Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Reaktion der Kinder auf die Scheidung 5
2.1 Im Hinblick auf das Alter 5
2.2 Im Hinblick auf das Geschlecht 8
2.3 Im Hinblick auf den sozioökonomischen Status 9
3. Das gemeinsame Sorgerecht 10
3.1 Die verschiedenen Modelle des gemeinsamen Sorgerechts 14
4. Schluss 16
5. Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Bereits seit Jahrzehnten steigt die Scheidungsrate in Deutschland kontinuierlich an, eine Abschwächung der jährlichen Zunahme an Scheidungsfällen ist derzeit nicht in Sicht. Bereits seit längerem beschäftigt sich die Wissenschaft mit der Erforschung der psychischen Auswirkung der Scheidung auf die betroffenen Kinder. Eine Durchsicht der Untersuchungen zu den Scheidungsfolgen zeigt, dass die Scheidung der Eltern für die meisten Kinder ein einschneidendes Ereignis in ihrem Leben ist, das sie nur schwer verarbeiten können und das oft zu psychischen Problemen und Verhaltensstörungen führt. Insgesamt können als typische Scheidungsfolgen Verhaltensauffälligkeiten, Angst vor dem Verlassenwerden, Wut, Trauer, Schuldgefühle, Störungen des Selbstwertgefühls, Loyalitätskonflikte und ein allgemeines Misstrauen in die Verlässlichkeit menschlicher Beziehungen identifiziert werden. Allerdings weisen auch einige Autoren darauf hin, dass auch einige Kinder die Scheidung und die stressvolle Zeit der Umstellung danach relativ unbeschadet überstanden haben (vgl. Hetherington 1980, Camarra & Resnick 1980). Es stellt sich somit die Frage, welche Variablen diesen Kindern helfen, die Scheidung besser und unproblematischer zu verarbeiten als anderen Kinder, um sich gut an die neuen Lebensverhältnisse anzupassen. Als eine diese Anpassung fördernde Variable wird zunehmend die gemeinsame Ausübung des Sorgerechts der geschiedenen Eltern angesehen. Es wird vor allem von Seiten geschiedener Väter, aber auch von Psychologen, von Juristen und von Sozialarbeitern die Forderung erhoben, nach einer Scheidung die Kinder nicht mehr einem Elternteil allein zuzusprechen und dem anderen Elternteil lediglich ein Besuchsrecht einzuräumen, sondern die rechtliche Möglichkeit zu eröffnen, dass sich beide Eltern auch nach der Scheidung das Sorgerecht für ihre Kinder teilen. Dass diese Reglung für den ansonsten nur besuchsberechtigten Elternteil Vorteile mit sich bringt, ist evident. Sie ermöglicht die Mitentscheidung bei wichtigen Weichenstellungen im Leben des Kindes, so z. B. bei der Schulwahl oder der religiösen Erziehung und begründet ein Informationsrecht z. B. durch Schule und Ärzte, was ihm ohne das gemeinsame Sorgerecht verwehrt wäre. Überdies bietet das gemeinsame Sorgerecht mehr Möglichkeiten zu Kontakt und Umgang mit dem Kind, als es ein lediglich besuchsberechtigter Elternteil hätte.
Bringt das gemeinsame Sorgerecht der geschiedenen Eltern jedoch auch Vorteile für das Kind? Ist das gemeinsame Sorgerecht tatsächlich ein Faktor, der den von Scheidung betroffenen Kindern die Anpassung an die neue Familien- und Lebenssituation erleichtern kann?
Diesen Fragen will ich in der folgenden Arbeit nachgehen. Dazu soll zunächst ein Überblick
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zu den allgemeinen Folgen einer Scheidung für die Kinder im Hinblick auf das Alter, das Geschlecht der Kinder und im Hinblick auf den sozioökonomischen Status gegeben werden. Anschließend soll der Forschungsstand zu der Frage, ob das gemeinsame Sorgerecht geschiedener Eltern die Anpassung der Kinder an die Scheidung erleichtern kann, dargestellt werden. Schließlich soll die Lebenssituation von Kindern, deren Eltern nach einer Trennung das gemeinsame Sorgerecht ausüben und die Auswirkung der Scheidung auf die psychische Verfassung und das Verhalten dieser Kinder erläutert werden.
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2. Reaktionen der Kinder auf die Scheidung
Die Reaktion der Kinder auf die elterliche Scheidung hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Das Alter sowie das Geschlecht der Kinder spielt eine Rolle für ihr Verhalten nach der Scheidung, zudem beeinflusst die sozioökonomische Lage der Familie ihre Reaktion. In Langzeituntersuchungen wurde festgestellt, dass Kinder geschiedener alleinerziehender Eltern insgesamt mehr Anpassungsprobleme haben und sozial und schulisch weniger kompetent waren als Kinder aus nicht geschiedenen Ehen und Kinder, die bei einem geschiedenen, aber wiederverheiratetem Elternteil lebten (vgl. Sluka, 1996, S. 7). Die Scheidung der Eltern ist für das betroffene Kind immer ein gravierendes Lebensereignis, das sie zunächst in eine Krise stürzt. Über die unmittelbaren Krisensymptome hinaus belastet die Scheidung sie schwer und langdauernd und verunsichert sie für ihren weiteren Lebensweg. Akute Symptome einer Scheidungskrise sind Trauer, Gefühle der Kränkung, Wut, Schuldgefühle, Ruhelosigkeit, Loyalitätskonflikte, Angst vor weiteren Verlusten, verstärkte Abhängigkeit von verbliebenem Elternteil, sozialer Rückzug, Enuresis, Schlaflosigkeit, Lernstörungen, disziplinäre Schwierigkeiten in der Schule und Familie und unter Umständen auch psychosomatische Erkrankungen. Zudem kann es noch zu chronischen Auswirkungen kommen, im Sinne einer erhöhten Disposition für spätere neurotische Entwicklungen.
2.1 Im Hinblick auf das Alter
Im Hinblick auf das Alter der Kinder ist nach Langzeitstudien bewiesen worden, dass Kinder im Vorschulalter (3 bis 5,5 Jahre) in der Zeit nach der Scheidung massive Verhaltensveränderungen aufweisen. Sie neigen zu Aggressionsausbrüchen, sind weinerlich, irritierbar und ängstlich. Sie leben mit der Angst, den ihnen verbliebenen Elternteil auch noch zu verlieren und verlieren das Vertrauen in ihre Bezugspersonen. Durch diese Verhaltensänderungen folgen Rückfälle in der Reinlichkeitserziehung, ferner leiden die Kinder unter Schlafstörungen. Viele Kinder dieses Alters geben sich selbst die Schuld, dass ein Elternteil die Familie verlassen hat. Sie werfen sich vor, wenn sie folgsamer gewesen wären, wäre der Vater/die Mutter bei ihnen geblieben. Daraus resultiert dann ein verringertes Selbstwertgefühl der Kinder, sie fühlen sich wertlos und nicht liebenswert genug, um den Elternteil zu halten.
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Arbeit zitieren:
Linda Brüggemann, 2005, Scheidungsfamilien - Das gemeinsame Sorgerecht, München, GRIN Verlag GmbH
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