Spätmittelalterliche Laiengerichtsbarkeit
Seminararbeit zum Thema
Der Ingelheimer Oberhof
vorgelegt von Alexander Krey
Wintersemester 2005 / 2006
Johann Wolfgang Goethe - Universität Frankfurt am Main
II
Gliederung:
A. Einleitung und Zielsetzung der Arbeit 1
B. Quellenlage 2
C. Entstehungsgeschichte 4
I.
Abriss der Historie des Ingelheimer Grundes 4
II. Geschichte
des
Ingelheimer Oberhofs 5
D. Gerichtsverfassung 7
I. Selbstbezeichnung 7
II. Schultheiß 7
III. Schöffenkollegium 9
IV. gemeinsames Gerichtssiegel 11
V. Gerichtsdiener und -schreiber 12
VI. Gerichtstage 13
E. Verfahrensrecht 14
I.
Anrufen des Oberhofs 14
1) Anfragen anderer Schöffenstühle 14
2) Anfragen von Privatpersonen 15
3) ,Ausheischen′ einer Partei 17
II. Mündlichkeit
des Verfahrens 19
III. Ladung 19
IV. Volle Besetzung des Gerichts 20
V. Parteienvertreter 21
VI. Beweisrecht 21
VII. Urteilsaufbau 24
F.
Die Rechtsordnung hinter den Urteilen 25
G. Art der Rechtsstreitigkeiten 26
H. Schlussbetrachtung 27
III
Literaturverzeichnis
(s. Flash-Vorschau)
1
A. Einleitung und Zielsetzung der Arbeit
Das Oberhofwesen war eine typische Erscheinung der spätmittelalterlichen
Gerichtsverfassung.1 Die Oberhöfe waren sowohl Rechtsbelehrungs- als auch Rechtsauskunftstelle
für die umliegenden kleineren Schöffenstühle2 und auch teilweise für anfragende Privatpersonen.3 Obwohl es im mittelalterlichen Deutschland wahrscheinlich viele hundert
Oberhöfe gegeben hat,4 ist Ingelheim aufgrund seines fast geschlossenen mittelalterlichen
Archivs von großer Bedeutung für die rechtgeschichtliche Forschung. Dieses Archiv hat sich bis in das 20. Jahrhundert hinein erhalten, wohingegen anderorts nur wenige Bruchstücke erhalten blieben.5 Es erlaubt den Blick auf das mittelalterliche fränkische Recht, das noch völlig unberührt von der Rezeption römischen Rechts ist.6 Ekkehard Kaufmann schrieb daher auch 1957 in voller Bewunderung zu den Urteilen: ,,Der
Wert der Urteile liegt aber vor allem in ihrer juristischen Qualität. Die Knappheit und
Prägnanz des Ausdrucks in den Ingelheimer Urteilen wird wohl von keiner vergleichbaren Sammlung erreicht."7 Die Oberhofprotokolle enthalten Rechtsprobleme aus nahezu
allen Bereichen des Rechts, die an die Ingelheimer Schöffen herangetragen und von ihnen
beantwortet wurden.8 Das Ingelheimer Gericht, das in einem der drei Hauporte Nieder-Ingelheim, Ober-Ingelheim oder Groß-Winternheim tagte, hatte insgesamt drei
Funktionen: Es war zwar zum einen als erstinstanzliches Gericht für Klagen gegen
Personen des Ingelheimer Reiches9 sowie als Gericht der belegenen Sache für alle
zum Ingelheimer Grund gehörigen Grundstücke zuständig, es war Strafgericht für den ganzen
Grund10 und zudem auch Oberhof.11 Daneben gab es in den Hauptorten wie auch in den
übrigen Orten des Grundes zusätzlich noch Ortsgerichte. In der vorliegenden
Seminararbeit sollen allerdings die im Unfang sehr viel zahlreicheren
erstinstanzlichen Haderbücher ausgespart bleiben und der Fokus auf die Tätigkeit als Oberhof gelegt werden.
Zunächst soll hierzu, nach einem Blick auf die Quellenlage und die Entstehung
des Gerichts, die Gerichtsverfassung näher beleuchtet und dann in einem zweiten
Teil das Verfahrensrecht dargelegt werden. Ziel ist dabei, die Funktionsweise eines mittelalterlichen
Laiengerichts und die Besonderheiten der spätmittelalterlichen Laiengerichtsbarkeit
[...]
1 Werkmüller, HRG III, Sp. 1134 (1134).
2 Erler 1994b, S. 102 (102).
3 Werkmüller, HRG III, Sp. 1134 (1134).
4 Erler 1964, S. 174 (174).
5 Erler 1964, S. 174 (174).
6 Erler 1964, S. 174 (174).
7 Kaufmann, ZRG (GA) 1957, S. 198 (198).
8 Gudian 1968, S. 7.
9 Erler 1964, S. 174 (179).
10 Loersch 1856, S. CV.
11 Erler 1964, S. 174 (180).
Arbeit zitieren:
Referendar jur. Alexander Krey, 2006, Der Ingelheimer Oberhof, München, GRIN Verlag GmbH
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