2
Inhaltsverzeichnis
Seite
Abbildungsverzeichnis 3
Tabellenverzeichnis 3
1. Einleitung 4
2. Grundlagen und Definitionen
2.1 Definitionen 5
2.1.1 Textilien 5
2.1.2 Industrie 5
2.1.3 Textilindustrie 6
2.1.4 Industrialisierung / Industrielle Revolution 6
2.2 Gründe für den Beginn der Industrialisierung in England 7
3. Die Rolle der Textilindustrie im englischen Industrialisierungsprozess
3.1 Überblick über die textiltechnischen Innovationen 9
3.2 Volkswirtschaftliche Aspekte 18
3.3 Soziale Folgeerscheinungen der Industrialisierung 21
4. Führungssektordiskussion 26
Literaturverzeichnis 28
3
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1: Modell der wirtschaftlichen Entwicklung in „langen Wellen“ 7 Abbildung 2: Spinnmaschine von Lewis Paul und John Wyatt 10
Abbildung 3: Die Spinning Jenny von James Hargreaves 11
Abbildung 4: Die Water Frame von Richard Arkwright 12
Abbildung 5: Die Spinning Mule von Samuel Cromton 14
Abbildung 6: Produktivitätsentwicklung im Spinnverfahren 15
Abbildung 7: Mechanischer Webstuhl von Edmont Cartwright 16
Abbildung 8: Produktivitätsentwicklung im Webverfahren 17
Abbildung 9: Anstieg der Baumwollimporte 18
Abbildung 10: Ausfuhr von Baumwollstoffen aus Großbritannien 20
Abbildung 11: Bevölkerungsentwicklung in Großbritannien 22
Abbildung 12: Phasen der Industriellen Revolution in England 26
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Wachstum des Sozialproduktes in England 21
Tabelle 2: Berufliche Schichtung der Bevölkerung in England und Wales 22
Tabelle 3: Entwicklung der Reallöhne von 1700 bis 1849 23
4
1. Einleitung
Die folgende Arbeit befasst sich mit der Rolle der Textilindustrie im englischen Industrialisierungsprozess.
Zu Beginn der Arbeit werden zunächst die grundlegenden Begriffe und Definitionen erklärt. Desweiteren werden die Gründe für die frühe Industrialisierung in England aufgezeigt. Bis zum Beginn der Industrialisierung erfolgte die Garn- und Textilherstellung hauptsächlich als Nebenerwerb zur Landwirtschaft. Spinnen und Weben sowie die Produktion von Textilien fand deshalb meist in den Wintermonaten statt und war zum größten Teil für den Eigenbedarf bestimmt.
Im Hauptteil wird die Rolle der Textilindustrie im englischen Industrialisierungsprozess dargestellt. Begonnnen wird mit einem Überblick über die textiltechnischen Entwicklungen und Innovationen während des Industrialisierungsprozesses verbunden mit der Mechanisierung und der Rationalisierung der Produktion in der Textilindustrie. Anschließend werden die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft dargestellt. Da sich der Industrialisierungsprozess der Textilindustrie jedoch nicht nur auf den wirtschaftlichen Bereich auswirkte, werden im Anschluss daran die sozialen Folgeerscheinungen der Industrialisierung aufgezeigt. Den Abschluss der Arbeit bildet die Führungssektordiskussion, in der zusammenfassend erörtert wird, ob der Textilindustrie eine führende Rolle im englischen Industrialisierungsprozess zugeordnet werden kann. In einem kurzen Exkurs wird dann abschließend im Vergleich die Rolle der Textilindustrie im deutschen Industrialisierungsprozess bewertet.
5
2. Grundlagen und Definitionen
2.1 Definitionen
2.1.1 Textilien
Als Textilien (lat.: texere= weben, flechten) werden Materialien bezeichnet, die aus verspinnbaren Fasern hergestellt sind. Zu ihnen zählen nach DIN 60 000 Faserstoffe für den textilen Einsatz, textile Halbfabrikate und Fertigwarenfabrikate, wie z.B. Garn und Zwirn sowie die daraus hergestellten textilen Fertigwaren (z.B. Kleidung). 1 Nach ihrem Ursprung werden die Faserstoffe in Naturfasern und Chemiefasern gegliedert. Zu den Naturfasern zählen sowohl pflanzliche Fasern wie Baumwolle, Flachs und Hanf als auch tierische Fasern wie Wolle, Naturseide und Haare sowie mineralische Fasern wie Asbest. Diese natürlichen Fasern und Haare werden erst durch das Spinnen zu Garnen und Gespinsten für die weitere Verarbeitung verwendungsfähig gemacht. Eine Ausnahme bildet jedoch die Naturseide, wenn sie als Endlosfaden anfällt. 2 Die Chemiefasern umfassen alle Textilfäden und -fasern, die chemisch hergestellt wurden. Unterschieden werden Chemiefasern aus zellulosischen Fasern (z.B. Viscose) und aus synthetischen Fasern (z.B. Polyester). 3 Neben den Naturfasern und den Chemiefasern bestehen zudem Fasermischungen aus Naturfasern und Naturfasern, Naturfasern und Chemiefasern und Chemiefasern und Chemiefasern. Diese Mischungen ermöglichen eine Kombination der positiven Eigenschaften der einzelnen Fasern sowie einen Ausgleich ihrer nachteiligen Eigenschaften. 4
2.1.2 Industrie
Die Industrie ist ein Teil des Produzierenden bzw. spezieller des Verarbeitenden Gewerbes. Im Gegensatz zur gewerblichen Produktion werden bei der industriellen Produktion arbeitsteilig in einzelnen Produktionsstufen und unter dem Einsatz technischer
Produktionseinrichtungen und Energie relativ gleichförmig und in
1 Vgl. Lösch, J. 1971, S. 345
2 Vgl. Lösch, J. 1971, S. 237
3 Vgl. Lösch, J. 1971, S. 56f.
4 Vgl. Peek & Cloppenburg KG 2004, S.29
6
Massenherstellung Halb- und Fertigprodukte für einen meist anonymen, spezifischen und überregionalen Absatzmarkt erzeugt. Aufgrund der größeren Betriebsstätten und der höheren Beschäftigtenzahl werden größere Produktionswerte und Umsätze erzielt als bei der gewerblichen Produktion. Zudem besteht eine Trennung von Produktions- und Arbeitsstätten sowie zwischen Wohnort und Betriebsanlagen. Ein weiteres Merkmal der Industrie ist die Differenzierung der Arbeitskräfte zwischen an- und ungelernten Arbeitern und Facharbeitern. 5
2.1.3 Textilindustrie
In den Betrieben der Textilindustrie werden die textilen Rohstoffe zu textilen Halb- und Fertigfabrikaten verarbeitet. Diese Verarbeitung umfasst verschiedene Produktionsstufen. In der Stufe der Vorbereitung wird der Rohstoff zunächst geöffnet und gereinigt. Anschließend wird der Faserstoff für das Spinnen durch Krempeln und Kämmen aufbereitet, so dass parallelisierte Faserbänder entstehen. In der zweiten Produktionsstufe erfolgt die Garnherstellung, indem man den Rohstoff gleichzeitig verdreht und verstreckt, so dass ein gleichmäßiger Faden entsteht. Im nächsten Schritt folgt die Flächenherstellung. Durch das Verkreuzen der Kett- und Schussfäden entsteht das Gewebe. In den letzten Produktionsstufen kann dieses Gewebe beispielsweise durch Bleichen, Färben oder Bedrucken veredelt sowie abschließend konfektioniert werden. 6
2.1.4 Industrialisierung / Industrielle Revolution
Als Industrialisierung wird der Vorgang der räumlichen Ausbreitung von Industrien und der damit verbundenen Form des rationellen arbeitsteiligen Wirtschaftens, verbunden mit dem Herauswachsen der Industrie aus der gewerblichen Handarbeit sowie der zunehmenden Aufgliederung in verschiedene Produktionsschritte, bezeichnet.
Der Prozess der Industrialisierung bezieht sich jedoch nicht nur auf den wirtschaftlichen Bereich, sondern er wird zudem durch soziale Folgeerscheinungen und die Entstehung der Industriegesellschaft begleitet.
5 Vgl. Heineberg, H. 2003, S. 149f.
6 Vgl. Lösch, J. 1971, S. 370ff.
7
Der Begriff der Industriellen Revolution ist nicht gleichbedeutend mit dem reinen Industrialisierungsprozess. Die Industrielle Revolution ist das Ergebnis verschiedener historischer, politischer und technischer Kräfte im Zusammenspiel mit der Industrialisierung und bewirkte rasche technologische, ökonomische und soziale Veränderungen, die in Großbritannien etwa im Jahr 1760 einsetzten und den Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft markierte. 7
2.2 Gründe für den Beginn der Industrialisierung in England
Das Zusammentreffen zahlreicher Einflussfaktoren aus dem politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich und die Entwicklung von grundlegenden technischen Neuerungen, die in zyklischen Abständen gehäuft auftraten, lösten wirtschaftliche Wachstumsschübe aus und begünstigten den frühen Beginn der Industrialisierung in England (Vgl. Abbildung 1). 8
Quelle: Heineberg, H. 2003, S. 114
7 Vgl. Heineberg, H. 2003, S. 151ff. und Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG 2006,
abgerufen am: 10.04.2007
8 Vgl. Heineberg, H. 2003, S. 114
9 Theorie der „langen Wellen“ von Kondratieff: Seit der Industriellen Revolution bildeten sich
vier bis fünf „lange Wellen“ mit jeweiligem wirtschaftlichen Aufschwung durch wichtige
Basisinnovationen
8
Schon im 17. Jahrhundert bildete England aufgrund seiner zentralen geographischen Lage und der guten Seeweganbindung das Zentrum des europäischen Handels. Aufgrund der weltweit größten Handelsflotte sowie ihrer Kolonien, entwickelte sich England zur größten Handelsmacht in Europa. Ein weiterer wichtiger Bedingungsfaktor für den Beginn der Industrialisierung war, dass England einen zusammenhängenden und überschaubaren Wirtschaftsraum und gleichzeitig auch das größte einheitliche Handelsgebiet ohne Binnenzölle und andere Handelshemmnisse in Europa darstellte. Desweiteren gab es keine Gewerbebeschränkungen durch Zünfte, und England konnte bereits zum Beginn der Industrialisierung auf ein weit entwickeltes Banken- und Versicherungssystem aufbauen. Eine wesentliche Vorraussetzung für die frühe Entwicklung war außerdem die Effizienzsteigerung und die erhöhte Produktivität in Ackerbau und Viehzucht durch neue Techniken, Zuchtmethoden und den Einsatz von Düngemitteln. Durch den Wechsel von der Dreifelder- zur Wechselfruchtwirtschaft konnten ertragsreichere Ernten in den landwirtschaftlichen Großbetrieben erzielt werden. Dies sicherte die Versorgung mit Nahrungsmitteln und bildete, neben dem medizinischen Fortschritt und den verbesserten Hygienebedingungen, die Vorraussetzung für ein starkes Bevölkerungswachstum und führte zu einem erhöhten Angebot an in der Industrie einsetzbaren Arbeitskräften. Erst das Zusammenspiel all dieser Faktoren führte zu einem Multiplikatoreffekt und begünstigte die frühe industrielle Entwicklung Englands sowie den Ausbau der Textilindustrie. 10 Welche Rolle die Textilindustrie im englischen Industrialisierungsprozess spielte, wird nun im folgenden Kapitel dargestellt.
10 Vgl. Paulinyi, A. / Troitzsch, U. 1991, S. 272ff.
Vgl. Artz, P. C. 2006, abgerufen am 15.04.2007
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Verena Bayer, 2007, Die Rolle der Textilindustrie im englischen Industrialisierungsprozess, München, GRIN Verlag GmbH
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