Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 1
2. Definition
2.1 Großkönige 2
2.2 Satrap 3
2.3 Satrapien 4
3. Satrapien im Persereich - die Satrapie Ägypten
3.1 Geschichte Ägyptens unter persischer Herrschaft 6
3.2 Die Verwaltung unter dem Satrapen 7
3.3 Im Blick: die Überwachung durch den Großkönig 9
4. Zusammenfassung 10
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Großkönige und Satrapen - zwei Begriffe, die in der persischen Geschichte einen fundamentalen Platz einnehmen, waren sie doch maßgeblich an Aufstieg und Niedergang dieses ersten Weltreiches der Geschichte beteiligt. Doch bei der Betrachtung des persischen Großkönigs und seinen ihm unterstellten Satrapien mit den einzelnen Satrapen als ‚verlängerte Hand’, ist im Rahmen dieser Hausarbeit angestrebt, einen genaueren Blick darauf zu werfen, inwiefern eine Satrapie organisiert, verwaltet und dadurch erfolgreich regiert werden konnte.
Ägypten, als Satrapie im Jahre 525 v. Chr. von Kambyses unterworfen 1 , soll als Gegenstand dieser Betrachtung fungieren, da sich hier die einzelnen Strukturen und Verwaltungsebenen des Perserreiches gut darstellen lassen. Verschiedene klassische Quellen wie Herodot, Diodor, Plutarch, Thukydides oder auch Xenophon berichten über die Verwaltung Ägyptens unter persischer Herrschaft und vermitteln so zahlreiche Anhaltspunkte, die für die Analyse und Darstellung der Organisationsstruktur wichtig sind.
Ein Problem, welches bei der Bearbeitung des Themas auftritt, ist die Tatsache, dass sich das heutige Bild des Perserreiches ungefähr wie folgt darstellt: „Das Perserreich war von einem Netz von ca. 20-30 Satrapien überspannt, die durch den Perserkönig bestimmte
Beamte verwalteten. 2 “ Wie straff die Verwaltung strukturiert und inwieweit die Hierarchie gestaffelt war, ist völlig ungeklärt. Denn im Laufe der Jahrzehnte unterlag die Verwaltungsstruktur des Achaimenidenreiches stetigen und wandelnden Veränderungen, die letztlich im Jahre 332 mit der Besetzung Ägyptens durch den makedonischen König
Alexander im Zuge seiner Eroberungen übernommen wurde. 3 Doch diese Problematik soll in der vorliegenden Hausarbeit nur marginal gestreift werden.
Im ersten Teil der Hausarbeit wird nun auf die Begriffe Großkönig und Satrapie als ursächliche Begriffe eingegangen und dargestellt, wie diese zusammenhingen bzw. voneinander abhängig waren. Der persische Großkönig als unumstrittenes Oberhaupt, mit seinen eingesetzten Herrschern über die verschieden Provinzen des Reiches, hatte neben der Funktion als Regent auch die Überwachung seiner Satrapien und die damit zusammenhängende Gewährleistung eines funktionierenden Reiches mittels Produktion von Nahrungsmitteln und Steuerabgaben zu beaufsichtigen.
1 Vgl. Wiesehöfer, Josef: Das antike Persien. Von 550 v. Chr. bis 650 n.Chr., Düsseldorf 1994, S.21.
2 Jacobs, Bruno: Die Satrapienverwaltung im Perserreich zur Zeit Darius III (Beihefte zum Tübinger
Atlas des Vorderen Orients, Reihe B., Nr.87), Wiesbaden 1994, S. 3.
3 Vgl. Engels, Johannes: Phillip II. und Alexander der Große (Geschichte Kompakt), Darmstadt 2006, S. 53.
2. Definition
2.1. Großkönige
Das Wort Großkönig stammt aus der Zeit der Achaimeniden, einer altpersischen Dynastie,
insbesondere derer des Dareios, der 522 v. Chr. den persischen Königsthron bestieg 4 , und
bedeutet soviel wie „König der Könige 5 “. Dieses bewusst im Plural gehaltene Herrschafts- bild beschreibt den Anspruch des Großkönigs, die Herrschaft über Länder/ Völker als
Grundpfeiler seiner Macht zu machen und demzufolge auch den Titel des Großkönigs zu
beanspruchen 6 . Diese Bezeichnung oder auch Titulatur machte ihn nicht nur zum Herrscher über das Reich, welches er von seinem Vater, Kambyses II. übernommen hatte,
sondern mittels Eroberungen und Expansionen eignete er sich weit reichende Ländereien
an, die in Ägypten beginnend bis an das heutige Indien führten. Dies bot dem Titel
Großkönig auch die Grundlage, denn mittels Eroberungen und Ausbreitung in immer
weiter entlegene Gebiete machte er sich zum einen zum König der neu unterworfenen und
stand damit zum anderen auch eine Ebene über dem besiegten König im eroberten Land 7 .
Der Großkönig war der absolute Herrscher im Reich, denn er bestimmte die Politik, die
Justiz und natürlich das Militär. Viele Herrscher beriefen sich auf den Umstand direkt der
Linie der Achaimeniden zu entspringen, als Legitimation der Regentschaft als Großkönig 8 . Der Großkönig wurde in seinem Reich nicht als Gott verehrt, jedoch bildete „das
besondere Verhältnis zu den Göttern eine Art Herrschaftslegitimation“ 9 . Als der Repräsentant der Götter auf Erden ist er ausgestattet mit göttlichem Glanz oder
königlichem Charismas 10 .
Auch wenn die Herrschaft der Achaimeniden nur knapp 230 Jahre währte 11 , so entsprangen dieser Dynastie doch einige der entscheidendsten persischen Persönlichkeiten
wie Kyros dem Großen, der das mächtige Reich begründete 12 , oder auch den bereits
erwähnten Dareios, der in seiner Amtszeit von 522 – 486 v.Chr. 13 entscheidende Richtlinien und Gesetze herausgab, welche die Verwaltung und Organisation des
Perserreiches geradezu wegweisend für spätere Regierungen und Herrscher machten 14 .
4 Vgl. Brosius, Maria: The Persians. An Introduction (peoples of the ancient world); New York 2006, S. 15. 5 Wiesehöfer 1994, S.53.
6 Vgl. ebd., S.54.
7 Vgl. Briant, Pierre: From Cyros to Alexander. A history of the Persian Empire, Winona Lake 2002, S. 178. 8 Vgl. Brosius 2006, S. 32.
9 Ebd., S.55.
10 Ebd.
11 Ebd., S. 201.
12 Hdt. I, 130.
13 Vgl. Brosius 2006, S. 201.
14 Ebd., S. 20.
2.2. Satrap
Zur Rolle der Satrapen als verlängerte Hand des Großkönigs und damit der Organisation des Perserreiches muss festgehalten werden, dass viele Organisations- und Verwaltungs- strukturen der damaligen Zeit auf Modellen berühmter Länder wie Ägypten, Mesopotamien oder der Levante (Syrien, Jordanien, Israel, Libanon) basierten und viele
Herrscher diese einfach übernahmen 15 . Die Leistung der Perser, und allen voran der des Kyros, einem Vorgänger des bereits erwähnten Dareios I., bestand darin, die alten, festgefahrenen Strukturen der besetzten und eroberten Länder außer Kraft zu setzen und ihnen eine Verwaltungsstruktur nach persischem Vorbild zu geben. Jeder der neuen Länder des persischen Reiches wurde nun eine Art Statthalter an die Spitze gesetzt, mit der
Bezeichnung ‚Satrap’, was mit „Beschützer des Reiches 16 “ zu übersetzen ist. „Der Satrap besitzt demnach also selbst kein Reich, sondern ist nur in seiner schützenden Handlung
darauf bezogen. 17 “ Jede der bis zu 30 Regionen oder Satrapien im Großreich Persien 18 hatte nun einen Vorsteher, der zu Beginn noch aus einem regional begrenzten Personenkreis bestimmt wurde, unter Dareios I. dann aber ausschließlich aus einem
Mitglied der königlichen Familie bestand 19 . Dass es hierfür auch Ausnahmen gibt, belegt Maria Brosius, indem sie beschreibt, wie der ägyptische Beamte Udjahorresnet von Dareios in die persische Verwaltung integriert bzw. übernommen wurde, nachdem er
bereits unter den Pharaonen gedient hatte 20 .
Die Aufgabe der Satrapen bestand darin, in ihren Satrapien Steuern einzunehmen, Besatzungstruppen zu besolden und anfallende Rechnungen (Löhne, Sold, Ankäufe) zu
bezahlen 21 . Dafür erhielten sie als Gegenleistung Land und Häuser, und wohnten in Residenzen, wo sie auch die Gewinne der Untertanen empfingen 22 .
Zusammenfassend ist zu sagen, dass Satrapen neben der Wahrung der Sicherheit der Satrapie durch judikative Funktionen und militärische Kompetenz; und der Verwaltung ihres zugeteilten Bereiches durch gezielte Förderung der Wirtschaft und durch Ausbildung eines Verwaltungsapparates mit entsprechender Infrastruktur auch die Funktion eines Repräsentanten des Großkönigs innehatten, welche die Vertretung und Sicherung der
Satrapie nach außen, und die Expansion im Interesse des Reiches zum Ziel hatte 23 .
15 Vgl. Brosius 2006, S. 47.
16 Ebd.
17 Wiesehöfer 1994, S.53.
18 Zur Diskussion um die abweichenden Länderzahlen siehe Wiesehöfer 1994, S.95. 19 Vgl. Brosius 2006, S. 47.
20 Ebd., S.48.
21 Xen. Kyr. VIII 6, 5.
22 Vgl. Klinkott, Hilmar: Der Satrap. Ein Achaimenidischer Amtsträger und seine Handlungsspielräume (Oikumene Studien zu antiken Weltgeschichte, Band 1), Frankfurt a.M. 2005, S. 34.
23 Ebd., S.37.
Arbeit zitieren:
Roman Behrens, 2007, Großkönige und Satrapen, München, GRIN Verlag GmbH
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