Gliederung
1 Einleitung 3
2 Hauptteil 3
2.1 Männliche und weibliche Identitätsfindung 3
2.2 Geschlechtsspezifische Ausgestaltung des Lehrerberufes 4
2.3 Geschlechtsspezifische Verknüpfung der Institution Schule mit der Person 7
3 Fazit 9
4 Literatur 11
2
1 Einleitung
Die Einstellung von Lehrern und Lehrerinnen gegenüber ihrem Beruf bewirkt maßgeblich, wie sie diesen individuell ausgestalten. Eine positive beziehungsweise negative Lehrereinstellung beeinflusst das Verhalten der Lehrer gegenüber den Schülern/innen und so indirekt auch das Schülerverhalten. In der Einstellungsforschung gibt es mehrer Untersuchungen, die sich mit dem Effekt der Einstellung auf die Schüler beschäftigen. Nur eine davon ist beispielsweise die viel diskutierte Pygmalion-Studie 1 . Sie und andere belegen, wie bedeutend die Einstellung der Lehrer für ihre Tätigkeit ist, daher ist es auch wichtig nachzufragen wie Einstellungen zustande kommen. Hier besagt die Einstellungsforschung, dass neben vielen weiteren Faktoren ein zentraler die Lehrerpersönlichkeit selbst ist. Ein wichtiger Teil der Persönlichkeit ist auch das Geschlecht, daher beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit den Unterschieden zwischen Männern und Frauen in ihrer Einstellung und als Folge daraus auch mit ihrem Unterrichts- und Erziehungsstil. Um die Unterschiede in ihrer Entstehung erklären zu können, ist zunächst ein Exkurs über die männliche und weibliche Identitätsfindung sinnvoll, bevor auf die unterschiedliche Ausgestaltung des Lehreberufes durch die Geschlechter eingegangen wird. Als letzter Schritt beschäftigt sich diese Arbeit dann mit der Verknüpfung von Schule als Institution mit der Person des oder der Lehrenden, wobei sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede noch einmal deutlich hervorheben.
2 Hauptteil
2.1 Männliche und weibliche Identitätsfindung
Grundlegende Unterschiede zwischen Männern und Frauen in allen Bereichen des Lebens nehmen ihren Anfang in der geschlechtsspezifischen Identitätsfindung, die für beide Geschlechter unterschiedlich verläuft. Durch die auch in der heutigen Gesellschaft noch bestehende Arbeitsteilung, in den ersten Monaten der
1 Rosenthal, R. & Jacobsen, L.: Pygmalion im Unterricht -Lehrererwartungen und Intelligenzentwicklung der
Schüler. Weinheim, Beltz (1971).
3
Kindererziehung bleibt meist immer noch die Frau zu Hause 2 , herrschen für Jungen und Mädchen unterschiedliche Sozialisationsbedingungen. Die erste Bezugsperson ist also für fast alle Kinder eine Frau, meist die Mutter. Diese wird ihre Kinder auf Grund deren und ihres eigenen Geschlechts bewusst oder unbewusst unterschiedlich behandeln 3 . Eine Tochter wird von der Mutter „als Verlängerung ihres eigenen Selbst“ (Flaake S. 323f) gesehen, während ein Sohn recht früh als andersgeschlechtlich erkannt und vom eigenen Ich abgegrenzt wird. Eine Loslösung aus dieser anfänglichen symbiotischen Mutter-Kind Beziehung ist aber für beide Geschlechter notwendig, um ein eigenes Ich zu bilden. Sie verläuft jedoch grundlegend verschieden. Bei Mädchen erfolgt die Bildung des eigenen Ichs über die Identifikation mit der Mutter, es ist also eine Autonomiefindung, die auf einer Hinwendung zu einer Person beruht. Jungen hingegen müssen sich von der Mutter lösen, um sich ein männliches Identifikationsobjekt zu suchen. Dies muss nicht zwingend der Vater sein. Die Autonomiefindung erfolgt bei Jungen also zunächst über eine Loslösung bevor eine Identifikation stattfinden kann. Als Folge dieser verschiedenen Prozesse der Ich-Bildung ergibt sich die männliche beziehungsweise weibliche Identität. Die männliche Identität definiert sich durch eine Abgrenzung und Trennung vom Anderen, dadurch ist die männliche Geschlechtsidentität zwar autonom aber labil. Durch eine Bekämpfung des Weiblichen im eigenen Ich wird versucht diese eigene Identität zu sichern. 4 Die weibliche Identität ist über eine Zuwendung zu anderen Menschen und über Beziehungen definiert. Sie zeichnet sich durch Emotionalität und Nähe als die bedeutendsten Aspekte aus. Eine zentrale Angst ist der Verlust dieser Nähe.
2.2 Geschlechtsspezifische Ausgestaltung des Lehrerberufes
Die Ausgestaltung des Lehrerberufes kann je nach Alter und Geschlecht der Lehrenden sehr unterschiedlich erfolgen. Im Folgenden sollen Tendenzen beschrieben werden, die bei jüngeren Lehrerinnen, älteren Lehrerinnen, jüngeren Lehrern und älteren Lehrern auftreten können. Die ersten Unterschiede zeigen sich
2 „…weiterhin sind es Frauen, die für den Bereich des als privat Angesehenen, für emotionale Zuwendung,
Unterstützung und Fürsorge –nicht nur für Kinder, sondern auch ihre Partner in Beziehungen- zuständig sind…“
(Flaake S. 317)
3 Die folgenden Ausführungen zur Identitätsbildung stützen sich auf Flaake (1989) die sich wiederum orientiert
an Nancy Chodorow: Das Erbe der Mütter. Psychoanalyse und Soziologie der Geschlechter. München (1985).
4 „ So ist männliche Identität labiler als weibliche und auf rigidere Stabilisierungsmechanismen angewiesen, die
auf einer Distanzierung vom Weiblichen beruhen.“ (Flaake S. 326)
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Sonja Rieber, 2006, Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Einstellung, Wahrnehmung, Unterrichts- und Erziehungsstil, Munich, GRIN Publishing GmbH
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