Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis 1
1. Einleitung
1.1. Thematische Einführung 2
1.2. Fragestellung 2
1.3. Überblick 3
2. Begriffsklärung
2.1. Entwicklung 3
2.2. Unterentwicklung 4
2.3. Entwicklungsländer 5
2.4. Schwellenländer 6
2.5. Welten der Erde 6
2.6. Entwicklungshilfe bzw. Entwicklungszusammenarbeit 7
2.7. Humanitäre Hilfe 8
2.8. Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung 9
2.9. Soziale Arbeit 10
3. Aspekte der Entwicklungszusammenarbeit
3.1. Probleme der Entwicklungsländer 12
3.2. Ursachen für Unterentwicklung 13
3.3. Motive der Entwicklungshilfe 16
3.4. Tätigkeitsfelder und Akteure in der deutschen Entwicklungshilfe 17
3.5. Ziele und Grundsätze der Entwicklungszusammenarbeit 18
3.6. Arten der Entwicklungszusammenarbeit 19
3.7. Folgen der Entwicklungshilfe für die Dritte Welt 21
4. Entwicklungszusammenarbeit - ein Arbeitsfeld für die Soziale Arbeit
4.1. Schnittstellen der Sozialarbeit mit der Entwicklungszusammenarbeit 22
4.2. Möglichkeiten der Sozialen Arbeit in der Entwicklungshilfe 22
4.3. Anzahl der sozialen Fachkräfte 25
4.4. Zur Bedeutung der Sozialen Arbeit in der Entwicklungshilfe 31
4.5. Grenzen einer Mitarbeit von Sozialarbeitern 31
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Abkürzungsverzeichnis
AGdD Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste AGEH Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BNE Bruttonationaleinkommen BSP Bruttosozialprodukt CFI Christliche Fachkräfte International CIM Centrum für Internationale Migration und Entwicklung DAC Development Assistance Commitee/ Entwicklungshilfeausschuss DED Deutscher Entwicklungsdienst DIE Deutsches Institut für Entwicklung DÜ Dienste in Übersee EED Evangelischer Entwicklungsdienst EH Entwicklungshelfer EZ Entwicklungszusammenarbeit GTZ Gesellschaft für technische Zusammenarbeit InWEnt Internationale Weiterbildung und Entwicklung IWF Internationaler Währungsfond KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau LDC Developing Countries/ Entwicklungsländer LLDC Least Developing Countries/ am wenigsten entwickelte Länder NFP Nachwuchsförderungsprogramm NGO Non Governmental Organisation/ Nichtregierungsorganisation NIC Newly Industrialised Country/ Neue Industrieländer NPO Non Profit Organisation NRO Nichtregierungsorganisation ODA Official Development Assistant/ Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit OECD Organisation for Economic, Co-operation and Development/ Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung SLE Seminar für ländliche Entwicklung UN United Nations/ Vereinte Nationen UNHCR United Nation High Commission for Refugees/ Hochkommisariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen UNV United Nation Volunteer/ Vereinte Nationen Freiwilliger WFD Weltfriedensdienst WFP World Food Programm/ Welthungerhilfe ZAV Zentralstelle für Arbeitsvermittlung ZFD Ziviler Friedensdienst ZOPP Zielorientierte Projektplanung
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1. Einleitung
1.1. Thematische Einführung
Spätestens seit dem G8-Gipfel vom 6. Juni 2007 in Heiligendamm erlangt das Thema Entwicklungshilfe erneut erhöhte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Kontrovers werden die Höhen der finanziellen Mittel und die Arten der Hilfen diskutiert. Werden die Milliarden betrachtet, die in Entwicklungsländer fließen, kann es entweder beeindruckend oder enttäuschend sein, sie können als Fass ohne Boden angesehen werden oder als gebeutelte Kontinente. Obwohl die technischen Möglichkeiten wie zum Beispiel das World Wide Web dazu beitragen, dass Nachrichten aus den entlegensten Orten der Erde überall zu empfangen sind, existieren dennoch viele vergessene Konflikte und Milliarden von Menschen, die unter unwürdigen Bedingungen leben und versuchen zu überleben. Folgende allgemeine Grundüberlegungen werden diese Diplomarbeit begleiten. Wo, in dem weiten und komplexen Feld der Entwicklungszusammenarbeit (EZ), steht die von den Industrienationen ausgehende Soziale Arbeit? Kann sie ihren Teil zur Entwicklungshilfe beitragen?
1.2. Fragestellung
Der ursprüngliche Beweggrund von Entwicklungshilfe und Sozialarbeit, Menschen bei der Verbesserung ihrer Lebenssituation beizustehen, wenn sie diese Aufgabe nicht aus eigenen Kräften zu lösen vermögen, könnte die Annahme implizieren, dass Soziale Arbeit einen Teil von Entwicklungszusammenarbeit ausmacht. Weitläufig werden beiden Berufsfelder miteinander assoziiert, obwohl bei genauerer Betrachtung festzustellen ist, dass kaum Sozialpädagogen/ Sozialarbeiter in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind. Die Beschäftigungssituation von Sozialarbeitern in der EZ wird mit dieser Abhandlung genauer untersucht werden. Das Ziel ist herauszufinden, ob Sozialarbeiter eine gefragte Berufsgruppe innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit sind? Angrenzend wird geprüft, ob Soziale Arbeit in ihrer westlichen bzw. deutschen Form innerhalb eines fremden Kulturkreises angebracht ist? Hauptgegenstand der Arbeit ist, zu erforschen, ob die Entwicklungshilfe ein mögliches Betätigungsfeld für westliche Sozialpädagogen/ Sozialarbeiter sein kann. Die Filterung von auftretenden Schwierigkeiten,
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Widersprüche und die Dimensionen einer sozialen Arbeit im
entwicklungspolitischen Ausland werden die Problematik vertiefen und ihr kritisch nachgehen. Zur Analyse werden zum einen vorhandene Literatur und zum anderen Experteninterviews herangezogen, welche einen Einblick in die subjektive Sicht der Experten auf die Problematik ermöglichen. Zusätzlich werden die schwierigen Rahmenbedingungen eines Einsatzes in der Entwicklungshilfe nicht unerwähnt bleiben.
1.3. Überblick
Im ersten Teil wird die Thematik eingeführt und die Fragestellung der Diplomarbeit dargestellt. Der zweite Teil dient der Begriffsklärung, was eine notwendige Grundlage zum Verständnis der gesamten Arbeit und des Blickwinkels des Autors ist. Nachfolgend beschäftigt sich der Verfasser mit den Hauptaspekten, die zur Entwicklungshilfe gehören und Anstoß zum Einbezug von Sozialer Arbeit geben könnten. Danach folgt der vierte Teil, welcher sich direkt mit Sozialer Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit beschäftigen wird. Im Anschluss werden die Aspekte der Arbeit von deutschen bzw. nichteinheimischen Sozialpädagogen/ Sozialarbeiter im Entwicklungsland beleuchtet. Im sechsten Teil wird die Kritik an der Entwicklungshilfe besonders am Beispiel der personellen Zusammenarbeit dargelegt. Anschließend findet sich ein empirischer Teil, wo die Untersuchung präzisiert wird. Vorletzter Punkt wird eine Interpretation der Literaturrecherche und der Experteninterviews sein. Schlussendlich wird es eine kurze Zusammenfassung der Arbeit geben.
2. Begriffsklärungen
2.1. Entwicklung
Entwicklung ist ein vielfältiger Begriff. Aus Sicht der Wirtschaftswissenschaftler bedeutet er wirtschaftliches Wachstum, was meist über das Pro-Kopf-Einkommen, dem Bruttosozialprodukt (BSP) und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen wird. Der Anstieg wirtschaftlichen Wachstums führt jedoch nicht automatisch zur Entwicklung in allen Bereichen des Lebens. Eine gute wirtschaftliche Entwicklung löst nicht zwangsweise auch soziale und politische
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Probleme. Er kann ebenso keine ausreichenden Aussagen über den Entwicklungsstand eines Landes liefern. Auch im sozialen und politischen Bereich geht es um einen Wandel und Modernisierung. Die Verbesserung der Lebensbedingungen für die Bevölkerung einer Gesellschaft ist von enormer Bedeutung. 1 Das beinhaltet ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wohnraum, Kleidung, Bildung, Gesundheit, Demokratie und Gleichberechtigung.
Das Handbuch der Dritten Welt von Nohlen und Nuscheler liefert folgende Definition: Entwicklung ist
Dies ist die Ausformulierung des magischen Fünfecks von Wachstum, Arbeit, Gerechtigkeit, Partizipation und Unabhängigkeit. 3
2.2. Unterentwicklung
Nachdem der Begriff der Entwicklung verdeutlicht wurde, wird es in diesem Abschnitt um die Defizite von Entwicklung, um Unterentwicklung gehen.
Die bearbeitete Literatur liefert zur Unterentwicklung keine wertfreie und einhellige Definition. Es ist möglich, das unter Punkt 2.1. genannte Fünfeck umzudrehen. Dadurch kann festgestellt werden, dass Unterentwicklung Folgendes bedeutet: Die Bevölkerung einer Gesellschaft kann nicht ausreichend mit lebensnotwendigen Gütern (Nahrungsmittel, Bekleidung, Wohnmöglichkeiten) und Dienstleistungen (Gesundheitsversorgung, Bildungswesen) versorgt werden. Es wird keine Teilhabe an politischen Entscheidungen zugelassen. Ungerechtigkeit und hohe Arbeitslosigkeit kennzeichnen die Situation in dem Land.
1 vgl. Nohlen 2002, S. 228
2 Nohlen/ Nuscheler 1993, S. 73
3 vgl. Nohlen 2002, S. 228
5
Nuscheler versteht Unterentwicklung als eine Summe aus Hunger, Krankheit und Unwissenheit, wie es die folgende Darstellung verbildlicht. Unterentwicklung zeigt sich durch Armut und ist gleichzeitig Ursache dieser.
2.3. Entwicklungsländer
Der Begriff Entwicklung ist bereits erläutert worden. Mit Hilfe von Nohlen wird im Folgenden verdeutlicht werden, was der Autor unter einem Entwicklungsland versteht. Erneut ist anzumerken, dass keine einheitliche Definition existiert.
Die Merkmale, die ein Land als Entwicklungsland einstufen, weichen mitunter erheblich innerhalb der Dritten Welt voneinander ab. Ein Entwicklungsland gleicht selten dem Anderen. Allgemein ist ihnen eine große Armut zusprechen, die wiederum verschiedene Erscheinungsformen, Definitionen und Messgrößen hat, auf deren Deklination in diesem Rahmen verzichtet wird. Ein Entwicklungsland ist für den Forscher ein Solches, wenn es in Teilen die unter Punkt 2.2. beschriebenen Merkmale von Unterentwicklung aufweist, ohne den Blick dafür zu verlieren, wie höchst verschieden diese Länder nicht nur in Kultur und Ethnie, sondern auch in Wirtschaft, Bildung, Ressourcen, Ökologie und Politik sind. Der Verfasser wird bei der Bezeichnung Entwicklungsland bleiben. Geographische Begrifflichkeiten wie „westlich“ und „Länder des Südens“ bzw. „Länder des Nordens“ sollen synonym für Industrie- bzw. Entwicklungsländer oder Dritte-Welt-Länder gebraucht werden, um eine Abwechslung im Sprachgebrauch zu haben, wobei die Begriffe offensichtlich strittig sind.
4 vgl. Nohlen 2002, S. 233
6
2.4. Schwellenländer
Nachdem der Ausdruck Entwicklungsland für diese Arbeit definiert wurde, soll es um eine Erweiterung der Länderbegriffe im Entwicklungskontext gehen.
Zu diesem Begriff finden sich in Nohlens Lexikon nachstehende Bedeutungen. Schwellenländer können Länder der Dritten Welt sein, die auf dem Weg zur Industrialisierung sind. Politische und soziale Faktoren spielen zur Definition als Schwellenland ebenso eine Rolle. Fakt ist, dass die hohen Wachstumsraten in Schwellenländern zu erheblichen Schwierigkeiten innerhalb dieser Länder führen, die sich zum Beispiel durch niedrige Löhne, mangelnden Arbeitsschutz, Kinderarbeit und fehlende Sozialleistungen zeigen. 5 Schwellenländer werden dennoch als Oberschicht der Entwicklungsländer bezeichnet und stehen an der Schwelle zum Industrieland. Sie werden als Newly Industrialised Country bezeichnet (NIC). Auf Grund uneinheitlicher Indikatoren, wer zur Gruppe der Schwellenländer gehört, variieren internationale Listen zwischen sieben und 40 Ländern. Zur unumstrittenen Kerngruppe zählen Argentinien, Brasilien, Mexiko und die vier Tigerstaaten: Südkorea, Taiwan, Hongkong und Singapur. 6
2.5. Welten der Erde
In den Medien ist der Begriff „Dritte Welt“ häufig anzutreffen. Laut Nohlen stammt er aus dem Jahr 1949. 7 In seinem Lexikon der Dritten Welt findet sich folgende Definition: Die Dritte Welt wird durch Länder gebildet, die wenig produktiv sind. Die große Gemeinsamkeit dieser Länder ist die Unterentwicklung gemessen am Standard der entwickelten Länder. Als Synonym wird häufig auch das Wort Entwicklungsland verwendet. Ursprünglich jedoch handelte es sich um einen politischen Begriff, der die Polarität der zugehörigen Länder verdeutlichte. Die Erste Welt bestand aus kapitalistischen Industrieländern wie zum Beispiel den USA. Die Zweite Welt wurde durch sozialistische Industrieländer gebildet, beispielhaft durch die ehemalige UdSSR vertreten, wogegen die Dritte-Welt-Länder in den 50er Jahren blockfrei sein und einen dritten Weg gehen wollten. 8
5 vgl. Nohlen 1984, S. 511
6 vgl. Nohlen 2002, S. 708f.
7 vgl. ders. 2002, S. 194
8 vgl. ders. 2002, S. 194f.
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Dazu gehörten Länder aus Asien und Afrika. Lateinamerika hat sich damals wie heute als dem Westen zugehörig gefühlt. 9 Die Begrifflichkeiten Erste und Zweite Welt haben sich nicht durchgesetzt und sind deshalb kaum im Sprachgebrauch vertreten. Außerdem hat sich die Frage der Ersten und Zweiten Welt mit dem Ende des kalten Krieges und der Auflösung der Zweiten Welt erledigt. Der Begriff Dritte Welt ist geblieben und mittlerweile alles andere als blockfrei, wenn Beispiele wie Kuba in Lateinamerika betrachtet werden.
Bei Nuscheler findet sich sogar der Begriff der Vierten Welt, welche die absolut Armen der Welt vereint. 10 Die Mehrheit (33) dieser Länder sind afrikanische Staaten südlich der Sahara zum Beispiel Tansania. Im Anhang ist die Tabelle I der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom Jahr 2001 mit den 48 am wenigsten entwickelten Ländern (LLDC) zu finden.
In Fachkreisen werden die verschiedenen Welt-, Entwicklungs- und Länder-Begriffe kontrovers diskutiert. In dieser Arbeit werden sie weiterhin verwendet, weil es an unstrittigen Alternativen mangelt und eine genaue wissenschaftliche und neutrale Definition der Begriffe nicht Gegenstand dieser Arbeit sein soll. Der Begriff Dritte Welt wird synonym für Entwicklungsland gebraucht.
2.6. Entwicklungshilfe bzw. Entwicklungszusammenarbeit
Im Zusammenhang mit Entwicklungsländern tauchen immer wieder die Begriffe Entwicklungshilfe und -zusammenarbeit auf. Laut Nohlens Lexikon ist Entwicklungshilfe ein Sammelbegriff für Leistungen materieller und nichtmaterieller Art von privaten und öffentlichen Trägern der Industrieländer an Entwicklungsländer. Dabei können die Leistungen direkt von einem Land zum anderen (bilateral) oder indirekt über internationale Organisationen (multilateral) zum Beispiel über die Weltbank oder die Vereinten Nationen fließen. 11 Entwicklungshilfe besteht aus verschiedene Theorien und Strategien und wird
9 vgl. Koslowski 1995, S. 29
10 vgl. Nuscheler 1996, S. 71
11 vgl. Nohlen 2002, S. 231
8
durch die Entwicklungspolitik der einzelnen Geberländer definiert. Sie ist laut Nuscheler das wichtigste Instrument der Entwicklungspolitik. 12
Weil Entwicklungshilfe ein wertendes Wort ist, soll seit den 80er Jahren eher das Wort Entwicklungszusammenarbeit gelten. Es verdeutlicht die gegenseitige Kooperation besser und stellt sich gegen die einseitige Lieferung von Entwicklungsleistungen. Beide Begriffe werden im Folgenden synonym verwendet ohne werten zu wollen.
Im Anhang sind zwei statistische Diagramme, die Abbildungen I und II, des Jahres 2005 des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu finden. Sie stellen dar, wie hoch die Entwicklungshilfe verschiedender Geberländer in einer einheitlichen Währung (amerikanische Dollar) ist und wie dies im Verhältnis zu dem im Land erwirtschafteten Bruttonationaleinkommen (BNE) steht. Die USA ist insgesamt mit 27,46 Mrd. Dollar der größte Geldgeber. Deutschland steht mit 9,92 Mrd. Dollar an fünfter Stelle. Wird jedoch das Bruttonationaleinkommen betrachtet und in Verbindung zu den genannten Zahlen gebracht, ist festzustellen, dass die USA lediglich 0,17 Prozent ihres BNE in die Entwicklungsländer investieren und sich damit vor Italien an vorletzter Stelle der Länder der Öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (ODAC) befinden. Deutschland ist mit 0,28 Prozent großzügiger als die USA, liegt aber weit hinter dem Listenanführer Norwegen mit 0,87 Prozent.
2.7. Humanitäre Hilfe
Um eine nachvollziehbare Abgrenzung der Begrifflichkeiten zu gewährleisten und eventuellen Missverständnissen vorzubeugen, werden die Vokabeln der Humanitären Hilfe kurz umrissen.
Hierzu schreibt Nohlen, dass es sich um eine schnelle, unmittelbare und kurzfristige Hilfe handelt. Sie soll akute Notlagen, die durch Erdbeben, Flut, Epidemien und Dürre verursacht wurden, beseitigen oder wenigstens lindern.
12 vgl. Nuscheler 1996, S. 362
9
Dazu zählt auch Katastrophen- und Wiederaufbauhilfe. Humanitäre Hilfe kann bi-und multilateral gewährt werden. 13 Da Entwicklungshilfe langfristig angelegt ist, gehört sie nicht zur klassisch definierten Humanitären Hilfe, wobei aus der Praxis festzustellen ist, dass sich die Grenzen vor allem im Bereich Wiederaufbau nicht mehr klar abzeichnen lassen bzw. verwischen.
2.8. Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung
In Zusammenhang mit Entwicklungshilfe wird häufig der Begriff der Nachhaltigkeit verwendet.
Volker Hauff, Mitglied der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, erläutert 1987 im Brundtland-Bericht Nachhaltigkeit in Zusammenhang mit einer Entwicklung, die die Anliegen der jetzigen Generation befriedigen kann und dabei den folgenden Generationen nicht die Möglichkeiten nimmt, ihre Bedürfnisse zu stillen. Hierbei geht es vor allem um Umweltzerstörung durch Entwicklung und Unterentwicklung. Nachhaltigkeit verkörpert ökologische und dauerhafte Entwicklung. 14
Nachhaltige Entwicklung ist eine Gegenströmung zu anderen früheren Entwicklungsmodellen, die wachstumszentriert, ressourcenverschlingend und aufholend waren. 15 Heute ist bekannt, dass die Rohstoffquellen nicht unbegrenzt, Ökosysteme empfindlich sind und die Natur nicht überstrapaziert werden darf, auch dann nicht, wenn es um die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen geht. Ökologische Entwicklung ist das Stichwort.
Auf Makroebene kann das Streben nach Nachhaltigkeit als Verbindung von Entwicklungs- und Umweltpolitik gesehen werden. Auf Mikroebene zieht sie sich bis in die einzelnen Projekten der Entwicklungshilfe und ihre Wirksamkeit für nachfolgende Generationen. Hierunter soll kein dauerhaft bestehendes Projekt verstanden werden. Stattdessen geht es um die dauerhafte und nachweisliche Verbesserung der Lebensqualität der Zielgruppe, ohne die eigenverantwortliche
13 vgl. Nohlen 2002, S. 372
14 vgl. Brundtlandbericht 1987, zit. nach Nohlen / Nuscheler 1993, S. 231f.
15 vgl. Nohlen/ Schultze 2005, S. 993
10
Entwicklung zu behindern und die Grundlagen für nachfolgende Generationen zu schädigen.
2.9. Soziale Arbeit
Da in dieser Aufzeichnung Soziale Arbeit mit Entwicklungszusammenarbeit in Verbindung gebracht werden soll, wird im Folgenden kurz umrissen werden, was der Autor unter Sozialer Arbeit versteht.
Als Soziale Arbeit fasst der Autor Sozialarbeit und Sozialpädagogik zusammen ohne auf die Bedeutung der Einzelnen gesondert einzugehen und ohne eine vollständige Definition geben zu wollen. Somit handelt es sich nach deutschem Verständnis um den Bereich sozialen Handelns, der methodisch und professionell betrieben wird. Er ist eine direkte und indirekte personenbezogene Dienstleistung. Das Ziel Sozialer Arbeit ist, die Lebenssituationen, Verhaltensweisen und Einstellungen von Menschen, die bisher nicht den geltenden sozialen Normen entsprechen, unter dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe zu verändern. Dazu zählen die sozialen Dienste für alle Benachteiligten unserer Gesellschaft und Menschen in besonderen und/oder schwierigen Lebenslagen. Es wird begleitet, beraten, unterstützt, gepflegt und betreut. 16 Alle drei Begriffe: Soziale Arbeit, Sozialarbeit und Sozialpädagogik werden im Weiteren synonym verwandt. Zudem wird darauf verwiesen werden, dass die Übersetzung und das Verständnis, was in den verschiedenen Ländern unter Sozialarbeit zu verstehen ist, unterschiedlich sein kann. Beispielhaft sei hier die Sozialpädagogik genannt, die nur im deutschen Kulturraum existiert, wogegen die Soziale Arbeit im Allgemeinen stark vom englischsprachigen Raum beeinflusst ist.
16 vgl. Fachlexikon der sozialen Arbeit 2002, S. 844
12
3. Aspekte der Entwicklungszusammenarbeit 3.1. Problemfelder der Entwicklungsländer
Dass Entwicklungsländer einer Entwicklungshilfe bedürfen, liegt an den vielen Problemen, die in diesen Ländern aus den verschiedensten Gründen vorzufinden sind. Dieser Abschnitt soll einen groben Umriss der Problemlagen aufzeigen, weil sie Ansatzpunkte für die Soziale Arbeit sein können.
Die Variationsbreite der Entwicklungsnationen zeigt sich auch in den vorzufindenden Problemfeldern. Es können jedoch einige Merkmale als gehäuft auftretende Symptome für Unterentwicklung gelten, müssen aber nicht zwangsläufig komplett vorhanden sein. Es gibt Kennzeichen, wie etwa ein hoher Grad an Industrialisierung, die Länder mit niedrigem Lebensstandard genauso aufweisen wie Solche mit hohem Lebensstandard. Eine Industrienation ist demzufolge nicht zwangsläufig ein Land in dem der Großteil der Bevölkerung unter angemessenen Lebensbedingungen weilt.
Zu den Problemen gehören entsprechend Nuscheler:
Erweitern lässt sich die Aufzählung durch:
3.2. Ursachen für Unterentwicklung
Zu den Ursachen von Unterentwicklung stellt sich allgemein die Frage, ob sie außer- oder innerhalb der Dritten Welt zu suchen, ob sie natürliche Gegebenheiten sind oder von außen aufgezwungen wurden. Mit Hilfe von Nuscheler werden einige Theorien durchgegangen werden.
17 vgl. Nuscheler 1996, S. 148
18 Vgl. Andersen 2002, S. 8ff.
14
Selbstverschuldete Armut auf Grund von bestimmten Lebens- und Arbeitsverhalten der Menschen in den Tropen soll widerlegt werden. Unbestritten ist, dass tropisches Klima einen Einfluss auf das Verhalten eines Menschen hat. Dies ist auch in Europa beim Wechsel der Jahreszeiten zu beobachten. Ebenfalls nicht zu leugnen, sind gesellschaftliche Zusammenhänge, wo Arbeit nicht dem Selbstzweck dient, sondern einzig und allein dem Überlebenswillen zugerechnet wird. Dieser Sachverhalt ist auch in unseren Breitengraden zu finden und sollte nicht als Untugend betrachtet werden. Fakt ist, dass die meisten Menschen in der Dritten Welt weit mehr Stunden pro Tag mit schwerer Arbeit verbringen, als Menschen in der westlichen Welt und dabei ihre Familien nur mangelhaft versorgen können. Ein reduziertes Arbeitsverhalten kann Schutz vor einem Komplettausfall, wie auch Schutz vor Ausbeutung sein. Ihre Leistungsfähigkeit kann in dem Sinne eingeschränkt sein, dass ein kranker und/oder unterernährter Mensch selbstverständlich weniger leisten kann.
Kolonialismus wird häufig als weitere Begründung von Unterentwicklung genannt, wonach die höhere Entwicklung der Kolonialmächte auf Kosten der unterworfenen Länder stattfand und zur Unterentwicklung dieser führte. Die aus der Kolonisation resultierenden Monokulturen, willkürliche Grenzziehungen und Ausbeutung von Mensch und Natur sind erschwerende Faktoren. Eine schwerwiegende Ursache für Unterentwicklung ist jedoch auch nachkoloniale Fehlentwicklung, die ebenso für die Situation in den betroffenen Ländern verantwortlich ist. Dazu gehören zu einseitige Produktion und Export, Import von Fertigprodukten, die Vernachlässigung der ländlichen Gebiete und der Investition in Industrie und Landwirtschaft zur Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln. Kolonisation hat ebenso positive Aspekte wie infrastrukturelle, industrielle und medizinische Neuerungen im Kolonialismus mit sich gebracht.
Des Weiteren gelten Kultur, Religion und Traditionen als Hemmnisse für Entwicklung. Von den Gebenden wird ein Nacheifern des westlichen Weges erwartet, da dieser als Idealzustand gilt (siehe auch Ethnozentrismus, S. 44). Beispielhaft seien die Tigerstaaten genannt, die am besten verdeutlichen, dass es durchaus einen Weg gibt, die eigene Kultur und die Traditionen mit Entwicklung zu verbinden und als Ressource zu sehen. Die ausschlaggebende Voraussetzung
15
für Entwicklung muss im Innern einer Gesellschaft geschaffen werden, so geschehen beim Konfuzianismus 19 in Ostasien.
Als ein weiterer Ursachenfaktor von Unterentwicklung wird die außenwirtschaftliche Abhängigkeit der Entwicklungsländer von den Industrieländern und den damit verbundenen extremen Schwankungen des Weltmarktgeschehens gesehen, was als Folge der Kolonisation gilt. Systematisch werden die Dritte-Welt-Länder in der Preisentwicklung beim Export von Rohstoffen benachteiligt, was nicht die entscheidende Ursache für Unterentwicklung ist, aber ein Aspekt dessen. Es sind Beispiele von Ländern wie Australien und Argentinien zu nennen, die trotz kolonialer Herrschaft Entwicklung aufweisen. Die soziale und politische Komponente des eigenverantwortlichen Handelns während der Postkolonialzeit ist ebenfalls für Entwicklung verantwortlich.
Insgesamt gesehen, muss der Umstand der Unterentwicklung kritisch geprüft werden. In der Regel spielen verschiedene und für jedes unterentwickelte Land spezielle Ursachen eine Rolle, die kombiniert werden müssen. Es ist wichtig aus erfolgreichen Vorzeigestaaten keine verallgemeinernden Lehren zu ziehen, sondern aus den Erkenntnissen zu lernen und eigene Wege zu beschreiten ohne Nachzuahmen und damit die kulturelle Dimension zu vergessen. 20
Bei Kappel finden sich weitere Ansätze als Erklärung für anhaltende Unterentwicklung. Er bezieht sie nur auf Afrika. In dieser Arbeit werden sie verallgemeinert, da sie nach dem Dafürhalten des Autors generell gültig sind. Für Kappel spielen Krieg, Konflikte, ethnische Auseinandersetzungen und Bürgerkriege eine zusätzlich beeinflussende Rolle. Mangelnde Reformbereitschaft und Inflexibilität sind ein weiterer Ansatz. 21
19 Ein in China entstandenes System von religiösen, philosophischen und gesellschaftspolitischen Wertvorstellungen bei der es keine Gottheiten gibt.
20 vgl. Nuscheler 1996, S. 208ff.
21 vgl. Kappel 1999, S. 39
16
3.3. Motive der Entwicklungshilfe
Es ist anzunehmen, dass Entwicklungshilfe geschaffen wurde, um Unterentwicklung zu überwinden. Wird die Motivation durch die Entwicklungszusammenarbeit entstanden ist genauer betrachtet, ist zu erfahren, dass es sich um eine Mischung aus wirtschaftlichen, politischen, ökologischen und ethisch-humanitären Interessen handelt.
Karp schreibt wie folgt dazu. Deutschland als ein Export orientiertes Land, verfolgt mit Entwicklungshilfe ein Außenhandel förderndes Ziel. Das bedeutet aus deutscher Sicht eine Steigerung der Nachfrage nach deutschen Produkten in der Dritten Welt, die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Sicherung der Rohstoffversorgung. Eine Festigung der Machtposition in der globalen Wirtschaft wird sich von Direktinvestitionen im Empfängerland erhofft.
Wenn es sich um ethisch-humanitäre Motive handelt, sind vor allem Nichtregierungsorganisationen (NGO‘s) aktiv. Sie verfolgen Nächstenliebe und Solidarität. Auch die öffentliche Entwicklungshilfe des Staates fühlt sich als moralische und ethische Instanz verpflichtet, Grundbedürfnisse in armen Ländern zu sichern und auf die Einhaltung der Menschenrechte zu dringen. Man könnte von globaler Solidarität sprechen.
Zu den politischen Motiven schreibt Karp weiterhin, dass es hierbei um die Festigung und den Ausbau von zweiseitigen Freundschaften und um internationales Ansehen auf multinationaler Ebene geht. 22 Andersen betont zusätzlich, dass auch internationale Sicherheitspolitik eine große Rolle spielt und diese nicht nur der Friedenssicherung dient. Ebenso ist der Schutz der globalen Umwelt, wie die der Tropenwälder als grüne Lungen der Welt und damit der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, genauso Inhalt wie die Bekämpfung von Flüchtlingsströmen.
Auch Wiedergutmachungsleistungen für die koloniale Ausbeutung werden als Beweggründe für Entwicklungshilfe angesehen, wie zum Beispiel Hilfen von Deutschland nach Namibia.
22 vgl. Karp 1998, S. 66ff.
17
Bindung an das eigene Bündnissystem bzw. Verweigerung der Anerkennung bestimmter Staaten der Gegenseite gelten als weitere Gründe, die vor allem während des kalten Krieges aktuell waren. 23
3.4. Tätigkeitsfelder und Akteure in der deutschen Entwicklungshilfe Nachdem die Motive der Entwicklungshilfe erläutert wurden, kommt der Verfasser nun zu den Tätigkeitsfeldern und Akteuren der EZ.
Laut dem Wegweiser der Abteilung Internationale Weiterbildung und Entwicklung (InWEnt) der Carl-Duisberg-Gesellschaft gibt es 30 Organisationen in Deutschland 24 , die eine Mischung aus privaten, staatlichen, kirchlichen und parteinahen Vereinigungen bilden und qualifizierte Mitarbeiter für das entwicklungspolitische Ausland suchen. Beschäftigungsmöglichkeiten nach dem Entwicklungshelfergesetz werden nur bei den sieben Entwicklungsdiensten geboten. 25 Der Helfer ist Fachkraft, Experte oder Entwicklungshelfer. Von dieser Definition hängt die Höhe der finanziellen Sicherung ab. Sie erhalten ein Unterhaltsgeld oder Gehalt, Zuschüsse, Reisekosten, Wiedereingliederungshilfe und andere soziale Absicherung. Im weiteren Verlauf der Diplomarbeit werden die Begriffe: Fachkraft, Experte und Entwicklungshelfer unabhängig von Qualifikation und Position synonym verwandt. Es besteht auch die Möglichkeit bei NGO’s und Stiftungen zu arbeiten, die nicht nach dem Entwicklungshelfergesetz anerkannt sind. Ungezählt sind die vielen kleinen privaten Vereine und Initiativen, die in der EZ tätig sind. In Deutschland gibt es zu dem das BMZ, welches keine eigenen Projekte durchführt, sondern staatliche und private Organisationen wie die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) damit beauftragt. Auch die Vereinten Nationen (UN) sind in der Entwicklungszusammenarbeit zum Beispiel durch die Weltbank, die UN-Flüchtlingskommission (UNHCR), den Internationalen Währungsfond (IWF) oder der Welthungerhilfe (WFP), um nur einige zu nennen, vertreten.
23 vgl. Andersen 2002, S. 37f.
24 Stand 2005, S. 7
25 DED, AGEH, EED=DÜ, CFI, EIRENE, WFD, CIM
18
Die verschiedenen Institutionen verkörpern verschiedene Werte, Grundsätze und Arbeitsweisen und handeln in unterschiedlichen Bereichen, die sich mitunter überschneiden und nicht klar voneinander trennbar sind.
Mögliche Tätigkeitsfelder von Menschen, die in der EZ arbeiten möchten, liegen in der Land- und Forstwirtschaft, Ernährung, Geographie, Wirtschaft, Bildung, Technik, Handwerk, Gemeinwesenarbeit und Infrastruktur, Gesundheit, Medizin, Soziales und Umwelt. Hierzu ist anzumerken, dass alle Tätigkeiten in den benannten Sektoren sozialarbeiterisches Handeln einschließen, wenn sie in einem Entwicklungsland stattfinden.
3.5. Ziele und Grundsätze der Entwicklungszusammenarbeit
Nach der Betrachtung der Motive und Tätigkeitsfelder für Entwicklungshilfe werden im Folgenden ihre vielfältigen Ziele und Grundsätze beleuchtet werden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es um politische und wirtschaftliche Selbstbestimmung des Empfängerlandes, um partnerschaftliche Kooperation und um die Beihilfe zu sozialem und wirtschaftlichem Fortschritt geht. Des Weiteren werden Chancengleichheit auf dem Weltmarkt, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit für alle Menschen, das Bewahren natürlicher Ressourcen und die Bekämpfung von Massenarmut genannt. 26 In der Kritik von Nohlen ist sie größtenteils nicht Selbstzweck, sondern vor allem in der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit an Vorteile für das jeweilige Industrieland gebunden und dient damit weniger dem eigentlichen Grundsatz sich selbst überflüssig zu machen. 27
Außerhalb dessen lässt sich auf die oben aufgeführte Definition von Entwicklung von Nohlen und Nuscheler verweisen, die allgemeingültig die Grobziele von Entwicklungshilfe verdeutlicht. Sie wird von ihnen selbst jedoch als utopisch bezeichnet. Für die meisten Menschen in der Dritten Welt ist Entwicklung die
26 vgl. Nuscheler 1996, S. 17
27 vgl. Nohlen 2002, S. 231
19
Befriedigung von existenziellen Grundbedürfnissen und der Wunsch nach Sicherheit. 28
Hilfe zur Selbsthilfe und Befriedigung der Grundbedürfnisse sind Voraussetzungen und Grundsätze zur aufholenden Entwicklung mit ökologischer und entwicklungspolitischer Nachhaltigkeit. Wichtig ist dabei die Einbeziehung (Partizipation) der Zielgruppe um Identifikation zu fördern, eigene Kräfte zu mobilisieren und die Bedürfnisse der Zielgruppe nicht zu verfehlen. Damit wird insgesamt eine größere Effektivität erreicht. Nuscheler zählt die Achtung der Souveränität und der Eigenverantwortlichkeit eines Landes zu Aspekten, die für die Entwicklungspolitik von Bedeutung sind. Dazu gehört auch der Respekt der kulturellen Identität des jeweiligen Landes gegenüber. 29
Durch Bliss werden die Grundprinzipien mit dem Aspekt erweitert, dass auswärtige Unterstützung nur dort ansetzen soll, wo keine hinreichenden eigenen Möglichkeiten des betreffenden Landes vorhanden sind. Die Hilfe soll nachrangig und ergänzend zur Eigenanstrengung sein. 30
3.6. Arten der Entwicklungszusammenarbeit
Nachdem deutlich geworden ist nach welchen Grundsätzen die deutsche EZ arbeitet, wird im Folgenden aufgezeigt werden, wie die verschiedenen Arten von Entwicklungshilfe aussehen können.
Nach Andersen werden sie in verschiedene Unterscheidungsmerkmale gegliedert. Ein erstes Kriterium ist, ob die Hilfe von einem öffentlichen oder privaten Träger geleistet wird. Zu den privaten Organisationen zählen unter anderen kirchliche Einrichtungen wie „Misereor“ und „Brot für die Welt“ oder Wirtschaftsunternehmen. Unkonfessionell arbeitet der Weltfriedensdienst (WFD). Öffentliche Träger dagegen sind zum Beispiel die GTZ und zum Teil auch der Deutsche Entwicklungsdienst (DED). Die Vorteile der privaten NGO’s sind die Unabhängigkeit von staatlichen Vorgaben und die Ungebundenheit an das Nicht-
28 vgl.Nuscheler 1996, S. 198
29 vgl. ders. 1996, S. 17
30 vgl. Bliss 2000, S. 30
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Einmischungsgebot in die inneren Obliegenheiten eines Empfängerlandes. Außerdem arbeiten sie in der Regel näher an gesellschaftlichen Randgruppen und Oppositionellen.
Die zweite Unterscheidung liegt in der Vergabeart der Hilfe. Es ist möglich direkt bilateral zwischen dem Geberland und dem Empfänger oder indirekt multilateral über internationale Organisationen, wie die UN eine ist, zu agieren. Sie gelten als unabhängiger und weniger im eigenen Interesse handelnd, wobei die Kontrollmechanismen bilateral effizienter sind.
Als Nächstes sind die gebundenen bzw. ungebundenen Hilfen zu nennen. Hierbei handelt es sich um Entwicklungshilfe, die die Bestückung eines Projektes mit den notwendigen Gütern an die Lieferung des Geberlandes bindet oder nicht.
Viertes Kriterium ist die Bindung des Empfängers an bestimmte Konditionen bzw. die freie Entwicklungshilfe. Gefordert werden konkrete Voraussetzungen für die Entwicklungszusammenarbeit. Das können zum Beispiel rechtsstaatliche Forderungen wie freie Wahlen und/oder die Einhaltung von Menschenrechten sein. Die Gefahr dieser Hilfe besteht in der Durchsetzung eigener Interessen, ist aber auch eine gute Möglichkeit der wirkungsvollen Verwendung der Gelder. Bedingungslose Hilfen geben dem Empfänger größeren Handlungsspielraum.
Eine weitere Art von Entwicklungshilfe liegt in der Projekt- und Programmhilfe. Es handelt sich entweder um ein gezieltes Einzelkonzept wie der Bau eines Brunnens oder um ein breit gefächertes Maßnahmepaket, zum Beispiel zur Entwicklung einer ländlichen Region. Letzteres ist weniger anfällig lediglich ein Geltungsprojekt zu sein, bietet aber nicht die Möglichkeit der direkten Kontrolle, wie es bei der Projekthilfe möglich wäre. Mittlerweile existiert auch die Art der Budgethilfe auf einem experimentellen Stand. Es werden finanzielle Hilfen direkt für den Haushalt des Empfängerlandes geleistet.
Fünfte Möglichkeit in der Entwicklung zusammen zu arbeiten, ist die finanzielle Hilfe, die durch Zuschüsse oder günstige Darlehen wirtschaftliche und soziale
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Infrastruktur verbessern soll. Dem entgegen steht die technische Zusammenarbeit, die nicht-materieller Art ist. Hierbei werden Fachpersonal, Aus-, Fortbildungs- und Beratungsmaßnahmen entsandt. Beides findet häufig auch gekoppelt statt. 31 Die Entsendung oder Anforderung von im sozialen Bereich ausgebildeten Fachkräften ist eine personelle Zusammenarbeit. Da sie in der Regel mit Programmen und Projekten in Verbindung steht, entspricht sie demzufolge der technischen Zusammenarbeit.
3.7. Folgen der Entwicklungshilfe für die Dritte Welt
Mehrere Aspekte der Entwicklungshilfe wurden bereits deutlich. Die Folgen der EZ sollen in diesem Abschnitt angeschnitten werden.
Hierbei wird unter anderem deutlich, dass Transferzahlungen aus Entwicklungshilfe laut Bierschenk in Afrika einen Anteil an den Staatseinnahmen bilden. Dieser hat eine ähnlich große Bedeutung wie Einnahmen aus Steuern, Zöllen und Gewinnen. Nationale Behörden unterhalten direkte Beziehungen zu ausländischen Gebern, weil das höhere Einkünfte bringt, als über die eigenen Ministerien zu gehen. Daher ist ein entwicklungsplanerisches Vorgehen für das gesamte Land schwierig und Projekte siedeln sich möglicherweise dort an, wo sie nicht zwingend gebraucht werden. Missgunst und Neid entstehen zischen den Regionen. Des Weiteren ist ein Wachsen des Verwaltungsapparates im Empfängerland zu beobachten. Dies geht mit Erhöhung von Beschäftigungszahlen im öffentlichen Dienst und deren Finanzierung einher. Zusätzlich wurde ein Anstieg von Bestechlichkeit innerhalb von Behörden festgestellt. Die Entwicklungshilfe beeinflusst auch gesellschaftliche Strukturen in den Regionen von Projekten. Die Einflussnahme findet sich bei Traditionen, Verhaltensweisen und Lebensweisen der einheimischen Bevölkerung. Sie führt häufig zu einer Verminderung der Sicherheit des Überlebens der Zielgruppe. 32
Entwicklungshilfe erhöht die Abhängigkeit der Dritten Welt von den Industrieländern. Vor allem wenn es sich um gebundene, konditionale, finanzielle und die technische Zusammenarbeit handelt, ist das der Fall.
31 vgl. Andersen 2002, S. 41ff.
32 vgl. Bierschenk 1993, S.13ff.
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4. Entwicklungszusammenarbeit - ein Arbeitsfeld für die Soziale Arbeit 4.1. Schnittstellen der Sozialarbeit mit der Entwicklungszusammenarbeit Um herauszufinden in wie fern Schnittstellen der Sozialen Arbeit mit der Entwicklungshilfe vorhanden sind, werden die Definitionen, Grundsätze und Ziele beider Felder miteinander verglichen.
Dabei fällt auf, dass Stichworte wie Hilfe zur Selbsthilfe und Partizipation bei beiden Arbeitsfeldern genannt werden. Zu erweitern sind die Schnittstellen durch das Abholen des Klienten dort, wo er steht und durch die Nutzung der vorhandenen Ressourcen des Klienten. Das Subsidiaritätsprinzip ist gleichfalls in beiden Berufsfeldern zu finden. Mit Einbezug der sozio-kulturellen Komponente entspricht Entwicklungshilfe den Ansätzen der Sozialarbeit. Das Ziel sich selbst überflüssig zu machen, verbindet beide Tätigkeitsfelder. 33 Allerdings werden die Zielgruppen in der Entwicklungszusammenarbeit nicht als Klienten, sondern als Partner bzw. Zielgruppe bezeichnet, was eine bessere Verdeutlichung der Zusammenarbeit auf gleicher Ebene gewährleisten soll. 34 Das Erreichen von sozialem Fortschritt und damit die Veränderung der Lebenssituation von Benachteiligten und Menschen in besonderen und/oder schwierigen Lebenslagen sind Ziele nach denen sowohl Soziale Arbeit wie auch Entwicklungshilfe streben. Gleichfalls geht es beiden Dienstleistungssektoren um Gleichberechtigung und Gerechtigkeit. Bei der Arbeit im interkulturellen Kontext legen auch wieder beide Felder Wert auf den Respekt der kulturellen Identität ihrer Zielgruppe.
Werden jedoch die Aspekte der Entwicklungshilfe bei der Bekämpfung von Massenarmut, der Befriedigung von existenziellen Grundbedürfnissen und dem Verlangen nach Sicherheit betrachtet, findet professionelle Soziale Arbeit ihre Grenzen. Hier liegen die Zuständigkeiten in der Politik.
4.2. Möglichkeiten der Sozialen Arbeit in der Entwicklungshilfe
Grundsätzlich besteht Hilfe in sozialen Notlagen in Entwicklungsländern aus dem Lösen von Problemen durch die Großfamilie, den Stamm, den Clan oder anderen dörflichen bzw. familiären Gemeinschaften. Es ist jedoch ein Rückgang dieser
33 vgl. Passon 1999, S. 98
34 Diese Erkenntnis ergab sich aus dem ersten Interview.
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sozialen Sicherung zu verzeichnen. Zunehmend werden jene Aufgaben in Form von professioneller Sozialer Arbeit durch religiöse Vereinigungen, private Wohlfahrtsorganisationen und zum Großteil durch staatliche Ministerien mit Hilfe von einheimischen Sozialarbeitern und der Entwicklungshilfe übernommen. Soziale Arbeit ist jedoch je nach Land verschiedenartig weit ausgeprägt und unterschiedlich unabhängig vom Vorbild der wohlhabenden Staaten entwickelt. Hauptsächlich ist es so, dass die Methoden Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit beinahe unverändert international verbreitet sind. 35 Es hat ein Transfer von Methoden und Theorien gegeben, die eventuell in die jeweilige Landessprache übersetzt wurden, aber grundsätzlich ohne Berücksichtigung der unterschiedlichen geschichtlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen blieben.
Koslowski bezeichnet soziale Wohlfahrtspolitik als Luxus, den sich die betreffenden Länder der Dritten Welt kaum leisten können, was ein Grund für wenig vorhandene einheimische Soziale Arbeit ist. Die Finanzen sind allgemein notdürftig. Auf Grund der hohen Kosten und nur indirekt und langfristig messbaren Erfolgen gehen die Gelder vorrangig in die Wirtschaftsförderung, wobei mitunter auch davon ausgegangen werden kann, dass wirtschaftliche Entfaltung auch soziale Entwicklung nach sich zieht. Diese Einschätzung findet auch Kritiker. 36
Trotzdem es immer vor allem NGO’s gegeben hat, die Sozialwissenschaften in ihre Projekte einbezogen, ist laut Passon erst die Entdeckung sozio-kultureller Einflüsse auf den Erfolg von Entwicklungsprojekten in den 80er Jahren verantwortlich für die Etablierung von Sozialwissenschaft in die EZ. Besonders die Lösung von gemeinnützigen Fragen im Bereich der Entwicklungshilfe kann eine Aufgabe von Sozialpädagogen sein. 37 Der Schwerpunkt von Sozialer Arbeit in der EZ liegt in der Gemeinwesenarbeit und Einzelfallhilfe. Vom kulturellen Hintergrund in einem Dritte Welt Land ausgehend, sind es selten einzelne
35 vgl. Koslowski 1995, S. 102ff.
36 vgl. dies. 1995, S. 78ff.
37 vgl. Passon 1999, S. 42
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Menschen, die relevante Hilfe benötigen, sondern eher Gemeinschaften. 38 Tiefenpsychologische Einzelfallhilfe ist kulturell bedingt daher nicht angebracht. Im Community-Development-Bereich (Gemeinwesenarbeit) kann die Arbeit eines Sozialpädagogen darin bestehen, die Gemeinde in der Entscheidungsfindung einer Verwirklichung von Baumaßnahmen wie Straßen, Brunnen und Schulen aufzuklären, zu unterstützen und ihre Interessen gegenüber den technischen Fachkräften zu vertreten. Hier geht es um Teilhabe, was eine gezielte Stärkung (Empowerment) der Zielgruppe bedeutet, wo der Sozialarbeiter bei der Durchführung und Koordination eine wichtige Rolle spielen kann. Im Bereich der vorherigen Planung und nachherigen Evaluation können sie sich in einem Team von technischen Spezialisten wieder finden. Zu dieser Thematik erörtert Bliss, dass sozio-kulturelle Fragestellungen nicht nebenbei durch fachfremde Experten geklärt werden dürfen, sondern durch die entsprechenden kultur- und sozialwissenschaftlichen Fachleute abgedeckt werden müssen. Sie sollten nicht als zusätzlicher Kostenfaktor gesehen werden, sondern als eingegliederter Teil der Gesamtfinanzierung und der Beseitigung von Entwicklungsbarrieren. 39
Außer Dorfentwicklungsprojekte bzw. Gemeinwesenarbeit gibt Passon zusätzlich Einsätze in den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit, Gender und im Bereich der Familienberatung und -planung innerhalb von Bevölkerungspolitiken an. Auch den Bildungsbereich mit Ausbildung, Fortbildung und Alphabetisierung erwähnt er. 40
Heil erweitert das Arbeitsspektrum der Sozialen Arbeit in dem er die Teilbereiche Gesundheitsfürsorge, allgemeine Behindertenarbeit, Verwaltungs- und Organisationsentwicklung und Beratertätigkeit für Organisationen und Ministerien mit einschließt. 41
Des Weiteren finden sich bei Passon noch Arbeitsfelder innerhalb der westlichen Welt. Er erwähnt zum Beispiel die Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen aus Entwicklungsländern und die Öffentlichkeitsarbeit zur entwicklungspolitischen
38 vgl. Passon 1999, S. 36
39 vgl. Bliss 2000, S. 94
40 vgl. Passon 1999, S. 46f.
41 vgl. Heil 2001, S. 48f.
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Bewusstseinsbildung der Gesellschaft, die hier aber nicht weiter besprochen werden sollen. 42
Ein relativ neues Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit in der
Entwicklungszusammenarbeit stellt der Zivile Friedensdienst dar. Hauptaspekte des Dienstes sind die Themen Krisenprävention und Konfliktbearbeitung, wobei gewaltfreie und interkulturelle Kommunikation und Mediation eine wichtige Rolle spielen, welche in der Sozialpädagogik gleichfalls vertreten sind. Demzufolge kann die Förderung von demokratischen Strukturen, Zivilgesellschaften und Menschenrechten, die relevante Arbeitsinhalte des Zivilen Friedensdienstes sind, von Sozialarbeitern ausgeführt werden.
Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass bei gleicher Qualifikation einheimische Fachkräfte den Ausländischen vorzuziehen sind. Der Vorteil ausländischer Fachkräfte ist ihre Unabhängigkeit von lokalen Machtverhältnissen zum Beispiel in Bezug auf den Arbeitsplatz und das persönliche Umfeld. Sie werden nicht auf Dauer im Land bleiben und sind nicht persönlich abhängig von bestimmten Bedingungen. Anders stellt sich die Situation bei einheimischen Beschäftigten dar. Von ihnen könnte unter Umständen erwartet werden, im Sinne von Interessenten zu handeln. Diese Gefahr besteht auch bei ausländischen Helfern, sie werden jedoch nicht auf Dauer im Ausland leben und sind daher nicht persönlich auf die Strukturen im Gastland angewiesen. Sie können eher im Interesse des Projektes handeln. 43
4.3. Anzahl der sozialen Fachkräfte
Laut Wassiek bewerben sich Menschen mit sozialen und pädagogischen Berufen häufig in der Entwicklungshilfe. Ihre Beweggründe sind nicht selten fundiert und ihr Kenntnisstand über Entwicklungshilfe umfangreich. 44 Nachdem die Tätigkeitsfelder und Akteure allgemein im Punkt 3.4. deutlich und im vorherigen Kapitel die Möglichkeiten der Sozialpädagogen näher erläutert wurden, soll
42 vgl. Passon 1999, S. 44
43 vgl. Mezger 1994, S. 6
44 vgl. Wassiek 1987, S. 41
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heraus gefunden werden, wie groß das Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit im Verhältnis mit anderen Fachbereichen ist und wie viele Sozialarbeiter aktiv sind.
An Hand der Tabelle II des BMZ ist zu erkennen, dass die staatliche GTZ mit 1166 und der halbstaatliche DED mit 984 entsandten Fachkräften im Jahr 2005 die beiden größten Endsendeorganisationen in Deutschland sind. Mit Hilfe dieser Angaben und der entsandten Fachkräfte des Centrums für Migration (CIM) wird der soziale Sektor beleuchtet werden.
Tab. II: Entsendung, Vermittlung und Einsatz von Fachkräften
Quelle: BMZ Medienhandbuch 2006/2007
Aus dem nachfolgenden Diagramm der GTZ ist zu entnehmen, dass der Bereich Soziales einen relativ kleinen Platz bei den Projekten der GTZ einnimmt bzw. sich mit den Fächern Gesundheit und Bildung teilt. Er beläuft sich auf insgesamt 14,2 Prozent im Jahr 2006. Es ist nicht eindeutig, wie viel Prozent davon allein auf den sozialen Sektor fallen. Deutlich wird aber, dass die sozialen Disziplinen vermutlich weniger als ein Zehntel der Entwicklungsarbeit des größten Endsenders von Fachkräften ausmachen. Es bleibt zu vermuten, welche Bereiche von den fehlenden 7,7 Prozent abgedeckt werden. Es könnte sich hierbei um Verwaltung und Finanzen handeln.
45
Alternativ werden die Größenverhältnisse bei der Verteilung der Fachbereiche der zweit größten Endsendeorganisation, dem DED, betrachtet. Auch hier ist festzustellen, dass der Bereich soziale Grundsicherung mit dem Bereich Gesundheit zusammen verbucht wird und lediglich 9,7 Prozent ausmacht. Auch im Gebiet des Zivilen Friedensdienstes und der Konfliktbearbeitung sind Sozialarbeiter tätig, worauf beim Deutschen Entwicklungsdienst 7 Prozent entfallen. Es sind vermutlich nicht mehr als 10 Prozent, die zum Zweig „Soziales“ zuzurechnen wären. Die Bildungstätigkeit, im Rahmen derer Sozialarbeiter auch des Öfteren anzutreffen sind, fällt ganz weg.
45 vgl. GTZ-Jahresbericht 2006, S. 37
46
Als dritter Vergleichspunkt sollen die Schwerpunktsektoren des CIM gelten. Hier wird kein Bereich erfasst, der sich konkret mit sozialen Belangen beschäftigt. Dafür ist im Gegensatz zum DED der Bereich Bildung mit 4,4 Prozent zu gegen. Demokratie und Friedensentwicklung ergeben 14,8 Prozent. Es ist möglich in diesen Bereich Sozialarbeiter einzusetzen.
46 vgl. DED-Jahresbericht 2006, S. 19
Die Mehrzahl der Integrierten Fachkräfte leistet durch ihre Arbeit einen Beitrag zu mehreren BMZ-Schwerpunktsektoren. Für die vorliegende Statistik konnte pro Integrierter Fachkraft nur ein 47
Schwerpunktsektor ausgewählt werden.
Vergleichend seien noch die absoluten Zahlen des WFD angefügt, welcher jeweils zum 31. Dezember der Jahre 2002 bis 2006 im Durchschnitt 19 Fachkräfte in den Projekten in Entwicklungsländern verzeichnete, von denen im Schnitt zwei Personen Sozialarbeiter waren. Ihre Tätigkeitsfelder liegen im Zivilen Friedendienst und in der Menschenrechts- bzw. Frauenarbeit. 48
Aus den vorliegenden Daten lässt sich ein Anteil von ca. 10 Prozent der gesamten Entwicklungshilfe, die auf den sozialen Sektor fallen, schätzen.
Gemeinhin ist bekannt, dass die Soziale Arbeit in Deutschland durch Mitarbeiter des weiblichen Geschlechts dominiert wird. Zumindest für den WFD trifft dies beim Auslandseinsatz zu. Aus den Jahresberichten der letzten fünf Jahre geht hervor, dass alle entsandten Sozialarbeiter Frauen gewesen sind. 49 Um eine Aussage über die geschlechtliche Verteilung der Entwicklungshilfemitarbeiter allgemein treffen zu können, war es angedacht, erneut die Daten der drei führenden Organisationen unter diesem Aspekt zu untersuchen. Lediglich das CIM hatte eine brauchbare Datensammlung zu diesem Thema. Aus dem
47 vgl. CIM-Jahresbericht 2006, S. 5
48 vgl. WFD-Jahresberichte 2002 - 2006
49 vgl. ebenda
30
Jahresbericht 2003 ist zu erkennen, dass die Entwicklungszusammenarbeit grundsätzlich männerdominiert ist. Nur im Bereich soziale Infrastruktur und Sozialfürsorge ist eine annähernde Ausgeglichenheit zu verzeichnen.
Fachkräfte des CIM nach Geschlecht und Sektoren
50
Es ist nach der Auswertung der Diagramme nicht nur festzustellen, dass der soziale Zweig in der EZ entgegen der allgemeinen Ansichten relativ gering ausfällt, Wassiek schreibt zudem, dass die Entwicklungsdienste zwar eine große Anzahl von Fachkräften im Bereich „Soziales“ entsenden, diese aber in der Regel keine ausgebildeten Sozialarbeiter sind, sondern andere Experten. 51
Dannecker bestätigt, dass viel weniger Sozialwissenschaftler als handwerklichtechnische Berufe von den Entwicklungsländern angefordert werden. 52 Zudem merkt Goeth an, dass die von der Politik als Millenniumsziel angestrebte Aufstockung der finanziellen Hilfen auf 0,7% des BSP in Deutschland nicht automatisch eine Aufstockung der personellen Entwicklungszusammenarbeit mit
50 vgl. CIM-Jahresbericht 2003, S. 41
51 vgl. Wassiek 1987, S. 42
52 vgl. Dannecker 1988, S. 4
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Dipl. Sozialpädagoge/ Sozialarbeiter Stephanie Schmidt, 2008, Soziale Arbeit im Entwicklungskontext, München, GRIN Verlag GmbH
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