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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Darstellung der Rādhā in Jayadevas Werk Gītagovinda 5
2.1 Die verliebte Rādhā 5
2.2 Die eifersüchtige Rādhā 6
2.3 Die zornige Rādhā 7
2.4 Die verletzte und leidende Rādhā 7
2.5 Die stolze Rādhā 9
2.6 Die leidenschaftliche Rādhā 10
3 Die Frage nach Rādhās religionspsychologischer Bedeutung 11
4 Schlussfolgerungen 15
5 Literatur 17
3
1 Einleitung
Die hinduistischen Religionen sind Strömungen, die viele Götter kennen und verehren. Im Hinduismus sind sowohl männliche als auch weibliche Figuren bzw. Götter von großer Bedeutung. Neben den Göttinnen Śrī Lakshmī, Pārvatī, Sītā, Durgā oder Kālī kommt auch Rādhā immer wieder in hinduistischen Texten vor. Vor allem in der romantischen Literatur der bengalischen Vaishnavite-Kultur des Mittelalters spielt Rādhā eine zentrale Rolle. 1 Ein herausragendes Werk der Sanskrit-Literatur 2 , in dem Rādhā die Heldin spielt, ist das indische Hohelied Gītagovinda 3 des bengalischen Dichters Jayadeva. 4 Der Legende nach wurde Jayadeva in einer brahmanischen Familie in Kendubilva im Staat Bengal geboren. 5 Obgleich sein genaues Geburtsjahr unbekannt ist, wird vermutet, dass es im elften Jahrhundert gelegen haben muss. 6 Jayadevas Gītagovinda, das der Verehrung Krishnas gewidmet ist, hatte und hat bis heute in Bengal großen Einfluss auf den Krishna-Kult. 7 In einem ersten Schritt soll in der vorliegenden Arbeit herausgearbeitet werden, wie Rādhā in Jayadevas Werk Gītagovinda dargestellt wird. Es wird ein Überblick darüber gegeben, mit welchen unterschiedlichen Eigenschaften Jayadeva Rādhā in seinem Werk darstellt, um zu zeigen, dass Rādhā im Gītagovinda eine Figur mit einer mannigfaltigen Persönlichkeit ist. In einem zweiten Schritt soll durch die Herausarbeitung von Rādhās Persönlichkeit die Frage geklärt werden, welche religionspsychologische Bedeutung Rādhā hat.
Rādhā wird meistens in den Zusammenhang mit einem männlichen Begleiter, namentlich Krishna, gebracht. Ihre Geschichte zeigt sich in verschiedenen Werken des Hinduismus, wobei sie vornehmlich in Verbindung mit Krishna Erwähnung findet. 1 vgl. Banerjee (1993), S. 4.
2 vgl. Rath (1980), S. 84.
3 Der Begriff “Gītagovinda” setzt sich zusammen aus den zwei Wörtern gīta mit der Bedeutung „Lied, Gesang“ und govinda in der Verwendung als Beiname des Krishna.
4 vgl. Miller (1977), S. 26.
5 vgl. ebd., S. 3 & Hota (1980), S. 25.
6 vgl. Sinha (1980), S. 39.
7 vgl. Miller (1977), S. ix & Vaudeville (1982), S. 1.
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Nach der Legende soll Rādhā, ein Kuhhirtenmädchen 8 , am Ufer des Yamunā-Flusses Krishna zum ersten Mal begegnet sein. 9 Krishna ist zu dieser Zeit noch ein
Jugendlicher, seine Liebesbeziehung zu Rādhā „findet in dem Hirtendorf Vraja und in den Wäldern und Gemächern von Vrndāvana statt“. 10 Rādhā, die zu Krishnas liebsten Gopīs 11 zählte, erlangte im Laufe der Geschichte göttlichen Status. 12
Anhand von zwei Übersetzungen der Gītagovinda, die eine von Barbara Stoler Miller 13 und die andere von Friedrich Rückert 14 sowie entsprechender Sekundärliteratur
soll zusammengefasst werden, wie Jayadeva die Figur der Rādhā in seinem Werk Gītagovinda darstellt. Mit Hilfe der erarbeiteten Ergebnisse, was Rādhās Persönlichkeit betrifft, soll dann, ebenfalls unter Verwendung von Sekundärliteratur, ihre religionspsychologische Wirkung untersucht werden.
Ein besonders umfassendes Bild der Rādhā liefern unter anderem die Werke von Banerjee Appropriation Of A Folk-Heroine : Radha in Medieval Bengali Vaishnavite Culture, die von Hawley & Wulff (Hrsg.) The Divine Consort : Rādhā And The Goddesses Of India und die von Kuppuswamy & Hariharan (Hrsg.) Jayadeva And Gītagōvinda : A Study. Sumanta Banerjee beschäftigt sich vor allem mit der Frage, welche Rolle Rādhā in der Vaishnavite-Kultur des Mittelalters spielte. Bei Kuppuswamy & Hariharan liegt zwar der Fokus auf Jayadevas Gītagovinda, allerdings beschäftigen sich nur zwei Artikel intensiv mit der Figur der Rādhā, in den übrigen Beiträgen wird Rādhā nur peripher behandelt. Im Gegenzug zu den gerade aufgeführten Werken soll sich im Folgenden nur auf einen Aspekt in Bezug auf die Darstellung der Rādhā im Gītagovinda konzentriert werden. Der Schwerpunkt wird darin bestehen, Rādhās vielgestaltige Persönlichkeit vorzustellen.
9 vgl. Schumann (2004), S. 84.
10 Kinsley (2000), S. 115.
11 Der Begriff gopī bedeutet “Hirtenmädchen”, Mylius ( 7 2001), siehe unter gopī. 12 vgl. Renou (1962), S. 51.
13 Miller, Barbara Stoler (Hrsg.): Love Song of the Dark Lord : Jayadeva’s Gītagovinda. New York: Columbia University Press, 1977.
14 Kreyenborg, Herman (Hrsg.): Gītagovinda : Das indische Hohelied des bengalischen Dichters Jayadeva. Leipzig: Insel-Verlag, 1920.
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2 Die Darstellung der Rādhā in Jayadevas Werk Gītagovinda
In Jayadevas Werk Gītagovinda, das in zwölf Kapitel untergliedert ist, kommen drei Figuren vor: Die beiden Protagonisten Krishna und Rādhā sowie eine Gefährtin der Rādhā, die in den abwechselnden Dialogen zwischen Rādhā und Krishna vermittelt. 15
Rādhās Beziehung zu Krishna ist durch typische menschliche Emotionen in einer Liebesbeziehung wie Eifersucht, Gereiztheit, Zorn und Befriedigung gekennzeichnet. 16
Mit diesen Gefühlen, die sie zur Figur mit einer mannigfaltigen Persönlichkeit machen, wird Rādhā auch im Gītagovinda dargestellt, wie im Folgenden werden soll.
2.1 Die verliebte Rādhā
Zunächst wird Rādhā als ein verliebtes und nach Rückert als „allverliebt[es]“ 17
Mädchen dargestellt, welches sich unsterblich in Krishna verliebt hat. In der Übersetzung von Friedrich Rückert heißt es, dass Rādhās Sinne durch des „Kāma’s Kummer“ 18 ganz verwirrt seien. Das Sanskritwort kāma bedeutet so viel wie „Wunsch, Begehren, Liebe, Liebestrieb“ 19 , d.h. Rādhā ist in der Tat am Beginn des Gedichts als
sehr verliebt zu sehen.
In der englischen Übersetzung von Barbara Stoler Miller ist wiederholt die Rede von „passion“ und „passionate“; zwei Begriffe, die sehr gut diesen Zustand des Verliebtseins beschreiben. 20 An anderer Stelle bzw. am Ende des zweiten Gedichts heißt es bei Miller „Seeking Krishna in his many haunts“ 21 , was nochmals Rādhās Situation
als verliebte Person untermauert.
Barbara Stoler Miller weist selbst in ihrem Werk Love Song Of The Dark Lord : Jayadeva’s Gītagovinda darauf hin, dass Rādhā eng mit Leidenschaft verbunden wird 15 vgl. Kreyenborg (1920), S. 58.
16 vgl. Dimock (1966), S. 63.
17 Kreyenborg (1920), S. 11.
18 ebd., S. 7.
19 Mylius ( 7 2001), siehe unter kāma.
20 vgl. Miller (1977), S. 69.
21 ebd., S. 74.
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bzw. als das personifizierte kāma gesehen wird. 22 Auch Charlotte Vaudeville betont in
ihrem Artikel „Krishna Gopāla, Rādhā, and The Great Goddess“, dass Rādhā als
Verkörperung der reinen Liebe bzw. mahābhāva gesehen wird. 23
2.2 Die eifersüchtige Rādhā
Ein weiterer Gemütszustand, mit dem Rādhā beschrieben wird, ist die Eifersucht. In
verschiedenen Textpassagen sowohl bei Kreyenborg als auch bei Miller wird davon
gesprochen, dass Rādhā sehr eifersüchtig ist, da Krishna sich mit mehreren tausend
Gopīs vergnügt 24 .
So steht in der Übersetzung von Rückert: „Rādhā, während allverliebt im Haine
Hari scherzte, Ging hinweg, ob dem verlorenen Vorzug eifersüchtig, […].“ 25 Bei Miller
heißt es unter anderem: „Frail Rādhā, I know jealousy Wastes your heart.“ 26 Auch
weitere Abschnitte, ohne die „Eifersucht“ oder „jealousy“ besonders zu thematisieren,
beschreiben, wie sich Rādhā fühlt, nachdem sie sehen musste, dass Krishna neben ihr
noch viele andere Geliebte hat.
So wird im fünften Gedicht in der Übersetzung von Barbara Stoler Miller
beschrieben, wie Rādhā ihrer Freundin die Situation mit Krishna darstellt. 27 An Rādhās
Worten kann man deutlich erkennen, dass sie jedes Mal sehr eifersüchtig ist, wenn
Krishna sie zurücklässt, um sich mit „more young women“ 28 zu vergnügen. Im achten
Gedicht bei Miller wird nochmals dieses Motiv der Eifersucht mit den Worten
„Jayadeva sings he lament of a jealous girl deceived by passion“ 29 aufgenommen.
Auch Donna Marie Wulff berichtet in ihrem Beitrag über Rādhā nochmals über
die Eifersucht auf die anderen Kuhhirtenmädchen im Gītagovinda. 30 Rādhās Eifersucht
ist einer der zentralen Aspekte ihrer Persönlichkeit, der von Jayadeva in seinem Werk
Gītagovinda immer wieder aufgenommen und dargestellt wurde. 22 Miller (1977), S. 36.
23 vgl. Vaudeville (1982), S. 11.
24 vgl. Kreyenborg (1920), S. 8-12 & Miller (1977), S. 76 ff.
25 Kreyenborg (1920), S. 11.
26 Miller (1977), S. 83.
27 vgl. ebd., S. 78-80.
28 ebd., S. 80.
29 ebd., S. 107.
30 vgl. Wulff (1982), S. 27.
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Ishan Hegele, 2008, Die Darstellung der Radha in zwei Übersetzungen von Jayadevas Werk Gitagovinda: Die Frage nach der religionspsychologischen Bedeutung Radhas, Munich, GRIN Publishing GmbH
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