Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Vorbemerkungen 3
2 Die Plünderung von Konstantinopel 1204 5
2.1 Die historische Situation 5
2.1.1 Die Rückeroberung des Heiligen Landes 5
2.1.2 Der Vierte Kreuzzug 5
2.1.3 Die Darstellung des Biblischen und Orientalischen in westlichen Illustrationen und Schriften 6
2.1.4 Reliquien und die Aneignung des Heiligen 6
2.2 Die Motivation der Plünderer 7
2.3 Das Ausmaß der Plünderung 8
2.4 Die Folgewirkungen für Konstantinopel 9
2.5 Verbleib der Kulturgüter 10
3 Der Ägyptenfeldzug Napoleon Bonapartes 10
3.1 Die historische Situation 10
3.1.1 Die Aneignung von Monumenten und Kulturgütern im Vorfeld des Ägyptenfeldzuges 10
3.1.2 Die Mode in der Zeit des Directoire und Empire 11
3.1.3 Französische Malerei Orientbilder 12
3.2 Die Motivation der Plünderer 12
3.3 Die Konkurrenz zu England 13
3.4 Das Ausmaß der Plünderung 14
3.5 Verbleib der Kulturgüter 14
4 Langfristige Auswirkungen 15
4.1 Orientalismus I die Vorstellung von Konstantinopel 15
4.2 Orientalismus II die Vorstellung von Ägypten 16
5 Zurück in die Zukunft: Der rechtliche Schutz materiellen und immateriellen
Kulturgutes der Stand in Deutschland 17
6 Literaturliste 19
7 Anhang 22
7.1 Mail Kunst und Ausstellungshalle und Zusammenstellung Besucherzahlen MR 22
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1 Einleitung und Vorbemerkungen
Kriegerische Auseinandersetzungen in der Menschheitsgeschichte sind durch mythologi- sche Erzählungen und auch durch frühe Bild- und Textzeugen, bereits über Jahrtausende hinweg überliefert. In aller Regel handelte es sich dabei um den Kampf um Ressourcen, um expansive Landnahme oder Kriege aus ideologischen bzw. religiösen Gründen. Für den Sie- ger dieser Auseinandersetzungen brachte der Erfolg eines Kriegszuges die Inbesitznahme des Landes mit seinen Einwohnern, Gütern und Werten mit sich – und damit auch die Verfü- gungsgewalt darüber. Doch auch mit der Aneignung symbolträchtiger Gegenstände – zu denken wäre, aus der Mythologie heraus, hier bspw. an das trojanische Palladion oder das Goldene Vlies – konnten und sollten die neuen Machtverhältnisse deutlich gemacht werden. 1 Dies diente als Ausdruck der "kulturellen Überwältigung". 2 Oder wie es bei WAHL heißt: "Staatlich motivierter Kunstraub und die Aneignung von Kunstschätzen sind in einer vielfäl- tigen Weise mit Herrschaftsansprüchen verknüpft. Im Kunstraub drückt sich in anschaulicher Weise ein Superioritätsanspruch aus." 3 Seit rund einem halben Jahrhundert 4 liegt mit dem Haager Abkommen, im Rahmen des Internationalen Rechts, ein Übereinkommen der ratifizierenden Länder vor. Als Kulturgut wird danach verstanden:
"a) Bewegliches oder unbewegliches Gut, das für das kulturelle Erbe aller Völker von großer
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Bedeutung ist [...]." Die dortige, nachfolgende exemplarische Auflistung entspricht dem heutigen Verständ- nis schützenswerter Kulturgüter – und bezieht sich zudem auf den Umgang damit in so ge- nannten "bewaffneten Konflikten". Darüber hinaus stellt die Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes (UNESCO) seit wenigen Jahren folgende kulturellen Aspekte in den Focus:
"die Praktiken, Darbietungen, Ausdrucksformen, Kenntnisse und Fähigkeiten – sowie die damit verbundenen Instrumente, Objekte, Artefakte und Kulturräume – zu verstehen, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Individuen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen. Dieses immaterielle Kulturerbe, das von einer Generation an die nächste weiterge- 1 Einen übersichtlichen Artikel zum Thema "Kunstraub in der Antike" bietet STROCKA (mit einem weiterführen- den Literaturverzeichnis). Die Verbringung von Kulturgütern in den originären Herrschaftsbereich von Sieger- mächten wird damit als historisches Phänomen noch plastischer hervorgehoben. Aufgrund der Tatsache, dass dies inhaltlich und vom Umfang her den Rahmen sprengen würde, kann hier lediglich der Hinweis darauf erfol- gen.
2 Zu diesem Begriff siehe WAHL, S. 36.
3 WAHL, S. 28.
4 Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten vom 14. Mai 1954 (Haager Konvention). Zurückgreifend auf die Grundsätze für den Schutz des Kulturguts gem. dem Haager Abkommen von 1899 und 1907 und des Washingtoner Vertrags von 1935.
5 BUNDESAMT FÜR BEVÖLKERUNGSSCHUTZ UND KATASTROPHENHILFE, S. 24 (Es folgt dort eine nicht abschlie- ßende Aufzählung von entsprechenden Gütern).
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geben wird, wird von Gemeinschaften und Gruppen in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, ihrer Interaktion mit der Natur und ihrer Geschichte fortwährend neu geschaffen und vermit-
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telt ihnen ein Gefühl von Identität und Kontinuität. [...]."
Hierunter fallen unter anderem:
"a) mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Träger immateriellen Kulturerbes;
Dies macht deutlich, dass eine scharfe Trennung zwischen der materiellen und der imma- teriellen Kultur nicht immer einfach zu vollziehen ist. So ist für die Fertigung einer Tracht zum einen "Fachwissen über traditionelle Handwerkstechnik" erforderlich und die Tracht selbst steht in Verbindung mit "gesellschaftlichen Praktiken, Ritualen und Feste[n]". Daneben kann sie, als konkreter Gegenstand, materielles Kulturgut sein. 8
Eine gegenwärtige, notwendige Erkenntnis hierzu stellt ASSMANN in seiner Schrift Das kulturelle Gedächtnis heraus:
"Das Bewußtsein sozialer Zugehörigkeit, das wir 'kollektive Identität nennen', beruht auf der Teilhabe an einem gemeinsamen Wissen und einem gemeinsamen Gedächtnis, die durch das Sprechen einer gemeinsamen Sprache oder allgemeiner formuliert: die Verwendung eines gemeinsamen Symbolsystems vermittelt wird. Denn es geht dabei nicht nur um Wörter, Sätze und Texte, sondern auch um Riten und Tänze, Muster und Ornamente, Trachten und Täto- wierungen, Essen und Trinken, Monumente, Bilder, Landschaften, Weg- und Grenzmarken. Alles kann zum Zeichen werden, um Gemeinsamkeit zu kodieren. Nicht das Medium ent- scheidet, sondern die Symbolfunktion und die Zeichenstruktur. Wir wollen diesen Komplex an symbolisch vermittelter Gemeinsamkeit 'Kultur' oder genauer: die 'Kulturelle Formation' nennen." 9
Doch derartiges Bewusstsein für den Schutz von Kulturgut lag nicht zu allen Zeiten vor. Aus diesem Grunde soll eine exemplarische Betrachtung des möglichen Umgangs mit mate- rieller und immaterieller Kultur im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit erfolgen, insbeson- dere im Zusammenhang mit dem Blick auf die Art und Weise der historischen europäischen Vereinnahmung des Orients. Die unterschiedlichen Aspekte der Aneignung des fremden Kul- turgutes und der jeweiligen Kultur sollen an den Beispielen Plünderung von Konstantinopel im Jahr 1204 und Ägyptenfeldzug Napoleon Bonapartes (1798-1801) veranschaulicht wer- den 10 , deren damalige Vorgehensweise heute - im Rahmen internationalen Rechts – in weiten
Teilen nicht mehr als legitim erachtet würden.
6 UNESCO, Art. 2, Ziffer 1, S. 30.
7 UNESCO, Art. 2, Ziffer 2, S. 30/31.
8 Zu denken ist über Trachten hinaus, weiterhin an Krönungsornate, Kostüme u. ä. 9 ASSMANN, S. 139.
10 Dies in Anlehnung an den zeitlich-thematischen Aufbau des Kurses Außengrenzen Alteuropas, hauptsächlich der 2. Kurseinheit.
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Ziel der Hausarbeit ist die Betrachtung der jeweiligen "Kulturellen Formation" und der Art und Weise der Vereinnahmung, wie auch der langfristigen Auswirkungen, die sich damit für die jeweiligen Kulturen ergaben.
2 Die Plünderung von Konstantinopel 1204
2.1 Die historische Situation
2.1.1 Die Rückeroberung des Heiligen Landes
Mit den drei ersten Kreuzzügen 11 war es den europäischen Kreuzfahrern zunächst gelun- gen, die Heiligen Stätten zu erobern und dort das Königreich Jerusalem, das Fürstentum An- tiochia und die Grafschaften Edessa und Tripolis zu gründen. Mit zunehmender Zeit gerieten diese Kreuzfahrerstaaten in Bedrängnis. Auf lange Sicht konnte auch mit militärischen Mit- teln der Bestand nicht mehr gesichert werden, so dass es zu Rückeroberungen durch die mus- limische Seite kam. Jerusalem fiel zurück an die Heiden. Zudem war es während der Kreuz- züge immer wieder zu Spannungen zwischen den Kreuzfahrerstaaten und den Herrschern von Konstantinopel gekommen. Der 4. Kreuzzug (1202-1204) zielte – über die geplante stra- tegische Einnahme Ägyptens - zunächst auf die Wiedereroberung Jerusalems.
2.1.2 Der Vierte Kreuzzug
Aufgrund zahlreicher politischer, finanzieller, vertraglicher und auch ideologischer Ver- flechtungen wurde der Vierte Kreuzzug von seinem ursprünglichen Ziel Ägypten bzw. Jeru- salem abgelenkt und es kam zu der Eroberung Konstantinopels, mit der anschließenden Machtübernahme der Kreuzfahrer und der Gründung des Lateinischen Reiches 12 auf dem Boden des vorherigen Byzantinischen Reiches. 13 Die Europäer, das waren in diesem Falle die "Phrangisker" 14 , die Venezianer, die Italie- ner und die Deutschen 15 - die Orientalen waren die sich durch die Kultur und (griechische)
11 1095-1099, 1144/1147-1149, 1189-1192.
12 Ausführlichere Darlegungen finden sich bei den zeitgenössischen Schreibern VILLEHARDOUIN, PAIRIS, CHO- NIATES, u.a. Aufgrund der Fülle des Materials und der teils kontroversen wissenschaftlichen Diskussion um einzelne Punkte kann hier eine ausführliche Darstellung der Hintergründe und des Werdegangs nicht erfolgen. Die Eroberung und Plünderung Konstantinopels ist damit der archimedische Punkt für die Betrachtung des Ge- schehens.
13 Konstantinopel (früheres Byzanz, heutiges Istanbul) war die Hauptstadt des Oströmischen bzw. Byzantini- schen Reiches. "Die Bezeichnung 'Byzantinisches Reich' für dieses Staatsgebilde wurde im 16. Jahrhundert von Historikern eingeführt." Und zwar wurde durch Hieronymus Wolf der gebräuchliche Name "'Basileía ton Rho- maíon' (Königreich der Römer) durch den kurzen Begriff 'Byzanz'" ersetzt. Siehe WAMSER, S. 1 und 399. 14 Bezeichnung für die Franzosen bei CHONIATES.
15 Die einzelnen Teilnehmer finden sich, teils namentlich konkret benannt, u.a. bei VILLEHARDOUIN, CLARI und PAIRIS aufgeführt
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Sprache abgrenzenden "Rhomäer" 16 oder "Rhomaioi" 17 , gegen die sich der Kreuzzug nun in letzter Konsequenz wandte.
Nachfolgend soll die Wahrnehmung auf die Sicht und Darstellung einiger Akteure 18 ge- lenkt werden. Auf Seiten der Kreuzfahrer, mit dem Chronisten und Sénéchal de Champagne, Geoffroi VILLEHARDOUIN und dem Ritter Robert de CLARI; auf Seiten der Byzantiner mit dem zeitgenössischen byzantinischen Historiker und Theologen Nicetas CHONIATES.
2.1.3 Die Darstellung des Biblischen und Orientalischen in westlichen Illustrati-
onen und Schriften
Mit EDBURY lässt sich die Einleitung dieser Themenstellung wiedergeben:
"The fact is that the Gesta Francorum stands at the head of a tradition of writing about the crusades that seeks to portray the Byzantines in an extremely poor light – they are weak, treacherous and undependable – and most later Latin narratives either directly or indirectly take their cue from this source." 19 Dieses Bild findet sich in der zeitgenössischen Literatur weit verbreitet. So berichtet auch KINDLIMANN über stereotype Vorurteile, die sich schon bei Notker Balbulus fanden und die bei Albert von Aachen, Liudprand von Cremona und vielen anderen, bis hin zu Wilhelm von Tyrus, die Rivalität in der Zeit der Kreuzzüge zwischen Franken und Byzantinern immer wieder zum Ausdruck brachten. 20 Andererseits wirkte die zeitgenössische byzantinische Kunst Impuls gebend auf die west- lichen Darstellungsweisen ein, und bewirkte im folgenden 13. und 14. Jahrhundert eine stär- kere Authentifizierung der Wiedergabe von Zeit und Ort biblischer oder antiker Szenarien, sei es durch die "Benutzung byzantinischer Vorlagen, eine Charakterisierung einzelner Figu- ren oder Gruppen als orientalisch und eine Darstellung von bestimmten Bauten". 21
2.1.4 Reliquien und die Aneignung des Heiligen
Konstantinopel hatte in seiner Stadtgeschichte, aber auch als Kapitol des Oströmischen bzw. Byzantinischen Reiches bereits selbst eine intensive Sammlungspolitik in Bezug auf Gegenstände des religiösen und kulturellen Lebens entwickelt. So wurden in der Stadt eine Vielzahl von Reliquien gehortet und verehrt, aber auch eher außergewöhnliche Heiltümer, wie bspw. das Mandylion 22 , welches wenige hundert Jahre zuvor aus Edessa nach Konstanti-
16 So die Übersetzung für CHONIATES Selbstbezeichnung der Bewohner Konstantinopels/Byzanz. 17 Siehe WAMSER, S. 35.
18 In dieser Hausarbeit wird nicht unmittelbar auf Originalschriften, sondern auf die in der Literaturliste aufge- führten Übersetzungen und Textausgaben bzw. Sekundärliteratur zurückgegriffen.
19 EDBURY, S. 29, verweisend auf einen hier unberücksichtigten Artikel von J. France.
20 Mit zahlreichen Quellenangaben: KINDLIMANN, S. 10-14, 69, 74, 176, 188-197 u. öfter. 21 Dazu ausführlicher bei HAUSHERR, S. 19-22; Zitat: S. 21.
22 Hierüber berichtet Robert de CLARI und auch Nikolaus MESARITES. Einen Text des letzteren findet man in BELTING, S. 584 (dort als Auszug aus "F. Grabler: Byzantinische Geschichtsschreiber").
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Quote paper:
Marion Röbkes, 2008, Die europäische Vereinnahmung orientalischer Kulturen in Mittelalter und Früher Neuzeit anhand zweier historischer Beispiele, Munich, GRIN Publishing GmbH
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