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Gliederung
Seite
1. Einleitung 3
2. Der Varietätenbegriff 4
3. Die vier Dimensionen synchroner Variation 5
3.1 Die diatopische Varietät 5
3.2 Die diamesische Varietät 7
3.3 Die diasituative Varietät 8
3.4 Die diastratische Varietät 9
4. Zur Abgrenzungsproblematik und Sonderstellung einzelner Varietäten 10
5. Die diachronische Variable 11
6. Schichtungsmodelle und Entwicklungen im italienischen Sprachrepertoire 11
6.1 Das diatopische Modell Pellegrinis 11
6.2 Sabatinis italiano dell’uso medio 12
6.3 Castellanis italiano normale 13
6.4 Tendenzen im italienischen Varietätenspektrum 14
7 Schlussbemerkungen 14
8 Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
Bereits der „Vater der italienischen Sprache“ Dante Alighieri, der sich - unter anderem - als erster auch theoretisch mit Sprache auseinandersetzte, wies in seiner theoretischen Abhandlung De vulgari eloquentia auf das unbeständige Wesen des Menschen und die damit verbundene örtliche und zeitliche Variation von Sprache hin.
Die vorliegende Arbeit soll den modernen Aspekt der Diskussion um die Questione della lingua in der italienischen Sprachwissenschaft anhand des Varietätensystems untersuchen. Der Begriff des „Varietätensystems“ bringt mich zunächst zu einigen grundlegenden Überlegungen bezüglich der Themenstellung; ist doch von einem „System“ die Rede und nicht etwa vom „Varietätenspektrum“ oder schlicht von den „Varietäten“. Ferner geht es um das Varietätensystem „des heutigen Italienisch“, wobei dadurch einerseits die diachronische Variable eingeschränkt wird und sich andererseits die Frage aufdrängt, ob es denn „das“ heutige Italienisch im Sinne eines einzigen, eines bestimmten gibt. Dies lässt sich eben, aufgrund der Existenz von sprachlichen Varietäten, verneinen.
Einer grundlegenden Annäherung an den Begriff der Varietät, soll, in einem deskriptiven Teil, die Darstellung der synchronen und diachronen Varietäten folgen, die es anhand ausgewählter Beispiele zu verdeutlichen gilt. Weiterhin sollen die Verzahnungen zwischen diesen bisweilen schwer abgrenzbaren, letztlich voneinander untrennbaren Varietäten beleuchtet werden. Schließlich wird, nach dem von Giovanni Battista Pellegrini entwickelten, traditionell diatopisch ausgerichteten Modell zur Anordnung bzw. Schichtung der komplexen Varietätenvielfalt, ein ausgewähltes aktuelles Modell, nämlich das Francesco Sabatinis, einschließlich dessen Kritik durch Arrigo Castellani vorgestellt. Darauf folgen Untersuchungen zu Bewegungen bzw. Verschiebungen innerhalb des italienischen Sprachrepertoires. In einem abschließenden Teil soll zuletzt über die Bedeutung der einzelnen Varietäten, über ihre Stellung im Vergleich zueinander, reflektiert werden.
1 Dante Alighieri, De vulgari eloquentia, a cura di M. Barbi, E. G. Parodi u.a., Le Opere di Dante, Florenz ²1960, I, ix, 6, S. 304
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2. Der Varietätenbegriff
Im Widerspruch zur Annahme der Homogenität der von ihm definierten langue, von der der „Vater des Strukturalismus“ Ferdinand de Saussure ja ausging, lässt sich vom heutigen Standpunkt aus klar konstatieren: Sprache ist nicht homogen. Erst in den letzten 20-30 Jahren begann die Linguistik schließlich, sprachliche Varianten zu untersuchen und zu erkennen, dass neben der Veränderlichkeit von Sprache durch den Faktor „Zeit“, neben der diachronen Variable also, auch synchron sprachliche Variation vorliegt. 2 Nachdem lange Zeit nur die sprachliche Kompetenz eines idealen Sprechers bzw. Hörers untersucht wurde, entwickelte man jetzt neue Begriffe, wie etwa Eugenio Coseriu den des Diasystems, als eine Summe von „Sprachsystemen“ anstatt eines einzigen „Sprachsystems“. 3 Er unterschied hierbei diachronische, diatopische, diastratische und diaphasische (bzw. diasituative) Varietäten. Erst später trat der Begriff der diamesischen Varietät hinzu. Sprache ist also kein völlig homogenes System, was bereits aus der objektiven Tatsache der Existenz von Varietäten folgt. In Anbetracht der unendlichen Palette verschiedener Möglichkeiten, die das Gesamtsystem „Italienisch“ bietet, versteht man unter dem Begriff der Sprachvarietät also „l’insieme degli elementi mutevoli con cui un sistema linguistico si presenta pur restando, nell’insieme, la 'stessa' lingua.“ 4 Die Varietätenlinguistik beschäftigt sich unter anderem mit den Beziehungen von Sprachvarietäten zueinander, insbesondere mit den Beziehungen zwischen dem Standard und anderen Varietäten. 5 Kein Sprecher, geprägt durch verschiedenste sprachliche Einflüsse, spricht eine homogene Sprache. 6 Im Zusammenhang mit der sprachlichen Variation ein und desselben Sprechers spielen die Begriffe des Ideolekts und des Registers eine entscheidende Rolle. Geographische Faktoren beeinflussen das Individuum ebenso, wie soziale und situative Faktoren. Es sind also außersprachliche Größen, die das Sprachverhalten des Sprechers (situationsbedingt) determinieren. Der Ideolekt eines - zur Vereinfachung einsprachig anzunehmenden -Sprechers, ist die Gesamtheit der Subsysteme über die dieser verfügt. 7 Das zu wählende Register hängt vom Grad der Formalität der Interaktion ab, wobei entsprechend eine Variation im sprachlichen Gebrauch erfolgt. 8 Was die Sprachkompetenz eines Sprechers betrifft, ließe sich abschließend Folgendes festhalten:
2 D. Antelmi / G. Garzone / F. Santulli, Lingua d’oggi. Varietà e tendenze, Milano 1998, S. 1
3 E. Coseriu, Einführung in die strukturelle Betrachtung des Wortschatzes, hg. v. G. Narr, Tübingen ²1973, S. 32
4 Antelmi, S. 1
5 M. Berretta, „Varietätenlinguistik des Italienischen. Linguistica delle varietà“, in: G. Holtus / M. Metzeltin / C. Schmitt (Hgg.), LRL, Bd. IV, Tübingen 1988, S. 762
6 G. Holtus / E. Radtke (Hgg.), Varietätenlinguistik des Italienischen, Tübingen 1983, S. 12
7 Antelmi, S. 7
8 Ebd., S. 8
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”(...) la competenza di un parlante consiste nel disporre di un ideoletto che gli permetta di usare la varietà di lingua giusta nella situazione comunicativa giusta, nel contesto giusto, ed in modo adeguato all’argomento da trattare.” 9
3. Die vier Dimensionen synchroner Variation
Im Zusammenhang mit der Darstellung der verschiedenen Varietäten des Italienischen folgen zunächst Ausführungen unter synchronen Gesichtspunkten. Auf die Ebene des zeitlichen, diachronen Verlaufs soll weiter unten eingegangen werden. Nachdem die Notwendigkeit der Einbeziehung von Variation in künftige Modelle erkannt wurde, gewann der Begriff des Diasystems an Bedeutung. In der Linguistik versteht man unter Diasystem „un insieme di sistemi con molti tratti in comune“ 10 oder mit spezifischeren Worten ausgedrückt „un sistema di livello superiore costruito a partire da più sistemi (in particolare, diversi per localizzazione spaziale) aventi somiglianze parziali” 11 . Man unterscheidet diatopische, diamesische, diaphasische bzw. diasituative und diastratische Varietäten.
3.1 Die diatopische Varietät
Das Konzept der diatopischen Varietät bezieht sich auf geographische, örtliche Faktoren; mit anderen Worten auf das Gebiet, in dem die Sprache verwendet wird bzw. auf die Region, aus der die Sprecher stammen. Auf dem Territorium der Italoromania divergieren gerade die Dialekte in diesem Maße sicherlich unter anderem aufgrund der zahlreichen Substrate und Superstrate. Eine genaue sprachgeschichtliche Betrachtung kann in diesem Rahmen jedoch nicht erfolgen, zumal ja das „Varietätensystem des heutigen Italienisch“ untersucht werden soll. Auch was die Einteilung der italienischen Dialekte betrifft, kann hier lediglich auf die in der Literatur übliche Grobgliederung in ober- bzw. norditalienische (dialetti settentrionali), mittel-und süditalienische (dialetti centro-meridionali) und schließlich toskanische Dialekte (dialetti toscani) hingewiesen werden. 12
Wie aber entwickelte sich der Gebrauch des Dialekts einerseits und der Standardsprache andererseits? Unter Standard soll ein neutraler, werturteilsfreier Begriff für die weitgehend verbreitete, (im Gegensatz zur Norm) tatsächlich realisierte und ziemlich homogene
9 Ebd.
10 G. Berruto, „Le varietà del repertorio”, in: A. A. Sobrero (Hg.), Introduzione all’italiano contemporaneo. La variazione e gli usi, Bari 1993, S.4
11 Ebd.
12 Vgl. beispielsweise L. Coveri / A. Benucci / P. Diadori, Le varietà dell’italiano. Manuale di sociolinguistica italiana, Roma 1998, S. 35
Arbeit zitieren:
Thomas Strobel, 2000, Das Varietätensystem des heutigen Italienisch, München, GRIN Verlag GmbH
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