INHALTSVERZEICHNIS
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1. Einleitung
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2. Zur Entstehung des West- Östlichen Divan
2.1. Goethes Orientalistische Grundlage im Schaffen
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des West- Östlichen Divans
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3. Goethe und die Beziehung zu Marianne von Willemer
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3.1 Die Begegnung mit Marianne von Willemer
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3.2 Das Wirken Marianne von Willemer in Goethes Divan
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3.3 Suleika als Namenspatronin im Goetheschen Divan
4. Goethes Flucht aus der Westlichen Welt 13
4.1 Hegire 13
5. Die geistige Begegnung mit Muhammad Schams Ad-din Hafis 15
5.1 Muhammad Schams Ad-din Hafis und seine Dichtung 15
5.2 Eigentümlichkeiten der Hafisschen Lyrik 16
5.3 Muster und Motiv der Hafis Lyrik 18
6. Westlich, Östlich, West- Östlich- Eine Untersuchung zur
Interkulturalität im Divan Goethes 19
6.1 Hatem und Suleika- Das Maskenspiel in Goethes Divan 19
7. Fazit 22
8. Literaturverzeichnis 24
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Im Suchen und Finden nach Goethe begegnet uns Unendliches an Literatur. Neben den eigenen hervorgebrachten Werken, die uns dieser große deutsche Dichter hinterlassen hat, wird uns spätestens seit dem 250- jährigen Jubiläum Goethes im Jahre 1999 und der gleichzeitigen Ernennung der Stadt Weimar zur Europäischen Kulturhauptstadt eine Fülle an neuer Literatur zu Goethes Leben und Werk geboten. Neben dem viel beachteten Faust gibt es ein Werk Goethes, dem bisher nicht ganz so viel Popularität und Aufmerksamkeit beigemessen wurde, wie anderen Veröffentlichungen seiner Zeit: DER WEST- ÖSTLICHE DIVAN 1 . Jedoch hat gerade dieses Werk nicht nur literarisch, sondern auch inhaltlich, in den letzten Jahren durch die immer wiederkehrende Auseinandersetzung der Westlichen mit der Östlichen Welt, insbesondere mit dem Islam, an Bedeutung hinzugewonnen. Eine der Ersten, die diesem Werk ihre uneingeschränkte Beachtung und Bewunderung geschenkt hat, war Marianne von Willemer. Sie war es schließlich auch, die als eine der Ersten Goethes Werk DER WESTÖSTLICHE DIVAN in ihren Händen hielt. Völlig begeistert davon schrieb sie ihm im Oktober 1819 in einem Brief:
Ich habe den Divan wieder und immer wieder gelesen; ich kann das Gefühl weder beschreiben, noch auch mir selbst erklären, das mich bei jedem verwandten Ton ergreift; wenn ihnen mein Inneres und mein Wesen so klar geworden ist, als ich hoffe und wünsche, ja sogar gewiß sein darf, denn mein Herz lag offen vor Ihren Blicken, so bedarf es keiner weitern ohnehin höchst mangelhaften Beschreibung. Sie fühlen und wissen genau, was in mir vorging, ich war mir selbst ein Rätsel; [...]. 2
1 In seiner ursprünglichen Form hieß das Werk Goethes „West- Östlicher Divan oder Versammlung
deutscher Gedichte in stetem Bezug auf den Orient.“ Unter Nennung dieses Titels kündigte Goethe seinen
Gedicht- Band im „Morgenblatt“ an
2 Hans- J. Weitz (Hg.): Johann Wolfgang Goethe. Briefwechsel mit Marianne und Johann Jakob
Willemer. Frankfurt a. M., 1965. S.92.
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Es ist nicht verwunderlich, dass sich gerade Marianne von Willemer in Goethes Werk wieder fand, war sie doch schließlich diejenige, die ihn durch einen regen Briefwechsel vor und während der Entstehungszeit des West- Östlichen Divans begleitete und wie uns später gezeigt wird, auch beeinflusste.
Folgende Arbeit schließt sich meiner vorhergehenden Proseminar- Arbeit zum Thema West- Östlicher Divan als Vertriefung an. Wurde in der ersten Arbeit angesichts des begrenzten Umfanges lediglich der Blick auf die Entstehung des West- Östlichen Divans, Marianne von Willemer sowie den Dichter Muhammed Schemseddin als Leitfiguren des West- Östlichen Divans gerichtet, soll die vorliegende Arbeit noch einmal einen tiefer gehenden Blick auf das Werk Goethes richten. Für das Werk bedeutende Personen wie Marianne von Willemer als auch der berühmte persische Dichter Muhammad Schamsaddin, besser bekannt als Hafis, sollen in dieser Arbeit noch etwas genauer beleuchtet werden. Darüber hinaus Zu Beginn der Arbeit wird einführend noch einmal ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des West- Östlichen Divans geworfen. Nachfolgend beschäftigt sich die Arbeit mit den Motiven Goethes, die ihn dazu veranlasst haben, diese Arbeit zu schreiben. Dabei wird auch auf Goethes Arbeitsweise eingegangen. Der Nachweis der Divan- Ausgabe wird nach einmaliger vollständiger bibliographischer Angabe nur noch mit dem Titel des Werkes und der entsprechenden Seitenzahl aufgeführt.
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„Was er uns im Divan bietet, ist mehr, es ist das Höchste, was er geben konnte: fremde Poesie dem deutschen Geiste angeeignet und in diesem wieder neu geboren. So ist der Divan ein eignes, deutsches Kunstprodukt, keine Contrefacon, keine Nachgeburt“ 3 Bevor ich im Folgenden auf die Entstehung des West- Östlichen Divan eingehe, werde ich zunächst einmal, des allgemeinen Überblicks wegen, die inhaltliche Ebene des Werkes skizzieren. Der West- Östliche Divan ist die umfangreichste Lyrik- Sammlung von Johann Wolfgang von Goethe, die zu den größten Werken seiner späten Schaffensperiode zählt. Fast alle Gedichte des Divans ergänzen sich und stehen in einem geistigen Zusammenhang. Goethe wollte kein einzelnes Gedicht aus dem Divan verschicken. In einem Brief an Zelter Ende Mai 1815 schreibt er:
Jedes einzelne Glied ist nämlich so durchdrungen von dem Sinn des Ganzen, so innig orientalisch, bezieht sich auf Sitten, Gebräuche, Religion und muß von einem vorhergehenden Gedicht erst exponiert sein, wenn es auf Einbildungskraft oder Gefühl wirken soll. Ich habe selbst noch nicht gewußt, welches wunderliche Ganze ich daraus vorbereitet. 4
Der Divan besteht aus zwölf Büchern, in denen verschiedene Themenbereiche unterschiedlich akzentuiert werden, die schließlich in Dreiergruppen zusammengefasst werden können.
Die ersten drei Bücher: Buch des Sängers, Buch Hafis und das Buch der Liebe thematisieren hauptsächlich die Bereiche Liebe, Trinken, Singen. In den folgenden drei Büchern, Buch der Betrachtungen, des Unmuths und der Sprüche steht das Reflektieren und Reagieren im Vordergrund. Drei Bücher sind Gestalten gewidmet: Buch des Timur, Buch Suleika, und Schenkenbuch. Die letzten drei Bücher des Gesamtwerkes sind im
3 Goethes Werke IV, hrsg. U. mit Anmerkungen begleitet von G. von Loeper, Berlin, Gustav Hempel, o.
J.(1872), S.XV-XLVII.
4 Bodo Morawe (Hg.): Goethes Briefe. Hamburger Ausgabe in 4 Bänden. Bd.3: Briefe der Jahre 1805-
1821. Hamburg, 1965. S.290.
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religiösen Bereich verankert und bilden mit dem Buch der Parabeln, des Parsen und des Paradieses den Schluss. Dem Lyrik -Teil fügte Goethe später noch einen Prosa- Teil hinzu, der dem Verständnis seiner west- östlichen Dichtung zuträglich sein sollte. Der Divan des persischen Sängers Mahomed Schemseddin Hafis begegnete Johann Wolfgang von Goethe erstmals im Jahre 1814 in der Übersetzung des österreichischen Orientalisten Josef von Hammer- Purgstall. Angeregt durch den Hafischen Divan erschloss sich Goethe eine ungeahnte poetische Welt, die ihm die Eigentümlichkeiten der persischen Lyrik näher brachten. Die Kultur der Orients war Goethe zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht fremd. Bereits in jüngeren Jahren hatte er in Straßburg Teile des „Hohen Liedes“ als weltliche Liebesdichtung übersetzt, 1773 befasste er sich mit der arabischen Kultur für ein „Mahomet“ Drama, 1783 übersetzte er alte Beduinengedichte, in seiner Jugend rezitierte er asiatische Reisebeschreibungen. Die Entstehung des West- Östlichen Divans ist von zwei signifikanten Ereignissen geartet. Zum einen durch die Überreichung des Divans Hafis in der Übersetzung von Joseph von Hammer- Purgstall, zum anderen aber auch durch die nicht gerade unmaßgebliche Begegnung und daraus entstandene Liebe zu Marianne von Willemer in den Monaten des Jahres 1815, worauf im weiteren Verlauf der Arbeit eingegangen wird.
Die Erscheinungen Hafis zwischen 1812 und 1813 in deutscher Sprache waren die Keimzellen für Goethes dichterisches Schaffen. Lebensfreude, tiefes Empfinden religiöser Sehnsucht und im Irdischen das Ewige sehend, waren nur wenige Gemeinsamkeiten, die beide Schriftsteller über die Zeiten hinweg miteinander verband und Goethe dazu brachte, sich schließlich auch mit Hafis zu identifizieren. Für Goethe war die literarische und geistige Entdeckung Hafis eine Begegnung mit einem innerlich Verwandten. Parallelen zwischen den beiden Künstlern lassen sich vor allem im Gehalt, in der Mischung von Verständlichkeit und Symbolik erkennen. Goethe hörte in Hafis „den großen Ton einer unerschöpflich reichen lyrischen Kunst, die in Stoff und Stil völlig eigenartig, völlig neu auf ihn eindrang, den unendlichen Horizont des persischen Himmels, persischer Natur und Bildung vor ihm ausspannte und eine menschliche freie
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Auffassung der Religion, der Weisheit, der Liebe verkündete.“ 5 Goethe war von der Analogie des eigenen Dichten und Leben Hafis ergriffen, die dann auch zum schaffenden Springquell des ganzen Goetheschen Divans wurde. Diesem Quell entspringen auch der Begriff und der Name west- östlich. Dieser Begriffskombination Goethes ist eine triologische Bedeutung zuzuweisen: zum einen will Goethe mit dem östlich verwandten Dichter, Hafis, wetteifern. In jenem „innerlichen Verwandten“ findet Goethe sein eignes Spiegelbild, welches der Divan poetisch reflektieren soll. Nach Goethes eigener Auffassung sollte der West- Östliche Divan weder rein morgenländisch noch rein abendländisch sein, viel mehr sollte er an beiden Welten teilhaben und wie ein „entoptisches Bild“ wirken.
ÖSTLICHEN DIVANS
„Meine Absicht ist (...) im Sinne des Orients zu dichten, auf heitere Weise den Westen und Osten, das Vergangene und Gegenwärtige, das Persische und Deutsche zu verknüpfen, und beiderseitige Sitten und Denkart übereinander greifen zu lassen.“ 6 In diesem Teil der Arbeit soll untersucht werden, welche orientalistische Grundlagen Goethe nutzte um sein eigenes orientalistische Werk zu schaffen. Auf welche Quellen bezog er sich, was inspirierte ihn und auf welche literarischen Mittel griff er zurück? Mit diesem Abschnitt soll der Versuch unternommen werden, ein Teil dieser Fragen zu beantworten. Die Grundlage für den West-Östlichen Divan Goethes bildete vor allem der Koran. Geradezu magisch angezogen war Goethe von dem heiligen Buch Allahs. „Er bemächtigte sich allmählich der ganzen arabischen und persischen Literatur, er schrieb das Arabische und eroberte die Sprache mehr im Sturm, als dass er sie genau
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6 Morawe (Hg.): Goethes Briefe. Bd.3. S.306.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Isabel Gotovac, 2004, Zu: Johann Wolfgang von Goethe - "West-östlicher Divan", München, GRIN Verlag GmbH
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