Philipps-Universität Marburg SS 2001 Dana Bohlender Fachbereich: Kunstgeschichte HS: Methoden der Architekturinterpretation
• Einleitung
• Lebenslauf von Norbert Elias
• Hauptwerk „Über den Prozess der Zivilisation“
• Text „Wohnstrukturen als Anzeiger gesellschaftlicher Strukturen“ Kapitel III aus: „Die höfische Gesellschaft“(1969)
• Text Frank Druffner „Gehen und Sehen bei Hofe - Weg- und Blickführungen im Barockschloss“
• Text Katja Heitmann „Zeremonielliteratur - Ceremoniel ist eine Ordnung“
• Text Gotthardt Frühsorge „Der Hof der Raum die Bewegung. Gedanken zur Neubewertung des europäischen Hofzeremoniells
• Resumé
Einleitung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Soziologie und architektonischen Räumen. Als Grundlage dient ein Auszug aus Norbert Elias „Die höfische Gesellschaft“, in welchem der Soziologe Elias auf empirischem Wege anhand des Beispiels des Schlosses von Versailles zu beweisen sucht, dass man anhand von „Wohnstrukturen“ einer Gesellschaft Rückschlüsse auf ihre Charakteristika ziehen könne. Weiterhin wird untersucht, wie andere Autoren aus Fachgebieten der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft mit dieser These umgehen. Zunächst wird ein Text von Frank Druffner behandelt „Gehen und Sehen bei Hofe. Weg- und Blickführung im Barockschloss“, der die Verbindung von Zeremonielltheorie und architektonischer Umsetzung in den Mittelpunkt stellt. Um auf das Zeremoniell näher einzugehen schließt sich der Text von Katja Heitmann „Zeremonielliteratur - Ceremoniel ist eine Ordnung“ an, die ein Forschungsresumé über das Zeremioniell zieht. Weiterführend ist der Text von dem Literaturwissenschaftler Gotthardt Frühsorge „Der Hof, der Raum, die Bewegung - Gedanken zur Neubewertung des europäischen Hofzeremoniells“ der verschiedene Ansätze zur Hofforschung darlegt. In dem sich anschließenden Resumé werden anhand von Stichpunkten Gemeinsamkeiten oder Abweichungen der verschiedenen Autoren zu Elias These zusammengestellt, um aufzuzeigen, wie sich diese Texte zueinander verhalten.
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Lebenslauf von Norbert Elias:
1879 am 22. Juni geboren in Breslau als Sohn einer jüdischen Fabrikantenfamilie. 1915 Kriegsfreiwilliger
1917 Rückkehr nach Breslau nach einem Zusammenbruch. Beginn des Studiums der Medizin und Philosophie in Breslau, mit je einem Semester in Heidelberg und Freiburg. 1919 Abbruch des Medizinstudiums 1924 Promotion in Philosophie
1925 Umzug nach Heidelberg, um eine wissenschaftliche Laufbahn zu ergreifen. Er lernt Karl Mannheim 1 kennen und wechselt zur Soziologie. 1930 wird er Mannheims Assistent und zieht nach Frankfurt. Arbeit an der Habilitationsschrift „Der höfische Mensch“, die später in überarbeiteter Form als Buch erscheint unter dem Titel „Die höfische Gesellschaft“ (1969).
1933 Flucht. Versuche, in der Schweiz und in Paris eine Universitätsstelle zu erlangen.
1935 - 1975 lebt er mit Unterbrechungen in England. Arbeit an seinem Hauptwerk „Über den Prozess der Zivilisation“ 1939 erschienen.
1954 - 1962 Anstellung als Dozent für Soziologie an der Universität Leicester
1962 - 1964 befristete Professur an der Universität von Ghana in Akkra. Ab 1965 Gastvorlesungen in Holland und Deutschland 1978 Umzug nach Bielefeld
1977 Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt für sein Gesamtwerk. Ab 1984 lebt er in Amsterdam und stirbt am 1. August 1990.
1 Karl Mannheim, Soziologe, geb. Budapest 27.3.1893, gest. London 9.1. 1947; von 1930-1933 Prof. in Frankfurt am Main
2
Hauptwerk „Über den Prozess der Zivilisation“
Mit seinem Hauptwerk „Über den Prozess der Zivilisation“ (1939) erreichte Elias nach dessen Neuausgabe (1969) und Übersetzung in mehreren Sprachen einen wachsenden Einfluss auf die Soziologie und Sozialpsychologie, Literaturwissenschaft und Pädagogik und weitere Disziplinen.
Norbert Elias über sein Buch „Über den Prozess der Zivilisation“ Zitat: „So begann ich mein Buch Über den Prozess der Zivilisation mit dem klaren Bewusstsein, dass es ein impliziter Angriff gegen die Welle der Einstellungs- und Verhaltensuntersuchungen zeitgenössischer Psychologen sein würde. Denn die akademischen Psychologen - nicht die Freudianerglaubten strikt, dass man jemanden hier und jetzt vor sich haben, dass man seine Einstellungen durch Fragebögen oder andere quantitative Methoden messen müsse, um etwas Sicheres darüber aussagen zu können. Und auf diese Weise ist es natürlich ganz unmöglich, heutige Standards als etwas Gewordenes in den Blick zu bekommen. Sie gingen immer so vor, als ob sie aus den Ergebnissen von Tests mit heutigen Menschen unmittelbare Rückschlüsse auf Menschen überhaupt ziehen könnten. Für mich stand fest, dass das falsch war, dass es einfach ein Versuch war, physikalische oder biologische Verfahrensweisen auf Menschen anzuwenden. Der ganze Wandlungsprozess der Menschen wird dabei ausgeblendet. Das, so würde ich sagen, war meine Schlüsselerfahrung.“ 2
Elias untersucht anhand verschiedener historischer Quellen das Verhalten und die Verhaltensnormen von Angehörigen der Oberschicht .
2 Zitat aus: A. J. Heerma van Voss und A. van Stolk. Norbert Elias über sich selbst. Frankfurt/Main 1990 S. 71
3
Diese Untersuchung erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte, ausgehend vom Mittelalter bis hin zur Aufklärung. Ihn interessieren besonders langfristige Veränderungen der so genannten menschlichen Psychostruktur (das Individuum); diese Veränderungen setzt er ins Verhältnis zu Veränderungen in der Gesellschaft, den gesellschaftlichen Institutionen und den sozialen und politischen Erscheinungsformen der Gesellschaft.
Wichtig am Ansatz seiner Untersuchungen ist:
• dass er im historischen Prozess der Zivilisationen nach langfristigen Veränderungen des Individualverhaltens fragt, (Zeit)
• dass er in bezug auf die Ausbildung von Verhaltensstandards und sozialer Kontrolle nach langfristigen Veränderungen innerhalb der europäischen Gesellschaft fragt, (Raum)
• dass er eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen der Psychostruktur (Individuum) und der Soziostruktur (Gesellschaft) aufdeckt.
Entscheidend hierbei ist, dass Elias versucht, seine Theorie auf empirischem Wege auf Grund von historischem Quellenmaterial zu verifizieren. Diese oben genannten Ansätze gelten auch für sein Buch „Die höfische Gesellschaft“. Zur Untersuchung der Entwicklung von Adel, Königtum und höfischer Gesellschaft beschäftigte sich Elias mit Manierenbüchern, bildlichen Darstellungen und zeitgenössischer Literatur der höfisch-absolutistischen Gesellschaften des 18. Jahrhunderts (Britisches Museum).
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Arbeit zitieren:
Dana Bohlender, 2001, Soziologie und architektonische Räume, München, GRIN Verlag GmbH
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