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1. EINLEITUNG. 2
2. WIEN IN DEN 50ER JAHREN - MOTIVE UND PLÄNE FÜR DIE STADTERWEITERUNG 3
3. DIE BEBAUUNG DER RINGSTRAßE. 6
4. EINFLUSS DER STADTERWEITERUNG AUF DIE ALTSTADT, DIE VORSTÄDTE UND
VORORTE 12
5. DIE WELTAUSSTELLUNG 1873 16
6. DIE SCHAFFUNG VON „GROß - WIEN“ 18
7. ABSCHLIEßENDE GEDANKEN. 19
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Im Herzen Europas gelegen, konnte sich Wien seit nahezu zwei Jahrtausenden als bedeutsame Handelsstadt behaupten. Eingebettet zwischen Donau und bewaldeten Bergen siedelten erstmals Römer auf diesem Gebiet. Das Diktat der Landschaft und Wiens politische Geschichte prägten die bauliche Entwicklung der Stadt. Als Bastion gegen die Türken und als Festung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen“ gegenüber dem immer wiederkehrenden Ansturm der Völker Südeuropas hatte die Sicherheit der Stadtanlage bis in die Zeiten von Kaiser Franz Joseph oberste Priorität. Aber auch der Schutz vor „inneren Feinden“ gewann im Laufe der Zeit größere Bedeutung: Die Auswirkungen der französischen Revolution und des Revolutionsjahres 1848 erhoben die Befestigungen zum wichtigen Schutzfaktor gegen den „Pöbel“ der Vorstädte (vgl. Wagner-Rieger, 1980, S. 79f). Das Stadtbild Wiens hatte sich vom späten Mittelalter bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts kaum verändert, ein in der Barockzeit aufgekommener Bauboom hatte zwar Veränderungen an der Bausubstanz, jedoch nicht an der Struktur der Stadt mitgebracht. Das Leben innerhalb der Stadtmauern war ziemlich beengt und der Wohnraum knapp, der Adel floh in den Sommermonaten vor der Hitze und dem Gestank in seine außerhalb der Stadt errichteten Paläste (vgl. Müller 1984, S.10).
Wien, wie es sich Mitte des 19. Jahrhunderts präsentierte, wurde seiner Rolle als kaiserliche Residenzstadt und Hauptstadt des Reiches schon lange nicht mehr gerecht. Eingepfercht in zu eng gewordene Stadtmauern und beherrscht von der Überschwemmungskraft der Donau, war das damalige Wien alles andere als eine moderne Metropole. Im Zentrum der Stadt tummelte sich der Adel, der möglichst nahe beim Monarchen residieren wollte, der Stephansdom und, nordwestlich davon, die Hofburg beherrschten das Bild. Vom Dom breitete sich ein Gewirr von Gässchen und kleinen Plätzen aus, das Ganze gefasst in die rund um die Stadt führenden mächtigen Basteien und das sich anschließende breite Glacis. (vgl. ebd. S.10)
Kaiser Franz Joseph, der als fortschrittlich denkender Monarch die Situation seiner Stadt verbessern wollte, trug wesentlich zu dem heutigen Stadtbild Wiens bei. In seiner Amtszeit folgte ein Großprojekt dem nächsten, ganz so, als ob man die Zeit der Versäumnisse nun in einem Rutsch aufholen müsse. Er war der Kaiser der Eingemeindungen, der Ringstraße und der Weltausstellung. Die Stadterweiterung war bitter nötig, da die Vorstädte und Vororte vernachlässigt und halb verwaist vor den Toren des Prunks der Inneren Stadt lagen und die Menschen unter der steigenden Wohnungsnot sowie der Verkehr, Wasser, Gas und soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen etc. betreffenden infrastrukturellen Unterversorgung litten. Die Eingemeindung der Vorstädte und -orte wurde bis dahin immer wieder aufgeschoben, zu teuer war das Vorhaben, hunderttausenden von Menschen eine Grundversorgung zu bieten. Die Umstände, die zu dem Mammutprojekt „Ringstraße“ beitrugen, sind vielgestaltig. Nach dem Revolutionsjahr 1848 musste die Stadt auch einer sich veränderten Sozialstruktur, vor allem im
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Hinblick auf die Machtverteilung, neuen Raum bieten. Das durch die industrielle Revolution erstarkte Bürgertum hatte das Bedürfnis nun auch endlich zu zeigen, dass es etwas besaß. Es wollte repräsentieren - genau so, wie es ihnen der Adel über Jahrhunderte vorlebte. (vgl. ebd. S.10) Ein halbes Jahrhundert stellte der Ausbau der Ringstraße die Aufbruchstimmung der Wiener „Society“ dar. Die Zusammenarbeit von Monarchie und Bürgertum ist bezeichnend für die politische Situation in jener Zeit - die Motive eines jeden, sich am Bau der Ringstraße zu beteiligen, gingen jedoch weit auseinander.
Um die neu errichtete Metropole der Welt zu präsentieren richtete Wien 1873, nach London und Paris, die dritte Weltausstellung aus. Die Arbeiten am Ausbau der Ringstraße waren noch nicht beendet, da brach in Hinsicht auf das Großereignis schon ein weiterer Bauboom aus. Die Stadt musste sich auf die zu erwartenden Besucher einstellen und das Ausstellungsgelände auf dem Prater bebauen.
Welche Motive und Auswirkungen sich hinter der Stadterweiterung von 1850 verbergen soll im Folgenden erörtert und die Kausalzusammenhänge der Stadterweiterung erschlossen werden. 2. WIEN IN DEN 50ER JAHREN - MOTIVE UND PLÄNE FÜR DIE STADTERWEITERUNG Die Zeit zwischen der Revolution 1848 und dem baulichen Beginn der Stadterweiterung war geprägt durch die Eingemeindung aller 34 Vorstädte und durch die Vorbereitungen zum Bau der Ringstraße.
Der in den vierziger Jahren geschehene Aufbau eines auf Wien ausgerichteten Eisenbahnnetzes trug wesentlich zu der mit den blutigen Kämpfen von 1848/49 verbunden Beseitigung überholter Sozialordnungen und Wirschaftsweisen bei. Der durchbrechende Liberalismus beraubte die Monarchie ihrer politischen Alleinherrschaft. Auch die Aufhebung der Grundherrschaft aus dem Jahre 1848 hatte für die Stadt wichtige Konsequenzen. Um die bis dahin zum Teil unabhängig voneinander verwalteten Vorstädte einzugemeinden war die Herauslösung derselben aus den feudalen Bindungen nötig. Hier begann die schrittweise verwaltungsmäßige Bewältigung der wachsenden Agglomeration in den Gründerjahren. Sie erhielt durch die liberale Gemeindeverfassung 1859 ihre rechtliche Untermauerung. (vgl. Wagner-Rieger 1970, S.15f) Es war höchste Zeit für Zugeständnisse seitens der Monarchie an das Großbürgertum und dringend notwendig, den verwaisten Vorstädten die offizielle Zugehörigkeit zur Stadt Wien zu gewähren. Seit dem Vormärz waren die Diskussionen um eine Stadterweiterung nicht mehr verstummt. So gab es nach der Sprengung der Burgbastei 1809, der Freigabe der Basteien für die Promenade von 1817 und der Eröffnung des Volksgartens im Jahre 1823 viele Vorschläge der Architekten, wie man Wien moderner gestalten könnte. (vgl. Czeike 1981, S. 191)
Am 6. März 1850 genehmigte Kaiser Franz Joseph die Eingemeindung der dicht verbauten und größtenteils industriell-gewerblich genutzten Vorstädte. Ihre Lage erstreckte sich zwischen dem äußeren Rand des Glacis und dem Linienwall sowie zwischen Donaukanal und Donauhauptstrom.
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Aus den 34 Vorstädten wurden sieben neue Gemeindebezirke, deren Grenzen entlang der wichtigsten Radialstraßen gezogen wurden. Dabei wurden manche Vorstädte, wie zum Beispiel Mariahilf, auf zwei Bezirke aufgeteilt. Eine bauliche Verbindung zwischen Altstadt und Vorstadt kam dagegen noch nicht zustande. (vgl. Czeike 1981, S.188f) Die Vororte ebenfalls einzugemeinden lehnte man wegen der „Gefahr des Heranziehens eines unheilvollen Proletariats“ und aus Angst vor den steigenden Kosten für Polizei und Armenfürsorge ab. (vgl. Schmidt 1978, S.79)
Für die Trennung der Altstadt von den Vorstädten waren die Befestigungsanlagen verantwortlich. Eine bis zu 8,40 Meter hohe Stadtmauer mit 12 Stadttoren, ein 50 bis 125 Meter breiter Stadtgraben, der als Grünfläche genutzt wurde und eine acht Meter breite und vier Kilometer lange Allee beherbergte, sowie das daran angrenzende, durchschnittlich 365 Meter breite und 200,064 Hektar große Glacis waren Bollwerk genug, die innere Stadt und ihre vornehmen Bewohner vor unangenehmen Zwischenfällen zu bewahren. Seit dem sechzehnten Jahrhundert diente das Glacis als „fortifikatorischer Rayon“ der durch Bauverbotsbestimmungen von Überbauung verschont blieb. Erst in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts gestattete man eine geringfügige Verengung des Festungsvorfeldes am Innenrand der Vorstädte. Daraufhin wurden neue Häuserblöcke in der Roßau („Neu-Wien“), längs der Josefstadt, der Alservorstadt und auf der Landstraße am Heumarkt gegen das Glacis hin errichtet. Neben dem Gebäude der Finanz-Landes-Direktion und dem k.k. Hauptzollamt entstand auf dieser Fläche auch die Votivkirche. (vgl. Wagner-Rieger 1970, S.17) Die unverbaute Fläche diente den Wienern als öffentliche Grünfläche mit viel Platz zum flanieren - neben dem öffentlich zugänglichen Volksgarten und Augarten in der Leopoldstadt war das Glacis das einzige nah gelegene Erholungsgebiet. Schon Kaiser Josef II hatte das Glacis reinigen und mit Chausseen, Spazierwegen und Alleen versehen lassen. Unter Franz I wurden die Glacispromenaden ausgebaut und sowohl das Burgtor als auch der Theseustempel im neu angelegten Volksgarten errichtet. Somit veränderte sich allmählich die Abgrenzung der Stadt zu den Vorstädten. Diese ihrerseits wuchsen über die zweite Befestigung der Stadt, den Linienwall, hinaus. (vgl. Müller 1984, S.13) Am Wasserglacis lud die rund 8960 Quadratmeter große Parkanlage mit dem Pavillon einer „Mineralwasser Trinkkulturanstalt“ und am Roßauer Glacis mit dem Kaiserbad die Damen und Herren der Gesellschaft zur Erholung ein. Zwischen der Vorstadt Josefstadt und der Inneren Stadt erstreckte sich auf einundzwanzig Hektar der Paradeplatz, daneben gab es Markt- und Lagerplätze für die Versorgung Wiens. Ebenfalls zum flanieren luden die Basteien ein: Auf ihnen führte ein geschlossener Fußweg rund um die Innere Stadt und gewährte einen Blick über das Glacis auf die Vorstädte.
Die Innere Stadt hatte eine Fläche von rund 143 Hektar und war größtenteils mit öffentlichen Gebäuden bebaut. Wichtigste Funktion der um die Altstadt führenden Straße war die Umfahrung der Inneren Stadt, die Verteilung des tangentialen Fahrverkehrs zwischen den an das Glacis angrenzenden Vorstädten sowie die Aufnahme des Wirtschaftsverkehrs, insbesondere zwischen
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den Markt- und Lagerplätzen und dem k.k. Hauptzollamt am Glacis. (vgl. Wagner-Rieger 1980, S.60ff) Das Verkehrssystem in der inneren Stadt war dürftig, da nur acht von zwölf Stadttoren mit einem Fuhrwerk zu durchfahren waren und es in der Altstadt keine vernünftig befahrbaren Straßen gab. Das veraltete Verkehrswegenetz der durch die Befestigungsanlagen eingeschnürten Stadt entsprach schon lange nicht mehr dem ständig wachsenden Verkehrsaufkommen. Der öffentliche Fahrverkehr der Inneren Stadt wurde von Fiakern durchgeführt, die fahrplanmäßig verkehrten. Am Glacis gab es fünf, in der Inneren Stadt 66 Standplätze, die jeweils mit bis zu 25 Fiaker-Lizenzen bedient wurden. Seit 1830 diente auch die „Donaudampfschiffahrtsgesellschaft“ dem Güter und Personenverkehr. Wiens Wasserversorgung wurde hauptsächlich von den rund 11.000 Hausbrunnen bedient. Die Versorgung der „hofärarischen“ sowie öffentlicher und teilweise privater Gebäude war durch Wasserleitungen geregelt. Das Abwasser wurde durch unterirdische Straßenkanäle in die Donau, den Wienfluss und in Bäche geleitet. Zahlreiche Häuser, vor allem in den Vorstädten, hatten aber immer noch Senkgruben. (vgl. ebd. S.70ff)
Um der Haupt- und Residenzstadt Wien ein repräsentatives Bild zu verleihen, die Innere Stadt von ihren Schranken zu befreien und um die Trennung der Altstadt von den Vorstädten aufzuheben entschloss sich Kaiser Franz Joseph zu einer Stadterweiterung durch bauliche Maßnahmen, die im neunzehnten Jahrhundert Ihresgleichen suchten. Die ausgedienten Fortifikationen, optisch und geistig auch als Barriere zwischen Kaiserhaus und Bevölkerung betrachtet, sollten fallen. Der durch politische Misserfolge angeschlagene Nationalstolz sollte durch ein neues, prächtiges Erscheinen der Kaiserstadt wieder gestärkt werden. Die Stadterweiterung fiel aber auch in eine Periode, in der sich das Feudalsystem seinem Ende zuneigte und das liberale Zeitalter begann. Das Großbürgertum forderte den Bau neuer Einrichtungen des Regierungs- und Kommunalwesens, des Vereinswesens und der Bildung - die hart erkämpften Erfolge der Revolution sollten für alle Welt sichtbar werden. Wirtschaftliche Motive der Stadterweiterung waren eine Sanierung der tristen Finanzlage und schließlich die notwendige Arbeitsplatzbeschaffung für die viele tausend in schlimmsten Verhältnissen lebenden Zuwanderer. (vgl. Müller 1984, S.10) Am 20. Dezember 1857 gab Kaiser Franz Joseph in einem Handschreiben an den Minister des Inneren, Freiherr von Bach, den Befehl zur Schleifung der Basteien und zur Bebauung des Glacis. Das Schreiben mit den berühmten Anfangsworten „Es ist mein Wille...“ (Wiener Zeitung, 25. Dezember 1857) diktierte konkrete Maßnahmen, die Erweiterung der Inneren Stadt „mit Rücksicht auf entsprechende Verbindung derselben mit den Vorstädten ehemöglichst in Angriff“ zu nehmen, zu diesem Zweck die „Umwallung und Fortifikation der Stadt sowie (die) Gräben um dieselbe“ aufzulassen und dabei auf „die Verschönerung Meiner Residenz- und Reichshauptstadt Bedacht“ zu nehmen. Die dadurch geschaffenen freien Flächen sind „als Baugrund zu verwenden, und der daraus gewonnene Erlös hat zur Bildung eines Baufonds zu dienen“. Für die gesamte Ringstraßenzone wurde ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 85 europäische Architekten von Rang beteiligten. (vgl. Czeike 1981, S.192) Darunter gingen unter
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Arbeit zitieren:
Eva Koepff, 2006, Die Wiener Stadterweiterung, München, GRIN Verlag GmbH
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