Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. - Überblick - Autor:
kurze Beschreibung von Platons Leben und seinem Werk 2
2. - Überblick - Buch:
Aufgliederung der Politeia nach Kurt Hildebrandt 3
II. Welches sind die unterschiedlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit?
1. - These zur Gerechtigkeit von Polemarchos 4
- Kommentar 4
2. - These zur Gerechtigkeit von Thrasymachos 4
- Kommentar 6
3. - These zur Gerechtigkeit von Glaukon 6
- Kommentar 7
III. Welches Leben birgt mehr Vorteile, das des Gerechten oder des Ungerechten?
1. - These von Glaukon:
der Weg des Gerechten und Ungerechten bei gleichen Voraussetzungen 8
- Kommentar 8
2. - These von Glaukon:
das Ungerechte Leben birgt mehr Vorteile 9
- Kommentar 9
3. - These von Thrasymachos:
kleines Unrecht wird bestraft, großes Unrecht belohnt (Tyrannis) 10
- Kommentar 10
IX. Ist der tyrannische Mensch wirklich der Glücklichere?
1. - Beweisführungsdialog zwischen Sokrates und Glaukon 11
- Kommentar 12
2. - Beweisrechnung des Sokrates 13
- Kommentar 13
X. Schluß
1. - Die Zusammenfassung von Sokrates zur Fragestellung:
Wer ist der Glücklichste? 14
- Kommentar 14
2. - Was versteht Sokrates unter Gerechtigkeit 14
- Kommentar 16
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I. Einleitung
Die Ausarbeitung dieses Themas wird anhand der Lektüre: „Platon: Der Staat (Politeia)“ 1 , vorgenommen.
Zuerst ein kleiner Überblick über das Buch und seinen Autor. 1. Überblick - Autor
Platon lebte von 427-347 vor unserer Zeitrechnung. Er war ein griechischer Philosoph und Schüler des Sokrates. Er gründete die erste Akademie der Welt in Athen. Sie ist in ihren Grundzügen noch immer das Vorbild der heutigen Universitäten.
Platon war bemüht, der Auflösung ethischer, kulturell-sozialer und politischer Werte und Normen in der Verfallsperipode der griechischen Polis entgegenzuwirken. Dazu schuf er ein System, in dem er Begriffe und Ideen als das wahre Sein darstellt, die ewigen Formen und Ursachen aller materiellen Dinge.
Diesem hierarchisch geordneten System entspricht Platon´s Modell eines Staates, an dessen Spitze er die Geistesaristokratie der Philosohpen stellt. Er versuchte, in Syrakus mit Billigung Dionysios´ II. diese in „Der Staat“ formulierte Gesellschaftstheorie zu verwirklichen, scheiterte jedoch. Handlungsprinzip war für Platon die unsterbliche menschliche Seele, die im ewigen Widerstreit zwischen Vernunft und Gefühl verfangen ist. Nur mit Selbstbeherrschung und nach umfassender Bildung kann man wirklich vernünftig handeln, urteilte Platon.
Für ihn gab es nur im Bereich der Ideen gesichertes Wissen, bei den Sinnesdingen seien nur „Meinungen“ möglich; sie repräsentieren das Allgemeine (das Wesentliche) nicht direkt.
Diesen Problemkreis, der das Verhältnis zwischen Denken und Sein thematisiert, behandelt Platon besonders im Dialog „Phaidon“. In Anlehnung an die mathematisch-philosophischen Anschauungen der Pythagoreer legte er im „Timaios“ seine naturphilosophischen Überlegungen dar. Platons Werk beeinflußte viele Denker im weiteren Verlauf der Philosohpiegeschichte.
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2. Überblick - Buch
Die Politeia ist aus 10 Büchern zusammengesetzt, die darüber hinaus in sieben übergeordnete, sich nicht an die einzelnen Bücher haltenden Grundabschnitte unterteilt sind. 2
1. Abschnitt: Vorspiel - Gerechtigkeit der alten Generation (1. Buch) Unsicherheit der mittleren Generation = Zustand in der Ungerechtigkeit der Sophisten Gegenwart
2. Abschnitt: Einleitung - Ist der Gerechte glücklich? (2. Buch)
3. Abschnitt: 1.Hauptteil - Entwicklung des Staates (2.-4. Buch) Erziehung der Krieger
4. Abschnitt: 2.Hauptteil - Einheit des Blutes (5.-7. Buch) Herrschaft der Philosophen
5. Abschnitt: 3.Hauptteil - Timokratie (8. Buch) Oligarchie
6. Abschnitt: Schluß - der Gerechte ist der Glücklichere (8.-9. Buch)
7. Abschnitt: Nachspiel - Verwerfung der nachahmenden Dichtung (10. Buch) Ewige und irdische Gerechtigkeit = Dichtung und
1 Platon. Politeia: Übs. Karl Vretska. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co., 1982
2 Aufteilung nach „Logos und Mythos“ von Kurt Hildebrandt, 1933 Kiel
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II. Welches sind die unterschiedlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit?
1. Sokrates unterhält sich in diesem in Dialogform geschriebenen Buch mit mehreren Menschen, die ihn zu sich eingeladen haben.
In diesem Gespräch, ausschließlich unter Männern, haben die drei Beteiligten Namens Polemarchos, Thrasymachos und Glaukon drei unterschiedliche Meinungen gegenüber Sokrates im Bezug auf die Frage: Was ist Gerechtigkeit? Sokrates erhält die Aufgabe, das Gesagte zu beweisen oder zu widerlegen. Der erste seiner Gesprächspartner namens Polemarchos vertritt eine Vorstellung von Gerechtigkeit, die Sokrates wie folgt zusammenfaßt: „Also: den Freunden zu nützen, den Feinden zu schaden, das nennt er Gerechtigkeit?“ „Ja“ antwortet Polemarchos. (Platon 90, 332 d) Diese Behauptung kann Sokrates schon nach kurzem Gespräch entkräften. Er behauptet: „Die Gerechtigkeit ist doch eine Eigenart des Menschen? ... Menschen erleiden also durch eine Schädigung eine Schmälerung in ihrer Gerechtigkeit?... Ist der Gerechte gut?... Dann kann seine Aufgabe nicht sein zu schaden, mein Polemarchos, weder Freund noch Feind, sondern das ist die Aufgabe seines Gegenteils, des Ungerechten!“ (Platon 95, 335 c-d)
- Kommentar:
Mit dieser für mich nicht schlüssigen Begründung widerlegt er Polemarchos These.
Aus meiner Betrachtungsweise heraus ist Sokrates Annahme, daß die Gerechtigkeit eine Eigenart des Menschen ist, nicht haltbar, da es nicht nachgewiesen werden kann, ob dies der Tatsache entspricht oder nicht. Deshalb ist der Ansatz von Sokrates Widerlegung von Polemarchos These aus meiner Sicht falsch, da sie auf einer bloßen Vermutung, beziehungsweise einer Annahme ohne Beweisbarkeit beruht.
2. Thrasymachos, der nun als zweites ein Zwiegespräch mit Sokrates beginnt, verurteilt erst einmal Sokrates Widerlegung der These von Polemarchos als: „Was für ein Geschwätz hält euch da so lange auf, Sokrates! Und wie einfältig benehmt ihr euch denn mit euren Verbeugungen! Wenn du schon wirklich das
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Wesen des Gerechten wissen willst, dann frage nicht nur und lege deinen Ehrgeiz nicht auf die Widerlegung der Antworten - denn wisse wohl: fragen ist leichter als antworten! -, sondern antworte auch selber und sage einmal deine eigene Meinung über das Gerechte.[d] Aber sage mir ja nicht, es sei das Verpflichtende oder das Nützliche, das Vorteilhafte oder das Gewinnbringende, das Zuträgliche, sondern sprich klar und deutlich deine Meinung aus, denn ein derartiges Geschwätz nehme ich nicht entgegen!“ (Platon 96-97, 336 c-d) Sokrates möchte sich nicht mit ihm auf einen Streit einlassen und bittet ihn nun seine Vorstellung von Gerechtigkeit zu äußern.
Thrasymachos vertritt in Bezug auf die Gerechtigkeit eine etwas radikalere These als Polemarchos, die er zunächst mit den Worten: „Denn ich behaupte dies: Das Gerechte ist nichts anderes als der Vorteil des Stärkeren.“ (Platon 99, 338c), beschreibt.
Sokrates ist dies zu wenig und läßt sich diese These deshalb noch einmal ausführlicher erläutern.
Thrasymachos beginnt mit einem Vergleich, auf den Sokrates später zurückgreifen wird: „Weißt Du denn nicht, daß von den Staaten die einen tyrannische, die anderen demokratische, die dritten aristokratische Verfassungen haben?... In jedem Staat hat der herrschende Teil die Macht? ... Jede Herrschaft gibt die Gesetze nach ihrem Vorteil, die Demokratie demokratische, die Tyrannis tyrannische usw. Nach diesen Gesetzen kündigen sie diesen ihren eigenen Vorteil als das Gerechte für die Untertanen an, und jeden, der es übertritt, bestrafen sie, weil er das Gesetz verletze und Unrecht tue. Und dies ist, mein Bester, was - so behaupte ich - in allen Staaten in gleicher Weise >gerecht< ist, nämlich der Vorteil der bestehenden Herrschaft. [339a] Diese ist an der Macht, so daß für jeden, der nur richtig überlegt, daraus folgt: Überall ist das Recht dasselbe, nämlich der Vorteil des Mächtigeren!“ (Platon 100, 338d - 339a) Sokrates beginnt auch hier sofort damit, diese These von Thrasymachos zu entkräften. Mit den folgenden Worten erzielt er kurzfristig den gewünschten Erfolg: „Damit hast du auch, glaube mir, zugegeben“, fuhr ich fort, „daß es gerecht sei, Handlungen, die für die Herrschenden und Stärkeren nachteilig sind, durchzuführen. Denn einerseits geben die Herrschenden unabsichtlich Befehle
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zu ihrem Nachteil, andrerseits ist es für die Untertanen - nach deiner Behauptung
- gerecht, diese Befehle auszuführen. Daraus, mein weisester Thrasymachos, folgt unausweichbar, gerecht sei - das Gegenteil von dem zu machen, was du behauptet hast. Denn den Untertanen wird ja befohlen auszuführen, was dem Mächtigen nicht vorteilhaft ist.“ (Platon 101, 339e)
Diese Feststellung ist für Polemarchos so überzeugend, daß er Sokrates mit den Worten: „Bei Zeus!“... „Das ist klar, ganz klar!“ (Platon 101, 340a) zustimmt.
- Kommentar:
Für mich ist die Schlußfolgerung von Sokrates nur teilweise überzeugend. Denn er stellt eine Möglichkeit - die Gefahr, daß man auch einmal unbewußt etwas für einen im nachhinein Nachteiliges befiehlt - als das Absolute, das Ziel, das immer daraus Resultierende - halt das Gegenteil des Beabsichtigten - hin. Und das entspricht nicht der ganzen Wahrheit und ist deshalb ein falscher logischer Schluß.
Thrasymachos sieht sich nun zwei Meinungen gegenüber, die von Sokrates und die von Polemarchos. So unter Druck gesetzt, versucht Thrasymachos anschließend seine These mit der Frage was mehr Vorteile bringt, das gerechte oder das ungerechte Leben, zu beweisen. Doch bevor dies näher betrachtet wird, ist es von größerer Bedeutung zuerst noch Glaukons These von Gerechtigkeit zu erfahren.
3. Glaukon ist ein weiterer Gesprächsteilnehmer der es sich nicht nehmen läßt, Sokrates seine Vorstellung von Gerechtigkeit zur Beweisführung darzubieten: „Sehr schön! Und nun höre über den ersten Punkt, über das Wesen und die Entstehung der Gerechtigkeit. - Seinem natürlichen Ursprung nach, behauptet man, ist Unrechttun ein Gut, Unrechtleiden ein Übel, liegt im Unrechtleiden mehr Unglück als im Unrechttun Glück. Wer daher beides, Unrechttun und Unrechtleiden, [359a] ausgekostet hat und das eine sich nicht erwählen, dem anderen aber nicht entgehen kann, wird es für vorteilhaft halten, einem Vertrag untereinander abzuschließen, der vor beidem schützt. Und daher seien Gesetze und Verträge entstanden; was das Gesetz befahl, nannte man gesetzlich und gerecht. Dies sei Ursprung und Wesen der Gerechtigkeit, die in der
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Mitte zwischen dem höchsten Gut - Unrecht zu tun, ohne Strafe zu leiden - und dem größten Übel - Unrecht zu leiden, ohne sich rächen zu können - gelegen sei. Das Gerechte das in der Mitte liege, liebe man somit nicht wie ein Gut, [b] sondern achte es aus der Schwäche, nicht Unrecht tun zu können; denn wer es als ein rechter Mann nur vermöchte, würde mit keinem Menschen einen Vertrag über Unrechttun oder Unrechtleiden abschließen; er wäre ja wahnsinnig. Dies ist also, Sokrates, nach der gewöhnlichen Anschauung Wesen und Ursprung der Gerechtigkeit!“ (Platon 126, 358e - 359b) - Kommentar:
Eine aus meiner Sicht schon fast überzeugende These, wären da nicht noch gewisse Voraussetzungen für diese These, die ich nicht vertreten kann. Da ist zum Beispiel die Voraussetzung, daß Unrechttun ein Gut ist und das jederman Unrecht tun würde, wenn er es nur tun könne, ohne dafür bestraft zu werden.
Ich finde nicht, daß Unrechttun ein Gut ist, denn ein Gut ist etwas, was man besitzt. Sei es ein Gegenstand oder eine Wahlmöglichkeit. Aber Unrecht zu tun ist meiner Meinung nach keine akzeptable Wahlmöglichkeit, sprich Alternative. Auch ist der Mensch nach meiner Vorstellung und meinem Wissen über das menschliche Handeln ein soziales Lebewesen, das in komplexen Sozialstrukturen schon seit tausenden von Jahren lebt, die ihm im Verlaufe der Evolution angeboren sind. So ist er dazu befähigt, und zeitweise sogar dazu gezwungen, diesen Mechanismen zu folgen und sozial zu handeln, ohne das es ein Gesetz vorschreibt. Dies nennt man Umgangssprachlich „Menschlichkeit“. Das beste Beispiel dafür ist der Delphine, der keinen Unterschied zu machen scheint, wen er vor dem Ertrinken rettet. Daß Neugeborene, welches sofort nach der Unterwassergeburt von den an der Geburt beteiligten Delphinen zur Wasseroberfläche transportiert wird oder einem Menschen, der zu ertrinken droht. Beiden Ereignissen liegt ein Schlüsselreiz zu Grunde, der dieses angeborene Verhalten auslöst und steuert, ohne das es bewußt unterbrochen werden kann. Deshalb ist die Behauptung von Glaukon, der Mensch würde ausschließlich schlecht handeln, wenn er es nur von Gesetz wegen her könne, aus meiner und aus wissenschaftlicher Sicht, nicht nachvollziehbar.
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Auch diese These sollte nicht der Gerechtigkeitsvorstellung von Sokrates entsprechen, welche im übrigen nur versteckt im Verlaufe der Gesprächsrunde durch ihn preisgegeben wird.
Da Glaukon, wie Thrasymachos, seine These noch stichhaltiger in der Beweisführung zu machen versucht, führt er den Gedanken von Thrasymachos fort und stellt eine weitere These im Bezug auf den Vorteil der Ungerechtigkeit auf. Denn nur durch sie sei es möglich, die Gier zu befriedigen.
III. Welches Leben birgt mehr Vorteile, das des Gerechten oder des Ungerechten?
1. Welches Leben birgt mehr Vorteile, das des Gerechten oder das des Ungerechten, ist jetzt die Frage, welche beide Thesen, die von Thrasymachos und die von Glaukon bekräftigen sollen. Wichtig dabei ist zu beachten, daß Glaukon, der während der Diskusion zu Thrasymachos These befragt wurde, welches Leben er für besser hielte, das Gerechte oder das Ungerechte, er wie folgt antwortete: „Ich? Die, wonach das Leben des Gerechten mehr Vorteile bringe“ (Platon 112, 347e).
Um so erstaunlicher wird einem dann diese nun folgende These von ihm vorkommen, die er unmittelbar an seine These von Gerechtigkeit anschließt: „Daß aber auch die Menschen, die (Gerechtigkeit) üben, nur aus ihrer Ohnmacht, nicht Unrecht tun zu können, also nur wider Willen gerecht sind, das können wir am besten unter folgender Annahme erkennen. [c] Wir geben dem Gerechten wie dem Ungerechten die Möglichkeit, frei nach ihrem Willen zu handeln; hierauf folgen wir ihnen und beobachten, wohin jeden sein Trieb führt. Da würden wir dann den Gerechten aus Gier nach mehr auf demselben Weg wie den Ungerechten ertappen, den jedes Wesen von Natur aus als den guten verfolgt, während es von ihm weg zur Achtung der Gleichheit nur gewaltsam durch das Gesetz angehalten wird.“ (Platon 126 -127, 359 b-c) - Kommentar:
Glaukon begründet seine These mit einer alten Sage, der Sage nach Gyges. Es ist ein echtes Märchen, welches unabhängig von Herodot gesehen werden muß,
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dem eine wohlabgerundete Novelle zu Grunde liegt.
Hier ist Gyges plastisches Beispiel für das triebhafte und durch kein Sittengesetz beengte Handeln des naturbelassenen Menschen. Zusammengefaßt kann man zum Inhalt dieser Sage folgendes erzählen. Ein Hirte findet einen Ring, der ihn unsichtbar macht, wenn er ihn dreht. Als er dies erkannte, bot er sich dem König als Boten an. Doch als er dieses Privileg bekam, war es ihm schon nicht mehr gut genug. So verführte er die Königin, verschwor sich mit ihr gegen den König, tötete ihn und ergriff die Macht. Indem der Hirte den Vortei, den er durch den Ring hatte und der ihm auf dem gerechten Wege nicht viel weiter geholfen hätte, durch Beschreiten des ungerechten Weges voll ausnutzen konnte, erlangte er das, was er sonst nie erreicht hätte, Macht und Reichtum. Und so siegt am Schluß doch immer die Gier, nach Glaukon.
2. Er stellt noch eine weitere These auf, um seiner Vorstellung von Gerechtigkeit mehr Gewicht zu verleihen: „Wenn es nun zwei solcher Ringe gäbe, und den einen sich der Gerechte, den andern der Ungerechte ansteckte, dann wäre wohl keiner aus solchem Stahl, daß er der Gerechtigkeit treu bliebe und es über sich brächte, von fremden Gut abzusehen und es nicht zu berühren; [c] wo er doch vom Markt ohne Angst und unbemerkt nach Belieben nehmen, in jedes beliebige Haus eintreten, mit jeder Frau verkehren, jedermann töten und aus dem Gefängnis befreien, kurz unter den Menschen wandeln könnte wie ein Gott. Bei solchem Vorgehen würde er sich in nichts von dem Ungerechten unterscheiden, sondern beide gingen denselben Weg. Dies wäre also - so könnte man sagenein gewichtiger Beweis dafür, daß man nur unter Zwang, nie also aus eigenem Willen gerecht handle, weil eben das Gerechte für den einzelnen kein Gut sei. Wo einer sich nur fähig fühle zum Unrecht, dort tue er es auch. [d] Denn jedermann erwartet von der Ungerechtigkeit für sich persönlich viel größere Vorteile als von der Gerechtigkeit, und er hat recht, wie jedermann sagen wird, der über dieses Thema spricht. Denn wenn einer trotz einer so günstigen Gelegenheit kein Unrecht begeht und sich nicht an fremden Gut vergreift, dann halten ihn alle, die ihn sehen, für den einfältigsten und törichtesten Menschen; aber voreinander würden sie ihn loben und sich belügen, nur aus Angst, ein Unrecht zu erleiden. - So weit dies also.“ (Platon 127-128, 360 a-e)
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- Kommentar:
Was sich in der vorhergehenden These schon abzeichnete, wird hier bestätigt. Glaukon ist von seiner früheren Aussage, daß das gerechte Leben mehr Vorteile hat abgekommen und vertritt jetzt die gegenteilige Auffassung.
3. Wie bereits angedeutet, versuchte zuvor auch Thrasymachos im weiteren Verlauf seines Gespräches mit Sokrates seine These mit der Feststellung zu untermauern, daß das ungerechte Leben mehr Vorteile birgt und zog zum Schluß folgendes Resümee: „Ich meine da den Mann, den ich eben erwähnt habe, der große Vorteile zu gewinnen versteht. [344a] Ihn mußt du im Auge haben, wenn du beurteilen willst, wieviel größeren persönlichen Vorteil er aus der Ungerechtigkeit als aus der Gerechtigkeit gewinnt. Am allerleichtesten erkennst du das, wenn du dir die vollendetste Ungerechtigkeit vorstellst, die den Ungerechten zum glücklichsten Menschen, die Geschädigten, die selbst ein Unrecht nicht einmal begehen wollten, zu den unseligsten macht. Das ist die Tyrannis: sie reißt das fremde Gut, ob es Göttern oder der Welt, Privaten oder dem Staat gehört, nicht im kleinen an sich, sei es heimlich oder mit Gewalt, sondern alles auf einmal. [b] Wer solche Verbrechen im einzelnen begeht und dabei gefaßt wird, den erwartet Strafe und höchste Schmach; denn man schilt solche dann Tempelräuber, Sklavendiebe, Einbrecher, Räuber, Diebe, wenn sie diese Untaten einzeln verüben. Wer aber außer ihrem Besitz die Bürger selbst unterwirft und versklavt, den schmäht und schimpft man nicht, sondern preist ihn glücklich und selig; das machen nicht nur die Bürger, sondern alle, die seine volle Schurkerei erfahren. [c] Denn wer die Ungerechtigkeit schmäht, macht es nicht aus Furcht vor dem Unrechttun, sondern vor dem Unrechtleiden! So ist, mein Sokrates, die Ungerechtigkeit stärker, edler und mächtiger als die Gerechtigkeit, wenn sie nur groß genug ist; und wie ich am Anfang sagte, der Vorteil des Mächtigen ist das Gerechte, das Ungerechte aber, was sich selber Nutzen und Vorteil schafft.“ (Platon 107-108, 343e - 344c)
- Kommentar:
Thrasymachos vertritt hier die These, daß man nur ein richtig großes Unrecht möglichst vielen zufügen muß, um damit Erfolg zu haben. Frei nach dem Motto, wem ich die Brieftasche stehle, der hat noch Geld für einen Anwalt. Wen ich aber
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mit Anlagebetrug um sein ganzes Vermögen bringe, der kann sich keinen Anwalt mehr leisten und ich gehe straftfrei aus, mit darüberhinaus sogar noch mehr Gewinn. Und wen ich das nicht tue, dann macht´s ein anderer. Angesichts der vielen Beispiele solcher und ähnlicher Fälle in der heutigen Zeit, ist diese These nicht so einfach zu widerlegen, obwohl ich sie dennoch für nicht vollständig richtig halte.
Passend zu diese beiden Thesen, welche im Kern die Aussage, daß das ungerechte Leben mehr Vorteile birgt und die Menschen dadurch glücklicher sind, führt Sokrates als Gegenbeweis die Schilderung des Verfalls des Staates, der den gesamten dritten Hauptteil des Buches umfaßt, ein.
IX. Ist der tyrannische Mensch wirklich der Glücklichere?
1. Sokrates beschreibt im dritten Hauptteil der Politeia, wie die einzelnen Staaten, angefangen mit dem timokratischen, dem oligarchischen, dem demokratischen und zum Schluß dem tyrannischen aufgebaut sind, wie die Menschen in ihnen leben und was ihre Stärken und Schwächen sind. Auch zeigt er einen möglichen, nicht festgeschriebenen oder den Naturgesetzen folgenden Wandel der einzelnen Staatsformen ineinander auf.
Um die Frage, wer ist glücklicher, der ungerecht Lebende oder der gerecht Lebende, zu beantworten, benutzt Sokrates den tyrannischen Staat und den tyrannischen Menschen, da beide für die vollendete Ungerechtigkeit stehen: „... Es ist ja jedem klar: Es gibt keinen unglücklicheren Staat als den tyrannischen, keinen glücklicheren als die Königsherrschaft.“ (Platon 408, 576e), sprach Sokrates.
Er geht nun nochmals darauf ein, wieso er den Staat und den Menschen miteinander vergleicht: „Erinnere dich an die Ähnlichkeit zwischen Staat und Mensch, betrachte beide Punkt für Punkt und bestimme danach ihre Zustände!“ (Platon 408, 577c)
Glaukon bekommt von Sokrates daraufhin Fragen gestellt, die er wahrheitsgemäß beantworten soll. Es entsteht folgender Dialog, den Sokrates als Beweis oder als Gegenbeweis für die Richtigkeit von Thrasymachos und Glaukons Thesen anführt:
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„„Um zuerst vom Staat zu sprechen: Nennst du den Tyrannenstaat frei oder geknechtet?“ „In höchsten Grad geknechtet.“ „Und doch siehst du in ihm Herren und Freie.“ „Allerdings nur sehr wenige; denn man kann sagen, alle und gerade die Tüchtigsten leben in entehrender und unglücklicher Knechtschaft.“ [d] „Wenn nun der Mensch dem Staate ähnlich ist, muß auch in ihm derselbe Zustand herrschen: seine Seele ist voll von Knechtschaft und Unfreiheit und in ihr befinden sich gerade die besten Teile, während nur ein kleiner Teil, der übelste und wahnsinnigste, herrscht.“ „So muß es sein!“ „Nennst du nun eine solche Seele geknechtet oder frei?“ „Natürlich geknechtet!“ „Ein geknechteter, von einem Tyrannen beherrschter Staat kann doch am wenigsten seinem eigenen Willen folgen?“ „Gewiß!“ [e] „Und somit kann auch die geknechtete Seele am wenigsten ihrem Willen folgen - die Seele als ganze genommen; denn immer wird sie von einem Stachel gewaltsam aufgejagt und ist voll Unruhe und Stimmungswechsel.“ „Sicherlich!“ „Ist der tyrannisch regierte Staat reich oder arm?“ „Arm!“ [578a] „So muß auch die tyrannisch regierte Seele arm und hungrig sein.“ „So ist es!“ „Muß nicht ferner ein solcher Staat und ebenso der Mensch voll der Angst sein?“ „Und wie!“ „Klagen und Seufzer, Weinen und Schmerzen, findet man die in irgendeinem Staate mehr?“ „Keinesfalls!“ „Können wohl solche Stimmungen einen andern Menschen stärker überkommen als diesen tyrannischen Mann, der von seinen Trieben und Leidenschaften rasend ist?“ „Wie sollten sie auch!“ [b] „Weil du dies alles und noch mehr berücksichtigt hast, hast du diesen Staat für den unglücklichsten unter allen erklärt?“ „Doch mit Recht?“ „Gewiß! Und wie urteilst du in derselben Hinsicht über den tyrannischen Menschen?“ „Er muß weitaus der unglücklichste unter allen andern sein!“ „Da hast du nun nicht mehr recht!“ „ Wieso?“ „Er ist noch nicht der allerunglücklichste!“ „Sondern wer?“ „Noch unglücklicher wird dir jener Mensch erscheinen...“ „Welcher?“ [c] „Der, ein Mensch von tyrannischem Wesen, nicht als einfacher Bürger lebt, sondern das Unglück hat, von seinem Schicksal zum Tyrannen emporgehoben zu werden.“ „Du hast recht, wie es mir auf Grund der früheren Darlegungen erscheint.““ (Platon 409 - 410, 577c - 578c) So begründet Sokrates seine These, daß der Tyrann, nicht wie Thrasymachos und Glaukon noch zuvor behauptet hatten, der glücklichere, sondern der unglücklichere ist.
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- Kommentar:
Der Analogieschluß der von Sokrates zwischen dem Staat und dem Menschen gezogen wird, ist für mich nicht haltbar. Der Versuch den Staat zu personifizieren, ihm einen eigenen Willen zuzuschreiben, als sei er kein politisches Gefüge, sondern ein Lebewesen, so wie es Sokrates im folgenden Beispiel getan hat: „Ein geknechteter, von einem Tyrannen beherrschter Staat kann doch am wenigsten seinem eigenen Willen folgen?“ (Platon 409,577d), ist doch mehr als unwissenschaftlich. Auch wenn man zu weilen sagen kann, daß gewisse Dinge in einem solchen komplexen Gefüge mit unter ein gewisses Eigenleben entwickeln, ist diese Annahme, diese Voraussetzung einfach nicht haltbar. Für Sokrates ist es einer der Grundbausteine seiner Lehre. Den er wenig später noch mit den drei Seelenteilen des Menschen und der Dreiteilung des Staates ausschmückt. Auch die Voraussetzung, der Mensch hat eine Seele, die darüber hinaus noch genau so unterteilt ist, wie er behauptet, ist für mich frei erfunden und kann deshalb nicht Gegenstand einer Beweisführung sein. Aufgrund dieser für mich nicht beweisbaren Voraussetzungen sind auch alle Analogieschlüsse, die darauf beruhen, nicht beweiskräftig und somit hinfällig. Wenn man abschließend betrachtet, was dann noch von der sicheren Beweisführung übrig bleibt, muß man leider erkennen, das die Antwort darauf „nichts“ heißt.
2. Um seine Zuhörer vollens von seiner These zu überzeugen, führt Sokrates im nachhinein noch eine Rechnung vor, da mathematisch erbrachte Beweise schon damals als unwiderlegbar galten:
„„Vom oligarchischen Menschen her stand der Tyrann doch als dritter; denn zwischen ihnen stand der Demokrat.“ „Ja“ „Also wird seine Freude, was die Wahrheit anlangt, das dritte Abbild der Freude des Oligarchen sein, wenn unsere Untersuchungen vorher richtig waren?“ „Ja!“ „Der oligarchische Mensch ist vom königlichen Menschen her wieder der dritte, wenn wir den aristokratischen und königlichen Mann als eine Form nehmen?“ [d] „Ja, der dritte.“ „Um das dreimal Dreifache ist also der Tyrann von der wahren Lust entfernt.“ „Es scheint!“ „Das Bild der tyrannischen Lust ist sonach eine Fläche über der Zahl der Länge.“ „Natürlich!“ „Wenn man nun die Wurzel (dieser Flächenzahl) zur dritten potenz erhebt, ergibt sich klar der Abstand.“ „Wenigstens für einen Rechner.“ „Wenn man nun umgekehrt berechnet, wie weit in der wahren Freude der König vom
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Tyrannen entfernt ist, [e] dann wird man nach Durchführung der Multiplikation finden, daß der König 729mal angenehmer lebt, der Tyrann aber ebensovielmal qualvoller!““ (Platon 424 - 425, 587 c-e)
- Kommentar:
Auch hier offenbart sich dem Zuhörer oder Leser eher eine Rechnung, die zwar mathematisch nachvollziehbar ist, aber eher ihre Wirkung daraus zieht, den Gegenüber zu verwirren (wenn Sokrates es so vorrechnet, muß es ja stimmen). Der Beweis dafür ist die hilflose Antwort von Glaukon: „Wenigstens für einen Rechner.“ (Platon 425, 587d)
X. Schluß
1. Sokrates bringt den Dialog mit Glaukon in Bezug auf die Fragestellung, wer ist der glücklichere Mensch, mit folgender Feststellung zu Ende (Glaukon spricht zuerst): „„Nun wohlan! [b] Sprich jetzt wie der Schiedsrichter bei der Entscheidung in den Festspielen, wer der erste ist nach deiner Meinung an Glück und wer der zweite, und so beurteile die fünf der Reihe nach, den königlichen, den timokratischen, den oligarchischen, den demokratischen und tyrannischen Menschen!“ „Das Urteil ist leicht! So wie sie hereinkamen, will ich sie wie Chöre reihen, an Tüchtigkeit und Schlechtigkeit, an Glück und Unglück.“ „Wollen wir uns einen Herold mieten oder soll ich es selbst verkünden. Der Sohn des Ariston hat entschieden: [c] Der Tüchtigste und Gerechteste ist der Glücklichste, das ist aber der Mann von königlichster Art, der sich selbst wie ein König beherrscht; der Schlechteste und Ungerechteste ist der Unglücklichste, das ist aber wieder der Mann von tyrannischer Art, der sich selbst am meisten knechtet und den Staat.“ „So sei es von mir verkündet!““ (Platon 412 - 413, 580 b-c)
- Kommentar:
Ein nach seiner Beweisführung logischer Schluß, wenn man nicht wie ich, die Voraussetzungen in Frage stellt.
2. Auch auf Sokrates Vorstellung von Gerechtigkeit, die sich durch das ganze Werk der Politeia zieht, möchte ich am Schluß noch einmal eingehen. Immer wieder stößt der Zuhörer auf Analogien und Querverweise, in denen Sokrates seine
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Vorstellung von Gerechtigkeit verständlich macht und untermauert. Da haben wir zum einen den Hinweis, daß er nicht immer alles speziell sondern auch allgemein sieht: „„Da das Schöne dem Häßlichen entgegengesetzt ist, sind es zwei Dinge.“ [476a] „Natürlich.“ „Und weil es zwei sind, so ist ein jedes für sich eins?“ „Auch richtig!“ „Und dasselbe gilt für das Gerechte und Ungerechte, das Gute und Schlechte, kurz, für alle Begriffe: sie sind an sich eins, aber durch ihre Gemeinschaft mit Handlungen und Dingen und untereinander werden sie überall sichtbar und scheinen daher ein jedes viele zu sein.““ (Platon 280, 476a) Dieser Hinweis für seine Argumentation, hilft uns den nun folgenden Ausspruch zu verstehen: „... Mein Lieber, sollen wir nicht unsere gewöhnliche Vorstellung vom Schönen und Häßlichen auf folgende Weise herleiten. Schön ist alles, was die wilden Triebe der Natur dem Menschen, [d] ja vielleicht dem Gotte unterwirft, häßlich hingegen, was das Edle dem Tierischen unterjocht. ...“ (Platon 427, 589d)
Hiermit ist gemeint, das Gerechtigkeit dem Zähmen der wilden Triebe entspricht. Ungerechtigkeit ist demnach die Unterjochung des edlen Seelenteils unter das Tier. Diese These bringt er auch noch einmal in der Entstehung des Tyrannen hervor: „..., dann jagen sie ihm mit aller List eine Leidenschaft ein, die Anführerin der faulen und alles Gut verschwendenden Triebe, eine beflügelte, mächtige Drohne. ... Und heißt nicht schon von alters her diese Leidenschaft, der Eros, ein Tyrann?“ (Platon 402 - 403, 572e - 573b)
Aber am aller deutlichsten wird einem die Idee Sokrates von der Gerechtigkeit in folgender Textpassage: „In Wahrheit, solcher Art ist zwar die Gerechtigkeit, [d] aber sie bezieht sich nicht auf die äußeren Auswirkungen des Menschen, sondern auf seine innere Haltung, auf sein Selbst und sein Wesen; ein solcher Mensch läßt keinen der Seelenteile Unangemessenes verrichten noch sich in die Aufgabe anderer vielgeschäftig einmischen; sondern er baut in Wahrheit sein Haus trefflich, herrscht über sich in Ordnung und Freundschaft zu sich selbst und stimmt die drei Seelenteile ab wie die drei Hauptsaiten der Lyra, die oberste, unterste und mittlere; und alles, was dazwischen liegen mag, all das bindet er zusammen und wird so aus vielem wahrhaft einer, besonnen und harmonisch; [e] erst jetzt tritt er an eine Tätigkeit heran, sei es der Erwerb von Besitz, sei es die
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Pflege des Körpers, sei es Politik oder Privatgeschäfte; in alldem hält er und nennt er eine Handlung gerecht und schön, wenn sie diese Haltung wahrt und fördert, Weisheit nennt er ein Wissen, das eine solche Handlung leitet, ungerecht aber einen Vorgang, [444a] der diesen Zustand zerstört, Unwissenheit aber die Vorstellung, die einen solchen Vorgang leitet.“ (Platon 238 - 239, 443d - 444a) - Kommentar:
Vernunft und Bildung heißen die Zauberwörter für Sokrates. Wer seine Triebe kontrolliert und mit dem Kopf handelt, insofern er Bildung hat, der ist gerecht. Diese Einstellung, weg von der Natur des Menschen, hin zum Übermenschen, der sich nicht in der Evolution entwickelt, sondern durch Gott seine Fähigkeiten und sein Aussehen erhalten hat, sind Sokrates (Platons) Wurzel seines gesamten Denkens. Denn wie bereits in der Einleitung geschildert, sah Platon nur im Bereich der Ideen gesichertes Wissen. Den Sinnen des Menschen traute er nicht, da seien nur „Meinungen“ möglich, denn jeder sieht die Welt mit anderen Augen.
Aber wer mag´s ihm daraufhin verdenken, die Natur des Menschen außer acht gelassen zu haben, den Charles Darwin (12.2.1809 -19.4.1882) stehlte seine Selektionstheorie ja erst im Jahre 1859 unter dem Titel „Über die Entstehung der Arten“ auf. Und so konnte Platon von dieser Möglichkeit der Menschwerdung noch nichts wissen. Aufgrund dessen, daß diese wichtige Variable in seinen Theorien fehlt, mußten seine Versuche der Umsetzung seiner Lehren einfach fehlschlagen, was sie auch taten.
Trotzdem sind seine Ansätze bemerkenswert und müßten vielleicht nur etwas modifiziert werden. Denn auch Buddha sah drei Dinge im Leben eines Menschen als das Schlechteste an, was unbedingt beseitigt werden müßte. Es war der Haß, die Gier und die Unwissenheit. Und dies deckt sich mit den Vorstellungen von Platon, denn für ihn waren es der Haß (dunkle menschliche Natur), die Triebe (Gier) und die Dummheit, durch falsche oder keine Bildung (Unwissenheit), die es zu bekämpfen galt.
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Arbeit zitieren:
Thomas Funke, 1999, Welches Leben hat mehr Vorteile, das eines gerechten Menschen oder das eines Ungerechten, und wer ist Glücklicher?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Platon - Die Idee des Guten, gut, das Gute
Philosophie - Philosophie der Antike
Seminararbeit, 16 Seiten
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