Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Die vorkoloniale Zeit. 5
3 Die Kolonialisierung Ghanas. 7
3.1 Einflüsse auf das kulturelle Leben. 8
3.2 Einflüsse auf den sozialen Bereich. 9
3.3 Einflüsse auf den ökonomischen Bereich. 10
4 Das koloniale Erbe - Ein Staat auf der Suche nach seiner Identität. 11
5 Fazit. 12
2
1 Einleitung
Die rege Kolonisationstätigkeit der europäische Mächte während des 19. Jahrhunderts eröffnete einen bisher unbekannten weltweiten Handel mit Rohstoffen, wie Holz, Edelmetallen und Agrarprodukten, wie Kakao, Kaffee und Tabak, welche den Kolonialherren große Gewinne einbrachten. Der Grundstein für die Globalisierung war gelegt. Das eurozentrische Weltbild, die Annahme einer prinzipiellen Überlegenheit europäischer Völker als Wiege der Zivilisation, setzte sich gleichzeitig mit dem Entstehen des modernen europäischen Nationalstaates als Folge der Französischen Revolution durch. Neben den ökonomischen Vorteilen für die neuen Herren, befriedigte die Übernahme überseeischer Gebiete auch ihr imperiales Streben nach Ausbreitung. Ein Wetteifern um Macht und Prestige begann.
Der britische Kolonialpolitiker Lord Lugard sprach bereits 1922 in seinem Werk The Dual Mandate in British West Africa von einer doppelten Verantwortung des Empire gegenüber den zu kolonialisierenden Ländern.
„Einerseits hätten die europäischen Kolonialmächte die Verpflichtung, die natürlichen Reichtümer Afrikas zum Nutzen Europas und der ganzen Menschheit zu entwickeln, auf der anderen Seite obliege ihnen auch die Verpflichtung, für den materiellen und kulturellen Fortschritt der einheimischen Bevölkerung Sorge zu tragen.“ 1
Betrachtet man jedoch die reale koloniale Vergangenheit, so lässt sich nicht leugnen, dass ein solcherart propagandiertes Mandat niemals angenommen wurde. Der Ausverkauf von Menschenleben durch den Sklavenhandel sowie die beispiellose Ausbeutung von Natur- und Bodenschätzen zerstörten nicht nur die in Besitz genommenen Gebiete nachhaltig. Durch die Entmündigung änderte sich das Bewusstsein und die Selbstwahrnehmung der versklavten Völker. Anders jedoch als im kolonialspanischen Raum, in dem sich aus verschiedenen ethnischen Elementen kombinierte Mischgesellschaften herausbildeten, welche sich auch in der nachkolonialen Zeit überlebensfähig zeigten, blieb eine solche Entwicklung in den
1 LUGARD, L. (1922): The Dual Mandate in British West Africa, Oxford. In: SCHMIDT-KALLERT, E.
(1994), Justus Perthes Verlag, Gotha, S. 42
3
Kolonien West- und Südafrikas aus 2 . Die Dekolonisation ließ dort oft nichts als ein zerstörtes Sozialgefüge zurück. Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem soziologischen Aspekt der Bildung eines neuen Staatenbewusstseins bzw. der Identitätsbildung nachkolonialer Staaten, anhand des Beispiels Ghana, auseinander. Das heutige Ghana, ehemals Goldküste, erkämpfte sich als erstes afrikanisches Land seine Unabhängigkeit bereits im Jahr 1957. Ghanas Probleme sind die Nöte des ganzen schwarzafrikanischen Kontinents. Der Rückzug der Kolonialherren hat auch hier tiefe Wunden hinterlasen. Dennoch ist Ghana nicht irgendein Land auf dem afrikanischen Kontinent. Politiker der ersten Stunde bedachten es mit einer besonderen Rolle. Als sogenannter „Schwarzer Stern Afrikas“ sollte das Land Vorbild für eine gelingende wirtschaftliche und politische Emanzipation werden. Geklärt werden soll die Entwicklung Ghanas von einer britischen Kolonie zu einem Land mit individuellem Profil. Wird diese Entwicklung tatsächlich den optimistischen Prognosen gerecht?
Um dies zu beantworten, ist es notwendig zunächst die koloniale Entstehung Ghanas nachzuvollziehen. Finden sich hier die typischen Kolonialismen? Nach diesem geschichtlichen Exkurs soll geklärt werden, wie sich das Leben reorganisiert hat und ob Ghana eine eigene Identität gefunden hat?
2 OSTERHAMMEL, JÜRGEN(2002): Kolonialismus. Geschichte - Formen - Folgen, Verlag C.H. Beck,
München, S. 89ff
4
2 Die vorkoloniale Zeit
Am 6. März 1957 wurde die britische Kolonie Goldküste zum unabhängigen Land Ghana. Somit ist es das erste kolonialisierte Land Schwarzafrikas, welches seine Unabhängigkeit zurückerlangte. 3 Die Führer der Unabhängigkeitsbewegung gaben Ghana seinen heutigen Namen. Mit dieser Namensgebung „tauchte auf der Landkarte Afrikas ein geographischer Name wieder auf, der jahrhundertelang nur noch in den Geschichtsbüchern existiert hatte“ 4 . Im Mittelalter war es Ghana, welches sich als erstes Königreich Sudanafrikas durchsetzen konnte. Diese alte Reich gilt zudem als Wiege frühafrikanischer Zivilisation. Dennoch lag es ursprünglich auf dem Gebiet des heutigen Mali und obwohl sich im Laufe der Jahrhunderte die Grenzen ständig verschoben, reichten diese doch niemals bis hin zu dem Territorium, welches seit 1957 als Ghana bekannt ist. Der Name soll bewusst an die bedeutende Rolle des alten Ghana anknüpfen. 5
Das vorkoloniale Ghana war besiedelt von Stämmen, welche sich untereinander sehr unterschiedlich entwickelten. Sie generierten niemals eine Schriftsprache, was es im Nachhinein sehr schwer macht, einen klaren geschichtlichen Verlauf zu rekonstruieren. Jedoch lassen sich etwa zwischen 70 und 100 verschiedene Völker unterscheiden. 6
Der während kolonialer Zeit gebräuchliche Name Goldküste, zeigt, welcher Gestalt das europäische Interesse am heutigen Ghana war und eine 500 Jahre währende Einflussnahme durch Europas Mächte nahm ihren Lauf. Die Portugiesen, welche bereits 1471 an Ghanas Küste landeten, erbauten bereits 1482 das erste Fort mit Namen Elmina am Golf von Guinea, um es als Zentrum für den Goldhandel zwischen Hinterland und Küste, zu nutzen. Es folgte der Bau weiterer Befestigungsanlagen zur Sicherung der Goldvorkommen. Die restlichen Großmächte entwickelten ebenfalls ein reges Interesse an Ghanas Bodenschätzen. Die Briten (1553), Niederländer (1595), Schweden und Dänen (beide1640), sowie die Brandenburger errichteten Handelsstützpunkte an der Goldküste. Aus zahlreichen Auseinandersetzungen um
3 Siehe GRÖMPING R., SEEBERG K.-M. (Hrsg.) (1990): Ghana - Andern sich die Zeiten? Wirtschaftliche
Abhängigkeit und Selbsthilfe, Verlag Das Arabische Buch, Berlin, S. 13
4 Siehe SCHMIDT-KALLERT, E., S. 19
5 Siehe ebd. S. 19
6 Siehe ebd. S. 20
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Arbeit zitieren:
Martin Töttger, 2006, Entwicklungen und Probleme der kolonialen afrikanischen Staatsbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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