Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Hauptteil 3
2.1 Definition und Formen von Massenverlagerungen 3
2.2 Häufigkeiten und Verbreitung in den Alpen 8
2.3 Datierung von größeren Massenbewegungen in den Alpen. 10
2.4 Zunahme von Naturkatastrophen? 12
3 Fazit 13
1 Einleitung
Massenverlagerungen in den Alpen erfahren in den Medien zunehmende Beachtung. Auch im
letzten Jahr sorgten zwei Vorkommnisse für Schlagzeilen. Am 31.5.2006 kamen zwei
Menschen in der Schweiz durch Steinschlag am Gotthard ums Leben.
Das zweite Ereignis geschah wenig später: Im Juli 2006 kam es auch in Österreich, am Eiger,
zu Felsstürzen, die in den Medien allgemein als Folge der abschmelzenden Gletscher
beschrieben wurden. Bei diesen beiden Bewegungen handelt es sich um kleinere Ereignisse,
die in Relation zu den zahlreichen großen Massenabgängen der Alpen von untergeordneter
Bedeutung sind. Dennoch verdeutlichen sie die Problematik der Massenbewegungen: Durch
dichtere Besiedlung und eine immer bedeutender werdende Rolle der Alpen als
Wirtschaftsraum , steigt die Anfälligkeit und damit auch die Gefahr durch Naturereignisse wie
Massenbewegungen. Sowohl Erkenntnisse über die Ursachen dieser Ereignisse als auch
M öglichkeiten zur Vorhersage und gegebenenfalls Prävention oder zumindest
Schadensreduzierung werden folglich für die betroffenen Alpenländer immer wichtiger.
Hinzu kommen neuere Untersuchungen über das Alter mehrerer großer Bergstürze in den
Alpen , die dafür sprechen, dass Katastrophen dieses Ausmaßes in den heutigen
Klimaverh ältnissen möglich sind. Auch durch die Klimaerwärmung erfährt das Thema
ungeahnte Aktualität. Das Ökosystem der Alpen reagiert durch den Rückgang der Gletscher
und des alpinen Permafrostes empfindlich auf die Auswirkungen des globalen
Temperaturanstieges.
Noch ist nicht eindeutig geklärt, in welchem Maße sich diese veränderten Bedingungen auf
die Häufigkeit und Größe von Massenbewegungen auswirken. Es gibt jedoch Anzeichen und
erste Anhaltspunkte dafür, dass es zu einer Zunahme von Massenbewegungen kommen
k önnte.
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Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Verbreitung die Formen und die Häufigkeit von Massenverlagerungen speziell in den österreichischen Alpen. Begonnen wird mit einer Definition von Massenbewegungen oder -verlagerungen. Aus dieser Definition ergeben sich die verschiedenen Formen von Massenbewegungen, wobei die wichtigsten kurz beschrieben werden.
Anschließend wird auf ihre Verbreitung in den Österreichischen Alpen mit einigen Beispielen eingegangen
Der nächste Teil beschäftigt sich mit der Häufigkeit von Massenbewegungen. Hierbei spielt das Alter von Massenbewegungen sowie die Art eine Rolle.
2 Hauptteil
2.1 Definition und Formen von Massenverlagerungen
RAETZO & LATELTIN (2003: 73) beschreiben eine Massenbewegung zunächst als „hangabwärts gerichtete Verlagerungen von Fest- und/oder Lockergesteinen“. Eine genauere Definition findet sich bei LESER (1997: 496). Hier wird zwischen der geowissenschaftlichen Definition der Massenbewegung als einem Materialtransport im weitesten Sinne und einer für diese Arbeit treffenderen geomorphologischen Definition unterschieden. Nach LESER (1997: 496) werden in der Geomorphologie „alle Bewegungen von gleitendem, rutschendem und stürzendem Boden-, Hangschutt-, und Gesteinsmaterial unter ausschließlichem Einfluß der Schwerkraft auf geneigten Hängen und ohne wesentliche Beteiligung bewegter Medien, z. B. Eis, Wasser oder Wind“ als Massenbewegungen beziehungsweise gravitative Massenbewegungen, in Abgrenzung vom Massentransport (mit Beteiligung bewegter Medien), bezeichnet.
Weiter unterscheiden RAETZO & LATELTIN (2003: 73) Massenbewegungen in Sturzprozesse (Stein- und Blockschlag, Fels- und Bergstürze), Rutschungen und Hangmuren. Hinzu kommen Kriterien, wie die Geschwindigkeit und die Dauer der Bewegung. So wird in schnelle und plötzliche oder langsame und kontinuierliche Bewegungen unterteilt.
Bewegungsarten:
Die Bewegungsart oder der Bewegungstyp einer Massenbewegung wird als eines der Hauptkriterien zur Klassifikation betrachtet. VARNES & CRUDEN (1996: 53) unterscheiden, wie schon kurz erwähnt, zunächst zwischen fünf unterschiedlichen kinematischen Typen von
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Massenbewegungen: Fallen, Kippen, Gleiten, Driften und Fließen. Diese fünf Typen sind in Abbildung 1 schematisch dargestellt.
Fallbewegungen können unterschiedliche Ausmaße annehmen, ihnen gemeinsam ist, dass sich das Material entlang einer Trennfläche von einem Steilhang oder Kliff ablöst, wobei sich die Scherspannung im Vorfeld nicht oder nur wenig verändert. Der Abgang des Locker- oder Festgesteins erfolgt im freien Fall, durch Aufprallen und Rollen (DICKAU & GLADE 2002: 40). Die Geschwindigkeit der Bewegung ist sehr schnell bis extrem schnell. Oft gehen dem Fallen kleinere Bewegungen, wie kleine Rutschungen oder Stürze voraus, durch welche die bewegte Masse von der unveränderten Masse getrennt wird. Fallen wird oft durch die Unterspülung eines Steilhanges durch einen Fluss oder Wellengang verursacht Unter dem Begriff „Kippen“ verstehen VARNES & CRUDEN (1996: 54) vorwärtsgerichtete Rotationsbewegungen einer oder mehrerer Boden- oder Felseinheiten um einen Drehpunkt oder eine Achse unterhalb des Schwerpunktes der bewegten Masse. Kippbewegungen dieser Art können von der Gravitationskraft umliegender Einheiten oder durch das Eindringen von Wasser oder Eis in Klüfte ausgelöst werden. Oft leitet das Kippen ein weiteres Fallen oder
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Rutschen der bewegten Masse ein. Dies ist jedoch unter anderem abhängig von der Geometrie sowohl der Masse als auch der Trennfläche. Kippebewegungen gehören zu den relativ häufig auftretenden Massenbewegungen und können eine Größenordnung zwischen 100m³ und 1 Gm³ erreichen.
Unter Gleiten ist eine scherspannungskontrollierte Bewegung einer Gesteins- oder Erdmasse zu verstehen, die die Umlagerung einer oder mehrer Flächen innerhalb eines begrenzten Bereiches beinhaltet (MATTHESS & RUMP-SCHENK 1993: 415). Gleiten tritt vor allem an der Bruchoberfläche und an relativ geringmächtigen Zonen mit intensiver Scherspannung auf. Zu Beginn ist die Bewegung zeitlich nicht simultan verteilt über die gesamte Fläche, die später die Bruchoberfläche darstellt. Vielmehr vergrößert sich das Volumen der verlagerten Masse ausgehend von einer zunächst lokal begrenzten Schwächezone. Auch können die verlagerten Massen über die ursprüngliche Untergrundsfläche hinausgleiten. Diese wird dann zur so genannten Separationsfläche.
Driften oder laterale Verbreitung bezeichnet eine komplexe Massenbewegung, die in manchen geologischen Situationen relativ häufig auftritt. Der Begriff wurde 1948 von TERZAGHI & PECK 1 eingeführt, um eine plötzliche Massenbewegung auf einer wasserführenden Sand- oder Schluffschicht, die von homogenen Tonen überlagert wird, zu bezeichnen. MATTHESS & RUMP-SCHENK (1993: 422) bezeichnen Bewegungen als laterale Verbreitung, deren vorrangige Bewegungsart laterale ausgerichtet ist und von Scher-und Spannungsbrüchen begleitet wird. Sie unterscheiden zwischen zwei Typen von lateraler Verbreitung. Beim ersten Typ erfolgt eine allgemeine Ausbreitung ohne erkennbare, klar definierte Scherfläche und ohne „Zone des plastischen Fließens“ (MATTHESS & RUMP-SCHENK 1993: 422). Dieser Typ findet sich häufig auf Gebirgskämmen. Der zweite Typ beinhaltet Ausbreitung und Zerklüftung von kohärentem Material. Damit sind auch Festgesteine und Erden gemeint, welche durch eine Verflüssigung oder ein plastisches Fließen des darunter liegenden Materials verlagert werden. Bei diesem, zum Teil sehr langsam ablaufenden Prozess, können die Materialien abrutschen, versetzt werden, rotieren oder aufgespaltet werden. Es kann auch zu einer Verflüssigung kommen, die bewirkt, dass das Material den Hang hinab fließt. Diese Massenbewegungen können seitlich Ausmaße von mehreren Kilometern annehmen. Laut VARNES (1978) können solche Bewegungen durch geringe Scherfestigkeit in feinkörnigen Erden schon an sanften Hängen eintreten. Auch in
1 TERZAGHI, K. & PECK, R. B. (1948): Soil Mechanics in Engineering Practice. -566 S; New York (John Wiley & Sons).
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Arbeit zitieren:
Sonja Rieber, 2007, Massenverlagerungen in den österreichischen Alpen: Verbreitung, Formen, Häufigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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