,,Eichendorff fachdidaktisch/fachwissenschaftlich"
Thema: Vergleich der Deutungsansätze zu Eichendorffs Erzählung
,,Das Marmorbild"
Abbildung 1: Joseph Freiherr von Eichendorff
Bartels, Ina
Fächerübergreifender Bachelor
Semesterzahl: 05
Fächer: Germanistik/Geographie
Leibniz Universität Hannover
WS07/08
Deutsches Seminar
Abteilung Literaturwissenschaft
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung 0
2. Biographische und historische Hintergründe 0
3. Fünf Deutungsansätze 1
3.1 Der religiös-christliche Deutungsansatz 1
3.2 Der entwicklungsgeschichtliche Ansatz 3
3.3 Der poetologische Ansatz 4
3.4 Der Märchenansatz 5
3.5 Der psychodynamische Ansatz 6
4. Zusammenfassung der Ansätze und Arbeitsergebnisse 7
Literaturverzeichnis 11
Abbildungsverzeichnis 11
1
1. Einleitung
,,Das Marmorbild" Joseph Freiherr von Eichendorffs gehört zwar nicht zu den Kanonwerken der deutschen Literatur, verdient jedoch auf Grund seiner Vielschichtigkeit mehr als nur eine flüchtige Lektüre. Die folgende Seminararbeit beschäftigt sich mit fünf möglichen Deutungsansätzen, wobei zuvor der Blick auf den Stoff gerichtet, sowie seine Herkunft und die eigentliche Entstehung des Marmorbildes betrachtet werden soll. In einem Fazit werden die erarbeiteten Fakten abschließend noch einmal zusammengefasst. Diese Seminararbeit kann dem Anspruch, den das Werk an seinen Leser stellt, in keiner Weiser gerecht werden. Sie ist vielmehr der Versuch einen kleinen Teil der Vielschichtigkeit herauszugreifen und zu beleuchten. An einigen Stellen werden aufkommende Gedanken eingebracht, an anderen weggelassen.
2. Biographische und historische Hintergründe
Eichendorffs Marmorbild ist ein Werk, das viele Gegenüberstellungen enthält. Versucht man es einer literarischen Gattung zuzuordnen, fällt einem dies ebenso schwer, wie den Hintergrund und die Entstehungsgeschichte eindeutig nachzuweisen, denn nicht einmal Eichendorff selbst wusste, was sein Marmorbild sein soll Märchen oder Novelle:
,,Verehrtester Herr Baron! Ihrer gütigen Erlaubnis zufolge, wage ich es, Ihnen wieder etwas von meiner Poesie zuzuschicken, eine Novelle oder ein Märchen, zu dem irgend eine Anekdote aus einem alten Buche, ich glaube es waren Happellii Curiositates, die entfernte Veranlassung, aber weiter auch nichts, gegeben hat."1
Verfolgt man die historischen Ansätze dieser Novelle, findet man den (scheinbaren) Ursprung dieses Stoffes. Schon bei Ovid in der Antike taucht er in einer etwas abgewandelten Form auf. Der Bildhauer Pygmalion verliebt sich in eine geschnitzte Elfenbeinfigur (Narziss-Motiv) und erliegt ihrer Schönheit. Die Figur der Begierde ist hier jedoch noch unbelebt. Circa 1124/15 nach Christus taucht dann eine entwickelte Form des Stoffes in den Chroniken des Engländers Malmsbury auf. Hier wird ein junger Mann an seinem Hochzeitstag beim Ballspielen von seinem Ring behindert. Der Bräutigam nimmt ihn ab und steckt ihn einer Venusstatue auf den Finger, die den Ring schließlich nicht mehr preisgeben möchte. Erst als sich ein Priester einschaltet und sein Leben lässt, kann die Hochzeit stattfinden. Eine weitere Variante des Stoffes findet sich im 14. Jahrhundert im Tannhäuser-Lied. Ein Ritter, der sich auf Pilgerfahrt befindet,
1 Eichendorff, J.: Ahnung und Gegenwart. S.738.
kommt am Venusberg vorbei und kann der Versuchung eines Besuchs nicht widerstehen. Angekommen verfällt er der Venus ein Jahr lang und kann sich erst dann retten, als er seinen Verstand und sein Gewissen wiedererlangt. Er setzt seine Reise zum Papst fort. Dieser will ihm aber nur dann verzeihen, wenn ein Zweig in seiner Hand grünt. Der Ritter verzweifelt angesichts der unmöglichen Aufgabe und flüchtet sich zurück zur Venus, der er ohne Aus-sicht auf Rettung verfällt. Was er nicht weiß, kurz nach seiner Abreise grünt der Zweig wirklich in der Hand des Papstes. Der für Eichendorff vielleicht auch entscheidende Ansatz dieses Stoffes findet sich 1804 bei Brentano und Armin (,,Des Knaben Wunderhorn"). Rückblickend kann jedoch festgehalten werden, dass der Stoff der Statuenbelebung und der Verführung schon länger existierte und von Eichendorff neu bearbeitet wurde. Er übernimmt dabei gezielt sowohl die Kernmotive, als auch den Handlungsort von Happel, sowie den Ritter und das grobe Handlungsgerüst.2
Eichendorff selbst sieht die Zeit, in der er das Marmorbild schrieb, eher kritisch. Durch den Staatsdienst eingesperrt in eine enge Stube mit ,,Aktenstaub", sieht er seine Novelle ,,als einen Spaziergang in amtfreien Stunden in Freie hinaus"3. Doch das Marmorbild sollte nicht nur als Flucht aus dem Beamtendasein gelesen werden, sondern auch als Flucht aus der zerrissenen Gegenwart in die Vergangenheit und ein Plädoyer für die Religion. Die Romantik soll dabei für Eichendorff eine Mittelstellung zwischen der Aufklärung und der aktuellen Kulturtendenz einnehmen und daher im Bezug auf die Sehnsucht doppeldeutig sein. Vergangenheit und Zukunft sollen in einer utopischen Dimension verwirklicht werden. Die Bildhaftigkeit der Novelle lässt daher vielfältige Deutungsansätze zu.
3. Fünf Deutungsansätze
Im folgenden Teil sollen die fünf Deutungsansätze nach Karl Hanß4 dargestellt und kritisch bearbeitet werden. Ergänzt werden seine Ausführungen durch weiterführende Gedanken und zusätzliche Literatur. 3.1 Der religiös-christliche Deutungsansatz
Der christlich-religiöse Deutungsansatz findet seine Legitimation darin, dass diese Thematik ,,durchgehend das eigentlich dichterische Schaffen"5 Eichendorffs bestimmt. Arnold Schilson benennt dafür eine Ursache: die romantische Dichtung ist für Eichendorff ,,geistliche [...]
2 Vgl. Hanß, K.: Joseph von Eichendorff. Das Marmorbild/Aus dem Leben eines Taugenichts. S.11ff.
3 Eichendorff, J.: Ahnung und Gegenwart. S.738.
4 Hanß, K.: Joseph von Eichendorff. Das Marmorbild/Aus dem Leben eines Taugenichts.
5 Schilson, A.: Romantische Religiosität? S. 121.
1
Quote paper:
Ina Bartels, 2008, „Eichendorff – fachdidaktisch/fachwissenschaftlich“, Munich, GRIN Publishing GmbH
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