1. Zur Sache
1.1 Wie ist die Sache legitimiert?
Im Lehrplan für die Grundschulen in Bayern von 2000 gibt es im Bereich 4.2 Ich und meine Erfahrungen den Unterpunkt 4.2.1 Die Entwicklung des Menschen. Darin geht es unter Anderem ausdrücklich um das Mitteilen von Gefühlen in Worten, Gestik und Mimik.
Die Schüler sollen eigene und die Gefühle von anderen wahrnehmen und richtig darauf reagieren können. Durch die Auseinandersetzung im szenischen Darstellen wird den Kindern die Möglichkeit zum Probieren gegeben. Die Pubertät erzeugt viele Unsicherheiten, auch auf Gefühlsebene. Durch das Thematisieren der seelischen Veränderungen gewinnen die Schüler zunehmend mehr Sicherheit im Ungang mit sich selbst und den anderen und entwickeln mehr Selbstvertrauen. 1
Insgesamt soll es den Kindern ermöglicht werden, ihre soziale Umwelt zu erschließen und ihre Identität- und Persönlichkeit auszubilden. Die Schüler sollen verantwortungsbewusstes Handeln für die Gesellschaft einüben und so bestimmte Werte erfahren. 2
1.2 Sachanalyse
Ein Gefühl ist ein Grundphänomen des individuellen, subjektiven Erlebens einer Erregung oder Beruhigung. Gefühle sind Erlebnisse wie Freude, Liebe, Trauer, Ärger, Zorn, Aggression, Besorgnis, etc. Das Gefühl hängt eng mit der Tätigkeit des vegetativen Nervensystems zusammen, die physiologischen Begleiterscheinungen sind hierbei z.B. Änderungen der Puls- und Atemfrequenz oder des Volumens einzelner Organbereiche. 3
„Im Laufe seiner Entwicklung muss sich jeder Mensch fortwährend - ob bewusst oder unbewusst- mit den Gefühlen und Wahrnehmungen sowie dem Denken der eigenen Person als auch anderer Personen auseinandersetzen. Da wir die Gefühle und Wahrnehmungen unserer Mitmenschen nie direkt erleben können, sind wir darauf angewiesen, dass sie uns mitgeteilt werden. Von Natur aus sind uns Mimik und Gestik als die wichtigsten und nur bedingt beeinflussbaren Informanten gegeben. So sind wir in der Lage, die geringsten Veränderungen im Gesichtsausdruck eines Menschen zu registrieren, daraus Schlüsse über seine Gefühle und Absichten zu ziehen und unser Verhalten darauf abzustimmen.“ Schon in der Grundschule stehen die Kinder aber auch immer vor der Frage, „ob sie in der jeweiligen Situation das eigene Erleben und Fühlen ehrlich zum Ausdruck bringen dürfen oder ob es nicht doch besser wäre, seine Gefühle zu unterdrücken oder zu überspielen. Gerade Kindern der vierten Jahrgangsstufe, die sich mit körperlichen und seelischen Veränderungen zu Beginn der Pubertät auseinander setzen, muss Mut gemacht werden, ihrem tatsächlichen Wahrnehmen und Fühlen Beachtung zu schenken und mit ihren Gefühlen verantwortungsbewusst umzugehen. 4
1 Lehrplan Bayern 2000, S.261
2 Lehrplan Bayern 2000, S.35f
3 Brockhaus Bd.2 , S.531
4 Kleeblatt, Handbuch, S. 23
2
2. Der Schüler
2.1 Klassensituation
Die Klassensituation blieb seit dem letzten Besuch insgesamt unverändert. Die Noten für das Übertrittszeugnis sind gemacht, so dass von den Schülern allmählich der Druck abfällt. Trotzdem arbeiten die Schüler weitgehend sehr konzentriert und motiviert im Unterricht mit.
2.2 Analyse der Lernvoraussetzungen
Die Schüler kommen tagtäglich mit Gefühlen und ihren Ausdrucksweisen in Berührung. Sie können den Tonfall der Eltern deuten, ebenso wie die meisten Gesichtsausdrücke und Gesten. Trotzdem sind einige Kinder noch sehr unsicher im Umgang mit ausgedrückten Gefühlen. Durch das bewusste Thematisieren, Benennen und Spielen der Gefühle haben die Schüler die Chance, Handlungsvorschläge zu erproben und Alternativen auszuprobieren, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen.
Durch vielfältige Situationen, in denen Vorgegebenes und nicht Vorgegebenes im Unterricht gespielt werden muss, haben die meisten Schüler keine Probleme sich vor der Klasse zu präsentieren.
Auch durch die hohe sprachliche Kompetenz der Schüler kann man ansprechende Diskussionen und Verbalisierungen erwarten.
2.3 Bedeutung des Lerngegenstands für die Schüler
Kindern fällt es oft schwer eigene Gefühle oder die anderer zu benennen. Auch die Aussagekraft von Gestik und Mimik kann noch nicht vollständig umgesetzt werden. Gerade in der Pubertät, in der häufig Gefühlsschwankungen und Missstimmungen auftreten ist es wichtig, seine eigenen Gefühle einordnen zu können und die Gefühlslage anderer zu erkennen, um richtig darauf reagieren zu können. 5
3. Methodisch-didaktischer Kommentar
Die Stunde beginnt mit dem Bild eines Mädchens, das einen traurigen Gesichtsausdruck hat. Neben ihr ist eine Sprechblase mit dem Text: „Es geht mir gut!“ Die Ss sollen sich zunächst frei dazu äußern. Die Diskrepanz zwischen Mimik und Aussage wirkt auf die Kinder sehr stark. Durch weitere Bilder werden die Unstimmigkeiten noch augenscheinlicher.
Der L weist darauf hin, dass sowohl Gesicht als auch Sprechblase etwas ausdrückt. Die Schüler werden schnell darauf kommen, dass es sich um Gefühle handelt, die hier, wenn auch nicht stimmig, zum Ausdruck kommen. Dies wird auch als Ziel der Stunde an der Tafel festgehalten. Um zu verstehen, welche Gefühle Menschen haben können und welche sie ausdrücken, werden zunächst in PA Gefühle gesammelt. Die Ss schreiben zusammen mit ihrem Partner Gefühle, die sie kennen, bzw. selbst erlebt haben
5 Prögel, S.168
3
auf Wortkarten. Dadurch entsteht ein persönlicher Anknüpfungspunkt für die Kinder.
Bereits in der PA besteht die Möglichkeit über die niedergeschriebenen Gefühle zu sprechen.
Jede Gruppe stellt ihre Gefühle vor und hängt die Wortkarten ungeordnet an die linke Tafelhälfte.
Um die Gefühle zu strukturieren, sollen die Schüler die Wortkarten in die Kategorien angenehme und unangenehme Gefühle einordnen. Mehrfach genannte Gefühle können dabei aussortiert werden. Die Einordnung hilft den Schülern beim Verbalisieren der Gefühle und strukturiert das Ganze. Zu Wissen, welche Gefühle es gibt, ist Voraussetzung für das Verbalisieren und Erkennen von Gefühlen. Dies soll im nächsten Teil geübt werden. Beide Übungen werden zunächst mit einem S im Plenum ausprobiert. Die erste besteht darin, ein Gefühl darzustellen. Prägnante Gefühle sind auf Wortkarten geschrieben und sollen von den Ss szenisch dargestellt werden. Ziel ist es, die Gefühle so darzustellen, dass sie die Mitschüler erraten. In der zweiten Übung geht es eher um Situationen aus dem Alltag der Kinder. Sie sollen sich die Situationsbeschreibung durchlesen und durch Mimik, Gestik, aber auch durch Sprache zum Ausdruck bringen, wie sie in der jeweiligen Situation fühlen.
Nach dem einmaligen Vorzeigen der Übungen werden diese in den Gruppen weiter geführt, um für die Ss einen intimeren Rahmen zur Aktion zu schaffen. Durch das positive Klassenklima und den großen Zusammenhalt sehe ich keinerlei Probleme, wie Schamgefühl oder Prahlerei. Jedes Kind sollte beide Übungen wenigstens einmal gemacht haben. Gruppen, die bereits früher fertig sind erhalten Zusatzkarten und können von vorne beginnen.
Anschließend zeigt L wieder auf das Bild des Mädchens vom Anfang. Dem Mädchen kann niemand mit seinem Problem helfen, weil es seine Gefühle nicht deutlich zum Ausdruck bringt. Die Ss sollen verbalisieren, dass es wichtig ist, Gefühle auszusprechen und zu zeigen, damit Mitmenschen darauf reagieren können.
Dass dies auch problematisch sein kann, wird den Ss vor allem bei Gefühlen wie Verliebtheit oder Scham deutlich. Weil dies typische Gefühle der Pubertät sind, sollen die Schüler gezielt darauf vorbereitet werden. Demnach ist es wichtig, diese Gefühle anzusprechen, die Problematik zu verdeutlichen, aber den Kindern auch Mut zu machen, ihre Gefühle zu zeigen.
Dies soll am Ende auch mit den Bildkarten und Sprechblasen an der Tafel umgesetzt werden. Die unstimmige Zuordnung soll aufgehoben werden, die Kinder sollen den Mut haben, sich ihren Gefühlen gemäß zu äußern.
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Arbeit zitieren:
Andrea Fischer, 2006, Unterrichtsstunde: Gefühle erkennen und mitteilen, München, GRIN Verlag GmbH
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