Schriftenreihe der Fritz & Renate Grabau Stiftung
Die Fritz und Renate Grabau Stiftung dient der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung, Kunst und Kultur sowie der Völkerverständigung. Die Förderung erfolgt durch die Pflege der internationalen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit und die Vermittlung eines umfassenden Deutschlandbildes durch Informationen und Veranstaltungen über das kulturelle, wissenschaftliche, gesellschaftliche und politische Leben. Die Förderung richtet sich vorwiegend an den kulturellen und wissenschaftlichen Nachwuchs der als Multiplikator auf allen gesellschaftlichen Ebenen dem Satzungszweck dienlich sein kann.
Die Stiftung fördert im Rahmen ihrer satzungsmäßigen Ziele, ihrer Förderrichtlinien und ihrer finanziellen Möglichkeiten Internationale Projekte von Einzelpersonen, Instituten / Initiativen und gemeinnützigen Vereinen, die der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung, der Förderung von Kunst und Kultur sowie der Völkerverständigung dienen.
Zusammen mit dem GRIN Verlag gibt die Grabau Stiftung die vorliegende Schriftenreihe heraus. Diese greift aktuelle und grundlegende Themen auf und legt sie in vertiefender und zugleich allgemein verständlicher Form dar. Sie leistet damit Beiträge zur Diskussion von politischen und sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Grundsatzfragen.
Redaktion der Schriftenreihe
Prof. Dr. Irina Hundt Maybachstr. 1 06112 Halle/Saale
Inhaltsverzeichnis
Investitionsklima in der Ukraine 2008
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. II
Tabellenverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
1 Einleitung. 9
2 Der Wirtschaftsstandort Ukraine. 12
2.1 Daten und Fakten 17
2.2 Die Ukraine - ein Teil von Westeuropa? - Politische Fragezeichen 26
2.3 Vergleich der Regionen 33
3 Standortspezifische Probleme und Anforderungen bei der Bearbeitung
des ukrainischen Marktes. 38
3.1 Rechts- und Steuerfragen, Rechnungslegung 39
3.1.1 Gründung 39
3.1.2 Steuerrecht 50
3.1.3 Arbeitsrecht. 61
3.1.4 Rechnungslegung. 64
3.2 Zoll. 68
3.3 Logistik 75
3.4 Korruption. 77
3.5 Interkulturelles Management 81
3.5.1 Personalgewinnung. 84
3.5.2 Kundengewinnung 89
4 Zusammenfassung 92
Anhangsverzeichnis VII
Anhang. VIII
Literaturverzeichnis XIII
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Bild 1.1: Büroflächenvergleich in Mio. m 10
Bild 2.1: Dislozierung der Ukraine in Europa 12
Bild 2.2: Anteil der Ukraine am Transit für russisches Erdgas 2005 13
Bild 2.3: Sprachverteilung in der Ukraine 14
Bild 2.4: Wechselkursverhältnisse. 15
Bild 2.5: BIP-Entwicklung der Ukraine in 20
Bild 2.6: Lieferpreise Gazprom für 1000m in US 21
Bild 2.7: Preisentwicklung der Gasimporte in US pro 1000 m 22
Bild 2.8: Vergleich der Gaspreise in US pro 1000 m 23
Bild 2.9: Kursentwicklung des PFTS 2002-2008 24
Bild 2.10: Haltung der EU-Bevölkerung zum EU-Beitritt der Ukraine 30
Bild 2.11: Regionale Einteilung der Ukraine 33
Bild 2.12: Industrieproduktion nach Regionen. 35
Bild 3.1: Arbeitslosenquoten in 85
II
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 2.1: Großstädte der Ukraine. 16
Tabelle 3.1: Gesellschaftsformen in der Ukraine 39
Tabelle 3.2: Übersicht der wichtigsten Steuerarten 50
Tabelle 3.3: Abschreibungssätze 66
Tabelle 3.4: Zollabfertigungsgebühren. 69
Tabelle 3.5: Korruptionspreisliste unter Präsident Kutschma 77
Tabelle 3.6: aktuelle "Bestechungstarife" 78
Tabelle 3.7: Zeitauffassungen. 83
III
Abkürzungsverzeichnis
Abs Absatz AG Aktiengesellschaft Art Artikel BGBl Bundesgesetzblatt BIP Bruttoinlandsprodukt BStBl Bundessteuerblatt bzw beziehungsweise ca cirka CMR Internationale Vereinbarung über Beförderungsverträge auf
DAAD Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V. DBA Doppelbesteuerungsabkommen DDP Delivered Duty Paid - frei verzollt (Incoterms) dt deutsch EU Europäische Union ENP Europäische Nachbarschaftspolitik EStG Einkommensteuergesetz EstG UA Einkommensteuergesetz der Ukraine et al et alii - und andere etc und so weiter (von lat.: et cetera - und die übrigen) EuGH Europäischer Gerichtshof EXW Ex Works - ab Werk (Incoterms) f folgende (Seite) ff fortfolgende (Seiten) gem gemäß GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung ha Hektar
IV
HR Human Ressources IHK Industrie- und Handelskammer ILO International Labour Organization - Internationale Arbeitsorganisation Incoterms International commercial terms - Internationale Handelsklauseln InvG Gesetz über Investitionstätigkeit kg Kilogramm KZpP Kodex der Gesetze über die Arbeit Lkw Lastkraftwagen Ltd Limited (englische Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung) Mrd Milliarden Mio Millionen MwStG Mehrwertsteuergesetz Nr Nummer OECD Organization for Economic Co-operation and Development
PFTS Leitindex der ukrainischen Börse PVC Polyvinylchlorid StaatsRegG Gesetz über die staatliche Registrierung von juristischen Personen und Privatunternehmern S Seite t Tonne TOV Gesellschaft mit beschränkter Haftung in der Ukraine u a unter anderem UA Ukraine UAH ukrainische Währung Griwna UkrSSR Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik UntGewG Gesetz über die Besteuerung der Unternehmensgewinne US$ amerikanische Währung US-Dollar UTC Coordinated Universal Time - koordinierte Weltzeit
V
usw und so weiter VAT Offene Aktiengesellschaft in der Ukraine Vgl Vergleich WGB Wirtschaftsgesetzbuch WiGG Gesetz über die Wirtschaftsgesellschaften WTO World Trade Organization - Welthandelsorganisation ZAT Geschlossene Aktiengesellschaft in der Ukraine z B zum Beispiel ZGB Zivilgesetzbuch Ziff Ziffer
VI
1 Einleitung
Unter den aufstrebenden Ländern Osteuropas ist die Ukraine - nach Russlanddas Land mit der größten Dynamik und mit den höchsten Zuwachsraten bei der Wirtschaftsentwicklung. Die Ukraine ist ein Land mit günstigen Produktionsmöglichkeiten und einem Absatzmarkt mit 46,6 Millionen Verbrauchern, die durch stark gestiegene Einkommen an Kaufkraft gewonnen haben. Diese beiden Faktoren machen die Ukraine zu einem sehr interessanten Standort und Markt für deutsche Unternehmen, sei es zum Aufbau einer Produktion oder für den Verkauf eigener Produkte, wobei der Absatz der eigenen Produkte für den Großteil der Unternehmen der Hauptgrund für ein Engagement in der Ukraine ist, wie eine Untersuchung der Interconnection Consulting ergab.
Aufgrund der enormen wirtschaftlichen Dynamik und des großen Marktpotentials kommt der Ukraine eine Sonderstellung unter den osteuropäischen Ländern zu. Das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre und die Orientierung des Landes nach Westeuropa seit der Orangenen Revolution machen das Land für ausländische Investoren und Produzenten interessant. Die Bedeutung der Ukraine, insbesondere auch für Deutschland, wird offensichtlich, wenn man die Außenhandelsbilanz der Ukraine analysiert. Im Jahr 2006 gingen 3,4% aller Exporte nach Deutschland (Platz 4) und 9,7% aller Importe kamen aus Deutschland (Platz 2). 1 Auch in den Direktinvestitionen in die Ukraine spiegelt sich die Dynamik der Wirtschaft wider. Von Januar 2001 bis Januar 2007 stiegen die ausländischen Direktinvestitionen um 460% und betrugen zu diesem Zeitpunkt 21,2 Mrd. US$. Mit einem Anteil von 26,5% an den gesamten Investitionen ist Deutschland der mit Abstand größte Investor. 2 Der Bausektor ist der Wirtschaftssektor, mit der größten Zuwachsrate von derzeit 26%. 3 Die gestiegenen Einkommen 4 und das allgemeine
9
Wirtschaftswachstum führen zu einem Boom beim privaten und kommunalen Wohnungsbau, großer Nachfrage nach Büroflächen und somit Bürogebäuden sowie einem hohen Bedarf an energetischer Sanierung des Altbestandes. Dabei entfallen 50% der Gesamtinvestitionen im Bausektor auf den Wohnungsbau und 40% auf Gewerbeimmobilien. In den Ballungszentren kann der ständig steigende Bedarf weder bei Wohnungen noch bei Büros gedeckt werden. Das starke Wirtschaftswachstum erfordert immer mehr Büroflächen. Das Potential wird deutlich, wenn man die Situation bei Büroflächen in Kiew mit anderen osteuropäischen Metropolen vergleicht. Anfang 2007 5 kam Kiew auf 0,6 Mio. m² Bürofläche, Prag auf 1,9 Mio. m², Budapest auf 1,2 Mio. m² und Warschau auf 1,4 Mio. m². Dieser Aspekt wird in Bild 1.1 grafisch dargestellt. 6
Der Weg in die Ukraine ist jedoch kein einfacher und der Schritt für deutsche Unternehmen nicht ohne Risiko. Lücken und Unzulänglichkeiten in der Gesetzgebung, ein undurchsichtiges Steuersystem und häufige Probleme mit der örtlichen Verwaltung stellen die größten Hindernisse für ausländische Investoren dar.
1 Vgl. http://www.economist.com/countries/Ukraine/profile.cfm?folder=Profile-
Economic%20Structure am 05.12.07
2 Daten vom Büro des Wirtschaftsberaters der Botschaft der Ukraine, Publikation Ausländische
Direktinvestitionen 2007 unter www.beratung-ukraine.de
3 Business Inform Ukraine, Investitionsführer Ukraine 2007, S. 13
4 Die gestiegene Kaufkraft der Bevölkerung wird auch an der Steigerung der
Einzelhandelsumsätze von durchschnittlich 20 % in den letzten 5 Jahren deutlich. Vgl.: Invest
Ukraine unter www.investukraine.org; Zugriffsdatum: 24.10.2007
5 Ende 2007 lag der Bestand bei 0,85 Mio. m²
6 Vgl. Ost-West Contact Ukraine 2007 S. 20
10
Die besonderen Gegebenheiten und Anforderungen einer Investition in der Ukraine mit besonderem Augenmerk auf den Problemen, die im Zusammenhang mit geschäftlichen Aktivitäten ausländischer Unternehmen in der Ukraine auftreten können sowie praktische Strategien zur Vermeidung von Fehlern sollen im Folgenden aufgezeigt werden.
Nach Darstellungen zur wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der Ukraine werden die einzelnen Regionen der Ukraine verglichen und beurteilt. In Kapitel 3 werden standortspezifische Probleme und Anforderungen bei der Marktbearbeitung in der Ukraine behandelt. Hier wird auf steuer-, zoll- und arbeitsrechtliche, buchhalterische und logistische Fragen, auf Besonderheiten bei der Unternehmensgründung, Personal- und Kundengewinnung sowie auf Probleme mit Korruption eingegangen.
11
2 Der Wirtschaftsstandort Ukraine
Das Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und mit 603.700 km ² , nach Russland, zweitgrößte Land Europas liegt im Süden Osteuropas am Schwarzen Meer und hat 46,615 Mio. Einwohner. 8 Davon sind 78% Ukrainer, 17% Russen, 0,6% Weißrussen, 0,5% Krimtartaren und 0,07% Deutsche. Insgesamt beheimatet die Ukraine über 100 Nationalitäten. 9
Die Ukraine grenzt an Russland, Weißrussland, die Republik Moldau, Rumänien, Ungarn, die Slowakei und Polen sowie an das Asowsche und das Schwarze Meer. Ukraine (u kraja - am Rande) bedeutet Grenzland. Dieser Begriff bezeichnet seit dem Mittelalter die Grenzregion zwischen der islamischen und der orthodoxen
7 Grafik entnommen unter http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Europe_location_UKR.png,
erstellt von David Liuzzo
8 Stand Januar 2007
9 Gem. der Volkszählung des Jahres 2001 (geschätzter Bevölkerungsrückgang: 271.000
Einwohner pro Jahr).
12
Welt. 10 Die Ukraine hat damit eine geopolitisch bedeutende Lage innerhalb Europas. Die Ukraine ist sowohl in Ost-West- als auch in Nord-Südrichtung ein wichtiges Transitland. In Nord-Süd-Richtung verbindet die Ukraine Russland über Straße oder Schiene und das Schwarze Meer mit der Türkei, Bulgarien und Georgien. Der Dnepr ist eine Wasserstraßenverbindung mit Weißrussland und die Donau mit Österreich und Deutschland. Von Osten nach Westen stellt der Weg durch die Ukraine die kürzeste Verbindung zwischen Westeuropa und Russland bzw. Asien dar. Über das Territorium der Ukraine verlaufen die drei Gaspipelines Bruderschaft (130 Mrd. m³ pro Jahr), Polarlicht (25 Mrd. m³ pro Jahr) und Transbalkan (20 Mrd. m³ pro Jahr), die russisches Gas nach Mitteleuropa bzw. zum Balkan transportieren. Die große Bedeutung der Ukraine als Gastransitland wird in Bild 2.2 deutlich. Auch nach der Inbetriebnahme der Ostseepipeline wird der Anteil der Ukraine am russischen Gastransit 65,54 % betragen.
Die Amtssprache ist Ukrainisch, jedoch wird in weiten Teilen des Landes russisch gesprochen. Viele Intellektuelle und Politiker sind besorgt darüber, dass Russisch die meistgesprochene Sprache ist und befürchten eine Verdrängung des Ukrainischen. Unter anderen Maßnahmen wurde deshalb am 19.04.2004 eine Regelung erlassen, die es landesweit ausstrahlenden Fernseh- und Radiosendern bis auf wenige Ausnahmen vorschreibt nur auf ukrainisch zu senden. 12 Allerdings fehlen die staatlichen Kontrollgremien, um diese Regelung zu überprüfen und so
10 Scheer, Serdyuk, Kulturschock Ukraine, 2007, S. 13
11 Bild und Daten von der Forschungsstelle Osteuropa unter www.laender-analysen.de;
Zugriffsdatum: 19.03.2008
12 Vgl.: http://www.netzeitung.de/medien/282207.html; Zugriffsdatum : 14.01.2008
13
ist auch diese Regelung praktisch nur auf dem Papier existent. 13 Besonders in der Süd- und Ostukraine bemüht man sich um die Anerkennung der russischen Sprache als zweite Amtssprache. Nach einer Studie des Kiewer Internationalen Soziologischen Instituts und des Soziologischen Dienstes des ukrainischen Alexander-Rasumkow-Zentrums 14 für Wirtschafts- und politische Studien sind 56,2% der Ukrainer für diese Regelung, 7,5% unschlüssig und nur 35,9% dagegen. 15 In den jüngsten Verhandlungen um die Regierungsbeteiligung ist die Partei der Regionen laut Wasyl Chara (Mitglied des politischen Rates der Partei der Regionen) allerdings bereit auf ein entsprechendes Referendum zu verzichten. 16
Für Investoren bedeutet dies, dass für den täglichen Geschäftsbetrieb Kenntnisse der russischen Sprache ausreichen, für die Bewältigung der bürokratischen Formalitäten allerdings ein Mindestmaß ukrainischer Sprachkenntnisse erforderlich ist.
13 Vgl. Scheer, Serdyuk (2007) S. 169
14 Benannt nach dem ukr. Politiker und Diplomaten Alexander Rasumkow; gest. 29.10.1999.
15 Vgl. http://russlandonline.ru/kulturua/morenews.php?iditem=1 vom 06.11.2007
16 Vgl. http://www.nrcu.gov.ua/index.php?id=475&listid=53675 vom 06.11.2007.
17 Die in der Grafik der Umfrageergebnisse angegebene Sprache Surschik ist eine Mischsprache
aus russischen und ukrainischen Elementen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Grafik
entnommen unter:
http://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%98%D0%B7%D0%BE%D0%B1%D1%80%D0%B0%D0%
B6%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B5:Languages_in_Ukraine.PNG,
14
Politisch gliedert sich die Ukraine in 24 Bezirke, die autonome Republik Krim und die Städte Kiew und Sewastopol. Die größten Städte sind in Tabelle 2.1 aufgelistet. In der Ukraine gilt die osteuropäische Zeit, das heißt UTC-Weltzeit + 2 Stunden. Die ukrainische Griwna, die 1996 eingeführt wurde, ist die Landeswährung, deren Wechselkurs zum Euro bei 1 Euro = 7,85613 Griwna (Stand 25.03.2008) liegt. Hier muss erwähnt werden, dass die ukrainische Griwna an den US-Dollar gekoppelt ist. Somit entwickelt sich der Wechselkurs der ukrainischen Griwna zum Euro parallel zum Euro-Dollar-Kurs.
Für die Einreise in die Ukraine braucht man seit dem 01.09.2005 als Bürger der EU, Liechtensteins und der Schweiz, kein Visum 19 mehr, an der Grenze ist jedoch die Immigration Card ausgefüllt vorzulegen. 20 Außerdem zu beachten ist, dass für die Ukraine nach dem Beschluss der Regierung Nr. 1021 vom 17.09.1997 eine anerkannte Krankenversicherung obligatorisch ist. Die Liste mit den von der Ukraine anerkannten deutschen Versicherungspolicen findet man auf der Internetseite der Botschaft der Ukraine.
18 Vgl.: Onvista unter: www.onvista.de; Zugriffsdatum: 25.03.2008
19 gilt für einen Aufenthalt bis zu 90 Tagen, gem. Präsidentenerlass Nr. 1131/2005
20 Man kann die Immigration Card auch vor der Reise ausfüllen. Ausdruck des leeren Formulars
ist im Internet unter http://www.ukraina.at/neues/immigrationskarte.html möglich. Hierbei ist
jedoch zu beachten, dass der Ausdruck die Maße des Originalformulars (Originalgröße: B
103mm H 147mm) hat. Eine Ausfüllanleitung befindet sich im Anhang.
15
21 Daten zu Einwohnerzahlen sind eine Schätzung des Staatskommitees der Ukraine für Statistik
zum 01.01.2006, aus Country Report Ukraine Mai 2007 von Coface Austria Coface Central
Europe unter http://www.ihk-regensburg.de/ihk-r/autoupload/officefiles/Ukraine.pdf
16
2.1 Daten und Fakten
Über 40 % der weltweiten Kohle- und Manganvorkommen finden sich in der Ukraine. Sie verfügt über ein Drittel des weltweiten Anteils an Schwarzerde, betreibt auf 56 % der Fläche Landwirtschaft, belegt aber gleichzeitig Platz 6 bei der Montanindustrie und laut BrainBench Platz 4 für zertifizierte IT-Fachkräfte. 22 Die Ukraine ist nach Russland die stärkste Wirtschaftsregion der ehemaligen Sowjetunion (BIP 2006 106,1 Mrd. US$). Seit der Orangenen Revolution und durch das enorme Wirtschaftswachstum ist die Ukraine für viele ausländische Investoren interessant geworden 23 ; sei es für die Nutzung der billigeren Arbeitskräfte, für arbeitsintensive Produktionsschritte oder die Bearbeitung des Binnenmarktes mit seinen mehr als 46 Millionen Verbrauchern. Das war jedoch nicht immer so. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte sich ein großer Gegensatz zwischen dem östlichen und westlichen Landesteil. Der reich mit Bodenschätzen ausgestattete Osten wurde auf Betreiben der zaristischen Regierung industrialisiert, während sich im landwirtschaftlich geprägten Westen nach Abschaffung der Leibeigenschaft 1861 eine bäuerliche Privatwirtschaft entwickelte. 24
Schon Anfang des 20. Jh. hatte die Ukraine, nach Russland, die zweithöchste Pro-Kopf-Industrieproduktion aller Sowjetrepubliken. 25 Die Gründung der Sowjetunion 1922 brachte dem Osten die vollständige Zwangsindustrialisierung und dem Westen die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Die Zwangsindustrialisierung erfolgte dazu noch einseitig auf Schwer- und Rüstungsindustrie sowie den Maschinenbau. Besonders im Osten der Ukraine gab es eine Überindustrialisierung. Die Etablierung einer verarbeitenden oder Konsumgüterindustrie wurde verhindert, um die Abhängigkeit der Sowjetrepubliken untereinander zu erhöhen. Damit waren sie gezwungen, sich zu
22 Vgl.: Invest Ukraine unter www.investukraine.org; Zugriffsdatum: 24.10.2007
23 Vgl.: Broll, Förster (2007) S. 49-59
24 Vgl. Kudert (2006) S. 5
25 Vgl. Babanin, Dubrovskiy, Ivaschenko (2001) S. 9
17
integrieren und sich Moskau unterzuordnen. Mit der Unabhängigkeit 26 im Jahr 1991 sah sich die Wirtschaft der Ukraine mit einer einseitig auf Schwerindustrie konzentrierten Wirtschaft und veralteter Technologie konfrontiert. Die vorher meist für die Sowjetunion hergestellten Güter entsprachen nicht den internationalen Standards. Es wird geschätzt, dass nur 26,3 % der im Jahr 1991 produzierten Güter, international wettbewerbsfähig waren. 27
Zusätzlich hatte die Ukraine mit einer Hyperinflation von November 1992 bis Dezember 1993 zu kämpfen. In diesem Zeitraum erhöhten sich die Preise um den Faktor 167. Neben dem Fehlen eines funktionierenden Kapitalmarktes war der Fakt, dass das Steuersystem keine zusätzlichen Einnahmen mehr generieren konnte, weil die Steuerbemessungsgrundlage schneller sank als die Steuersätze steigen konnten, einer der Hauptgründe. Das für das Jahr 1992 geplante Haushaltsdefizit von 2 %, wuchs in der Realität auf 32,1 % an, obwohl der Lohnsteuersatz bis zu 90 % betrug. 28
Zur Abmilderung der Einbußen bei den Einkommen bildete sich besonders in ländlichen Gebieten eine Subsistenzwirtschaft, in der Haushalte ihre Versorgung mit Lebensmitteln sicherten und zusätzlich Tauschgüter erwirtschafteten. Noch heute halten die meisten Familien einige Hühner und Schweine und betreiben den Anbau von Grundnahrungsmitteln auf einer Fläche von jeweils ca. 0,5 ha. Welche Bedeutung diese Subsistenzwirtschaft hat, zeigt sich z.B. in der Tatsache, dass 98 % der Kartoffelproduktion des Jahres 2003 aus Haushaltsgärten stammten. Auch das starke Wirtschaftswachstum der letzten Jahre hat kaum etwas an diesem Umstand geändert. 71 bis 77 % aller Haushalte nutzen weiterhin ihre Grundstücke zur landwirtschaftlichen Produktion. Sogar in Kiew nutzt jeder dritte Haushalt Landflächen, die zu 92 % der landwirtschaftlichen Produktion dienen. 29 Diese Subsistenzwirtschaft ist nach Danzer in allen Transformationsökonomien
26 Ausführlich zur politischen Entwicklung bis zur Unabhängigkeit z.B. bei Golczewski (1993)
oder Hausmann (1993)
27 Vgl. Babanin, Dubrovskiy, Ivaschenko (2001) S. 38
28 Vgl.: Banaian (1999) S. 28-55
29 Die restlichen 8 % dienen Erholungszwecken.
18
Osteuropas anzutreffen, meist jedoch nicht so ausgeprägt wie in der Ukraine. 30
Da die alten Machthaber ihren Einfluss auf die Wirtschaft nicht aufgeben wollten, wurden wichtige Umstrukturierungen und vor allem Privatisierungen behindert bzw. auch verhindert. Zwar wurde 1992 das Antimonopolgesetz verabschiedet, aber dieses Gesetz hatte nur wenig Kraft und es wurden vor allem Kleinstbetriebe privatisiert. 31 Noch bis zum Jahr 1999 wurden 90 % der Produktionsleistung von staatlichen Monopolen erwirtschaftet. Im Jahr 1999 sank die Wirtschaftsleistung der Ukraine auf 40% des Niveaus vor der Unabhängigkeit. Dies zeigte sich auch in der negativen Entwicklung des BIP bis 1999, welches bereits im Jahr der Unabhängigkeit minus 8,7% betrug und 1994 mit minus 23% seinen niedrigsten Stand erreichte. 32
Die Transformationskrise zwischen der Unabhängigkeit der Ukraine und dem Jahr 1999 wurde in den folgenden Jahren jedoch überwunden. Von 2000 bis 2006 stieg das BIP durchschnittlich um 7,4 %. Die größten Wachstumsfaktoren sind die Metallurgie (24,4%), der Maschinenbau (12,9%), die Nahrungsmittelindustrie (14,8%) und das Baugewerbe (26%) 33 . Wenn man die Zahl der Insolvenzen als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung heranziehen möchte, zeigt sich auch hier eine positive Entwicklung. Von den 10616 berichtenden Offenen Aktiengesellschaften wurde von 2000 bis 2005 gegen 1741 ein Insolvenzverfahren eröffnet. Von diesen wurden 908 tatsächlich zwangsliquidiert. Deutlich wird der Rückgang der Insolvenzverfahren von 506 in 2002, über 480 bzw. 407 in 2002 und 2003 bis auf 272 im Jahr 2005. Bei dieser Untersuchung wurden auch handelsrechtlich nicht berichtende offene AGs betrachtet. 34
30 Vgl.: Danzer (2007) S. 91-96
31 Vgl.: Banaian (1999) S. 25
32 Vgl. Thießen (2000) S. 7
33 Alle Wachstumsdaten beziehen sich auf 2006
34 Vgl.: Perederiy (2006) S. 7 ff.
19
Die Prognosen des Wirtschaftsministeriums der Ukraine für das Jahr 2008 ergaben: - bei positiver Entwicklung
- bei negativer Entwicklung
Diese vom damaligen Wirtschaftsminister der Ukraine, Anatolij Kinach, auf dem Wirtschaftstag der Ukraine am 08.11.2007 in der IHK Magdeburg präsentierten Zahlen, erscheinen gerade bei der Negativprognose sehr optimistisch. So stiegen z.B. die Verbraucherpreise im Jahr 2007 um 16,6% und die Weltbank erwartet für
35 Selbst erstellt. Daten von: Büro des Wirtschaftsberaters der Botschaft der Ukraine in der
Bundesrepublik Deutschland
20
2008 eine Steigerung von bis zu 13,8%. Abgesehen von diesen Übertreibungen ist die Tendenz jedoch ohne Zweifel positiv.
Ein wichtiger Faktor für Investitionen in eine Region ist die Kaufkraft. In den letzten 5 Jahren stiegen die Einnahmen der Bevölkerung um mehr als das Dreifache. Hierbei ist zu beachten, dass dies nur die offiziellen Zahlen, ohne Berücksichtigung der „schwarzen“ Zahlungen zur Umgehung der Steuer sind. Außerdem ist der Lohnanstieg in der jüngsten Vergangenheit besonders stark und gewinnt an Dynamik. 36 Weitere Punkte, die für ein Engagement in der Ukraine sprechen, sind die im internationalen Vergleich geringen Lohnkosten 37 , der riesige Absatzmarkt von 46,615 Mio. Menschen, die gute Qualifikation der Arbeitskräfte, die räumliche Nähe zu Deutschland und die zahlreichen Rohstoffvorkommen. Dem stehen allerdings politische Instabilität, eine schwerfällige Bürokratie, Korruption und Rechtsunsicherheit gegenüber.
Ein großes Problem ist der sich erst langsam entwickelnde Binnenmarkt. Erfolgreich durchgeführte Privatisierungen und Steuerreformen trugen ihren Teil bei, aber für das beschriebene hohe Wirtschaftswachstum seit dem Jahr 2000 sind zu einem beachtlichen Teil externe Umstände verantwortlich. Stahl hat einen Anteil von 40% an den ukrainischen Exporten. 38 So profitierte die Ukraine einerseits von den stark gestiegenen Stahlpreisen auf dem Weltmarkt, die sich allein von 2002 bis 2004 verdreifachten. Andererseits kommen die immer noch
36 Vgl. Investitionsführer 2007 Arbeitsgemeinschaft Business-Inform-Ukraine S. 18
37 Grafik mit einem internationalen Lohnkostenvergleich im Anhang.
38 Vgl.: Schwabe, Deuber (2008) S. 2
21
weit unter Weltmarktniveau liegenden Energiepreise für die Öl- und Gasimporte aus Russland vor allem der energieintensiven Schwerindustrie im Osten der Ukraine zugute.
Die Abwertung der Griwna im Zuge der russischen Finanzkrise 1998/99 erhöhte zwar die Inflation, machte aber auch viele ukrainische Unternehmen konkurrenzfähig und ihre Produkte für den Weltmarkt attraktiv. All diese Faktoren bewirkten, dass die Nachfrage nach privaten Konsum- und Investitionsgütern seit dem Jahr 2000 um jährlich 10,9 bis 11,9 % anstieg. 39 Zudem war das freundliche internationale Kapitalmarktumfeld förderlich. Ukrainische Banken und Unternehmen konnten Kapital zu günstigen Konditionen aufnehmen, um Investitionen zu finanzieren bzw. die Kreditvergabe in der Ukraine auszubauen.
Die größte Gefahr für die ukrainische Wirtschaft geht von einer möglichen Verschärfung des Handelsbilanzdefizits aus. Dieses Szenario könnte eintreten, wenn die Gas- und Ölimportpreise weiter steigen und gleichzeitig die Weltmarktpreise für Stahl sinken. Nach Coface Austria und Coface Central Europe 40 könnte dies eine massive Abwertung der Griwna erfordern, und damit die ohnehin hohe Inflation weiter anheizen. Außerdem könnte sich das internationale Kapitalmarktumfeld weiter negativ entwickeln, was auch erhebliche
39 Schwabe, Deuber (2008) S. 2
40 Vgl.: Coface Austria, Coface Central Europe “Country Report Ukraine” (2007) S. 5 unter
www.ihk-regensburg.de; Zugriffsdatum: 14.01.2008
22
Arbeit zitieren:
Andreas Demski, 2008, Investitionsklima in der Ukraine 2008, München, GRIN Verlag GmbH
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