- DANKSAGUNG - 3
Danksagung
Diese Diplomarbeit entstand am Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Fulda unter der Leitung von Prof. Dr. habil. Christoph Klotter.
Besonders möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr. Ulrich Kurfürst bedanken, der mich für dieses interessante Thema sensibilisieren konnte. Seine stets kompetente und freundliche Betreuung hat wesentlich dazu beigetragen, dass mir diese Arbeit bis zuletzt viel Freude bereitete.
Herrn Dr. Frank Puin danke ich für die Übernahme des Koreferates und die in- spirierenden Gespräche während der Bearbeitung dieses Themas. Ebenfalls danken möchte ich Herrn Dipl. oec. troph. (FH) Tim Bersselis für seine Korrekturen und Anmerkungen, die zur Qualität dieser Arbeit in hohem Maße bei- getragen haben.
Ein herzlicher Dank meiner Partnerin Mareike Makowski, die mich mit wertvollen Ratschlägen, tatkräftiger Hilfe, unglaublicher Motivationsfähigkeit und stets offenem Ohr in besonderem Maße unterstützt hat.
Über allem steht meine Familie, besonders meine lieben Eltern, Maria und Gerhard Gries, ohne die dieses Studium nie möglich gewesen wäre. Durch ihre moralische und finanzielle Unterstützung ermöglichten sie mir vier schöne Jahre in Fulda und Rosenheim. Danke auch dafür, dass sie mich stets ermutigt haben, weiterzumachen.
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
INHALTSVERZEICHNIS 5
Inhaltsverzeichnis
Abbildungverzeichnis 7
Tabellenverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 9
Vorwort 11
Einleitung 13
Kapitel 1: Entwicklung und Bedeutung von Nachhaltigkeit 15
1.1 Entstehung des Nachhaltigkeitsgedankens 15
1.2 Definitionen von Nachhaltigkeit 25
1.2.1 Frühe Definitionen 25
1.2.2 Moderne Definitionen 26
1.2.3 Postmoderne Definitionen 28
1.3 Nachhaltigkeitsmodelle 29
Kapitel 2: Nachhaltige Kommunikation und Evaluation 32
2.1 Definition: Das nachhaltige Unternehmen 32
2.2 Die Grundlage: Umwelt und Sozialberichte 35
2.2.1 Umweltberichterstattung 35
2.2.2 Sozialberichterstattung 37
2.3 Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichte 39
2.4 Inhalte Aufbau und Gestaltung von Nachhaltigkeitsberichten 42
2.4.1 Aufbau eines Nachhaltigkeitsberichtes 42
2.4.2 Inhalte eines Nachhaltigkeitsberichtes 44
2.4.3 Gestaltung eines Nachhaltigkeitsberichtes 47
2.5 Zertifizierungen für Nachhaltigkeitsberichte 49
2.5.1 Social Accountability 8000 (SA 8000) 49
2.5.2 EG-Öko Audit-System (EMAS) 50
2.5.3 ISO 14001 52
2.6 Evaluation von Nachhaltigkeit 53
2.7 Ansprüche Interessen und Einfluss der Stakeholder 54
2.8 Evaluationsmodelle 58
Kapitel 3: Ressourcensituation an Hochschulen 62
3.1 Ressourcenverbrauch von Hochschulen 62
3.1.1 Wasser 63
3.1.2 Wärme 63
3.1.3 Elektrische Energie 63
3.1.4 Verkehr und Mobilität 63
3.1.5 Emissionen 63
3.1.6 Abfall 63
Nachhaltigkeit an Hochschulen -
INHALTSVERZEICHNIS 6
3.2 Möglichkeiten zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs am Beispiel
von Geräten der elektronischen Datenverarbeitung 64
3.2.1 Entwicklung von Stromspartechniken 65
3.2.2 Darstellung des Stromverbrauchs bei Anwendung von Stromspartechniken 68
3.2.3 Zukünftige Entwicklung 76
3.2.4 Labels Zertifikate und Auszeichnungen 77
3.2.5 Einsparungspotenzial von Stromspartechniken 80
3.2.6 Weitere Möglichkeiten zur Stromeinsparung 81
3.2.7 Leistungsaufnahme im Standby-Modus 82
3.2.8 Bildschirmschoner 83
3.2.9 Nebeneffekte von Energiespartechniken 84
3.2.10 Hindernisse und Schwierigkeiten 85
Kapitel 4: Implementierung von Nachhaltigkeit an Hochschulen 87
4.1 Grundlagen universitärer Nachhaltigkeitskonzepte 87
4.2 Nachhaltigkeitskonzepte und berichte an Hochschulen in Deutschland 89
4.3 Good Practice 90
4.3.1 Universität Kassel 90
4.3.2 Universität Lüneburg 94
4.3.3 Universität Freiburg 97
4.3.4 Universität Ulm 98
Kapitel 5: Auf dem Weg zu einer Nachhaltigen Hochschule Fulda 99
5.1 Nachhaltigkeitsanstrengungen an der Hochschule Fulda 99
5.1.1 Soziale Verantwortung und Gesundheit für ihre Mitglieder 99
5.1.2 Integration von Nachhaltigkeitskonzepten in Lehre und Forschung 99
5.1.3 Betrieblicher Umweltschutz 100
5.1.4 Kultur und soziale Beziehungen 100
5.2 Geplante und bereits durchgeführte Aktionen und Projekte 100
5.3 Möglichkeiten für weitere Tätigkeitsfelder 101
Zusammenfassung 107
Nachwort 110
Literaturverzeichnis 113
Nachhaltigkeit an Hochschulen -
TABELLENVERZEICHNIS 7
Abbildungverzeichnis
Abbildung 1: Drei-Säulen Modell 30
Abbildung 2: magisches Dreieck der Nachhaltigkeit 30
Abbildung 3: erweitertes magisches Dreieck 31
Abbildung 4: magisches Viereck 31
Abbildung 5: Stakeholder-Konzept 55
Abbildung 6: Leistungsaufnahme eines Computers 69
Abbildung 7: Leistungsaufnahme eines Röhrenmonitors 69
Abbildung 8: Leistungsaufnahme eines Flachbildschirmes 70
Abbildung 9: Leistungsaufnahme eines Tintenstrahldruckers 71
Abbildung 10: Stromverbrauch eines Fotodruckers 72
Abbildung 11: Leistungsaufnahme eines Laserdruckers 73
Abbildung 12: Leistungsaufnahme eines Multifunktionsgerätes 74
Abbildung 13: Blauer Engel für Computer (RAL-UZ 78) 77
Abbildung 14: Energielabel 77
Abbildung 15: Energy Star 78
Abbildung 16: Label 80 Plus 78
Abbildung 17: Label TCO 05 für Notebooks 79
Abbildung 18: PC Games Hardware Energiesparer Auszeichnung 79
Abbildung 19: Logo PC WELT eco 79
Abbildung 20: Eigenschaften des Bildschirmschoners 84
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Beispiele für die Erwartung und Interessen von Stakeholdern 56
Tabelle 2: Leistungsaufnahme und relatives Energieeinsparungspotenzial
ausgewählter Energiespartechniken 80
Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS - 9
Abkürzungsverzeichnis
ACPI Advanced Configuration and Power Interface AIDS Acquired Immune Deficiency Syndrome APM Advanced Power Management BIOS Basic Input Output System BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung bzw beziehungsweise CPU Central Processing Unit CRE Association of European Universities CSD Commission on Sustainable Development DFG Deutsche Forschungsgesellschaft DUK Deutsche UNESCO-Kommission EMAS Europäische Öko-Audit-Verordnung EPA Environmental Protection Agency etc. et cetera f folgende Seite ff folgende Seiten FAO Food and Agriculture Organization of the United Nations HIS Hochschul-Informationssystem GHESP Global Higher Education for Sustainability Partnership GHz Gigahertz GRI Global Reporting Initiative HIV Humanes Immundefizienz-Virus IAU International Association of Universities ISO Internationale Organisation für Normung ISU Hessische Internationale Sommeruniversität IWU Hessische Internationale Winteruniversität MBA Master of Business Administration ÖRK Ökumenischer Rat der Kirchen PC Personal Computer
SA 8000 Social Accountability 8000 TU Technische Universität UN United Nations
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS - 10
UNCTAD United Nations Conference on Trade and Development
UNECE United Nations Economic Commisson for Europe
UNEP United Nations Environment Programme
UNESCO United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization
UNDP United Nations Development Programme
UNGASS United Nations General Assembly Special Session
UNO United Nations Organisation
WCED World Commission on Environment and Development
WCHE World Conference on Higher Education
WMO World Meteorological Organization
WSSD World Summit on Sustainable Development
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- VORWORT - 12
Vorwort
„Man kann nicht in die Zukunft schauen, aber man kann den Grund für etwas Zu- künftiges legen – denn Zukunft kann man bauen“ Ein Zitat nach Antoine de Saint-Exupéry - so steht es im Vorwort des Abschluss- berichtes der 13. Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ des Deutschen Bundestages geschrieben. Dieser Bericht wurde im Juni 1998 vorgelegt, und trägt den Untertitel „Konzept Nachhaltigkeit - Vom Leitbild zur Umsetzung“. Seit 1998 ist viel passiert. Begriffe wie „Nachhaltigkeit“, „nachhaltige Entwicklung“ oder „Sustainability“ finden sich immer wieder in den Reden von Politikern, Ver- tretern der Wirtschaft und neuerdings sogar in der gesellschaftlichen Diskussion. Damit ist allerdings im Wesentlichen auch schon die Entwicklung der letzten zehn Jahre beschrieben. Umgesetzt wurde das, was die 13. Enquete-Kommission in ihrem Bericht forderte, bis heute kaum.
Politik, Wirtschaft und Wissenschaft waren nicht erst seit diesem Bericht der Kommission in besonderer Weise dazu aufgefordert, sich mit der Umsetzung des Leitbildes „Nachhaltigkeit“ zu befassen. Doch erst in den vergangenen Jahren ist festzustellen, dass sich diese Institutionen mit einer nachhaltigen Entwicklung be- fassen.
Auf gesellschaftlicher Ebene fand jedoch nicht erst seit Greenpeace und Co. eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema eines verantwortungsvollen und nachhaltigen Lebens und Lebensstiles statt.
Was vor über 250 Jahren bereits als „pfleglicher“ Umgang mit dem Wald bezeichnet und in privaten Haushalten als „haushälterische Vernunft“ praktiziert wurde, findet seit geraumer Zeit als „Öko-Lifestyle“ Einzug in die Gesellschaft.
Trotzdem stehen Wirtschaft, Politik und besonders die Wissenschaft noch immer in der Pflicht, ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Vielleicht kann diese Arbeit dazu beitragen, dass die Hochschule Fulda, als kleinste Hochschule Hessens, mit gutem Beispiel vorangeht, sich ihrer Verantwortung als Akteur an der Nachhaltigkeitsdiskussion und –umsetzung bewusst wird und sich dieser stellt.
Als Leitbild könnte sie sich dazu an der aktiven Internet-Community www.utopia.de orientieren: Heute nicht auf Kosten von morgen. Hier nicht auf Kosten von anderswo. (http://www.utopia.de/utopia/haltung) Wie auch immer es kommt, ich halte es wie Galileo Galilei, der sich sicher war: „Ja, ich glaube an den Menschen, und das heißt, ich glaube an seine Vernunft. Ohne diesen Glauben würde ich nicht die Kraft haben, am Morgen aus meinem Bett aufzustehen. “
Benedikt Gries, August 2008
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- EINLEITUNG - 13
Einleitung
„Nachhaltigkeit an Hochschulen“ – ein Thema das bisher von Hochschulen nur ver- einzelt wahrgenommen wurde. Eine gemeinsame Tagung des Hochschul- informationssystems (HIS) und der Technischen Universität Darmstadt (TU Darm- stadt), die im Juni 2008 unter dem Titel „Implementierung von Nachhaltigkeit an Hochschulen“ in Darmstadt stattfand, zeigte zwar, dass einige Hochschulen in Deutschland bereits Anstrengungen im Bereich der Nachhaltigkeit unternommen haben. Ein gemeinsames Leitbild, wie sich Nachhaltigkeit an Hochschulen praktisch umsetzen lässt, existierte aber zu diesem Zeitpunkt nicht.
Einige Hochschulen, wie beispielsweise die Leuphana Universität Lüneburg, fallen durch ihre umfassenden Anstrengungen auf dem Gebiet einer nachhaltigen Ent- wicklung besonders auf. Sowohl im konzeptionellen wie auch im anwendungsbe- zogenen Bereich hat die Universität Lüneburg Pionierarbeit geleistet. Auch an der TU Darmstadt wurde das Thema der Nachhaltigkeit als Kernaufgabe erkannt, was sich nicht zuletzt durch die Einrichtung einer eigenen „Nachhaltigkeits“-Abteilung in ihrer Verwaltung äußert. Aber auch an weiteren Fachhochschulen, Hochschulen und Uni- versitäten, wie beispielsweise an den Universitäten Freiburg, Bremen, Lübeck, Hamburg, Ulm oder Kassel, wurden bereits interessante und zukunftsfähige Konzepte, Projekte und Aktionen dazu entwickelt und durchgeführt, wie Hoch- schulen in der Zukunft zu einer nachhaltigeren Entwicklung beitragen können. Auch der Studiengang Oecotrophologie an der Hochschule Fulda sieht sich in der Verantwortung, sich mit dem Nachhaltigkeitsgedanken zu befassen. So heißt es in der Kurzbeschreibung des Studienganges, dass „...im Fachbereich Oecotrophologie im Rahmen von Projekt-, Praxis- und Abschlussarbeiten sowie von Forschungsvor- haben seit vielen Jahren Themen bearbeitet wurden und werden, die eine nachhaltige Entwicklung, mit den Schwerpunkten Gesundheit, Ernährung, Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung sowie Umwelt, fördern... “ . Des Weiteren soll, laut Prüfungsordnung des Fachbereichs Oecotrophologie, „...das Studium der Oecotrophologie die Studierenden dazu qualifizieren, ihre Arbeit in Verantwortung für Mitwelt und Nach- welt unter besonderer Berücksichtigung von Ethik, Nachhaltigkeit und Ernährungsöko- logie zu tun... “.
Die besondere Rolle, die Hochschulen insgesamt in der Nachhaltigkeitsdiskussion einnehmen, ergeben sich aus den folgenden sechs Funktionen von Hochschulen: 1. Hochschulen als Verbraucher von Ressourcen, 2. Hochschulen als Lebensmittelpunkt und Arbeitsplatz vieler Menschen, 3. ihre Vorbildfunktion im Bereich des nach- haltigen Wirtschaftens, 4. die Ausbildung von Studierenden und ihre Funktion als Multiplikatoren für eine nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft, 5. Hochschulen als Denkfabriken für eine zukunftsfähige Gesellschaft und 6. die Verantwortung von Hochschulen gegenüber Gesellschaft und Politik.
Oder, wie es das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung ausdrückte: „Hoch- schulen gehen mit gutem Beispiel voran (...) wie Menschen (...) sozial gerecht, öko- logisch verantwortlich und ökonomisch erfolgreich handeln können.“ (INSTITUT FÜR ÖKOLOGISCHE WIRTSCHAFTSFORSCHUNG, 2002, S. 89).
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- EINLEITUNG - 14
Bei der vorliegenden Arbeit stellt sich aber die berechtigte Frage, wo die Schnitt- stelle zwischen Oecotrophologie und Nachhaltigkeit liegt.
Die Gemeinsamkeiten von Nachhaltigkeit und Oecotrophologie finden sich in dem Konzept der „Haushälterische Vernunft“ wieder. Dieses Konzept wurde von der Be- gründerin der Oecotrophologie, Frau Prof. Dr. Rosemarie von Schweitzer entwickelt, und umfasst die drei Bereiche „personale existenzielle Verantwortung für die Lebenserhaltung“, „familiale Verantwortung für die Persönlichkeitsbildung und die Entfaltung einer Kultur des Zusammenlebens im Alltag“ und „die soziale Ver- antwortung im Sinne der Berücksichtigung gesellschaftlicher Belange bei der individuellen Haushaltsführung“.
In ähnlicher Form finden sich diese drei Bereiche auch im Nachhaltigkeitsgedanken wieder. Frau von Schweitzer kommt bei ihrem Konzept zu dem Schluss, dass der Mensch nicht zur Übernahme dieser Verantwortung gezwungen werden könne, sondern diese freiwillig annehmen müsse. Wie sich im Verlauf dieser Arbeit zeigt, gestaltet es sich bei der Verantwortung von Nachhaltigkeit sowie der Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten ähnlich (SCHWEITZER 1983, S. 106f; SCHWEITZER 1991, S. 137, 145ff).
Eine Betrachtung des Themas Nachhaltigkeit aus Sicht der Oecotrophologie liegt, bei den offensichtlichen Gemeinsamkeiten, nahe.
Diese Diplomarbeit befasst sich im ersten Kapitel mit der geschichtlichen und philo- sophischen Entstehung des Nachhaltigkeitsgedankens. Im Anschluss daran be- schreibt das zweite Kapitel eine praxisfähige Kommunikation und Evaluation von Nachhaltigkeit. Das dritte Kapitel befasst sich mit dem Ressourcenverbrauch von Hochschulen und stelle Möglichkeiten zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs dar. Im folgenden vierten Kapitel wird das Thema „Nachhaltigkeit an Hochschulen“ behandelt. In diesem Zusammenhang werden einige praktische Beispiele vorgestellt, wie sich Nachhaltigkeit an Hochschulen umsetzen lässt. Das folgende fünfte nennt einige der bisherigen und zukünftigen Projekte und Aktionen im Bereich einer nach- haltigen Entwicklung an der Hochschule Fulda. Ergänzend werden in diesem Kapitel einige Möglichkeiten für weitere Tätigkeitsfelder genannt, die sich an der Hochschule Fulda umsetzen lassen könnten.
Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine kurze Zusammenfassung aller Kapitel sowie ein Ausblick darauf, wie ein Konzept für eine „Nachhaltige Hochschule Fulda“ aus- sehen könnte.
Die im Literaturverzeichnis am Ende dieser Arbeit genannten Quellen können dar- über hinaus bei weiteren Arbeiten auf dem Gebiet einer nachhaltigen Entwicklung an der Hochschule Fulda dienlich sein. Die Kommunikation eigener Nachhaltigkeits- anstrengungen wird bisher von den meisten Hochschulen noch nicht ausreichend wahrgenommen, sodass diese oftmals nur durch mühsame Recherchen zu finden sind. Viele dieser Dokumente finden sich im Literaturverzeichnis dieser Arbeit.
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 15
Kapitel 1: Entwicklung und Bedeutung von Nachhaltigkeit
1.1 Entstehung des Nachhaltigkeitsgedankens
Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes „Nachhaltigkeit“ entstammt nachweislich dem Prinzip des „forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsdenkens“.
Das Konzept der „Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft“ wurde erstmals im Rahmen der sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts aus der Not der Waldvernichtung ent- wickelnden Forstwirtschaft formuliert. Tatsächlich praktiziert wurde eine nachhaltige Forstwirtschaft regional jedoch bereits im 15. Jahrhundert.
In vielen Regionen Mitteleuropas, besonders solchen mit einer ausgeprägten Berg- bau- und Montantradition, wurden die Kapazitäten der Wälder schon im späten Mit- telalter überschritten und deren Begrenztheit deutlich. Erst aus diesem Kontext bildete sich regional die eigentliche Forstwirtschaft heraus und löste hier die bis dahin vorherrschende unkontrollierte Ausbeutung der Wälder ab. Der Gedanke einer nachhaltigen Forstwirtschaft kam erstmals in den von den jeweiligen Landesherren erlassenen Forstordnungen zum Ausdruck, deren älteste bekannte die Forstordnung des Bistums Speyer aus dem Jahr 1442 ist (HASEL 2002, S. 138).
Mit diesen von starkem patriarchalischem Denken geprägten Regelwerken, die ihre hohe Zeit zwischen 1500 und 1800 hatten, wollten die Landesherren den Holzbedarf ihrer Untertanen sowie der holzverarbeitenden Gewerbe und Industrien langfristig sicherstellen. Ihr Ziel war ein möglichst sparsamer Umgang mit dem oft schon knapp werdenden Rohstoff. Dazu verpflichteten sie auch die herrschaftlichen Ämter. So schrieb beispielsweise eine Forstordnung für das Fichtelgebirge von 1574 vor, Holz- vorräte für Krieg, Brand und andere Notfälle zu bilden (HASEL 2002, S. 307). Obwohl die Ordnungen insbesondere in Kriegszeiten rasch in Vergessenheit gerieten und später neu gefasst werden mussten, hatten einige doch sehr lange Bestand, so etwa die altbayerische Forstordnung, die von 1568 bis 1852 gültig war (HASEL 2002, S. 139).
Der eigentliche Gedanke der Nachhaltigkeit erfuhr seine erste Ausprägung jedoch erst in den Waldungen der Bergwerke und Salinen. So wird etwa 1661 in einem Ratskanzlerschreiben der Stadt Reichenhall erstmals der Gedanke des „ewigen Waldes“ formuliert: „...Gott hat die Wäldt für den Salzquell erschaffen, auf daß sie ewig wie er continuieren mögen / also solle der Mensch es halten: Ehe der alte aus- gehet, der junge bereits wieder zum verhackhen hergewaxen ist... “ (HASEL 2002, S. 307).
Zur Salzgewinnung wurde in Reichenhall Sole verdampft, wozu viel Brennholz be- nötigt wurde. In den Wäldern um die Saline sollten nur so viele Bäume geschlagen werden, wie im gleichen Gebiet jedes Jahr nachwachsen würden. Die Salinenver- waltung erstellte sogar entsprechende Holzeinschlagspläne (MEISTER 2004, S. 73). Die erstmalige Verwendung des Begriffes “Nachhaltigkeit”, als Grundlage der Ver- wendung im heutigen Sinne, wird in der Literatur jedochoftmals dem sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (GRUNDWALD 2006, S. 14; GROBER 1999, S. 98) zugeschrieben, obwohl von Carlowitz den Begriff „nachhaltig“ an keiner Stelle verwendet hatte (TREMMEL 2003, S. 98). Von Carlowitz, der Rechts- und
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 16
Staatswissenschaften studiert hatte, war am kursächsischen Hof in Freiberg (Sachsen) zuständig für die Forstwirtschaft in ihrer Funktion als Rohstofflieferant für den Berg- bau. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden überregionalen Holznot veröffent- lichte von Carlowitz 1713, ein Jahr vor seinem Tod, unter dem Titel „Sylvicultura
oeconomica oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht„
das nachweislich erste eigenständige Werk über die Forstwirtschaft, in dem er das im Dreißigjährigen Krieg verloren gegangene forstliche Wissen zu- sammenfasste und es durch eigene Erfahrungen erweiterte. In diesem Werk formulierte von Carlowitz erstmalig ein „Prinzip der nachhaltenden Nutzung“:
„Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse (im Sinne von Wesen, Dasein, d. Verf.) nicht bleiben mag. “
(VON CARLOWITZ 1713, S. 105-106) Der dem Werk des von Carlowitz zugrundeliegende Gedanke hat seinen Ursprung in einem in der damaligen Zeit sehr akuten Problem, dem Mangel an Brenn- und Bau- holz für die sächsischen Bergwerke. Daher war es weniger ein ökologischer Gedanke, der zu Überlegungen einer langfristigen Sicherstellung des Waldbestandes führte. Vielmehr war es wohl die pure Angst um die eigene Existenz.
Sachsen sah sich der Gefahr ausgesetzt, sein finanzielles Rückrad zu verlieren (GROBER 1999, S. 98). August der Starke, Sachsens Kurfürst und eine der „schill- ernsten Figuren höfischer Prachtentfaltung“ finanzierte mit den Einnahmen aus dem Verkauf des sächsischen Silbers sein „polnisches Abenteuer“ und seine „unstillbare Baulust und Prunksucht“ (GROBER 1999, S. 98).
Von Carlowitz kritisierte das auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtete Denken seines Landesherrn. Ein Kornfeld bringe jährlichen Nutzen, auf das Holz eines Waldes müsse man dagegen Jahrzehnte warten. Trotzdem sei seiner Meinung nach die Um- wandlung von Wald zu Ackerflächen und Wiesen ein Irrweg (GROBER 1999, S. 98). Von Carlowitz befasste sich jedoch nicht nur mit der Frage, wie es langfristig mach- bar sei, die Bergwerke mit dem nötigen Bau- und Brennholz zu versorgen, er be- fasste sich auch damit, wie das vorhandene Holz möglichst effizient eingesetzt werden könnte. So war Sparsamkeit eine wichtige Botschaft seiner Arbeit. Er er- wähnte darin die damals zum Zwecke der Holzeinsparung genutzte Technik der „Holzsparkunst“. Ebenfalls empfahl von Carlowitz, wenn möglich, Stein statt Holz als Baumaterial für Häuser zu nutzen. Dennoch war die Forderung der nachhaltenden Waldbewirtschaftung zentraler Gedanke seiner Arbeit (SCHMIDT 2007, S. 9).
Den Begriff „nachhaltend“ wählte von Carlowitz bewusst in seinem Werk, da ihm der Terminus „pfleglich“, der im Bezug auf die Forstwirtschaft „in hiesigen Landen“ bereits „uralt“ und „gebräuchlich“ sei, nicht weit genug gehe, da er „die langfristige zeitliche Kontinuität von Naturnutzung und den Gedanken des Einteilens und Sparens von Ressourcen nicht ausreichend zum Ausdruck bringe“ (GROBER 1999, S. 98). Bei der Erörterung „wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzu-
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 17
stellen, dass es eine continuirliche, beständige und nachhaltende Nutzung gebe“ findet der neue Begriff erstmals Verwendung.
Der Terminus „Nachhaltigkeit“ jedochwurde vermutlich erstmals 1732 von Hermann Friedrich von Göchhausen verwendet. Dieser bezeichnete damit die Bewirt- schaftungsweise eines Waldes, bei welcher immer nur so viel Holz entnommen werden dürfe, wie auch nachwachsen könne, sodass der Wald nie zur Gänze ab- geholzt werde sondern sich immer wieder regenerieren könne. (TREMMEL 2003, S. 98) Dieses „ressourcenökologische Prinzip“, welches „das ökonomische Ziel der maxi- malen dauerhaften Nutzung des Waldes“ mit den „ökologischen Bedingungen des Nachwachsens“ kombinierte, wurde Grundlage für spätere Nachhaltigkeitsüber- legungen. Es bedeutet, nicht von der Substanz an sich zu leben, sondern von den Erträgen einer Substanz, also „von den Zinsen und nicht vom Kapital“ (GRUNWALD 2006, S. 14).
Ursprünglich war Nachhaltigkeit also ein rein wirtschaftliches Prinzip zur dauerhaften Sicherung kontinuierlicher Holzlieferungen für die darauf angewiesenen Bergwerke, Montanbetriebe und den Schiffsbau.
Mit dem Konzept des maximum sustainable yield fand dann der Begriff der Nach- haltigkeit Anfang des 20. Jahrhunderts Eingang in die internationale Forst- und, im weiteren Verlauf, auch in die Fischereiwirtschaft (GRUNWALD 2006, S. 14; TREMMEL 2003, S. 98).
Während der so genannten „Bevölkerungsexplosion“ der industriellen Revolution in England zwischen 1750 und 1850 verdreifachte sich der Geburtenüberschuss von vier auf dreizehn pro tausend Einwohner. In dieser Zeit, genauer 1798, verfasste der Engländer Thomas Robert Malthus seinen ’’Essay on the Principle of Population as it Affects the Future Improvement of Society’’ (deutsch 1807: „Versuch über die Be- dingung und die Folgen der Volksvermehrung“). In dieser Abhandlung äußerte Malthus die Befürchtung, dass die Bevölkerung bei steigender Pro-Kopf-Versorgung zu einer Vermehrung in geometrischer Progression tendiere, während die Nahrungsmittelproduktion bestenfalls nach Art einer arithmetischen Reihe an- wachsen könne (HARBORTH 1993, S. 18).
Wenn die Bevölkerungsvermehrung, wie sie seinerzeit prognostiziert wurde, einmal in Gang gesetzt werden würde, überträfe sie schließlich die Nahrungsmittel- produktion. Die Folge wären Hungersnöte, Epidemien und Kriege. Die einzige Möglichkeit, die Malthus zur Lösung dieser Katastrophe sah, war ein baldiger Stopp des Bevölkerungswachstums etwa durch späte Heirat und sexuelle Enthaltsamkeit (HARBORTH 1993, S. 18).
Malthus’ Abhandlung war, obwohl sie nur die beiden Größen Bevölkerungszahl und Nahrungsmittelproduktion behandelte, die erste systemische Hypothese über Wachstumsgrenzen in einer endlichen Welt (HARBORTH 1993, S. 19).
So ist Malthus auch der unbestrittene Vater der sogenannten „Weltmodelle“, die seit 1970 konzipiert und diskutiert worden sind. Diese Weltmodelle thematisieren welt- weite Auswirkungen lokaler Ereignisse, sowohl kurz- als auch langfristig, und dienten
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 18
unter anderem der 1972 veröffentlichen Studie ’’Limits to Growth“ als grundlegendes Modell.
In den Wirtschaftswissenschaften findet sich das Konzept des maximum sustainable yield erstmals in dem von John Hicks in den 1940er Jahren formulierten Begriff des „Einkommens“ (GRUNWALD 2006, S. 16). Danach ist das Einkommen der Teil der zur Verfügung stehenden Gütermenge, der verbraucht werden kann, ohne zukünftige Konsummöglichkeiten einzuschränken. Dieses Verständnis von Einkommen wurde unter anderem bei der Berechnung des Volkseinkommens in der volkswirtschaft- lichen Gesamtrechnung aufgegriffen und liegt des Weiteren dem Prinzip „Ab- schreibung für Abnutzung“ bei Sachgütern zugrunde (GRUNWALD 2006, S. 16). In der dominierenden neoklassischen Wirtschaftstheorie blieb der Faktor Natur allerdings weitgehend ausgeblendet oder wurde zumindest nicht seinen Knapp- heiten entsprechend behandelt (GRUNWALD 2006, S. 16).
Mehr als 200 Jahre lang war damit der Begriff Nachhaltigkeit und das Nachhaltig- keitsprinzip im Wesentlichen auf die Forst- und Fischereiwirtschaft sowie den steuer- lichen Abschreibungsmechanismus begrenzt. Auf alle anderen Bereiche des Wirtschaftens hatte der Nachhaltigkeitsgedanke noch keinen nennenswerten Ein- fluss.
Dass der Mensch von den natürlichen Grundlagen der Erde anhängig ist, wurde erst thematisiert, als der unbekümmerte Fortschrittsoptimismus gegen Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre angesichts der negativen Folgen des technischen Fort- schritts und der Produktions- und Lebensstile in den Industriestaaten ein Ende fand. Die Wahrnehmung der natürlichen Umwelt änderte sich radikal: Einerseits erschien sie durch den Menschen und seine Technik und Wirtschaft bedroht, andererseits wurde deutlich, dass gerade Technik und Wirtschaft auf eine hinreichend intakte natürliche Umwelt angewiesen sind. Die Erkenntnis, dass die menschliche Wirt- schaftsweise die Grundlagen zu zerstören drohte, auf die sie angewiesen war, wirkte vor allem in den Industriestaaten zum Teil wie ein Schock (GRUNWALD 2006, S. 16). In mehrfacher Hinsicht entscheidend für die weltweite Ausbreitung der Ökologie- debatte war das Jahr 1972. In diesem Jahr erschien die berühmt gewordene Studie ’’Limits to Growth’’ („Die Grenzen des Wachstums“) des „Club of Rome“ (GRUNWALD 2006, S. 17; HARBORTH 1993, S. 21). Diese Studie gilt als eine der Ur-Studien zur nachhaltigen Entwicklung. Sie entstand auf Initiative von und mit Unterstützung des Club of Rome und wurde von der Stiftung Volkswagenwerk gefördert. Erstellt wurde sie von einem Team von 17 Wissenschaftlern am MIT Massachusetts Institute of Technology, im Wesentlichen von Donella H. Meadows und ihrem Mann Dennis L. Meadows.
Bei dem "Club of Rome", der 1968 in Rom gegründet wurde, handelt es sich um eine nicht-profitorientierte nichtstaatliche Organisation, die sich als eine "Denkfabrik und ein Zentrum für Forschung und Handeln, für Innovation und Initiativen" sieht. Der Club sollte Wissenschaftler, Ökonomen, Geschäftsleute, hochrangige Mitarbeiter aus dem öffentlichen Dienst sowie aktive und frühere Regierungsmitglieder aus aller Welt zusammenbringen, welche die Überzeugung vertraten, dass die Zukunft der Menschheit nicht ein für alle Mal festgelegt sei und dass jeder Einzelne etwas zur
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 19
Verbesserung der Gesellschaft beitragen könne. Er wurde damals als ein neuer Weg die Weltproblematik zu behandeln eingerichtet, mit der die Gesellschaft konfrontiert wurde, weil die bestehenden Wege zu eng und die Regierungen zu stark in Ressorts unterteilt waren.
Die Studie „Die Grenzen des Wachstums“ kam zu dem Ergebnis, dass eine Fort- schreibung der damals aktuellen Trends in Bevölkerungswachstum, Ressourcenaus- beutung und Umweltverschmutzung im Laufe der nächsten hundert Jahre zu einem ökologischen Kollaps und in der Folge zu einem katastrophalen wirtschaftlichen Nie- dergang führen werden. Verstärkt wurde die Wirkung des Berichts durch das zeit- liche Zusammentreffen mit der ersten Ölkrise 1973.
Mit einem Male war in den Fortschrittsglauben der Nachkriegsperiode der Verdacht eingebrochen, dass wirtschaftlichem Wachstum durch die Endlichkeit der Biosphären Grenzen gesetzt sein könnten. (WUPPERTAL INSTITUT 2006, S. 30).
Der Grundgedanke des Buchs "Die Grenzen des Wachstums" basierte auf dem Modell der "Dynamik komplexer Systeme" einer homogenen Welt, hier als "Welt- modell" bezeichnet. Es berücksichtigte die komplexen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Variablen, unter anderem Bevölkerungsdichte, Nahrungsmittel- ressourcen, Energie, Material und Kapital, Umweltzerstörung und der Landnutzung. Die Autoren der Studie verwendeten bewusst ein ganz stark vereinfachtes Modell, um die Auswirkungen der verschiedenen Variablen aufeinander auch für Laien ver- ständlich zu repräsentieren.
Mit Hilfe dieses Modells wurde anhand von Computersimulationen und basierend auf der Entwicklung verschiedener hypothetischer "stabilisierender" politischer Maß- nahmen, eine Reihe von Szenarien entwickelt. Diese Szenarien sahen unter anderem, jeweils in unterschiedlichen Kombinationen, einen Standardlauf des Weltmodells anhand der tatsächlichen Rohstoffreserven vor. Das Verhalten des gleichen Welt- modells bei verdoppelten Rohstoffreserven. Das selbe Szenario mit unbegrenzten Rohstoffvorräten sowie mit unbegrenzten Rohstoffvorräten und kontrollierter Umweltverschmutzung aber auch mit unbegrenzten Rohstoffvorräten, Bekämpfung der Umweltverschmutzung, erhöhter landwirtschaftlicher Produktion und einer perfekten Geburtenkontrolle.
Die Ergebnisse aller Szenarien waren immer ähnlich: ein katastrophaler Abfall in der Weltbevölkerung und dem Lebensstandard innerhalb von 50 bis 100 Jahren, wenn die damaligen Trends bezüglich Ressourcenverbrauch, Luftverschmutzung, Be- völkerungswachstum etc. anhielten.
Mit der Studie „Die Grenzen des Wachstums“ stellten Donella und Dennis Meadows erstmals eine „inhaltliche Brücke“ zu dem Begriff „sustained yield forestry“, der be- reits damals international gelehrt und verwendet wurde, her. So schrieben sie 1972 in ihrer Studie ‘’...it is possible to alter these growth trends and to establish a condition of ecological and economic stability that is sustainable into the future…’’ (Zitiert nach:
SCHMIDT 2007, S. 10).
Ebenfalls 1972 fand in Stockholm die erste große Umweltkonferenz der Vereinten Nationen statt. Sie war die erste UNO-Weltkonferenz und gilt als eigentlicher Beginn der internationalen Umweltpolitik. Mehr als 1.200 Vertreter aus 112 Staaten nahmen
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 20
daran Teil. Die Deklaration von Stockholm, die von den Vertretern der teil- nehmenden Industrie- und Entwicklungsstaaten gemeinsam erarbeitet wurde, ent- hält einen Teil, in dem 26 Prinzipien für Umwelt und Entwicklung festgeschrieben sind. Ein weiterer Teil beinhaltet 109 Handlungsempfehlungen zur Umsetzung dieser Prinzipien und einen dazugehörigen Aktionsplan. Gemeinsam beschlossen wurden in dieser Konferenz unter anderem ein globales Erdbeobachtungssystem (’’Earthwatch’’) sowie ein internationales Umweltmanagement. In der Stockholm-Deklaration be- kennt sich die Weltgemeinschaft in Form der Teilnehmerstaaten erstmals zur grenz- überschreitenden Zusammenarbeit im Umweltschutz. Dem Recht der Staaten auf Ausbeutung der eigenen Ressourcen wird die Pflicht gegenübergestellt, dafür zu sorgen, dass durch Tätigkeiten innerhalb des eigenen Hoheitsgebietes anderen Staaten kein Schaden zugefügt wird. Auf Vorschlag der Stockholmer Konferenz wurde im gleichen Jahr durch die UN-Vollversammlung das UN-Umweltprogramm (UNEP) mit Sitz in Nairobi/Kenia, gegründet. Earthwatch ist heute der Rahmen für das UN-System zur Harmonisierung und Integration seiner Aktivitäten der Umwelt- beobachtung und Bewertung unter Führung des UN-Umweltprogramms UNEP. 1974 fand in Bukarest die Weltkonferenz über Wissenschaft und Technologie für eine menschliche Entwicklung des Weltrates der Kirchen (ÖRK) statt. Im Rahmen dieser Weltkonferenz wurde das Studienprogramm „Suche nach einer gerechten, partizipatorischen und überlebensfähigen Gesellschaft (’’Just, Participatory and Sustainable Society’’, JPSS) vorbereitet. 1976 wurde es auf der V. Vollversammlung des ÖRK in Nairobi beschlossen und als eines der Arbeitsschwerpunkte für das nächste Jahrzehnt verabschiedet.
Im Oktober 1974 fand in Cocoyok, Mexiko, ein fünftägiges, von UNEP und der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (kurz Welthandels- und Entwicklungskonferenz; „United Nations Conference on Trade and Develop- ment“; UNCTAD) gemeinsam veranstaltetes Symposium mit dem Thema „Rohstoff- nutzung, Umweltschutz und Entwicklung“ statt. Als Ergebnis dieses Symposiums wurde die „Erklärung von Cocoyok“ verabschiedet. (HARBORTH 1993, S. 29) 1975 folgte, der sich inhaltlich der Erklärung von Cocoyok anschließende, so ge- nannte „Dag-Hammarskjöld-Report“ unter dem Titel „Was tun?“. Dieser Report, welcher von dem Dag-Hammarskjöld-Projekt, an dem über 150 Mitglieder aus 48 Ländern der Welt, 14 Organisationen der Vereinten Nationen und 24 Forschungs- institute mitgewirkt haben, veröffentlich wurde, trug bereits in seinem ersten Kapitel die Überschrift „Plädoyer für eine andersartige Entwicklung“. Dort wurde erstmals neben dem Missstand der „Unterentwicklung“ auch jener der „Überentwicklung“, bezogen auf die verschwenderischen Lebensstile der Industriestaaten, angeprangert (HARBORTH 1993, S. 30).
Im weiteren Verlauf der Entwicklung und Bedeutung von Nachhaltigkeit war ab etwa 1979 nicht mehr nur von „Sustainability“, sondern von „Sustainable Development“, „Nachhaltiger Entwicklung“, die Rede. In dieser Zusammensetzung, und damit auch in einer anderen Bedeutung, taucht der Begriff erstmals innerhalb des UN- Symposiums „Report prepared for the United Nations Symposium on Interrelations among Resources, Environment, Population, and Development”, das im August in
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 21
Stockholm stattfand, auf. Wissenschaftlich liegen die Ursprünge des neuen Begriffes in den Forschungen von Donella und Dennis Meadows sowie Jay W. Forrester (HARBORTH 1993, S. 9).
Jedoch erst ab 1980 wurde der Begriff des „Sustainable Development“ in einem etwas größeren wissenschaftlichen und politischen Kreis verwendet. So etwa in der „World Conservation Strategy“, einer Richtlinie für den weltweiten Naturschutz, die gemeinsam von den internationalen Naturschutzorganisationen IUCN (The Conser- vation Union) und WWF (World Wide Fund for Nature) sowie UN-Organisationen wie UNEP erarbeitet wurde (STEPHAN 2002, S. 112).
1980 erschien in den Vereinigten Staaten von Amerika der Bericht „Global 2000“. Dieser war an den amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter gerichtet und thematisierte die Ressourcen- und Bevölkerungsproblematik und ihre wechselseitige Verknüpfung. Der Bericht erzielte eine vergleichsweise große Aufmerksamkeit in der öffentlichen Debatte (GRUNWALD 2006, S. 17). Verfasst wurde er von dem ’’Council on Environment Quality’’ („Rat für Umweltqualität“), der ihn im Juli 1980 vorlegte. Seine wesentliche Funktion war es, "die voraussichtlichen Veränderungen der Be- völkerung, der natürlichen Ressourcen und der Umwelt auf der Erde bis zum Ende dieses Jahrhunderts" zu untersuchen. Er beschreibt und analysiert eine Reihe Problemen, aufgegliedert nach Weltregionen, die 1980 für die Zukunft zu erwarten waren und teilweise heute schon eingetreten sind. Schwerpunkte sind Bevölkerung, Bruttosozialprodukt, Klima, Wasser, Nahrungsmittel, Landwirtschaft, Wälder und Forstwesen, Energie und andere mehr.
Der Bericht endet mit der Perspektive, dass die Zeit bis zum Jahr 2000 auf ein Po- tenzial globaler Probleme von alarmierendem Ausmaß hindeute. Weltweite Ver- änderung der Politik sei erforderlich, bevor sich diese Probleme weiter ver- schlimmern und die Möglichkeiten für wirkungsvolles Handeln immer stärker ein- geschränkt werden. Angesichts der Dringlichkeit, Reichweite und Komplexität der dem Rat vorliegenden Herausforderungen blieben die auf der ganzen Welt in Gang gekommenen Anstrengungen allerdings weit hinter dem zurück, was erforderlich sei. Es müsse eine neue Ära der globalen Zusammenarbeit und der gegenseitigen Ver- pflichtungen beginnen, wie sie in der Geschichte ohne Beispiel sei.
Ebenfalls 1980 erschien der unter der Bezeichnung „Brandt-Report“ bekannt ge- wordene „Nord-Süd-Bericht“ (vollständiger deutscher Titel: "Das Überleben sichern. Gemeinsame Interessen der Industrie- und Entwicklungsländer") der „Unabhängigen Kommission für internationale Entwicklungsfragen“. Diese Kommission war auf An- regung des damaligen Präsidenten der Weltbank, Robert S. McNamara, 1977 ge- gründet worden und wurde von Willy Brandt geleitet. Der Kommission gehören Ver- treter aus insgesamt 20 Staaten, die Hälfte davon Entwicklungsländer, an. Zu den Teilnehmern zählten unter anderem der ehemalige Ministerpräsident Schwedens und Autor des später unter der Bezeichnung „Palme-Report“ bekannt gewordenen zweiten Berichtes der Nord-Süd-Kommission, Olof Palme (Kopfmüller et. Al: Nach- haltige Entwicklung Integrativ Betrachten, 2001, S. 23f).
Ihre Hauptaufgabe sah die Kommission darin, die ernsten Probleme von globalen Ausmaßen zu untersuchen, wie sie sich aus den wirtschaftlichen und sozialen Un-
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 22
gleichgewichten der Weltgemeinschaft ergeben und Wege dafür aufzuzeigen, wie angemessene Lösungen für die Entwicklungsprobleme und Armut vorangetrieben werden können. Der viel diskutierte Report gilt mit seinen zukunftsweisenden Strategien und Konzepten bis heute als Meilenstein der Entwicklungspolitik. Im Anschluss an den Brandt-Report folgte 1983 der sogenannte
„Palme-Report“.
Dieser Bericht war das zweite Ergebnis der Arbeiten der „Nord-Süd-Kommission“. Er behandelte die globale Perspektive der Entwicklungsthematik noch ausführlicher und brachte sie damit auf die internationale politische Agenda (KOPFMÜLLER 2001, S. 23).
1987 veröffentlichte die „Weltkommission für Umwelt und Entwicklung“ ihren auch als „Brundtland-Report“ bekannt gewordenen Zukunftsbericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ (’’Our Common Future’’). Dieser beeinflusste die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik maßgeblich. Er wurde auf zwei inter- nationalen Konferenzen (1987 in London und 1988 in Mailand) eingehend diskutiert und war der auslösende Hauptfaktor für die Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992.
Die „Weltkommission für Umwelt und Entwicklung“ (WCED = ’’World Commission on Environment and Development’’) wurde 1983 von den Vereinten Nationen (UN = ’’United Nations’’) als unabhängige Sachverständigenkommission gegründet. Diese Kommission bestand aus 22 Mitgliedern, allesamt international anerkannte Politiker, Wissenschaftler, Juristen und Diplomaten, aus Afrika, Nord- und Südamerika, Asien sowie Ost- und Westeuropa und wurde von der Norwegerin Gro Harlem Brundtland sowie dem Sudanesen Mansour Khalid geleitet. Deutschland war in dieser Kommission durch den Politiker Volker Hauff, Bundesverkehrsminister von 1982 bis 1983, vertreten.
Die wesentliche Aufgabe dieser Kommission war es, ein „weltweites Programm des Wandels zu entwickeln“. Darüber hinaus wurde die Kommission insbesondere damit beauftragt, „langfristige Umweltstrategien vorzuschlagen, um bis zum Jahr 2000 und darüber hinaus dauerhaft Entwicklung zu erreichen“ (HAUFF 1987, XIX).
Der Abschlussbericht der Brundtland-Kommission ist deswegen so bedeutend für die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik, weil hier erstmals das Leitbild einer „nachhaltigen Entwicklung“ dargestellt wurde. Die Kommission ver- steht darunter eine Entwicklung, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation ent- spricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ Das von der Kommission vorgestellte Konzept einer nachhaltigen Entwicklung bildete zum ersten Mal die Grundlage einer integrativen globalen Politikstrategie. So wurden herkömmlich als getrennt betrachtete Problembereiche wie u.a. Umweltver- schmutzung in Industrieländern, globale Hochrüstung, Schuldenkrise, Bevölkerungs- entwicklung und Wüstenausbreitung in der Dritten Welt in einem Wirkungsgeflecht gesehen, das durch einzelne Maßnahmen nicht würde gelöst werden können. Der Brundtland-Bericht und die folgende Debatte um die Operationalisierung des Nachhaltigkeitsleitbildes bildeten die wesentliche Grundlage für die in Rio de Janeiro
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 23
1992 abgehaltene UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED), welche auch als
„Erdgipfel“
bekannt wurde (KOPFMÜLLER 2001, S. 26; GRUNWALD 2006, S. 22). Der Bericht der Brundtland-Kommission hatte auf einen dringenden Handlungs- bedarf der internationalen Völkergemeinschaft hingewiesen. Doch die in diesem Be- richt erhobenen Forderungen und Vorschläge mussten auch in international ver- bindliche Verträge und Konventionen umgesetzt werden, um wirksam zu werden. Als Instrument wählten die Vereinten Nationen hierfür die Form einer Konferenz, die genau 20 Jahre nach der 1. weltweiten Umweltkonferenz stattfinden sollte. Der
„Erdgipfel“
in Rio de Janeiro, der 1992 stattfand, wurde von den Vereinten Nationen über mehrere Jahre intensiv vorbereitet. Unter anderem durch Berichte aus über 120 Ländern und durch Expertenarbeitsgruppen aus verschiedenen UN- Gremien wie der UN-Wirtschaftskommission (UNCTAD), dem UN- Entwicklungsprogramm (UNDP) und der Ernährungs- und Landwirtschafts- organisation (FAO) sowie der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). An der Konferenz nahmen annähernd 10.000 Delegierte aus 178 Staaten der Erde teil. Am Ende der Konferenz sollten schließlich Ergebnisse stehen, die das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung von Empfehlungen einer unabhängigen Kommission zu politisch und rechtlich verbindlichen Handlungsvorgaben weiterentwickeln sollten. Nicht nur umweltpolitische Probleme waren Gegenstand der Konferenz; vielmehr sollten auch die drängenden globalen Entwicklungsprobleme im umweltpolitischen Zusammenhang behandelt werden. Ziel war es, die Weichen für eine weltweite nachhaltige Entwicklung zu stellen. Dabei war insbesondere die Abhängigkeit des Menschen von seiner Umwelt und die Rückkopplung weltweiter Umweltver- änderungen auf sein Verhalten bzw. seine Handlungsmöglichkeiten zu berück- sichtigen.
Schlussendlich kamen in Rio fünf „Dokumente“ zustande, die vor dem Hintergrund der Vielzahl der Interessengegensätze (z.B. beim Thema Wald oder Klimaschutz) von vielen Seiten als ein erfolgreicher Schritt für eine globale Umwelt- und Ent- wicklungspartnerschaft gesehen werden. Dazu zählen „Die Deklaration von Rio über Umwelt und Entwicklung“, „Die Klimaschutz-Konvention“, „Die Artenschutz- Konvention“, „Die Walddeklaration“ und, die vielleicht bekannteste Erklärung, „Die Agenda 21“ (GRUNWALD 2006, S. 23).
Dass die Konferenz so erfolgreich verlief und bis heute als zentrales Ereignis der Geschichte der Bemühungen um nachhaltige Entwicklung gilt, ist der außergewöhn- lichen Atmosphäre, dem sogenannten „Geist von Rio“, zu verdanken. Dieser entstand aufgrund des besonderen Engagements einzelner Staaten und Staatengruppen sowie der umfangreichen Medienberichterstattung auf der ganzen Welt, die den Druck auf die Entscheidungsträger wahrnehmbar erhöhte (GRUNDWALD 2006, S. 22f).
Zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Rio-Konferenz wurden eine Reihe von Folgeaktivitäten vereinbart. Dazu zählte auch eine Reihe von weiteren Konferenzen der Vereinten Nationen, darunter beispielsweise die Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo, der Weltsozialgipfel 1995 in Kopenhagen, aber auch die Klima- konferenz 1997 in Kyoto (GRUNWALD 2006, S. 24).
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 24
Die Koordination der verschiedenen Aktivitäten auf globaler Ebene wurde der UN- Kommission für nachhaltige Entwicklung (UN-Commission on Sustainable Develop- ment CSD) übertragen (GRUNWALD 2006, S, 24).
In der „United Nations Millennium Declaration“ vom September 2000 wurden die sogenannten Millenniumsziele festgelegt. Diese Ziele sahen vor, extreme Armut und Hunger zu beseitigen, eine für alle zugängliche Grundausbildung sicherzustellen, die Chancengleichheit zwischen Mann und Frau zu fördern, die Kindersterblichkeit zu reduzieren, die Gesundheit von Müttern zu verbessern, epidemische Krankheiten wie HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria zurückzudrängen, die ökologische Nachhaltig- keit sicherzustellen und eine globale Partnerschaft für Entwicklungsangelegenheiten zu etablieren (GRUNWALD 2006, S. 25).
2002 fand, wie vorgesehen, der ’’World Summit on Sustainable Development“ (WSSD), der zweite Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung, „Rio+10“, in Johannes- burg statt. Im Rahmen dieser Konferenz wurde ein Aktionsplan verabschiedet, welcher die grundlegenden Probleme der Menschheit lösen und die Erde schonender bewirtschaften solle als bisher. Dazu wurden neue Ziele und Um- setzungsprogramme für den weltweiten Umweltschutz und die Armutsbekämpfung beschlossen (GRUNDWALD 2006, S. 25).
Auch auf nationaler Ebene fand das Prinzip der Nachhaltigkeit im Anschluss an die beiden Konferenzen in Rio und Johannesburg immer mehr Zuspruch. So fand unter anderem im Jahr 2005 das bereits vierte Kolloquium der Stiftung „Forum für Ver- antwortung“ statt. Das Thema dieses Kolloquiums lautete in der Konsequenz „Die Zukunft der Erde – was verträgt unser Planet noch“ (JÄGER 2007, S. 13).
Ebenfalls Berücksichtigung fand der Nachhaltigkeitsgedanke in der Zivilgesellschaft. So wurde im Rahmen des „96. Deutschen Katholikentages“ 2006 in Saarbrücken, der unter dem Motto „Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht“ stattfand, über den Aspekt der Nachhaltigkeit diskutiert (JÄGER 2007, S. 14).
Nachdem der Gedanke der Nachhaltigkeit auf politischer, wirtschaftlicher und kirch- licher Ebene bereits früh diskutiert wurde, wurde es nicht zuletzt durch den im Jahre 2006 erschienen Film „Eine umbequeme Wahrheit“ (’’An Inconvenient Truth’’) von dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore auch in der breiten Gesellschaft interessiert aufgenommen. Dazu beigetragen haben sicherlich auch die un- erwarteten Wetterkatastrophen auf der ganzen Welt und die regelmäßigen und un- erfreulichen Meldungen über den Klimawandel und das weltweite Artensterben. Die nächsten großen “Meilensteine” der Nachhaltigkeitsbewegung auf globaler Ebene sind das Jahr 2015, in dem die im Jahr 2000 verabschiedeten Millenniumsziele erreicht sein sollen, sowie das Jahr 2017, für das, 25 Jahre nach der Konferenz in Rio de Janeiro, eine weltweite Bestandsaufnahme und Evaluierung der bis dahin er- reichten und nicht erreichten Ziele vorgesehen ist (GRUNWALD 2006, S. 26).
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
- ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG VON NACHHALTIGKEIT - 25
1.2 Definitionen von Nachhaltigkeit
1.2.1 Frühe Definitionen
Definition nach Hans Carl von Carlowitz (1713)
Bei der Beschreibung, wie dem Raubbau am Wald Einhalt zu gebieten sei, äußert von Carlowitz, dass der traditionelle Begriff „pfleglich“ ihm nicht ausreichend die lang- fristige zeitliche Kontinuität von Naturnutzung und den Gedanken des Einteilens und Sparens von Ressourcen zum Ausdruck bringe (GROBER 2002, S. 120). Daraus lässt sich im Umkehrschluss ableiten, „nachhaltend“ bedeute - in der Ver- wendung durch von Carlowitz - eine „langfristige zeitliche und kontinuierliche Nutzung (von Holz) durch das Einteilen und Sparen von Ressourcen“.
Definition nach Hermann Friedrich von Göchshausen (1732)
Hermann Friedrich von Göchshausen, der 1732 als Erster den Begriff „Nachhaltigkeit“ verwendete, bezeichnete damit die Bewirtschaftungsweise eines Waldes, bei welcher immer nur so viel Holz entnommen werden dürfe, wie auch nachwachsen könne, so dass der Wald nie zur Gänze abgeholzt werde, sondern sich immer wieder re- generieren könne. (GROBER 2002, S. 123; TREMMEL 2003, S. 98) Definition nach Wilhelm Gottfried Moser (1757)
Auch der Forstmann Wilhelm Gottfried Moser griff das Wort „nachhaltig“ auf, er- weiterte es aber in seiner Bedeutung. So beschreibt er in seinem zweibändigen Werk „Grundsätze der Forst-Oeconomie“ von 1757 systematisch alle Aspekte des Wald- baus: „...so fieng man endlich an, den Holz-mangel schmerzlich zu fühlen. Und dieses hat uns nunmehro gedrungen: 1. auf eine nachhaltige Wirtschaft mit unseren Wäldern. 2. Auf Holzsparkünste. 3. Auf Nachpflanzen und neuen Holz-Anbau sowohl im einzeln, als auch in denen Blössen der Wälder, theils vor uns, theils vor unseren Kindern und Nachkommen zu denken: und dieses ist so vernünftig, gerecht, klug und gesellschaftlich, je gewisser es ist, dass kein Mensch nur blos für sich, sondern auch für andere und die Nachkommenschaft leben müsse... “ (GROBER 2002, S. 123)
Definition nach Georg Ludwig Hartig (1795)
Georg Ludwig Hartig war Leiter des preußischen Forstwesens und einer der be- deutendsten deutschen Forstwissenschaftler. Im Vorwort seines Buches „Anweisung zur Taxation der Forste oder zur Bestimmung des Holzertrages der Wälder“ findet sich ebenfalls der Gedanke der Nachhaltigkeit wieder:
„...es lässt sich keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holz- abgabe aus den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist. Jede weise Forst- direktion muß daher die Waldung des Staates ohne Zeitverlust taxieren lassen und zwar so hoch als möglich, doch so benutzen suchen, dass die Nachkommenschaft wenigstens ebenso viel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet... “ (GROBER 2002, S. 124)
Mit den Definitionen von Moser und Hartig wurde erstmals im Zusammenhang mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit nicht mehr nur eine bewusste Nutzung genannt,
- Nachhaltigkeit an Hochschulen -
Arbeit zitieren:
Benedikt Gries, 2008, Nachhaltigkeit an Hochschulen - Beitrag für eine Konzeption einer nachhaltigen Hochschule Fulda, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Benedikt Gries's Text Nachhaltigkeit an Hochschulen - Beitrag für eine Konzeption einer nachhaltigen Hochschule Fulda ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Benedikt Gries hat den Text Nachhaltigkeit an Hochschulen - Beitrag für eine Konzeption einer nachhaltigen Hochschule Fulda veröffentlicht
Benedikt Gries hat einen neuen Text hochgeladen
Nachhaltiges Marketing-Management
Möglichkeiten einer umwelt- un...
Ingo Balderjahn, Karlheinz Wöhler, Claudia Fantapie Altobelli, Cornelia Zanger
Ziele, Strategien und Perspekt...
Heike Bühler, Gabriele Naderer, Robertine Koch, Carmen Schuster
Hochschule, Innovation, Region
Wissenstransfer im räumlichen ...
Michael Fritsch, Tobias Henning, Victor Slavtchev, Norbert Steigenberger
Lernumwelt Hochschule und akademisches Lernen
Die subjektive Wahrnehmung soz...
Marold Wosnitza
0 Kommentare