Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
1 Problemstellung. 1
1.1 Einführung. 1
1.2 Zielsetzung und Fragestellung. 1
1.3 Konzeptioneller Aufbau 2
2 Das Ökosystem Regenwald. 4
2.1 Großklimatische Rahmenbedingungen 4
2.2 Die allgemeine Struktur des tropischen Regenwaldes 6
2.3 Die Funktionsweise des Ökosystems (Nährstoffkreislauf) 7
2.4 (Zer)Störung des Ökosystems Regenwald 9
3 Das Untersuchungsgebiet: Ghana 11
3.1 Lage und Verwaltung 11
3.2 Der Naturraum. 12
3.3 Die Waldzone Ghanas 15
3.3.1 Der immergrüne Regenwald 15
3.3.2 Der regengrüne Feuchtwald 16
4 Die ursprüngliche Nutzung des Regenwaldes. 17
4.1 Der Wald als Lebensraum 17
4.2 Der traditionelle Wanderfeldbau 18
4.3 Waldzerstörung vor der Kolonialzeit 19
4.4 Die vorkolonialen Kontakte zu Europa 20
4.5 Zwischenfazit I 21
5 Der Wandel der Regenwaldnutzung während der Kolonialzeit. 22
5.1 Die Goldküste wird Kolonie. 22
5.2 Der Beginn der kommerziellen Nutzung. 23
5.3 Der Siegeszug des Kakao 24
5.4 Die Entwicklung des Bodenrechts und seine Folgen 28
5.5 Versuche staatlicher Reglementierung 32
5.6 Gründe für die Kakaofavorisierung 34
II
5.7 Zwischenfazit II. 35
6 Der Wandel der Regenwaldnutzung von 1957 bis 1990. 37
6.1 Entwicklungsstrategien im Wandel. 37
6.2 Die Entwicklung des Kakaosektors. 39
6.3 Die zerstörerische Wirkung der „neuen Nutzung“ 39
6.4 Ursachen der Regenwaldvernichtung. 43
6.5 Forstwirtschaft in Ghana 46
6.5.1 Forest Reserves 46
6.5.2 Waldbaumethoden. 49
6.5.2.1 Tropical Shelterwood System. 50
6.5.2.2 Umwandlung zu Holzplantagen 51
6.5.2.3 Taungya-System 52
6.5.3 Aufforstungsmaßnahmen 53
6.5.4 Subri river forest reserve. 55
6.6 Die Holzwirtschaft in Ghana 57
6.6.1 Die Strukturen der Schlagrechte 57
6.6.2 Die Methode des selektiven Holzeinschlags. 59
6.6.3 Holzeinschlag und Holzexport als Indikatoren für Waldzerstörung. 60
6.7 Ökologische Folgen der Regenwaldvernichtung in Ghana 62
6.8 Soziale und sozioökonomische Folgen der Regenwaldvernichtung in
Ghana. 63
6.9 Zwischenfazit III 66
7 Von der Zerstörung zur nachhaltigen Nutzung? Entwicklungen seit 1990 68
7.1 Der Nachhaltigkeitsbegriff 68
7.2 Alternative Formen der Landnutzung in Gebieten des tropischen
Regenwalds. 69
7.2.1 Alley-Cropping 71
7.2.2 Das neue Taungya-System. 73
7.3 Zusammenfassende Darstellung der Wirtschafts- und Umweltsituation
Ghanas 75
7.4 Globale und/oder lokale Lösungsansätze 77
7.5 Alternative: Ökotourismus? 79
8 Fazit. 83
Literaturverzeichnis V
Internetquellen XI
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die tropische Passatzirkulation
Abbildung 2: Störung des Nährstoffkreislaufs im Regenwald
Abbildung 3: Durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge Ghanas
Abbildung 4: Die natürliche Vegetation Ghanas
Abbildung 5: Entwicklung der Kakaoproduktion Ghanas 1893 -
Abbildung 6: Die traditionellen Flurformen des Huza-Systems
Abbildung 7: Idealtypische Sequenz einer Binnenkolonisation im Waldgürtel Ghanas
Abbildung 8: Waldvernichtung nach Ländern bezüglich Fläche und Entwaldungsrate
Abbildung 9: Der Wandel der Vegetation im Laufe des letzten Jahrhunderts
Abbildung 10: Gewichtung der Ursachen der Regenwaldvernichtung in Ghana
Abbildung 11: Forstreserven im Hinblick auf Naturschutz und Holzeinschlag
Abbildung 12: Exporterlöse aus Tropenholz / Ghana 1972 -
Abbildung 13: Die Armutsspirale
Abbildung 14: Alley-Cropping
Abbildung 15: Durchschnittliche Waldvernichtungsrate in Afrika 2000 -
Abbildung 16: Systematischer Ansatz zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung und
f ür Naturschutz in den Tropenwäldern
Tabellenverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Verwaltungsregionen Ghanas mit den zugehörigen Regionshauptstädten Tabelle 2: Plantagen von industriellem Nutzholz in km²
Tabelle 3: Vergleich der Anteile am Ertrag zwischen dem alten und neuen Taungya-System in Prozent
Tabelle 4: Entwicklung der Waldfläche je nach Waldtyp in km² Tabelle 5: Ghana: International Tourist Arrivals and Receipts
Problemstellung 1
1 Problemstellung
1.1 Einführung
Die tropischen Regenwälder erfüllen global und lokal eine Vielzahl von unterschiedlichen Funktionen und können somit als ein Raum auf der Erde angesehen werden, dem eine erhöhte Priorität zugesprochen werden muss. Herausragend ist die Funktion des Ökosystems Regenwald, welches durch seine Komplexität als einzigartig zu bezeichnen ist. Die Wälder dienen als Lebensraum für eine immer größer werdende Anzahl von Menschen und stellen eine existentielle Naturressource für die einheimische Bevölkerung dar. Jedoch gehört der tropische Regenwald trotz oder gerade wegen seiner positiven Eigenschaften zu einem der bedrohtesten Lebensräume der Erde. Die anthropogene Nutzung hat ihre Spuren hinterlassen, welche das System in seiner Gesamtheit erheblich verändert haben. Unangebrachte landwirtschaftliche Nutzungsweisen und die fortschreitende Rodung der Edelhölzer stehen im Fokus der Kritik.
Eines der Länder, welches sich der Problematik stellen muss den Regenwald zu nutzen, aber nicht zu zerstören, ist Ghana. Das westafrikanische Land gilt in vielerlei Hinsicht als Vorreiter der Staaten südlich der Sahara. So errang die damalige Goldküste als erstes schwarzafrikanisches Land die Unabhängigkeit im Jahr 1957 und galt seither als schwarzer (Leit-)Stern Afrikas. Jedoch blieb auch Ghana nicht von den Schwierigkeiten der eigenen Autonomie hinsichtlich des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Drucks verschont und verstärkte daher die (Aus)Nutzung der eigenen Ressourcen. Heute lässt sich nur noch in rudimentären Bruchstücken die einstige Vegetationsfülle im Regenwaldgürtel erahnen.
1.2 Zielsetzung und Fragestellung
Die vorliegende Arbeit beschreibt und analysiert den Nutzungswandel, welcher sich im Laufe der Zeit im Regenwald Ghanas vollzogen hat. Neben der Untersuchung verschiedener Nutzungsformen werden vor allem die jeweils der Epoche entsprechenden Rahmenbedingungen erläutert. Ferner gilt es die Folgen dieses Prozesses bezüglich der ökologischen, ökonomischen und sozialen Struktur aufzuzeigen und zu analysieren.
Problemstellung 2
Zur Schaffung einer wissenschaftlichen Basis gilt es zunächst, die Frage nach der Funktionsweise des Ökosystems hinsichtlich der möglichen Auswirkungen anthropogener Einflüsse zu klären. Wie verhält sich der tropische Regenwald nach einer Störung des natürlichen Nährstoffkreislaufs? Mit Hilfe dieser Grundlage können folgend die verschiedenen Arten von Belastungen der einzelnen Epochen eruiert werden. Welche Rolle spielten die Interessen der britischen Kolonialmacht? Inwiefern veränderte sich die Form der Regenwaldnutzung in Ghana bezüglich des steigenden Bevölkerungsdrucks? Auf welche Art und Weise können alternative Nutzungsformen des tropischen Regenwalds dessen Reduzierung verhindern?
Ghanas Wirtschaft stützt sich auf die drei großen Exportgüter: Kakao, Gold und Holz. Insbesondere die Kakao- und Holzwirtschaft hatten durch strukturelle Entwicklungen im vergangenen Jahrhundert einen enormen Anteil am Wandel der Regenwaldnutzung. Besteht zwischen der Kommerzialisierung dieser Güter und der Genese des Kulturwaldes ein direkter Zusammenhang? Im Unterschied zu den beiden genannten Wirtschaftsformen trägt der Goldabbau, aufgrund der reinen Holzverwertung zur Energiegewinnung und Baumaterialherstellung, im Endeffekt nur zur Zerstörung des Regenwaldareals bei. Aufgrund der geringen Auswirkungen in Bezug auf den Wandel der Regenwaldnutzung wird der Beitrag der Goldwirtschaft in der vorliegenden Arbeit vernachlässigt.
Ziel dieser Arbeit ist es, mit Kenntnis des Entwicklungsprozesses bezüglich des Nutzungswandels im tropischen Regenwald Ghanas Aussagen zu treffen, welche die Grenzen zwischen sinnvoller Nutzung, Umgestaltung und Zerstörung eindeutig beschreiben.
Des Weiteren gilt es, die bisherigen Maßnahmen und Methoden der Regierung sowie der lokalen Bevölkerung zu bewerten und einen Ausblick zu wagen, wie Ghana mit den vorherrschenden Problemen in Zukunft umgehen könnte.
1.3 Konzeptioneller Aufbau
Die methodologische Struktur der Arbeit wird durch den Aspekt der Chronologie von Ereignissen festgesetzt. Nach den einführenden Kapiteln zur Funktionsweise des Öko- systems Regenwald und der Vorstellung des Untersuchungsgebietes Ghana folgen vier
Problemstellung 3
Kapitel, welche den Nutzungswandel des Regenwaldes von der ursprünglichen bis zur aktuellen Situation charakterisieren und analysieren. Diese abgesteckten Epochen schließen jeweils mit einer Art Wasserstandsmeldung ab, welche als Zwischenfazits gekennzeichnet sind. Der Sinn dieser Methodik besteht darin, jeweils eine Basis für den folgenden Zeitabschnitt zu schaffen und die bisherigen Entwicklungen bezüglich des Nutzungswandels aufzugreifen. Außerdem zielt diese Maßnahme darauf ab, angesichts der Komplexität der Einflussfaktoren, stets einen Überblick zu geben, um somit ein er- höhtes Verständnis für die ablaufenden Mechanismen zu garantieren.
Das Ökosystem Regenwald 4
2 Das Ökosystem Regenwald
Das Wissen um die Eigenschaften des Ökosystems Regenwald ist äußerst relevant zur Beantwortung der in der Einleitung gestellten Fragen: Welche Auswirkungen haben anthropogene Eingriffe, beispielsweise in Form von Rodung, auf das Ökosystem? Und mit welchen lokalen und globalen Folgen ist zu rechnen? Dieses Kapitel gibt einen kurzen Überblick der entscheidenden Charakteristika des tropischen Regenwalds. Dabei sei darauf verwiesen, dass es sich nicht um eine Ausarbeitung des Gesamtkenntnis-standes der allgemeinen Tropenökologie, sondern vielmehr um eine prägnante Darstellung der wichtigsten Aspekte, hinsichtlich der zu bearbeitenden Thematik, handelt.
2.1 Großklimatische Rahmenbedingungen
Die Regenwälder der Erde befinden sich fast ausschließlich im ökozonalen Bereich der Tropen. Also auf beiden Seiten des Äquators in etwa 10° nördlicher und südlicher Breite. Dieses Gebiet unterliegt einer erhöhten Intensität der Sonneneinstrahlung, welche das Klima tiefgreifend beeinflusst. Aufgrund der Schiefelage der Ekliptik ist der Bereich der Tropen bezüglich der Strahlungsverhältnisse der Sonne im Gegensatz zu den außertropischen Gebieten begünstigt. Die Sonne steht hier vorwiegend in nahezu zenitaler Stellung und die Tages- und Nachtlängen betragen ganzjährig jeweils zwölf Stunden. 1 Dem Lambertschen Gesetz zu Folge bewirkt ein hoher Grad des Einfallswinkel der Sonnenstrahlen eine Zunahme des Strahlungsstroms der angestrahlten Fläche. 2 Durch die Uniformität der Tages- und Nachtzeiten erklärt sich die gleichförmige Temperaturentwicklung über das Jahr hinweg. Da die Temperaturamplitude an einem Tag in den Tropen größer ist als die Amplitude der Jahrestemperatur, spricht man hier von einem Tageszeitenklima. Die Temperaturen belaufen sich durchschnittlich auf Werte von 27° - 28°C im Tiefland mit einer Jahresamplitude von 3° - 4°C in den inneren Tropen. Je weiter man sich vom Äquator entfernt, um so größer werden die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede. 3
1 vgl. Bremer 1999, S. 4f.
2 vgl. Häckel 1999, S. 146
3 vgl. Bremer 1999, S.6
Das Ökosystem Regenwald 5
Die vorherigen Ausführungen beinhalten die Tatsache, dass in den Tropen keine jahreszeitlichen Verschiebungen, wie Sommer und Winter, vorliegen. Jedoch übernehmen in gewissem Maße die Regen- bzw. Trockenzeiten diese Funktion. Der Niederschlag zeichnet sich mehrheitlich als sehr kurz (10 - 120 Min.) und durch seine extreme Intensität aus. Abweichend hiervon gelten Gebiete, die unter Einfluss des Monsun stehen oder die durch lokale Höhenunterschiede einen hohen Luftaufstieg vorweisen. Hier kann es gelegentlich zu einem länger währenden feinen Niederschlag kommen. Abgesehen von diesen Ausnahmeerscheinungen ist eine erhöhte Niederschlagsquote in den späten Nachmittagsstunden festzustellen. Diese Erscheinung lässt sich erklären: Die intensive Sonneneinstrahlung, vor allem in äquatornähe, bedingt eine enorme Konvektion. Die aufsteigende warme Luft kondensiert und es entstehen Wolken. Diese Wolken können sich im Extremfall bis zu einer Höhe von 10 km auftürmen und verursachen die angesprochenen Niederschlagsereignisse. 4
Abbildung 1: Die tropische Passatzirkulation
Die Konvektion ist allerdings nur ein Teil des komplexen Systems, welches die Niederschlagsereignisse reguliert. Tropische Windsysteme haben entscheidenden Einfluss auf
4 vgl. Bremer 1999. S.8
Das Ökosystem Regenwald 6
die Ausbildung von Regen- und Trockenzeiten. Die Passatzirkulation ist in Abbildung 1 dargestellt. Die Passat-Grundschicht weist neben dem richtungsbeständigen Nordostpassat (Nordhalbkugel) und Südostpassat (Südhalbkugel) die eben beschriebenen vertikalen Luftbewegungen auf. 5
Die Passatinversion ist eine Temperaturumkehrschicht in einer Höhe von 1 - 2,5 km. Hier trifft die absinkende Kaltluft der Passat-Oberschicht auf die vertikal aufsteigende Luft der Grundschicht und verhindert somit eine größere Ausbildung der Konvektionsbewölkung. 6
Aufgrund des entstehenden Drucks der nachströmenden vertikalen Luftmassen fließt aus der stark ausgeprägten Konvektionsbewölkung trockene Luft in der Passat-Oberschicht polwärts. Als Resultat dieser Luftmassenkonvergenz entsteht eine äquatoriale Tiefdruckrinne. Die sogenannte Innertropische Konvergenzzone steuert entscheidend die Ausbildung von Regen- und Trockenzeiten. Infolge ihrer jahreszeitlichen Verlagerung wird die Passatzirkulation beeinflusst und reguliert somit den Zufluss von feuchten oder trockenen Luftmassen. 7
2.2 Die allgemeine Struktur des tropischen Regenwaldes
Die im vorherigen Kapitel beschriebenen großklimatischen Rahmenbedingungen schaffen die optimalen Verhältnisse zur Entstehung eines tropischen Regenwaldes. Hohe Temperaturen, ohne jahreszeitliche Schwankungen, und Niederschläge, welche fortdauernd die Evapotranspiration (Summe aus Evaporation und Transpiration) übertreffen, sind die entscheidenden Faktoren zur Ausbildung eines solch komplexen Ökosystems. 8
Im Unterschied zu den Wäldern der mittleren Breiten stechen im tropischen Regenwald die gesteigerte Pflanzenproduktion und die enorme Artenvielfalt heraus. Die hohe Heterogenität der Pflanzenarten führt nicht zu Ausbildung von Dominanz. Jede Pflanze überlebt in der ihr am besten angepassten ökologischen Nische. Die Diversität wird bei folgender Gegenüberstellung deutlich: Während in Mitteleuropa etwa 30 Baumarten
5 vgl. Behr 1996, S.124
6 vgl. Leser 2001, S.605
7 vgl. Bremer 1999, S.11
8 vgl. Breckling 2000, S.179
Das Ökosystem Regenwald 7
heimisch sind, können im tropischen Regenwald auf einer Fläche von einem Hektar 500 verschiedene Baumarten wachsen. 9
Besonderes Kennzeichen des tropischen Regenwaldes ist der ausgeprägte Stockwerkbau. Da durch die großklimatischen Bedingungen genügend Wasser und Wärme vor-handen sind, ist Licht der primäre wachstumsfördernde Faktor. Die typische Stockwerkstruktur ist unter anderem eine Folge der Lichteinstrahlungsverhältnisse in den Regenwald. Die bis zu 80 m hohen Urwaldriesen bilden mit ihren weit ausladenden Kronen das oberste Stockwerk. Der Lichteinfall liegt hier selbstverständlich noch bei 100 %. Das sich darunter befindende Stockwerk in einer Höhe von 15 bis 40 m ist geprägt durch ein dichtes Kronendach (Canopy Layer). Unterhalb dieser Schicht verringert sich der Lichteinfall dramatisch auf einen Wert von maximal 25 %. Die weitere Licht-absorption durch die Stockwerke der Einzelbäume (6 - 15 m) und der Strauchschicht (2,5 - 6 m) verursacht, dass der Lichteinfall in der untersten „Etage“, der Krautschicht, nur noch 1 - 3 % beträgt. Diese Tatsache erklärt die verkümmerte Vegetation im Unterwuchs eines tropischen Regenwaldes. 10
2.3 Die Funktionsweise des Ökosystems (Nährstoffkreislauf)
Die Böden des tropischen Regenwaldes (z.B. Ferralite, Ferrisole, Fersilate) zeichnen sich, bis auf wenige Ausnahmen, durch eine erhebliche Nährstoffarmut aus. Der verminderte Restmineralgehalt, die niedrige Kationenaustauschkapazität und der Humusanteil im Oberboden sind die primären Faktoren, welche die Oligotrophie der Böden bedingen. Der Restmineralgehalt bezeichnet die noch vorhandene Zahl an Mineralbruchstücken des Ausgangsgesteins im Bodenskelett nach dessen Verwitterung und stellt somit den Bezugsort der mineralischen Pflanzennährstoff-Kationen (z.B. Calcium, Magnesium, Kalium usw.), die ein Pflanzenwachstum erst ermöglichen, dar. Die Humifizierung des durch die Vegetation angelieferten Materials bestimmt den Humusanteil im Oberboden. Hier lagernde mineralische Nährstoffe können durch Wiederaufnahme in den Kreislauf gelangen und so dem Pflanzenwachstum dienen. Des Weiteren ist die Humusschicht, mit den in ihr enthaltenden Huminsäuren, Träger der Kationenaustauschkapazität. Diese bezeichnet die Fähigkeit des Bodens Nährstoffe
9 vgl. Behr (u.a.) 1996, S.6
10 vgl. Kehl o.J.
Das Ökosystem Regenwald 8
locker und pflanzenverfügbar zu binden. Neben den Humusstoffen sind insbesondere die Tonminerale im Boden entscheidend für die Speicherung der Nährstoffe. Aufgrund der starken hydrolytischen Verwitterung werden Kaolinite (zweischichtige Tonminerale) gebildet. Diese zeichnen sich zwar durch eine hohe Stabilität der Kristalle, aber auch eine geringe Wasseraufnahmefähigkeit und niedrige Kationen-austauschkapazität aus. Wegen der beschriebenen Eigenschaften besitzen die meisten tropischen Böden nur eine stark verminderte Fähigkeit Nährstoffe zu speichern. 11 Trotzdem bildet der tropische Regenwald mit seiner Fülle an Vegetation ein einzigartiges Ökosystem auf der Erde. Wie ist dieser scheinbare Widerspruch zu erklären? Die Lösung zeigt sich in der Funktion des Nährstoffkreislaufes tropischer Regenwälder. Die Nährstoffe der abgestorbenen Biomasse werden in einem geschlossenen und intensiven System den Pflanzen wieder zugeführt. Grundvoraussetzung dafür ist die ausgeprägte Ballung der Wurzelmasse in der obersten Bodenschicht. 70 - 80 % der Wurzeln sind in der Region zwischen 30 und 45 cm zu lokalisieren. Daher erklärt sich auch die Ausbildung von Planken-, Brett- und Pfahlwurzeln der Urwaldriesen, die lebensnotwendig für ihre Stabilität sind. Aufgrund der vorherigen Ausführungen bezüglich der verminderten Fähigkeit von Nährstoffspeicherung des Bodens, erfolgte ein evolutionärer Anpassungsprozess des Nährstoffkreislaufs. Der Oberboden wirkt als Nährstofffalle (nutrient trap). Primär liegt die Begründung in einem Mutualismus zwischen den Wurzeln und dem Mykorrhiza-Pilz. Diese in Symbiose mit den Wurzeln lebenden Pilze besitzen die Fähigkeit Mineralstoffe aus dem Boden zu filtern, zu speichern und den Pflanzen nach und nach zuzuführen. Durch diese Funktion erhalten die Pflanzen die notwendigen Nährstoffe zum Wachstum. Im Gegenzug profitieren die Pilze wiederum von den ihrerseits lebensnotwendigen Photosyntheseprodukten der Bäume zur Ernährung. In einem intakten Ökosystem funktioniert dieser Nährstoffkreislauf aufgrund seiner speziellen Anpassung höchst effektiv und bringt als Resultat die schon angesprochene Üppigkeit an Vegetation hervor. 12
11 vgl. Weischet 1977, S.19f.
12 vgl. Brauns/Scholz 2004, S.127f.
Das Ökosystem Regenwald 9
2.4 (Zer)Störung des Ökosystems Regenwald
Die vorangegangen Erläuterungen zu der Funktionsweise des Ökosystems Regenwald zeigen, wie die Evolution die ungünstigen Grundvoraussetzungen überwunden hat. Offen bleibt bislang jedoch, auf welche Art und Weise dieses geschlossene System reagiert, wenn äußere Einflüsse es stören. Die autochthonen Anbauweisen, wie z.B. shifting cultivation, haben sich seit Jahrzehnten an das Ökosystem angepasst und verursachen nur eine zeitlich begrenzte Störung. Allerdings rufen unangepasste Eingriffe in den Naturraum irreversible Schäden hervor.
Die wirtschaftliche Nutzung des Regenwaldes, ob nun zu Anbauzwecken durch Brandrodung oder zur Vermarktung des begehrten Tropenholzes durch Kahlschlag, geht stets einher mit seiner Beseitigung. Durch den Verlust der schützenden Vegetationsschicht können Niederschlag und Sonnenstrahlung ungehindert auf den Boden treffen. Die Symbiose zwischen den Wurzeln und Bodenpilzen wird aufgelöst. Dadurch verfällt die Nährstofffallenfunktion des Oberbodens und der Kreislauf wird unterbrochen.
Abbildung 2: Störung des Nährstoffkreislaufs im Regenwald
Die Nährstoffe sind nicht mehr speicherbar und werden ungenutzt abtransportiert. Zwar können aufgrund der in der Asche vorhandenen Nährstoffe auf den brandgerodeten Flächen zeitnah hohe ackerwirtschaftliche Erträge erzielt werden, aber diese Boden- fruchtbarkeit hält höchstens ein bis zwei Ernten und sinkt danach dramatisch ab, bis der
Das Ökosystem Regenwald 10
Boden für irreversibel geschädigt und somit als unnutzbar für den Anbau von landwirtschaftlichen Produkten erklärt werden muss. 13
Die weiteren lokalen ökologischen Folgen sind verheerend: Durch den Wegfall des schützenden Kronendaches bewirken starke Regenfälle einen Anstieg des oberflächlichen Abflusses und der Bodenerosion. Aufgrund des gestiegenen Abtransports von Tonpartikeln verlieren die Böden weiterhin die Fähigkeit Wasser zu speichern, während die Auswaschung der Nährstoffe ansteigt. 14
Ferner wird der Bodenwasserhaushalt gestört. Die zunehmende direkte Sonneneinstrahlung verstärkt die Bodenverhärtung und verursacht durch eine abgesenkte Infiltrationsrate ein Abnehmen der Bodenfeuchte. Mögliche Veränderungen sind die Senkung des Grundwasserspiegels und das Versiegen von Quellen. 15 Die Abholzung der Vegetation bewirkt auch einen tiefgreifenden Einfluss auf den atmosphärischen Wasserkreislauf. Die Interceptionsspeicherung der Vegetation geht verloren und verursacht eine Reduktion der Evapotranspiration. Somit erreichen weniger feuchte Luftmassen die tropischen Randzonen. 16
13 vgl. Brauns/ Scholz 2004, S.129
14 vg. Arnold 1994, S.20
15 vgl. ebd., S.21
16 vgl. ebd., S.21
Das Untersuchungsgebiet: Ghana 11
3 Das Untersuchungsgebiet: Ghana
3.1 Lage und Verwaltung
Der westafrikanische Staat Ghana verfügt über eine Fläche von 238.537 km². Das Staatsgebiet grenzt im Westen an die Côte d’Ivoire, im Norden an Burkina Faso, im Osten an Togo und im Süden an den atlantischen Ozean. Das ghanaische Territorium weist aufgrund der willkürlichen kolonialen Grenzziehung eine nahezu rechteckige Form auf. Während sich die am Golf von Guinea gelegene Küstenlinie von Westen nach Osten auf ungefähr 540 km erstreckt, misst die Nord-Süd Ausdehnung in etwa 700 km. 17
Ghanas Bevölkerung beläuft sich Berechnungen für das Jahr 2007 zufolge auf 21,8 Millionen Menschen. Wobei die an der Küste gelegene Hauptstadt Accra mit ca. 2,1 Millionen Einwohnern die größte Stadt Ghanas darstellt. 18 Die Verwaltung des Staates gliedert sich wiederum in zehn regionale Einheiten (vgl. Tabelle 1) mit 110 unterge-ordneten Distrikten. Diese Gemeinden handeln weitgehend subsidiär, wobei jedoch anzumerken bleibt, dass in manchen Bereichen neben den staatlichen Verwaltungsämtern wichtige Entscheidungen aus Traditionsgründen dem Stammesältesten oder Chief überlassen werden. 19
Tabelle 1: Verwaltungsregionen Ghanas mit den zugehörigen Regionshauptstädten
17 vgl. Schmidt-Kallert 1994, S.30
18 vgl. Helders 2005
19 vgl. v. Gnielski 1986, S.9
Das Untersuchungsgebiet: Ghana 12
3.2 Der Naturraum
Der Naturraum Ghanas lässt sich auf zwei unterschiedliche Arten differenzieren. Die
Gliederung entsprechend der vorherrschenden Vegetation erfolgt nur sehr grob. Aller-
dings gibt diese einen ersten näheren Einblick in die Landesnatur. So unterteilt man
Ghana in die drei von Süden nach Norden nahezu breitenparallel verlaufenden Land-
schaftszonen : Küstensavanne, (Regen)Waldzone und offene Baumsavanne. Indes wird
Ghana heute in fünf unterschiedliche naturgeographische Großregionen kategorisiert,
die unter anderem stärker den geomorphologischen und klimageographischen Be-
sonderheiten des Landes entsprechen und somit eine feinere Einteilung garantieren. Im
S üden des Landes erstreckt sich die Küstenebene, der sich im Nordwesten das Ashanti-
Hochland anschließt. An der östlichen Grenze des Landes ziehen sich die Berge der
Akwapin -Togo-Kette in einem schmalen Streifen bis hinunter zur Hauptstadt Accra.
Das Volta-Becken stellt flächenmäßig die größte Region, in dessen Zentrum der Volta-
stausee liegt, dar. Im Norden und Nordwesten Ghanas befinden sich schließlich die
n ördlichen Ebenen. 20
Das Klima Ghanas wird vor allem durch die äquatornahe Lage beeinflusst. Doch auch
hier stellt sich Ghana hinsichtlich der Temperatur und der Niederschläge äußerst
heterogen dar. Die Temperaturen unterliegen nur im geringen Maße einer jahres-
zeitlichen Veränderung. Dies bedeutet, dass das Land ganzjährig hohe, stabile
Temperaturen vorzuweisen hat. Die Folge sind Jahresdurchschnittstemperaturen von
26° bis 28 C. Abweichend hiervon sind allein spezielle Standorte in den Höhenlagen
der Akwapim-Berge und das nördliche Drittel des Landes, in dem die Tageshöchst-
temperaturen auf bis zu 40 C steigen. 21
Bezeichnender für die Ausbildung eines heterogenen klimatischen Profils ist der
Wechsel zwischen Regen- und Trockenzeiten. Diese Klimaindikatoren werden von den
global vorherrschenden Windsystemen beeinflusst. Zum einen löst der Südwest-
Monsun Niederschlag aus und zum anderen verursacht der Nordostpassat (Harmattan)
Trockenheit. Die jahreszeitliche Verschiebung der Innertropischen Konvergenzzone ist
entscheidend für die jeweilige Dominanz des Passats oder Monsuns. Durch die Ver-
lagerung der ITC in Richtung Süden beeinflusst der Harmattan das Klimageschehen
Ghanas von November bis März. Der Januar kann nahezu in ganz Ghana als der regen-
20 vgl. Schmidt-Kallert 1994, S.30
21 vgl ebd 32
Das Untersuchungsgebiet: Ghana 13
ärmste Monat angesehen werden. Die nachfolgende Regenzeit kann aber schon ab Februar ihre Vorboten schicken. Von März bis Juli herrscht die Hauptregenzeit, welcher nach einer niederschlagsärmeren Phase zwischen August und September ein weiterer niederschlagsreicher Abschnitt folgt. 22
Abbildung 3: Durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge Ghanas
Abbildung 3 zeigt die unterschiedliche Verteilung der Niederschläge in Ghana. Herausragend ist der süd-westliche Bereich mit Jahresniederschlagswerten von nahezu 2.200 mm. Diese resultieren aus dem freien Zugang des Südwestmonsuns auf diesen Teil der Küste. Die östlichere Küstenregion allerdings weist aufgrund der Lage im Windschatten des soeben beschriebenen Vorsprungs die geringsten Niederschlags-
22 vgl. Schmidt-Kallert 1994, S.32f.
Das Untersuchungsgebiet: Ghana 14
mengen auf. Exemplarisch dafür besitzt Accra mit nur ungefähr 700 mm pro Jahr die geringste Niederschlagsquote des gesamten Landes. Ferner ist hinter dem angesprochenen trockeneren Küstensaum ein breiter Gürtel zu erkennen, der von Westen nach Osten verläuft und vor allem dem Ashanti-Hochland und der Akwapim-Togo-Kette eine hohe Humidität beschert. Nördlich dieses Gürtels muss allerdings konstatiert werden, dass die Niederschlagsmenge immer weiter abnimmt. Insbesondere die Region nördlich von Tamale weist nur noch eine einzige echte Regenzeit auf. Die Trockenzeit ist indes auf eine Dauer von sechs Monaten angewachsen. 23
Abbildung 4: Die natürliche Vegetation Ghanas
23 vgl. Schmidt-Kallert 1994, S.34
Arbeit zitieren:
Martin Töttger, 2007, Nutzungswandel im Regenwald Ghanas - Rahmenbedingungen und Folgen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Martin Töttger's Text Nutzungswandel im Regenwald Ghanas - Rahmenbedingungen und Folgen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Martin Töttger hat den Text Nutzungswandel im Regenwald Ghanas - Rahmenbedingungen und Folgen veröffentlicht
Martin Töttger hat einen neuen Text hochgeladen
Terror und Staat. Der 11. September - Hintergründe und Folgen
Geostrategie, Terrorismus, Geh...
Ronald Thoden
Anonymität im Internet - rechtliche und tatsächliche Rahmenbedingungen
Zum Spannungsfeld zwischen ein...
Phillip W. Brunst
Das Gesetz und seine visuellen Folgen / La loi et ses conséquences vis...
Ein interdisziplinäres Forschu...
Ruedi Baur
Property Rating in Ghana within the Framework of Good Governance
Property Rating in Ghana: Proc...
Elias Danyi Kuusaana
Sources for the Mutual History of Ghana and the Netherlands: An Annota...
Michel R. Doortmont, Jinna Smit, M. R. Doortmont
The New Facade: Ghana in the New Millennium. Political Discourses on G...
Desmond Ayim-Aboagye
Description du konkomba: langue Gur du Togo et du Ghana
Phonologie et grammaire
ADOUNA Gbandi
Ghana's Land Adminstration and Security of Land Tenure
Ghana's LAP,Security of Tenure...
Frederick Der Bebelleh
0 Kommentare