Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I-II
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
1. Einleitung 6
1.1. Problemstellung 6
1.2. Vorgehensweise 8
2. Literaturüberblick 10
3. Regenerative Energien - Windenergie und Photovoltaik 12
3.1 Rückblick und aktuelle Situation 12
3.1.1. Deutschland 12
3.1.2. Weltweit 17
3.2. Wind- und Solarenergie in Abgrenzung zu anderen Öko-Branchen 18
3.3. Ausblick 20
3.3.1. Deutschland 20
3.3.2. Weltweit 27
4. Aktienkurskorrelationen 29
4.1. Überblick über die untersuchten Unternehmen 30
4.2. In Abhängigkeit der Branchenzugehörigkeit 34
4.3. In Abhängigkeit des Ölpreises 37
4.4. In Abhängigkeit von Leitindizes 39
5. Mehrdimensionales Regressionsmodell zur Aktienkursbestimmung 41
5.1. Einführung der verwendeten Variablen 42
5.1.1. Politische Entscheidungen 42
5.1.2. Ölpreis/Energiepreis 44
5.1.3. Umsatzveränderung im Vergleich zum Vorjahresquartal 45
5.1.4. Material in Prozent des Umsatzes 45
2
5.1.5. Eigenkapitalquote 47 5.1.6. Gewinnmarge 48 5.1.7. Übernahme Repower 48
5.2. Bestimmung eines Standardmodells 48 5.3. Signifikanztests 49 5.4. Ergebnisse 52
5.5. Verifizierung des Modells an konkreten Aktienkursen 54 6. Unternehmensbewertungen 57 6.1. CCA-Analyse 57 6.1.1. Nordex 58 6.1.2. Solarworld 61 6.2. DCF-Analyse 63
6.2.1. @Risk/Monte Carlo Simulation 64 6.2.2. Nordex 65 6.2.3. Solarworld 72 7. Zusammenfassung 78 Literaturverzeichnis 83 Internetquellen 86
3
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Struktur des Primärenergieverbrauchs in Deutschland
Abb. 2: Anteil regenerativer Energien in Deutschland
Abb. 3: Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in verschiedenen Regionen
Abb. 4: Anteil einzelner Energieformen an der Gesamtstromerzeugung regenerativer Energien
in Deutschland
Abb. 5: Lernkurve Windenergie
Abb. 6: Strompreise
Abb. 7: Entwicklung EEG-Vergütung - Strompreise Base
Abb. 8: Entwicklung EEG-Vergütung - Strompreis Peak
Abb. 9: Wöchentliche Schlusskurse von Windenergieaktien
Abb. 10: Wöchentliche Schlusskurse von Photovoltaikaktien
Abb. 11: Korrelation der Branchenindizes Wind und Solar
Abb. 12: Abnormale Renditen Bundestagswahl
Abb. 13: Quartalsumsatz am Jahresumsatz
Abb. 14: durchschnittliche Materialquoten
Abb. 15: Güte der Regression für
Abb. 16: Güte der Regression für Repower
Abb. 17: Güte der Regression für Solarworld
Abb. 18: Güte der Regression für Solon
Abb. 19: Güte der Regression für Solar-Fabrik
Abb. 20: CCA Ergebnisse für
Abb. 21: CCA Ergebnisse für Solarworld
Abb. 22: Wachstum Windenergie national
Abb. 23: Wachstum Windenergie international
Abb. 24: DCF-Modellierung für
Abb. 25: Pert-Verteilung
Abb. 26: Regressionsempfindlichkeit DCF
Abb. 27: Verteilung Unternehmenswert
Abb. 28: DCF-Modellierung für Solarworld
Abb. 29: Regressionsempfindlichkeit DCF Solarworld
Abb. 30: Verteilung Unternehmenswert Solarworld
4
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Stromentstehungskosten 2005
Tabelle 2: Korrelation Branchenzugehörigkeit Windenergie Tabelle 3: Korrelation Branchenzugehörigkeit Solarenergie Tabelle 4: Korrelation Branchenzugehörigkeit Wind- und Solarenergie Tabelle 5: Korrelation Ölpreis Windenergie Tabelle 6: Korrelation Ölpreis Solarenergie Tabelle 7: Korrelation Leitindizes Windenergie Tabelle 8: Korrelation Ölpreis Solarenergie Tabelle 9: Quantile der t-Verteilung Tabelle 10: Koeffizienten der Regression für Nordex Tabelle 11: Koeffizienten der Regression für Repower Tabelle 12: Koeffizienten der Regression für Solon Tabelle 13: Koeffizienten der Regression für Solarworld Tabelle 14: Koeffizienten der Regression für Solar-Fabrik Tabelle 15: CCA Daten für Nordex Tabelle 16: CCA Multiples für Nordex Tabelle 17: CCA Daten für Solarworld Tabelle 18: CCA Multiples für Solarworld Tabelle 19: Sensitivitätsanalyse für Nordex Tabelle 20: Sensitivitätsanalyse Solarworld
5
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Die Branche der erneuerbaren Energien hat sich in Deutschland innerhalb der letzten Jahre zu einer der Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft entwickelt. Angesichts vieler derzeit existenter positiver Einflussfaktoren und der frühen Unterstützung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz wurde die gesamte Branche in Deutschland vorangetrieben, so dass deutsche Unternehmen weltweit in führenden Wettbewerbspositionen zu finden sind. Über alle regenerativen Energieformen hinweg, vor allem aber im Bereich der Wind- und Photovoltaik hat sich in Deutschland nach und nach ein weltweit wettbewerbsfähiges Kompetenzzentrum hinsichtlich der Erforschung und Fertigung der energetischen Nutzung dieser Energieformen entwickelt. So betrug der Gesamtumsatz aus erneuerbaren Energien im Jahr 2006 deutschlandweit 21,6 Mrd. Euro, der mit einer Beschäftigtenzahl von 214.000 Beschäftigten erzielt wurde 1 . 2006 wurden bereits 11,8% des Gesamtstromverbrauchs durch Energie aus erneuerbaren Quellen bereitgestellt; dieser Anteil soll und wird Schätzungen zufolge in den nächsten Jahren immer weiter vorangetrieben werden.
Neben den Bemühungen, die deutsche Vorreiterrolle auch in den nächsten Jahren zu festigen, spielen immer mehr umweltpolitische Bedingungen eine Rolle, wenn es um Investitionen in die Stromerzeugung aus regenerativen Energien geht. Diskussionen um die Klimaerwärmung sowie die Bemühungen zu internationalen Treibhausvermeidungsstandards werden ebenso wie die global steigende Energienachfrage das Wachstum dieser Energieformen in Zukunft tendenziell beschleunigen.
Die noch junge Branche ist jedoch auch Risiken ausgesetzt, die ihren prognostizierten Aufschwung ausbremsen könnte. Das größte Problem ist die derzeitig noch mangelnde Wettbewerbsfähigkeit mit den Strompreisen der aus herkömmlichen Energiequellen produzierten Energie und der daraus resultierenden Abhängigkeit von staatlicher Subventionierung. Des weiteren ist bis heute unklar, wie die - vor allem beim Einsatz von Photovoltaik-, aber auch von Windenergie unstetig anfallenden Energiemengen im Stromnetz reguliert und bei Bedarf auch in großen Mengen gespeichert werden können. Des weiteren muss die Branche erst noch beweisen, dass die hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre nachhaltig in der
1 vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Entwicklung der erneuerbaren Energien
im Jahr 2006 in Deutschland. Berlin 2007, S. 3
6
Zukunft fortgesetzt werden können um die Penetration des Energiemarktes voranzutreiben und durch weitere Lernkurveneffekte wettbewerbsfähig zu werden. Dieser Expansionszwang wird durch zunehmende Proteste von Umweltschützern und Bürgerbewegungen in Bezug auf die Errichtung von Windkraftanlagen und die bereits erfolgte Bebauung der wirtschaftlichsten Standorte für erneuerbare Energieformen konterkariert.
An den Finanzmärkten streben die Aktienkurnotierungen von Unternehmen der regenerativen Branche derweil immer neuen Höhen entgegen und dominieren mit einer Gewichtung von über 31% 2 die Performance des deutschen Technologieindex TecDax maßgeblich. Während der TecDax in den letzten 30 Monaten 3 lediglich um 79% zulegte, erreichten die Notierungen der untersuchten deutschen Solarwerte Kurszuwächse von durchschnittlich 236%; die im Inland ansässigen Windenergieanlagenhersteller sogar durchschnittliche Kurszuwächse von 619%. Angesichts der freundlichen Entwicklung strömen weitere Unternehmen der erneuerbaren Energien-Branche auf den Markt, um ihre zukünftigen Expansionsvorhaben zu finanzieren 4 ; eine Entwicklung welche die Zukunftsperspektiven der Branche untermauert. Auch etablierte Global Player versuchen zunehmend, sich in der aufstrebenden Branche der regenerativen Energien zu etablieren. So besitzen beispielsweise British Petroleum (BP), Siemens oder Shell eine in der Photovoltaikbranche ansässige Tochterfirma, während sich General Electric und Siemens in der Windenergiebranche engagieren.
Die vorliegende Arbeit untersucht in erster Linie, in wieweit Investoren aus der Entwicklung der erneuerbaren Energien Vorteile erzielen können. Welche Einflussfaktoren wirken auf die Aktienkurse der in der Branche tätigen Unternehmen und wie können die aufstrebenden Unternehmen angemessen bewertet werden? Sind die Notierungen durch die Steigerungen der letzten Jahre bereits stärker gestiegen als das erwartete Wachstum es rechtfertigt oder werden auch zukünftig Kurssteigerungen zu erwarten sein?
Der Schwerpunkt liegt somit nicht in erster Linie auf der Erörterung ökologischer Problematiken oder der Quantifizierung des zukünftig erwarteten Branchenwachstums. Die generelle Betrachtung der Branche im ersten Teil dient vielmehr einem einleitenden Überblick das Marktumfeld, um darauf aufbauend unterschiedliche Modelle und Verfahren zur Bewertung der untersuchten Unternehmen aufzuzeigen und beispielhaft durchzuführen. Angesichts
2
vgl. http://deutsche-boerse.com/dbag/dispatch/de/notescontent/gdb_navigation/market_data_analytics/
20_indices/40_statistics_analytics/10_weighting_and_related_values/INTEGRATE/statistic?notesDoc=Kennzahle
n+TecDAX&expand=1.1
3 Beobachtungszeitraum: 07.01.2005-25.05.2007
4 vgl. Lewis, D.: Hot Stocks. In: Power Engineer. 2005, S. 48
7
gesicherter Prognosen und durch die Beleuchtung der auf die Aktienkursnotierungen wirkenden Faktoren soll aufgezeigt werden, wie konkrete Entscheidungshilfen in Bezug auf potenzielle Investitionen in Unternehmen der regenerativen Energien entwickelt werden können.
Es soll gezeigt werden, dass es möglich ist, Aktienkursnotierungen von Unternehmen in der Wachstums- und Expansionsphase ihrer Unternehmung sowohl mittels statischen als auch mit Hilfe flexibilisierter Modelle zu bewerten und die gewonnenen Erkenntnisse zugunsten einer verbesserten Entscheidungsgrundlage zu kombinieren bzw. zu selektieren.
1.2. Vorgehensweise
Die vorliegende Arbeit versucht, sich systematisch der Problemstellung anzunähern, indem zunächst rein deskriptiv die Branche der regenerativen Energien erläutert wird, um im Anschluss daran immer spezifischer auf für die untersuchten Unternehmen passende Unternehmensbewertungsansätze einzugehen.
Zunächst jedoch werden im zweiten Abschnitt die wichtigsten verwendeten Literaturquellen angegeben, die im Rahmen der Arbeit verwendet wurden und die Grundlage der erarbeiteten Erkenntnisse bilden.
Der dritte Abschnitt befasst sich mit der nationalen und internationalen Entwicklung regenerativer Energien und legt dabei den Schwerpunkt auf die Wind- und Photovoltaikenergie. Des weiteren werden beide Energieformen von anderen der regenerativen Branche zugehörigen Energien abgegrenzt und die Schwerpunktsetzung auf diese Teilbranchen erläutert. Im Anschluss wird eine Betrachtung der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit von Wind- und Photovoltaikenergie durchgeführt.
Nach der Einführung in die Thematik wird im vierten Abschnitt zunächst mittels einer Korrelationsanalyse untersucht, inwieweit die untersuchten Aktienkursnotierungen der Unternehmen in Abhängigkeit der Branchenzugehörigkeit, des Ölpreises und ausgewählter Indizes reagieren. Die sich errechnenden Ergebnisse können potenziellen Investoren erste Aufschlüsse auf das Verhalten der Aktienkurse und die Optimierung unter portfolio-theoretischen Gesichtspunkten liefern.
Der fünfte Abschnitt befasst sich mit der multiplen Regressionsanalyse ausgewählter Aktienkurse, welche in Verbindung mit den anschließend errechneten fairen Unternehmenswerten weitere Investitionsentscheidungen auch in Hinblick auf externe Faktoren liefert.
8
Hierbei werden verschiedene potenzielle Einflussfaktoren daraufhin untersucht wie stark und signifikant ihr gemessener Einfluss auf den Unternehmenswert ist. Der sechste Abschnitt befasst sich schließlich mit konkreten Unternehmenswertbestimmungen der untersuchten Unternehmen mittels Comparable Company Analysis (CCA) und DCF-Analyse. Neben der theoretischen Anwendung der einzelnen Verfahren wird auch eine praktische Anwendung anhand der Unternehmen Nordex und Solarworld durchgeführt, wobei insbesondere auf die DCF-Modellierung eingegangen wird, welche in Verbindung mit dem Risikoanalyseprogramm @Risk durchgeführt wird, das zukünftig unsichere Erwartungen als Werte von Verteilungsfunktionen ansieht und auch den Unternehmenswert als Output einer gewissen Verteilung ausgibt.
Schließlich werden im siebten Abschnitt die gewonnenen Erkenntnisse der vorangegangenen Informationen und Modellierungen zusammengefasst. Dabei werden diejenigen Implikationen herausgearbeitet, die sich in Hinblick auf das Ziel ergeben, die Einflussfaktoren der untersuchten Unternehmenswerte zu spezifizieren und für die Branche angemessene Unternehmensbewertungsmethoden aufzuzeigen.
Grundsätzlich muss bei der Diskussion um Stromgewinnungsarten zwischen Energieerzeugung aus Solar- und Photovoltaikenergie unterschieden werden. Photovoltaik bezeichnet die Stromerzeugung durch Strahlungsenergie mittels Solarzellen, während Solarenergie im engeren Sinn die Erhitzung von Wasser oder anderen Stoffen zur Warmwasseraufbereitung oder Nutzung von durch Wasserdampf angetriebenen Turbinen beinhaltet. Die verwendete Bezeichnung „Solarenergie“ bzw. „Solarstrom“ bezieht sich in vorliegender Arbeit immer auf die weitere und im allgemeinen Sprachgebrauch gebräuchlichere Assoziation der Stromerzeugung mittels Photovoltaik.
9
2. Literaturüberblick
Die regenerativen Energien stellen eine noch junge Branche dar, über die vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht wenig relevante Literatur vorhanden ist, da sie anfangs als lediglich ethisch-ökologische Investitionsmöglichkeiten angesehen wurden. Zumeist wurden technische Fragen der Energienutzung sowie die Zukunftsaussichten der Branche diskutiert. Erst in den letzten Jahren wurden Finanzanlagen in Unternehmen, welche ihr Geschäftsmodell auf regenerative Energien aufgebaut haben, als potenzielle Ertragsbringer identifiziert und wissenschaftlich diskutiert. Im nachfolgenden soll kurz auf die bedeutendsten verwendeten Literaturquellen eingegangen werden, welche im Rahmen der vorliegenden Arbeit die Basis für spätere Ausführungen und statistische Berechnungen darstellen. Ein Großteil des verwendeten Datenmaterials stammt sowohl in dieser Arbeit als auch in zahlreichen wissenschaftlichen Quellen bei der Betrachtung des deutschen Marktes vom Bundesumweltministerium. Den vom Ministerium veröffentlichten Daten kann eine hohe Relevanz und Seriosität unterstellt werden, so dass sie sich mit ausreichender wissenschaftlicher Relevanz als Datengrundlage vorliegender Modellierungen verwenden lassen. Des weiteren wurden Daten aus dem World Energy Outlook entnommen. Dieser wird einmal jährlich von der Internationalen Energieagentur veröffentlicht, welche eine Interessengemeinschaft aus 26 wirtschaftlich führenden Ländern der Welt darstellt. Auch von der World Wind Energy Association veröffentlichte Daten wurden implementiert. Diese ist zwar eine Interessenvertretung der Windenergie, die ermittelten statistischen Daten sind jedoch aufgrund ihrer objektiven Nachprüfbarkeit als vertrauenswürdig einzustufen.
Weitere Daten und Informationen wurden aus Analyseberichten der Deutschen Bank und der Landesbank Baden-Württemberg entnommen. Die Fundamental- und Aktienkursdaten der Unternehmen sowie die in der Comparable Company Analysis implementierten Analystenschätzungen wurden der Website des Finanzinformationsanbieters Onvista
(http://www.onvista.de) und den jeweiligen Investor-Relations-Auftritten der untersuchten Unternehmen im Internet entnommen und sind allgemein verfügbar. Des weiteren wurden die in der Arbeit verwendeten Strompreise dem Internetauftritt der in Leipziger ansässigen deutschen Strombörse EEX entnommen (http://eex.com/de/press). Neben den umfassenden Materialien des Bundesumweltministeriums basiert vorliegende Arbeit auf vielen verschiedenen wissenschaftlichen Abhandlungen, welche die gewählte Thematik unterstützend diskutieren, darunter eine 2004 publizierte ausführliche Untersuchung
10
der Autoren Wüstenhagen und Bilharz („Green energy market development in Germany: effective public policy and emerging customer demand“) über die Entwicklung des Marktes für Erneuerbare Energien in Deutschland und die Auswirkungen der politischen Rahmenbedingungen auf die Branche.
Eine weitere der vorliegenden Arbeit zugrunde liegende Quelle ist eine 2006 von Albrecht veröffentlichte Studie („The future role of photovoltaics: A learning curve versus portfolio perspective“), in welcher der Autor vor allem die Implikationen für Photovoltaik als Beimischung eines potenziell zukünftigen Energiemix-Portfolios untersucht. Dabei bedient er sich der Perspektive des Capital Asset Pricing Modells, um angesichts unterschiedlicher Ertrags- und Risikoprofile der einzelnen Energieformen das zukünftig erstrebenswerteste Portfolio aus den gegebenen Energien zu ermitteln.
Eine weitere Literaturquelle, auf welche die vorliegende Arbeit aufbaut, sind die Erkenntnisse der 2005 veröffentlichten Studie „Technological learning and renewable energy costs: implications for US renewable emergy policy “ von Kobos, Erickson und Drennen, in der die Autoren vor allem die Lernkurven der Wind- und Photovoltaikbranche sowie den Vergleich zwischen herkömmlichen Energieformen und erneuerbaren Energien in den Vordergrund ihrer Analyse stellen.
Neben einer 2005 von Nemet („Beyond the learning curve: factors influencing cost reductions in photovoltaics“) veröffentlichten Studie über die Einflussfaktoren der Lernkurve innerhalb der Photovoltaikindustrie ist auch eine 2005 von Wong veöffentlichte Studie („Obliging Institutions and Industry Evolution: A Comparative Study of the German and UK Wind Energy Industries“) über den Unterscheid deutscher und britischer Energiepolitikkonzepte Grundlage der vorliegenden Arbeit.
Schließlich stellen auch einige weitere Artikel in Fachzeitschriften (PM Network, Professional Engineering, ICIS Chemical Americas) und ergänzende wissenschaftliche Untersuchungen in Hinsicht auf die Wind- und Solarenergiebranche die Literaturgrundlage der vorliegenden Arbeit dar.
Die angewendeten statistischen Modelle in Zusammenhang mit Korrelation und multipler Regression sind in jedem statistischen Standardwerk zu finden. Die vorliegende Arbeit stützt sich auf das 2004 von Professor Arminger (Bergische Universität Wuppertal) veröffentlichte Statistik-Skript für das Studienjahr 2004/2005.
11
3. Regenerative Energien - Windenergie und Photovoltaik 3.1. Rückblick und aktuelle Situation
3.1.1. Deutschland
Die Branche der regenerativen Energien wurde in Deutschland schon sehr früh als Wachstumschance für die Zukunft erkannt und nachhaltig gefördert. Entsprechend wurde sie auch - trotz ihrer bis heute anhaltenden mangelnden Profitabilität - durch die Gesetzgebung unterstützt. So wurde bereits mit dem Stromeinspeisegesetz 1991 beschlossen, die Netzbetreiber zur Einspeisung des von Unternehmen erzeugten regenerativen Stroms in ihre Netze zu zwingen und sie zudem zu einer gewinnbringenden Vergütung für jenen Strom zu verpflichten. Es regelte vor allem die regenerative Stromerzeugung kleiner Unternehmen, da es zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes nur einige wenige Privatpersonen bzw. -haushalte gab, die Strom aus regenerativen Energien erzeugten. In Anbetracht der trotz allem rasanten technologischen Entwicklung entschloss sich die von SPD und Bündnis90/Grüne geführte Bundesregierung im Jahr 2000 - vor allem auf Druck des kleineren Koalitionspartners Bündnis90/Grüne - ein weit reichendes Nachfolgegesetz zu erlassen, welches die Einspeisung von regenerativen Energien regeln und fördern sollte, das „Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien“, kurz „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG). Es stellt die Grundlage des Erfolgs der regenerativen Energien in Deutschland dar.
So ist beispielsweise der Autor Wüstenhagen in einem 2004 veröffentlichten Aufsatz der Meinung: “There is little doubt that German renewable energy policy has been effective in increasing electricity generation from renewables.” 5
Der Erfolg kam vor allem deswegen zustande, da das Gesetz Anlagenbetreibern jeglicher Art von regenerativer Energie eine über einen gewissen Zeitraum fixierte Grundvergütung und die Einspeisung in das öffentliche Stromnetz garantiert. Somit herrscht für die Anlagenbetreiber Planungssicherheit und Investitionsentscheidungen zugunsten regenerativer Energien werden tendenziell erleichtert. Um trotz der garantierten Subventionierung der regenerativer Energien Innovationsbemühungen zu garantieren und das Ziel zu erreichen, jene Energieformen langfristig an die Wettbewerbsfähigkeit heranzuführen, wurden zudem jährlich degressive Subventionsminderungen beschlossen.
5 Wüstenhagen, R. & Bilharz, M.: Green energy market development in Germany: effective public policy and
emerging customer demand. In: Energy Policy 34. 2004/06, S. 1689
12
Die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz umfasst neben der Photovoltaik und Windenergie auch Geothermie, Biomasse und Deponie, Klär- und Grubengase. Auch die Solarenergie im engeren Sinne, also die Ausnutzung der thermischen Energie, beispielsweise durch Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitstellung, wird durch das EEG abgedeckt. Für die Windenergie gilt für das Jahr 2007 folgende Regelung 6 : Grundsätzlich wird für alle an Land neu errichteten Windenergieanlagen ein Vergütungssatz von 5,5 Cent/kWh über 20 Jahre hinweg garantiert. Dieser erhöht sich für solche Anlagen, die in windintensiven Gebieten errichtet werden und mehr als 150% des Referenzertrags erzielen, um zusätzliche 3,2 Cent/kWh für einen Zeitraum von 5 Jahren. Anlagen mit einem geringeren Referenzertrag werden entsprechend länger mit dem Zusatzbetrag gefördert, maximal aber 20 Jahre. Für Offshore-Anlagen werden 6,19 Cent/kWh Basisvergütung gezahlt, hinzu kommt auch hier wieder eine mögliche Anfangsvergütung. Diese beträgt zusätzliche 2,91 Cent/kWh, entfällt jedoch nach 2010. Grundsätzlich gilt sowohl für Onshore- als auch für Offshore-Anlagen ein degressiver Abschreibungssatz von jährlich 2% auf die insgesamt gewährte Vergütung.
Für Photovoltaik-Anlagen gilt 2007 folgende Regelung 7 :
Für Freiflächenanlagen, also solche Anlagen die als kommerzielle, große Solarparks die Zukunft solarer Energieerzeugung darstellen sollen, gilt ein Vergütungssatz von 37,96 Cent/kWh in Verbindung mit einem erhöhten Degressionssatz von jährlich 6,5%. Für auf Gebäuden oder Lärmschutzwänden installierte Photovoltaikanlagen gelten anhand ihrer Nennleistung gestaffelte Vergütungen. Anlagen bis zu einer Nennleistung von 30 kW generieren eine Vergütung von 49,21 Cent/kWh, bis zu einer Nennleistung von 100 kWh werden 46,82 Cent/kWh garantiert und Anlagen über 100 kW Nennleistung erhalten eine Vergütung von 46,3 Cent/kWh. Der jährliche Degressionssatz beträgt 5%. Trotz aller Proteste, die seitens der zur Einspeisung verpflichteten Netzbetreiber vorgetragen wurden, war das Gesetz in Hinblick auf die Expansion der regenerativen Energie ein voller Erfolg. Im Jahr 2004 erfolgte eine Novellierung des EEG, in der leichte Änderungen am Gesetz vorgenommen wurden. Sie war eine Reaktion auf das Auslaufen des „100.000-Dächer-Programm“ der Bundesregierung und der Einbringung des ursprünglichen Gesetzes durch die CDU in den Vermittlungsausschuss. Der anfängliche Konsens über alle Parteien hinweg war
6 vgl. Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien, §7, März 2000
7 vgl. Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien, §8, März 2000
13
einer nüchternden Polarisierung über den Sinn der Subventionierung gewichen 8 , obgleich die deutsche Bevölkerung den erneuerbaren Energien in hohem Maße positiv gegenübersteht. 9 Die Novellierung beinhaltete eine Reduzierung der Vergütungssätze für Windenergie und leichte Vergütungsanpassungen bei anderen Energieformen.
Trotz aller Förderungsbemühungen seitens der Politik stellen regenerative Energien bis heute nur einen sehr geringen Anteil der Primärenergieerzeugung dar. Der Gesamtanteil betrug 2006 lediglich 5,3% (vgl. Abb. 1), während der Anteil an der reinen Stromerzeugung im Jahr 2006 bereits bei 11,4% lag. Noch immer dominieren fossile Brennstoffe wie Öl, Kohle und Erdgas, aber auch die Kernenergie, die Energieerzeugung Deutschlands deutlich. Dennoch hat sich der Anteil der regenerativen Energien deutlich erhöht (vgl. Abb. 2) und lässt den Trend erahnen, der sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen soll.
8 vgl. Wüstenhagen, R. & Bilharz, M.: Green energy market development in Germany: effective public policy and
emerging customer demand. In: Energy Policy 34. 2004/06, S. 1688
9 vgl. Wüstenhagen, R. & Bilharz, M.: Green energy market development in Germany: effective public policy and
emerging customer demand. In: Energy Policy 34. 2004/06, S. 1683
10 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Entwicklung der erneuerbaren Energien im
Jahr 2006 in Deutschland. Berlin 2007, S. 8
14
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist unumstritten für die rasche Expansion regenerativer Energienutzung in Deutschland verantwortlich. Durch die gesetzgeberische Initiative wird sowohl die technische Entwicklung als auch die Massenproduktion von Anlagen unterstützt, was zu Lernkurveneffekten führt. Nur sie ermöglichen es, dass erneuerbare Energien in Zukunft den Übergang in den geregelten Strommarkt bewältigen können. Ohne die Planbarkeit und Kontinuität eines solchen Gesetzes hätten sich keine solch raschen Fortschritte anbahnen können. In einer 2005 veröffentlichten Studie über den Unterschied der deutschen und britischen Windenergiebranche zieht Wong das Fazit: „If governments do not actively support vulnerable wind energy industries, market forces will have a depressing effect on this noncompetitive technology along with the commitment to having clear air and energy security.“ 12 Ähnlich argumentiert Wüstenhagen in seiner 2003 veröffentlichten Studie über die Wettbewerbsfähigkeit regenerativer Energien: “… Germany and Spain account for more than half of the world market today, and these markets have largely been driven by government regulation. Both countries, through their feed-in tariffs, pay relatively generous incentives to wind energy generators that enable cost competitive wind power production at good and
11
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Leitstudie 2007; „Ausbaustrategie
Erneuerbare Energien“, Aktualisierung und Neubewertung bis zu den Jahren 2020 und 2030 mit Ausblick bis
2050; Entwicklung der erneuerbaren Energien im Jahr 2006 in Deutschland. Berlin 2007, S. 11, eigene
Darstellung
12 Wong,S.-F.: Obliging Institutions and Industry Evolution: A Comparative Study of
the German and UK Wind Energy Industries. In: Industry and Innovation, Vol. 12, No. 1. 2005, S. 122
15
medium-quality sites. Going forward, government policies aimed at mitigating climate change are expected to further support wind energy.” 13
Diese Argumentation ist natürlich in noch viel stärkerem Maße für die Photovoltaik-Branche angemessen, deren Stromerzeugungskosten derzeit ungleich höher sind. So sind Onshore-Windenergieanlagen mit Stromentstehungskosten von 4-6 Cent/kWh (vgl. Tabelle 1) schon beinahe heute konkurrenzfähig, während die Offshore-Technik mit Kosten von 6-10 Cent/kWh noch zu hohe Kosten generiert. Photovoltaik-Anlagen jedoch sind mit geschätzten 20-40 Cent/kWh noch weit von ihrer Wettbewerbsreife entfernt.
Die Frage nach dem ökonomischen Sinn der Subventionierung regenerativer Energien wird sich erst in Zukunft zur Gänze beantworten lassen. Trotz millardenschwerer Subventionierung in diesem Bereich hat sich bisher noch bei keiner der Energieformen Marktreife entwickelt. Was bleibt sind bis heute Hoffnungen auf die Erlangung der Wettbewerbsreife dieser Energien, einen langfristig ausgeglicheneren und kostengünstigeren deutschen Energiemix. Der Erfolg des EEG in Hinblick auf die Unterstützung regenerativer Energien ist allerdings unbestritten. So konstatiert Datamonitor: “Governments and utilities alike would do well to look at the German model to understand how they can utilize renewable energy tariffs to be innovative in the future.” 15
13 Wüstenhagen, R.: Sustainability and Competitiveness in the Renewable Energy Sector - The Case of Vestas
Wind Systems. Institute for Economy and the Environment, Switzerland. In: GMI. 2003, S. 112
14 Renewable Energy Policy Network for the 21 st Century: Renewables 2005 Global Status Report. 2005, S. 12
15 Datamonitor,: Market Watch: Energy. 2006, S. 20
16
Auch die Bundesregierung ist sich der Attraktivität des EEG bewusst: „Als politisches Instrument hat das EEG inzwischen eine hohe Attraktivität erreicht, was auch von der EU-Kommission kürzlich bestätigt wurde [EU-Kommission 2005]. EEG-ähnliche Fördermodelle werden bereits in knapp 30 Ländern (darunter 16 EU-Ländern und einige US-Bundesstaaten) eingesetzt. In weiteren Ländern wird über eine Einführung diskutiert.“ 16
3.1.2. Weltweit
Obgleich vorliegende Arbeit sich auf die Marktentwicklung in Deutschland konzentriert, ist auch die weltweite Entwicklung der Wind- und Solarbranche wichtig für den Erfolg oder Misserfolg deutscher Unternehmen, da sie weltweit exportieren und im globalen Wettbewerb stehen. So wiesen die im weiteren Verlauf untersuchten deutschen Unternehmen der Photovoltaikbranche einen Exportanteil von 46,5% 17 aus, die der Windenergiebranche sogar eine Quote von 72,5% 18 . Diese Anteile werden in nächster Zeit tendenziell steigen. Immer mehr Märkte tun sich auf, in denen erneuerbare Energien über ihren Status als ökologisch sinnvolle, jedoch ökonomisch unrentable hinauswachsen und echte Alternativen in der Energiepolitik vieler Länder werden.
Dennoch ist der weltweite Gesamtanteil neuerer regenerativer Energien an der Gesamtenergieerzeugung derzeit noch sehr gering. So betrug der Anteil von Solar-, Wind-, Gezeiten- sowie Geothermie-Energie am weltweiten Gesamtprimärverbrauch im Jahr 2003 lediglich 0,5%. 19 Gleichzeitig ist zu beobachten, dass vor allem in OECD-Ländern der relative Anteil von Energiegewinnung aus anderen Quellen als Wasserkraft im Vergleich zu Nicht-OECD-Ländern sehr hoch ist (vgl. Abb. 3). Während er in diesen Ländern 17,1% beträgt, ist der Anteil in Nicht-OECD-Ländern gerade einmal 3,5% 20 . Dies liegt daran, dass die Wasserkraft eine Energiequelle ist, die wesentlich etablierter ist, da sie auf bereits vor Jahrhunderten verwendeten Wasserrädern beruht. Zudem ist bereits der Großteil der Stellen bebaut, an denen sie ökonomisch sinnvoll eingesetzt werden kann. Im Gegensatz dazu befinden sich technisch anspruchsvolle Energiegewinnungsformen wie die Photovoltaik oder Windenergie gerade erst
16 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Ausbau Erneuerbarer Energien im
Stromsektor bis zum Jahr 2020 - Vergütungszahlungen und Differenzkosten durch das Erneuerbare-Energien-
Gesetz. Berlin 2005, S. 7
17 Exportquoten: Solarworld 42,9%; Solon 60%; Ersol 43%; Q-Cells 53,3%; Solar-Fabrik 33,1%
18 Exportquoten: Nordex 79%; Repower 66%;
19 vgl. International Energy Agency: World Energy Outlook 2005. 2005, S. 82
20 vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Umweltpolitik - Erneuerbare Energien
in Zahlen - nationale und internationale Entwicklung. Berlin 2007, S. 37
17
Arbeit zitieren:
Dennis Volter, 2007, Zukunftsperspektiven der Windenergie- und Photovoltaik-Branche in Deutschland und deren Implikationen auf die Bewertung ausgewählter Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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