Historisches Seminar der
Christian Albrecht Universität Kiel
Sebastian Ilsungs Pilgerreise nach Santiago de Compostela 1446
Cord Gudegast
Geschichte/Englisch im 7. Semester
Ritterliche und höfische Kultur im Spätmittelalter
WS 1997/98
INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung 3
II. Forschungsbericht 5
III. Der Reiseverlauf 6
IV. Ilsungs Wahrnehmung der Umgebung 17
V. Zusammenfassung 22
LITERATURVERZEICHNIS 24
I. Einleitung
Santiago de Compostela - ein Name, der, viel stärker noch als Rom oder Jerusalem
den Zauber des Exotischen verströmt. In der heutigen Zeit ist es aber auch ein Name, mit dem nur Historiker und wirklich gläubige Katholiken mehr verbinden als : "Das kommt mir spanisch vor." Der Begriff "Pilger" leitet sich von peregrinus her, was ursprünglich "Fremder" bedeutet. Peregrinatio bedeutet "Reise ins Ausland / in die Fremde", also zunächst einmal einfach reisen, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben; in Anlehnung an Johannes 14,6 : "Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben [...]"
Ursprünglich haben die iro-schottischen Mönche, die im 5. und 6. Jht maßgeblich für die zunehmende Christianisierung des Deutschen Sprachraumes verantwortlich sind, mit der peregrinatio pro Christo - also dem heimatlosen Umherwandern im Namen Jesu - begonnen, bis die peregrinatio ad loca sancta - die Reise zu heiligen Orten - den gleichen Stellenwert erhielt.1
Seit dem 6. Jht. reiste man zu den Leidensstätten Jesu in Palästina, vorzugsweise nach Jerusalem. In dieser frühen Zeit galten diese Fahrten als Zeichen besonderer Heiligkeit, die nur von hohen Herren ausgeführt wurden.2
Diese Hausarbeit richtet sich nun an diejenigen, die sich dennoch für solche - etwas blasphemisch ausgedrückt - Randgebiete der Geschichte interessieren. Ich werde mich also bemühen, so zu schreiben, daß zumindest ein grober Überblick über die Pilgerfahrten nach Santiago entsteht, damit dieses Phänomen auch denjenigen verständlich wird, die sich bisher nicht mit diesem Aspekt der Geschichte auseinandergesetzt haben.
Natürlich ist es klar, daß diese Hausarbeit nur eine einstellige Leserzahl haben wird, jedoch sollen Seminararbeiten generell nur Übungen für die spätere Laufbahn sein, und da mein Weg aller Voraussicht nach Richtung Lehramt führen wird, ist es eine gute Übung, in einer wissenschaftlichen Hausarbeit so zu schreiben, daß sie eben nicht nur Wissenschaftler verstehen können. (Sollte sie darüberhinaus auch noch interessant zu lesen sein, ist das um so besser.)
Gegenstand der Untersuchung ist ein nachträglich verfaßter Reisebericht nach Santiago aus der Feder eines gewissen Sebastian Ilsung.
Die Familie Ilsung zählt zu den ältesten Patriziergeschlechtern Augsburgs und unterhielt gute Geschäftsbeziehungen nach Italien, insbesondere nach Venedig. Dafür verantwortlich ist der Bruder des Großvaters unseres Reisenden, der ebenfalls Sebastian hieß und auch lange Jahre das Amt des Bürgermeisters des unter Zunftherrschaft stehenden Augsburgs inne hatte. Bis zu seinem Tode 1425 war Sebastian der Ältere auch maßgeblich an der Beilegung des Streites um das Bischofsamt der Stadt zwischen Anselm von Memmingen und Peter von Schaumberg beteiligt. Der Papst entschied sich auf Zuspruch Ilsungs für Peter von Schaumberg, der zu einem der bedeutendsten Bischöfe Augsburgs aufstieg.
Durch freiwillig geleistete Kriegsdienste für den Kaiser wurde die Familie Ilsung in den Adelsstand erhoben.3
Der Großneffe und Namensvetter dieses bedeutenden Ilsungs ist vom 11.4. - 28.9. 1446 mit seiner Reisegruppe von Augsburg aus unterwegs und besucht diverse weltliche und geistliche Herren, bis er in Santiago de Compostela eintrifft und dort das Jakobusgrab bewundert. Die Pilgerfahrt nach Santiago ist ab dem Jahre 9504 durch Quellen belegt, ist aber mit Sicherheit wesentlich älter. Neben Rom und Jerusalem gehört sie zu den drei größten und bedeutendsten Wallfahrtsorten der Geschichte.
Wie nimmt ein Reisender an der Schwelle zur Neuzeit seine Umgebung wahr ?
Ist sein Bericht historisch korrekt ? War er wirklich (nur) auf einer Pilgerreise ? - Das sind nur einige der Fragen, die sich bei der Quellenlektüre stellen und hier bearbeitet werden sollen.
Daneben geht es aber auch darum, die grundsätzlichen Dinge zu erklären, um dem Leser zu vermitteln, wie es dazu kommt, daß man eine so weite Reise auf sich nimmt und Menschen aus aller Herren Länder zu den zahlreichen kleinen und großen Wallfahrtsstätten ziehen.
[...]
1 Herbers , Via peregrinalis , S. 5.
2 Plötz , Pilger und Pilgerfahrt , S. 178.
3 NDB Bd10 , S. 141.
4 Herbers, Via , S. 6.
Quote paper:
Cord Gudegast, 1999, Sebastian Ilsungs Pilgerreise nach Santiago de Compostela 1446, Munich, GRIN Publishing GmbH
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