Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Politische Kultur 3
2.1 Begriffsbestimmung 3
2.2 Analyse und Typologisierung der Politischen Kultur 6
3 Politische Kultur in Deutschland 9
3.1 Die Entwicklung der Politische Kultur in den alten Bundesländern 10
3.2 Die Entwicklung der Politischen Kultur in den neuen Bundesländern 11
3.3 Politische Kultur nach der deutschen Wiedervereinigung 11
3.3.1 Einstellung zum demokratischen System in Ost und West 12
3.3.2 Rechtsextreme Einstellungen 14
4 Zusammenfassung 15
5 Literaturverzeichnis 18
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1 Einleitung
Trotz der vielen historischen Brüche hat die heutige Bundesrepublik Deutschland eine stets nach vorne gerichtete Entwicklung genommen. Von den fünfziger Jahren bis heute ist das politische System erhalten geblieben. Auch die Widervereinigung hat am System selbst nichts geändert. Die ostdeutsche Bevölkerung steht nach der Wiedervereinigung vor der Aufgabe die plötzlich veränderten ungewohnten Lebensverhältnisse in einer Demokratie mit kapitalistischer Wirtschaftsordnung zu verinnerlichen. Der Umzug der wichtigsten politischen Institutionen von Bonn nach Berlin bildet einen symbolischen Neuanfang des vereinigten Deutschlands, allerdings auf Strukturen die sich in der BRD in fünfzig Jahren bewährt haben. Die Republik entwickelte sich von einem Protektorat unter Alliierter Vormundschaft zu einem heute gleichberechtigten Partner der internationalen Politik (vgl. Sontheimer, 1999, S. 7-9). Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Politischen Kultur des vereinten Deutschlands. Nach einer Theoriegeleiteten Aufarbeitung des Begriffs, wird die Entwicklung dieser von der Zeit der Aufklärung bis zum heutigen Zeitpunkt in wesentlichen Punkten wiedergegeben. Die zu untersuchende Fragestellung befasst sich mit den historischen Gründen, welche zur heutigen Politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland führten und warum diese fast zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung in Ost und West noch immer unterschiedlich ausgeprägt ist.
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2 Politische Kultur
Der Begriff der Politischen Kultur geht auf das Jahr 1963 zurück und wird maßgeblich von Gabriel A. Almond geprägt. In seiner Pilotstudie The Civic Culture, Political Attitudes and Democracy in Five Nations definiert er diese als „a particular distribution of political attitudes, values, feelings, information, and skills” (Almond & Powell, 1992, S.39). Das Aufkommen der politischen Kulturforschung hängt eng mit den zeitgenössischen politischen Entwicklungen zusammen. Durch die Gründung neuer Staaten nach der Dekolonialisierung, stellt sich zunehmend die Frage, welche Faktoren demokratische Systeme ausmachen. Insbesondere das Scheitern der Weimarer Republik machten die politische Kulturforschung in Deutschland salonfähig (vgl. Korte & Fröhlich, 2004, S. 105). Almond und Verba führen einen auf Umfragedaten gestützten Vergleich der Gesellschaften der USA, Großbritanniens, Mexikos, Italiens und der Bundesrepublik Deutschland durch (vgl. Rohe, 2003. S. 110). Sie untersuchen den Zusammenhang zwischen dem politischen Bewusstsein der Bürger und dessen Auswirkungen auf die Effektivität und Stabilität von Demokratien (vgl. Almond & Verba, 1963). In der damaligen Zeit war, insbesondere in Deutschland, die Kombination der Begriffe Politik und Kultur sehr ungewöhnlich. Erst mit Beginn der 1980er Jahre erhielt der Ausdruck Einzug in die politische Forschung, aber auch in den politischen Alltag (vgl. Rohe, 2003, S. 110). Die Unterscheidung lässt vermuten, dass nicht alle vom selben Gegenstand sprechen, wenn sie Politische Kultur sagen. Medien und Politik verstehen darunter meist einen normativen Sinn, der sich häufig im „Mangel“ oder „Verfall“ der Politischen Kultur, des politischen Stils und Umgangsformen manifestiert (vgl. Berg-Schlosser, 2003, S.7). In der sozialwissenschaftlichen Forschung ist ein differenzierteres Bild der politischen Kultur notwendig. Die politische Kultur drückt sich zum einen im politischen Denken, zum anderen im öffentlichen Verhalten der Mitglieder einer Gesellschaft aus. Almond und Verba fassen den Begriff der politischen Kultur relativ eng und legt den Fokus auf die Einstellungen der Bürger gegenüber dem politischen System. (vgl. Rohe, 2003, S. 111)
2.1 Begriffsbestimmung
Politische Kultur wird in der Sozialwissenschaft weiter gefasst und als die Grundannahmen sozialer Gruppen über die politische Welt und der damit verbundenen operativen Ideen verstanden. Sie stellt einen Handlungsrahmen dar, in dem sich Denken, Handeln und öffentliches Reden politischer Akteure bewegen und bildet somit die gesellschaftliche, kollektive Anschauung darüber was Politik ist. Es wird nach grundlegenden
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Wahrnehmungsmustern und Beurteilungsmaßstäben gefragt, anhand derer schließlich die Einstellung zu konkreten politischen Regimen erfragt werden kann. Eine veränderte Einstellung z.B. zu einer Regierung muss nicht unbedingt ihre Ursache in einer veränderten politischen Kultur haben. Einen politisch-kultureller Wandel drückt sich folglich ausschließlich durch eine Wandlung von Maßstäben und Kategorien gegenüber dem politischen Weltbild aus. Die Frage wie politische Probleme angegangen werden, spiegelt sich in operativen Ideen wieder. Diese bilden Denk- und Handlungsweisen ab, wie in der Vergangenheit politisch erfolgreich agiert wurde – zum Beispiel also mit welchen Instrumenten Probleme gelöst werden konnten. Wenn also zum Beispiel das Parteienprinzip aufgrund einer möglichen Ineffektivität abgeschafft würde, läge ein Kulturwandel vor. Nicht aber wenn die Gesellschaft mit dem Personal, was dieses System ausfüllt, unzufrieden wäre. Die in einer politischen Kultur beinhalteten politischen Ordnungskonzepte beruhen auf dem aktuellen Politikgeschehen, aber auch auf historischen Erfahrungen. Insbesondere diese Erfahrungen spiegeln in der Vergangenheit erfolgreiche Handlungsweisen wieder. Möchte man eine Aussage über die politische Kultur einer Gesellschaft treffen, muss man folglich zum einen die Betrachtung der aktuelle Situation aber auch der Historie einbeziehen (vgl. Rohe, 2003, S. 111-113). Zu diesen öffentlichen Ereignissen kommen noch private Erfahrungen der Mitglieder eines politischen Systems hinzu. Die Lernbarkeit und Veränderbarkeit von Einstellung und Verhalten ist eine wichtige Prämisse der politischen Kultur. Zusammenfassend lässt sich die politische Kultur durch grundlegende Meinungen, Einstellungen und Werte der Mitglieder eines politischen Systems zu einem bestimmten Zeitpunkt beschreiben, wobei diese politische Prozesse ordnen und ihnen an Bedeutung verleihen und somit den Interaktionen der politischen Akteure untereinander einen Handlungsrahmen vorgeben (vgl. Berg-Schlosser, 2003, S. 7f). Des Weiteren ist der Begriff der politischen Kultur im heuristisch-wissenschaftlichen Sinne als wertfrei und ohne direkte normative Implikationen anzusehen. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen subjektiven Dimensionen des Politischen und den objektiven Strukturen und realem politischen Geschehen (vgl. Korte & Fröhlich, 2004, S. 104).
Aufgrund unterschiedlicher Begriffsbestimmungen und somit unterschiedlichen Gebrauch des Begriffes, treten teils heftige Kontroversen zutage, welche sich in folgenden Kritikpunkten äußern. Zum einen ist die politische Kultur als abhängiger, keinesfalls als unabhängiger, Tatbestand anzusehen, da er auf einer dynamischen Wechselwirkung von strukturellen und kulturellen Faktoren beruht. Zweitens ist wird der Zusammenhang zwischen politischer Einstellung und tatsächlichem politischen Verhalten kritisiert. Da die politische
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Verhaltensforschung maßgeblich auf Umfragen beruht, deren geäußerte Meinung nicht unbedingt mit dem tatsächlichen Verhalten, zum Beispiel bei Wahlen, übereinstimmen muss, ist die Beziehung zwischen beiden Faktoren stets kritisch zu betrachten. Als weiterer Punkt wird angeführt, dass das menschliche Verhalten sehr viel komplexer ist, als dass es sich auf eine rationale Nutzenmaximierung vereinfachen lässt (vgl. Berg-Schlosser, 2003, S. 8). Der ursprüngliche Ansatz von Almond befasst sich hauptsächlich mit repräsentativen Bevölkerungsumfragen, welche die individuelle Einstellung der Bevölkerung abfragen. Diese so genannte Mikro-Ebene wird von seinen Kritikern um eine Makro-Ebene erweitert. Die hiermit angestrebte „Ganzheitlichkeit“ der Politischen Kultur umfasst auch deren symbolische Ausprägungen ganzer Staaten und politischen Systeme. Als Beispiel sind hier nationale Hymnen bzw. Flaggen zu nennen, deren Bedeutung von Land zu Land sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Ebenso wichtig können Rituale, nationale Feiertage oder konkrete politische Ereignisse sein. Als Beispiele sind hier in Deutschland der 3. Oktober, der Fall der Mauer und andere zu nennen. In den USA haben die Ereignisse um den 11. September 2001 einen immensen Einfluss auf das politische Verhalten (vgl. Berg-Schlosser, 2003, S. 9). Die verstehende Soziologie unterscheidet in ihrem Verständnis von Kultur zwischen Einstellungen, die Wünsche, Bedürfnisse und Interessen des Individuums zum Ausdruck bringen und kulturellen Deutungsmustern auf denen diese Einstellungen beruhen bzw. ihnen Sinn verleihen. Politische Kultur beinhaltet Deutungsmuster politischer Herrschaftsbeziehungen und Vorstellungen über die politische Gemeinschaft. Sie bezieht sich nicht auf die Meinungen über Politik, sondern muss typische Begründungen kultureller Werte einer politischen Ordnung analysieren (vgl. Stachura, 2005, S. 111f).
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Arbeit zitieren:
Daniel Jäger, 2008, Politische Kultur in der BRD, München, GRIN Verlag GmbH
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