Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1. Die galante Bewegung 3
1.2. Was heißt galant? 4
2. Was ist Galante Literatur? 6
2.1. Merkmale und verschiedene Ausprägungen 6
2.2. Die Frau als Ziel der galanten Autoren 8
2.3. Galanterie in Briefen 9
2.3.1. Von Liebesbriefen und galanten Liebesbriefen 9
2.3.2. Von galanten und scharfsinnigen Briefen 10
2.3.3. Von galanten Insinuationsbriefen 11
2.3.4. Von Lobbriefen 11
2.3.5. Von galanten Freundschaftsbriefen 11
3. Fazit 12
Literaturverzeichnis 13
2
Im ausgehenden 17. Jahrhundert entwickelte sich in Deutschland die literarische
Modebewegung der Galanten, die vor allem durch „die erotisch ungewöhnlich
freizügige Lyrik“ 1 im allgemeinen Bewusstsein war und noch heute ist. Doch der
insgesamt sehr viel weitere Horizont der galanten Bewegung, „der auch den galanten
Roman und flankierende Phänomene der Kunst- und Musikgeschichte umfaßt“ 2 , darf
hier nicht vergessen werden.
Es handelt sich nicht um einen genuin literarischen Stil, sondern um ein kulturelles Muster, in dessen Rahmen Literatur, Musik, Kunst und die (sich neu formierenden) Gesellschaftswissenschaften (wie etwa die Jurisprudenz) ihre teils dekorative, teils regulierende Form bekamen. 3
Eine besondere Art im menschlichen Miteinander, die sich vor allem auf das Verhalten
gegenüber Frauen auswirkte, ging mit der Entwicklung der Galanten Literatur einher
und entstand ebenfalls aus einem galanten Ideal heraus. „Ziel war eine Verbindung
höfisch-adeliger Ideale romanischer Herkunft und bürgerlicher Interessen, die einer
Schicht aufstrebender Kaufleute und Staatsbeamte im absolutistischen Staat als soziale
und kulturelle Orientierungshilfe dienen konnte.“ 4 Das Wort galant taucht im Jahr 1318
erstmals auf und geht auf das altfränkische walare, sich amüsieren, zurück. Im Laufe
der Jahrhunderte weist galant eine sehr viel breitere Palette von Bedeutungen und
Verhaltensmustern auf:
Vom blanken unverbindlichen Amüsement über den höfisch-höflichen Umgang des mittelalterlichen Rittertums, den Liebeskodex der Troubadourkultur, die berauschende Sinnlichkeit der italienischen Renaissance, den teils ausschweifenden, teils ironisch gebrochenen amourösen Abenteuer der Aufklärungszeit bis hin zu den Exzentrizitäten des Dandytums und den Pikanterien der käuflichen Liebe. 5
1 Thomas Borgstedt, Andreas Solbach (Hgg.): Der galante Diskurs, Kommunikationsideal und
Epochenschwelle, Dresden, 2001, S. 9.
2 Ebd., S. 9.
3 Uwe-Karsten Ketelsen: Galante Literatur. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hg. v.
Klaus Weimar. Bd. 1: A-G. Berlin / New York 1997. S. 650.
4 Volker Meid: Sachwörterbuch zur Deutschen Literatur, Stuttgart, 1999, S. 190.
5 Verena von der Heyden-Rynsch: Das Spiel der Verführung, Liebe und Galanterie im Wandel der Zeiten,
Düsseldorf, 2004, S. 8 f.
3
Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts war das galante Ideal in Frankreich in den Pariser Salons entwickelt und kultiviert worden. Es diente als Vorbild für das Deutschland des ausgehenden 17. und des beginnenden 18. Jahrhunderts. Was aber bedeutet galant und wie drückt sich die Galanterie aus? Diese Frage ist, wie auch Else Thurau schon in „Galant“, ein Beitrag zur französischen Wort- und Kulturgeschichte feststellt, nicht leicht zu beantworten, weil der Begriff galant heutzutage nur noch selten benutzt wird und sich seine Bedeutung seit seiner Entstehungszeit gewandelt hat.
1.2. Was heißt galant?
„Man hat schon immer empfunden, daß es etwas sehr Vielfältiges ist, das man sich leichter vorstellen als definieren kann.“ 6 Galant ist gleichbedeutend mit „sehr höflich, aufmerksam, rücksichtsvoll“ 7 , heißt als Adjektiv zunächst: „liebenswürdig bis zur Aufdringlichkeit“ 8 und geht wortgeschichtlich auf mehrere Wurzeln zurück:
[…] galant geht teils auf span. gala ‚Staatskleid’, galán ‚höfischer Mensch’ zurück […], teils auf ital. und span. galante ‚modisch gekleidet’, das über frz. galant ‚munter, tüchtig’ nach Deutschland gekommen ist und in diesem Sinne die Bedeutung des Wortes bestimmt hat. Schon in den 90er Jahren des 17. Jhs. […] schränkte sich der Wortgebrauch auf den erotischen Bereich ein. 9
Unter dem Einfluss der sich im Italienischen vollziehenden semantischen Entwicklung nimmt galant verschiedene Bedeutungen an: „hübsch, geschmackvoll, elegant, von feiner Lebensart“ und „höflich und zuvorkommend gegenüber Frauen, verliebt, zu Liebesabenteuern aufgelegt“ 10 . Galant bezeichnet das höfische, ja fast ritterliche Verhalten gegenüber Frauen. „Die Galanterie ist eine Form der Liebe“ 11 und wurde auf verschiedenste Art zum Ausdruck gebracht: in Gesprächen, in Darbietungen, in Briefen, im respektvollen Verhalten der Weiblichkeit gegenüber, wenn „wir durch ein höffliches und manierliches Compliment bey Patronen unser Devoir beobachten, oder uns auch
6 Else Thurau: „Galant“, ein Beitrag zur französischen Wort- und Kulturgeschichte, in: Frankfurter Quellen und Forschungen zur germanischen und romanischen Philologie, Hgg. v. Erhard Lommatzsch, Hans Naumann, Franz Schultz, Heft 12, Hildesheim, 1975, S. 35.
7 Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Hg. v. Wolfgang Pfeiffer , Berlin, 1993, S. 391.
8 Else Thurau: a.a.O., S. 39.
9 Uwe-Karsten Ketelsen: a.a.O., S. 649.
10 Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Hg. v. Wolfgang Pfeiffer, Berlin, 1993, S. 391.
11 Else Thurau: a.a.O., S. 84.
4
Arbeit zitieren:
Markus Gentner, 2006, Galanterie in der Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
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