Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Novelas ejemplares. 3
3 Vergleich beider Novellen 4
3.1 Struktur der Novellen 4
3.2 Das tragische Ende in El Celoso Extremeño. 8
3.3 Das tragische Ende in El licenciado Vidriera. 12
4 Endbetrachtung. 14
5 Literaturverzeichnis. 16
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1 Einleitung
Die Novelas Ejemplares besitzen bis heute eine tiefe Faszination auf ihre Leserschaft. Cervantes scharfsinnige und intelligente Beobachtungsweise des Menschen und deren Wiedergabe in den Novellen zeugen davon, dass der Quijote kein Zufallswerk ist, sondern einem wahren Poeten und Menschenkenner entsprungen ist.
Große Autoren wie u.a. Unamuno, Borges, Ruben Darío haben sich mit den Novellen und dem Quijote beschäftigt. Über die Novellen gibt es zahlreiche Schriftstücke, Abhandlungen, Dissertationen und Habilitationsschriften, die immer wieder die Vielschichtigkeit der Novellen betonen und beweisen, dass die Novellen wie ein Prisma immer neue Bilder hervorrufen können.
Insbesondere die Novellen El Celoso Extremeño und El Licenciado Vidriera werden immer
wieder von den Kritikern behandelt 1 , da in der einen Novelle ein allseits bekannter Plot aus neuer Sichtweise beschrieben wird und in der anderen die Intelligenz eines Menschen in seinem Wahnsinn aus Glas zu bestehen gefangen ist.
Trotz dieser vielen Literatur sollen hier nochmals beide Novellen analysiert werden, allerdings besteht die Analyse im Vergleich des tragischen Endes beider Gestalten. Dabei folgt an erster Stelle eine Einbettung beider Novellen in den Gesamtaufbau der Novellen. An zweiter Stelle wird die Struktur beider Novellen aufgezeigt und es erfolgt ein Vergleich beider, bevor das tragische Ende der Novellen analysiert und verglichen wird. Obwohl die vorliegende Arbeit sich auf den Vergleich fokussiert, liegt der Schwerpunkt dennoch auf der Novelle El Celoso Extremeño, da die Komplexität der Novelle eine nähere Ausführung verlangt.
2 Die Novelas ejemplares
Die Novelas ejemplares 2 erscheinen im Jahr 1613, nachdem sie die Zensur im Jahre 1612 durchlaufen haben. Cervantes selbst äußert sich in seinem Vorwort folgendermaßen:
"Mi intento ha sido poner en la plaza de nuestra república una mesa de trucos, donde cada uno pueda llegar a entretenerse, sin daño de barras; digo sin daño del alma ni del cuerpo, porque los ejercicios honestos y agradables, antes aprovechan que dañan." (S. 52)
1 Vgl. Güntert, Georges: Cervantes. Novelar el mundo desintegrado, Barcelona, 1993, S. 156: “De entre las novelas ejemplares, El Celoso Extremeño es, sin duda, una de las más estudiadas”.
2 Cervantes Saavedra, Miguel de: Novelas ejemplares, I&II, Edición by Harry Sieber, Madrid, 23. a Edición, 2005. Alle weiteren Zitate aus den Novelas ejemplares beziehen sich auf diese Quelle.
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Den Inhalt der Novelas ejemplares bilden zwölf Novellen, von denen vier sich insofern von den anderen Novellen insofern unterscheiden, daß ihr Ziel nicht die "glückliche" Eheschließung am Ende ist. Diese vier sind: Novela de Rinconete y Cortadillo (an dritter Stelle), El Licenciado Vidriera (an fünfter Stelle), El Celoso Extremeño (an siebter Stelle) und die Doppelnovelle am Schluß: El Casamiento Engañoso y El Cologuio De Los Perros (an 11. und 12. Stelle). Von diesen vier werden als einzige mit einem tragischen Ende die beiden Novellen El Licenciado Vidriera und El Celoso Extremeño verstanden. Zwischen diesen beiden Novellen steht die Novelle La Fuerza De La Sangre, deren Ende wohl als "Happy-End" zu werten ist. 3 Das beiden Novellen das tragische Ende gemein ist, scheint ein Vergleich beider angebracht und soll in den nun folgenden Kapiteln analysiert werden.
3 Vergleich beider Novellen
Beiden Novellen ist gemeinsam, dass der Leser das Ende als tragisches bzw. als nicht glückliches wertet. Ebenso ist bei beiden das Ende als ein überraschendes zu sehen. Auf das Ende und der darin enthaltenen Tragik wird im Weiteren noch konkret eingegangen. Es soll sich erst der Struktur gewidmet werden.
3.1 Struktur der Novellen
Obwohl viele Kritiker nicht derselben Meinung sein werden, so liegt für den Autor dieser Arbeit bei beiden Novellen eine Dreiteilung vor.
Bei El Licenciado Vidriera stellt der erste Teil (I) der Novelle das Leben von Tomás Rodaja vor seinem Leben mit der Krankheit dar (S. 43-52), wobei hier noch eine Zweiteilung getroffen werden kann: in a) seine Ausbildungszeit und b) das verhängnisvolle Treffen mit seiner Giftmischerin und das Ausbrechen seines Wahnsinns. Er wird als Elfjähriger von seinen beiden zukünftigen Herren schlafend unter einem Baum vorgefunden und von Ihnen als Diener eingestellt. Als Gegenleistung darf er studieren. Die Zeit bei Ihnen kann als 1. Unterteil seiner Ausbildungszeit gefasst werden (S.43-44). Als 2. Unterteil seiner Ausbildungszeit kann seine Reise nach Italien und Flandern gewertet werden (S. 44-52).
Teil b) (S. 52-54) beginnt, als er nach seinen Reisen in seine Heimat nach Salamanca zurückkehrt und dort als Lizenziat der Rechte promoviert. Seine Ausbildungszeit findet ihren Abschluss und er ist endlich zum Mann gereift. Zu diesem Zeitpunkt, trifft auch eine Dame in
3 Aus heutiger Sicht erscheint die Heirat mit dem eigenen Vergewaltiger zu skurill, um als Happy-End gewertet zu werten.
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der Stadt ein, von der es heißt, dass sie in Flandern und Italien gewesen sei. Als Tomás sie besucht, verfällt sie in Liebe zu ihm. Da er ihren Wünschen nicht entspricht, greift sie zu einem letzten Mittel: einer vergifteten Quitte, die die Liebe in Tomás erwecken soll. Tomás überlebt, allerdings ist er ab diesem Zeitpunkt dem Wahnsinn verfallen und glaubt, er sei aus Glas.
Der Hauptteil (II) (S. 55-72) beginnt eigentlich in dem Moment, wo Rodaja seinen Namen in Vidriera ändert und er anfängt auf die Spötteleien der Kinder mit ebenso spöttischen Bemerkungen zu antworten. Ab diesem Zeitpunkt (S. 55) beginnt ein neues Leben für ihn, indem er auf die Fragen der Bevölkerung mit Aphorismen, zynischen Bemerkungen, pointierten Zitaten etc. antwortet. Die Gesellschaft reagiert mit Belustigung und Neugier auf ihn, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen und verfolgt ihn, um ihm weitere Fragen zu stellen. Aber sie lässt ihn auch nicht verhungern und versorgt ihn mit allem Lebensnotwendigem. Vidriera wird von einem Adligen, der von seinen Antworten begeistert ist, an den Hof von Valladolid geholt (S. 57). Er lebt zwei Jahre in seinem Wahnsinn, bis schließlich ein Geistlicher ihn heilt und ihm seinen Verstand zurückgibt.
Hier beginnt der dritte und letzte Teil (III) der Novelle (S. 73). Nach seiner Heilung kommt es wieder zu einer Namensänderung und er nennt sich fortan Rueda. Sein Versuch sein Leben normal weiter zu leben, scheitert an der Gesellschaft, die seine Weisheiten nur im Wahnsinn akzeptierte. Er beschließt sein Leben schließlich als Soldat an der Seite seines Freundes Don Diego de Valdivia.
In der Novelle El celoso extremeño lässt sich folgende Dreiteilung festhalten: In einem ersten Teil (I) geht es um das Vorleben von Felipe Carrizales (S. 99-106). Dieser Teil lässt sich ebenso zweiteilen in: a) sein Leben bis zum 68. Lebensjahr (S. 99-101) und b) seine Rückkehr nach Spanien und die Heirat mit Leonora (S.101-106). Bei a) lassen sich ebenso zwei Unterabschnitte festhalten, nämlich 1. sein lasterhaft und verschwenderisch geführtes Leben, bis zu dem Zeitpunkt, wo er ohne Geld dasteht und beschließt nach Lateinamerika aufzubrechen und 2. der auf die Fahrt nach Amerika folgende Wechsel seines Lebensstils und der damit einhergehende Reichtum.
Der zweite Unterteil b) beginnt mit der Rückkehr Carrizales nach Spanien. Von Sorgen geplagt, was er mit seinem neuen Reichtum anfangen soll, überlegt er zu heiraten, wendet sich von dem Gedanken aber ab, weil er weiß, dass er seiner Eifersucht nicht Herr werden kann. Doch dann sieht er Leonora und beschließt, sie zu seiner Frau zu machen. Schon bevor er endgültig mit ihr verheiratet ist, konstruiert er ein Haus, das eher einer
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Festung gleicht und das seine Frau von der gesamten Außenwelt trennt. Er kauft ihr Sklavinnen zur Unterhaltung und lebt dort ein Jahr lang als einziges männliches Wesen in Frieden mit ihr, absolut abgeschirmt von der Außenwelt.
Der Hauptteil (II, S. 106/107-130) beginnt mit dem Auftauchen Loaysas, der sich aus Neugier über Carrizales und sein hermetisch abgeriegeltes Haus erkundigt. Er beschließt, dieses Haus zu bezwingen und Leonora zu verführen. Der gesamte weitere Verlauf handelt von der List Loaysas, in das Haus einzudringen, bis zu der Nacht, wo er schließlich vor Leonora steht. Carrizales kann in das Geschehen nicht mehr eingreifen, da er durch ein Schlafmittel außer Gefecht gesetzt wurde. Trotzdem widersteht Leonora Loaysa, allerdings schläft sie in seinen Armen ein.
Der Schluss (III, S. 130-135) wird durch das Erwachen von Carrizales eingeleitet, der - unbemerkt von allen - die Schlafenden findet. Sein erster Impuls Rache zu nehmen und beide zu töten, wird von einer Ohnmacht - durch seinen Schmerz hervorgerufen - zunichte gemacht. Als er aus dieser wieder erwacht, entschließt er sich gegen diese Rache. Er stirbt vor Gram und lässt davor testamentarisch festhalten, dass Leonora Loaysa heiraten soll. Leonora versucht ihm ihre Unschuld zu erklären, scheitert aber. Nach Carrizales Tod tritt sie in ein Kloster ein. Loaysa bricht enttäuscht in die neue Welt auf.
Bei näherer Betrachtung beider Novellen wird deutlich, dass sich ihre Struktur ähnelt. Beide behandeln in einem ersten Teil das Vorleben der Protagonisten, beide Ereignisse nehmen eine Wendung durch das Auftauchen einer Frau, die den zweiten Teil also den Hauptteil einleitet, den dritten Teil markiert das tragische Ende. Obwohl sich auf dem ersten Blick bestimmte Gemeinsamkeiten bei beiden Protagonisten festhalten lassen, so könnten die Geschichten spiegelverkehrter nicht sein. Dies soll plakativ in dem folgenden Schema festgehalten werden:
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Im ersten Teil wird das Vorleben der Protagonisten geschildert. Der Leser erfährt von beiden nicht viel über deren Herkunft oder Familie, nur, dass beide verschiedene Reisen ins Ausland antreten oder angetreten haben. Jedoch wird schon in diesem ersten Teil der Unterschied zwischen beiden Protagonisten deutlich. Der Protagonist der Novelle des Licenciado Vidriera Tomás Rodaja wird dem Leser als ca. elfjähriger Junge beschrieben wird, der von zu Hause ausgezogen ist, um durch ein Studium seinem Namen und seiner Herkunft Ehre zu erweisen
(“-Sea por lo que fuere - respondió el muchacho - que ni el della ni el de mis padres sabrá ninguno hasta que yo pueda honrarlos a ellos y a ella. -Pues, de qué suerte los piensas honrar? -preguntó el otro caballero. -Con mis estudios -respondió el muchacho-, siendo famosos por ellos; [...]” S. 43). Dagegen wird Carrizales, der Protagonist der Novelle El celoso extremeño, als ein zweiter verlorener Sohn beschrieben, der das Vermögen seiner Eltern und, als diese gestorben sind, auch das Erbe verprasst.
(“No ha muchos años que de un lugar de Extremadrua salió un hidalgo, nacido de padres nobles, el cual, como un otro Pródigo, por diversas partes de España, Italia y Flandes anduvo gastando así los años como la hacienda; y al fin de muchas peregrinaciones, muertos ya sus padres y gastado su patrimonio, vino a parar a la gran ciudad de Sevilla, donde halló ocasión muy bastante para acabar de consumir lo poco que le quedaba.” S. 99)
Beiden Protagonisten ist zwar gemein, dass sie beide nach Italien und Flandern reisen, aber auch hier wird der Unterschied deutlich. Auf seinen Fahrten scheint Carrizales keine tieferen Erfahrungen zu machen, auch unternimmt er diese nicht aus Studienzwecken. Dem Leser
wird nur mitgeteilt, dass sie Stationen des Geldverschwendens waren. 4 Im Gegensatz dazu steht Rodaja, der sich voller Bewunderung den Städten Italiens und Flanderns widmet (S. 48-51).
4 Vgl. Casalduero, Joaquín: Sentido y Forma de las Novelas Ejemplares, Madrid, 1962, S. 172.
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Der Hauptunterschied bei beiden liegt letztendlich in ihrer Rolle als Sympathieträger.
Tom ás Rodaja wird als ein sympathischer, aufgeweckter junger Mann beschrieben, der durch
seine Intelligenz, aber auch sein nobles Benehmen direkt Freunde gewinnt.
(„ya tomás Rodaja no era criado de sus amos, sino su compañero.“ S. 44 „El capitán contentísimo
de la buena presencia, ingenio y desenvoltura de Tomás, le rogó que se fuese con él a Italia 45
„donde fue bien recebido de sus amigos, y con la comodidad que ellos le hicieron prosiguió sus estudios
hasta graduarse de licenciado en leyes“ S. 52.)
Dagegen erscheint Carrizales dem Leser als ein verantwortungsloser Adeliger, der das
Potential , das ihm gegeben war, nie genutzt hat und der zudem auch keine Freunde besitzt,
sobald ihm das Geld ausgeht. („Viendose, pues, tan falto de dineros, y aun no con muchos
amigos “ S. 99)
Die entscheidende Wendung beider Geschehnisse wird durch das Auftreten einer
Frauengestalt eingeleitet. Auch hier besitzt man das Gefühl, das gesamte Geschehen sei
spiegelverkehrt : Während bei Rodaja die Frauengestalt eine erfahrene, reife Frau ist, die die
Liebe von Rodaja erzwingen will, indem sie ihm eine vergiftete Quitte gibt, („una dama de
todo rumbo y manejo“ S. 52), so ist bei Carrizales ein junges, unschuldiges Mädchen
dasjenige , das ohne aktives Dazutun der Handlung die Wendung gibt. („ alzase los ojos y
viese a una ventana puesta una doncella, al parecer de edad de trece o catorce años
103 )
Auch im weiteren Verlauf lässt sich die Spiegelverkehrtheit festhalten: Carrizales
konstruiert ein hermetisch abgeriegeltes Haus, zu dem nur er den Schlüssel besitzt. Das Haus
wird zur Personifizierung von Carrizales. 5 Im Gegensatz dazu steht der Wahnsinn Rodajas,
der plötzlich glaubt, dass sein Körper aus Glas bestünde und deswegen durchsichtig und
transmittierend sei. Beiden gemein ist allerdings in diesem Teil, dass sie nicht fähig sind, mit
ihrer Umgebung zu kommunizieren bzw. einen echten Dialog zu führen. Die Heilung Rodajas
und die falsche Erkenntnis Carrizales leiten den tragischen Schluss ein.
3.2 Das tragische Ende in El Celoso Extremeño
Carrizales Tragik ist eine ganz andere als es die von Tomás Rodaja ist. Er verschuldet sein
Ende selbst, da er ein Ungleichgewicht herausfordert. Er ist derjenige, der sich über die Natur
erhebt , indem er seine Frau Leonora nicht als gleichwertiges Individuum sieht, sondern als ein
formbares Wesen, das er nach seinen Maßstäben erziehen kann und von der Außenwelt
fernhalten will.
5 Vgl. Casalduero, 1962, S. 171.
8
“Esta muchacha es hermosa, y a lo que muestra la presencia desta casa, no debe de ser rica; ella es niña: sus pocos años pueden asegurar mis sospechas. Casarse he con ella; encerraréla y haréla a mis manas, y con esto no tendrá otra condición que aquella que yo le enseñare.” (S. 102) Carrizales ist, wie im vorherigen Kapitel schon erwähnt, kein sympathischer Protagonist. 6 Er hat sein Erbe verprasst, hat kaum Freunde und besitzt als einzigen Vorteil viel Geld. Aber er ist auch kein Unmensch, er versucht, Leonora alle Freuden zu erfüllen und sie und die Sklaven bei Laune zu halten. Er erkennt jedoch nicht, dass er letztendlich nur ein Diktator ist, der nur unter Zwang sein Reich so halten kann, wie es ist. Er ist nicht in der Lage, anderen Menschen Vertrauen zu schenken und die einzigen Menschen, mit denen er gleichrangig verkehrt, sind die Eltern Leonoras, aber auch nur, um von diesen Leonora zu erhalten oder um auf Leonora einzuwirken. In der gesamten Novelle wird nicht ein einziger Dialog zwischen Carrizales und Leonora geschildert.
Die Geschichte selbst, nämlich die Heirat eines alten reichen Mannes mit einem jungen, hübschen, aber armen Mädchen war schon immer Thema zahlreicher Erzählungen,
Gedichte, etc. 7 Das Interessante an dieser Novelle ist, dass Cervantes jede Übertreibung außen vor lässt: weder schildert er hier eine klassische Tragödie, noch stellt er Carrizales - wie zum
Beispiel in seinem Entremes El Viejo Celoso 8 - als peinlichen Greis dar, auf dessen Kosten zahlreiche Witze gemacht werden. 9 Auch ist die Sichtweise eine andere: bei Tragödie und Komödie herrscht zumeist die Erzählung aus der Sicht der eingesperrten Frau oder des befreienden Liebhabers vor. Hier spielt aber die Person, die die unsägliche Situation
verursacht hat, die Hauptrolle. „The Story is his, not hers, as the title makes clear.” 10 Das führt dazu, dass die gesamte Erzählung humanistischer und auch realer wirkt. Der jugendliche Liebhaber, der die Befreiung der eingesperrten Hübschen zum Ziel hat und sonst der Held der Geschichte ist, wird hier eher nüchtern geschildert. Loaysa befreit Leonora eben nicht aufgrund enthusiastischer Liebe, sondern wird angetrieben von Neugier und Zerstörungsdrang. Sein einziges Ziel ist es zu zeigen, dass alle Barrikaden nichts gegen menschliche List vermögen. Er will Leonora nicht aus hehren Gründen, wie zum Beispiel
6 Casalduero nennt Carrizales einen Antihelden, jedoch erscheint uns hier die Begriffsanwendung problematisch. Vgl. Casalduero, 1962, S. 167.
7 Zahlreiche Auflistungen dazu u.a. in: Zimic, Stanislav: Las Novelas Ejemplares de Cervantes, Madrid, 1996, S. 222-224.
8 Zimic merkt hierzu an: “Es probable que precisamente al retartar a Cañizares y a Lorenzo Cervantes reparase en la potencial complejidad íntima del celoso y la casada infiel, que sólo podría revelarse bien en el espacio más amplio de una novela” (Zimic, 1996, S. 249). Das heißt aber auch das Zimic hier davon ausgeht, dass el viejo celoso vor der Novelle entstanden ist. Hierbei gehen die Meinungen auseinander.
9 Zimic führt dazu auch an: „en las novelle bandellianas, el viejo celoso y cornudo, sin saberlo es un personaje patético, ridículo, sin ninguna calidad personal que merezca nuestro respeto o siquiera nuestra compasión. La función de su joven esposa y de todos los otros personajes consiste casi exclusivamente en engaón de su joven esposa y de todos los otros personajes consiste casi exclusivamente en engañarle y convertirle en un hazmerreír.” in: Zimic, 1996, S. 247.
10 Hart, Thomas R.: Cervantes Exemplary Fictions. A Study of the Novelas ejemplares, Lexington, 1993, S. 92.
9
Liebe oder Mitleid, befreien. „Lo que sobresale no es astucia con que se sortean los
impedimientos, sino la fuerza de estos.“ 11 Dies alles sind Elemente, die das Ende überraschend wirken lassen.
“Like many other elements in the novella, [Marialonso’s] Song must have made Cervantes` contemporaries feel that they were reading a conventional funny story that would end with the triumph of the young lovers [...]. But the expectations aroused by the song prove false, when the crucial moment
arrives Leonora successfully defends her virtue.” 12
Auch die nicht erfolgte Verführung führt zur Verwunderung beim Leser. Zahlreiche Abhandlungen handeln über die beiden unterschiedlichen Versionen, die von Cervantes geschrieben wurden. Die eine Version wird meist als Vorläuferversion zur Novelle gesehen
und ist dem manuscrito Porras entnommen. 13 Dieses Manuskript wurde in der 2. Hälfte des XVIII Jahrhunderts transkribiert durch Isidoro Bosarte. Da der Adressat dieser Arbeit der sevillanische Erzbischof Niño de Guevara 1609, also vier Jahre vor Erscheinen der Novelas,
starb, liegt es nahe dieses Werk als Vorläuferwerk zu sehen. 14 In dieser Version heißt Leonora Isabela und begeht am Ende den Ehebruch. Dieser
Ehebruch ist es auch, der die Kritiker immer wieder an der Novelle fasziniert. 15 So unwahrscheinlich scheint den meisten der nicht erfolgte Ehebruch in El Celoso Extremeño, dass viele ihn ausschließlich als stilistisches Mittel werten, soll heißen, dass dieser Abschluss einen ästhetisch wertvolleren darstellt. Dem Autor der vorliegenden Arbeit erscheint das Nichterfolgen des Ehebruchs nicht als unrealistisch, da in der gesamten Novelle Leonora eher als Kind, denn als Frau beschrieben wird. Carrizales selbst versucht sie in diesem Zustand zu halten. Ihre „Unreife“ führt auch dazu, dass sie das Eindringen Loaysas in das Haus als Spiel wertet. Es erscheint deswegen unrealistisch, dass sie plötzlich absolut weibliche Gefühle hegen sollte, die mit einem Ehebruch einhergehen würden und die ihrem bis dahin beschriebenen Naturell widersprechen würden.
Des Weiteren betont die weiterhin bestehende Unschuld Leonoras die Ironie von Carrizales Tod. Carrizales Tragik besteht genau in seiner verhängnisvollen Schlussfolgerung, dass Leonora den Ehebruch begangen hat. Auch das Leonora versucht, ihre Unschuld zu beweisen, kann daran nichts ändern. Zwar merkt der Erzähler an:
„Soló no sé qué fue la causa que Leonora no puso más ahínco en desculprase y dar a entender a su celoso marido cuán limpia y sin ofensa había quedado en aquel suceso“ (S. 135),
11 Casalduero, 1962, S. 173.
12 Hart, 1993, S. 79.
13 Vgl. Güntert, 1993, S.157.
14 Allerdings gibt es auch hierzu neuere Untersuchungen, die sich mit der Fragestellung beschäftigen, ob es nicht umgekehrt sein könnte. Siehe dazu: Güntert, 1993, S. 158 der sich dort auf das Werk von Georg Stagg bezieht.
15 Vgl. Güntert, 1993, S. 158-163.
10
doch letztendlich scheint das eher ein Hinweis darauf zu sein, dass es nie zu einer wirklichen Konversation zwischen Carrizales und Leonora kam. Leonora kann sich nicht rechtfertigen. Ihr kindlicher Status ist ein zweischneidiges Schwert, einerseits verhilft er ihr Loaysa zu widerstehen, andererseits ist sie deswegen auch nicht in der Lage, sich Gehör zu verschaffen. Schlussendlich hätte Carrizales ihr auch nicht geglaubt, da sein Hauptverschulden letztendlich darin liegt, dass er nicht in der Lage ist anderen Menschen zu vertrauen. Seine Eifersucht ist in Wahrheit ein Mangel an Vertrauen, so dass er nicht in der Lage ist ein zwischenmenschliches Verhältnis zu anderen Personen aufzubauen, sondern dazu führt, dass er Menschen als Objekte sieht und sich, was sein Herz begehrt, kauft.
„El monstruosos vicio de los celos - por condición natural o por constumbre incontrolada que se vuelve en naturaleza - es contrario al verdadero amor; radica, más bien, en el egoísmo, y, a la vez, en un complejo de inferioridad del celoso, quien, por esto, no puede en absoluto amar a otra persona y ni
siquiera a sí mismo [...]” 16
Dieser Egoismus und dieses Fehlen an Vertrauen kommt in allen Passagen vor: er will nicht in seine Heimat zurückkehren, weil er Angst hat, dass man ihm sein Geld neidet. Er „kauft“ Leonora von ihren Eltern, weil er Angst vor einer wirklichen Beziehung hat und weil „los ricos no han de buscar en su matrimonio hacienda, sino gusto“; Er kauft seinen Untergebenen Geschenke, um sie von Ihrer Unfreiheit abzulenken und sie ihm so zu Willen sind. „Carrizales puede hacer felices a los otros, pero esto le interesa sólo cuando es de algún modo instrumento de su propia gratificación. [...] Todos lo consideran generoso [...] y sin embargo, Carrizales no hace absolutamente nada por genuina, espontánea ‘liberalidad’; cada acto de genorisidad para con los demás es meticulosamente calculado a base de una anticipada, específica y segura retribución.
[…]” 17
Seine angeblich so freigiebigen Geschenke erscheinen „como un burdo intento de una cínica compra del amor, del cariño paterno, de la amistad, del respeto, de la lealtad, en suma del
cuerpo y del alma de los demás.” 18
Die Schuld Carrizales liegt darin, dass er seine Unfähigkeit eine wahre, gleichberechtigte Beziehung zu führen, wo er jemand anderen Vertrauen müsste, erkennt und trotzdem Leonora heiratet. Jemanden, von dem er meint, ihn nach seinen Maßstäben formen zu können.
Das überraschende Ende, als Carrizales auf seine Rache verzichtet, zeigt, dass Carizales kein böser Mensch ist. Aber wieder ist er nicht in der Lage, mit Leonora zu kommunizieren, so dass er ihr wieder jedwede Entscheidung abnimmt. Er wählt seinen eigenen Tod und schenkt Leonora die vermeintliche Freiheit, indem er verfügt, dass sie Loaysa heiraten soll. Sein Großmut resultiert allerdings aus falschen Motiven, da er sich
16 Zimic, 1996, S. 256.
17 Zimic, 1996, S. 257.
18 ebd.
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selbst als Opfer sieht. Selbst im Angesicht des Todes und des Schmerzes ist er nicht in der Lage, über seinen Schatten zu springen und betont gegenüber den Eltern Leonoras nochmals, wie viel er zu geben bereit war.
“Bien se os debe acordar, que no es posible se os haya caído de la memoria, con cuánto amor, con cuán buenas entrañas, hace hoy un año, un mes, cinco días y nueve horas que me entregastes a vuestra querida hija por legítima mujer mía. Tambián sabéis con cuánta liberalidad la doté, pues fue tal la dote que más de tres de su misma calidad se pudieran casar con opinión de ricas. Asimismo se os debe acordar la diligencia que puse en verstirla y adorarla de todo aquello que ella se acertó a desear y yo alcancé a saber que le convenía.” (S. 132)
Er ist bis zum Schluss eine tragische Gestalt, die uneinsichtig stirbt, das Mitleid des Lesers jedoch dadurch gewinnt, dass er unbeabsichtigter Weise am Ende das Richtige tut, indem er auf seine Rache verzichtet.
3.3 Das tragische Ende in El licenciado Vidriera
Wie schon zu Anfangs erwähnt, stellt Tomás Rodaja das absolute Gegenteil von Carrizales dar. Er ist intelligent, fleißig, aber arm und versucht, seinem Leben Sinn zu verleihen bzw. seinem Namen Ehre zu machen, indem er sich schon früh seinen Studien widmet. Die Geschichte beginnt eigentlich voller Optimismus, wie schon Harry Sieber anmerkt (S.11). Allerdings schreibt er weiter: “[…] desde el principio Tomás se encuentra marginado o por su ingenio o por su locura.“ Wie schon im Kapitel über den Vergleich der Strukturen angemerkt, kann diese Auffassung so nicht vertreten werden.
Er schließt mit allen Freundschaft und besitzt auch viele Freunde 19 . Trotz seiner Studien ist er nicht weltfremd oder gar ein bloßer Bücherwurm, sondern
„un intelectual de típica actitud renacentista, es decir de múltiples intereses humanistas, artísticos, científicos, abierto a toda significativa experiencia vital, en que caben, naturalmente también las delicias ‘sensusales’, moderadas, discretas, pues así son, según todas las indicacciones, las que Tomás goza
durante su viaje por Italia y otros países europeos” 20 .
Durch seine Fahrten ins Ausland wird deutlich, dass er die Schönheiten des Lebens
anzuerkennen weiß und ihn auch die Frauen nicht unberührt lassen. 21 Die Liebe hat das Leben Tomás Rodajas noch nicht erreicht. Zimic wehrt sich gegen die Behauptung, dass Kritiker anmerkten, dass Tomás der Liebe nicht fähig sei: "[…] el amor, simplemente, todavía no ha
herido su corazón.“ 22 Und nachdem sein Wahnsinn eingetreten ist, wird er auch dieser Chance beraubt.
Vidrieras Wahnsinn dauert zwei Jahre. In diesen zwei Jahren wird er zur Attraktion seiner Umgebung. Er wird zum Narr, der mit seinen Aphorismen, pointierten Zitaten,
19 Vgl. Zimic, 1996, S. 179-180.
20 Zimic, 1996, S. 173.
21 Vgl. Zimic, 1996, S. 172.
22 Zimic, 1996, S. 182.
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zynischen Aussagen etc. die Bevölkerung unterhält. Trotz allem erkennt seine Gesellschaft an, dass auch viel Wahres in seinen Aussagen steckt, aber dies nur so lange, als es unter dem Deckmantel der Narrenkappe geschieht. Es ist aber nicht die Wahrheit, die sie interessiert: „Ese pueblo cruel nunca tenía genuino interés en la verdad, sino tan sólo en la diversión, a
costa de un indefenso loco.” 23
Die Aussage, dass Tomás Rodaja nach seiner Heilung an der Ablehnung der Gesellschaft scheitert, kann so nicht vertreten werden. Die Gesellschaft um die es hier einerseits geht, ist jene aus Valldolid, also diejenige, die ihn nur als Wahnsinnigen kennengelernt hat und seine Vorgeschichte nicht miterlebte. Nach seiner Heilung kehrt Rodaja in diese Gesellschaft zurück, kann sich aber seines Wahnsinns nicht erinnern.
“-Este no es el loco Vidriera? A fe que es él. Ya viene cuerdo. Pero también puede ser loco bien vestido como mal vestido: preguntémosle algo, y salgamos desta confusión. Todo esto oía el Licenciado, y callaba, y iba más confuso y más corrido que cuando estaba sin juicio.”(S. 73); “Por las cosas que dicen que dije cuando loco, podéis considerar las que diré y haré cuando cuerdo.”(S. 74) “[...] y veréis que el que os respondía bien, según dicen, de improviso os responderá mejor de pensado.” (ebd.) [Hervorhebungen von H.H.]
Er glaubt also, hier seinen Ruhm begründen zu können und missachtet seine vorherige Situation. Er ist Teil der Gesellschaft geworden als er der Licenciado Vidriera war und kann diesem auch nicht entgehen. Er versucht nicht an sein vorheriges Leben anzuknüpfen, aber er meint, ein neues Leben beginnen zu können (indem er sich Rueda nennt), da er an das Gute im Menschen glaubt. Dieser Versuch muss fehlschlagen, da er nicht mehr den Platz in der Gesellschaft einnimmt, den er vorher inne hatte. Es ist dies das erste Mal, dass im Leben von Tomás ein Versuch misslingt. Bis dahin hatte er seine Ziele durch Fleiß, aber auch durch ihm wohlgesonnene Menschen immer erreicht. Dieser Fehlschlag trifft ihn also unvorbereitet und ihn einem Moment absoluter Labilität.
Das Unheil Tomás Rodajas tritt indem Moment ein, als er die vergiftete Quitte isst. Die Szene selbst erinnert eindeutig an den Sündenfalls. Nicht eindeutig ist allerdings die Symbolik der Szene. Die Wandlung Tomás Rodajas ist mit der Vertreibung aus dem Paradies vergleichbar: er erkennt seine Zerbrechlichkeit und die Boshaftigkeit des Menschen, aber Rodaja hat sich nicht bewusst versündigt, wie es im Sündenfall geschildert wird. Es ist nicht eindeutig, warum er die Quitte der Dame annimmt. Es hätte jedwedes Essen sein können. Es ist eben diese Tragik, dass Rodaja unverschuldet wahnsinnig wird. Casalduero vertritt diese Meinung nicht. Seiner Auffassung nach, macht sich Tomás der Sünde der Intelligenz schuldig:
23 Zimic, 1996, S. 190 (Fußnote).
13
„No es el pecado de la carne, el mundo sensual frente al mundo del espíritu; es el pecado de la inteligencia. Tomás rechaza a la mujer, pero come de la fruta que ella le ofrece, un membrillo del árbol
del bien y del mal.” 24
Zimic tritt dieser Betrachtung entgegen indem er sagt, dass Tomás eine sehr verständliche Position einnehme: nämlich die des armen Jungen, der versuche durch seine Intelligenz Ruhm
zu erlangen. 25 Dies könne wohl schlecht als Sünde gewertet werden. Er missversteht aber die Aussage Casaldueros da er außer acht lässt, dass dieser zum Schluss sagt: „El pecado de la inteligencia queda en ese marco de eternidad y gloria, de inmortalidad, con que había soñado
siempre Cervantes: las Armas y las Letras.” 26
Der Autor der vorliegenden Arbeit kann an dieser Diskussion nicht teilnehmen, weder erscheint es ihm realistisch, dass Tomás ausschließlich als ein Junge gewertet werden soll, der nach etwas Höherem strebt, noch kann die "Sünde der Intelligenz" wie Casalduero sie formuliert nachvollzogen werden. Da auch die Symbolik der Sündenfallszene nicht näher erläutert werden kann, wird auf diese Schuldzuweisung verzichtet. Wenn denn Tomás irgendeine Schuld vorzuwerfen ist, dann die einer positiven humanistischen Betrachtungsweise der Welt. Er ist arglos und optimistisch. Er gelangt auch genauso in die Erzählung: man findet ihn schlafend als Kind (also unschuldig) unter einem Baum träumend vor. Er nimmt arglos die vergiftete Quitte an und genauso naiv versucht er nach seinem Wahnsinn in die Welt zurückzukehren, indem er aufrichtig seine Dienste anbietet. Die Enttäuschung und das Erkennen, dass die Welt nicht so positiv ist, wie er dachte, dass er also nicht die Welt verbessern kann, eben genau diese Erkenntnis führt dazu, dass er sich den Waffen zuwendet. Diese Enttäuschung ist es auch die den Leser die Tragik des Endes spüren lässt.
„-¡Oh Corte, que alargas las esperanzas de los atrevido pretendientes a acortas las de los virtuosos encogidos sustentas abundantemente a los truhanes desvergonzados y matas de hambre a los discretos vergonzos!
Esto dijo y se fue a Flandes, donde la vida que había comenzado a terenizar por las lextras la acabó de eternizar por las armas, en comñia de su buen amigo el capitán Valdivia, dejando fama en su muerte de prudente y valentísimo soldado.”
4 Endbetrachtung
Casalduero bemerkt zum El Celoso Extremeño, daß es die einzige der Novellen sei „con un
desenlace negativo.“ 27 Obwohl Casalduero in seinen Ausführungen oft genug unerreicht bleibt, da seine Feststellungen präzise und detailliert sind, stimmt der Autor der vorliegenden
24 Casalduero, p. 148-
25 Vgl.Zimic, 1996, S. 164.
26 Casalduero, 1962, S. 165.
27 Casalduero, 1962, S. 167.
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Arbeit nicht mit dieser Feststellung überein. Auch die Novelle El Licenciado Vidriera wird vom Leser als eine Novelle angesehen, die kein positives Ende nimmt, wie im vorherigen Kapitel ausführlich gezeigt wurde. Tomás Rodaja ist ein absolut positiver Mensch, dessen Fehler darin liegt an das Gute im Menschen zu Glauben und deswegen aufs Bitterste enttäuscht wird. Sein bisheriges Leben wird sinnlos, da er erkennen muss, dass die Gesellschaft Intelligenz nicht unbedingt anerkennt. Sein Leben nimmt unverhofft und von ihm unverschuldet eine böse Wendung. Deswegen ist sein Ende als tragisch zu werten. Er wendet sich am Ende dem Beruf zu, dem er vorher abgeneigt war: dem Soldatentum. Hinter seiner einstigen Ablehnung stand der Gedanke, sich frei, ohne einer Fahne verpflichtet zu sein, dem Wohle der Menschheit widmen zu könnte. Als er sieht, dass dieser Traum nur eine Illusion war, wendet er sich dem "handfestem" Ruhm zu, nämlich der Macht (und Gewalt) der Waffen. So sind es schließlich die Waffen, die ihm Ruhm einbringen. Im Gegensatz dazu steht das tragische Ende Carrizales, der bis zum Ende seinen wahren Fehler nicht begreift, nämlich den zu heiraten, obwohl er sich vorher dagegen entschlossen hatte, wohlwissend, was passieren könnte. Carrizales Unglück ist aber nicht nur allein diese Entscheidung. Schon vorher führt Carrizales ein nutzloses Leben und durch seinen Egoismus ist er nicht in der Lage diesen Zustand zu ändern. „!He allí el sentido del trágico fin de una
vida trágicamente malgastada!” 28
Der Unterschied beider Novellen liegt darin, dass Carrizales sein Unglück selbst verschuldet und Rodaja nicht. Cervantes bringt es allerdings nicht über sich, Rodaja als armen, von der Welt enttäuschten, Bettler den Hungerstod sterben zu lassen, womit die Tragik ihren Höhepunkt erreicht hätte. Dazu besitzt Rodaja zuviel Lebensenergie, so dass Cervantes ihn auf dem Kriegsschauplatz den Heldentod sterben lässt.
28 Zimic, 1996, S. 261.
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Arbeit zitieren:
Helena Hemberger, 2006, Vergleich der Tragik der Novellen „El Licenciado Vidriera“ und „El Celoso Extremeño“ von Cervantes, München, GRIN Verlag GmbH
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