Inhalt
I. Vorwort
II. Einleitung
1. Zur Situation der Frauen in der Gesellschaft -Gestern und Heute-
2. Die Rolle der Frau -Gestern und Heute-III. Frauenleben in Walsrode Zusammenfassung Danksagung Literaturnachweis Versicherung
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I. Vorwort
Weil das Fachgebiet der Geschichte mich sehr interessiert, habe ich mir als Thema für die Anfertigung der Hausarbeit hinsichtlich meiner Teilnahme an der Frauenakademie an der Universität in Hannover die Geschichte von Frauen eines Ortes, zu welchem ich einen persönlichen Bezug habe, gewählt. Zur Zeit lebe ich mit meinem Mann in Schwarmstedt. Er stammt gebürtig aus Walsrode, ich selbst aus Lehrte. Sowohl in als auch in der Region um Walsrode zählt die Familie meines Mannes zu denen, die dort seit Generationen ansässig sind. Ich habe mich daher zwecks der Anfertigung meiner Hausarbeit mit dem Leben und Wirken von Walsroder Frauen in Form von Recherchen im dortigen Stadtarchiv, in der Literatur sowie Gesprächen mit Frauen in ihrer Rolle als Zeitzeuginnen beschäftigt.
Während dessen stellte ich mir die Frage, inwiefern Frauen und ihre Leistungen in den Geschichtsbüchern überhaupt dargestellt werden: Denn, bis auf wenige Ausnahmen wird wenig von dem erkennbar, was Frauen unter anderem für die Gesellschaft, die Wissenschaft oder in der Politik geleistet haben. Die erst in jüngerer Zeit durch Historiker und Historikerinnen stattfindende verstärkte Beschäftigung, diese vergessenen oder nie richtig zur Kenntnis genommenen Leistungen aufzuarbeiten, stellt ein schwieriges Unterfangen dar.
Je weiter in der Vergangenheit zurückgegangen werden muß, um so seltener sind aussagekräftige Dokumente vorhanden; denn engagierte, aus dem Lebensbereich Haus und Familie heraustretende Frauen gelten als Randerscheinung und waren wegen ihres Verhaltens nicht selten starken Anfeindungen ausgesetzt.
Zudem wurde dieses oft genug totgeschwiegen.
Auch in der Geschichtsschreibung der Stadt Walsrode kommen Frauen selten vor. Ich bin mir bewußt, daß der Versuch, die Geschichte von Frauen in Walsrode zu beschreiben, nicht alle Bereiche von Politik und Gesellschaft dieser Stadt darstellen wird. So werden sich z.B. Jüdische Frauen, Aussiedlierinnen 1) , Flüchtlingsfrauen 2) , Asylbewerberinnen, Handwerksfrauen nicht in mei-
1) =allePersonen deutscher Nationalität, die nach Abschluß der systematischen Vertreibung am und nach Ende des 2. Weltkrieges (1945 - ’49) aus den damaligen deutschen Ostgebieten, den ostund südeuropäischen Staaten sowie China in die Bundesrepublik Deutschland gekommen sind und dort ihren Wohnsitz genommen haben (vgl. Beck, Reinhart, Sachwörterbuch der Politik, 2. Auflage, Stuttgart: Kröner 1986)
2) Flüchtling = (völkerrechtlich =) Person, die wegen Verlassens ihres ständigen Wohnsitzes aufgrund kriegerischer
nem Buch wiederfinden. Vorliegende Arbeit erhebt daher nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Folgende Ausführungen sind ein Anfang, einige der vergessenen Frauen aus dem Verborgenen zu holen und sie an den ihnen gebührenden Platz in der Geschichte in der Gesellschaft zu stellen. An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei allen Autorinnen und Autoren für die Beiträge sowie bei meinen Interviewpartnerinnen für die tatkräftige Unterstützung.
In Walsrode ist Geschichte auch heute noch sehr gut sichtbar. Ein Blick auf die alten Häuser, Kirchen und das Alte Rathaus läßt die einseitige Bedeutung der Stadt erahnen. Durch Gästeführerinnen angebotene Stadtführungen lassen vergangene Zeiten lebendig werden.
Straßennamen erinnern an bedeutende Persönlichkeiten, in der von Hans Stuhlmacher 3) verfaßten Chronik der Stadt Walsrode sind die Stadtväter der Vergangenheit erwähnt, die in guten wie in schlechten Zeiten die Geschikke der Stadt geprägt haben. Doch wer oder was erinnert an Walsroder Frauen? Es gibt zwar einige wenige Straßen, Denkmale und Grabstätten, die Frauennamen tragen. Doch wem sagen diese heute noch etwas? Wer weiß noch den Namen Fräulein von Stoltzenberg einzuordnen? Wer weiß, daß die Äbtissin Therese von Plato dem heutigen Therese-von-Plato-Kindergarten ihren Namen gegeben hat? Die Bedeutung und das Wirken dieser und vieler anderer Walsroder Frauen liegen eher im Verborgenen oder sind vergessen. Nachfolgende Generationen erhalten kaum Kenntnis darüber, wie es couragierten Frauen gelungen ist, in Bereichen Fuß zu fassen, in denen wir uns heute selbstverständlich bewegen, die jedoch einst ausschließlich männlich geprägt waren. Es ist kaum etwas darüber zu erfahren, wie Frauen das gesellschaftliche Leben, die Entwicklung und das Ansehen der Stadt beeinflußt haben.
In meinem Buch über „Frauengeschichte in Walsrode“ stelle ich einige Wals-roder Frauen der vergangenen 200 Jahre vor - Frauen, die jede in ihrer Zeit auf ihre Weise Ungewöhnliches geleistet haben und ausnahmslos mutig waren. Ich will das Andenken an sie wachhalten. Darüber hinaus möchte ich die Leserinnen und Leser anregen, sich selbst auf Spurensuche zu begeben.
ten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt oder besessen hat und den diplomatischen Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder will (vgl. Beck, Reinhart, Sachwörterbuch der Politik,
2. Auflage, Stuttgart: Kröner 1986
3) = Lehrer in Schneeheide und Kreisheimatpfleger a.D. (vgl. Kreis Fallingbostel (Hrsg.), Der Kreis Fallingbostel, Ein Heimatbuch des Kreises, Verlag Louis Scheling, Walsrode
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Es gibt sicher noch viele weibliche Persönlichkeiten zu entdecken. Wer daran
mitarbeiten oder helfen möchte, deren Namen, Bedeutung und Wirken aufzu-
spüren, ist dazu herzlich eingeladen. Mein Buch über „Frauengeschichte in
Walsrode“ sind ein erster Schritt.
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II. Einleitung
1. Zur Situation der Frauen in der Gesellschaft -Gestern und Heute-
„hinausins feindliche Leben ...
das Glück zu finden...“ 4)
Als Gründerin der deutschen Frauenbewegung gilt Luise Otto-Peters (1819-1895). Sie war von der politischen Begeisterung ihrer Zeit und den weltanschaulichen Ideen jener Epoche von Freiheit, Gleichheit, Selbständigkeit erfaßt worden. Wegen ihrer politischen Poesie wurde sie als „Lerche des Völkerfrühlings“ gefeiert.
Nicht nur Luise Otto-Peters, sondern auch andere Frau-en jener Zeit waren über die Begeisterung der sozialen und demokratischen Bewegung in Deutschland um die 1848’er Revolution auf die spezielle gesellschaftliche Lage der Frauen aufmerksam geworden und setzten sich in „Wort und Tat“ für eine Veränderung ein. Wenn auch der formale Zusammenschluß und damit die organisierte Frauenbewegung erst 1865 entstand, so ist jedoch ihr Ursprung in diese Zeit zu datieren. 5)
Die Frau des 19. Jahrhunderts erkannte, daß sie in einer Männerwelt lebte: Sie sah, daß die Familie, der Beruf, die Bildungsmöglichkeiten, die Stadt, der Staat, die innere und äußere Politik, ja auch die Kirche von Männern nach Männerbedürfnissen und -wünschen eingerichtet waren. Weiter sah sie, daß alle diese Bildungen mit Mängeln behaftet waren, unter denen die Frau litt. Das war jedoch nicht das Schlimmste. Unter diesen Mängeln litt die Menschheit, die verkümmerte, vergröberte. Ihre Schöpfungen wurden Mechanismen. Ihre Mittel waren roh, ihre Wirkungsmöglichkeiten gering. Um mathematisch zu reden: Keine Gleichung, kein Exempel stimmte. Denn, im Ansatz fehlte immer ein Faktor. Nach
4) Der Titel „...hinaus ins feindliche Leben, das Glück zu finden“ ist frei zitiert nach Friedrich Schiller: „Lied von der Glocke“. Die Strophe, auf die Bezug genommen wird, beschreibt die Rolle des Mannes im 19. Jahrhundert: „Der Mann muß hinaus Im Gegensatz dazu ins feindliche Leben, die Rolle der Frau: Muß wirken und streben Und pflanzen und schaffen, „Und drinnen waltet Erlisten, eraffen, Die züchtige Hausfrau,
Muß wetten und wagen, Das Glück zu erjagen.“
5) vgl.: Rosemarie Nave-Herz (Hrsg.’in) Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1993, Vierte, völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, S. 11
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Arbeit zitieren:
Edith Cohrs, 1999, Frauengeschichte in Walsrode, München, GRIN Verlag GmbH
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