Egon Ranshofen-Wertheimer - Chronologie eines bewegten Lebens
Seminararbeit für das Fach „Wissenschaftliches Arbeiten“
Tamara Rachbauer
Inhaltsverzeichnis
1 Zusammenfassung 6
2 Das Landgut Ranshofen und die Familie Wertheimer 7
2.1 Ferdinand Wertheimer 8
2.2 Philipp und Julius Wertheimer 10
3 Unbeschwerte Kindheit und Jugendzeit 11
4 Studienzeit, Kriegsdienst und revolutionäre Aufbruchstimmung. 15
4.1 Student auf Wanderschaft und Kriegsfreiwilliger. 15
4.2 Überzeugter Kriegsgegner und Revolutionärer Hochschulrat 15
5 Künstlerkreis, Freundschaften und Eheschließung 17
6 Studentischer Zirkel, Promotion und Journalistische Aktivitäten 20
6.1 Heidelberger Studienzeit und „magna cum laude“ 20
6.2 Korrespondent und Buchautor. 23
7 Völkerbund und Flucht ins Exil. 26
8 Universität Washington D.C. und die Vereinten Nationen 32
9 Elder Statesmen und letzte Heimkehr 41
10 Schlussbemerkung. 45
11 Literaturverzeichnis. 47
12 Abbildungsverzeichnis. 50
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„Deckblatt Egon Ranshofen-Wertheimer-Chronologie eines bewegten Lebens“ Erstellt in Photoshop CS. Manfred Rachbauer, Braunau, Juni 2007.
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Vorwort
„Daheim, nicht in der Fremde, möchte ich eines guten Todes sterben oder, wenn es sein muss, eines bösen. Aber sterben möchte ich daheim, nicht in der Fremde.“ Egon Ranshofen-Wertheimer, „Die Heimkehr (1946)“
Diese Seminararbeit entstand während meines Studiums an der Mediadesign Hochschule für Design und Informatik in München. Ich möchte mich recht herzlich bei Dr. Isa Ogbomo und Prof. Dr.-Ing. Axel Hoppe dafür bedanken, dass ich am Modul „Wissenschaftliches Arbeiten“ teilnehmen durfte.
Für die Hilfe bei der Beschaffung von Informationen, ohne die diese „Chronik“ kaum zustande gekommen wäre, möchte ich mich bei folgenden Personen bedanken:
Bei Gerald Lehner, österreichischer Journalist und Autor, dessen Unterkapitel „Egon Ranshofen-Wertheimer“ in „Die Biographie des Philosophen und Ökonomen Leopold Kohr“, Ausgangspunkt meiner Wertheimer-Recherchen war.
Bei meinem Vater, der mir seine umfangreiche Wertheimersammlung zur Verfügung gestellt hat. Mag. Hermine Aigner, Redaktion Braunauer Rundschau / Stadt Braunau Dr. Susanne Buchinger, Carl-Zuckmayer-Gesellschaft
ADIR. Renate Domnanich, Österreichisches Staatsarchiv, Abteilung: Kriegsarchiv Mag. Wolf-Erich Eckstein, Israelitische Kultusgemeinde Wien Eike Fess, Archiv, Arnold Schönberg Center
Prof. Dr. Madeleine Herren, Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften. Historisches Seminar der Universität Heidelberg Herbert Hillebrand, Kustos Bezirksmuseum Braunau Elisabeth Hunerlach, Archivamtfrau, Universitätsarchiv Heidelberg Gerti Kratzer, Forschungsinstitut Brenner-Archiv
Dr. Andreas Maislinger, Wissenschaftliche Leitung, Verein für Zeitgeschichte Thomas Maisel, Archiv der Universität Wien Prof. Mag. Erwin Niese, Akademisches Gymnasium Salzburg FOI Christine Renner, Bundesgymnasium Ried im Innkreis Evelyn Rosivatz, Bleistiftzeichnungen von Ranshofen Franz Salaberger, Television Austria, Braunau am Inn Monika Schmidt, Schulleitung Volksschule Ranshofen Madeleine Schulze, Stadtarchiv Augsburg
Dr. phil. Claudius Stein, M.A., Ludwig-Maximilians-Universität, Universitätsarchiv München Dr. Heinzpeter Stucki, Universität Zürich Seite 4 von 51
1 Zusammenfassung
In der vorliegenden Seminararbeit werden das Leben und das politische Wirken von Dr. Egon Ranshofen-Wertheimer, einen in Österreich fast gänzlich in Vergessenheit geratenen Diplomaten, Journalisten, Rechts- und Staatswissenschaftler, dokumentiert.
Das Kapitel 2 beginnt mit einem kleinen historischen Exkurs, der sich mit der Ansiedlung der Familie Wertheimer im Innviertel auseinander setzt und umfasst den Zeitraum vom Kauf des Landgutes Ranshofen 1851 bis zur Beisetzung Julius Wertheimers im Jahr 1917. Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Kindheit Egon Wertheimers auf dem Landgut Ranshofen, seiner Schulzeit und seinen ersten schriftstellerischen Aktivitäten.
Im Kapitel 4 wird Egon Wertheimers Studienzeit, seine Wandlung vom patriotischen Kriegsfreiwilligen zum überzeugten Kriegsgegner und seine Beteiligung an der „Münchner Revolution“ erläutert.
Die Salzburger Künstlervereinigung „Der Wassermann“, die freundschaftliche Beziehung Egon Wertheimers zu mehreren Mitgliedern aus diesem Künstlerkreis und die Eheschließung mit seiner ersten Frau Mathilde Junger werden im 5. Kapitel beschrieben. Das 6. Kapitel behandelt Egon Wertheimers Beziehung zur sozialistischen Studentengruppe um Carlo Mierendorff und seinen Studiumsabschluss in Heidelberg mit anschließender Promotion. Seine Tätigkeit als Korrespondent, Redakteur und Buchautor in den 20iger Jahren bilden den Abschluss dieses Kapitels.
Neben Egon Ranshofen-Wertheimers beruflicher Tätigkeit im Völkerbundsekretariat, die auf-grund der weltpolitischen Lage nicht immer unproblematisch verlief, werden im 7. Kapitel auch die Vorbereitungen seiner Emigration und die damit verbundenen Schwierigkeiten erläutert. Kapitel 8 beschreibt Wertheimers Jahre im amerikanischen Exil und seinen beispiellosen Aufstieg vom Universitätsprofessor zum damals einzigen Österreicher im Hauptquartier der Vereinten Nationen.
Die Rückkehr Wertheimers nach Österreich und sein unerwarteter Tod Ende 1957 werden im vorletzten 9. Kapitel beschrieben.
Mit einer Schlussbemerkung wird diese Seminararbeit im Kapitel 10 beendet.
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2 Das Landgut Ranshofen und die Familie Wertheimer
2.1 „Stammbaum der Familie Wertheimer“. Sammlung Rachbauer Manfred, Braunau, 2007. Seite 7 von 51
Durch die Franzoseneinfälle im Innviertel verbunden mit der endgültigen Auflösung des Chorherrenstiftes und letztendlich durch großflächige Überschwemmungen im Jahr 1849 war die Ortsgemeinde Ranshofen in eine wirtschaftliche Notlage geraten.
Erst mit der Übernahme des ehemaligen Chorherrenstiftes durch die Familie Wertheimer kehrte der Wohlstand allmählich nach Ranshofen zurück.
2.1 Ferdinand Wertheimer
Ferdinand Wertheimer, geboren am 25. September 1817 in Regensburg, studierte Agrikulturchemie und machte sich mit den Liebigschen Forschungen - Forschungen im Bereich der organischen Chemie - vertraut. Anschließend erweiterte er seine landwirtschaftlichen Kenntnisse durch langjährige Praxisreisen in Deutschland, Frankreich, England, Belgien, Österreich und Ungarn. Durch den Aufenthalt auf bestens bewirtschafteten Gütern dieser Länder lernte er unterschiedliche landwirtschaftliche Arbeitsweisen kennen.
2.1.1 „Portrait Ferdinand Wertheimer“. Wiener Landwirtschaftliche Zeitung, November 1882.
Ferdinand Wertheimer erwarb im August 1851 das ehemalige Kloster Ranshofen und machte aus dem stark vernachlässigten Anwesen in kurzer Zeit einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb.
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Baumgartner schreibt in [Baumgartner 1865] über das Landgut:
„Von den vielen rationell bewirtschafteten Landgütern Oberösterreichs, deren musterhaften Wirtschaftsbetrieb zur Nachfolge aneifert, wählen wir das Landgut Ranshofen. Was die Schönheit des Gutes anbelangt, so war dessen Pflege bis zur Übernahme desselben durch den jetzigen Besitzer, Herrn Ferdinand Wertheimer, einem Landwirthe, der auf die rationellste Weise das Nützliche mit dem Schönen vereint, gänzlich vernachlässigt.“
Sämtliche Bauwerke auf dem Anwesen wurden mit großem Arbeitsaufwand renoviert, und ein prachtvoll gestalteter Park um die Gebäude angelegt. Die veraltete Art der Wiesenbewässerung wurde durch eine große, moderne Bewässerungsanlage ersetzt, und erstmalig kamen auch neuartige, landwirtschaftliche Maschinen aus England in der Bewirtschaftung zum Einsatz. Ferdinand Wertheimer nutzte die achtfeldrige Ackerbau-Fruchtfolge, verwendete aufgrund seiner Erfahrungen in der Agrikulturchemie künstliche Düngemittel und ließ auf seinen Feldern Handelspflanzen wie Raps und Hopfen anbauen.
Durch seine Reformen und Verbesserungen im landwirtschaftlichen Bereich erreichte das Ranshofener Landgut bald einen hohen Stellenwert unter den Landwirten des Innviertels. Vor allem die Allgäuer Rinderrasse, die er in Oberösterreich eingeführt hatte, fand bei den Viehzüchtern reißenden Absatz und erhielt bei Regional- und Landesausstellungen hohe Auszeichnungen. Die oberösterreichische Landwirtschaftsgesellschaft verlieh Ferdinand Wertheimer für dessen Verdienste um die Hebung der oberösterreichischen Viehzucht die Gesellschaftsmedaille (vergleiche auch [Wiener Landwirtschaftliche Zeitung 1882]).
Auch im öffentlichen Leben spielte Ferdinand Wertheimer eine bedeutende Rolle. So veranstaltete er als Vorstand des landwirtschaftlichen Bezirksvereins im Jahr 1855 die erste Landwirtschaftsausstellung in Braunau am Inn und war erheblich am Zustandekommen der Eisenbahnlinien Braunau-Neumarkt und Braunau-München beteiligt. Von 1867 bis zu seinem Tod 1883 war Ferdinand Wertheimer Landtagsabgeordneter für die liberale Kurie des Großgrundbesitzes (vergleiche auch [Slapnicka 1983]).
Für seine besonderen Verdienste wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Ortsgemeinde Ranshofen sowie der Städte Ried im Innkreis und Braunau am Inn zuerkannt.
Am 20. September 1883 erlitt er im Landtagssitzungssaal in Linz einen Schlaganfall und starb am darauf folgenden Tag (vergleiche auch [Slapnicka 1983]). Er wurde am Montag, den 24. September, in der Familiengruft in Augsburg beigesetzt.
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2.2 Philipp und Julius Wertheimer
Nach Ferdinand Wertheimers Tod übernahmen seine Söhne das Landgut Ranshofen und führten den landwirtschaftlichen Betrieb im Sinne ihres Vaters fort. Zum Andenken an ihren verstorbenen Vater stifteten Philipp und Julius Wertheimer einen Betrag von 300 Gulden für humanitäre Zwecke.
Vor allem durch ihre für diese Zeit außergewöhnlich soziale Einstellung erfreute sich die Familie Wertheimer bei der Bevölkerung Ranshofens größter Beliebtheit. In Not geratene Gutsbedienstete und ihre Angehörigen konnten ebenso auf finanzielle Unterstützung zählen wie die Ärmsten der Ortsgemeinde. Auf großen Schulfesten wurden die Schulkinder meist von der Familie Wertheimer kostenlos bewirtet, und jedes Jahr zur Weihnachtszeit erhielten bedürftige Kinder neue Schuhe und Kleidung. Am ungewöhnlichsten für damalige Verhältnisse war aber die jährlich veranstaltete „Betriebsweihnachtsfeier“, bei der alle Bediensteten Geschenke erhielten. Philipp und Julius Wertheimer galten, wie schon ihr Vater Ferdinand Wertheimer zuvor, als besondere Wohltäter der Ortsgemeinde Ranshofen.
Am 22. Mai 1911 starb Philipp Wertheimer in Wien und wurde am 24. Mai 1911 im Zentralfriedhof, IV. Tor beigesetzt. Philipps Besitzanteil am Landgut Ranshofen wurde zu gleichen Teilen seinen Töchtern Anna Schiff, Emilie Jellinek und Gabriele Weisweiller zugesprochen.
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Arbeit zitieren:
Tamara Rachbauer, 2008, Egon Ranshofen-Wertheimer – Chronologie eines bewegten Lebens, München, GRIN Verlag GmbH
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