Inhalt
1. Einführung. 3
2. Definitionen. 3
3. Prinzipien und Anwendungsmöglichkeiten 4
4. Elemente im Playback-Theater 6
4.1. Warm-up der Zuschauer. 7
4.2. Fließende Skulpturen. 7
4.3. Szenen bzw. Geschichten. 8
4.4. Paare 11
4.5. Später entstandene Variationen. 12
5. Playback-Schauspieler 14
6. Schlussworte. 16
Quellenverzeichnis 17
Julia Fischer Seite 2 19 12 2006
1. Einführung
Vor der Beschäftigung mit dem Thema „Playback-Theater“ hatte ich keine Ahnung, was es mit diesem Begriff auf sich haben könnte. Meine erste Vermutung war dahingehend, dass die Schauspieler auf einer Bühne spontan mit einer Tonaufnahme konfrontiert werden, die sie dann spielerisch in Szene setzen sollen, um somit das Publikum durch ihre Improvisation zu unterhalten.
Während der Recherche zu meinem Referat musste ich jedoch schnell feststellen, dass diese erste Annahme falsch war, obwohl ich mit meiner Vermutung der Improvisation nicht gänzlich daneben lag. Immerhin stellt diese Art von Theater eine Form des Improvisationstheaters dar.
In meinen folgenden Ausführungen möchte ich zunächst einige Definitionen zum Begriff Playback-Theater anbringen und schließlich auf seine Prinzipien und Anwendungsfelder kommen. Den Hauptteil meines Referates bilden die Elemente, die in einer Playbacktheater-Aufführung zur Anwendung kommen können. Abschließend werde ich noch erläutern, welche Eigenschaften und Fähigkeiten ein „guter“ Playback-Schauspieler haben sollte.
2. Definitionen
Eine umfassende Definition zum Begriff Playback-Theater lässt sich bei der Internet-Enzyklopädie Wikipedia (2006) finden. Danach ist es:
„... Improvisationstheater mit der Besonderheit, dass die Zuschauer über persönliche Erfahrungen
sprechen oder Begebenheiten aus ihrem Leben erzählen. In der Folge können sie zusehen, wie diese
auf der Bühne in Szene gesetzt werden. Die Spieler/innen setzen mittels Körperausdruck, sprachlicher
Improvisation und Musik die Schilderungen der Zuschauer so um, dass die Alltagserfahrungen einen
tieferen Sinn, Schönheit und mythische Dimension erhalten - es geschieht ein „zurück spielen“ (play
back).
Playback-Theater schätzt den Wert persönlicher Erfahrungen, versetzt Menschen in die Lage, ihr
Leben in neuer Weise zu sehen und verstärkt menschliche Begegnung.“ (Wikipedia 2006)
Julia Fischer Seite 3 19.12.2006
Die Mitbegründerin des Playback-Theaters Jo Salas (1998) beschreibt es ebenfalls als eine Form der Improvisation, die:
„.... beruht auf Geschichten von mehr oder weniger alltäglichen Ereignissen, die bei einer Vorstellung
erzählt werden - Träume, Erinnerungen, Phantasien, Tragödien und Farcen: Momentaufnahmen aus
dem Leben wirklicher Menschen. Diese Improvisation ist leicht zugänglich und macht Spaß, birgt
aber Differenziertheit und tieferen, subtileren Sinn. Sie findet in Theatern statt, aber auch außerhalb -
tatsächlich funktioniert sie in jeder Umgebung, gerade weil sie sich von ihrem Selbstverständnis her
den Bedürfnissen und Anliegen aller Anwesenden öffnet. Ob von routinierten Schauspielern oder
unbeholfenen Anfängern praktiziert, das Playback-Theater würdigt die Erfahrung einzelner und die
Beziehungen zwischen Menschen (...) durch ihre Geschichten.“ (Salas 1998, S. 13)
In einem weiteren Zitat von Henry Thorau in der ZEIT heißt es:
„Oft fließen im Playback-Theater Tränen der Trauer und des Glücks, verlassen Zuschauer den Stuhl
des Erzählers mit dem festen Entschluß, es der Welt zu zeigen. Manchmal sind das dann die
Momente, in denen am Horizont Piscator und Boal auftauchen, Playback-Theaterszenen zum
politischen Forum oder Tribunal werden.“ (Thorau, zitiert nach Salas 1998, S.210)
3. Prinzipien und Anwendungsmöglichkeiten
Die Grundannahme des Playback-Theaters ist, dass jeder Mensch kreative Fähigkeiten besitzt und über ein Bedürfnis verfügt, sich auszudrücken. Einzelne Mitglieder einer Gemeinschaft sollen die Möglichkeit bekommen, sich mit ihren Erfahrungen, Erlebnissen, Träumen und Wünschen den anderen Gruppenmitgliedern mitzuteilen und dabei regt die Playback-Darstellung sie zur Selbsterkenntnis und Reflexion an. Parallel dazu wird die Kommunikation innerhalb der Gesamtgruppe gefördert, was ausschließlich unter der Voraussetzung möglich ist, dass die Schauspieler jeden Erzähler mit seiner persönlichen Geschichte akzeptieren und diese weder bewerten noch kritisieren.
Nach Jonathan Fox ergeben sich für jede Playbacktheater-Aufführung folgende 3 Grundprinzipien:
- Der Ausgangspunkt einer jeden Erzählung ist immer eine persönliche Erfahrung.
- Jede Erfahrung sollte als wertvoll betrachtet werden und wird von den Schauspielern akzeptiert und gespielt.
Julia Fischer Seite 4 19.12.2006
- Das Mitteilen von persönlichen Erfahrungen lässt ein Gefühl von Gemeinschaft innerhalb einer Gruppe entstehen, was zur kulturellen Kohäsion dieser Gruppe beiträgt.
Hier wird deutlich, dass sich Playback-Theater praktisch für jede interessierte Gruppe eignet, woraus sich seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten ableiten lassen. Dabei kann eine Playbacktheater-Aufführung entweder durch eine eingeladene Schauspielgruppe realisiert werden oder die betreffende Gruppe spielt selbst unter der Anleitung eines erfahrenen Spielleiters.
Die zahlreichen Anwendungen von Playback-Theater sollen anhand folgender Beispiele verdeutlicht werden:
- Trainingsmethode für Gruppenleiter und Therapeuten: Hier können durch die Rollen der Spielleiter und Schauspieler beispielsweise folgende Fertigkeiten entwickelt werden: Flexibilität, Auffassungsgabe, Reaktionsvermögen, Intuition, Sensibilität, Zuhören, vielseitiges Rollenrepertoire, eigene kreative Potenziale sowie Spontaneität.
- Bildungswesen: Hier kann beispielsweise nach Abschluss einer Projektwoche zum jeweiligen Thema eine Playbacktheater-Aufführung stattfinden, in der sich persönliche Lernerfahrungen mitgeteilt und durch die Schauspieler noch vertieft werden können.
- Auftakt- oder Schlussveranstaltung einer Tagung oder Konferenz: Playback-Theater stellt hier ein gutes Mittel dar, um unterschiedliche Positionen, Meinungen und Erfahrungen zu veranschaulichen. In der Unparteilichkeit der Schauspieler liegt bei sehr kontrovers diskutierten Themen ein enormer Vorteil. Sie müssen in ihrem Spiel keine Rücksicht nehmen und tragen somit zur Gruppenkohäsion bei. Zu Beginn einer Konferenz können durch Playback-Theater die Befürchtungen, Hoffnungen und Erwartungen der Teilnehmer gespielt werden, wodurch das Spektrum der verschiedenen Meinungen deutlich wird. (vgl. Meyer, S. 6f.)
Jonathan Fox (1999) beschreibt folgende Einsatzmöglichkeiten von Playback-Theater:
- als auf die Gemeinde bezogenes Theater: Hiermit sind die ursprünglichen Auftritte jeden ersten Freitag im Monat gemeint, sich weithin verbreitet haben.
Julia Fischer Seite 5 19.12.2006
Arbeit zitieren:
Diplom-Kommunikationspsychologin (FH) Julia Fischer, 2006, Playback-Theater nach Jonathan Fox, München, GRIN Verlag GmbH
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