$ # # + , , + , - Verfasser: Thomas Trunk
Studiengang: Betriebswirtschaftslehre mit kulturwissenschaftlichem Schwerpunkt: Südostasien. Fachsemester: 06 (WS 02/03)
I. Ein neuer Turm in Babel? -------------------------------------------------------------------------------------------------- 4
II. Entstehung und Entwicklung einer multiethnischen Gesellschaft-------------------------------------------------- 6
1. Die Siedlungsentwicklung------------------------------------------------------------------------------------------------------ 6
Chinesen ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 6
Inder --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 8
2. Organisation der Ethnien und Gesellschaftsstruktur---------------------------------------------------------------------- 9
Chinesen ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 9
Malaien ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 10
Inder ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 11
III. Probleme, Interessenwahrnehmung und Entstehung von Parteien----------------------------------------------- 12
1. Von der Notwendigkeit eine Stimme zu haben---------------------------------------------------------------------------- 12
2. Zusammenschluss und Entwicklung der Parteien ----------------------------------------------------------------------- 13
IV. Das Politische System------------------------------------------------------------------------------------------------------ 15
V. Einfluss der Ethnizität in Gesellschaft und Politik ------------------------------------------------------------------ 16
1. Der Einfluss der Ethnien in Wirtschaft und Politik --------------------------------------------------------------------- 16
2. Welchen Einfluss nimmt die Ethnizität auf die Struktur der Gesellschaft?------------------------------------------ 18
3. Politische Kultur und Einfluss der Ethnizität auf das politische Handeln ------------------------------------------- 20
V. Fehler im System?---------------------------------------------------------------------------------------------------------- 22
VI. Literaturverzeichnis ------------------------------------------------------------------------------------------------------- 26
1. Literatur------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 26
2. Zeitschriften -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 27
3. Internetseiten------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 27
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I. Ein neuer Turm in Babel?
Nein! Weder die direkten Nachfahren Noahs sind beteiligt noch befinden wir uns in Bbhel. 1 Und der Turm ist in diesem Fall die Installation eines pluralistischen politischen Systems in Malaysia. Dennoch eignet sich diese Metapher in vorliegendem Betrachtungsrahmen. Gleicht es doch insofern dem biblischen Turmbau, als es aufgrund multiethnischer Zusammensetzung der malaiischen Bevölkerung zu Problemen kam und gemeinsame Ziele, wie z.B. das der gleichberechtigten Koexistenz nicht erreicht wurde.
Als ca. 300 v. Chr. ein Einwanderungsstrom von Indien auf die Malaccahalbinsel (heutiges Westmalaysia) einsetzte, war sie noch in zahlreiche Königreiche aufgesplittert. Bis es dann im August 1963 durch den Zusammenschluss von Malaya, Singapur, Sabah und Sarawak zur Föderation von Malaysia 2 kam, nahmen zahlreiche Völker Einfluss auf dieses Land.
So waren es im Jahre 1511 Portugiesen, die sich im Kampf um das Königreichdass seinerzeit eine Ausdehnung hatte, die in etwa dem heutigen Griechenland entspricht - gegen das islamische Reich Aceh von Sumatra durchsetzten. 1641 fiel das Königreich dann an die Niederlande, um schon im 18. Jahrhundert von den Briten unter die (Kolonial-)Krone genommen zu werden: 1786 verpachtete der Sultan von Kedah die Insel Penang an die britische Ostindischen Kompanie, 1795 (endgültig 1824) brachte Großbritannien Malacca unter seine Kontrolle, und 1824 nahm es Singapur in Besitz. Zu den sog. Straits Settlements zusammengefasst, kamen Singapur, Penang und Malacca nun unter die Verwaltung der britischen Kolonialregierung in Indien und wurden 1867 Kronkolonien. Das Gebiet der heutigen malaiischen Gliedstaaten Sarawak und Sabah stand bis zum Ende des 19. Jahrhundert größtenteils unter dem Einfluss des mächtigen muslimischen Sultanats Brunei. Die Europäer unterhielten zwar Handelsbeziehungen mit Nordborneo, hatten dort aber keine dauerhaften Niederlassungen gegründet. Zudem gab es zwischendurch auch Einflüsse und Besitznahmen einzelner Regionen durch Siam (heutiges Thailand) und Indonesien, sowie eine Okkupation der Japaner im zweiten Weltkrieg (1941-45).
Diese Entwicklungen blieben natürlich nicht ohne Einfluss. Einen weitaus größeren und nachhaltigeren Einfluss aber, zumindest was die Politik des Landes betrifft - und
1 Hebräisch für Babylonien.
2 Die Föderation von Malaysia, abzüglich des Stadtstaates Singapur, welcher 1965 wieder aus der
Föderation austrat, entspricht dem heutigen Gebiet Malaysias.
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um eben diese soll es in der vorliegenden Arbeit gehen - hatten die Immigrationsströme. Neben Indern zogen vor allem zahlreiche Chinesen auf die Halbinsel. So enthält der „Nationalitätenmix“ aktuell in etwa zu 62% Malaien, zu 30% Chinesen und zu 8% Inder. 3 Wenn es auch neben latenten Spannungen zwischen den Ethnien und einer einschneidenden Eskalation 1969 bei denen ca. 170 Menschen den Tod fanden, zu keinen andauernden Verfolgungen oder blutigen Unterdrückungen kam, lässt sich fragen: Welchen Einfluss hat die Ethnizität auf den politischen Prozess Malaysias?
Mit den Auswirkungen der multiethnischen Zusammensetzung der malaiischen Bevölkerung, haben sich zahlreiche Soziologen, Ethnologen, Geschichts- und Politikwissenschaftler beschäftigt. Manche von ihnen bekleideten gleichsam eine Funktion in der Kolonialadministration. Wenn also die Quellenlage in manchen Bereichen umfangreich ist, so ist sie gleichsam mannigfaltig. Oftmals wurde das Thema für die gesamte Region Südostasien behandelt, wobei die vergleichende Darstellung dann in einigen Fällen auf Kosten spezieller Eigentümlichkeiten der Situation in Malaysia im Vordergrund steht. Die Majorität der vorliegenden Arbeiten geht nur wenig auf die Rolle der indischen Ethnie ein, was ihrem Bevölkerungsanteil, ihrem Einfluss und somit ihrer Bedeutung angemessen sein mag und sich demnach auch in der vorliegenden Arbeit abbilden soll.
Weitere Arbeiten thematisieren den fokussierten Aspekt nur am Rande und gehen vordergründig auf die Politik im Allgemeinen ein, oder untersuchen ein besonderes historisches Ereignis, wie z.B. die Unabhängigkeit. Andere analysieren schwerpunktmäßig eine bestimmte Ethnie in ihrem Umfeld. In den meisten Publikationen stößt man lediglich auf einen kurzen Abschnitt oder nur einzelne Kapitel die sich dann mehr oder weniger direkt mit dem Thema beschäftigen, was die Materialsammlung mitunter zeitaufwendig machte. Dennoch stehen auch einige sehr nützliche Werke zu Verfügung.
Für einen guten Einstieg eignet sich neben einschlägigen Lexika das Südostasienhandbuch, hrsg. von Dahm, Bernhard und Roderich Ptak. Hilfreich für das Verständnis und die Analyse der besonders einflussreichen Ethnie der Chinesen waren gleichsam die Arbeiten von Vennewald und Heidhues, aufgrund ihrer übersichtlichen, klaren Struktur und ihren Darstellungen in übergeordneten Zusammenhängen. Daneben gibt es einige Publikationen, welche die Entwicklung
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Lt. Jahrbuch: Aktuell - 2001.
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einzelner Parteien untersuchen. Hierzu sei beispielhaft die Arbeit von Heng Pek Koon, ‘Chinese Politics in Malaysia: A history of the Malaysian Chinese Association’ genannt. Unter einer letzten Gruppe von Publikationen, welche isolierte Einzelbereiche behandeln, erwies sich die Arbeit von Eva Schwinghammer über die New Economic Policy als besonders hilfreich.
Zur Untersuchung des Einflusses der Ethnizitäten auf den politischen Prozess Malaysias soll zunächst die Entstehung und Entwicklung der multiethnischen Gesellschaft betrachtet werden, sowie die Organisation und Struktur der einzelnen Ethnien und ihre Hintergründe (Kap. II). Daran anschließend werden die ihr inhärenten Probleme und die Entwicklung einer Politisierung des Landes betrachtet, sowie die Entstehung der Parteien (Kap. III). Im Folgenden sei dann der Einfluss der Ethnizität auf das politische Handeln Betrachtungsgegenstand, wobei dieser aufgrund der Überschneidung und Verzahnung ebenso auf Wirtschaft und Gesellschaft projiziert wird (Kap. IV). Abschließen soll die Arbeit eine Zusammenfassung der wesentlichen Probleme und Ursachen und gleichsam eine Analyse der politischen Systemstabilität unter Einfluss der Ethnizität. (Kap. V).
II. Entstehung und Entwicklung einer multiethnischen
Gesellschaft
1. Die Siedlungsentwicklung
Wie kam es überhaupt zu einer Bevölkerung Malaysias durch Chinesen und Inder in diesem Umfang und was waren die Beweggründe für diese Siedlungsströme?
Chinesen
Schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts siedelten die ersten Chinesen in Malaysia, wobei es sich um Händler insbesondere aus den südchinesischen Provinzen Guangdong und Fujian 4 handelte. Sie sprachen bald die malaiische Sprache und verschmolzen auch sonst mit der Kultur Malaysias. Den Engländern funktionierten sie später als Mittler zu den Sultanen; eine Position die, wie noch zu sehen sein wird, nicht das letzte Mal von den Auslandschinesen eingenommen wurde und auch im Hinblick auf ihre Entwicklung in Malaysia nicht ohne Bedeutung bleiben sollte.
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Zur Vereinheitlichung von Ortsnamen wird im Folgenden stets die Deutsche Bezeichnung verwendet.
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Weitere Besiedlungen in den folgenden Jahrhunderten folgten dann den beständigen Handelswegen. Neben den Handelsbeziehungen spielten auch Sprachgruppen eine gewichtige Rolle. Aufgrund der Existenz zahlreicher verschiedener Sprachgruppen in Südchina, dem Haupteinzugsgebiet, kam es zu isolierten Siedlungen, in denen nur dort auftretende Namen und Gruppen existierten. Vennewald nennt 9 Sprachgruppen 5 , deren Anteil an den Auslandschinesen in Malaysia sich im Laufe der Zeit nicht maßgeblich änderte. Besonders wichtig für Malaysia sind hierbei die Sprachgruppen der Hokkien, der Hakka und der Kantonesen, die zusammen durchgehend zwischen 70 und 80% der Exilchinesen stellten. Im Folgenden war der Nachzug der Familien ein weiterer Auslöser für große Siedlungsströme nach Malaysia. Waren anfangs wenige oder gar keine Frauen mitemigriert, was vermehrt zu Mischehen in Malaysia führte und somit eine Akkulturation unterstützte, kam es nun zu größeren Einwanderungsströmen auch von Frauen. Mit einer allgemeinen Anwerbung von „Kulis“ 6 , durch die Kolonialherren und vor allem durch Chinesen selbst im 19. Jahrhundert, die sich nicht an bestimmte Herkunftsregionen Chinas, noch an spezielle Sprachgruppen wandte und somit unpersönlich war, verlor diese direkte Verbindung zwischen Herkunftsregion in China und Siedlungsgebiet in Südostasien zunehmend an Bedeutung. Wichtige Auslöser für diesen „Exodus“ waren neben einer geographisch-expansiven Handelstätigkeit die zunehmend schlechte Lage auf dem Festland. Gründe dafür waren u. a. die Taiping-Revolte 7 , sowie die Aushöhlung der Strukturen durch die eindringenden Engländer (Opiumkrieg; 1840-42), in deren Folge die gesellschaftliche Instabilität wuchs. Ein anderer Grund war aber auch die Perspektive eines erweiterten Arbeitsmarktes durch die Einbindung der südostasiatischen Region, sowie zunehmende Überbevölkerung in den Ballungszentren Südchinas. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts stellten die Chinesen im heutigen Westmalaysia bereits rund 40% der Bevölkerung 8 , wenn dieser Anteil auch ständig schwankte, besonders aber in den Jahren der massiven Anwerbung von Arbeitern gegen Ende des 19 Jahrhunderts stieg. Heidhues spricht hier von
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Vennewald (1990): Kap.3 und Tabelle 35 im Anhang.
6 Unter „Kulis“ werden die Minen- und Plantagenarbeiter in den Kolonien der Südostasienstaaten
verstanden die zu diesem Zweck angeworben wurden.
7 Aufstandsbewegung in China (1850-64) die sich gegen die herrschende Dynastie richtete und
unvergleichliche Verwüstung anrichtete, sowie schätzungsweise 30 Mio. Menschen das Leben kostete.
Ziel neben dem Ende der Dynastie war eine vollkommene Gleichstellung aller. (vgl. CHINA, Staiger,
Brunhild, 1980/Erdmann)
8 Siehe Tabelle in Schwinghammer (1998): 10.
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Arbeit zitieren:
Thomas Trunk, 2003, Welchen Einfluss hat die Ethnizität auf den politischen Prozess Malaysias?, München, GRIN Verlag GmbH
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