Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Überblick Autor: Beschreibung von Platons Leben und seinem Werk 4
III. Hauptsekundarliteratur: Platons Politea “Der Staat 5
3.1. Die tugendhaften Handlungen 6
3.2. Die schönen Dinge 8
3.2.1. Die akustischen Dinge (3. Buch, 398 a - b) 8
3.2.2. Die visuellen Dinge (10. Buch 597 b - 598 d) 10
IV. Ion (532 b - 535 a) 12
V. Phaidros (249 b - 250 e) 14
VI. Symposion (210 a - 212 a) 16
VII. Schlußkapitel 17
VIII. Literaturverzeichnis 18
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I. Einleitung
Die Ausarbeitung dieses Themas wird anhand der Lektüre:
Philosophische Arbeitsbücher 5 Diskurs: Kunst und Schönes 1 , die hier als Primärliteratur gelesen wird, und weiterer Sekundärliteratur vorgenommen. Diese Vorgehensweise wurde gewählt, da trotz intensiver Unterstützung seitens des kompetenten Teams der Bibliotheksmitarbeiterinnen, dieser unserer Universität, die schlechte Quellenangabe in diesem Buch, eine Aufdeckung der verwandten Originalübersetzung vereitelte. Die Übersetzung, auf welche sich Oelmüller stützt, zum Beispiel die von Schleiermacher, konnte nicht festgestellt werden. So werden sich meine Ausführungen hauptsächlich auf das Buch von Oelmüller, Dölle-Oelmüller und Rath beziehen, um eventuelle Schwierigkeiten mit anderen Übersetzungen zu vermeiden. Diese Erläuterung ist wichtig, da beim Umgang mit Kunst und beim Reden über Kunst, immer die geschichtlichen und sozialen Kontexte zu berücksichtigen sind. Und wer eine Übersetzung schreibt, lebt selbst in einem religiösen, sozialen, politischen und sittlichen Umfeld, welches ihn beeinflußt.
Beim Kunst schaffen und Kunst rezipieren hingegen spielen die Erfahrungshorizonte des Rezipienten, die gedachte Funktion und die verwendeten Elemente des Kunstwerk für das immanente Begreifen die entscheidende Rolle. Dies ist konstitutiv für das Kunstwerk. Weiterhin versuchte das Kunstwerk auch stets autonom gegenüber dem Leben und dem praktischen und politischen Handeln zu sein. Doch bestimmte Richtungen der Gegenwartskunst 2 wollten diese Trennung aufheben. Auch Platon erkannte den Einfluß der Kunst auf den Menschen.
Verfolgen wir nun die Entstehung der Kunsttheorie bei Platon, um deren moralische und politische Anforderung an das Kunstwerk, aber auch um deren zum Teil vorhandenen Wahrheitsanspruch in der Musenkunst und deren fehlenden Wahrheitsanspruch in der Malerei verstehen zu können.
1 Oelmüller, Willi/ Dölle-Oelmüller, Ruth/ Rath, Norbert: Philosophische Arbeitsbücher 5 Diskurs: Kunst und Schönes. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1993, Einband; im folgendem zitiert als “Oelmüller”
2 Avantgarde, Surrealismus sind solche Kunstrichtungen
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II. Überblick Autor: Beschreibung von Platons Leben und seinem Werk
Zunächst ein paar Worte über denn Autor, denn um seine Werke verstehen zu können, muß man sein Leben kennen.
Platon wird 427 vor unserer Zeitrechnung in Athen geboren. Sein Vater, Aristen, und seine Mutter, Periktione, sind beide aus altem Geschlecht. Platon hat zwei Brüder, Adeimantos und Glaukon, einen Halbbruder, Antiphon, und eine Schwester, Potone. Der Name Platon ist wahrscheinlich ein Übername, sein richtiger Name lautet (nach Diogenes Laertios) scheinbar Aristokles.
Platon war ein griechischer Philosoph und war ab 408 v.u.z. Schüler des Sokrates, der 399 v.u.z. nach einem Prozeß zum Tode verurteilt wurde und nicht floh, sondern sich seiner Strafe stellte.
388 v.u.z. begab sich Platon auf Reisen nach Ägypten und später nach Unteritalien, um die Pythagoräer kennenzulernen. Wahrscheinlich kannte er den Archytas sogar persönlich. Außerdem besuchte er Dionysios I., den Tyrannen von Syrakus, ihe Verhältnis endete jedoch scheinbar in einem Zerwürfnis. In Syrakus freundete sich Platon mit Dion an, einem Verwandten des Tyrannen.
Platon gründete 387 die erste Akademie der Welt in Athen. Potone, seine Schwester, ist die Mutter des Speusipp, der Nachfolger Platons als Leiter der Akademie wird. Die Akademie ist in ihren Grundzügen noch immer das Vorbild der heutigen Universitäten. 367 v.u.z. begibt sich Platon zum zweiten Mal nach Syrakus, da Dionysios I. gestorben ist und dessen Sohn, Dionysios II., ihm auf Empfehlung Dions hin fähig zu sein scheint, seine Pläne von einem Philosophenkönigtum zu realisieren. Doch Dionysios verbannt Dion und hält Platon als Gefangenen zurück.
365 v.u.z. kann Platon nach Athen zurückkehren.
361 v.u.z. reist Platon ein drittes Mal nach Syrakus, diesmal auf Einladung des Dionysios. Die Beziehungen verschlechtern sich jedoch erneut. Erst durch Intervention des Archytas und der Tarentiner kann Platon Syrakus verlassen. 360 v.u.z. kehrt er nach Athen zurück. 357 v.u.z. gelingt es Dion in Syrakus die Macht zu ergreifen.
353 v.u.z. wird Dion von einer Verschwörergruppe, angeführt von Kalippos, einem Schüler der Akademie Platons, getötet. 347 v.u.z. stirbt Platon im Alter von ca. 80 Jahren.
Platon war zeitlebens bemüht, der Auflösung ethischer, kulturell-sozialer und politischer Werte und Normen in der Verfallsperiode der griechischen Polis entgegenzuwirken. Dazu
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schuf er ein System, in dem er Begriffe und Ideen als das wahre Sein darstellt, die ewigen Formen und Ursachen aller materiellen Dinge. Diesem hierarchisch geordneten System entspricht Platon´s Modell eines Staates, an dessen Spitze er die Geistesaristokratie der Philosophen stellt. Er versuchte, in Syrakus mit Billigung Dionysios II., diese in Der Staat formulierte Gesellschaftstheorie zu verwirklichen, scheiterte jedoch. Handlungsprinzip war für Platon die unsterbliche menschliche Seele, die im ewigen Widerstreit zwischen Vernunft und Gefühl verfangen ist.
Nur mit Selbstbeherrschung und nach umfassender Bildung kann man wirklich vernünftig handeln, urteilte Platon. Für ihn gab es nur im Bereich der Ideen gesichertes Wissen, bei den Sinnesdingen seien nur ”Meinungen” möglich; sie repräsentieren das Allgemeine (das Wesentliche) nicht direkt.
Diesen Problemkreis, der das Verhältnis zwischen Denken und Sein thematisiert, behandelt Platon besonders im Dialog Phaidon. In Anlehnung an die mathematisch-philosophischen Anschauungen der Pythagoreer legte er im Timaios seine naturphilosophischen Überlegungen dar.
Platons Werk beeinflußte viele Denker im weiteren Verlauf der Philosohpie-geschichte.
III. Hauptsekundarliteratur: Platons Politea “Der Staat”
Um meine Ansicht, daß es sich bei der Politea um die dieses Thema betreffende wichtigste Sekundarliteratur handelt, führe ich zunächst einen Kommentar eines sehr geachteten und bekannten Philosophen zu diesem Werk an: “Platons Idealstaat ist jenseits von Raum und Zeit, er hat kein Hier und kein Jetzt. Er ist Paradigma, eine Norm und ein Vorbild für menschliche Handlungen.” 3
Ich betrachte die Politea als Hauptsekundarliteratur zu dem Thema, da Platon in ihr die Entstehung und den Aufbau seines Idealstaates aufzeigt, wobei er zugleich auch Grundlagen für seine Kunsttheorie schafft. Deshalb müssen wir, um seine Kunsttheorie verstehen zu können, zuerst den groben Aufbau seines Idealstaates uns ansehen und verstehen.
Dieser gründete sich auf Tugenden und der richtigen Erziehung der Menschen. Diese These wird durch folgendes Zitat unterstützt:
“Mein Lieber, sollen wir nicht unsere gewöhnliche Vorstellung vom Schönen und Häßlichen auf folgende Weise herleiten. Schön ist alles, was die wilden Triebe der Natur dem
3 Ernst Cassirer: Der Staat (Politeia). Philipp Reclam jun. GmbH & Co, Stuttgart 1982, Einband (28.07.1874-13.04.1945, versuchte, den Neukantianismus der
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Menschen, [d] ja vielleicht dem Gotte unterwirft, häßlich hingegen, was das Edle dem Tierischen unterjocht.” 4
Hier fällt der Begriff der Schönheit im Zusammenhang mit den Tugenden. Denn Tugendhaft ist der, der seine wilden Triebe unterdrückt. Eine Vorstellung von Schönheit sieht Platon also im tugendhaften Handeln. Diese Vorstellung ist völlig gelöst von unserem heutigen Schönheitsbegriff. Wir sehen nur Dinge, seien es Kunstwerke oder Bauwerke, oder aber die Natur als solche, als schön an.
Für Platon hingegen gab es die Schönheit in den wahren, gerechten, halt tugendhaften Handlungen und in den schönen Dingen.
Der platonische Schönheitsbegriff ist also geteilt zu betrachten. Widmen wir uns zunächst den tugendhaften Handlungen.
3.1. Die tugendhaften Handlungen
Zuerst stellt sich die Frage, was sind die Grundbausteine einer solchen Handlung? Es ist die Erziehung! Worauf baut man nun aber wiederum diese auf? Was sind die Richtlinien? Es ist die Gerechtigkeit!
Der Gerechtigkeitsbegriff zieht sich durch das ganze Werk und ist auch dessen Aufhänger. Eine kurze Übersicht über den Aufbau des Werkes in Tabellenform ist die beste Möglichkeit diese These nachzuvollziehen.
Die Politeia ist aus 10 Büchern zusammengesetzt, die darüber hinaus in sieben übergeordnete, sich nicht an die einzelnen Bücher haltenden Grundabschnitte unterteilt sind.
1. Abschnitt: Vorspiel - Gerechtigkeit der alten Generation
(1. Buch) Unsicherheit der mittleren Generation = Zustand in der Ungerechtigkeit der Sophisten Gegenwart
2. Abschnitt: Einleitung - Ist der Gerechte glücklich?
(2. Buch)
3. Abschnitt: 1. Hauptteil - Entwicklung des Staates
(2.- 4. Buch) Erziehung der Krieger
Marburger Schule historisch zu begründen)
4 Platon, Übs. Karl Vretska: Der Staat (Politeia). Philipp Reclam jun. GmbH &
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4. Abschnitt: 2. Hauptteil - Einheit des Blutes (5.- 7. Buch) Herrschaft der Philosophen
5. Abschnitt: 3. Hauptteil - Timokratie
(8. Buch) Oligarchie
6. Abschnitt: Schluß - der Gerechte ist der Glücklichere (8.- 9. Buch)
7. Abschnitt: Nachspiel - Verwerfung der nachahmenden Dichtung
(10. Buch) Ewige und irdische Gerechtigkeit = Dichtung und
Die neue Dichtung vom ewigen Kosmos Ewigkeit 5
Anhand der Tabelle läßt sich erkennen, das der Gerechtigkeitsbegriff als Grundbaustein tatsächlich im gesamten Werk präsent ist. Aber wieso?
Nun Sokrates unterhält sich in diesem in Dialogform geschriebenen Buch mit mehreren Menschen, die ihn zu sich eingeladen haben. In diesem Gespräch, ausschließlich unter Männern, haben die drei Beteiligten Namens Polemarchos, Thrasymachos und Glaukon drei unterschiedliche Meinungen gegenüber Sokrates im Bezug auf die Frage: Was ist Gerechtigkeit? Sokrates erhält die Aufgabe, das Gesagte zu beweisen oder zu widerlegen. In seiner Argumentation stellt er die Gerechtigkeit als Grundbaustein der Erziehung, des Staates und der tugendhaften Handlungen dar. Die Schönheit im Handeln erfährt nur der, der Gerecht handelt.
Hierzu möchte ich ein ausführliches Zitat anbringen, damit man die Komplexität der Argumentation Platons versteht: “(E)in solcher Mensch [d.h. ein Gerechter; der Verfasser] läßt keinen der Seelenteile Unangemessenes verrichten noch sich in die Aufgabe anderer vielgeschäftig einmischen; sondern er baut in Wahrheit sein Haus trefflich, herrscht über sich in Ordnung und Freundschaft zu sich selbst und stimmt die drei Seelenteile ab wie die drei Hauptsaiten der Lyra, die oberste, unterste und mittlere; und alles, was dazwischen liegen
Co, Stuttgart 1982, S. 427
5 Aufteilung nach “Logos und Mythos” von Kurt Hildebrandt: de Gruyter, Berlin 1959
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mag, all das bindet er zusammen und wird so aus vielem wahrhaft einer, besonnen und harmonisch; [e] erst jetzt tritt er an eine Tätigkeit heran, sei es der Erwerb von Besitz, sei es die Pflege des Körpers, sei es Politik oder Privatgeschäfte; in alldem hält er (der Mensch) und nennt er eine Handlung gerecht und schön, wenn sie diese Haltung wahrt und fördert” 6 . Dabei ist die Tatsache zu beachten, daß er die drei Seelenteile des Menschen mit den drei Hauptsaiten der Lyra vergleicht, was einen für ihn vorhandenen Zusammenhang zwischen der Kunst und der Seele, dem Ursprung menschlichen Handelns vermuten läßt. Er erwähnt in diesem Zitat den Einfluß der Musik auf die Seele. Er deutet eine erzieherische Wirkung an. Darüber hinaus vollendet er seine These, was für ihn tugendhafte, schöne Handlungen sind. Über sich in Ordnung und Freundschaft zu herrschen, und seine Seele ausgeglichen zu halten, ist für ihn oberstes Gebot.
Das deckt sich mit seinem Ausspruch über die wilden Triebe, denn sie zu beherrschen ist für ihn das Ziel. So entsteht gerechtes Handeln, eine Form seiner Schönheit.
3.2. Die schönen Dinge
Wenn wir nun über die schönen Dinge reden, müssen wir beachten, daß auch sie noch einer Unterteilung unterliegen.
Zum einen haben wir die visuelle Kunst, wie die Körper und die Bilder. Zum anderen haben wir die akustische Kunst, die Musenkunst.
Wie sich in unserer Betrachtung herausstellen wird, unterscheidet er beides, wie am Anfang bereits von mir behauptet, in seiner Bedeutung für den Menschen beträchtlich.
3.2.1. Die akustischen Dinge (3. Buch, 398 a - b)
Wollen wir uns zunächst der akustischen Musenkunst zuwenden, da wir bereits einiges über sie in Erfahrung gebracht haben.
Wir konnten feststellen, daß Platon der Musik, aber auch den Dichtungen einen
erzieherischen Charakter zumißt. Eine sehr verantwortliche Aufgabe, denn die Erziehung der Menschen in einem System, macht dessen Stärke oder Schwäche aus. Dem folgenden Zitat läßt sich entnehmen, daß Platon die Erziehung nicht allein der Musenkunst 7 , wie er sie gern bezeichnet, überläßt. “Was ist das nun für eine Erziehung? Es ist wohl schwierig eine Bessere zu finden als jene, die man im Laufe einer langen Zeit gefunden hat? Ich meine die Gymnastik für den Körper, die Musenkunst für die Seele.” 8
6 Platon, Übs. Karl Vretska: Der Staat (Politeia). Philipp Reclam jun. GmbH & Co, Stuttgart 1982, S. 239
7 Musik und Dichtung
8 Oelmüller: Philosophische Arbeitsbücher 5, Paderborn 1993, S. 102 - 103
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Da wir hier die Kunsttheorie und nicht die Erziehungstheorie Platons verfolgen, werden wir die Gymnastik in der weiteren Erläuterung ausklammern, da sie uns nicht dem gewünschten Ziel näher bringt.
Beachten wir statt dessen die Unterscheidung der Musenkunst, in die wahren und die unwahren Mythen.
Er beginnt seine Argumentation mit einem Verweis auf Mythen, die wir den Kindern erzählen, die er “im ganzen gesehen” 9 , für unwahr hält, denen er aber dennoch ein gewisses Maß an Wahrheit zubilligt. “Mit den Mythen aber fangen wir bei Kindern früher an als mit den Turnübungen (...) Nun weißt Du doch, daß bei der Sache der Anfang das wichtigste ist (...) Denn da gerade wird es am ehesten geformt und so geprägt” 10 . Deshalb müsse man seiner Meinung nach, die “Mythendichter beaufsichtigen” 11 und von ihnen nur “Geschichten, die wir gebilligt haben” 12 erzählen lassen. Platon sieht die Mythen von Hesiod und Homer als die größten Unwahrheiten an.
Seiner Meinung nach sind diese von Hesiod und Homer nur erdacht, und den Menschen erzählt worden. Aber am meisten muß man an ihnen tadeln, daß “die Unwahrheiten nicht einmal schön sind.” 13
Platon ist der Ansicht, das unwahre Mythen unschön sind. Er verdeutlicht seine Behauptung am Beispiel eines Malers, der vergeblich versucht etwas zu malen, was aber “dem ganz unähnlich ist, was er abbilden will.” 14
Diese Ungenauigkeit macht seine “Darstellung falsch und häßlich.” 15 Genauso ergeht es den Mythen. Auch sie sind nicht wahrheitsgetreu und deshalb falsch und häßlich. Deshalb sollen die Dichter angehalten werden, ihre Dichtungen nach Vorschrift zu schreiben. Für ihn ist es wichtig, daß den künftigen Wächtern der Stadt gelehrt wird, daß es die größte Schande ist “leichthin miteinander Streit zu haben.” 16
Es soll erzählt werden “daß nie je ein Bürger mit einem anderen Streit gehabt und daß dies sündhaft wäre.” 17
Hier kommt die Gerechtigkeit wieder zum tragen. Es soll erreicht werden “daß die Mythen, die sie zuerst zu Gehör bekommen, möglichst schön ersonnen sind, um sie zur Tüchtigkeit zu führen.” 18
9 Oelmüller, S. 103
10 Oelmüller, S. 103
11 Oelmüller, S. 103
12 Oelmüller, S. 103
13 Oelmüller, S. 104
14 Oelmüller, S. 104
15 Oelmüller, S. 104
16 Oelmüller: Philosophische Arbeitsbücher 5, Paderborn 1993, S. 105
17 Oelmüller, S. 105
18 Oelmüller, S. 105
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Platon verbindet hier den Begriff der Schönheit mit Tüchtigkeit. Zum Abschluß dieses Zweiges der Nachforschung kann man sagen, daß die Musenkunst einen erzieherischen Charakter bei Platon hat und daß er die wahren Mythen fördert, weil sie durch das, was sie bezwecken, nämlich den Menschen zur Tüchtigkeit zu führen, selbst schön werden.
So hat die Musenkunst für ihn einen ontologisch hohen, moralischen und politischen Stellenwert und darüber hinaus einen Wahrheitsanspruch, der vorschreibt, keine schlechten Dinge über die Götter zu schreiben.
Denn er geht davon aus “Gott ist aber doch in Wirklichkeit gut” 19 . Somit ist also “das Gute nicht Ursache von allen Dingen. Es ist wohl Ursache von dem, was sich gut verhält; an dem Schlechten aber ist es unschuldig.” 20 Zusammengefaßt wäre es also unwahr, den Göttern schlechte Eigenschaften oder Taten nachzusagen. So sind nur positive Göttergeschichten wahr und schön, und nur diese dürfen verbreitet werden. Das bedeutet das Aus für Homers und Hesiods Mythen.
3.2.2. Die visuellen Dinge (10. Buch 597 b - 598 d)
Um nun den Wahrheitsanspruch der Kunst und ihre moralische und politische Funktion bei Platon zu verstehen, müssen wir nun noch die visuelle Kunst, das sind die Bilder, betrachten. Platon bezeichnet die Künstler, die diese Art der Kunst praktizieren als “Nachahmer” 21 . Um seine Behauptung zu untermauern, führt er einen Vergleich herbei, in dem er die Position vertritt, daß es dreierlei Stühle gibt. Einen, der in der Natur ist und von Gott gemacht wurde. Einen den der Schreiner gemacht hat. Und einen den der Maler gezeichnet hat. “Also Maler, Schreiner, Gott diese drei sind die Meister für die drei Arten von Stühlen.” 22 Darüber hinaus legt er als Grundstein seiner These fest, daß Gott nur einen Stuhl in der Natur hat verfertigen wollen, so daß es nur den einen von ihm gibt. Zwei solche oder mehrere sind von ihm nicht in die Natur gesetzt worden, da sich darüber doch ein dritter zeigen würde “dessen Idee (Gestalt) jene beide wiederum hätten.” 23 Dieser dritte würde letztendlich das sein “was der Stuhl (als solcher) wirklich ist, aber nicht die zwei.” 24
Platon beendet diese Ausführung mit einer für ihn nicht anzweifelbaren Tatsache, das Gott nur der Schöpfer des wirklichen Stuhles, das heißt der Idee des Stuhles ist. Der Schreiner
19 Oelmüller, S. 106
20 Oelmüller, S. 106
21 Oelmüller: Philosophische Arbeitsbücher 5, Paderborn 1993, S. 107
22 Oelmüller, S. 107
23 Oelmüller, S. 108
24 Oelmüller, S. 108
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hingegen baut seinen Stuhl nach dieser Idee. Deshalb wird Gott von Platon auch als “Naturwerkmeister [und der Schreiner als] Handwerkmeister” 25 bezeichnet. Dem Maler aber verweigert er den Titel Handwerksmeister mit den Worten “Auf keinen Fall.” 26 Angemessener für ihn ist, wenn wir die Maler “Nachahmer dessen nennen, wovon jene die Handwerksmeister sind.” 27
Der Gesprächspartner von Sokrates, bringt dessen Aussagen noch einmal auf den Punkt, um eventuelle Mißverständnisse auszuschließen. Er faßt das Gesagte wie folgt zusammen: “Wem also, von der Natur der Sache aus gerechnet, die dritte Hervorbringung obliegt, den nennst du Nachahmer?” 28
Dies wird von Sokrates mit einem einfachen “Ja, gewiß” 29 bestätigt. Darüber hinaus wird noch mal ein Rückschluß zum 3. Buch gezogen, indem Platon durch Sokrates verlauten läßt, daß “auch tragische Dichter (der Tragödienmacher)” 30 ein Nachahmer ist und der “seiner Natur nach, vom König und von der Wahrheit an gerechnet, an dritter Stelle” 31 steht. So bestätigt Platon hier, das die Mythenerzähler, die von schlechten Eigenschaften der Götter und der daraus resultierenden Tragödien erzählen, zur Wahrheitsfindung nichts beitragen, da sie nur an dritter Stelle (Stufe) stehen.
Zum Abschluß kommt Platon jedoch noch mal auf den Maler zurück und läßt durch Sokrates dessen Gesprächspartner erraten, was denn der Maler nachzuahmen versucht. “jenes, was jegliches selbst in der Natur ist, oder die Werke der Handwerker?” 32 Er verschärft die Frage noch um die Unterscheidung “Will sie (die Malerei) das Seiende nachbilden, wie es ist, oder das Erscheinende, wie es erscheint? Ist sie Nachahmung des Erscheinungsbildes oder der Wahrheit?” 33
Die Antwort ist kurz und folgt auf dem Fuße “Des Erscheinungsbildes.” 34 Dies bestätigt das von Sokrates gesagte und bestärkt ihn in der Festlegung seiner These. “Die Nachahmekunst ist also von der Wahrheit weit entfernt (...) weil sie nur ein wenig von jeglichem erfaßt, nämlich sein (äußeres) Bild.” 35
25 Oelmüller, S. 108
26 Oelmüller, S. 108
27 Oelmüller, S. 108
28 Oelmüller, S. 108
29 Oelmüller: Philosophische Arbeitsbücher 5, Paderborn 1993, S. 108
30 Oelmüller, S. 108
31 Oelmüller, S. 108
32 Oelmüller, S. 108
33 Oelmüller, S. 109
34 Oelmüller, S. 109
35 Oelmüller, S. 109
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Wir können auch hier bei der Malerei feststellen, daß Platon ihr nur einen sehr geringen Wahrheitsanspruch zugesteht, da sie sich wie die Tragödiendichtung, nur auf der dritten Stufe befindet. Sie ist Abbild vom Abbild und hat einen
doppelten Scheincharakter. Somit besitzt neben der Tragödiendichtung, auch die Malerei einen sehr niedrigen ontologischen Status.
Verdeutlichen läßt sich das am besten am Höhlengleichnis, welches das 7. Buch im Staat einleitet. In ihm wird beschrieben, wie Menschen am Boden einer sehr langen und tiefen Höhle, in die kein Tageslicht dringt, sitzen und am Boden mit dem Gesicht zur Wand angekettet sind. Diese Menschen kennen nichts als die bewegten Schatten an der Wand, welche von Gegenständen stammen, die andere Menschen hinter einer Mauer tragen, die wiederum von einem Feuer an diese
Wand projiziert werden. Die Menschen vor der Mauer, die diese Gegenstände tragen, haben bereits eine höhere Erkenntnis als jene, die hinter der Mauer am Boden angekettet sind. Doch auch ihr Wissen ist künstlich und beschränkt, denn sie sehen alles nur in Schein des künstlichen Feuers, da auch hierhin noch kein Tageslicht gelangt. Die dritte und höchste Erkenntnisstufe erreicht jedoch nur der, der sich aus den Reihen der Träger löst und den gefährlichen Weg am Feuer vorbei zum Eingang der Höhle antritt. Dort angekommen offenbart sich ihm die Wahrheit in Form der Sonne. Sie symbolisiert die Idee des Guten. Sie ist der Ursprung der Natur und des Lichtes, und von ihr geht alle Wahrheit aus, da sie vergleichbar für Gott steht.
Anhand dieser Metapher läßt sich die Vorstellung Platons von den Stufen der Wahrheit am besten nachvollziehen.
Gott ist die Sonne und hat die Wahrheit, die Idee des Guten, das Seiende für sich in Anspruch genommen. Der Handwerker ahmt das Werk Gottes nach. Dies wird durch das künstliche Feuer symbolisiert, welches für die Erkenntnis des Tisches steht. Der Maler hingegen ahmt nur das Ergebnis des Handwerks, den Schatten an der Wand, nach. Denn er sieht nur, was ihm erscheint, nicht was wirklich ist. Das Kunstwerk ist das Bild, welches einer der angekettet ist, malt. Also nur eine Erscheinung, keine Wahrheit. Wie diese Kette zeigt, ist das Bild auf der untersten ontologischen Stufe bei der Wahrheitsfindung angesiedelt. Es ist nur das Abbild vom Abbild (3.Stufe), nicht mehr und somit am weitesten von der Wahrheit entfernt.
Hiermit endet die Rezeption aus Platon der Staat und wir schauen noch in weiteren Werken Platons nach, ob sich Anhaltspunkte für unsere Fragestellung finden lassen.
IV. Ion (532 b - 535 a)
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In diesem Werk von Platon spricht Sokrates mit Ion von Chios, der ein Homer-Rezitator ist und sich gerade auf Vortragsreise in Athen befindet. Sokrates verwickelt ihn in ein Gespräch über seine Vorliebe für Homer und stellt fest, daß
die Dichter und Rhapsoden 36 nicht wissenschaftlich begründet über ihren Gegenstand reden. Diese Erkenntnis erlangte Sokrates im Gespräch mit Ion, welches damit begann, daß Ion Sokrates fragte, wieso er denn fast nur über Homer reden kann?
Sokrates entgegnet Ion: “(W)enn du das auf sachgemäße Art könntest, so wärest du auch in der Lage, über alle anderen Dichter zu reden” 37 .
Sokrates geht davon aus, daß man eine Kunst als Ganzes auffassen kann und daß sich jedesmal dieselbe Art der Betrachtung ergibt. Wer über das eine Werk aussagekräftig ist, muß es auch über ein anderes sein, dies nennt man “eine kunstfertige Fertigkeit” 38 . Die Frage Ions, weshalb er aber nur über Homer so gut reden kann, beantwortet Sokrates zunächst damit, daß nicht nur kunstmäßige Fertigkeit “sondern eine göttliche Macht, die dich in Bewegung setzt, ähnlich wie die in dem Stein, den Euripides den Magnet nennt” 39 dafür verantwortlich ist.
Dann geht er einen Schritt weiter und behauptet: “(S)ämtliche großen Epiker schaffen all ihre schönen Dichtungen nicht aus einer bloßen Kunstfertigkeit heraus, sondern weil sie gottbegeistert und besessen sind.” 40 Und er schließt daraus, daß “jeder nur das in seiner Dichtung schöner gestalten [kann], wozu ihm die Muse den Antrieb gibt” 41 . Wenig später verschärft er diese Aussage mit den Worten: “(N)icht auf einer Kunstfertigkeit beruhen ihre Werke, sondern auf einer göttlichen Kraft” 42 .
Aber das war noch nicht das Ende. Er führt seine These dann bis zu einem völligen Gegensatz zu dem Erstgesagten, in dem er behauptet “daß es der Gott selbst ist, der redet und durch ihren Mund zu uns spricht.” 43 Diese Behauptung, untermauert er mit einer Geschichte aus dem wirklichen Leben. Er erwähnt Tynnichos aus Chalkis, der nie ein Gedicht verfaßt hatte, das jemand erwähnenswert fände, außer seinem Paian auf Apollo. 44 So gefestigt, vollendet Sokrates seine Behauptung zu der These “daß diese schönen Gedichte nicht menschlicher Art und nicht das Werk von Menschen sind, sondern etwas Göttliches und das Werk von Göttern” 45 .
36 fahrende Sänger und Rezitatoren
37 Oelmüller: Philosophische Arbeitsbücher 5, Paderborn 1993, S. 99
38 Oelmüller, S. 100
39 Oelmüller, S. 100
40 Oelmüller, S. 101
41 Oelmüller, S. 101
42 Oelmüller: Philosophische Arbeitsbücher 5, Paderborn 1993, S. 102
43 Oelmüller, S. 102
44 Bitt-, Dank- und Sühnegesang
45 Oelmüller: Philosophische Arbeitsbücher 5, Paderborn 1993, S. 102
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So degradiert er den Künstler zum “Dolmetscher der Götter” 46 und macht so aus Rhapsoden “die Dolmetscher der Dolmetscher.” 47
Zusammenfassend läßt sich auch im Ion die Theorie vom Abbild des Abbildes wieder erkennen. Nur das hier, statt der Bezeichnung Abbild, der Begriff Dolmetscher gebraucht wird. Zu beachten ist, daß die Dichter in der zweiten statt wie im Staat, in der dritten Stufe angeordnet sind. Sie übernehmen die Position der Handwerksmeister, die das Göttliche erkennen und nachbauen. Im Ion sind die Dichter der Wahrheit näher als im Staat. Dafür stehen die Rhapsoden hier an letzter Stelle, der dritten. Sie erzählen nur nach, was die Dichter gesagt haben. Sie sind wie die Maler, die nur abzeichnen, was die Handwerksmeister gebaut haben.
Fazit ist, daß man Kunst nicht lernen kann, da sie von Gott kommt. Weiterhin gibt es keine spezielle Person, die Gott sich aussucht. Es kann jeden treffen und so kann jeder ein Kunstwerk schaffen, aber nur wenn Gott ihn in Enthusiasmus versetzt.
V. Phaidros (249 b - 250 e)
Ein nicht so eindeutiger, aber diesem Thema doch naheliegender Text ist der Phaidros. In seiner zweiten Rede im Phaidros betont Sokrates, daß durchaus nicht jede Art von Wahnsinn verwerflich sei, seiner Meinung nach gibt es 4 Arten des Wahnsinns: Erstens den prophetischen Wahnsinn der delphischen Priesterin und anderer Sehergestalten. Zweitens der heilige Wahnsinn mancher Reinigungsriten. Drittens der Wahnsinn der Dichter und viertens der Wahnsinn des Eros. Den Wahnsinn der Dichter haben wir gerade im Ion kennengelernt und erfahren, daß ohne ihm keine Kunst möglich ist.
Im Phaidros beschäftigt sich Sokrates mit der vierten Art des Wahnsinns, dem Eros. Das auch er positiv ist und sogar “unter allen Arten von göttlicher Besessenheit die beste und die mit der besten Herkunft” 48 , das soll uns hier bewiesen werden. Er beginnt mit der Voraussetzung, daß der Mensch “gemäß dem, was man Idee nennt, Einsicht gewinnen” 49 muß. Aber das ist nichts anderes, “als die Wiedererinnerung an das,
46 Oelmüller, S. 102
47 Oelmüller, S. 102
48 Oelmüller: Philosophische Arbeitsbücher 5, Paderborn 1993, S. 110
49 Oelmüller, S. 109
14
was unsere Seele einst gesehen hat, als sie gemeinsam mit dem Gott dahinfuhr” 50 und “sie ihren Blick zu dem wahrhaft seienden emporhob.” 51
Daraus leitet er ab “wenn man sich beim Anblick der Schönheit hienieden an jene wahre Schönheit erinnert, so bekommt man Flügel” 52 . Und weil man sich nicht mehr um irdische Dinge kümmert, gilt man nun als Wahnsinnig. Aber dieser verdrehte, weltfremde Mensch ist nicht schlecht, sondern nur gottbegeistert. Das sollte positiv verstanden werden, da “der Verliebte, der an dieser Art Wahnsinn teilhat, wird ein Liebhaber des Schönen genannt.” 53 Er ist also nicht benachteiligt durch diesen Wahnsinn. Nein, im Gegenteil, er hat die Fähigkeit das Schöne zu sehen und zu erkennen. Eine Eigenschaft, die nur wenigen zuteil wird. Aber man kann sie auch verlieren, diese Gottesgabe. Nämlich dann, wenn “sie sich durch irgend welchen Umgang zur Ungerechtigkeit verleiten ließen und das Heilige, das sie damals geschaut, wieder vergessen haben.” 54
Diese Aussage ist eine Parallele zum Staat, wo Gerechtigkeit als oberstes Gebot angepriesen wurde. Zur Erinnerung sei gesagt, nur der gerechte Dichter verfaßt wahre Mythen. Wer also Ungerecht ist, kann nur Unwahrheiten verbreiten und bleibt der Erkenntnis fern und wird wahre Schönheit nie sehen oder erkennen.
Da es viele Menschen gibt, die von Zeit zu Zeit ungerecht handeln, da ihre Seelen im schwachen Leib gefangen sind, haben sie nur eine Möglichkeit sich an die Schönheit im Seienden zu erinnern. Sie schauen sich Bilder an.
So gibt es nur wenige geweihte Zeugen, die unbelastet vom Leib die Schönheit als solche selbst erkennen. Denn “durch trübe Organe [Augen] schauen nur wenige mit Mühe die Herkunft des Nachgebildeten, in dem sie auf die Bilder zugehen.” 55 Die Schönheit strahlt “als wirklich seiende unter jenem anderen Seienden.” 56 Und man kann kurz gefaßt zu ihr sagen, sie ist das, “was am meisten hervorleuchtet und zur Liebe reizt.” 57 Die Schönheit im Handeln, Dichten und Erkennen ist das angestrebte Ziel und die Vervollkommnung eines jeden menschlichen Lebens.
Wie bereits angedeutet, fanden wir im Phaidros mehr einen Überblick und eine Zusammenballung von bereits Gesagten aus dem Staat und dem Ion. Platon benutzt die vergangenen Erkenntnisse um seine Leitsätze Wahrheit, Tugendhaftigkeit gleich
50 Oelmüller, S. 109
51 Oelmüller, S. 110
52 Oelmüller, S. 110
53 Oelmüller, S. 110
54 Oelmüller: Philosophische Arbeitsbücher 5, Paderborn 1993, S. 110
55 Oelmüller, S. 111
56 Oelmüller, S. 111
57 Oelmüller: Philosophische Arbeitsbücher 5, Paderborn 1993, S. 111
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Gerechtigkeit (aus dem Staat) mit der Theorie, daß alles Schöne nur von Gott stammt und nur durch den Wahnsinn an uns herangetragen werden kann (aus dem Ion) zu verknüpfen. Das Werk des Schönen (Gott) erzeugt als Gutes und Wahres die Liebe, welche noch eine wichtige Rolle spielen wird.
VI. Symposion (210 a - 212 a)
In diesem Werk findet die Theorie der Schönheit ihren Höhepunkt, da in ihm die einzelnen Stufen zu ihrem Entstehen aufgezeigt werden. Wir werden viele Erkenntnisse aus unserer bisherigen Arbeit wiederfinden und diese zum ersten Mal von Anfang bis Ende in einer chronologischen Abfolge einordnen.
In seiner Rede im Symposion, einem Gastmahl, bei dem verschiedene Preisreden auf Eros gehalten werden, erzählt Sokrates von seinem Gespräch mit Diotima, einer Priesterin aus Mantineia (von Platon erfundene Gestalt), die ihm gegenüber folgende Rede gehalten haben soll.
Zuerst muß man in der Jugend damit anfangen, den schönen Leibern nachzugehen. Aber zuerst nur einem. Darüber hinaus kann man nun erkennen, daß “die Schönheit an irgend einem einzelnen Leib mit der an jedem anderen verschwistert ist” 58 . So wird man zum “Liebhaber aller schönen Leiber” 59 . Daraufhin sieht man “die Schönheit in den Seelen” 60 , die noch begehrenswerter ist. Wiederum danach wird man “auf das Schöne in der Einrichtung und den Gesetzen” 61 aufmerksam.
Über die Erkenntnis, daß alles in sich verwandt ist, erschließt sich einem die Schönheit in den Wissenschaften und man wird vollendet in der Liebeskunst.
Wenn diese Stufe erreicht ist, dauert es nicht mehr lang und man kommt zur letzten, wahren Erkenntnis. Es gibt zum einen “ein immer seiendes, das weder entsteht noch vergeht, weder zunimmt noch abnimmt” 62 und zum anderen ein Seiendes, daß “es selbst, an sich selbst, mit sich selbst, eingestaltig und immer seiend” 63 gibt. Und das ist Gott, die Idee des Guten, Wahren und Schönen.
58 Oelmüller, S. 112
59 Oelmüller, S. 112
60 Oelmüller, S. 112
61 Oelmüller, S. 112
62 Oelmüller, S. 112
63 Oelmüller, S. 113
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Folglich ist das Leben eines Menschen lebenswert “wenn er das Schöne selbst schaut” 64 , also Gott. Und das erreicht er, wenn er die “wahre Tüchtigkeit erzeugt und aufgezogen hat” 65 . So kann er Gott am nächsten sein.
Wer behauptet, die Idee des Guten, Wahren und Schönen, in der alles gipfelt, selbst erfahren zu haben, also Gott erfahren zu haben, der muß sie (ihn) auch anderen vermitteln können.
Wenn er das schafft, ist er wirklich vollkommen und hat die höchste Form des Menschseins erreicht und ist ihm so am nächsten.
VII. Schlußkapitel
Abschließend können wir nun folgendes festhalten. Alles beginn mit dem Enthusiasmus, der von Gott erzeugt wird und die Liebe zu Gott entstehen läßt. Wahre Schönheit für Platon liegt in der Liebe zu Gott und der dadurch entstehenden tugendhaften Handlungen und Mythen. Das Kunstwerk ist für ihn nur Fassade des Göttlichen, denn nur Gott hat die Wahrheit innewohnend. Deshalb kommt es nicht einmal in der Stufenfolge zur Erkenntnis über die Schönheit vor und hat somit keinen Wahrheitsanspruch.
Zum einen hatte das Kunstwerk für ihn einen sehr niedrigen ontologischen Stellenwert. Dies betraf insbesondere die Malerei. Das Bild war für ihn nur das Abbild vom Abbild und deshalb auf dem Weg hin zur Wahrheitsfindung von selbiger weit entfernt. Bei der Musenkunst hingegen machte er eine Unterscheidung. Den wahren Mythen maß er einen höheren Stellenwert bei. Sie waren für ihn ontologisch höher gestellt (auf der zweiten Stufe), da sie für ihn einen erzieherischen Wert beinhalteten. Den unwahren Mythen schenkte er nur Verachtung und wollte sie verbieten lassen.
Die moralische und politische Funktion beim Kunstwerk ist insofern getrennt zu betrachten. Das Bild hat keine Funktion, da es nicht einmal einen Einfluß auf die Erziehung hat. Und das, weil es nur Abbild vom Abbild ist und der Wahrheits-anspruch fehlt. Die Musenkunst hingegen erfüllt diese Funktion, weil ihr ein Einfluß auf die Erziehung nicht abgesprochen werden kann. Und so muß sie deshalb kontrolliert werden, damit durch unwahre Mythen kein Schaden entsteht.
64 Oelmüller, S. 113
65 Oelmüller, S. 114
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VIII. Literaturverzeichnis
1. Kurt Hildebrandt, Platon: Logos und Mythos, 2. durchgesehene und durch ein Nachwort ergänzte Auflage (Photomechanischer Nachdruck), Berlin: de Gruyter 1959
2. Oelmüller, Willi/ Dölle-Oelmüller, Ruth/ Rath, Norbert: Philosophische Arbeitsbücher 5 Diskurs: Kunst und Schönes. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1993
3. Platon, Übs. Karl Vretska: Der Staat (Politeia). Philipp Reclam jun. GmbH & Co, Stuttgart 1982
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Arbeit zitieren:
Thomas Funke, 1999, Der Wahrheitsanspruch der Kunst und ihre moralische und politische Funktion bei Platon, München, GRIN Verlag GmbH
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