Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Herstellung 3
2.1 Das Material der Zinnfiguren 3
2.2 Die Produktion 5
2.3 Die Art und die Umstände der Produktion 7
3. Darstellung 8
3.1 Form und Größe 8
3.2 Motivgestaltung 9
4. Bedeutung 12
4.1 Erste Funde des Mittelalters 12
4.2 Der Aufstieg der Zinnfigur (16. - 17. Jahrhundert) 13
4.3 Die Zinnfigur als Erziehungsmittel (18. - 20. Jahrhundert) 14
4.4 Die Zinnfigur als Sammlerobjekt (20. Jahrhundert) 15
5. Fazit und Ausblick 16
Literaturverzeichnis 18
2
1. Einleitung
Dem standhaften Zinnsoldaten widmete Hans Christian Andersen ein eigenes Märchen und der Dichter Joachim Ringelnatz brachte in einem kleinen Gedicht seine Vorliebe für die zinnernen Mannen zum Ausdruck. Auch ich werde mich in meiner Hausarbeit mit der Zinnfigur beschäftigen. Doch sachlicher und nicht so poetisch verklärt wie diese beiden Schriftsteller werde ich an das Thema herangehen. Mein Ziel ist es hier einen kurzen Überblick über die Zinnfiguren als Spielzeug, aber auch als kulturellen Gegenstand zu geben. Diese Arbeit ist deswegen in drei große Kapitel gegliedert: Herstellung, Darstellung und Bedeutung. Das Kapitel „Herstellung“ umfasst dabei vor allem die Produktion von Zinnfiguren, während im Abschnitt „Darstellung“ der Schwerpunkt auf der Motivgestaltung liegt und der abschließende Teil „Bedeutung“ sich mit dem Bedeutungswandel der Zinnfigur über die Jahrhunderte bis heute beschäftigt.
2. Herstellung
Die folgenden drei Kapitel beschäftigen sich mit der Herstellung von Zinnfiguren. Dabei wird zunächst auf das Material an sich eingegangen und die Gründe für dessen Verwendung erläutert. Anschließend wird das Produktionsverfahren, von der Zeichnung bis zur fertigen Figur beschrieben. Das letzte Kapitel handelt von den Umständen der Produktion, die ebenfalls zu erwähnen sind.
2.1 Das Material der Zinnfiguren
Bevor man sich eingehender mit den Zinnfiguren selbst beschäftigt, sollte man sich zuerst mit deren Grundstoff auseinandersetzen; nämlich dem Zinn. Nicht umsonst wurde und wird heute immer noch vorwiegend Zinn bei der Produktion eingesetzt. Die Gründe gilt es hier kurz zu erläutern.
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Zinn gehört zu den Metallen, die relativ häufig in der Erdkruste vorkommen. Anders als viele Edelmetalle, die sich eher durch Seltenheit auszeichnen, ist die Zinngewinnung relativ einfach und billig. Durch die daraus resultierenden geringeren Anschaffungskosten für den Rohstoff Zinn, ist es den Zinngießern erst möglich auch günstig zu produzieren, was natürlich den Warenpreis mitbestimmt.
Des Weiteren besitzt Zinn, neben einigen anderen Metallen, den Vorteil eines niedrigen Schmelzpunktes. Dieser liegt bei etwa 232°C, einer Temperatur, die schon von einer Kerzenflamme erreicht, ja sogar überschritten wird. Zur Produktion wurden also weder große Hochöfen, noch ein Übermaß an Brennmaterial, wie Holz oder Kohle benötigt. Zinnfiguren konnten bereits in kleineren Werkstätten hergestellt werden. Dies bedingte, dass sich die Kosten für die Herstellung der Figuren in Grenzen hielten und die Preise für den Käufer dementsprechend erschwinglich blieben.
Doch ist es nicht allein der Kostenfaktor, der Zinn für die Figurenproduktion prädestinierte. Im Vergleich zu anderen Metallen wie Eisen oder Kupfer, hat Zinn nicht nur den Vorteil leicht schmelzbar zu sein, es besitzt auch die Eigenschaft, dass es nicht rostet wie etwa Eisen oder Patina ansetzt wie Kupfer. Das glänzende Zinn oxidiert zwar mit der Zeit, das heißt, es bildet eine Oxidationsschicht, ähnlich dem Anlaufen von Silber, die es aber vor Korrosion, sprich vor Rost schützt. Eine Eigenschaft, die, wenn man bedenkt, dass die Figuren durch aber Tausende von Kinderhänden gingen, die fast täglich mit ihnen spielten, von extrem hoher Bedeutung war.
Bewusst habe ich hier den fälschlichen Eindruck entstehen lassen, dass Zinnfiguren, wie der Name schon sagt, aus reinem Zinn gegossen wurden. Denn dies ist ein weit verbreiteter Irrtum, den ich hier zu korrigieren gedenke.
Zinn für sich allein besitzt zwar sehr gute Eigenschaften, hat aber den Nachteil, dass es ein sprödes Metall ist. Die kleinen, filigranen Figuren, die Kinder zum Spielen verwendeten, konnten dadurch leicht brechen. Daher sind Figuren aus reinem Zinn eher die seltene Ausnahme, nicht die Regel. Vielmehr wurden die Figuren aus Legierungen von Zinn mit anderen Metallen, die ähnliche Eigenschaften aufweisen, gegossen. Am häufigsten kam dabei das Schwermetall Blei zum Einsatz, welches das spröde Zinn biegsamer machte. Daneben wurden auch Wismut und Antimon verwendet. Die Gießer erkannten schon früh, einen weiteren Vorteil solcher Legierungen. Bei einem geeigneten Mischverhältnis, konnte eine viel geringe Gesamtschmelztemperatur erreicht werden als bei einem Metall allein. Eines der Extrembeispiele bildete die Legierung „Komposition“ des Nürnberger Herstellers Ernst Heinrichsen. Diese bestand aus einem Teil Zinn, einem Teil Blei und zwei Teilen Wismut,
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und besaß damit eine Schmelztemperatur von 94°C. 1 Kein Wunder, dass das Mischverhältnis solcher Legierungen, von den Offizinen wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurde. Denn desto geringer der Schmelzpunkt war, desto kostengünstiger konnte produziert werden. Zieht man dies in Betracht, liegt die Vermutung nahe, dass der fälschliche Begriff der „Zinnfigur“ - bei Heinrichsen müssten die Figuren eher „Wismutfiguren“ heißen -Deckmantel einer Offizine war, um ihr Legierungsgeheimnis nicht preis zu geben. Nichts desto trotz hat sich der Name „Zinnfigur“ eingebürgert und so werde ich auch auf den folgenden Seiten von der „Zinnfigur“ sprechen, um mögliche Irritationen auszuschließen. Dabei sollte man aber stets im Hinterkopf behalten, dass mehr in einer Zinnfigur steckt, als der bloße Name vermuten lässt.
2.2 Die Produktion
Die Produktion von Zinnfiguren geschah in vier Arbeitsgängen. Dem Entwurf folgte die Gravur, anschließend der Guss und zum Schluss die Bemalung. Die Sorgfalt, die auf die jeweiligen Produktionsschritte aufgewendet wurde, entschied über Qualitätsprodukt oder Massenware. 2
Am Anfang einer Zinnfigur stand der Entwurf. Die Motivwahl blieb dabei jedem Hersteller selbst überlassen, wenn er auch, wollte er erfolgreich sein, den „Trends“ der jeweiligen Zeit und den Wünschen der Kunden unterworfen war. Die Entwürfe wurden meist nach zeitgenössischen Bildern, Kalendern, Flugblättern und Druckschriften gefertigt. Sie orientierten sich fernerhin an Bilderbogen, Buchillustrationen, Lithographien bedeutender Künstler und den Abbildungen aus Publikumszeitschriften wie der „Gartenlaube“. 3 Zeichnungen nach der Natur, wurden hingegen kaum bis gar nicht gemacht. Zwar gab es Versuche des Nürnberger Herstellers Heinrichsen dies zu tun, doch er musste feststellen, dass das geringe Interesse bei den Käufern, die großen und kostenintensiven Rechercheanstrengungen nicht rechtfertigte. 4
Nach dem fertiggestellten Entwurf galt es nun, diesen auf zwei Schieferplatten von 2-3 cm Stärke zu übertragen. Dazu mussten die beiden Platten jedoch eben und glatt sein, weshalb sie mit einem Schleifmittel gegeneinander gerieben wurden. War dies geschehen, begannen die Hände des Graveurs ihre kunstvolle Tätigkeit. War die Figurenzeichnung durch Pausen
1 Schwarz, Helmut: Werkstatt und Stube - Technik und Arbeit in der Zinnfigurenproduktion, in: Schwarz,
Helmut (Hg.): Paradestücke. Zinnfiguren aus Nürnberg und Fürth. (=Ausstellungskatalog Spielzeugmuseum
Nürnberg). Nürnberg 2000, S. 48.
2 ebd. S.39
3 ebd. S.39
4 ebd. S.41
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Arbeit zitieren:
Rainer Schoenauer, 2005, Zinnfiguren - Herstellung, Darstellung und Bedeutung, München, GRIN Verlag GmbH
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