Vorwort
Vorwort
Eine akademische Abschlussarbeit zu verfassen ist in der Regel ein Prozess, in dessen Verlauf viele Klippen zu umschiffen sind. Auch die vorliegende Diplomarbeit bildet hier keine Ausnahme. Aus diesem Grund möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, einigen Personen zu danken, die mich bei der Entstehung dieser Arbeit unterstützt haben.
Zunächst gilt der Dank meinen beiden Betreuern - Professor Dr. Wolfgang Seibel und Professor Dr. Wilhelm Kempf. Durch ihre Bereitschaft mein Thema mitzubetreuen haben sie mir den erfolgreichen Abschluss meines Studiums erst ermöglicht. Professor Seibel ist durch seine unkomplizierte Art und seine vielfältigen Forschungsschwerpunkte der ideale Erstgutachter für diese Arbeit. Herr Professor Kempf hat trotz eines Forschungssemesters und der Tatsache, dass ich nicht aus dem Fachbereich Psychologie stamme, ohne zu zögern das Zweitgutachten übernommen. Dies ist auch an einer „Elitehochschule“ leider nicht selbstverständlich.
Während der konzeptionellen Phase, der Inhaltsanalyse sowie während des Schreibprozesses war eine Person immer an meiner Seite: meine Freundin Melli. Sie war sozusagen der Fels in der Brandung, die manchmal durchaus tosend war. Ihre unendliche Geduld mit mir, ihre hilfreichen Tipps sowie ihre moralischen Aufbauleistungen in schwierigen Phasen waren einfach heldenhaft.
Weiterhin möchte ich die anderen Mitstreiter unserer Clique nicht unerwähnt lassen, die mit mir dieses Studium durchgezogen haben: Becci, Isa, Fabi, Christian, Sascha, Benni T., und Benni S.. Sie haben die tiefsten Tiefs erträglich gemacht und die höchsten Hochs erst zu diesen gemacht.
Diese Arbeit bildet den Abschluss meines Studiums in Konstanz, das immerhin über 5 Jahre in Anspruch genommen hat. Ich nehme das zum Anlass meinen Eltern zu danken, die mir in all den Jahren nicht nur finanziell unter die Arme gegriffen, sondern mich auch von Beginn an vielfältig unterstützt haben. Außerdem haben sie auch bei der Korrektur dieser Diplomarbeit durch hilfreiche Tipps und Anregungen zu ihrem Gelingen beigetragen.
I
English Abstract
The Darfur conflict in view of the international press -A comparative content analysis of press coverage in international daily newspapers
Abstract
This diploma thesis deals with the international media’s perception of one of Africa’s bloodiest conflicts of the recent past: the atrocities in the province of Darfur in Western Sudan. In the course of this thesis two main objectives are achieved.
Firstly, it will provide the reader with an introduction to one of the world’s worst intrastate conflicts, its historic and current developments. The opening chapter therefore takes a historic perspective to reveal the complex roots of the crisis. It is based on a thorough investigation of the relevant literature about the Sudan in general and about Darfur in particular.
Secondly, the media coverage of the Darfur conflict in international daily newspapers is examined. This examination is based on a two phase content analysis. The first phase is a frequency analysis which measures the intensity of media coverage in 11 international newspapers between January 2004 and August 2007. The second phase is a frame analysis which uncovers specific frames in 3 international newspapers between March 2006 and August 2007.
The results of the content analysis give a comprehensive overview of the international press coverage of the conflict in Darfur. The outcomes of the frequency analysis illustrate on the one hand that the variations of the intensity of media coverage can be explained against the background of the actual incidents in Darfur. The frame analysis on the other hand identifies two dominant media frames within international press coverage. The first frame highlights China’s critical role in the process of conflict resolution in the Darfur region by pointing out the strong economic and political ties between China and the Sudanese regime. The second one is labelled “Genocide and the international responsibility” and shows that the conflict in Darfur is meanwhile mainly uniformly perceived as genocide by the international media. Furthermore the responsibility of the international community to protect the people in Darfur is addressed. The findings of the frame analysis show that the international newspapers use similar frames to report about the conflict. Based on the theoretical assumptions deducted from the relevant literature one can therefore theorise that homogenous media coverage of the Darfur conflict can be one of the explaining factors behind increased international pressure to solve the crisis.
II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Vorwort I
Abstract II
Inhaltsverzeichnis........................................................................................................... III
Tabellenverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis. V
Abk ürzungsverzeichnis. VI
1. Einleitung 1
1.1 Ausgangslage 1
1.2 Theoretischer Kontext 2
1.3 Problemstellung 4
1.4 Zielsetzung. 5
1.5 Methodische Vorgehensweise. 5
1.6 Aufbau der Arbeit. 7
2. Der Sudan und die Krise in Darfur. 9
2.1 Der Sudan - allgemeine Daten 9
2.2 Sudan - a history of war and conflict 12
2.2.1 Die koloniale Vergangenheit des Sudans 12
2.2.2 Von der Unabhängigkeit bis zum zweiten Bürgerkrieg. 13
2.2.3 The fragile peace - das CPA-Abkommen von 2005 15
2.3 Die Provinz Darfur und die Entwicklung des Konflikts. 16
2.3.1 Allgemeine Daten. 16
2.3.2 Historische Entwicklung und Konfliktursachen 18
2.3.3 Genese und Verlauf des Konflikts seit 2003 20
2.4 Zusammenfassung. 23
3. Forschungsstand, theoretische Grundlagen und Forschungsannahmen 25
3.1 Das Verhältnis von Medien und Politik im Allgemeinen 26
3.2 Medien und Außenpolitik 27
3.3 Das Policy-Media-Interaction-Modell 31
3.4 Agenda-Setting 34
3.5 Framing und Second-Level Agenda-Setting 38
3.6 Zusammenfassung. 41
III
Inhaltsverzeichnis
4. Methodische Vorgehensweise 42
4.1 Datenquellen und Untersuchungszeitraum. 43
4.1.1 Datenquellen und Untersuchungszeitraum bei der Frequenzanalyse. 43
4.1.2 Datenquellen und Untersuchungszeitraum bei der Frame-Analyse 45
4.2 Datenerhebungs- und Datenanalyseverfahren 46
4.2.1 Die Inhaltsanalyse als sozialwissenschaftliche Methode 46
4.2.2 Ziele, Vorteile und Probleme von Inhaltsanalysen 47
4.2.3 Frequenzanalyse 49
4.2.4 Frame-Analyse. 53
4.3 Zusammenfassung. 56
5. Auswertung und Interpretation der Inhaltsanalysen 57
5.1 Ergebnisse der Frequenzanalyse: Intensität der Presseberichterstattung im
Zeitverlauf. 57
5.1.1 Januar 2004 bis Dezember 2005 58
5.1.2 Januar 2006 bis August 2007. 62
5.2 Ergebnisse der Frame-Analyse 67
5.2.1 Medien-Frames der Darfur-Berichterstattung 67
5.2.1.1 „China und Darfur : Öl, Waffen und die olympischen Spiele 68
5.2.1.2 „Genozid und die internationale Verantwortung“ 71
5.2.2 Vergleich der Medien-Frames im gesamten Untersuchungszeitraum. 73
5.2.2.1 Der Frame „China und Darfur“ im Vergleich 73
5.2.2.2 Der Frame „Genozid und die internationale Veranwortung“ im
Vergleich 79
6. Zusammenfassung, kritische Würdigung und Ausblick 84
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse. 84
6.2 Kritische Würdigung 86
6.3 Forschungsausblick 88
Anhang 1: Tabellarische Chronologie des Darfur Konflikts seit 2003. 91
Anhang 2: Frame „China und Darfur 92
Anhang 3: Frame „Genozid und die internationale Verantwortung“ 102
Anhang 4: Chinesische Beteiligungen an sudanesischen Ölfeldern 114
Literaturverzeichnis. 115
IV
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Policy-Media-Interaction-Modell. 33
Tabelle 2: Analysierte Tageszeitungen im Rahmen der Frequenzanalyse 44
Tabelle 3: Checkliste für die Qualitätskontrolle der Frequenzanalyse. 52
Tabelle 4: Checkliste für die Qualitätskontrolle bei der Frame-Analyse 55
Tabelle 5: Beispiele für den Frame "China und Darfur" 78
Tabelle 6: Beispiele für den Frame "Genozid und die Verantwortung der internationalen
Gemeinschaft " 83
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Argumentationslogik der Studie von Jäger und Viehrig (2005) 4
Abbildung 2: Argumentationslogik der Vermutung dieser Diplomarbeit 5
Abbildung 3: Übersichtskarte Sudan 11
Abbildung 4: Die sudanesische Provinz Darfur 17
Abbildung 5: Agenda-Setting-Funktion der Medien 37
Abbildung 6: Die zwei Phasen der inhaltsanalytischen Untersuchung. 42
Abbildung 7: Aufbau der Frequenzanalyse. 51
Abbildung 8: Aufbau der Frame-Analyse. 54
Abbildung 9: Darfur-Berichterstattung in amerikanischen Zeitungen Jan 04 - Dez 05 59
Abbildung 10: Darfur-Berichterstattung in britischen Zeitungen Jan 04 - Dez 05. 60
Abbildung 11: Darfur-Berichterstattung in deutschen Zeitungen Jan 04 - Dez 05 61
Abbildung 12: Darfur-Berichterstattung in französischen Zeitungen Jan 04 - Dez 05 62
Abbildung 13: Darfur-Berichterstattung in amerikanischen Zeitungen Jan 06 - Aug 07 64
Abbildung 14: Darfur-Berichterstattung in britischen Zeitungen Jan 06 - Aug 07 65
Abbildung 15: Darfur-Berichterstattung in deutschen Zeitungen Jan 06 - Aug 07. 66
Abbildung 16: Darfur-Berichterstattung in französischen Zeitungen Jan 06 - Aug 07 67
Abbildung 17: Frame "China und Darfur" im Vergleich März 06 - Aug 07 74
Abbildung 18: Kategorien des Frames "China und Darfur" im Vergleich. 76
Abbildung 19: Frame "Genozid und die internationale Veranwortung" im Vergleich
M ärz 06 - Aug. 07 79
Abbildung 20: Kategorien des Frames "Genozid und die internationale Veranwortung"
im Vergleich. 81
V
Kapitel 1: Einleitung
1. Einleitung
1.1 Ausgangslage
Bis vor einigen Jahren war die Region Darfur im Westen des Sudans den meisten Menschen unbekannt. Diese entlegene Provinz im flächenmäßig größten Staat Afrikas war keine Nachricht wert. Wenn der Sudan überhaupt in die Schlagzeilen der Presse kam und so das Bewusstsein der Bevölkerung erreichte, dann durch die Berichterstattung über den seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden des Landes. Im Großen und Ganzen spielten die dortigen Ereignisse auf internationaler Ebene jedoch eine eher untergeordnete Rolle. Obwohl gewalttätige Auseinandersetzungen auch in Darfur in der Geschichte eher die Regel als die Ausnahme darstellen, erlangte der Konflikt erst mit der sich immer weiter zuspitzenden Krise zu Beginn des Jahres 2003 schlagartig weltweite mediale und politische Aufmerksamkeit. Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Zentralregierung in Khartoum und verschiedenen Rebellengruppierungen waren von Beginn an gekennzeichnet durch extreme Brutalität auf beiden Seiten. Insbesondere die von der Regierung unterstützten Milizen Janjaweed gingen dabei immer wieder mit äußerster Härte gegen die Zivilbevölkerung vor. Knapp 10 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda regte sich daraufhin langsam das Gewissen der Weltöffentlichkeit. Darfur hat sich seinen Platz auf der internationalen politischen Landkarte im wahrsten Sinne des Wortes „erkämpft“. Inzwischen ist Darfur weltweit zum Synonym für Menschenrechtsverletzungen, Massenvertreibungen und gewalttätige Übergriffe gegenüber der Zivilbevölkerung geworden.
1 Zitiert nach Cate (2002).
1
Kapitel 1: Einleitung
Trotz dieser gestiegenen medialen und politischen Aufmerksamkeit fehlte es lange Zeit an einer gemeinsamen internationalen Anstrengung zur Lösung der Krise (Jäger & Viehrig 2005: 10). Die gemeinsamen Bemühungen von Afrikanischer Union und Vereinten Nationen führten im Mai 2006 zwar zur Unterzeichnung des Darfur-Peace-Agreements (DPA). Das Abkommen brachte jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse und konnte eine weitere Eskalation des Konflikts nicht verhindern. In der Folge wurden die internationalen Anstrengungen verstärkt und die Vereinten Nationen verabschiedeten am 31.07.2007 die Resolution 1769. Diese Resolution bereitete den Weg für die Entsendung der größten Friedensmission in der Geschichte der Vereinten Nationen (United Nations African Union Mission in Darfur: UNAMID), deren Entsendung seit Beginn des Jahres 2008 im Gang ist. Parallel zu dieser verstärkten politischen Auseinandersetzung mit dem Sudan-Konflikt beschäftigen sich inzwischen auch zunehmend wissenschaftliche Studien mit seiner Problematik. Ein Bereich dieser Forschungsanstrengungen bezieht sich dabei auf die mediale Wahrnehmung der Darfur-Krise und deren Auswirkungen auf die damit verbundenen außenpolitischen Entscheidungsprozesse (vgl. z. B. Jäger & Viehrig 2005, Kim et al. 2007). Weitere Untersuchungen zum Einfluss der Medien auf die Politik im Allgemeinen und deren Rolle bei Entscheidungen über internationale Interventionen im Besonderen werden jedoch von der Forschung für notwendig erachtet (Schulz 1997: 240, Robinson 2002: 23).
1.2 Theoretischer Kontext
Das Verhältnis von Massenmedien und Politik stellt einen zentralen Forschungszweig in den Politik- und Kommunikationswissenschaften dar. Im Vordergrund der Untersuchungen stehen dabei die wechselseitige Beeinflussung und zunehmende Kopplung von Medien und Politik (Schulz 1997: 11, Wittkämper 1992). Generell lassen sich zwei Grundpositionen unterscheiden. Zum einen sind es Untersuchungen, die ihren Blickwinkel auf die Instrumentalisierung der Medien durch die Politik richten (vgl. Instrumentalisierungsthese bei Schulz 1997: 25, Schatz 1982) und zum anderen handelt es sich um Studien, welche die Abhängigkeit der Politik von den Medien thematisieren (vgl. Dependenzthese bei Schulz 1997: 24, Kepplinger 1983).
2
Kapitel 1: Einleitung
Folgt man der Argumentation der Dependenztheorie, so sind Medien nicht rein passive Vermittler von politischen Informationen; vielmehr können sie als aktives Element innerhalb des politischen Prozesses betrachtet werden (Eilders 2001: 1 f.). Die politische Wirklichkeit existiert damit nicht unabhängig von den Medien, sondern wird durch diese stark geprägt. Dieser Sachverhalt weist auf eine zentrale Bedeutung der Medien als politischen Machtfaktor hin (Kepplinger 1983: 61). In diesem Zusammenhang verweisen unter anderem auch Stober (1992: 29) und Meyn (2001: 35) auf die Fähigkeit der Medien, die öffentliche Meinungs- und Willensbildung zu beeinflussen.
Dabei beschränkt sich die Einflussnahme der Medien nicht nur auf innenpolitisch relevante Themenbereiche, sondern erstreckt sich auch auf außenpolitische Entscheidungsprozesse (Kepplinger 1983: 57, Wittkämper 1992: 151 f.). Die zunehmende Bereitschaft der internationalen Staatengemeinschaft, sich aktiv in Krisengebieten wie in Darfur zu engagieren, stellt eine Entwicklung innerhalb der internationalen Außenpolitik seit dem Ende des Kalten Krieges dar. Ein Beleg dafür kann in der Zunahme von militärischen und humanitären Interventionen gesehen werden. So ist die Zahl der Peacekeeping-Missionen der Vereinten Nationen um ein Vielfaches gestiegen (Yannis 2002: 826). Auf Grund ihrer spezifischen Nachrichtenfaktoren stehen Konflikte häufig im Zentrum der Medienberichterstattung (vgl. u. a. Schulz 1976, Eilders 1996). Jedoch wird nicht mit der gleichen Intensität über die jeweiligen Krisenregionen berichtet. Die Medien besitzen hier eine Agenda-Setting-Funktion. Grundannahme des Agenda-Setting-Ansatzes ist es, dass die Massenmedien die Themen, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden,
mitbestimmen. Durch diese Thematisierungsfunktion beeinflussen sie nicht nur die Aufmerksamkeit, das Wissen und das Problembewusstsein der Öffentlichkeit gegenüber bestimmten Ereignissen, sondern auch das der politischen Entscheidungsträger (Burkart 1998: 247, Schenk: 2002: 404). Daraus folgt, dass jene Konflikte, die eine hohe mediale Präsenz aufweisen, auch eine höhere außenpolitische Priorität erlangen. Die stärkere nationale Auseinandersetzung mit diesen Konflikten löst jedoch nicht automatisch eine gemeinsame politische Aktion der internationalen Staatengemeinschaft aus. Internationale Interventionen kommen nur dann zustande, wenn ein gemeinsames internationales Vorgehen koordiniert werden kann. Dies ist dann der Fall, wenn der Konflikt international einheitlich
3
Kapitel 1: Einleitung
wahrgenommen wird und ein Konsens über den zu wählenden Lösungsansatz besteht. Um das zu verwirklichen, bedarf es einer homogenen Berichterstattung durch die Medien (Jäger & Viehrig 2005: 10 f.).
1.3 Problemstellung
Ausgangspunkt der Überlegungen zu dieser Diplomarbeit bildet die Studie von Jäger und Viehrig (2005), die sich mit der medial vermittelten Interpretation der Darfur-Krise im internationalen Vergleich beschäftigt. Zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die Erkenntnis, dass die internationale Presseberichterstattung über den Sudan im Zeitraum von September 2003 bis August 2004 heterogen war. Dies führte gemäß den Autoren zu einer international uneinheitlichen Wahrnehmung der Krise. Auf Grund dessen konnte sich nach Jäger und Viehrig (2005) kein Handlungsdruck zur Durchführung einer gemeinsamen und entschlossenen internationalen Intervention aufbauen. Abbildung 1 stellt die Argumentationslogik dieser Studie vereinfacht dar:
Die vorliegende Diplomarbeit bedient sich prinzipiell derselben Argumentationslogik, geht jedoch von einer inzwischen veränderten Ausgangssituation aus. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen der Jahre 2006 und 2007, wie zum Beispiel dem Beschluss zur Entsendung von UNAMID im Juli 2007, lässt sich vermuten, dass sich inzwischen der Handlungsdruck für ein internationales Eingreifen verstärkt hat. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sich die Wahrnehmung der Krise inzwischen international angeglichen hat. Eine Homogenisierung der internationalen Medienberichterstattung könnte ein Faktor sein, der zum Aufbau dieses verstärkten internationalen Handlungsdrucks beigetragen hat. Diese Vermutung wird in dieser Diplomarbeit durch eine Analyse der Berichterstattung in führenden internationalen
4
Kapitel 1: Einleitung
Tageszeitungen untersucht. Abbildung 2 gibt eine schematische Darstellung der Argumentation, die dieser Vermutung zu Grunde liegt:
1.4 Zielsetzung
Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Konflikt in der westsudanesischen Provinz Darfur und dessen medialer Darstellung in internationalen Tageszeitungen. Dabei werden im Laufe der Arbeit zwei Hauptziele verfolgt: Zunächst liefert die Diplomarbeit eine detaillierte Darstellung der historischen Wurzeln des Konflikts sowie seines Verlaufs von Januar 2003 bis August 2007. Dadurch werden die notwendigen Grundlagen für das Verständnis der Darfur-Krise geschaffen. Das Ziel des empirischen Teils der Diplomarbeit ist die Prüfung, ob sich in der Presseberichterstattung zum Thema Darfur in internationalen Tageszeitungen eine Unterstützung der o. g. Vermutung nachweisen lässt. Im Fokus stehen dabei die Intensität der Berichterstattung im Zeitverlauf sowie die Identifizierung von sogenannten Frames 2 in den internationalen Tageszeitungen und deren Untersuchung auf quantitative und inhaltliche Homogenität.
1.5 Methodische Vorgehensweise
Die theoretische Grundlage der Diplomarbeit bilden Ansätze aus den Medien- und Kommunikationswissenschaften. Diese werden herangezogen, um Annahmen über das Verhältnis von Medien und Politik abzuleiten und so einen analytischen Bezugsrahmen für die anschließende Inhaltsanalyse zu bilden. Ausgehend von Literatur über Dependenz- und Instrumentalisierungthese wird mit Hilfe des von
2 Zur Erklärung des Framing-Konzepts und dessen Verwendung im Rahmen der Diplomarbeit siehe Abschnitt 1.5 sowie Abschnitt 3.5.
5
Kapitel 1: Einleitung
Robinson (2002) entwickelten Policy-Media-Interaction-Modells dieses
interdependente Verhältnis konkretisiert. Dabei steht in diesem Zusammenhang vor allem der Einfluss der Medien auf außenpolitische Entscheidungsprozesse im Vordergrund. Durch Rückgriff auf die Argumentation des Agenda-Setting-Ansatzes wird verdeutlicht, dass die Medien die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Politik auf bestimmte Themen lenken können. Der Framing-Ansatz wird schließlich benutzt, um festzustellen, ob die Medien die Darfur-Krise in ähnlicher Weise wahrnehmen, thematisieren und darstellen. Die Framing-Theorie geht davon aus, dass Journalisten gegenüber einem Thema oder Ereignis eine spezifische Perspektive einnehmen, die sich in der Art ihrer Berichterstattung widerspiegelt. Frames dienen demnach der Strukturierung der Realität nach bestimmten Mustern bzw. Schemata. Dabei werden bestimmte Aspekte eines Ereignisses in den Vordergrund gestellt und andere vernachlässigt bzw. nicht berücksichtigt (Bonfadelli 2002: 51). Eine homogene Berichterstattung im Sinne der Zielsetzung erfordert somit das Vorhandensein einheitlicher Frames in den internationalen Tageszeitungen.
Den empirischen Teil der Arbeit bildet eine Inhaltsanalyse, die aus zwei Phase besteht. Speziell im Bereich der Medienwissenschaft besitzen Inhaltsanalysen einen hohen Stellenwert, da sie Aussagen über große Textmengen erlauben, die für die Massenmedien typisch sind (Bonfadelli 2002: 53). Zur Überprüfung der Fragestellung werden sowohl quantitative als auch qualitative inhaltsanalytische Methoden angewendet (Früh 1998, Mayring 2003, Merten 1995).
In Phase 1 wird zur Feststellung des Ausmaßes der Presseberichterstattung über die Darfur-Krise zunächst eine quantitative Frequenzanalyse durchgeführt. Diese quantitative Inhaltsanalyse untersucht die Darfur-Berichterstattung in 11 internationalen Tageszeitungen im Zeitraum von Januar 2004 bis August 2007. Damit wird überprüft, ob Unterschiede in Bezug auf die Intensität der Berichterstattung in den ausgewählten Tageszeitungen bestehen. In Phase 2 wird eine Frame-Analyse durchgeführt. Mit Hilfe der Frame-Analyse wird untersucht, ob die ausgewählten Tageszeitungen die Darfur-Krise in einheitlicher Weise wahrnehmen, thematisieren und darstellen und ob somit eine homogene Berichterstattung vorliegt. Die eher qualitativ orientierte Frame-Analyse untersucht Artikel in drei internationalen
6
Kapitel 1: Einleitung
Tageszeitungen im Zeitraum von März 2006 bis August 2007.
1.6 Aufbau der Arbeit
Die Diplomarbeit gliedert sich in 6 Hauptkapitel, deren inhaltliche Schwerpunkte im Folgenden dargestellt werden.
Die Einleitung in Kapitel 1 liefert zunächst eine thematische Hinführung auf das Thema. Die Relevanz, das Thema Darfur-Konflikt aus einer medien- und politikwissenschaftlichen Perspektive zu betrachten, wird aufgezeigt. Darauf aufbauend werden Problemstellung, Zielsetzung und methodische Vorgehensweise der Diplomarbeit vorgestellt.
Kapitel 2 widmet sich daraufhin der Darstellung des zu untersuchenden Falls. Aus einer historischen Perspektive werden die Entwicklungen im Sudan und in der Region Darfur dargelegt und so die Grundlage für das Verständnis der komplexen Ursachenstruktur des Konflikts geschaffen.
Kapitel 3 stellt die theoretischen Grundlagen dar. Dieses Kapitel integriert Literatur aus den Medien-und Kommunikationswissenschaften sowie den
Politikwissenschaften, um theoretische Annahmen über das Verhältnis von Medien und Politik zu gewinnen. Zunächst wird dabei das Verhältnis von Medien und Politik beleuchtet, um die wichtige Rolle der Medien im politischen Prozess aufzuzeigen. Anschließend wird dieser Aspekt auf die Außenpolitik übertragen. Das Policy-Media-Interaction-Modell klärt die Bedingungen, unter denen Medien einen Einfluss auf die Politik haben können. Den Abschluss der theoretischen Ausführungen bilden die Abschnitte zur Agenda-Setting-Funktion der Massenmedien und zum Framing-Ansatz.
In Kapitel 4 werden das Forschungsdesign sowie die Durchführung des Forschungsprozesses aufgezeigt. Im Fokus steht dabei die methodische Vorgehensweise bei den zwei Phasen der Inhaltsanalyse - Frequenz- und Frame-Analyse.
Kapitel 5 dient der Präsentation und Interpretation der Ergebnisse der beiden Phasen
7
Kapitel 1: Einleitung
der Inhaltsanalyse.
Abschließend liefert Kapitel 6 eine zusammenfassende Schlussfolgerung sowie einen Ausblick auf die zukünftig nötigen Forschungen auf diesem Gebiet. Eine kritische Würdigung der Studie und Hinweise zum methodischen Vorgehen ergänzen dieses Kapitel.
8
Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
2. Der Sudan und die Krise in Darfur
Die Krise in der sudanesischen Region Darfur kann nur verstanden werden, wenn man sie aus einer historischen Perspektive betrachet, die neben den Entwicklungen in Darfur auch diejenigen im gesamten Sudan mit einbezieht. Kapitel 2 dient zunächst als Einführung in die konfliktträchtige Geschichte des Sudans. Deshalb werden nach einer kurzen Einführung in Geographie und ethnische Zusammensetzung die wichtigsten Stationen der historischen Entwicklung des Sudans präsentiert. Die Abschnitte 2.1 und 2.2 liefern somit die Hintergrundinformationen für das Verständnis des Konflikts in Darfur. Darauf aufbauend richtet sich der Fokus in Abschnitt 2.3 direkt auf die Konfliktregion Darfur. Dabei wird zunächst durch Rückgriff auf die Geschichte Darfurs die komplexe Ursachenstruktur skizziert. Im Anschluss zeichnet dieser Abschnitt die Chronologie der Ereignisse in Darfur in der Zeit von Mai 2003 bis Juli 2007 nach. Abschließend gibt Abschnitt 2.4 eine zusammenfassende Bewertung der Entwicklungen.
2.1 Der Sudan - allgemeine Daten
Der Sudan ist mit einer Fläche von ca. 2,5 Millionen km² das größte Land Afrikas und das zehntgrößte Land der Erde. Auf Grund der großen Nord-Süd-Ausdehnung von 2100 km finden sich im Sudan drei Klimazonen: im Nordern herrscht arides Wüstenklima vor, der Zentralsudan ist charakterisiert durch trockenheißes Steppenklima und der Süden ist durch Savannenklima geprägt (Willand und Russ 2005: 7). Die ca. 35-40 Millionen Einwohner verteilen sich auf zahlreiche ethnische Gruppen, die insgesamt mehr als 100 Sprachen sprechen und verschiedenen Religionen angehören. Die Mehrheit der Bevölkerung (ca. 65%) ist muslimischen
9
Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
Glaubens und spricht arabisch. 3 Anhänger verschiedener Naturreligionen (Animisten) und Christen bilden die Minderheit im Sudan. Ungefähr 50% der Bevölkerung sind Schwarzafrikaner und weitere ca. 40% sind arabischer Abstammung. Die geographische Lokalisierung der Ethnien im Sudan stellt sich wie folgt dar (Auswärtiges Amt 2008):
• im Norden dominiert die arabisch-islamische Bevölkerungsgruppe; einige nubische Stämme bilden die Minderheit.
• im Osten leben vor allem Stämme der Rasheida- und Beja, die im Zuge von Migrationsbewegungen im 19. Jh. aus Saudi-Arabien zuzogen.
• im Westen leben nomadische Stämme der Beggara, Fur, Zaghawa sowie die schwarzafrikanische Bevölkerungsgruppe der Nuba. Diese Stämme sind ebenfalls mehrheitlich muslimischen Glaubens.
• im Zentrum des Landes sowie im Südsudan überwiegen Anhänger von Naturreligionen und Christen, die den Volksgruppen der Dinka, Nuer und Shilluk angehören und zu den nilotischen Stämmen gezählt werden.
Wie diese Darstellung der komplexen ethnischen Zusammensetzung des Landes zeigt, liegt das Land an der Grenze zwischen dem schwarzen Afrika und der arabischislamischen Welt (Falkenstörfer 1993: 1). Diese wichtige geostrategische Lage weist dem Sudan eine Brückenfunktion zu, die sich auch in der wechselhaften Geschichte des Landes widerspiegelt (siehe Abschnitt 2.2).
3 Je nach Definition werden zwischen ca. 20 und mehr als 500 ethnischen Gruppierungen unterschieden (Öhm 2005: 151, Abdelrahman 2005: 6). Die Einwohnerzahl ist auf Grund der jahrzehntelang andauernden Konflikte schwierig zu bestimmen. Sie schwankt von ca. 35 Millionen bis 40 Millionen (CIA the World Fact Book 2008).
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Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
Abbildung 3 zeigt eine Übersichtskarte des Sudans mit den Landes- und Provinzgrenzen:
Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
2.2 Sudan - a history of war and conflict 4
Die Geschichte des Sudans ist seit jeher geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen, Besatzung und innerstaatlichen Konflikten. Viele aktuelle Probleme des Sudans haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Aus diesem Grund skizziert dieser Abschnitt die wesentlichen Passagen der historischen Entwicklung des Sudans - von den Anfängen kolonialer Besatzung (Abschnitt 2.2.1) über die Zeit der beiden Bürgerkriege (Abschnitt 2.2.1) bis zu den heutigen Konfliktlinien (Abschnitt 2.2.3).
2.2.1 Die koloniale Vergangenheit des Sudans
Der Staat Sudan in seinen jetzigen Grenzen ist ein Produkt seiner wechselhaften kolonialen Vergangenheit. Im Jahr 1821 eroberte der ägyptische Vizekönig Muhammad Ali Pascha den Sudan. 5 Die türkisch-ägyptische Herrschaft verschärfte die bis heute bestehende Trennung zwischen dem Norden und Süden des Landes, da zu dieser Zeit die Unabhängigkeit der südsudanesischen Stämme unterminiert wurde und der Süden stark unter der massiven Ausweitung des Sklavenhandels litt (Verney 1995: 11, Johnson 2004: 6). Sklavenhandel, Korruption und wirtschaftliche Ausbeutung charakterisierten die Zeit der türkisch-ägyptischen Herrschaft im Sudan und bereiteten den Weg für eine antikoloniale Bewegung unter Führung von Muhammad Ahmad in den 1880er Jahren, die auch als Mahdi-Aufstand bezeichnet wird (Idris 2006: 31). Die Besatzungsmächte wurden zurückgedrängt und die Mahdisten errichteten daraufhin das Kalifat von Omdurman, das ca. 15 Jahre Bestand hatte. In den 1890er Jahren begann die Rückeroberung des Sudans durch die Kolonialmächte. In der Schlacht von Omdurman 1898 besiegte das britischägyptische Expeditionskorps schließlich die Armee der Mahdisten und begründete
4 In dieser Arbeit wird die Geschichte des Sudans nur in groben Zügen abgehandelt, da der Fokus der Arbeit im politik- und kommunikationswissenschaftliche Bereich liegt und nicht im geschichtswissenschaftlichen. Weitere Ausführungen zur historischen Entwicklung finden sich u. a. bei Holt und Daly (1994), Daly (1986 und 1991) sowie bei Khalid (2003).
5 Offiziell gehörte Ägypten zu dieser Zeit dem Osmanischen Reich an. Deshalb spricht man von türkisch-ägyptischer Herrschaft über den Sudan. De facto war Ägypten weitgehend emanzipiert vom osmanischen Reich.
12
Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
damit das sogenannte britisch-ägyptische Kondominium 6 im Sudan. Offiziell handelte es sich dabei um die gemeinsam ausgeübte Verwaltung des Territoriums; de facto war der Sudan jedoch britische Kolonie, da Ägypten ebenfalls unter der Herrschaft Großbritanniens stand (Abdelrahman 2005: 8). Ähnlich wie im Fall der türkischägyptischen Administration führte die Zeit unter britischer Herrschaft dazu, dass Norden und Süden des Landes weiter voneinander isoliert wurden. Dies ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die britische Kolonialpolitik im Süden anders ausgestaltet war als im Norden. Der Höhepunkt dieser „Southern Policy“ war die sogenannte „Closed District Ordinance“, die den Zugang zum Südsudan stark beschränkte (Johnson 2004: 9; Verney 1995: 11). Noch vor Beginn der sudanesischen Unabhängigkeit 1956 verschärften sich die Gegensätze zwischen den Regionen des Landes weiter. Die inneren Spannungen bezogen sich auf die künftige Struktur der sudanesischen Verfassung und insbesondere auf die Frage, ob dem Süden und anderen Regionen eine gewisse Form der Autonomie vom dominierenden Norden des Landes gewährt werden sollte (Verney 1995: 12). Als Beginn des ersten sudanesischen Bürgerkriegs kann der Aufstand südsudanesischer Truppen in Torit 1955 gesehen werden (Abdelrahman 2005: 15).
2.2.2 Von der Unabhängigkeit bis zum zweiten Bürgerkrieg
1956 wurde der Sudan als erster afrikanischer Staat von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen (Tetzlaff 1993: 2). Allerdings war dieser Schritt weniger ein Resultat gezielter nationaler Mobilisierung gegen die britische Kolonialherrschaft, sondern vielmehr eine Konsequenz aus dem Konflikt zwischen Ägypten und Großbritannien über den zukünftigen Status des Sudans nach dem 2. Weltkrieg (Johnson 2004: 21).
Im Rahmen der politischen Dekolonisation wurde die Zentralverwaltung hauptsächlich an nordsudanesische Eliten übergeben, was die Gräben zwischen Norden und Süden weiter vertiefte. 1958 übernahm eine Militärregierung unter General Abboud die Kontrolle und verfolgte eine Politik der Arabisierung und Islamisierung des Südens.
6 Als Kondominium wird die auf einvernehmlicher Grundlage beruhende gemeinsame Ausübung der Gebietshoheit über ein Territorium durch zwei oder mehrere Staaten bezeichnet.
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Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
Die Situation zwischen dem Norden und Süden des Landes verschlechterte sich weiter, und immer häufiger entluden sich die Spannungen in gewalttätigen Aktionen der Guerilla-Gruppierung Anyanya gegen die Armee und repressiven Maßnahmen der Militärregierung gegen die Zivilbevölkerung (Johnson 2004: 31). 1964 trat die Militärregierung nach massiven Protesten zurück und wurde durch schnell wechselne Zivilregierungen ersetzt. Diese politische Instabilität der folgenden Jahre nutzte Oberst Numeiri 1969 zu einem erneuten Staatsstreich. Der schwelende Konflikt eskalierte zum offenen Bürgerkrieg, der in allen drei südsudanesischen Provinzen tobte und zwischen 500.000 und 700.000 Menschenleben forderte. Erst mit dem Friedensvertrag von Addis Abeba 1972 fand dieser Bürgerkrieg ein vorläufiges Ende (Khalid 2003: 139, Verney 1995: 12). Dieses Abkommen gewährte dem Süden zwar begrenzte regionale Autonomie und erlaubte die Errichtung eines Regionalparlaments für die drei südlichen Provinzen, verhinderte jedoch gleichzeitig eine vollkommene Loslösung des Südens (Verney 1995: 12, Peter 2004: 11). In der Folge erlebte der Sudan eine Periode der relativen Ruhe, die bis Anfang der 80er Jahre andauerte (Khalid 2003: 133). Der Konflikt flammte wieder auf, als die Zentralregierung in Khartoum unter Führung Numeiris zunehmend in die Autonomie des Südens eingriff, das Regionalparlament auflöste und den Südsudan verfassungswidrig in drei Regionen aufteilte, um die Kontrolle über die neu gefundenen Ölvorkommen im Süden zu erlangen. Dieser Bruch des Abkommens von Addis Abeba in Verbindung mit der Einführung des islamischen Rechts - der Sharia - im ganzen Land führten zum Ausbruch des zweiten Bürgerkriegs im Sudan. 1983 wurde die Sudanese People’s Liberation Army (SPLA) von Oberst John Garang gegründet, deren Ziel nicht die direkte Sezession des Südens vom Norden war, sondern die Schaffung eines vereinten, säkularen, föderativen, sozialistischen Sudans mit gleichberechtigten Ethnien (Abdelrahman 2005: 21, Tetzlaff 1993: 77). Zu Beginn waren die Kampfhandlungen zwischen der Volksbefreiungsarmee und der sudanesischen Armee eher beschränkt, weiteten sich jedoch bald zu einem der blutigsten Bürgerkriege des afrikanischen Kontinents aus. Seit dem Militärputsch von 1989 intensivierte die Regierung in Khartoum unter Führung General al-Bashirs die militärischen Aktivitäten und führte erbitterte Kämpfe gegen die verschiedenen südsudanesischen Rebellenorganisationen, insbesondere gegen die SPLA. Vor allem die
Zivilbevölkerung im Süden des Landes litt unter den Grausamkeiten, die von beiden Konfliktparteien verübt wurden. Zusätzlich zu den direkten Opfern des Bürgerkriegs
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Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
addieren sich die Hungertoten der Dürrekatastrophen in den Jahren 1983-1985 sowie 1988/1989 (Tetzlaff 1993: 94). Die Zahl der Todesopfer des zweiten Bürgerkriegs von 1983-2005 kann nicht exakt bestimmt werden und schwankt zwischen knapp einer Million und über 2 Millionen. Die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen wird häufig mit mehr als 4 Millionen angegeben (International Crisis Group 2007 7 ).
2.2.3 The fragile peace - das CPA-Abkommen von 2005
Erst durch internationalen Druck wurden die Bemühungen beider Seiten um ein Friedensabkommen verstärkt (Öhm 2005: 157). Seit 2001 verstärkten die USA ihre aktive Sudanpolitik und setzten das Regime in Khartoum unter Druck, die Verhandlungen mit der SPLA weiterzuführen. Im Juli 2002 begannen die beiden Konfliktparteien, die Rahmenbedingungen eines Friedensprozesses zu skizzieren, die im sogenannten Machakos-Protokoll festgehalten wurden. Der wichtigste Punkt war die Einigung auf ein Referendum über den zukünftigen Status des Südsudans nach einer Übergangsperiode (ICG 2002: 3). In den folgenden zweieinhalb Jahren wurden weitere Teilprotokolle ausgehandelt, die sich unter anderem mit der Zusammensetzung der Armee sowie mit der Ressourcen- und Machtverteilung beschäftigten (Öhm 2005: 154). Im Januar 2005 wurde schließlich das Comprehensive Peace Agreement (CPA) unterzeichnet, das offiziell den seit 1983 andauernden Bürgerkrieg beendete (ICG 2005b: I). Die Umsetzung des Friedensvertrags gestaltet sich aus vielfältigen Gründen jedoch als äußerst schwierig. Die Regierungspartei National Congress Party (NCP) fürchtet eine zunehmende Schwächung ihres Einflusses und verzögert die Implementierung des Abkommens. Die SPLA ist nach dem Tod ihres Anführers John Garang mehr denn je zersplittert und nur bedingt in der Lage, konstruktiv am Friedensprozess mitzuarbeiten. Andere am Konflikt beteiligte Akteure wurden im CPA-Abkommen von vornherein nicht ausreichend mit einbezogen, so dass die Tragfähigkeit des gesamten Abkommens gefährdet wird (ICG 2005a: 1, ICG 2006c: 1).
Während sich der Fokus der Weltöffentlichkeit nun dem seit 2003 eskalierenden Konflikt in der Provinz Darfur zuwendet, ist der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt
7 Publikationen der International Crisis Group werden im Folgenden mit „ICG“ abgekürzt.
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Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
zwischen Zentralregierung und Rebellenorganisationen immer noch weit von einer dauerhaften, friedlichen Lösung entfernt. Ein Scheitern des CPA-Friedensprozesses hätte jedoch auch Auswirkungen auf die anderen Krisenherde des Landes und könnte zu einer weiteren Verschärfung des Darfur-Konflikts beitragen (ICG 2007: 2).
2.3 Die Provinz Darfur und die Entwicklung des Konflikts
2.3.1 Allgemeine Daten
Die sudanesische Provinz Darfur befindet sich im Westen des Sudans und besteht aus den drei Bundesstaaten Nord-, Süd-, und Westdarfur. Auch innerhalb der Darfur-Region lassen sich grob drei unterschiedliche Klimabereiche unterscheiden. Im Norden befindet sich ein selbst von Nomaden kaum besiedelter Trockengürtel, der bis an die libysche Wüste heranreicht. Im Zentrum der Provinz liegt das bis zu 3000m hohe Gebirgsmassiv Dschebel Marra, an dessen Abhängen eingeschränkt sesshafte Bauern Landwirtschaft betreiben und im Süden bzw. Südwesten besteht ein semihumider Gürtel, in dem die Landwirtschaft auf Grund der höheren Regenmengen etwas entwickelter ist (Prunier 2007: 14). Darfur hat mit ca. 500.000 km² ungefähr die Größe Frankreichs und ist mit einer geschätzten Einwohnerzahl von 4-6 Millionen für das Jahr 2004 sehr dünn besiedelt (Human Rights Watch 8 2004b: 6). Die Bevölkerung von Darfur ist ein „komplexes ethnisches Mosaik“ (Prunier 2007: 16), das aus 40 bis 90 arabischen und afrikanischen Stämmen besteht (Flint und de Waal 2005: 8). Dieses komplizierte soziale Gefüge ist ein Resultat aus den über Jahrhunderte hinweg stattfindenden Bevölkerungsbewegungen afrikanischer und arabischer Stämme. 9 Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sind allerdings Muslime. Eine Erklärung des Konflikts aus rein religiösen bzw. ethnischen Ursachen heraus, simplifiziert die Ursachenstruktur daher. Vielmehr liegen die Gründe für die Eskalation in Darfur in den vielschichtigen und konfliktbeladenen Beziehungen zwischen Darfur und der Zentralregierung in Khartum sowie im Konflikt über Ressourcen - fruchtbares Land, Wasser und Öl. Die ethnische Komponente des Konflikts überlagert in der Berichterstattung jedoch häufig die anderen entscheidenderen Konfliktfaktoren
8 Publikationen von Human Rights Watch werden im Folgenden mit „HRW“ abgekürzt.
9 Für eine detailliertere Darstellung der Migrationsbewegungen und der ethnischen Zusammensetzung in der Provinz Darfur siehe Prunier (2007).
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Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
(Strube-Edelmann 2006: 11).
Schätzungen der Mortalitätsrate gehen inzwischen davon aus, dass der Konflikt in der Region zwischen 200.000 und 450.000 Menschenleben gefordert hat. Die Zahl der Flüchtlinge übersteigt inzwischen wahrscheinlich die Grenze von 2 Millionen (Hagan und Palloni 2006: 1579).
Abbildung 4 zeigt eine Übersichtskarte der Provinz Darfur mit den drei Bundesstaaten Nord-, Süd- und Westdarfur:
Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
2.3.2 Historische Entwicklung und Konfliktursachen
Seit dem 14. Jahrhundert wurde die Region von unabhängigen Sultanen regiert. Eine Phase türkisch-ägyptischer Besetzung Darfurs im späten 19. Jahrhundert dauerte nicht lange an. Erst 1916 verlor Darfur seine Unabhängigkeit endgültig als das letzte Fur-Sultanat von einem britischen Expeditionskorps erobert wurde. Darfur wurde annektiert und 1917 ins britisch-ägyptische Kondominium integriert (Collins 2006: 4). Ab diesem Zeitpunkt „musste das alte Sultanat auf Gedeih und Verderb innerhalb der Grenzen >>sudanesischer<< Herrschaft existieren“ (Prunier 2007: 38). In Abschnitt 2.2.1 wurde gezeigt, dass die Briten ihre Entwicklungsbemühungen auf den nördlichen Teil des Sudans um das Niltal beschränkten, was den bis heute bestehenden Zentrum-Peripherie-Konflikt begründete. Das einzige Interesse der britischen Kolonialverwaltung bestand zunächst darin, den Frieden zu bewahren, da sie Darfur wenig ökonomischen Nutzen für das Kondominium zusprachen (Prunier 2007: 36, Flint und de Waal 2005: 12). Die Verwaltung basierte deshalb auf dem in britischen Kolonialgebieten häufig angewandten Prinzip der Indirect Rule, bei dem die Macht über die Vermittlung traditionaler lokaler Autoritäten ausgeübt wurde (Collins 2006: 5). In der Praxis bedeutete dies jedoch eine Vernachlässigung Darfurs insbesondere gegenüber der Hauptstadt Khartum und den nördlichen Regionen Sudans. Flint und de Waal (2005: 13) machen diese Unterentwicklung vor allem im Bildungs-, Gesundheits- und Transportsektor fest. In der gesamten Provinz Darfur gab es 1935 lediglich 4 Schulen, die niedrigste Anzahl an Krankenhausbetten von allen sudanesischen Provinzen und nahezu keine Straßen- und Eisenbahnverbindungen. Diese seit Kolonialzeiten bestehende Unterentwicklung Darfurs wurde jedoch auch nach der sudanesischen Unabhängigkeit 1956 nicht abgebaut, sondern verfestigte sich in den politischen Realitäten des Landes. Das Gefühl der Bevölkerung Darfurs, lediglich an der Peripherie des Staates zu existieren, bildet auch eine der Ursachen für den Konflikt in Darfur in der heutigen Zeit. In den Jahren politischer Instabilität, die der sudanesischen Unabhängigkeit folgten (siehe Abschnitt 2.2.2), wurde die Bevölkerung Darfurs weiter marginalisert (ICG 2003: 1). Die langen Dürreperioden in den 1970er und 1980er Jahren verschlechterten die humanitäre Lage. Auf die Hungersnot der Jahre 1984/85 (de Waal 2005) wurde von der Regierung in Khartum aus machtpolitischen Gründen zu lange nicht adäquat reagiert, so dass sich die Situation für die Zivilbevölkerung weiter dramatisierte (Johnson 2004: 139, Prunier
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Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
2007: 67 ff.). Ebenfalls zu Beginn der 1980er Jahre wurde Darfur sowohl in den sudanesischen Bürgerkrieg zwischen Norden und Süden als auch in den Krieg im westlichen Nachbarland Tschad hineingezogen. In beiden Fällen wurden die Konflikte auf dem Rücken der Bevölkerung Darfurs ausgetragen (Johnson 2004: 140, Prunier 2007: 85). In den Jahren 1987-1989 kam es zu ersten ethnisch motivierten Auseinandersetzungen in der Region zwischen den sesshaften Ackerbauern der Fur und arabischstämmigen nomadisierenden Kamel- und Viehzüchtern um den Zugang zu Land und Wasser. Diese durch Propaganda der Regierung in Khartum angeheizten Spannungen flammten in den folgenden Jahren immer wieder auf und resultierten in gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Ethnien (ICG 2004: 5). Von 1996-1998 dauerte der sogenannte Masalit-Krieg, in dessen Verlauf erstmals die von Regierung unterstützten und bewaffneten Milizen Janjaweed in die Kampfhandlungen eingriffen und gegen die Zivilbevölkerung vorgingen (Flint und de Waal 2005: 57 ff.). Auf Grund des andauernden Nord-Süd-Bürgerkriegs hat die schwelende Krise in Darfur jedoch weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene größere Beachtung gefunden. Die Bemühungen der sudanesischen Regierung und der internationalen Staatengemeinschaft waren hauptsächlich auf die Beilegung des Nord-Süd-Konflikts gerichtet. Auch in diesem Punkt wurde die Region Darfur wieder einmal vernachlässigt (Prunier 2007: 109).
Öhm (2005: 151 ff.) gibt eine Zusammenfassung der sich gegenseitig überlagernden Ursachen des Darfur-Konflikts:
• Legitimationskonflikt: Ein zentraler Faktor besteht in der schwachen Staatlichkeit des Sudans. Der sudanesische Staat ist der Prototyp eines sogenannten „failed state“. Folgerichtig nimmt der Sudan beim Failed States Index in den Jahren 2006 und 2007 Platz 1 ein (The Failed States Index 2006, 2007). 10
• Zentrum-Peripherie-Konflikt: Die Zentralregierung in Khartum vernachlässigte die Entwicklung vieler Regionen über Jahrzehnte hinweg, was zu einer ökonomischen und politischen Marginalisierung geführt hat.
• Ressourcenkonflikt: Es besteht ein historischer Konflikt über die Nutzung von
10 Foreign Policy und der Fund for Peace geben dieses Ranking heraus, das diejenigen Staaten identifiziert, die am meisten vom Scheitern bedroht sind.
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Kapitel 2: Der Sudan und die Krise in Darfur
Ressourcen (insbesondere Land und Wasser) zwischen arabischstämmigen Nomaden und sesshaften Ackerbauern afrikanischer Stämme wie der Masalit und der Fur. Dieser Konflikt um lebensnotwendige Ressourcen verschärfte sich in den letzten Jahren zunehmend auf Grund von ausgedehnten Dürreperioden, Immigration arabischstämmiger Nomaden und politisch fragwürdiger Restrukturierungsentscheidungen der Zentralregierung.
• Ethnischer Konflikt: Der Ressourcenkonflikt zwischen arabischen und nichtarabischen Bevölkerungsgruppen wird durch die einseitige Politik der Zentralregierung immer mehr auch zu einem ethnischen Konflikt transformiert.
• Konflikt um arabische Milizen: Der Einsatz der Janjaweed-Milizen gegen die Zivilbevölkerung führt zu einer Brutalisierung des Konflikts, die einer politischen Lösung entgegensteht.
2.3.3 Genese und Verlauf des Konflikts seit 2003 11
Die Region Darfur hat wie oben gezeigt schon seit Jahrzehnten unter gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen sowie Repressionen der Zentralregierung zu leiden. Erst mit der Eskalation der Gewalt zu Beginn des Jahres 2003 begann die Weltöffentlichkeit jedoch von diesem Krisenherd Notiz zu nehmen. Einige Autoren sehen die Eskalation der Gewalt in direktem Zusammenhang mit den Verhandlungen zur Beendigung des zweiten sudanesischen Bürgerkriegs, die sich ab dem Jahr 2002 intensivierten (Strube-Edelmann 2006, Prunier 2007). Die Vereinbarungen zwischen der sudanesischen Regierung und der südsudanesischen Rebellengruppe SPLA klammern die Darfur-Problematik vollständig aus. Die Rebellengruppen in Darfur forderten deshalb eine gerechtere Macht- und Ressourcenverteilung, um der weiteren Marginalisierung der Region entgegenzuwirken.
Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Rebellen und den Kräften der sudanesischen Armee begannen im Februar 2003 zu eskalieren. Vereinte Kräfte der beiden Rebellengruppierungen Sudan Liberation Army (SLA) und Joint Equality
11 Eine tabellarische Chronologie des Konflikts von Beginn des Jahres 2003 bis Anfang 2008 findet sich in Anhang 1.
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Movement (JEM) verübten Angriffe auf die Garnison in der Stadt Golu (Collins 2006: 8). Im April 2003 griffen SLA und JEM die Städte Nyala und Al-Fashir an, besetzten den Flugplatz von Al-Fashir und erbeuteten eine große Menge an Waffen und Munition (Mans 2004: 291). In den folgenden Monaten fügten die Rebellen den Regierungskräften durch ihre Guerillataktik starke Verluste zu (Flint und de Waal 2005: 100 ff.). Die sudanesische Regierung setzte voll auf eine militärische Lösung, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen (Prunier 2007: 129). Als Reaktion auf den zunehmenden militärischen Druck durch die Rebellen begann die Regierung Mitte 2003 arabische Milizen, die Janjaweed, zu bewaffnen und diese aktiv in ihre militärische Strategie zur Bekämpfung der Rebellen einzubinden. Obwohl offizielle sudanesische Regierungsstellen die Zusammenarbeit mit den Reitermilizen dementieren, berichten viele Quellen übereinstimmend von solch einer Kooperation (Strube-Edelmann 2006: 16, Collins 2006: 11, Flint und de Waal 2005: 101, HRW 2004c: 1) Mit dem Eintritt der Janjaweed in den Konflikt wurde die Zivilbevölkerung in Darfur immer häufiger Opfer von Gräueltaten. Die Strategie der Regierung war es, die Janjaweed gezielt gegen die ethnischen Gruppen einzusetzen, aus denen sich die Rebellengruppen SLA und JEM zusammensetzen. Resultat dieser Taktik waren schwere Übergriffe der Janjaweed auf Angehörige der Volksgruppen Fur, Masalit und Zaghawa (HRW 2004a: 7). Mit Unterstützung der sudanesischen Luftwaffe gingen die Janjaweed gegen ihre Dörfer vor und verfolgten eine Politik der „verbrannten Erde“ (ICG 2005b: 16). Hunderte Dörfer wurden zerstört und deren Bewohner teilweise getötet. Menschenrechtsorganisationen berichten über Folter, Vergewaltigungen und Massenvertreibungen (Amnesty International 12 2004: 9 ff., HRW 2004b 13 ff.). 13 Diese massiven Menschenrechtsverletzungen veranlassten bereits zu diesem Zeitpunkt einige Beobachter die Ereignisse in Darfur auf Grund des Ausmaßes und der Systematik als ethnische Säuberungen zu klassifizieren (Collins 2006: 13, HRW 2004d: 9).
Im Mai 2004 begann die Afrikanische Union (AU) im Rahmen einer Friedensmission mit der Überwachung eines im April in der tschadischen Hauptstadt N’Djamena von den Konfliktparteien unterzeichneten Waffenstillstandsabkommens. Trotz einer
12 Publikationen von Amnesty International werden im Folgenden mit „AI“ abgekürzt.
13 Eine systematische Darstellung der Gräueltaten im Darfur-Konflikt liefern u. a. Totten und Markusen (2006).
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Arbeit zitieren:
Philipp Kratschmer, 2008, Der Darfur-Konflikt im Spiegel der internationalen Presse - Eine vergleichende Inhaltsanalyse der Berichterstattung in internationalen Tageszeitungen, München, GRIN Verlag GmbH
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