elternteil der Person mindestens eine der unter (1.) oder (2.) genannten Bedingungen erfüllt (vgl. 7. Bericht der Beauftragten der
4. Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland 2007, S. 14ff)
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3. Lebenssituation von Jungen und Mädchen mit türkischem
Migrationshintergrund
3.1. Konfrontation mit alltäglichem Rassismus
Laut Barbara Schramkowski versteht man unter Altgasrassismus in erster Linie die alltägliche Erfahrung von Menschen, die einen
Migrationshintergrund haben, aufgrund der ihnen zugeschriebenen Andersartigkeit strukturell wie institutionell diskriminiert zu werden. Die Autorin weist in diesem Kontext auf die Wichtigkeit hin, die dem Attribut „alltäglich“ zukommt. Spricht man von Rassismus, würden unter diesem Begriff hauptsächlich gewalttätige, ausschließlich offene Übergriffe gegenüber Individuen mit Migrationshintergrund gefasst. Daher würden alltägliche, oftmals unterschwellige Ausgrenzungserfahrungen durch Angehörige der Mehrheitsgesellschaft in ihrer diskriminierenden Dimension nicht berücksichtigt. - Genaue diese Diskriminierungserfahrungen würden aber im Leben vieler Personen mit Migrationshintergrund eine enorme Relevanz einnehmen. 3
Die rassistischen Handlungs- und Denkmuster von Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft, die im Alltag vorkommen, beruhen - so Schramkowski -auf uneindeutigen, mit ethnischen Zugehörigkeiten
gekoppelten Ideen darüber, wer als „deutsch“ und damit als ein Mitglied der Aufnahmegesellschaft Akzeptanz findet. Anhand dessen ließen sich Definitionen von Andersartigkeit und manchmal auch von bestimmten individuellen Eigenarten miteinander kombinieren, die man nicht als „deutsch“ beschreibt. Demnach seien die Alltagsrassismen als Stolpersteine 3 Zur Erfahrung alltäglicher Diskriminierung siehe auch: Sauer, Martina -
Integrationsprobleme, Diskriminierung und soziale Benachteiligung junger türkeistämmiger
Muslime, in: von Wensierski, Hans Jürgen; Lübcke, Claudia (Hrsg.) - Junge Muslime in
Deutschland. Lebenslagen, Aufwachprozesse und Jugendkulturen, Opladen & Famington
Hills 2007, S. 348f.
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Arbeit zitieren:
Taki Karakus, 2008, Die Lebenssituation und Orientierung von Mädchen und Jungen mit türkischem Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag GmbH
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