Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
II. Überblick Autor: Überblick von Aristoteles Leben und Werk 4
III. Primäliteratur: Zeit in der Physik 6
3.1. Das Jetzt 6
3.2. Ist Zeit Bewegung? 6
3.3. Gibt es Zeit ohne Veränderung? 7
3.4. Ist Zeit etwas an der Bewegung? 7
3.5. Ist Zeit zyklisch? 9
3.6. Aristoteles’ Zeitbegriff 11
IV. Andere Varianten des Zeitbegriffes 12
4.1. Die kulturelle Konstruktion der Zeit 12
4.2. Die Ägyptische Zeitkultur 13
V. Schlußkapitel 15
VII. Literaturverzeichnis 18
2
Einleitung
Die Ausarbeitung dieses Themas wird anhand der Lektüre von
Aristoteles´ Physik: Vorlesung über Natur 1 , die hier als Primärliteratur gelesen wird, und weiterer Sekundärliteratur, wie Mitschriften aus der Vortragsreihe: Helmholz-Vorlesungen “Zeit” und Referaten aus dem Proseminar von Prof. Dr. Herbert Schnädelbach “Zeit und Zeiterfahrungen” vorgenommen.
Bei der Physik handelt es sich um zwei Halbbände, deren griechischer Ausgangstext aus: Aristotelis Physica, Recognovit brevique adnotatione critica instruxit (W. D. Ross, Oxford 1950, Nachdruck 1982) entnommen, deren deutsche Übersetzung jedoch völlig neu angefertigt wurde.
Als Begründung für dieses Vorgehen des Autors wurde die Unverständlichkeit der Übersetzung von Karl Prantl aus dem Jahre 1854 aufgrund seiner zu großen Polemik angeführt. Desweiteren verwirft Zekl auch die Übersetzung von Hans Wagner aus dem Jahre 1967, da diese wegen der gewaltigen Fülle interpretatorischen und kommentierenden Materials und aufgrund der Eindringlichkeit in der Auseinandersetzung mit moderner Aristotelesforschung den “garstige Graben der Geschichte” 2 übersprungen hat, was aber nicht zulässig ist.
Die Helmholtz-Vorlesungsreihe fand zu drei Terminen über die Jahre 1998 und 1999 statt. Das Proseminar von Prof. Dr. Schnädelbach wurde von ihm und Prof. Dr. Michael Heidelberger zum Sommersemester 1999 in der Humbolt Universität zusammen veranstaltet.
Meine Bemühung in dieser Hausarbeit wird es sein, einen kurzen aber detaillierten Überblick über den Wandel der Vorstellung und vom Verständnis über die Zeit aus heutiger Sicht dem Leser nahezubringen.
Als erstes folgt ein Überblick über den Autor Aristoteles, der das Primärwerk verfaßt hat. Zuerst einiges zu seinem Leben und Werk, um ihn und seine Theorien besser zu verstehen.
1 Zekl, S.III
2 Zekl, S. XIV
3
II. Überblick Autor: Überblick von Aristoteles Leben und Werk
”Alle Menschen streben nach Wissen von Natur aus.” 3 Das ist der Satz, welcher die Metaphysik von Aristoteles einleitet. Aristoteles spricht unmittelbar über den Menschen und sein Wissen, mittelbar auch über den Verfasser. Und da der Verfasser sehr wichtig ist für ein Werk, folgen biographische Angaben zu Aristoteles.
384 v. Chr. wird Aristoteles in Stageira (Starro), einer kleinen Stadtrepublik im Nordosten Griechenlands; geboren.
Er ist der Sohn einer angesehenen Familie. Sein Vater Nikomachos ist Leibarzt am makedonischen Königshof. Dieser stirbT jedoch früh; und so wird Aristoteles, der eine hervorragende Ausbildung genießt, von einem Vormund weiter betreut. Im Jahre 367 v.Chr. geht er im Alter von siebzehn Jahren nach Athen, um bei Platon an dessen Akademie”, einem Vorbild für die Einheit von Lehre und Forschung” 4 , zu studieren. Dort ist er nur Metöke (Beisasse), ein Ausländer mit Niederlassungsbewilligung, aber ohne politische Rechte (Bürgerrechte).
Im Zeitraum von 367-347 v. Chr war Aristoteles ”erster Athen-Aufenthalt” 5 : Aristoteles beschäftigt sich mit den Problemen aus Platons Dialogen. Er studiert auch bei Speusipp, Xenokrates und Eudoxos von Knidos; die ebenfalls Mitglieder der Akademie sind. Er entwickelt bald eigene Vorstellungen und tritt so aus dem Schülerstatus heraus. Er hatte kein Saulus-Paulus-Erlebnis, eine plötzliche Erleuchtung; und es gab nie eine Wende in seiner intellektuellen Biographie. In dieser Zeit entstehen logische und wissenschaftstheoretische Schriften, die später zum Organon zusammenfaßt wurden; sowie auch erste Entwürfe der Naturphilosophie Physik und der Fundamentalphilosophie der Metaphysik, der Ethik, Poetik, Politik und Rhetorik.
Die Zeit von 347-335/4 sind die ”Wanderjahre” 6 von Aristoteles. Weil er makedonischer Abstammung ist, gilt er als Feind von Athen. Daher verläßt er die Stadt, um zu seinem ehemaligen Mitschüler Hermias von Atarneus, Fürst der kleinasiatischen Stadt Assos, zu flüchten. Dort philosophiert er weiter, lernt Theophrast von Eresos, seinen späteren Mitarbeiter und Freund kennen, und heiratet Pythias, die Schwester von Hermias, mit der er eine Tochter gleichen namens (Pythias) und einen Sohn namens Nikomachos zeugt.
3 Höffe, S. 13
4 Ebd., S. 14
5 Ebd.
6 Ebd., S. 17
4
Im Jahr 345 v. Chr. stirbt Hermias und Aristoteles geht nach Mytilene auf Lesbos. Nach zwei Jahren übernimmt er dort auf Bitten König Philipps die Erziehung von dessen dreizehnjährigem Sohn Alexander 7 .
Der Zeitraum von 335/4 -322 v. Chr. ist Aristoteles ”Zweiter Aufenthalt” 8 in Athen. Durch die Zerstörung Thebens durch die Makedonier kehrt Aristoteles nach Athen zurück, lehrt aber am Lykeion in Lykabettos, einem jedermann zugänglichen Gymnasium, da Xenokrates an die Spitze der Akademie gewählt wurde, obwohl er Aristoteles an Kenntnis, Scharfsinn und geistiger Beweglichkeit weit unterlegen war.
Im Jahre 323 stirbt Alexanders der Große. Daraufhin verläßt Aristoteles Athen wieder, weil er befürchtet, Opfer der antimakedonischen Umtriebe zu werden. Dies tat er mit gutem Grund, da auch er, wie bereits Sokrates, unter die Anklage der Gottlosigkeit (asebeia) fiel. Er zieht nach Chalkis auf Euboia in das Haus seiner Mutter. Im Jahre 322 im Oktober, stirbt Aristoteles im Alter von 62 Jahren, an einer nicht näher bekannten Krankheit.
Sein Werk umfaßte ungefähr 45 Bände zu je 300 Seiten, wovon weniger als ein Viertel erhalten geblieben ist. Sein Schrifttum gliedert sich in drei Gattungen: 1. exoterische, enzyklische Schriften für gebildete Laien.
Sie waren Werbeschriften für die Philosophie Protreptikos’ und Dialoge, wie Über die Philosophie, Über Gerechtigkeit, Politikos, Über Dichter. 2. Weiterhin in esoterische Schriften für Schüler und Kollegen. Sie behandeln einige zentrale Themen nur sehr kurz. 3. Letzteres sind Sammlungen von Forschungsmaterialien.
Es waren Lehrmeinungen früherer Philosophen, Material zur Naturforschung (Zoologie), zur Politik, über Sprichwörter, Homerische Streitfragen usw.
Darüber hinaus entwickelt er eine neue Textgattung: die Abhandlungen. Da wir nun einen Einblick in Aristoteles’ Leben und Werk erhalten haben, befassen wir uns jetzt speziell mit seinen Überlegungen und Vorstellungen von Zeit.
7 Alexander der Große, Staatsmann von Makedonien, größter Feldherr der Antike
8 Höffe, S. 19
5
III. Primäliteratur: Zeit in der Physik
3.1. Das >>Jetzt<<
Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, was Zeit ist, fängt für Aristoteles alles beim Grundgedanken “ob sie zum Seienden gehört oder zum Nichtseienden; (...) was denn ihr wirkliches Wesen ist” 9 an. Er vermutet “daß sie nun also überhaupt nicht wirklich ist oder nur unter Anstrengungen und auf dunkle Weise” 10 . Er begründet dies, indem er den Grundgedanken, daß wenn etwas ist, dann “solange es ist, entweder alle seine Teile sein oder (doch) einige.” 11 sein, also existieren müssen, als Voraussetzung anerkennt. Er differenziert hierbei Vorübergegangenes und noch Bevorstehendes in der Zeit. Durch diesen Gedanken eröffnet sich ihm der erste Grundbaustein für seine These über die Zeit: “das >>Jetzt<<” 12 . Es ist kein Teil der Zeit, sondern die Grenze, eine wandernde Trennlinie, zwischen Vergangenem und Zukünftigem, folglich zweidimensional. Dies begründet er wie folgt:
Mit einer Zeitkoordinate kann man nur einen ausdehnungslosen Punkt beschreiben. Ausdehnungslose Punkte in einer Gruppe ergeben nur einen Punkt. Das >>Jetzt<< nimmt somit keine Spanne in der Zeit ein. Folglich ist das >>Jetzt<< nicht Teil der Zeit, da zwischen jeden Punkt ein weiterer paßt. Das sind also unendlich viele. Somit ist die Zeit auch unendlich teilbar, und das >>Jetzt<< kann nur dessen Grenze sein, weil die Zeit nicht aus ausdehnungslosen >>Jetzten<< zusammengesetzt ist.
Die Eigenschaften bringen Aristoteles demzufolge nicht weiter “Über die ihr zukommenden (Eigenschaften) seien nun so viele Schwierigkeiten herausgestellt. Was aber die Zeit nun wirklich ist, was ihr Wesen ist, das bleibt gleichermaßen unklar”. 13
3.2. Ist Zeit Bewegung?
Nun stellt sich Aristoteles die Frage, ob die Zeit Bewegung und Wandel ist/verkörpert? Er geht davon aus, daß Zeit überall ist. Von der Zeit selber sagt man, daß sie schneller oder langsamer ist. So gibt es bei der Zeit keinen Maßstab, an dem sie festzumachen ist. Nach Aristoteles’ Meinung können nur Gegenstände schneller oder langsamer sein. An einer Zeitspanne betrachtet läßt sich feststellen, daß zum einen, wenn in der gleichen Zeitspanne viel passiert, ein Mensch die Zeit so empfindet, als würde sie rasen. Dies ist auf die vielen Veränderungen/Ereignisse zurückzuführen. Zum anderen empfindet ein Mensch die Zeit
9 Zekl, S. 203
10 Zekl, S. 205
11 Ebd.
12 Ebd.
13 Ebd., S. 207
6
vergleichbar mit einem Kaugummi. Wenn wenig passiert, also Veränderungen/Ereignisse nur langsam geschehen, so vergeht für sie die Zeit sehr langsam. Folglich sind nur die Veränderungen in der Zeit schnell oder langsam. Für subjektive Zeitempfindung sind also objektive Veränderungen wichtig. “Die Zeit dagegen ist nicht durch Zeit bestimmt, weder nach der Seite ihres >>Wieviel<< noch nach der ihres >>Wie-geartet<<. Daß sie also nicht mit Bewegung gleichzusetzen ist, ist offenkundig.” 14
3.3. Gibt es Zeit ohne Veränderung?
Versuchen wir uns dies an einem Beispiel zu überlegen: wenn eine Person eingefroren wird und sie nach einer unbestimmten Zeit erwacht, dann hat sie ohne äußere Hilfe keine zeitliche Orientierung. Also können wir die Zeit nur an Veränderung erkennen, oder anders gesagt, ohne Veränderung ist die Zeit nicht. Dabei unterscheiden wir zwei Ebenen. Zum einen die epistemische Ebene, Zeit auch ohne uns vergeht. Dies haben wir unserer Erkenntnisfähigkeit zu verdanken. Zum anderen gibt es noch die ontologische Ebene, welche objektiver ist. In ihr finden Veränderungen stetig statt, nur bemerken wir sie nicht immer, so wie bei unserem Gedankenexperiment.
Folglich ist Bewegung das Maß der Zeit. “es sei Zeit vergangen, so ist offenkundig, daß ohne Bewegung und Veränderung Zeit nicht ist.” 15
Dies können wir anhand des Beispiels Uhr untermauern. Sie ermöglicht, durch die normierten Veränderungen der laufenden Zeiger, weitere Veränderungen zu messen. Sie ist also weniger ein Ding, sondern ein Prozeß. Finden keine Prozesse statt, so vergeht auch keine Zeit.
Eine beinah Ausnahme ist dabei die sensorische Deprivation. Bei ihr handelt es sich um ein Experiment, welches mit Menschen gemacht wurde. Diese Menschen konnten feststellen, daß obwohl sie in einem völlig dunklen Raum, ohne jegliche andersartige Reize von außen eingesperrt waren, Zeit vergangen ist. Dies ermöglichten ihnen mentale und physiologische Veränderungen in ihnen selbst. Man nennt es auch die innere Uhr.
3.4. Ist Zeit etwas an der Bewegung?
Zu dieser Fragestellung gelangt Aristoteles durch zwei Gedanken. “Wir nehmen Bewegung und Zeit ja zugleich wahr.” 16 und “Da sie [die Zeit] 17 nun aber gleich Bewegung eben nicht war, so muß sie etwas an dem Bewegungsverlauf sein.” 18
14 Zekl, S. 209
15 Ebd.
16 Zekl, S. 209
17 vom Verfasser eingesetzt
7
Weiterhin argumentiert er, daß Ausdehnungsgrößen zusammenhängend sind und, weil Größen im allgemeinen gesehen immer zusammenhängend sind, so sind es der Bewegungsverlauf und darüber hinaus die Zeit auch. So lange, wie eine Bewegung verlief, soviel Zeit sei vergangen. Es gibt also ein >>davor<< und ein >>danach<<. Diese im ursprünglichen zuerst im Raum verwendeten Begriffe, wie zum Beispiel für Raumpunkte oder Raumspannen, wurden in die Zeit übernommen, da “aufgrunddessen, daß hier ja der eine Bereich dem anderen unter ihnen nachfolgt,” 19 sie auch hier ihre Gültigkeit in Form von Zeitpunkten und Zeitspannen besitzen. Später wurden Begriffe wie das >>früher<< für davor und das >>später<< für danach eingeführt. Auch umschreibt man eine Zeitspanne heute mit dem Begriff >>Dauer<<. Es geht sogar soweit, daß man heutzutage sehr große räumliche Entfernungen nicht in Metern oder größeren räumlichen Maßeinheiten angibt, sondern in Lichtjahren, einer zeitlichen Bestimmung. Man erfaßt demzufolge einen Raum in seiner Größe durch eine Zeitdauer, die das
Licht braucht, um diesen Raum zu durchqueren. Es findet demzufolge eine Bewegung statt, die einen Anfangspunkt und einen Endpunkt hat. “Was nämlich begrenzt ist durch ein >>Jetzt<<, das ist offenbar Zeit.” 20 Und wenn dieses >>Jetzt<< als eins wahrgenommen wird, dann scheint keine Zeit vergangen zu sein, weil keine Bewegung ablief. Folglich ist die Zeit “Die Meßzahl von Bewegung hinsichtlich des >>davor<< und >>danach<<.” 21 Also “nicht gleich Bewegung ist die Zeit, sondern insoweit die Bewegung Zahl an sich hat” 22 ist sie Zeit. Die Zeit ist also mehr oder weniger eine Art Zahl, die sich aus der Bewegung ergibt, welche einen bestimmten Zeitabschnitt in Beschlag genommen hat. Aristoteles vertritt die Meinung “Wir messen nicht bloß Bewegung mittels Zeit, sondern auch (umgekehrt) Zeit mittels Bewegung, weil sie nämlich durch einander bestimmt werden.” 23
Heutzutage vertritt man aber die Auffassung, daß wir nicht Bewegung mittels Zeit, sondern Zeit mittels Bewegung messen. Denn woher wissen wir, daß eine Uhr immer gleich schnell geht? Wir vergleichen sie an einer anderen Uhr, einem Prozeß, wie wir bereits zuvor im Kapitel 3.3. festgestellt haben. Da Uhren ja nicht natürlich sind, wird in der Physik ein regelmäßiger Prozeß in der Natur gesucht, an dem man die Uhr eichen kann. Ist der Herzschlag des Dalai Lama ein regelmäßiger Naturprozeß? Wie können wir das feststellen? Wir können es nicht, da Bewegung durch regelmäßige Bewegung Zeit mißt. Man bräuchte also immer eine größere Uhr.
18 Zekl, S. 211
19 Ebd.
20 Zekl, S. 211
21 Ebd., S.213
22 Ebd.
23 Ebd., S.219
8
Aristoteles hingegen erkennt für sich die Kreisbewegung des Universums, als regelmäßig an. Denn nach seinem Glauben besteht das Universum aus ineinander angeordneten Schalen, an welchen die Sterne festgehaftet sind. Diese Sphären, wie Aristoteles sie bezeichnet, bewegen sich stets regelmäßig. Dies ist eine nach heutiger Zeit absolut nicht mehr haltbare Vorstellung. Denn wir wissen, daß jenes Universum, welches uns umgibt, ein großer, fast leerer Raum ist, der sich in stetiger Expansion befindet. Dies wurde mittels der Rot-Blau-Verschiebung im Spektralbereich der Radiostrahlung festgestellt. Auch wurde die Abkühlung des Universums durch die Wissenschaftler Arno Penzias und Robert Wilson im Jahre 1965 bestätigt. Sie konnten damals die kosmische Hintergrundstrahlung ausmachen, welche nur noch 3 Kelvin beträgt. Diese Zahl ist das Resultat der Expansion des Universums und der dadurch einhergehenden Abkühlung, da ein Ausdehnungsvorgang immer Wärmeenergie verbraucht. 24
Zusammenfassend kann man sagen, daß die Zeit nicht schneller oder langsamer sein kann, da sie ja mit Zeit gemessen wird. Nur eine Bewegung kann schneller oder langsamer sein. Man kann nicht von einem Maßstab das erhalten, was man vom gemessenem erwartet. Wir können also die Zeit mit Bewegung messen. Zeit ist also etwas an der Bewegung. Voraussetzung dafür ist nur, daß die Bewegung regelmäßig ist, wie zum Beispiel die Halbwertszeit 25 des Urans. Die Halbwertszeit T ist “diejenige Zeit, innerhalb welcher die Hälfte aller jeweils vorhandenen Atomkerne zerfallen ist.” 26 In unserer heutigen Welt werden alle Uhren nach Atomuhren gestellt, da dieser Prozeß bislang als der regelmäßigste gilt.
3.5. Ist Zeit zyklisch?
Aristoteles schließt aus seinen Vorstellungen über das Verhältnis von Zeit und Bewegung folgende Schlüsse zur zyklischen Zeit: “Wie die Bewegung, so auch die Zeit; wenn nämlich ein und dieselbe (Bewegung) einmal wiederkehrt, so wird auch die Zeit eine und dieselbe sein, andernfalls jedoch nicht.” 27
Man beachte, daß Aristoteles schon im Nachdenken über den Zusammenhang von Bewegung und Zeit folgenden Gedanken hatte:“Was also weder der Bewegung noch der Ruhe unterliegt, ist nicht in der Zeit.” 28 In der Zeit sein heißt “Durch-Zeit-gemessen-Werden, die Zeit aber ist das Maß von Bewegung und Ruhe.” 29 Daraus erklären sich auch seine
24 Kerrod, SEITENZAHL!!!
25 Die Halbwertszeit T ist für jedes radioaktive Nuklid konstant und charakteristisch. Sie wird in
Curie gemessen 1 Curie (1Ci) ist diejenige Menge einer radioaktiven Substanz, in der je Sekunde
3,7000 x 10 10 Zerfallsakte stattfinden. Das entspricht beim Uran T= 4,56 x 10 9 Jahre.
26 Lindner, S. 559
27 Zekl, S. 229
28 Ebd., S. 225
29 Ebd.
9
Vorstellungen, was die Zirkularität der Zeit angeht. Er vertritt die Meinung, sollte es die ewige
Wiederkehr des gleichen geben, dann kehrt auch die Zeit wieder. Dies solle aber nur für die Dinge gelten, die in der Zeit sind. Dazu gehört alles “was vergänglich ist und entstehen kann, und überhaupt, was zu einer Zeit ist, zu einer anderen nicht, muß notwendig in der Zeit sein” 30 .
Und wenn also dieselbe Bewegung wiederkehrt oder das gleiche entsteht oder vergeht, dann ist es auch dieselbe Zeit.
Vergleicht man es anhand einer Uhr, so sind zwar die Zahlen oder Zeiger jeden Tag gleich, aber das Datum hat sich geändert. So ist also nicht alles gleich wie gestern. Wenn aber alles wiederkehrt und keine Unterscheidung mehr möglich ist, der gesamte Weltverlauf sich wiederholt, dann würde auch die Zeit wiederkehren. Denn alles woran man es messen könnte, würde ja auch wiederkehren. Man spräche jetzt von der bereits erwähnten Wiederkehr des Gleichen, dem oszillierendem Weltall. Das wäre ein Determinismus. Diese Behauptung untermauert Aristoteles mit den Fakten, daß es endlich viele Materie gibt und endlich viele Bewegungsabläufe, da diese Bewegungsabläufe ja Gesetzen unterliegen. So kommt Aristoteles zu dem Schluß “so hört (die Zeit) also nie auf; sie ist ja immer (wieder) am Anfang.” 31
Nietzsche unterstützt Aristoteles mit seinen Überlegungen. Denn er ist Vertreter der These von der endlich vielen Materie und einer bestimmten Anzahl von Bewegungsgesetzen. Zusätzlich führt er die These ein, daß das Weltall ja auch endlich groß ist und somit ein Zyklus, eine Wiederholung stattfinden muß.
Chomsky hingegen vergleicht das Weltall mit einem Satz. Kann er unendlich lang sein, denn schließlich gibt es ja endlich viele Regelungen? Ja, die Grammatik läßt es zu, daß ein Satz unendlich lang ist, da auch Wörter wiederverwendet werden dürfen und somit niemand behaupten kann, es scheitere an fehlenden Worten.
Somit ist nach Chomsky das Weltall unendlich groß, es finden keine Wiederholungen statt und somit auch kein Zyklus. Dies ist ein Widerspruch zu allem dagewesenem. Meiner Meinung nach ist das eine nicht haltbare These, da schon eine wichtige Bedingung von Aristoteles nicht auf diese Beispiel zutrifft. Denn Wörter sind nicht in der Zeit. Sie entstehen nicht, sondern werden gebildet. Und sie vergehen auch nicht, sondern geraten höchstens in Vergessenheit. Auch ist ein Wiederverwenden von Materie, so wie die Wörter wiederverwendet werden, in der Natur nicht möglich.
Denn jeder Gegenstand kommt nur einmal vor und kann nicht wiederverwendet werden. Zwar gibt es viele Dinge, die sich von außen gesehen absolut gleichen, aber sie bestehen
30 Zekl, S. 225
31 Ebd., S. 229
10
nie aus den gleichen Atomen. Wenn ich etwas verdoppeln will, dann kann die Kopie nicht aus dem Nichts erschaffen, sondern nur aus Atomen, die dann woanders nicht mehr zur Verfügung stehen und nicht die gleichen sind wie die ursprünglichen. So ist Chomskys These leicht zu widerlegen.
3.6. Aristoteles’ Zeitbegriff
Aristoteles geht aber noch weiter in seinen Behauptungen. “Auch die Zeit selbst scheint ja eine Art Kreis zu sein.” 32 Er vertritt hierbei die Meinung, daß die Zeit nicht nur wenn Dinge gleich entstehen oder vergehen, oder eine Bewegung sich wiederholt zyklisch ist, sondern die Zeit sei es an sich von selbst. Er stützt seine These mit der Aussage “Das (kommt daher), weil sie durch die Kreisbewegung gemessen wird.” 33
Um dies zu verstehen, müssen wir wissen, daß für Aristoteles “
Logischer und treffender ist Aristoteles Vorstellung von Zeit, bevor er den gedanklichen Ausflug zum Kreissein der Zeit begann. Sie besagt “Das >> früher-und-später<< ist (wohl Bestimmungsstück) an der Veränderung, Zeit dagegen ist dies (erst), insoweit es [Veränderung 36 ] zählbar ist.” 37
Zusammenfassend kann man Aristoteles Zeitbegriff so formulieren: Wenn Veränderungen stattfinden, sei es eine Bewegung oder das Verformen, Entstehen oder Vergehen eines in
32 Zekl, S. 235
33 Ebd., S. 237
34 Ebd., S. 235
35 Ebd.
36 vom Verfaser eingefügt
37 Zekl, S. 233
11
der Zeit befindlichen Gegenstandes, und es gibt ein früher und ein später (die beiden >>Jetztes<< sind bewußt zu unterscheiden) und man kann die Veränderungen zählen, ihnen einen Ablauf geben, dann können wir sagen, es ist Zeit vergangen. Anders als bei allen anderen Philosophen und Denkern, läßt Aristoteles diesen Schluß auch als Umkehrschluß zu. So argumentiert er, nur wenn es Veränderungen gibt, gibt es auch Zeit und nur wenn es Zeit gibt sind Veränderungen möglich. Dies impliziert, daß wenn es Zeit gibt, ruft sie unweigerlich Veränderungen hervor.
IV. Andere Varianten des Zeitbegriffes 4.1. Die kulturelle Konstruktion der Zeit
“Die Zeit ist etwas soziales, was durch Handeln, Planen und Erinnern entsteht. Sie bildet eine soziale Geschichte.” 38
Dies ist ein Kulturalismus, denn die Uhren der einzelnen Kulturen gehen unterschiedlich. Die Heiden und die Christen lebten in verschiedenen Zeiten und haben dafür eine unterschiedliche Geschichte.
Zur Zeit des Augustinus lebten die Heiden gefangen in Zeitkreisen, so daß für sie eine zyklische Zeitvorstellung galt. Die Christen lebten der Erlösung entgegen, sie dachten in einer linearen Zeit.
Die Zeitvorstellungen, welche sich auf die Thora stützen, was auf hebräisch “Lehre” heißt und die mosaischen Gesetze der Bücher 1-5 des alten Testaments benennt, gelten als die Messianische Zeit. Sie wurde in Vater, Sohn und Heiliger Geist unterschieden. Jede der drei Phasen galt für jeweils 2000 Jahre.
Die Zeit nach Comte unterteilt sich in drei Stadien, die tatsächliche Paralellen zur Gesellschaftsentwicklung aufweisen. Beginnend mit dem religiösen Stadium, welches auf ein Königtum nach Gottes Gnaden aufgebaut war. Gefolgt vom metaphysischen Stadium, welches auf das gesetzte Recht und Rechtsgelehrte fußte. Als drittes und abschließendes Stadium gilt das wissenschaftliche Stadium. Sein Fundament bildet die Industrialisierung mit der Produktion nach wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wie man erkennt, gab es in der Geschichte der Menschheit unterschiedliche Zeitvorstellungen, die zum einen aufeinander folgen konnten, oder aber auch gleichzeitig in verschiedenen Kulturen existierten.
Wichtigstes Unterscheidungskriterium ist die Geschichte, denn Völker mit linearer Zeitvorstellung hielten die ihre in Schriften fest. Völker mit zyklischer Zeitvorstellung haben
38 Prof. Dr. Dr. h.c. Jan Assmann [Universität Heidelberg], aus der Reihe Helmholtz-Vorlesung:
“Zeit”, Humboldt-Universität zu Berlin, 29. Oktober 1998
12
keine richtige Geschichte, da sie nur mündlich übermittelt wurde und so zur Gedächtniskultur zählt. Bestes Beispiel ist die Kultur Ägyptens, wo heutige Geschichtsforscher feststellten, daß sich Amtszeiten von ägyptischen Pharaonen wiederholen oder über eine menschliche Lebenserwartung andauerten. So fand man griechische Kräuter in Grabmälern, die als so alt eingestuft wurden, daß es zu damaligen Erkenntnissen noch keine Handelsbeziehungen zwischen Griechenland und Ägypten hätte geben können. Erst als man die Möglichkeit der zyklischen Zeitgeschichte der Ägypter in die Betrachtungen mit einbezog, machten die Funde einen Sinn. So waren die entdeckten Gräber viel jünger als zuvor vermutet. Die Erkenntnisse von der ägyptischen Geschichte, müssen korrigiert werden. Eine um 2000 Jahre verkürzte Geschichtsschreibung ist der neueste Stand. Durch diese Erkenntnis wird heute zwischen kalten Gesellschaften, wo/in welchen Zyklisierung der Zeit durch Riten oder der Wandel durch Institutionen eingefroren wurde, und heißen Gesellschaften, wo/in denen die Erzeugung von linearem Zeitfortschritt durch verfügbares, transportables Wissen möglich war, unterschieden. Allerdings gibt es keine Gesellschaft in Reinform. In jeder Kultur gibt es immer wieder heiße und kalte Strähnen.
4.2. Die Ägyptische Zeitkultur
Die ägyptische Kultur protestierte gegen die Sterblichkeit des Menschen und suchte einen Zeitort jenseits von Tod und Vergänglichkeit. Davon zeugen Mumien, Pyramiden und Hieroglyphen (sakrates chronos topos). Die Ägypter bauten auf Sichtbares und Dauerhaftes, wie Grabmäler und Riten auf. Sie wollten in zwei Zeiten fortleben. Zum einen in den Riten im regenerativen Fortlauf, was auch als solare Idee des Sonnengottes bekannt ist. So wie sie wiederkehren, wollten auch sie wiederkehren. Dazu benutzten sie die Monumente und die Mumifizierung im unwandelbaren Sein bei Osiris. So erhalten wir hier zwei Gegenzeiten zum Tod. Zum einen die Erneuerungszeit (reversible Zeit) bei den Riten, welche als männlich galten, und die Dauerzeit (irreversible Zeit) bei den Monumenten, die als weiblich galten. So haben die Ägypter eine binäre Zeit, die Vergangenheit und die Gegenwart. Aber keine Zukunft, so wie wir sie heute haben. Die weibliche Vergangenheit ist vollendet. Resultativ ist die Handlung abgeschlossen, da ein Ergebnis vorliegt. In der männlichen Gegenwart ist man immer noch dabei, in Bewegung, und es ist kein Ende gesetzt (Progessiv). So folgen aus Aspekten der Zeit zwei Handlungsbereiche. Es sind die Ritualisierung und die Kalendarisierung. Durch die Ritualisierung wird der Kreisel der Zeit in Bewegung gehalten, denn die zyklische Zeit ist auch kein perpetuum mobile. Erst die Riten machen die Geschehnisse zur ewigen Wiederkehr.
13
Die Todesriten sollen den Menschen klarmachen, daß Altes sterben muß, um Neues zu ermöglichen, so wie morgens der Sonnengott aus der Erde emporsteigt und abends wieder in sie hineingeht. Der Tod wurde als Übergang, als der Moment, wenn Anfang und Ende zur Deckung kommen, gedeutet. So entsteht die Erneuerung, von der sich die Menschen durch Ritualisierung eine heilende Wirkung versprachen. So gab es auch das Stundenritual, welches ein stündliches Lob auf die Götter war. Es wurde vollzogen, damit die Götter die Planeten in Bewegung halten, damit Gegenwart zustandekommt. Und dies zellibrierten die Ägypter rund um die Uhr, sonst würde die Zeit ja stehen bleiben. Wichtig zum Verständnis der Binarität derzeit sind noch die Riten der unter-schiedlichen Tage. So hatte jeder Tag eine mythische Bedeutung, unterteilt in die Kategorien: gut, unbestimmt und unheilvoll. So wurden die Vorhaben anhand der Tage geplant. Das machte eine Kalendarisierung notwendig und war der Übergang zur linearen Zeit. Das Ziel der linearen Zeit ist das Geschaffene (Resultativ). Das Resultat soll ethisch wertvoll sein, denn der tugendhafte Mensch bleibt unvergessen, da er gute Taten für die Gesellschaft vollbracht hat. Man nennt dies “Tugend der Unvergeßlichkeit” oder Mahat (Gerechtigkeit, Gutheit). Später sagte Nietzsche, die Moral als Grundform des Gedächtnisses ist die Grundlage der
In Ägypten erschafft Moral die Kontinuität. “Ein guter Charakter kehrt zurück zu seinen Werken, um weiterhin andere zum Handeln zu animieren, sonst tötet die Trägheit die Zeit.” 40 Wenn das aber nicht geschieht, dann zerfällt das moralische Gedächtnis. “Siehe man kämpft auf dem Kampfplatz, denn nichts gelingt dem, der vergessen hat das Gestern, und vergessen hat den, den er kannte.” 41
Der Edle erhält ein angemessenes Grab, denn Gräber sind die Häuser für das Leben nach dem Tod. So erzielt der, der Moral und Gerechtigkeit während seiner Lebzeiten hochhielt, das Leben und die Zeit nach dem Tod.
Zuletzt ist noch die Kanonisierung zu betrachten. Ein Kanon ist eine für alle Zeit festgelegte Schrift. In Ägypten sind die Hieroglyphen das kanonische Gedächtnis, durch die der Wandel des Seins verhindert werden soll “Oh Ewigkeit - Du Donnerwort!” 42 . Die Hieroglyphen dürfen aber nicht mit einer gewöhnlichen Schrift, so wie wir sie heute haben, verglichen werden. Sie waren keine Alltagsschrift, sondern der Versuch der Speicherung eines Lebenswerkes in
39 Nietzsche im Vorwort zur 2. Abhandlung “Genealogie der Moral”
(Moral ist die Herkunft der Verantwortlichkeit)
40 Prof. Dr. Dr. h.c. Jan Assmann [Universität Heidelberg], aus der Reihe Helmholtz-Vorlesung:
“Zeit”, Humboldt-Universität in Berlin 29. Oktober 1998
41 Ebd.
42 Ebd.
14
einer Bilderschrift. Hieroglyph bedeutet im Griechischen “heiliges Zeichen” 43 . Die Hieroglyphen entstanden Ende des 3. Jahrhunderts v.u.Z. und endeten etwa 200 u. Zeit. Die Hieroglyphenschrift umfaßte ungefähr 600 Wort- und Silbenzeichen, sowie 24 Einzelkonsonanten. Geschrieben wurde meist senkrecht linksläufig. Daneben wurde eine vereinfachte Buchschrift und seit dem 7 Jahrhundert v.u.Z. eine Geschäftsschrift gebraucht. Heutzutage benutzen wir zum Beispiel die Maschinensprache, um Dinge, die wir erhalten wollen, zu speichern.
V. Schlußkapitel
Nachdem wir die Aristotelische Zeitvorstellung, mit dem Vorhandensein der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft und die ägyptische Zeitvorstellung, in der es nur die Vergangenheit und die Gegenwart gibt, kennengelernt haben, und feststellen mußten, daß es in beiden lineare und zyklische Zeitabläufe gibt, überrascht uns dann die These von John M. E. Mc Taggart “Die Irrealität der Zeit” 44 , welche er 1908 veröffentlichte, besonders. Denn in ihr bezweifelt er und versucht zu beweisen, daß es Zeit nicht gibt. Um seine Argumentation verstehen zu können, müssen wir zuvor seine Begrifflichkeiten einführen. Für Mc Taggart gibt es eine A - und eine B - Reihe der Zeit. Unter der A - Reihe versteht er die Reihe von Ereignissen, die von der fernen Vergangenheit über die nahe Vergangenheit zur Gegenwart und von der Gegenwart über die nahe bis zur immer ferneren Zukunft verläuft.
Die B - Reihe umfaßt die Reihe von Ereignissen, die durch die zeitlichen Relationen von früher als, (gleichzeitig mit) und später als gebildet wird.
Am Beispiel vom Ereignis M ist in A - Reihe eine Veränderung vergangen oder gegenwärtig oder zukünftig. In der B - Reihe vor oder gleichzeitig mit oder nach Ereignis N. Seine Theorie der Irrealität der Zeit beginnt Mc Taggart damit, daß er versucht zu beweisen, daß es die Zeit nicht ohne die A - Reihe geben kann.
“Zeit schließt Veränderung ein.” 45 Davon geht Aristoteles aus. Weiter argumentiert er dann, daß die einzige Art von Eigenschaft, hinsichtlich derer Ereignisse, die einer Veränderung unterliegen können, ihre Position in der A - Reihe “ein Ereignis ist erst zukünftig, dann
43 Dr Annette Zwahr: BI Universallexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1989, S.410 DIESE
ANGABE MUSS NOCH IN DAS LITVERZ!!! UND DANN HIER AUCH ÄNDERN!
44 Zimmerli/Sandbothe, SEITENZAHL!!!
45 Ebd., S. 69
45 Ebd., S. 71
15
gegenwärtig und schließlich vergangen.” 46 ist. Deshalb ist die Existenz der A - Reihe wesentlich für die Realität der Zeit.
Nun kommt er zum zweiten Teil seines Beweises, in der er herleitet, daß die A - Reihe nicht existieren kann, und daß folglich die Zeit nicht existieren kann. “Bei der Anwendung der A -Reihe - Bestimmungen auf Ereignisse verwickeln wir uns in Widersprüche. Daher können diese Bestimmungen nicht auf die Realität zutreffen.” 47 Folglich ist die Zeit irreal. Die Bestimmungen der A - Reihe sind inkompatibel miteinander, und doch kommen alle Bestimmungen jedem Ereignis zu. Das hat einen Widerspruch zur Folge. Bei dem Versuch, dieser Widersprüchlichkeit zu entgehen, gerät man in einen Zirkel, in einen infiniten Regreß. Er läßt sich also nicht beheben. So kann eine in sich widersprüchliche Idee für die Wirklichkeit nicht gültig sein.
Dieser Argumentation setzt M. Dummett 48 einen entscheidenden Einwand entgegen. Mc Taggarts Argument ist ungültig, da es unter Bezugnahme auf Ereignisse formuliert ist. Wenn Mc Taggart es aber auch auf Dinge angewendet hätte, so wie bei Aristoteles Ereignisse und Dinge in der Zeit sein konnten, dann hätte er merken müssen, daß sowohl inkompatible Prädikate für das selbe Ding, als auch jedem Ding alle Prädikate zugeschrieben werden können.
Auch weist M. Dummett darauf hin, daß Mc Taggert die Eigenschaften zeichenreflexiver Ausdrücke unberücksichtigt gelassen hat.
Am Ende seiner Kritik kommt M. Dummett zu den Schluß, daß es ein Selbstwiderspruch ist, anzunehmen, daß die Zeit irreal ist. Denn wir fassen die Relationen zwischen Ereignissen fälschlicherweise als zeitlich auf, obwohl sie doch in Wirklichkeit statistisch sind und selbst dann ändert sich unsere Auffassung von ihr. So ist der Selbstwiderspruch richtig, die Prämisse falsch und die Zeit real. Was schlußfolgern wir daraus?
Die Zeitposition ist keine intrinsische Position, sondern einer relationale. Nicht nur zwischen zwei Ereignissen, sondern zwischen einem dritten, unserem Bewußtsein oder einem anderen zeitgleich regelmäßig abgelaufenem Ereignis (einem Maßstab) das weiterläuft (Uhrcharakter), besteht eine Beziehung zueinander.
Das früher als, später als würde als einziges übrig bleiben ohne Bewußtsein. Es kann aber nicht Zeit sein, wenn es nicht gemessen werden könnte.
Wichtig ist also die Anwesenheit des Bewußtseins, welches selbst noch kein Maßstab ist, da es selbst Anhaltspunkte braucht. Deshalb ist als Maßstab ein nicht chaotisches Universum
46 Zimmerli/Sandbothe, S. 82
48 Schark
16
notwendig. So haben wir zum Schluß ein Bewußtsein von etwas Zählbarem, wie auch bei Aristoteles. Und das ist Zeit.
Kant sagte schon damals, daß unser Bewußtsein ein Zeitbewußtsein ist und es Zeit an sich nicht gibt. Sondern Zeit gibt es nur für ein Bewußtsein. Das ist indexikalisch.
17
VII. Literaturverzeichnis
Assmann, Prof. Dr. Dr. h.c. Jan [Universität Heidelberg], aus der Reihe Helmholtz-Vorlesung: “Zeit”, Humboldt-Universität in Berlin, 29. Oktober 1998
Höffe, Otfried: Aristoteles. Beck´sche Reihe 535: Denker. C.H. Beck,
München, 1996
Kerrod, Robin: Das Kosmos-Buch vom Weltall. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart, 1992 [Aus dem Englischen übersetzt von Hermann-Michael Hahn. Originalausgabe: The Children`s Space Atlas. Quarto Publishing plc, London,Großbritannien, 1991]
Lindner, Helmut [Studiendirektor der Ingenieurhochschule Mittweida]:
Lehrbuch der Physik für Ingenieur- und Fachhochschulen [Verbindliches Fachschullehrbuch Institut für Fachschulwesen der DDR, Karl-Marx-Stadt] VEB Fachbuchverlag Leipzig, Leipzig, 1970
Schark, Marianne: Seminar von Prof. Dr. Heidelberger und Prof. Dr.
Schnädelbach: “Zeit und Zeiterfahrungen”, Humbolt-Universität, 09. Juli 1999
Zekl, Hans-Günter: Aristoteles´ Physik: Vorlesung über Natur, Erster Halbband: Bücher I (A) - IV(). Griechisch - Deutsch, Felix Meiner Verlag GmbH, Hamburg, 1987
Zimmerli, W. und M. Sandbothe: Klassiker der modernen Zeitphilosophie, Darmstadt, 1993 [Originalveröffentlichung in: Mind 17, 1908]
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Arbeit zitieren:
Thomas Funke, 1999, Der Zeitbegriff im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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